Beiträge von Zimttee

    Mir hilft es sehr, mir rational vor Augen zu halten, welche Möglichkeiten mein Vater hatte, von Mutter loszukommen. Dass wir schon unzählige Gespräche hatten, aus denen er keine Konsequenzen ableiten will.

    Mutter hat ein Recht zu trinken, er hat das Recht, ihr dabei zuzugucken. Er muss abwägen, was besser für ihn ist. Und, aus welchem Grunde auch immer, guckt er ihr lieber dabei zu. Ich habe mich dagegen entschieden. Auch das ist mein Recht.

    Panik habe ich nur davor, was aus Vater wird, wenn Mutter nicht mehr ist. Der kommt alleine gar nicht klar. Er ist momentan so verwirrt, versteht vieles falsch, vergisst viel und kann sich nicht selbst alleine versorgen. Er ist sehr schnell total überfordert.

    Ich hatte auch unzählige Unterhaltungen mit meinem Vater. Das Wort Scheidung ist nie von seiner Seite aus gefallen.. Ich wollte mir das nicht mehr antun und habe ihm dann bei dem letzten Gespräch gesagt, dass er meine Meinung ja kenne, sich diese nicht mehr ändern werde und er sich gerne wieder deswegen bei mir melden könne, wenn er wirklich was tun möchte und nicht nur im Selbstmitleid baden wolle. Der Verantwortung nehme ich mich nicht mehr an.

    Angst soll bei EKAs weit verbreitet sein. Im Prinzip bestand dann die Kindheit ja nur aus Angst, die man dann auf andere Situationen überträgt. Ich habe mal gelesen, dass die Wahrscheinlich, an Angststörungen zu erkranken, bei Menschen, die in ihrer Kindheit von Gewalt betroffen sind, um ein Vielfaches höher ist. Gewalt schwingt bei EKAs immer mit. Wenn es auch psychische Gewalt ist.

    Was Krankheiten betrifft, nicht so. Ich habe vor 3 Jahren wirklich eine heftige Diagnose einer chronischen Erkrankung, die meine Lebensqualität und Eigenständigkeit im (frühen) Alter wohl massiv einschränken wird, bekommen. Danach ging es mir 1 Jahr total mies, ich hab das Vertrauen in meinen Körper verloren. Mir hat geholfen, dass ich mich in der Sache auf meine Intuition verlassen konnte und wusste, dass da was nicht stimmt.. Und dass die Werte seitdem konstant sind. Seitdem geht es. Hilfe, morgen ist der nächste Kontrolltermin :(
    Aber ich habe heftig Angst davor, zu versagen oder von anderen Menschen als minderwertig oder dumm angesehen zu werden. Hab Prüfungsangst und neige zu Prokrastination. Das gehe ich momentan an und es klappt. Ich bin mir darüber klar geworden, dass es wohl daher kommt, dass meine Mutter mich früher immer abgewertet hat und ich sehr lange glaubte, dass sie Recht hätte. Ich wäre zu fett, zu dumm, zu unselbstständig, halte mich ja für sooo schlau und könne nichtmal einen Besen richtig halten. Vater hatte Angst, dass ich Dinge nicht schaffe (er traut sich selbst nichts zu und projiziert das wohl auf mich) und wollte mich vor Enttäuschung bewahren, indem er mich auf den vermeintlichen Boden der Tatsachen holen wollte. Jetzt staunt er Bauklötze, wenn er sieht, dass ich Glühbirnen austauschen oder Fliegengitter anbringen kann. Selbst das traute er mir nie zu.
    Nunja.. So hängt wohl alles zusammen. Ich bin wg Prüfungsangst bei einem Coach, seitdem klappts.

    Viele Grüße,
    Natalie

    Hey Miriel!

    Das ist echt eine tolle Chance! Nach Frankreich- wow.
    Warum machst du dir solche Gedanken darum, ob du da überhaupt hin darfst? Er ist doch ein normaler alter Bekannter und nicht der Ex oder der potentielle nächste Freund. Ich finde es total normal, dass man als Frau auch männliche Bekannte haben kann. Hab ich auch, u.a. auch einen besten Freund, mit dem ich mich ab und an alle 2-3 Wochen treffe. Mein Freund vertraut mir da- und er hat auch keinen Grund zu zweifeln.
    Ich glaube, du machst dir da echt mehr Gedanken um eine Reise, die du bloß in Erwägung ziehst, als dein Partner sich darum, was er dir antut, wenn er weiter trinkt.

    Das ist jetzt wirklich mal Zeit nur für dich- mit Sommer, Sonne und anderen Gedanken. Das würde dir gut tun- und darum geht es hier doch! =)

    Ein kleiner Gedanke, der mir so kam, als ich den kompletten Beitrag gelesen habe. Du schreibst immer nur, was er sagt, wie es dir damit geht. Aber hast du dir mal Gedanken um deinen Sohn und Tochter gemacht?
    Wie verloren und verzweifelt sich deine Tochter fühlte, als er sie der Wohnung verwiesen hat? Das, was sie ihm sagte, das war keine Unverschämtheit, sondern das Mädel hatte Recht! Und dann wird sie noch vor die Tür gesetzt- wenn mein Partner eines meiner Kinder vor die Tür schieben würde, würde ich den wehrten Gatten vor die Tür setzen. Es ist ihr zu Hause, ihr Schutzraum. Dort sollten Kinder Ruhe und Frieden habe, es ist ihr Rückzugsort. Ich meine, du siehst es doch, wie sie reagiert, sie verteidigt sich, wehrt sich und weist ihn in seine Schranken- du machst dir aber keine Gedanken darum, was in ihnen vorgeht, sondern schreibst hier auf 5 Seiten über die verqueren Gedanken und Lügen und nicht ernstgemeinten Beteuerungen deines XY. Und wägst ab, ob ihr nicht vielleicht doch eine Chance hättet.
    Wenn sich deine Kinder damals schon in ihre Zimmer verzogen haben, fühlt sich das an, wie in einem Gefängnis. Und das im eigenen Zuhause. Dem eigentlichen Schutzraum.
    Deine Kinder kommen jetzt wieder vom Regen in die Traufe- kaum wähnen sie ihr Leben wieder in geregelten Bahnen und den Typen vor der Tür, weil er eine andere .... gefunden hat, steht er ihnen doch wieder im Nacken und sein Einzug und das Einknicken der Mutter droht wieder. Auch das ist ein unerträgliches hin und her.
    Nimm mir meine Zeilen nicht übel, aber das ist das, was ich hier bisher vermisse. Und ich weiß, wovon ich schreibe.. Ich habs selbst lange genug durch und erlebe jeden Tag noch die Konsequenzen.
    Wie es dir mit dem XY geht, ist das eine. Er lullert dich echt ein und ich verwette meinen Monatslohn darauf, dass er sich kein Stück ändern wird- ihr werdet wieder in der gleichen Hölle landen. Dass das nichts wird, merkt man doch jetzt schon an seiner Einstellung. Wieso grübelst du da noch? Lass dich nicht für dumm verkaufen.
    Wie gesagt, euer Problem ist das eine- aber das andere sind deine Kinder, für die und deren psychischer Gesundheit du die Verantwortung trägst. Und das sollte über einem Lügner, Betrüger und Säufer stehen.

    Verzeih mir die Worte... Ich hoffe, dass sie dich wachrütteln.

    Geraldjin hat absolut Recht- das ist wohl die bittere Wahrheit.

    Ich glaube, der Unterschied zwischen einer persönlichen Beratung und hier ist, dass wir uns gegenseitig nicht sehen. Würde ich vor dir sitzen, würde es mir wahrscheinlich auch schwer fallen, Tacheles zu reden- auch weil die Aussagen, die ja dann schon scharf sind, noch einiges an Schärfe durch nonverbale Kommunikation erhalten- das wäre vllt too much.
    Und beim Lesen ists ja auch so, dass du bestimmst, wieviel du lesen möchtest. In einer persönl. Beratung wäre das noch schwieriger.
    Und ich weiß auch nicht, inwiefern die Berater das selbst alles durchhaben? Vielleicht haben wir traurigerweise einfach mehr Erfahrung.

    Ich würde am Freitag nach dem Termin einfach mal fragen, wie der Termin war und wie es nun weitergeht. Habe ich damals bei Mutter auch. Zumindest schwingen da ja keine (direkten) Erwartungen mit drin, sondern du fragst einfach nach seiner Meinung. Sonst ist die Gefahr wieder zu groß, dass du den Kopf in den Sand steckst, wenn du vor der Wahrheit flüchtest und alles, was die Sucht betrifft, ausblendest. Ich überlege immer, was ich auch einen gesunden Menschen fragen würde-und nach einem Arztbesuch würd ich schon fragen, was los ist. Also, ist das meiner Meinung nach legitim. Es soll ja auch dir Klarheit bringen, wie er nun vorgehen möchte. Ihm vorher eintrichtern, was er zu sagen hat, würd ich auch nicht. Ich meine, er weiß schon, wo der Hase läuft- ob er nun beim Arzt ehrlich ist, wird dir zeigen, was wirklich bei ihm hintersteckt. Wenn er dann wieder kommt und erzählt, dass alles ok ist und der Arzt zufrieden war.. Weißt du bescheid. Dann hast du da wohl nicht mehr allzuviel zu erwarten. Dann würde ich auch das Feld räumen.

    Du sagst, dass deine Kindheit nicht soo vom Alkoholmissbrauch deines Vaters geprägt war- aber dennoch scheint sich nun das gleiche bei dir abzuspielen wie bei deinen Eltern. Du suchst dir einen Typen, der die Person deines Vaters mit all seinen Suchtproblemen und Suchteinstellungen wiederspiegelt und begibst dich in die Rolle deiner Mutter. Ich bin der Meinung, dass uns vieles prägt, was wir gar nicht wahrnehmen- und das ist weitaus gefährlicher als das, was wir beschreiben können. Weil das, was uns bewusst ist, können wir umgehen. Aber das, was unbewusst vorhanden ist, können wir nicht erkennen und bekämpfen. Vieles von den Problemen meiner Eltern ist mir offensichtlich, weil sie ihre Kämpfe immer offen ausgetragen haben. Aber dennoch gibt es da auch noch Baustellen, die zum Beispiel meine frühe Kindheit betreffen. Schon damals hat sie mich entwertet und niedergemacht, hat ihre Überforderung an mir ausgelassen- und das steckt tief, damals hab ich nicht gemerkt, dass sie "nicht richtig tickt", sondern ich dachte, dass eine Mutter schon Recht hat, wenn sie sowas über ihr Kind sagt.

    Das spüre ich jetzt noch, wenn ich vor Prüfungen bin, wenn ich mich in Gruppen integrieren will. Ich bin dauernervös und wirke auf sämtliche Menschen gestresst- egal, ob es meine Chefs sind oder Professoren an der Uni. Man braucht mich nicht sonderlich zu kennen, um das zu bemerken. Ich habe sogar eine Überproduktion von Stresshormonen entwickelt :( Ich habe neulich mit meinem Coach erarbeitet, warum ich tagsüber nicht lernen kann, sondern erst, wenn es dunkel wird. Ganz einfach: Tagsüber war Mutter meist betrunken oder angeschickert, rannte hinter mir her, wenn ich veruchte mich zu entspannen oder es gab riesige Streits (Schreien, Gewalt) meiner Eltern, die durch Mark und Bein gingen. Schon das war psychische Misshandlung. Wenns ganz schlimm war, war ich dann noch der Blitzableiter. Zu Hause habe ich den Tag nur vergammelt, irgendwie rumkriegen, nicht nachdenken müssen. Zur Ruhe kam ich erst, wenn es dunkel wurde, Mutter ab 21, 22Uhr den Rausch auf dem Sofa ausschlief und später beide ins Bett gingen.
    Es ist echt erschreckend, wie sehr Menschen anderen mit ihrer Alkoholsucht das Leben schwer machen können. Und es macht mich umso wütender, wenn ich mitbekomme, wie egal es ihnen ist und mit welchen Mitteln sie ihre Sucht weiterleben wollen. Ich glaube, kaum ein Co weiß, worauf er/sie sich einlässt, wenn er/sie sich auf einen Abhängigen einlässt. Das dicke Ende kommt erst Jahre später, bis dahin verändert sich die Beziehung schleichend, dass man es kaum merkt oder merken will. Und irgendwann sitzt man zu sehr drin, um einfach so gehen zu können und hat schon den ersten Knacks weg.
    Anfangs haben Alkoliker ja durchaus noch lichte und liebe Momente und sind vorzeigbar, manchmal.. Aber ich bin mir sicher, dass sich kein halbwegs gesunder Mensch auf einen Alkoholiker einlassen würde, wenn er zu Beginn der Beziehung in die Glaskugel gucken dürfte und dann sieht, wie die Beziehung in 10 Jahren ausschaut.

    Zu seinem Zitat: Du hast kein Problem mit Alkohol, sondern mit einem beratungsresistenten Alkoholiker.
    Ich würde mich auf solche Diskussionen gar nicht mehr einlassen- denn du merkst ja, wie verquer seine Wahrnehmung ist. Bei ihm gehts anscheinend um Suchterhaltung und da setzt sein Hirn aus. Lass dir sowas nicht einreden. Auch wenn dir, mit etwas Abstand, klar wird, dass das Bullsh*t ist, was er von sich gibt.. Aber in dem Moment, wenn er es sagt, grübelt man ja schon erstmal. Man nimmt ihn immer noch als gesunden Menschen wahr, schätzt ihn und seine Aussagen so ein. Das ist aber der Fehler- er ist krank, sein Realitätssinn bestenfalls einfach nicht aktiv, im worst case nicht mehr vorhanden und die Argumentation eben auf Suchterhaltung getrimmt. Das ist seine Intention und nicht das, was du in dem Moment aus gesunder Perspektive erwarten würdest.

    Zum Zitat deiner Mutter: Wichtig ist es ja, aus der Co-Abhängigkeit zu kommen- dabei ist es egal, in welcher Beziehung du seine Co bist- ob nun Partnerin oder platonische Freundin. Ich denke, es ist Augenwischerei zu sagen, dass eine Konstellation besser wäre als die andere. Dein Suchtmittel ist dein XY, egal ob er nun dein Partner ist oder ein Bekannter. Es geht nicht um den Perspektivenwechsel, sondern darum, Abstand zu der Person zu bekommen. Oder würdest du ihm einräumen, dass er statt Wodka oder Likör nur noch Bier trinkt?

    Zu den Trennungsgedanken: Wenn du dich jetzt nicht trennen willst, weil du nicht weißt, ob du es durchziehst- dann nimmst du dir damit die Chance, eine Trennung zu vollziehen, an der du wider Erwarten festhälst. Vielleicht zeigt er in der Trennung sein wahres Gesicht, oder handelt so, dass es bei dir Klick macht- und macht dir die Trennung so leicht. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.

    Was machen eigentlich deine Urlaubspläne? Was hast du für Interessen, für Hobbies, die du im Alltag verfolgst? Was willst du erreichen? Was macht dich im Alltag glücklich? Was machst du für dich?

    Siehst du!
    Das ist wie bei Eisesglätte im Winter mit 180km/h und ohne Sicherheitsgurt über die Autobahn zu fahren.
    Dann darf man sich nicht wundern :(
    Er kann nicht sein ganzes Leben verbocken, dich ohne Ende schikanieren und dann rumheulen, wenn du dich weigerst, deine Gesundheit ebenso auf's Spiel zu setzen.

    Es ist für ihn am besten, wenn er nun von nicht co-abhängigen Menschen betreut wird, die ihm Grenzen setzen. Dich hat er anscheinend bisher nicht respektiert, das wird er dann auch nicht tun, wenn du ihn nun pflegst.

    Ich würde wetten, dass er auch deswegen nun bockt und heult, weil man seiner Sauferei nun einen Riegel vorschiebt. Bei dir wüsste er, dass du es weiterhin unterstützt.

    Zu seiner Mutter sollt ihr beide gehen.. Warum?
    Also mein erster Gedanke war "Und dann noch ein Muttersöhnchen".
    Ich würde mich auf gar keinen Fall darauf einlassen.
    Warum muss man ihn kennen, um ihn beraten zu können? Für mich klingt es eher so, als ob seine Mutter die Ober-Co-Abhängige ist und dich nun fein bekehren soll, damit du für ihn nicht wegbrichst.
    Eigentlich bevorzugt man doch in solchen Situationen eher unabhängige (im wahrsten Sinne) Personen, die die Situation mit Distanz sehen und so neutralen Rat geben können, der eben auf das Problem abzielt.
    Nur so erkennt man, was schief läuft- mit neutralem Input. Ansonsten durchbricht man doch den ewigen Problemkreislauf nicht, sondern eier immer weiter im Kreis, weil man gar nicht erkennt, was schief läuft?

    Ein Berater soll ihn doch nicht kennen und, womöglich, bestärken und dir zeigen, wie du dich anpasst... Sondern ihm zeigen, was er falsch macht, wie er aus der Sucht rauskommt (was für mich überhaupt die Basis und das Ziel ist) und dir eben zeigen, wie du dich wieder mehr auf dich fokussierst.. Und dann eben im Laufe von Gesprächen prüfen, ob man "nüchtern" noch zusammen passt.
    Meiner Erfahrung nach sind die Angehörigen die schlechteren Berater, weil sie emotional so tief mit drin stecken, selbst co-abhängig sind... Und so eben genau die falschen Schritte wählen. Ich kann mir kaum vorstellen, dass seine Mutter, die ihrem Sohn "helfen" will, dir rät, ihn fallen zu lassen, damit er zur Besinnung kommt. Sie würde wohl eher alles daran setzen, dass du als guter Einfluss bei ihm bleibst, dass er nicht komplett abrutscht. Und das ist für euch beide der falsche Weg, aber für ihn eben der angenehmere und daher wohl auch der Grund, warum er Mami einer Beratungsstelle vorzieht.
    Ehrlich, mir würde das noch mehr zu denken gehen.

    Hast du nicht geschrieben, dass er demnächst einen Arzttermin wegen seiner Leberwerte hat? Der Arzt wäre für ihn der ideale Ansprechpartner. Er wird ihm wohl vertrauen, wenn er schon länger Patient dort ist.. Und der Arzt ist zur Verschwiegenheit verpflichtet und kann ihm raten, was medizinisch am sinnvollsten ist.
    Ich weiß, dass man als Co nicht von jetzt auf gleich "tschüss" sagt, sondern immer einen Indikator und Bestätigung braucht, dass das, was man meint, richtig ist.
    Wäre ich an deiner Stelle, würde ich alles auf den Arzttermin setzen. Der zeigt dir, ob er wirklich ernsthaft an Genesung interessiert ist oder doch einfach nur weitertrinken will. Lass dich auf keine Diskussion ein (gegen den Alk hast du eh keine Chance, wenn er daran festhalten will) und warte ab, was der Termin mit sich bringt. Der Arzt würde ihm eine Überweisung zur weiteren Therapie geben, wenn dein Freund das will.
    War bei Mutter damals auch so. Ich habe mich an unseren Hausarzt gewandt und gefragt, wie man das Ganze angehen soll. Er hat natürlich erstmal nach einer Bestandsaufnahme geraten, wie ihre Blutwerte sind und du Leber ausschaut. Eine Überweisung würde sie auf jeden Fall bekommen von ihm. Ihrer Angabe nach war sie damals tatsächlich dort und die Ergebnisse waren alle gut. Zumindest letzteres ist eine glatte Lüge. Dass sie tatsächlich dort war, bestätigt zumindest mein Vater. Nunja, das Ende vom Lied war jedenfalls keine Überweisung und Therapie. Sie hat, wie bisher immer, alles ausgeschlagen. Das war für mich der Zeitpunkt, seit dem ich mich nicht mehr darum kümmere und den Kontakt so distanziert wie möglich halte. Sie will nicht, warum soll ich dann noch helfen? Alles andere ist dann doch eh zwecklos und solche Aktionen, wie zur Mutter zu gehen, ist für mich nur Rumgeeiere und Verantwortung abschieben.

    Ebenso dieses "du sagst zwar, was ich machen soll, aber hilfst nicht/machst nix". Damit schiebt er auch wieder nur die Verantwortung zu dir ab.
    Mein Vater ist genau so... Bei ihm kommt auch nur die Bild-Parole von Theorie und Praxis, wenn man ihm auf die Frage "Was soll ich denn machen?" wahrheitsgemäß antwortet. Meiner Meinung nach ist es aber eher so, dass demjenigen, der die Praxis nicht angehen will, theoretische Ratschläge (und mehr können wir eben nicht leisten, jeder muss sich selbst befreien) nicht helfen.

    Ich verlagere das mal hierher, das andere ist ja Sallys Faden.

    Siehst du, er weiß um deine Hilfe und um sein Problem- prinzipiell hätte er alle Möglichkeiten zu einem trockenen Leben. Auch wenn er gerne möchte, will er nicht. Irgendwer sagte mal, dass jeder ein Recht auf die Sucht hat. Wenn er das weiterhin leben möchte- bitteschön. Du kannst nur für dein Leben entscheiden.

    Hautverfärbungen können von der Leber kommen, ja. Aber ich weiß nicht, inwieweit das reversibel ist. Generell kann sich die Leber aber noch erholen, bis zu einem gewissen Stadium. Vielleicht ist es ein Anfang, wenn er sich nun beim Arzt dem Problem stellt. Ich würde mir nich zu viele Hoffnungen machen. Mutter war auch beim Arzt und die schlechten Nachrichten von dort wurden nachher mit Alkohol runtergespült und danach geflissentlich ignoriert. Eine Überweisung brachte sie erst gar nicht mit. Ein paar Wochen zuvor stand schon in einem Entlassungsschreiben aus dem Kh, dass man sie aufgeklärt habe und sie jegliche Therapien ablehnt.

    Wenn er vom Arzt wiederkommt, wirst du danach sehen, was er will. Bringt er die Überweisung mit, ist das erstmal gut. Besser ist es, wenn er es danach auch in die Tat umsetzt. Lehnt er eine Überweisung zum Psychiater oder zum Entzug ab, dann weißt du, wo du dran bist.

    Vielleicht, indem du merkst, dass so ein Boot viel zu groß und zu schwer ist, als dass du es an Land ziehen könntest?

    Es ist falsch, wenn er sagt, du könntest ihm helfen. Du kannst ihm nur helfen, seine Sucht weiter auszuführen. Es muss bei ihm Klick machen- dein Klick hilft ihm nicht. Solange das Klick ausbleibt, ist da nicht viel zu machen.
    Er muss wollen- und so lange er da noch nach Hilfe bei dir sucht, hat er es nicht verstanden.

    Er ist ein guter Mensch, aber Alkoholiker.

    Ich sehe diese Schuldsache zwiegespalten. Natürlich hat jeder seine eigene Sucht zu verantworten. Wer denn sonst? Irgendwann gab es eine Kette von Entscheidungen, die zu der Situation geführt haben- und die hat der Süchtige getroffen.
    Es kann passieren, dass man in diesen Strudel gerät. Aber irgendwann kommt die Erkenntnis, dass was nicht stimmt- und wenn ich mich dann weigere, mein Leben wieder in die rechten Bahnen zu lenken, ist es meine Schuld.
    Und jeder, der süchtig ist, hat die Wahl, weiterzutrinken oder eben aufzuhören. Ein Weg ist bequem, der andere anstrengend. Meist wird sich für den bequemen Weg entschieden und weitergetrunken. Ich weiß, dass meine Mutter um ihren Zustand bescheid weiß, sie hat einen Wasserbauch, beklagt sich über Schmerzen und war auch beim Arzt zum Check. Sie weiß, dass sie Alkoholikerin ist- und das schon länger. Aber sie tut dennoch nichts. Und das ist der Knackpunkt. Es ist ihre Schuld, dass sie nicht gesund wird, weil sie nichts dagegen unternimmt, obwohl sie es besser weiß. Sie schiebt immer zig fadenscheinige Ausreden vor, warum es nicht geht. Sie will nicht und entscheidet sich gegen einen Entzug und dafür, dass wir weiterleiden werden. Natürlich soll ich sie trotz ihrer Sucht weiterhin besuchen und mit ihr sprechen. Wie es mir dabei geht, ist ihr egal. Ich soll helfen.

    Naja, jetzt ist es eh egal, laut Aussage meines Arztes lohnt es sich nicht mehr. Sterben wird sie nun eh daran. Aber sie hatte 20 Jahre lang die Möglichkeit, zu handeln. Das wollte sie nicht. Grob über den Daumen gepeilt waren das 7300 Chancen, die sie ausgeschlagen hat. Dafür möchte ich keine Verantwortung übernehmen- und ja, ich denke, es ist ihre Schuld.

    Ist jetzt die Frage, aus deiner Perspektive geschrieben:
    Er ist krank und kann nichts dafür und nun eben abhängig. Daher fehlt ihm dann die Einsicht und auch der Wille, doch noch ein trockenes Leben zu führen.
    Ist es also legitim, aus deiner Sicht,TIAH, dafür dein Leben wegzuschmeißen und, im Laufe der Jahre, auch daran zu Grunde zu gehen, weil er ja nichts dafür kann?

    Naja, das Problem wird sein, dass man auch als Co das sinkende Schiff erst dann verlässt, wenn einem das Wasser bis zum Hals steht.

    Wie stellst du dir dein Leben denn vor? Wir sind gleich alt.. Willst du heiraten? Kinder? Glück?
    Kinder in dieser Beziehung sind unverantwortlich- ich bin in einer vergleichbaren Beziehung großgeworden und ich würde meinem Vater nie verzeihen, wenn ich erfahren würde, dass er damals, vor meiner Geburt, von Mamas Problem gewusst hätte. Es ist die Hölle auf Erden, so aufzuwachsen- die Kinder, die daraus hervor kommen, sind für ihr Leben gezeichnet und geprägt. Ich mag gar nicht dran denken, wie unbeschwert und harmonisch mein Leben hätte bis jetzt verlaufen können, wenn Mama nicht getrunken hätte. Ob ich dann noch gesund wäre? Es ist davon auszugehen, dass ich durch den chron. Stress chron. krank geworden bin. Das wäre mir dann wohl erspart geblieben.
    Und eine Hochzeit? Ich hätte da schon beim Gedanken an die Feier Bauchschmerzen, dass der Bräutigam das "Ja, ich will" lallert.

    Ich denke, mit der Co-Abhängigkeit sitzen alle im selben Boot- egal, wie lange sie drin sind.
    Aber ich denke, du solltest deine Chance nutzen. Noch bist du jung, jetzt kannst du noch alles ändern und hast alle Chancen, wenn du dich trennst. In 10 Jahren tickt die Uhr schon anders. Wichtig ist, dass du dich stärkst, dass du die Mechanismen jetzt erkennst. Hast du Freunde?
    Du solltest dir bewusst machen, dass dein Partner sich in einer Abwärtsspirale befindet- es wird nur noch schlimmer. Sieht man ihm die Sucht schon an?
    Er wird immer unfähiger; du musst immer mehr helfen. Sagen dir Korsakow und Leberzirrhose was? Das ist die Endstation. Und die wird kommen, wenn er weitertrinkt. Früher oder später. Bis dahin wirst du seinem Verfall zuschauen. Das ist nicht angenehm. Es ist mir nicht mehr wirklich möglich, (gute) Gespräche mit meiner Mutter zu führen- dazu ist sie kognitiv gar nicht mehr in der Lage. Fließendes Sprechen ist, auch nüchtern, durchaus manchmal ein Problem.

    Du tust dir den größten Gefallen, wenn du ihn aus deinem Leben streichst. Sonst gehst du mit ihm drauf.
    Aber es ist leichter gesagt als getan, auch der Co-Abhängige braucht einen Tiefpunkt, um den Alkoholiker zu verlassen. Manchen reicht da sogar körperliche Gewalt nicht.

    Wie würdest du dich fühlen, Dafina, wenn du diese Verantwortung nicht hättest? Was würde sich ändern?


    Er ist im Krankenhaus, dort kümmert man sich fachmännisch um ihn. Er hat nun die Chance, aus seiner Situation rauszukommen- du hast weder Verantwortung, noch kannst du ihm helfen. Es ist seine Verantwortung, nun was daraus zu machen. Und wenn er nicht will und mit dem Hintern nicht hochkommt- tja, dann ist das seine Sache.

    Liebe LaMer, ich freue mich für dich, dass du den Absprung erstmal vor Augen hast. Was möchtest du denn genau studieren? Mein Studium und der Absprung haben mir auch sehr gut getan! Nicht nur die Distanz, sondern auch das Lernen und der Erfolg an der Uni haben mir geholfen.

    Deine Freundin klingt ein wenig so, als ob sie selbst Hilfe braucht und den Kontakt zu dir suchte, um an dir Halt zu finden. Jetzt hat sie gemerkt, dass es dir auch nicht besser geht und orientiert sich anders. Kann es vielleicht sein? Die Erfahrung, dass sich viele Leute von der Fassade mancher Mitmenschen blenden lassen, weil sie ja sooo cool, locker und lustig sind, im Gegenteil zu einem selbst. Aber wenn man hinter die Fassade schaut, ist es gar nicht mehr so toll und lustig.. Dann sieht man verzweifelte, traurige und/oder unsichere Personen. Was die anderen nicht sehen wollen, sonst hätten sie ja kein Vorbild mehr. Ich glaube, so geht es dir grad.
    Diese Erkenntnis ist bitter, man ist ent-täuscht. Und die anderen wehren sich noch vor der Enttäuschung. Daher hast du das Gefühl, dass das nun zwischen dir und den anderen steht.
    Ich fürchte, wenn sie gehen will, dann kannst du sie nicht aufhalten. Lass sie gehen, vielleicht kommt sie zurück? Wenn sie nur deshalb den Kontakt abbricht, ging es ihr wohl nicht um dich, sondern um den Zweck, den sie mit dir verband.

    Kopf hoch! Ich finde deine Reflexionsfähigkeit gut, du kannst dir da trauen.

    Hallo Broti,
    ich denke, wenn man wirklich dabei ist, aufzuarbeiten und zu erkennen, passiert es schnell, dass man zu viel schreibt. Wie du sagst, diese Details gehören häufig dazu. Und es sind ja gerade die privaten Dinge, die man hier nicht schreiben sollte, die eben besonders weh tun. Ich habe auch schon ein paar Ermahnungen bekommen, weil ich "zuviel des Guten" preisgegeben habe. Sowas kommt halt mal vor.
    Wo wir beim Thema sind- ich schätze, wir stammen aus der selben Region ;) Wenn ich deine Herkunftsbezeichnung richtig deute. Ich bin allerdings umgezogen.

    So, jetzt habe ich deinen Thread gelesen- ihr seid seit Beginn des Threads getrennt- wie lange ward ihr denn zusammen?

    Für mich klingt es eher so, als ob er dich immer entwertet hat, dir keine Aufmerksamkeit gab, nach der du ausgehungert warst. Er hat die ganze Zeit auf dir rumgetrampelt, und zwischendurch mal ein "Leckerli" hingeworfen, was du dann begierig aufgenommen hast. Das klingt ein wenig nach Zuckerbrot und Peitsche, womit er dich schon gefügig gemacht hat.
    Der "normale" Mensch würde sich das nicht bieten lassen und ihm den Vogel zeigen- aber dich scheint das in Hochleistung getrieben zu haben, doch unbedingt die verdiente und hart zu verdienende Aufmerksamkeit bekommen zu wollen.

    Warum?
    Im Prinzip zieht sich das nun weiter- er ist weg, du weißt nicht, was er macht.. Und du sehnst dich weiter danach.
    So ging es mir in manchen Beziehungen auch- ich habe immer die gesucht, die mich schlecht behandelten, zappeln ließen. Irgendwann ging mir ein Licht auf- zu Hause bekam ich auch keine Aufmerksamkeit, ich wurde niedergemacht und abgewertet, wenn sich nur die Gelegenheit bot. Ich suchte dann Typen, die mich ähnlich nicht wertschätzten, um sie dann doch "rumzukriegen", diese gelegentliche Aufmerksamkeit war dann wie Balsam auf der Seele. Im Prinzip beißt man sich an sowas nur die Zähne aus :(

    Warum lässt du dir das bieten? Hast du eine Idee?

    Hallo Jane!

    Auch ich sage dir, dass es gut ist, dass du ihn nun los bist! Die Realität ist natürlich bitter- das ist sie wohl immer, wenn Alkohol im Spiel ist und Beziehungen kaputt gehen oder die Familie zerbricht, Menschen sterben. Es ist alles so sinnlos kaputtgegangen, so tragisch.

    Wie lange seid ihr denn nun getrennt?
    Hast du schon überlegt, dir Hilfe bei einer Suchtberatung oder der Caritas zu holen? Ich weiß zwar nun nicht, wie lange Schluss ist oder ihr zusammen ward, aber das klingt schon sehr heftig, was du schreibst.

    Warum fehlt er dir? Was fehlt dir?

    Hm, was willst du nun ändern? Kontakt abbrechen? Oder erstmal abwarten?

    Ich weiß nicht, ich glaube, ich wäre mit der Suiziddrohung zu entsprechender Stelle gegangen (ist der Hausarzt zuständig?) bzw hätte die Polizei angerufen. Sicher ist sicher- so lernt sie die Konsequenzen kennen. Persönlich hätte ich mich nicht bei ihr gemeldet.

    Wenn du den kompletten Kontakt abbrechen möchtest, würde ich sämtliche Telefonnummern, unter denen du erreichbar bist, wechseln.

    Wichtig ist, dass du gar keine Reaktion zeigst. Auch negative Aufmerksamkeit bestärkt sie in ihrem Verhalten.
    Ansonsten wäre auch nach diesen Aktionen bei mir Schicht im Schacht.