Beiträge von Zimttee

    Zitat

    Und mal ganz ehrlich, auch wenn mich jemand blöd anguckt oder mich für irgendwas verantwortlich machen würde, damit müsste ich dann leben. Aber solche Menschen will ich doch gar nicht in meinem Leben. Das sind doch solche Menschen, die dann auch bei anderen Problemen nicht für mich da sein würden. Darauf kann ich doch verzichten.


    Danke für diesen Text! Er bringt mich zum Nachdenken.

    Ja, genau! Gefragt, wie es mir geht, hat bisher niemand. Es wurd mir sogar gesagt, dass es nun egal ist, dass ich "Schaden genommen" habe- was für eine blöde Ausdrucksweise.. Aber Mutters Zustand habe nun Vorrang.

    Mir wurde echt vorgeworfen, dass ich das "Deckmäntelchen" drüber geworfen habe. Ich nehme an, die Person hat danach gegooglet, etwas zum Thema gefunden. Da stand dann, dass Angehörige alles verheimlichen und der Trinker dadurch unbehelligt weitertrinken kann. Das hat sie dann unreflektiert auf mich bezogen. Bedacht, dass ich damals als Kind von meiner Mutter abhängig war, hat sie nicht. Wenn ich mich nicht so verhielt, wie Mutter es wollte, gab's Strafe. Meinte sie, dass ich als 7-Jährige meiner Mutter einen Therapieplan mache? Wir haben da auch nie ein Geheimnis draus gemacht. Sie war öfter da, als Mutter "Unfälle" hatte, ihre Mutter wusste es auch- woher sollte ich wissen, dass sie es nicht weiß? Sie wollte es wohl nicht wissen.

    Also, wenn ich nochmal die Wahl hätte, würde ichs nicht erzählen. Es hat sich für mich nix geändert, nur dass ich Blitzableiter für den Frust meiner Verwandten geworden bin. Den Boten der schlechten Nachricht trifft dann eben die Strafe. Bedenke, dass auch Menschen, denen du berichtest, emotional involviert sein können. Grad, wenn Emotionen im Spiel sind, verhalten sich Menschen irrational. Ich hab es der Frau vor knapp 3 Jahren erzählt- seitdem ist unser Verhältnis so richtig hinüber. Gut war es vorher schon nicht. Ich hätte bedenken müssen, dass sie eben ein grähmiger Mensch ist, unzufrieden- der die Schuld chronisch immer auf andere abwälzt, sodass die Menschen, die ihr nahestehen, keine Schuld trifft. Sprich mit Menschen, die dir nahe stehen- gute Freundinnen oder dem Partner.

    Was erwartest du denn von ihnen, wenn du mit anderen darüber redest?
    Hab ich mal versucht in der Familie- ich dachte, mir hört mal jemand zu. Dann hagelte es nur Vorwürfe, weil ich es verdeckt und schlimmer gemacht habe.. Und warum ich nichts eher gesagt habe- das Verhältnis zu der Person ist total zerrüttet.
    Also, bedenke, dass es auch total nach hinten losgehen kann.
    Ich habe daraus gelernt- von mir erfährt davon niemand mehr was. Außer mein Partner und enge Freundinnen.
    Ich hab mir mal Gedanken dazu gemacht- falls mich jemand darauf anspricht, ist auch meine Antwort "Frag sie doch selbst".
    Als mein Arzt mir erklärte, dass sie schon einen Wasserbauch hat und ein Entzug nichts mehr bringt, hatte ich eine schlechte Zeit auf der Arbeit und deswegen ein Gespräch mit der Teamleitung. Ich sagte nur, dass sie krank ist und wohl sterben wird- Chefin fragte auch, was denn los sei- hab keine Antwort gegeben. Die meisten haben doch ein ganz klassisches Bild von Alkoholikern- Assis, HartzIV, vermüllte Wohnung, schlechter Umgang. Tja, meine Eltern arbeiten beide, 2 Autos, Eigenheim, englischer Rasen, saubere Zimmer- ich möchte auf der Arbeit nicht mit irgendwelchen Vorurteilen in Verbindung gebracht werden. Die meisten tragen die Nase in der Höhe und ich möchte nicht deren gemeinsames Gesprächsthema werden.

    Was erwartest du dir, wenn du offen darüber redest?

    Mein herzliches Beileid, Asketin!
    Ich habe echt eine Gänsehaut von Kopf bis Fuß- das ist schrecklich, wie es deinem Mann ergangen ist!
    Du hast Recht- ein harmloser Beginn, seine Einsicht- und dann dieses Ende.
    Das zeigt auf, wie grausam diese Krankheit ist.

    Auch wenn sein Ende schrecklich ist, war dein Handeln und die Vorgehensweise die richtige! Mach dir da keine Vorwürfe!

    Ich wünsche dir viel Kraft, lass dich drücken!

    Zimttee

    Also, ich habe eine Freundin gefragt, die Krankenschwester ist, wie das mit dem Datenschutz ausschaut. Ihre Antwort: Normalerweise wird nahen Angehörigen Auskunft gegeben- Ausnahme, wenn man telefonisch anfragt. Aber dann werden die Angehörigen eigentlich hergebeten und vor Ort informiert. Seidenn, der Patient sagt ausdrücklich, dass er nicht möchte, dass Frau und Familie informiert werden.

    Ich würde das so sehen: Er ist in professionellen Händen und sollte, wenn er ausgenüchtert ist, klarer denken können. Dort gibt es professionelles Personal, das sich ihn schnappen und aufklären wird.
    An der Entlassung aus der Klinik wirst du also sehen, wie ernst es ihm ist. Haut er ab, ist sein Interesse nicht so vorhanden.

    Wie gehts dir nun?

    Kannst du dich bei der Polizei erkundigen, was du machen kannst, um ihn von dir fernzuhalten?
    Ruf bei Freunden/Familie an und quartiere dich dort um, falls das geht. Eventuell kannst du dich in der Einrichtung als Ehefrau auch informieren, damit du vorbereitet bist?
    Würdest du die Schlösser austauschen? Wäre eine Idee, wenn er ein paar Tage länger bleibt.
    Wenn er anruft, gehst du nicht ran- dann kann er dir nichts vorjammern. Fragt er sich denn nicht, wie schlimm das für euer Kind war? Woher nimmt er sich das Recht, nun rumzujammern? Schade, dass er nur sich aufm Trockendock sieht und nicht das Leid, was er selbst zu Hause verursacht hat. Wenn er nach 24 Stunden wieder vor der Türe steht, dann steckt da keine ernsthafte Absicht hinter. Dann würd ich ihn nicht zurücknehmen- sonst hat das für dein Kind ja nie ein Ende.
    Die Idee mit dem Kinderpsychologen sehe ich auch positiv. Ich habe auch viel erlebt, hatte viel Angst- dein Kind ist erst 4 und wird in den ersten Lebensjahren geprägt- selbst als Säugling schon. In dieser Zeit schauen sich die Kinder durch Beobachtung und Nachahmung das Verhalten von den Eltern ab; ein Junge orientiert sich besonders am Vater. Es wird das Urvertrauen in den ersten Lebensjahren gebildet- eine prägnante Lektion hat dein Junge dieses Wochenende gehabt :( Das wird nicht spurlos an ihm vorbeigehen- der wird doch schon jetzt zum Co erzogen, wenn er meint, er müsse bei seinem Vater bleiben, damit dieser sich nicht tottrinke? Und das mit 4! Wenn wirklich mal etwas passiert- dann wird er die Schuld bei sich suchen.

    Ach du lieber Himmel!
    Ich glaube, das ist so ziemlich das widerlichste, was ich hier im Forum gelesen habe! Ich glaub, das zeigt einem doch erst auf, wie krank jemand sein muss, dass er seinem Kind soetwas antut.
    Unglaublich! Mit 4 Jahren vergisst er/sie das doch nicht mehr? Ich würde mit einem Kinderarzt darüber sprechen, ob und welche Schritte zum Wohle deines Kindes eingeleitet werden sollten.
    Wie geht es ihm/ihr nun?

    Du hast das Beste getan, was getan werden konnte und hast ihn in professionelle Hände gegeben. Die wissen, was sie nun mit ihm machen und werden ihn nach Bedarf dort halten. Wenn seine Suizidabsichten ernst sind, wird er da nicht so schnell rauskommen.

    Denk jetzt nicht an ihn- dein Job ist erledigt, der Rest liegt in den Händen der Ärzte.
    Was ist nun mit dir? Wie kannst du dich/euch schützen?
    Das Kindswohl ist ja wohl mehr als gefährdet- informiere dich, dass du ihn der Wohnung verweisen kannst. Das kann dem kleinen echt nicht zugemutet werden (und dir auch nicht) weiter mit diesem Idioten leben zu müssen. Ist eine Bannmeile möglich?

    Du hast alles richtig gemacht und kannst stolz auf dich sein.

    Zitat von Immergrün

    für mich ist es schwer zu sagen wie es mir geht. In manchen Bereichen geht es mir gut, in anderen schlecht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich spät dran bin. Ich habe meine ganze Kraft in meine Familie gesteckt. Nun versuche ich diese Kraft in mich zu stecken.

    So schauts auch bei mir aus. Ich bin da manchmal sehr zwiegespalten- manchmal hab ich gute Tage, seltener mitlerweile Tage, an denen ich traurig und wütend bin oder mit mir hadere.
    Definitiv hab ich zu lange gewartet, mich zu befreien. Aber als Kind, wenn man abhängig von den Eltern ist, ist es so eine Sache. So hab ich jetzt 6 Jahre verschenkt.
    Naja, wie war das? "Erfahrung ist das, was man kriegt, wenn man nicht
    bekommt, was man will".

    So richtig enge, beste Freunde habe ich nicht. Ich habe mich in der letzten Zeit von sehr vielen distanziert, da ich gemerkt habe, dass es sich um eine sehr einseitige Sache handelt. Die meisten haben Probleme mit sich selbst und laden diese regelmäßig bei mir ab. 3-4 haben ein Alkoholproblem und akzeptieren nicht, dass ich kein Bedarf habe, bei jedem konstruierten Grund zu trinken. Sie drauf hinweisen geht nicht; Hinweise wurden bisher wütend nicht akzeptiert.

    Es freut mich, dass du Distanz zum Vater hast. Ich glaube, ich würde auch zusehen, dass ich vom Acker komme, solange wie er und die Freundin noch zusammen sind.

    Hm, mit Nagellack oder diesem bitteren Öl bringt das leider gar nichts :( Ich bin da sehr hartnäckig :( Momentan mache ich mir einmal pro Woche künstliche Nägel, das hilft zwangsläufig ^^ Gleichs soweit. Ich trage sie seit 2 oder 3 Wochen und habe schon die ersten mm Erfolg ^^ Der neue Nagel ist auch endlich sehr fest :) Bisher waren die so weich, dass sie direkt gesplittet sind. Grad wurden sie jedenfalls wieder gepflegt und geölt, später kommt ein neuer Nagel drauf. Mal gucken, wie lange das klappt. Dann werd ich mich demnächst mal zum Hautarzt trauen, weil die Nagelhaut schlimm ausschaut :( Aber nun, da muss ich durch. Verantwortung übernehmen fürs eigene Handeln, ist die Devise.

    Schade, dass es keine Editierfunktion gibt- der erste Arzt ist der Hausarzt meiner Eltern, der zweite, bei dem ich 2 Jahre später war, mein Hausarzt. Mein Hausarzt gab mir das Rezept, der meiner Eltern sprach mein Problem gar nicht an.

    Ich habe meinen Beitrag nochmal gelesen- die Hauptaussagen zu deinem Mann gingen etwas unter.

    Also: Ich bin damals zum Arzt gelaufen, habe mich ziemlich gestresst. Mein Fazit: - Es hat nichts gebracht, weil sie trotz Arzt eine Therapie ablehnt. Neue Erkenntnisse haben wir auch nicht gewonnen, weil sie uns die Ergebnisse nicht mitteilt- stattdessen belügt sie uns. Ich glaube ihr nicht, konnte mich etwas lösen. Mein Vater ist ein Co, wie er im Buche steht- es schluckt ihre Lügen und wägt sich in falscher Sicherheit.
    Du solltest dir dieser Möglichkeit bewusst sein. Du kannst da nicht helfen- wenn er nicht will, findet er eine Möglichkeit, deine Hilfe zu torpedieren und als schädlich für ihn darzustellen. Dann hast du wieder ein schlechtes Gewissen.
    Für mich hat dieser Arztbesuch nur Stress gebracht. Der Arzt ist selbst Alkoholiker (hab ich im Nachhinein erfahren) und hat meine Co-Abhängigkeit nicht angesprochen. Dafür hab ich mich nur tiefer dort reingesteigert.

    Wenn du zum Arzt gehst, solltest du das unter dem Aspekt machen, Hilfe für dich zu holen. Ich habe bei meinem Hausarzt eine Überweisung zur Therapie bekommen, mich aber bisher erstmal zu einem Coaching entschieden, wie ich mit der aktuellen Situation umgehen kann.

    Zitat von lütte69

    GuMo an Alle,
    erst mal 'ne gute Nachricht - ich habe das Gefühl, mein Knoten im Bauch beginnt sich zu lösen und vielleicht können jetzt die Erkenntnisse langsam in den Bauch rutschen und verinnerlicht werden - langsam und mit viel Geduld. Rein körperlich hat der Druck im Magen echt nachgelassen. Ich schlaf seit 3 Tagen auch wieder durch, wenn auch nicht bis zum Weckerklingeln, aber ich seh das als kleinen Erfolg für mich. 2. gute Nachricht - er hat einen Arzttermin am Freitag nächster Woche. Und schon gehen meine Probleme wieder los. Soll ich vorher mit dem Arzt reden, dass es nicht nur um seinen Blutdruck gehen sollte? Aber ich häng mich damit dann wohl doch wieder zu weit aus dem Fenster. Es ist schon krass, ich wünsche ihm wirklich nix Schlechtes, aber auf der anderen Seite hätte ich gern auf grund von Befunden von der ärztlichen Seite eine Bestätigung, dass es zu viel Alkohol ist. Einfach für mich als Bestätigung, dass ich mir das alles nicht nur einbilde - egoistisch?

    Schön, dass es dir besser geht! Im Grunde war die Erkenntnis, dass da was nicht stimmt, ja schon länger da- aber so kannst du es nun verarbeiten. Das wird dir gut tun!
    Zu 2.: Ich finde die Idee, in Anlehnung an Topas, gut, dass du zum Arzt gehst, um dort über dich zu sprechen. Er kann einschätzen, inwiefern eine Therapie für dich sinnvoll wäre und vor allem dich richtig aufklären.

    Vor knapp 3 Jahren war ich auch bei unserem Hausarzt und habe ihn über den Zustand meiner Mutter unterrichtet. Hintergrund war, dass sie damals ins Krankenhaus gebracht wurde, aber dann den Arztbrief weggeworfen hat. Er wusste damals nichts davon, weil sie schon länger nicht mehr bei ihm war und größere Untersuchungen ablehnte. Ich konnte ihm die Info geben, aber es hat unter dem Strich nichts gebracht, weil sie weiter ablehnte. Wenn ich ihre Aussagen glauben kann, war sie danach zum Ultraschall und Blutabnahme bei ihm, aber Ergebnisse waren alle ok. Das glaube ich nicht; denn ich habe mit dem Arzt über Symptome gesprochen, die für ihn nach einer Zirrhose und Korsakow klungen. Das war noch vor ihrem Untersuchungstermin. Allerdings durfte er sich auch nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, da er ja unter Schweigepflicht steht. Zirrhose war auch schon mein Verdacht, da sie die ganz klassischen Symptome wie den Wasserbauch ganz deutlich zeigt. Zudem studiere ich Sprachwissenschaften und habe auch schon auf dem Gebiet Veränderungen festgestellt, die ich dem Arzt mitteilen konnte, die für ihn deutlich nach Korsakow klingen. Neben vielen anderen Dingen. Also von daher gehe ich davon aus, dass sie mich anlügt. Das würde ich auch bei deinem Mann als Möglichkeit in Betracht ziehen, wenn er seine Sucht nicht eingestehen möchte.

    Außerdem ist es natürlich möglich, wenn er nicht so lange trinkt, dass sich seine Leberwerte in der Zeit der Trinkpause erholen.

    Mutter hat auch zu hohen Blutdruck. Das habe ich durch Zufall entdeckt, als ich Betablocker gefunden habe. Sie sagt aber, sie nehme die nicht mehr- kein Wunder, die dürfen nicht mit Alkohol genommen werden.
    Nach meiner Recherche tritt Bluthochdruck auch bei Alkoholmissbrauch auf.

    Nein, dein Verhalten ist nicht egoistisch. Ich schließe mich Aurora an! Er mag es so nennen, weil er weiß, dass du dich danach mit deinem schlechten Gewissen zurückziehst und das Thema ruhen lässt. Dann hat er sein Ziel erreicht.

    Zu den letzten Freuden im Leben: Die nimmt sich dein Mann selbst, nicht du! Auch hier lenkt er wieder von sich selbst ab und schiebt die Schuld dir zu. Er könnte ein viel schöneres, selbstbestimmteres Leben ohne Sucht haben, nur dort steht er sich mit seiner Sucht selbst im Wege. Dass du ihm das aufzeigst, ist ihm unbequem. Daher manipuliert er dich, redet dir ein, ihm schlechtes zu tun- und du schluckst das und lässt ihn. Wenn du weiterhin bei ihm bleibst, für ihn kochst, Wäsche wäschst und springst, wie er das möchte, förderst du seine Sucht indirekt weiter. Er hat keinen Grund, sie einzustellen. Wobei es auch keine Garantie ist, dass er aufhört zu trinken, wenn du gehst.

    Liebe Grüße!

    @ topas..Mir ging es nicht darum, den Thread zu verschieben.
    Der Satz war schlecht ausgedrückt und leider gibt es keine Editierfunktion. Es ist Käse, diesen Thread mit unseren Beiträgen zu verschieben- verschieben steht in meinem Posting nicht drin.
    Ich denke, dass es auch für sie gut wäre, wenn sie Rückmeldungen bekommt, was jemand, der selbst in der Situation des Mannes war, zu ihren Gefühlen sagt, die er in ihr mit seinem Verhalten bzw der (in meinen Augen Manipulation) auslöst. Also durchaus ein Zugewinn für sie.
    Ich schreibe dazu, dass meine Mutter auch so drauf ist; dass meine Eltern mir ständig den schwarzen Peter zuschieben, was Mutters Probleme betrifft. Dann heißt es, ich sei faul, andere helfen ihrer Mutter auch- weil sie alles alleine machen müsse, gehe es ihr schlecht. Dazu ist zu sagen, dass ich seit mehreren Jahren ausgezogen bin. Aber auch früher kam Vater so an- hätte ich Mutter geholfen, hätte sie dann nur auf mir rumgehackt- du kannst nicht putzen, es ist viel zu unordentlich, wie fasst du denn den Besen an?
    Mir geht es darum, dass sie eine Rückmeldung bekommt, wie ein trockener Alkoholiker ihre Reaktion bewertet bzw. die Motive ihres Mannes nennt- so kann sie ihre Situation besser reflektieren und eben die Mechanismen erkennen. ich fands bisher immer gut, wenn sich der ein oder andere gemeldet hat.

    Zitat von lütte69

    GuMo Zimttee,

    danke für's zurechtrücken. Das ist echt krass. Nach dem gestrigen Gespräch bin ich wieder total am Grübeln. Stell meine Wahrnehmungen und Gefühle völlig in Zweifel. Er hat ja dieses WE nicht getrunken und ich mach immer noch Terz - wann ich denn wieder "normal" werden will. Ich kann mich aber nicht einfach umdrehen und die Welt ist wieder in Ordnung. Auch wenn das für ihn jetzt ganz neu war, aber meine Welt war / ist kaputt und braucht sicher noch eine ganze Zeit zum Neuaufbau. Wie soll ich ihm das erklären, wenn ich jedesmal Angst habe, dass es nicht bzw. falsch ankommt, aber auch Angst vor dem Gespräch an sich, weil ich selber zu unsicher bin :( .

    Den Arzttermin hat er noch nicht - ist heute früh wieder auf Montage gefahren. Hab ihm in Gedanken 3 Wo gegeben - wegen der Montage, aber dann, wenn nicht. Sprech ich ihn an - misch ich mich wieder in sein Leben, dass er durch mich nicht selbst bestimmen kann. Zieh ich mich raus und mach was für mich, bin ich egoistisch. :?:

    ????????????
    Lütte

    Nein, du bist nicht egoistisch!!! Du hast das jahrelang ausgehalten, nun ists gut und das Maß voll. Er hatte Chancen, mehr als genug und sie nicht genutzt. Dabei hätte er um diese Möglichkeiten froh sein können, so mancher wäre auf Knien mit Tränen zurückgekommen. Und er? Er behandelt dich respektlos, manipuliert dich und bringt dich zu den schlechten Gefühlen (Wahrnehmung, zweifel an den Gefühlen), die du ohne ihn nicht hättest. Nun bist du dran, das ist nicht egoistisch, sondern Selbsterhaltung. Ich glaube, das würde keine gesunde Frau (ohne Co-Abhängigkeit) so mit sich machen lassen.

    Du hast nur dieses eine Leben, vergeude es nicht, sondern nutze es. Willst du dich wirklich so lange damit rumquälen? Irgendwann kommt der große Knall. Wenn du unbeschadet bisher dadurchgekommen bist, sei froh. Aber riskiere das nicht! Es gibt Dinge, da helfen keine Pflaster mehr.

    Deine Wahrnehmungen und Zweifel sind absolut okay und berechtigt- es bedeutet gar nichts, dass er nicht getrunken hat. Manche reißen sich wochenlang zusammen und trinken nicht- sein Verhalten, was du schilderst, ist da eindeutiger. Die Art, wie er mit dir umgeht in der Situation, spricht für sich. Da wäre bei mir auch ohne Alkohol Schicht im Schacht.

    Bei meiner Mutter ist es auch immer so, dass es Tage oder Wochen gut geht- aber dann gibts die große Belohnung für das Durchhalten, die dann in mehrwöchigen Eskapaden gefeiert wird. Ist hier in manchen Bereichen des Forum detailliert nachzulesen. Vllt stellst du den Thread mal in den anderen Teil, damit dir Betroffene ihre Gedanken dazu schreiben? Zu deinem Mann? Das wirkt sicher authentischer.
    Aber die Tatsache, dass er gar nichts einsieht, zeigt mir schon, dass er nicht wesentlich lange trocken/pausierend bleiben wird. Wieso denn auch? Er hat ja kein Problem, andere trinken auch. 2 Wochen reichen dann auch und er darf weitertrinken.

    Ich denke, du bist auf dem Weg zum Sandstrand, du darfst nur nich wieder zurück an den Ausgangspunkt.
    Es dauert, bis einem ein Licht aufgeht bzw es Klick macht und man die Situation erfasst, die einem immer so verquer aufgetischt wird.
    Echt, ich habe momentan eine Erkenntnis nach der nächsten, auch wenn ich dachte, da gibts nicht mehr viel neues. Man nimmt es nur mit Distanz und Wille zur Wahrnehmung wahr. Und natürlich im Austausch mit anderen, die dir aufzeigen, wie "es wirklich ist".

    Naja :)

    Ich wünsche dir eine gute Nacht! Wenn du willst, wird das schon.

    Zitat von lütte69

    Jetzt überlege ich, ob ich dieses Jahr nix mehr trinke. Hilft ihm das? Aber da er das Gespräch selbst wieder darauf gebracht hat, bin ich hellhörig geworden oder interpretier ich zuviel da hinein?

    Nein, es hilft ihm nicht. Es ging ihm ja nicht um die Sache an sich, sondern um von sich abzulenken. Das ist, nehme ich an, der Hintergrund hinter allen seinen respektlosen Aussagen. Er zieht sich den Schuh aus und wirft ihn dir zu. Du ziehst ihn dir dann an und hast an seiner Stelle dann das schlechte Gewissen. Mit einem schlechten Gewissen wird in meiner Familie auch "gearbeitet". Als Co schluckt man das natürlich- das weiß er! In Wirklichkeit zerstört er "das Band eurer Ehe" oder ist der Grund, warum plötzlich alles schlecht ist, was vorher gut war. War es wirklich vorher alles gut?
    Aber es ist eben einfacher, die Schuld von sich zu weisen- und sei es noch so abstrus. Du glaubst nicht, was meine Familie mir schon alles vorgeworfen hat. Aber ich denke, dass man diese Situationen eher verkennt, wenn man selbst betroffen ist. Aus einer objektiveren Perspektive, mit Abstand, sieht man die Dinge besser.

    Ich gehe auch davon aus, dass seine Aussagen zeigen, dass er eigentlich gar nichts verstanden hat. Hat er nun einen Arzttermin?

    Mit dem Winter ist bei meiner Mutter auch der Fall. Beginnt schon im Herbst und nennt sich klassischerweise "Herbstdepression". Wobei sie latent eigentlich immer vorhanden ist. Liegt dann aber im Speziellen am Lichtmangel, der in der dunkleren Zeit einsetzt, wodurch weniger Glückshormone produziert werden. Meine Mutter würde sich auch nicht eingestehen, dass sie krank ist- ist doch alles tutti. Trotzdem sagten die Ärzte damals, dass sie eine sehr starke Depression habe- sie hats schriftlich, aber sieht immer noch keinen Handlungsbedarf.

    Ich würde mich an deiner Stelle nicht mehr auf seine "Jeder trinkt Alkohol, auch du, also ist es ok, dass ich welchen trinke"-Diskussionen einlassen. Die finden fernab der Logik statt und er verdreht alles so, dass er "gewinnt". Mit normalen Argumenten kommst du da nicht weiter. Letztendlich sitzt du dann doch wieder da, und grübelst, ob du ihm helfen kannst oder nicht doch Schuld bist. Dann hat er sein Ziel wieder erreicht.

    Mach mal ein Video von ihm, wenn er getrunken hat. Vielleicht ist das ratsam.
    Ansonsten lass nicht mit dir diskutieren und zeig ihm, dass du einen Plan B hast und der einsetzt, sobald er sich nicht ändert. Den Plan B finde ich übrigens gut! Du solltest ihn auch wahrnehmen.

    Viele Grüße!

    @ Bridget: Meine Arme und die Arminnenseite habe ich auch früher vor Wut aufgeschnitten- ich war so wütend über das Verhalten meiner Eltern.
    Dieses hin und her zwischen "ich liebe sie doch irgendwie" und "ich bin so unendlich wütend" kenne ich auch. Sie sind keine guten Eltern, beide nicht, auch wenn nur Mutter die Trinkerin ist. Sie würden beide behaupten, dass sie immer nur unser bestes wollten, uns immer helfen würden- haben sie aber nicht. Ihr Verhalten war uns gegenüber schädlich und bis auf ein, zwei Phasen haben sie nie wirklich geholfen. Dabei hätte ich sie zwischendurch doch dringend gebraucht. Also, sind sie nun gute Eltern, weil das Beste wollten- oder schlechte, weil sie dies nie wirklich umsetzen konnten und uns mit dem Verhalten schädigten? Jemand im Forum schrieb, Vater hätte mich schützen müssen vor ihren Exzessen- da hat er versagt.
    Tja, er sagt immer, er habe immer alles für uns getan. Naja, ich weiß schon, irgendwann wird der Tag kommen, an dem Mutter stirbt- dann wird er darauf bauen, dass jemand seiner Kinder ihn zu sich nimmt, weil er alleine nicht klar kommt. In einer eigenen Wohnung würde er untergehen. Dann heißt es, er wäre immer da gewesen, hätte immer alles getan- aber wir sind undankbar. Aber ich weiß genau, dass ich einen verantwortungslosen Choleriker wie ihn eigentlich nicht mehr in meinem Haus, meiner Wohnung haben möchte. Prinzipiell müssten Kinder vor ihm geschützt werden, weil ich Angst habe, dass er sie genauso beeinflussen würde, wie er micht prägte und manipulierte.
    Ich stoße nun auch auf taube Ohren, auch wenn das Problem allen bekannt ist. Ich weiß nicht, ob es etwas bringt, die Energie aufzubringen, um mit den Eltern zu reden?
    Habt ihr viel Kontakt?

    Hallo!

    Bei mir ist es ähnlich bzw in manchen Dingen sogar gleich.
    Ich habe auch das Gefühl, dass ich keine wirkliche Identität hatte.
    Meine Großeltern waren mir gegenüber zwar immer nett, herzlich und interessiert- aber ich fürchte, meinem Vater gegenüber nicht. Sie wären heute schon sehr alt, beide zwischen 100 und 120 Jahren, wenn sie noch leben würden und haben die typischen Charaktermerkmale der Kriegsgeneration. Abgesehen davon, hätte mein Vater nicht geboren werden dürfen, da es der Gesundheitszustand meiner Oma eigentlich nicht mehr zuließ.
    Mein Vater kann keine Gefühle aufbauen bzw zeigen und so hatten wir auch keine wirkliche Tochter-Vater-Beziehung. Er hat sich aus unserer Erziehung komplett rausgehalten, war wenn nur fürs Strafen zuständig oder erklärte uns, wie wir uns Mama gegenüber zu verhalten haben. Wir sollten aufpassen, dass sie nicht trinkt und Rückmeldung geben, ob sie getrunken habe und vor allem lieb und brav sein. Dass auch vor anderen Menschen- die sollten nichts schlechtes denken.
    Auf die Entfaltung meiner Persönlichkeit oder meine Perspektiven wurde keinen Wert gelegt. Ich war eigentlich immer nur die Projektionsfläche für meine Eltern und sollte mich so verhalten, wie sie es wünschen. Frech oder selbstbestimmt durfte ich nicht sein, sondern immer fein angepasst und ruhig und bloß keinen Kummer machen. Ansonsten gaben meine Eltern die Verantwortung an alle möglichen Leute ab- aufs Gymnasium kam ich, weil die Grundschullehrerin das empfahl. Hätte sie Hauptschule gesagt, wäre ich dahin gekommen. Der Lateinlehrer hat mich richtig fertig gemacht, mich auflaufen lassen und runtergeputzt- meine Eltern gingen zusammen zum Elternsprechtag und sprachen das an- mein Vater sagte hinterher: Es wird schon stimmen, wenn Sie es sagen. Ergebnis: Der Lehrer drückte mir genüsslich eine 5, obwohl meine schriftlichen Noten eine 4 vorsahen und ich mündlich immer mitgemacht hätte, hätte er mich drangenommen. Rückhalt bekam ich nicht von ihnen und vor "höher gestellten" wurde gekuscht. Es gab keine Gespräche, was ich nach der Schule machen könnte- nichts. Ich hatte keine Ahnung. Ich war die erste mit Abi in der Familie und kenne nur Arzthelferinnen, Verkäuferinnen und Hausfrauen. Meine Eltern legten mir Ausbildungsanzeigen aus der Zeitung hin, auf die ich mich bewerben sollte- aber dafür war ich viel zu überqualifiziert. Also entschied ich mich für ein Studium- bloß schnell weg. Ich wusste gar nicht, ob ich für den Beruf geeignet bin- ob ich Interesse hätte- aber es klang gut, eine Freundin begann es auch- und weg.
    Da war ich dann an der Uni- total eingeschüchtert, unbewusst der eigenen Person, Wünsche und des Selbstwertes und wurde von anderen "in die Tasche gesteckt". Zu Hause wurde nicht diskutiert, sondern gemacht, was der Vater sagte. Gingen ihm in Diskussionen die Argumente aus, was häufig und schnell passierte, gabs Schläge und danach waren wir ruhig.
    Wenn mich jemand fragte, wie ich mich einschätzte, hätte ich gesagt, dass ich schlechter bin als die anderen, dümmer als sie.. gut zuhören kann ;) und mich ansonsten unterzuordnen hätte. In den ersten Semestern traute ich mich nicht, eine Klausur zu schreiben oder eine Hausarbeit abzugeben und hänge jetzt natürlich hinterher. Prokrastination, also Aufschieberitis, habe ich ganz schlimm- ich habe Angst, dass meine Arbeit nicht gut genug ist und die Dozenten etwas schlechtes von mir denken. Das war ja immer die Furcht meines Vaters- niemand sollte etwas schlechtes denken, aber weil wir alle minderwertig sind, bliebe das ja nicht aus.

    Tja... Ich entdecke mich momentan auch neu. Eigentlich schon seit 2 Jahren, als mir schmerzlich bewusst wurde, dass ich mich selbst kaputt mache mit der Co-Abhängigkeit. Ich habe an mir gearbeitet, gönne mir Entspannung und Pause und quäle mich nicht mehr damit, dass ich mich stresse. Das betreibt meine Mutter in Perfektion- keine Ruhe, keine Entspannung, keine Pausen- nur Leistung. Gut gehts ihr, wenn sie abends erschöpft ist und im Sessel einschläft.
    Daher mein Nik- Zimttee ist das, womit ich Entspannung und Genuss gelernt habe. Meistens habe ich ihn getrunken, wenn ich gelesen habe.
    Hätte ich das zu Hause gemacht, hätte Mutter mich als faul bezeichnet.

    Kennt ihr Entscheidungsschwierigkeiten?
    Am besten tut es mir, hier im Forum zu lesen und festzustellen, dass ich kein schlimmer Mensch bin und, dass es normal ist, dass ich unter dieser Situation diese Merkmale und Probleme ausgebildet habe. Ich fühlte mich bisher immer als Versagerin, die gegenüber anderen immer schlechter abschneidet und für alles mehrere Versuche braucht.
    Aber grad überlege ich, ob es nicht eine besondere Leistung ist, es soweit gebracht zu haben, wie ich? Schlechtes Abi, Studium mit Bestnoten, wenn auch zu lange studiert.. Festanstellung, gute Beziehung und im gewissen Maße Unabhängigkeit.. Zudem 20kg abgenommen und das Nägelkauen lege ich grad auch ab. Eigentlich ist es doch soetwas, was uns ehrt, da wir es mit unseren "familiären Verhältnissen" dorthin geschafft haben, wo der ein oder andere mit besserem Hintergrund nicht hinkommt?
    Das ist grad echt das erste Mal, dass ich nicht denke, dass ich minderwertig bin.. oder schlecht, oder eine Zumutung oder sonstwie negativ behaftet.
    Puh!
    Was habt ihr noch für Merkmale? Wie stehts um eure Entscheidungsfreudigkeit? Wie geht ihr mit anderen um?

    Hallo Laura!

    Mir war immer bewusst, dass meine Mutter anders ist- irgendwann wurd dieses Bewusstsein um den Begriff "Alkoholikerin" erweitert.
    Aber mir war sehr lange nicht bewusst, was das genau bedeutet. Ich dachte, wenn man Alkoholikerin ist, hat man ständig Stress und Streit und ist nicht gut drauf ^^
    Die richtige Dimension habe ich wohl erst mit 15 etwa kapiert. Da begann ich, auf Feiern zu gehen und mein Vater machte jedes Mal Stress, wenn ich etwas trinken wollte. In der Zeit bekam ich einen Internetzugang und konnte googlen und verstand, was er meinte.
    Als Teenie habe ich total Glück gehabt- eigentlich zu viel getrunken. Das hörte auf, als ich mich auf Feiern nicht mehr wohl fühlte und ich diesen beduselten Zustand eher ätzend fand und unangenehm, als "cool". Außerdem bin ich Studentin und verschenke nicht gerne mein Wochenende, nur weil ich einen Abend feiern möchte.

    Wie geht es deinen Eltern nun? Hast du dich distanzieren können?

    Ich habe vor etwa 2 Jahren mehr Abstand eingeführt und mit ein paar Leuten Gespräche geführt. Ich habe ihnen erklärt, was bei mir zu Hause los ist, warum niemand mich dort besuchen kann und habe mir Rückmeldungen geholt, wie sie die Situation sehen. Das war dann auch ganz gut, weil ich plötzlich mit einer Freundin mal zu Hause vorbei musste und meine Eltern sich grad anschrien, Mutter betrunken war und flennte.

    Momentan habe ich mein Leben ganz gut im Griff, daher setze ich mich wohl momentan vermehrt mit dem Problem meiner Mutter auseinander.
    Ich gewöhne mir grad erfolgreich das Nägelkauen ab, habe knapp 20kg abgenommen, arbeite viel und habe nun auch gute Noten. Jetzt bleibt "nur noch" die eine Baustelle.

    Aber ich kann nun auch endlich genießen und abschalten- gern bei einem Zimttee :) Alkohol verbanne ich auch nicht mehr 100%ig- ab und an gern mal bei Rotwein. Ich muss sagen, dass ich auch Rotwein trinke- obwohl es Mutters Einstieg war. ABER ich kaufe keinen billigen Fusel, sondern achte auf Qualität. Da achte auch ich auf den Unterschied zu Mutter.
    Bier und Co mag ich nicht- Cocktails bringen mir nichts. Sie schmecken einfach nur süß, haben unzählige Kalorien (die ich meide) und nachher bereuhe ichs, einen für den Preis bestellt zu haben.
    Bei mir gibt es alle paar Wochen einen Wein. Ich habe im Freundeskreis etwa 4 Personen, die definitiv ein Alkoholproblem haben. Zu ihnen bin ich nun auf Abstand, da sie meine Abstinenz gerne mit "Spielverderben und Spaßbremsen" gleichsetzen und nicht akzeptieren. Eine erzählte neulich, dass sie den 15minütigen Weg zu ihrer Stammdisko mit einer Flasche Sekt geht- die Flasche Sekt und sie auf dem Weg. Die Flasche wird dann in ihren Erzählungen personifiziert, sie redet mit ihr und in 15Min geleehrt.
    Die andere Bekannte hat Donnerstag von 11 bis nachts gefeiert, getrunken.. Und regte sich gegen 19 Uhr auf, dass sie schon extra langsam getrunken habe, damit ihr später nicht wieder alle sagen, sie würde nur saufen.. Und dann lief sie leicht torkelnd in den Toilettenraum, machte sich frisch, kämmte die Haare und schminkte sich, damit sie nicht betrunken aussehe. Echt, es ist soo traurig, denen dabei zuzugucken.

    Hast du auch viele Freunde mit Alkoholproblem?

    Ich kenne es in der Familie mit meinen Eltern nicht. So etwas wie, dass morgens alle noch zusammen im Bett liegen, in Ruhe und Harmonie zusammen frühstücken- gabs nicht. Es lag immer Stress, Streit und das Wissen um die schlimme Situation in der Luft, was alles überschattet hat. Sogar im Restaurant oder im Urlaub drehte sich alles nur um Alkohol- dass man den "Verdauungsschnapps" abbestellt, oder, wenn wir in Urlaub fuhren, dass alles durchwühlt wurde, ob sie irgendwo was versteckt hat. Hatte sie immer und selten wurde was gefunden. Dafür hat sie sich dann immer abgeschossen, wenn Papa mit Wühlen beschäftigt war.

    Durch meine Oma habe ich etwas Normalität erfahren, ja. Vaters Seite ist von Alkohol nicht betroffen. Das war immer schön, sie freuten sich, wenn wir bei ihnen waren. Vor ihnen wurde immer alles versteckt- einmal wollten wir mit ihnen grillen, da war Mutter betrunken. Sie ist immer betrunken, wenn wir grillen. Oma hats gemerkt und sie gefragt- Mama wurde wütend und hats 10Minuten lang abgestritten. Oma kam nicht an sie ran. Vaters Eltern sind beide sehr alt (und krank) gewesen; Opa wäre heute 115 und Oma 105.

    Und mein Vater- ja, ihm mache ich Vorwürfe. Kennst du das Bild mit drei Affen, die sich selbst Ohren, Augen und Mund zuhalten? So ist er- er hört nichts, sieht nichts und sagt nichts. Weil er von nichts weiß, kann man ihm nichts vorwerfen, Alkoholabhängigkeit kannte er nicht. Das ist seine Begründung. Aber wieso er von Anfang an nach Flaschen suchte, wenn er doch nichts wusste, konnte er bisher nicht erklären. Kindererziehung war aufgeteilt- Vater arbeitet, Mutter blieb zu Hause und alles war in ihrer Verantwortung. Wenn er nach Hause kam, hatte er seine Aufgabe erledigt und war für uns nicht zuständig. Mutter wusste, wie sie ihn manipulieren kann. Wenn wir anstrengend und nicht lieb waren, gabs hinterher noch eine Abreibung, wenn Vater nach Hause kam. In der Zwischenzeit ist er zum Choleriker geworden. Sehr unangenehm, er kann nicht diskutieren oder argumentieren, sondern schreit sofort, dass es einem durch Mark und Bein geht.

    Von Vater gibts mitlerweile Anerkennung für meine Leistungen. Aber nun brauche ich das auch nicht mehr. Ich werfe ihm vor, dass er uns nicht beschützt hat- er sieht das nicht so- er wusste von nichts, nichtmal, dass es sowas wie Alkoholabhängigkeit überhaupt gibt. Und er meint, dass er Mutter oft genug gesagt hat, sie solle uns zu Liebe aufhören- aber das tat sie ja nicht, Schuldigkeit getan. Wenn ich ihm dann sage, dass er sie hätte rauswerfen müssen, werde ich entweder mit großen Augen ungläubig angeguckt, oder er heult selbst rum und badet in Selbstmitleid und will getröstet werden.
    Einmal ist Mutter ausgetickt und war wie von Sinnen- total realitätsfern und hysterisch, sie wäre keine Alkoholikerin, ich sollte das Papa sagen. Ich dachte, sie wäre ein Fall für die Männer in weiß mit Zwangsjacke. Ich hab in der Küche einen Heulkrampf bekommen, Papa drückte dann auch auf die Tränendrüse, nahm mich in den Arm. Irgendwann kam Mutter in die Küche, Papa hats zuerst gemerkt, heulte dann nicht mehr, trat einen Schritt zurück, zeigte auf mich und sagte ihr, sie solle sich anschauen, was sie anrichte. Das war das erste Mal, dass er mich tröstete. Aber wohl nur, um mich vor Mutter vorzuführen.
    Körperliche Gewalt gabs "nur" bis zu einem bestimmten Alter. Wir wurden mit dem Kochlöffel erzogen. "Bis er kaputt bricht" war ihre Androhung. Danach gabs psychische Gewalt; Herabwürdigungen, Beleidigungen.. Oder sie rannte fluchend durchs Haus und beklagte sich laut über uns in Selbstgesprächen. Aber da dachten wir ohnehin schon, dass wir wirklich schlechte Kinder wären und es verdient haben, wenn die Mutter uns nicht aufrichtig lieb haben kann.

    Tja, mitlerweise weiß ich, was richtig gewesen wäre und wir natürlich nicht Schuld sind.
    Ich habe einen festen Partner, der mich liebt, aufmerksam ist, mir zuhört, der mir Geborgenheit gibt. Ihm kann ich vertrauen. Dadurch verliert die Vergangenheit immer mehr ihre Bedeutung; ich kann es nun besser machen und Mutter ist eben krank und wird durch ihre "innere Hölle" genug bestraft. Das Verhältnis ist schlecht, ich habe keine innere Beziehung zu ihr. Wie auch? Sie hat alles kaputt gemacht. Wenn sie nun rumjammert, sie habe Oberbauchschmerzen, gehe ich nicht wirklich drauf ein, sondern verweise sie an den Arzt. Gespräch beendet.
    Ich habe nur Angst, dass ich irgendwann genauso werde. Wenn ich mal Kinder habe und durch Schlafentzug und Stress anders reagiere, als ichs mir nun vornehme. Daher würde ich später eine Therapie machen, um zu meinen Kindern eine andere Beziehung aufbauen zu können und in Belastungssituationen anders als mit dem Kochlöffel zu reagieren. Zudem ist die Familie meines Vaters noch sehr vom Krieg geprägt. Das zieht sich bis zu meinem Vater, der für gewöhnlich keine Emotionen zeigt und auch kaum Nähe aufbauen kann. Bei mir soll das nicht weitergehen. Wenn ich die Beziehung zu meinem Partner betrachte, merke ich, dass ich zumindest in diesem Bereich schon anders geworden bin, als meine Eltern.

    Danke für deinen Beitrag, Schnuffig! Er hat mir beim Nachdenken geholfen!

    Zitat von Just

    [quote='schnuffig']Ich bin immer noch dabei mich zu hinterfragen ob die Kindheit wirklich so schlimm war und ich das jetzt alles idealisiere oder ob das eigentlich gar nicht so schlimm war ...von Kopf her weiss ich das wohl, meine Therapeutin sagt auch, dass das alles ziemlich schlimm gewesen ist, damals aber ich empfinde das immer noch nicht so ...


    Vielleicht aus Selbstschutz?
    Oder weil wir es nicht anders kennen?
    Mir sagen auch viele Leute, dass es grausam gewesen sein muss. Häufig sagen sie, dass sie betrunkene Menschen als unangenehm empfinden und unberechenbar und dass sie dies als besonders schlimm für Kinder betrachten, die ja Verlässlichkeit brauchen.
    Ich bin es ja seit meinem 3. oder 4. Lebensjahr nicht anders gewöhnt- und daher kommt wohl die Aussage "nicht schlimm". Wer weiß, wie schlimm es für mich wäre, würde ich wissen, wie toll Geborgenheit und Ausgelassenheit und Unbeschwertheit sind? Oder eine Familie, in der man im Mittelpunkt steht und von Interesse ist?
    Manchmal hadere ich auch mit mir selbst- auch ich wurde irgendwann schreien gelassen. Im Nachhinein sehe ich die Situation so, dass Mutter total überfordert war (kein Wunder, wenn man psychisch aus dem Gleichgewicht ist und nebenbei trinkt) und dann eben häufig falsch gehandelt hat. Nachts bin ich wach geworden und habe begonnen, sie zu rufen. Ich hatte Angst, laut zu werden (Monster könnten mich hören ^^) und habe mich dazu durchringen müssen. Ich habe gemerkt, dass sie wach waren- aber niemand kam zu mir. Oder sie wollte die Treppe von der 1. in die 2. Etage hoch, um meinen Bruder dort zu wickeln. Ich sollte alleine unten bleiben => das kann ein Kleinkind nicht verstehen. Ich wollte also hinter ich her, hab mich an ihrer Hosentasche festgehalten und bin mitgelaufen. Sie hat das genervt, sie hat meine Hand von der Hosentasche gelöst und losgelassen- da ich mich daran festhielt, bin ich die Treppe runtergefallen- von oben komplett runter. Es tat ziemlich weh, ich hab geweint- Mutter war total gereizt. "Das ist deine Schuld, stell dich jetzt nicht so an." Ich glaube, sie hat mich sogar in die Seite getreten, damit ich wieder aufstehe. Früher bin ich an dieser Situation verzweifelt, heute denke ich, dass sie langsam ihre Bedeutung verlieren.
    Dafür gab es Menschen wie meinen Vater oder meine Großeltern bzw die Familie meines Vaters, die auch etwas Normalität brachten und mich mit Herzlichkeit empfingen.
    Ich denke, es ist zumindest bei mir je nach Zustand Selbstschutz, manchmal möchte ich mich damit nicht mehr auseinander setzen. Ich sehe auch, dass es Menschen gab, die meine Situation etwas entschärften; zu ihnen bin ich immer gern gegangen, dann war alles nicht so schlimm.
    Vielleicht ist es bei dir ähnlich?