Beiträge von Zimttee

    Ich schließe mich Zoolander an!
    Aber ich vermute, dass du auch keine ehrliche Antwort auf die Frage erhälst- der Alkoholiker verdängt ja. Meine Mutter würde antworten "Ich trinke nicht, mir geht es gut!", oder lass mich in Ruhe, kümmer dich um deinen eigenen Kram. Das waren bisher jedenfalls die Antworten.
    Ansonsten hab ich auch schon von Antworten wie "ist nur ein Genussmittel" oder "du gönnst mir meine Entspannung nicht" gehört.

    Ein Arztbesuch ist schonmal ein gutes Ergebnis. Ich drücke dir die Daumen, dass der Arzt schon Dinge findet, auch wenn er jetzt einige Tage abstinent ist.
    Ansonsten kann ich dir nur aus eigener Erfahrung empfehlen, dass du ihn zum Arzt begleitest und auch das Gespräch mit diesem Arzt suchst. Wenn er möchte, wird er dir das Blaue vom Himmel lügen und du wägst dich in falscher Sicherheit. Hat er sich schon einen Termin geholt?
    Mein Opa hat den Ärzten damals bis kurz seinem Tod eine Auskunftssperre verhängt- wir haben nix erfahren. Nun ist es bei meiner Mutter das gleiche in grün; die Ärzte sagen nix und Mutter behauptet, sie sei in bester Gesundheit.
    Er behauptet, nicht süchtig zu sein, schiebt dir die ganze Schuld in die Schuhe und greift dich in den Gesprächen immer an. Warum bist du dir sicher, dass er aufrichtig ist, wenn er Arztergebnisse bekommt? Dann würde er ja sein Gesicht verlieren.

    Hast du dir schon einen Plan überlegt, wie es weiter geht, wenn:
    - er sich weiterhin quer stellt und alles auf dich abwälzt?
    - er gesundheitlich richtig abbaut? Wirst du ihn dann pflegen?
    - er doch die Kurve kriegt und einen Entzug macht? Kannst du dann sein Verhalten verzeihen? Damit meine ich jetzt nicht, dass er getrunken hat. Sondern seine respektlosen Reaktionen, wenn du ihn darauf ansprichst.

    Hast du dir eine Grenze gesetzt, wie weit du gehen möchtest? Das fände ich sehr wichtig; sonst merkst du nicht, wie er dich Schritt für Schritt mit runterzieht und du dir alles gefallen lässt.

    Ich finde es wirklich gut, dass du dich nicht auf seine Anschuldigungen eingelassen hast und ihm Paroli bietest. Er hat das gemerkt und lenkt etwas ein. Der nächste konsequente Schritt ist meiner Meinung nach, Konsequenzen zu zeigen, wenn er seine Versprechen bricht. Dazu gehört meiner Meinung nach, wenn er weiter trinkt, nicht zum Arzt geht bzw alleine hingeht, dir offensichtliche Lügen auftischt ("Der Arzt sagt, dass ich kein Alkoholproblem habe.") bzw. die Ergebnisse dir vorenthält. Dass er dich nicht zur Suchtberatung begleitet, da er meint, nicht süchtig zu sein, betrachte ich als grenzwertig. Warum sollte er die Zugeständnisse ernst meinen, wenn er kein Problem hat?
    Lass dich nicht hinhalten!
    Meine Erfahrung ist, dass der Alkoholiker immer kleine "Beruhigungshäppchen-Zugeständnisse" verteilt, sobald er meint, dass es ihm ans Leder geht. Der Angehörige futtert sie dann dankbar auf, ist gesättigt und zufrieden/beruhigt und lässt locker.

    Wie stellst du dir dein weiteres Leben vor? Was möchtest du noch erleben?
    Wie wirst du in dieser Sache weiter vorgehen?

    Jaaaa, hieeeer!
    Ich hab auch so eine herzliche Verwandtschaft!
    Ich habe bei ihnen das Gefühl, dass sie sich gerne aus dem Staub machen würden, aber nur wissend, dass ich noch da bin und sich auch jemand kümmert, wenn sie das Feld geräumt haben.
    Solche Sprüche kenne ich zur Genüge: Du musst dich kümmern, du kannst ihr helfen, du bist Schuld, du bist kalt. Du musst öfter nach Hause, du musst ihr mehr helfen, du bist faul, du musst ihr dann eben sagen, dass du nicht mehr nach Hause kommst, wenn sie trinkt. Das Highlight war mein letzter Geburtstag, da gabs eine Karte, in der deutlich zwischen den Zeilen stand, dass ich kein guter Mensch bin, weil ich nicht anpacke. Ich bin an dem Tag, als ich die Karte bekam, zusammengebrochen. Als es mir Tage später nicht besser ging, ich Probleme auf der Arbeit (drohende Kündigung mangels Konzentration) bekam und ich sogar Wortfindungsprobleme hatte, bin ich mit der Karte zum Arzt, bekam eine Überweisung zum Psychologen und endlich mal das Feedback, dass meine Familie so verkappt ist und nicht ich. Dass der Arzt ihr Verhalten als "widerlich" bezeichnete und total entsetzt war, tat wahnsinnig gut.
    Im Prinzip drängen sie mich jedes Mal, wenn ich einen kleinen Schritt weg geschafft habe, wieder in die Rolle zurück. Sie gönnen mir mein Glück nicht- ich wurde schräg angeschaut, als es mir gut ging, da ich viel mit meinem Partner unternehme bzw als wir in Urlaub wollten. Selbst meine Kleidung wird kritisch beäugt, da sie mir unterstellen, dass ich dafür das Geld meiner Eltern nehme.
    Seit einem Jahr ist der Kontakt reduziert- zu Geburtstagen gehe ich nicht mehr hin, es bleibt nur Weihnachten. ABER ich habe sogar neulich gehört, dass es trotzdem noch ausreicht, dass sie mich schlecht machen, indem sie mir irgendeinen Sch**ß zuschreiben und in die Schuhe schieben. Keine Chance, dass ich in Frieden gelassen werde.

    Wie ich damit umgehe? Das größte Problem liegt bei einer Person, die selbst die Wahrheit total verdreht und ihre eigenen Widersprüche nicht bemerkt.
    Diese zeige ich ihr auf. Bei dem Spruch "aber es ist doch deine Mutter" sage ich "Umso schlimmer, dass es sie nicht stört, was sie ihren eigenen Kindern antut." Sagt sie "Aber dein Opa (ihr Vater) war kein Alkoholiker mehr, der hatte einen Entzug" ist meine Antwort "Sagtest du nicht, dass Mutter keinen Tropfen Alkohol mehr trinken darf, weil sie sonst rückfällig wird? Aber Opa ist trocken, wenn er ungeniert literweise Bier am Tag trinkt?" Zu dem Pseudo-Entzug ist zu sagen, dass es sich um einen längeren Krankenhausaufenthalt handelte mit anschließender Reha- Alkohol war da nie ein Thema. Würde mich nicht wundern, wenn er weitergetrunken hat; der Kiosk war ja in Reichweite. Dass er nicht extern versogt wurde, ist kein Argument.

    Ich schließe mich Schnuffig an! Zieh dir den Schuh nicht an, und rücke die Argumente der unsensiblen Sippe mit der Wahrheit grade.

    @ Schnuffig: Danke! Ich habe mich etwas beruhigt. Zumindest ist hier der Vorteil, dass er offen damit umgeht und nicht wie in meinem Umfeld, heimlich trinkt. Denke, diese Sozialisation ist schon wichtig, da ich mitbekomme, wieviel er trinkt und dann eben - im worst case- intervenieren kann. Ich hab mich da weiter eingelesen, das Risiko liegt wohl bei ca.30 %. Auch für mich als EKA.

    @ Immergrün: Puh, mein Gefühl. Also, für mich ist ein liberaler Umgang mit Alkohol nicht möglich. Mein Vater hat sehr darauf geachtet, dass wir kaum Berührungskontakte damit haben- er bestellt sogar den Schnapps nach der Rechnung im Restaurant ab. Tja, und in der Familie wird ein "guter Tropfen" gerne unterm Tannenbaum verschenkt. Mein Freund hat auch eine Minibar in unserer gemeinsamen Wohnung stehen- hab grad 20 Flaschen gezählt.
    ABER ich weiß, dass er sehr verlässlich, diszipliniert und verbindlich ist. Ungut sehe ich allerdings, dass er nicht erkennt, dass sein Vater ein Alkoholproblem hat.
    Wir waren diese Woche auf einer Feier und er hat nur ein Glas Sekt auf einem Empfang getrunken, die Tage vorher und nachher auch nicht. Nunja, ich schätze, rational betrachtet, muss ich mir nun keine Gedanken machen. Die Zukunft kann ich jetzt noch nicht beeinflussen und werde mir Mühe geben, zu erkennen, wann er belastet ist und eben sein Konum ansteigt.

    Danke für eure Rückmeldungen!

    Jap, in den ersten Lebensjahren wird das Urvertrauen durch die Beziehung zu den Eltern gebildet.
    Wenn in der Zeit solche Dinge passieren, ist das nicht einfach so wieder zu kitten.. Nach dem Motto "ist ja schon soo lange her und sollte nun mal gut sein".
    Beeinträchtigt dich es sehr? Hat es Auswirkungen auf deine Beziehung oder sonst wo? Willst du daran etwas ändern?

    Bei mir war die Welt damals noch einigermaßen okay.
    Mutter hat erst angefangen, da war ich zwischen 2 und 4 Jahren alt. Was das Urvertrauen und Verlustängste betrifft, bin ich glaub ich ganz normal geworden. Ich bin auch nicht eifersüchtig, kann meinem Partner voll vertrauen und weiß, dass ich ihn (momentan) nicht verlieren werde. Auch liebe ich es, alleine zu sein. Ich habe gern meine Ruhe.
    Mein Problem sind wohl "normale" Freundschaften, da fällt es mir schwer, Nähe zuzulassen. Und wenn, dann sind es immer die "Pflegefälle". Viele der besten Freunde waren zumindest schon in Therapie, manche in der Psychiatrie. Außerdem hab ich mindestens 4 Leute im engeren Freundeskreis, die definitiv ein großes Alkoholproblem haben.
    Schade eigentlich. :(

    Zitat von fatima


    manchmal wünsche ich regelrecht, es käme einfach mal der totale
    durchbruch der sucht, so OFFENSICHTLICH dass es keiner mehr
    ignorieren könnte - und dass der absturz demnach groß genug wäre,
    um tatsächlich etwas ändern zu wollen!

    Hey Fatima,

    ich kann dazu nur aus eigener Erfahrung sagen, dass auch die größten Abstürze nichts bedeuten.
    Ich habe auch lange darauf gewartet, dass "endlich mal was passiert".
    Vor zwei Jahren war es dann kurz vor Weihnachten soweit, sie lag bewusstlos im Flur, gar nicht ansprechbar und ich dachte, jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, heute ändert sich alles.
    Ich hab mich durchgesetzt gegenüber meinem Vater, habe den RTW samt Notarzt gerufen, die sie dann immernoch bewusstlos mitgenommen haben. Alkoholvergiftung.
    Im Krankenhaus gings dann zur Intensivstation, mein Vater und ich hinterher. Ich sagte zu ihm, dass heute der Tag gekommen sei, jetzt MUSS sie es eingesehen. Die Notärztin drehte sich zu mir um und meinte, ich solle mir besser keine falschen Hoffnungen machen. Ich war geknickt und sauer auf die NÄ, wie konnte sie nur sowas sagen?
    Aber sie hatte Recht, genau wie damals, vor mehr als 20 Jahren, als das gleiche Maleur passierte, als sie mit zwei Kleinkindern alleine zu Hause war. Ein paar Tage war alles ok, etwas Einsicht vorhanden. Die wurde dann aber erfolgreich verdrängt und das war's seitdem. Sie hat kein Problem. Therapie wurde schon im Krankenhaus abgelehnt, Überweisungen des Hausarztes zum Psychiater weggeschmissen.
    Wir haben keine Infos bekommen- außer, dass sie getrunken hatte. Ein Pfleger nahm mich beiseite, sie habe starke Depressionen und beklage sich über die Probleme in ihrer Ehe, die - natürlich die Probleme, und nicht sie selbst- Schuld seien. Aber sonst- nix. Keine Promilleangabe, keine Auskunft über das Stadium ihres Zustandes, nix. Sie war auch mal zur "Bestandsaufnahme" beim Hausarzt kurz darauf- ihre Auskunft: Der Arzt sagt, alles ok. Dabei sehe ich eindeutig den Wasserbauch UND merke die ersten Anzeichen vom Herrn Korsakow.

    Schlimmer Absturz und Zustand bedeuten gar nichts! :(
    Sei froh, dass es noch nicht so weit ist und finde Abstand, bevor es dazu kommt. :( Mein Tipp.

    Hey Lütte,

    ich hab nicht viel Zeit grad, denn ich muss zur Arbeit.

    Du hast Recht mit deinen Eindrücken! Es ist nicht normal. Ob er sich bewusst über sein Problem ist und es ignoriert, oder absolut davon überzeugt ist, weiß ich nicht. Diese Manipulationsspielchen kenne auch ich.

    "Alles nicht so schlimm". Hm. Nach dem, was du berichtest, ist es schon schlimm für dich UND hat definitiv schlimme Konsequenzen. Schlimmer geht immer.
    Es gab eine Zeit, in der waren meine Eltern in der selben Situation. Die Zeit ist nun ca. 12 Jahre vorbei- es wird immer schlimmer. Das Potenzial ist dafür bei euch auch vorhanden.
    Du kannst ihm nciht helfen, es muss bei ihm Klick machen.

    ABER du kannst dir helfen.
    Was willst du denn? Wovon träumst du? Was sind deine Wünsche?
    Ist das mit deinem Mann zu vereinbaren?

    Liebe Grüße!
    Zimttee

    Noch etwas:
    Wie war die Therapie für dich? Fühltest du dich zu beginn beeinträchtigt, hat sie dich belastet? Warst du dadurch weniger leistungsfähig?

    Ich befürchte, dass sie mich ablenkt vom Lernen- momentan muss ich mich auf die Uni konzentrieren und möchte nicht tagelang grübeln und mich davon ablenken.
    Ist das realistisch oder sind die Gedanken unberechtigt?

    Frag doch deinen Internisten, ob Jod in einer Creme schädlich für die Schilddrüse ist? Wenn es vom Körper nicht aufgenommen wird, dann dürfte das doch gehen?
    Ich kenne es so, dass ich um Cortison einen Bogen machen muss, da dadurch mein Augeninnendruck steigt. Es darf also nicht in meinen Kreislauf gelangen- das passiert bei Salben nicht.

    Allerdings reagiere ich auf Jod allergisch- da muss ja jeglicher Kontakt vermieden werden, wie ich in einer Nasen-OP feststellte.
    Ansonsten gebe ich auch immer an, dass ich an Grünem Star leide und eine Jod-Allergie habe und betone, dass ich kein Cortison nehmen darf- hat meinen Hautarzt auch nicht davon abgehalten, mir ein Allergiespray (für die Nase- direkt bei den Augen!) auf Cortisonbasis zu geben.

    Ich würde dir den Tipp geben, es ihnen wirklich einzubläuen und dir eine Liste geben zu lassen, damit du selbst prüfen kannst, ob nicht etwas kontraindiziert ist. Das hat damals zumindest bei meiner Nasen-OP nicht geschadet und ich konnte mit meiner Augenärztin durchgehen, dass die Nasentropfen und -sprays bei meiner Art von Grünem Star erlaubt sind. So lag die Verantwortung auch nicht auf Ärzten, die sich in dem Fachgebiet nicht auskannten- die waren dann froh =)

    Viel Erfolg!

    Zimttee

    Hey MaryLou!

    Nein, ich sehe deine Rückmeldung nicht als Einmischung an. Genau deswegen bin ich doch im Forum, damit Leute, wenn sie einen "Denkfehler" bei mir bemerken bzw. sehen, dass ich etwas übersehe, mir dies mitteilen. Wäre das nicht der Fall, würde wir uns alle gegenseitig selbst bestätigen und uns in unserer Co-Abhängigkeit festhalten.

    Ich habe mich da etwas falsch ausgedrückt- ich würde die Therapie beginnen, bevor ich mit der Babyplanung beginne. Wobei man natürlich ewig auf Therapeuten wartet. Momentan möchte ich noch nicht in den wirklich tiefen Wunden rumstochern, weil ich im Abschluss des Studiums bin und meine Energie dafür brauche. Mama werde ich bestimmt in den kommenden 5 Jahren nicht. Ich habe doch gerade erst angefangen, mein Leben zu leben.
    Ich hatte ein paar Stunden bei meinem Coach, der mit mir über ein paar meiner Altagsprobleme gesprochen hat- Prüfungsangst, Nervosität, Essen. Ich esse zu viel- habe nun 20kg abgenommen. Das war mein Anker- ohne Essen war ich aufgeschmissen, das kleine Kind kam durch. Wenn ich bei meinen Eltern bin, falle ich noch immer in dieses Muster zurück, auch wenn meine Waage sagt, dass mein Gewicht im gesunden Bereich ist.
    Der Coach und ich hatten viele Gespräche; irgendwann kamen wir in meiner Kindheit an. Das Ergebnis ist, dass bei mir in Belastungssituationen eben diese Probleme rauskommen und ich in das mir vorgelebte Verhaltensmuster meiner Eltern falle. Auch wenn die Vorsätze noch so gut sind- aber unter Stress gehe ich vom Kurs ab und falle in das altbekannte Verhalten.

    Danke, dass du mir deine Erfahrungen mitgeteilt hast.
    Darf ich fragen, woher du weißt, dass es ihnen gut geht? Gehen sie auch zur Therapie?
    Ich weiß von damals, dass gerade in der frühen Kindheit (Ich werde Pädagogin und dieses Thema war Teil meiner Staatsprüfung) Verhaltensweisen geprägt werden. Die Kinder lernen von Anfang an am Modell, also das Verhalten der Eltern wird beobachtet und übernommen, ohne dass Kinder reflektieren. Gerade so prägen sich Dinge ein, die nur unbewusst vorhanden sind, ohne direkt abgerufen werden zu können. In Stresssituationen wird darauf zurückgegriffen bzw Probleme (wie bei mir) kommen wieder hoch.

    Ich weiß von mir, dass ich mich als Kind nie getraut hätte, meinen Eltern zu zeigen, dass es mir nicht gut geht. Ich hatte viel zu viel Angst, ihnen Kummer zu machen und dann womöglich noch Schuld an einem weiteren Absturz zu sein. Ich möchte dich bitten, zu bedenken, dass es deinen Kindern ähnlich gehen könnte.
    Ich habe den Eindruck, dass Alkoholiker nach ihrer nassen Zeit weiterhin im Mittelpunkt stehen, aber die nächsten Angehörigen weiterhin übersehen werden. Gerade für junge Kinder ist das Kapitel nach dem begonnenen Entzug der Eltern nicht beendet; die Co-Abhängigkeit geht weiter, auf einem anderen Level. Falls deine Kinder nicht schon in Therapie sind, würd ich dir den Rat geben, darüber nachzudenken. Gerade so, wenn sie dich (wie ich meine Mutter, die auch EKA ist) nicht anders kennen.

    Ich hoffe, du verstehst auch meinen Kommentar nicht als Einmischung oder böse.
    Und danke nochmal für deine Erfahrungen. Die bestärken mich weiterhin, dass ich erst vollkommen aufräumen möchte.

    Liebe Grüße!
    Zimttee

    @ Jade: Es kommt darauf an, in welchem Bereich an dir du arbeiten möchtest? Möchtest du die Vergangenheit aufarbeiten? Möchtest du die jetzigen Symptome, in der Gegenwart, bearbeiten und Verhaltensweisen lernen? Möchtest du die Vergangenheit verstehen, um anders zu handeln, als dir in der Familie vorgelebt wurde?

    Ich war bereits bei einem Coach, der sich in der Thematik auskennt (ich würde spontan auch auf EKA tippen, man erkennt doch seinesgleichen ;) ). Das hat mir für den Moment sehr geholfen.

    Momentan mache ich nichts, außer zu mein Leben zu genießen, mich selbst einzulesen. Zwischendurch bin ich in einer SHG, das hilft auch. Aber manchmal ist mir das Gejammere auch dort zuviel- ich will kein Selbstmitleidsbad, sondern konstruktive Tipps. Zwischendurch, alle halbe Jahre, ist Selbstmitleid heilsam.
    Nun. Ich merke im Kontakt zu anderen Familien, dass das Verhalten meiner Mutter mir gegenüber schon als Kleinkind schrecklich war. Von mir wurde das Verhalten eines kleinen Erwachsenen erwartet, was ich als 3-Jährige nicht erfüllen konnte. Dann wurde ich abgewertet. Das, habe ich gelernt, ist nicht normal ;)
    Daher plane ich, dass ich spätestens, wenn ich eigene Kinder habe, eine tiefenpsychologische Gesprächstherapie beginnen möchte, um das aufzuarbeiten und nicht an die Kinder weiterzugeben. Bis dahin lese ich in Elternforen mit, wie man mit Kindern umgeht und dass andere Mütter nicht zur Flasche greifen, wenn das Kind bockt ;)

    Mein Tiefpunkt- gute Frage?
    Es gab nicht diesen einen Punkt, sondern eine Entwicklung. In der Familie meiner Mutter gibt es niemanden mit einer gesunden Einstellung zum Alkohol.
    Ich habe es über 20 Jahre lang ertragen, bin eingesprungen, habe gehofft, gebangt, geweint, war verzweifelt. Ich kannte es nicht anders und meine Eltern sagten, ich sei zuständig. Die Liste an psychosomatischen Beschwerden ist lang. Dann irgendwann bekam ich die Diagnose Grüner Star- mit 21 Jahren! Sehnerven schon geschädigt. Auf einer Skala von 0 bis 10 (10=blind) bei 7. Zack, das saß. Unterstützung meiner Eltern gleich null- aber ich darf immer ran, wenn Not am Mann ist. Irgendwann las ich in einem Fachbuch, dass meine "Gattung" durch psychische Belastung und Stress ausgelöst werde. Da gingen mir die Augen auf. Ich ging in Mutters Verwandtschaft rum- die taten, als wüssten sie von nichts. Eine Lüge. Natürlich war es bekannt- die betroffenen Leute waren schon mehrfach zu Hause, wenn Mutter bewusstlos, gestürzt oder aus dem Fenster gesprungen war. Sie nutzten ihre vorgeschobene Unwissenheit, um mir die Schuld für Mutters Zustand zuzuschieben. Danach bin ich zu meinem Hausarzt vor einem Jahr- der war entsetzt wg des Verhaltens meiner Familie im weiten und meiner Eltern im engeren Kreis. Ich bekam eine Überweisung zum Psychologen. Aber diesen Gefallen will ich der Sippe nicht tun, es wäre für sie wieder ein Punkt, um schlecht von mir zu reden und die Nase zu rümpfen. Also habe ich begonnen, mich zu informieren und selbst an mir zu arbeiten und eben diese Kreise zu verlassen. Seitdem kann ich mein Leben genießen. Es besteht nun kein Kontakt mehr- nur bei seltenen Festen, zuletzt Weihnachten. Da wurde dann die Nase über meinen neuen Lebensstil gerümpft- und ich weiß ganz genau, dass sie es nicht ertragen können, dass ich mich nicht mehr von der Sucht mehrerer Angehöriger einsperren lasse, sondern mein Leben fortan genieße.

    Kurze Antwort auf deine Frage: Wenn er nicht aufhört zu trinken, ist eine Trennung unumgänglich. Du hast Verantwortung für deine Kinder- ich habe am eigenen Leib erfahren, wie grausam es ist, mit einem Alkoholiker im Haushalt aufzuwachsen- es zerstört die Kinder, es zerstört die Familie und prägt ein Leben lang. Nicht nur diese Generation, sondern auch die nächste. Du hast in einem anderen Thread geschrieben, dass es das beste wäre, wenn er bei euch bliebe- nein, das wäre die Katastrophe. Lies in dem EKA-Bereich mit, was deinen Kindern blüht- möchtest du, dass deine Kinder später genauso über dich denken und genauso leiden wie wir?
    Wenn du vollkommen im Klaren wärest, was passieren wird- dann wärest du nicht mehr bei ihm. Und er wird auch keinen Grund haben, sich zu ändern, solange du bei ihm bleibst und ihm zeigst, dass du dir alles gefallen lässt.

    Hallo ihr!

    Ich bin jetzt seit einigen Tagen im Forum und fühle mich hier sehr wohl. Es hat mich zum Nachdenken angeregt und ich habe viele Zusammenhänge erkannt, die ich vorher nicht gesehen habe.

    Wie ich hier schon an der ein oder anderen Stelle geschrieben habe, bin ich Tochter einer Alkoholikerin. Sie trinkt seit meinem Kleinkindalter. Also nüchtern kenne ich sie nicht wirklich; das hat mich natürlich stark geprägt.
    Ich bin seit vielen Jahren ausgezogen, aber bin für ein paar Tage alle paar Wochenenden zu Hause. Daher ist der emotionale Absprung nicht wirklich vollzogen. Vielleicht eröffne ich irgendwann dazu einen eigenen Thread.

    Zu meinem Anliegen:
    Ich bin seit mehreren Jahren in einer festen Beziehung; mein Partner ist wunderbar. Er unterstützt mich, wo es nur geht- ich ihn ebenso. Wir gehen sehr achtsam miteinander um.
    Ich bin herzlich in seiner Familie aufgenommen worden und kenne mitlerweile so ziemlich jeden. Mir fiel auch schon das Alkoholproblem von mindestens einer Person in dieser Familie auf- alle sitzen bei Kaffee & Kuchen, nur diese Person bevorzugt Bier & Kuchen. Man sieht es der Person an und ich weiß, dass es den anderen Mitgliedern bewusst ist. In dieser Familie wird, wie in meiner auch, sehr liberal mit Alkohol umgegangen. Vielleicht noch liberaler- Alkohol gehört zu vielen Anlässen dazu. Der Vater ist immer mit Wein dabei; ich weiß von meinem Partner, dass der Vater nahezu täglich Wein trinkt. In dieser Familie existieren die bekannten Strukturen; der Vater ist EKA. Es gibt auch Alkoholiker, die nach langer Sucht gestorben sind- das betrifft die Familienstränge von Vater und Mutter meines Partners.

    So. Niemand macht sich Gedanken um den Vater, da er normal funktioniert und sonst nicht auffällig ist. Heute früh ist mir ein aktuelles Foto in die Hand gefallen- mir wurde übel. Dieses rote Gesicht, die Augen- alles. Das klassische Bild eines Alkoholikers. (Seht diesen Text als therapeutisches Schreiben, mir ist es wie Schuppen von den Augen gefallen.)
    Ich weiß nicht- scheinbar hab ich bisher immer die Augen verschlossen; denn diese Familie ist so anders im Umgang als meine.

    Nunja, und nun? Grad hats "Klick" gemacht, nun bin ich panisch. Ich grüble über meine Beziehung- mein Lebensgefährte hat eben die gleiche Einstellung wie seine Familie. Alkohol immer verfügbar. Wobei ich schon vor langer Zeit das "Standard-Glas Wein" (es war nicht täglich, aber öfters, grundlos )beim Essen gestrichen habe- es gibt dann unseren Lieblingssaft und Wein nur bei besonderen Anlässen. Alkohol wird nicht täglich getrunken- niemals. Aber sicher schon 2 Mal die Woche in kleinen Mengen, manchmal auch wochenlang/monatelang gar nichts. Tja, jetzt sitze ich hier- und mache mir Gedanken. Wenn ich ehrlich bin, sehe ich schon, dass er bei Belastung dann abends (wie sein Vater) mehr trinkt. Ich würde sagen, dass er sich dann, wenn sein Ziel des Tages erreicht ist, ein Glas Wein, einen Cocktail oder ein kleines Glas Schnapps gönnt (wie ich dieses Legitimationswort "gönnen" hasse").
    So beobachte ich das.

    Was habt ihr für Erfahrungen? Wie habt ihr gehandelt oder was würdet ihr mir für Handlungen empfehlen? Stelle ich mich an?

    Hallo Jade,

    wie geht es dir nun?

    Ich bin so ziemlich in der gleichen Situation wie du und erkenne mich total wieder. Zwischendurch hab ich immer zu deinen Angaben links geguckt, um zu schauen, ob es nich doch mein Eintrag sein könnte.

    Liebe Grüße!

    Zimttee

    Ich habe nun mit Linde geschrieben und das Okay bekommen, dass ich dich, Discoboffi, auf den Thread "Wichtig: Merkmale für ein EKA " verweise. Unten, im vorletzten Beitrag, steht das, was ich meine.
    Da ist auch eine Ergänzung von Karsten.

    Ich denke, da steht das als Theorie, was ich praktisch in meiner Familie beobachte. Ich denke, das erklärt das, was in deiner Familie abgeht.

    Hm, mein Vater- der ist Co, aber sowas von.
    Seit ich denken kann, macht er alles, damit Mutters Trunksucht nicht auffällt. Also knapp 20 Jahre. Flaschen suchen, Leute anlügen.. Und wir wurden eben gedrillt, auch zu lügen und Mutter immer, wenn nötig, zu unterstützen und im Auge zu behalten. Uns wurde eingeredet, dass wir zu anstrengend wären und sie dann immer mit den Nerven fertig sei und trinken würde. "Ihr habt sie auf dem Gewissen" rief er dann immer, wenn er meinte, wir würden zu wenig helfen. Irgendwann liefen wir dann nur noch wie auf Eierschalen durch die Gegend, bloß kein falscher Schritt.
    Früher war es so, dass Mutter ihm erzählte, wie wir uns verhalten haben, als er gearbeitet hat. Waren wir lieb, war alles ok. Wenn sie sich beklagte, flippte er aus. Nun ist es so, dass er ankommt und mich fragt (wenn ich zu Hause bin), in welchem Zustand sie ist. Hat sie getrunken, flippt er wieder aus. Daher äußere ich mich dazu nicht- und somit wird mit Illoyalität vorgeworfen. Er spielt dann richtig darauf ab, mir ein schlechtes Gewissen zu machen- er würde alles für uns tun und ich würde ihm diese kleine Info nicht geben.
    Tja, nun ist er total abhängig- er hat noch nie alleine gelebt und ich glaub nicht, dass er sich alleine versorgen kann. Bei Mutter lebt er wie im Hotel. Sie kocht morgens Tee, schmiert Brote und legt Kleidung raus.
    Er hält vollkommen zu ihr; zwischendurch regt er sich bei mir über sie auf- aber ich hab ihm schon gesagt, dass ich das nicht mehr anhören möchte. Er hat an jedem Tag dieser 20 Jahre die Möglichkeit gehabt, zu gehen. Das wäre für uns alle das beste gewesen und für sie die Warnung. Aber alleine leben kann er nicht. Aber nun ist er immer noch bei ihr und geht dazwischen, sobald wir deutlicher werden. Als sie das letzte Mal ins Krankenhaus kam, hat er mir (ich hab den Notarzt gerufen, er wollte es nicht) sogar vor dem Arzt verboten, zu sagen, dass sie getrunken hat. Es könnte ja was ganz anderes sein, warum sie im Flur liegt, und dann gehen sie von falschen Tatsachen aus. Sie sollen rausfinden, was sie hat. Tja. Jetzt ist es auch so, dass ich das Gefühl habe, dass es nun zwei Seiten im Haus gibt- mein Geschwister und die Eltern. Zwischen beiden gibt es richtig Stress, der Bruder erträgt die Situation nicht mehr und ich merke es ihm richtig an. Das tut mir so leid, er hat sich sehr verändert. Wenn ich da bin, versuchen sie, mich auf eine der Seiten zu ziehen. Wobei ich meinem Bruder Recht gebe, die Situation ist für ihn grausam. Mein Vater regt sich ständig bei mir über ihn auf- ich kann es nicht nachvollziehen, warum. Scheinbar ist es sein Ventil. Es ist so traurig dabei zuzusehen, wie die sich zerstreiten.

    Zum Erblinden: Grob und nicht detailliert: Ich habe eine Durchblutungsstörung in Kombination mit zu niedrigem Blutdruck. Durch den Stress hab ich Probleme mit dem Blutdruck, fühle mich ständig schlapp und müde. So habe ich früher rumvegitiert. Es kommt zwischendurch zu Mangeldurchblutung und die Sehnerven werden nicht richtig versorgt- so sind sie teilweise abgestorben. Auf einer Skala von 0 bis 10 bin ich bei 7. Momentan habe ich keine Einschränkung- aber was ist, wenn es weiter fortschreitet? Für die nächsten 60 Jahre muss der Rest reichen. Daher ist es mir nun auch wichtig, den emotionalen Absprung zu schaffen. Unter Belastung wirds wohl schlimmer. Diagnose ist Gl.. X au. kom. So wirds wohl nciht über die Suche gefunden. Die liebe Verwandtschaft weiß auch nicht bescheid- darüber redet man nicht ;) Bisher ist der Prozess seit 3 Jahren gestoppt.

    @ Gartenblume: Das ist auch schrecklich! Eigentlich genau wie bei mir- wenn ich mich nicht wie gewünscht verhalte, kommen auch solche Sachen. Solche Dinge wie, wie konnte ich nur so eine Tochter bekommen, gabs bei uns auch schon. Ich glaube, ich bin schon grob von diesem "ich springe nicht, wie ihr wollt" befreit. Aber es passt ihnen natürlich nicht, wenn ich mich widersetze. Ich habe das Gefühl, dass die Eltern nun zusammenhalten und dann gegen mich schießen. Dann kommt so ein "Wir haben immer alles für dich getan, und jetzt enttäuschst du uns so". Dabei ist das, was sich meine Eltern abgerungen haben, für die meisten selbstverständlich. Mein Partner sagt immer, dass sie vieles, was nötig wäre, eben nicht machen. Aber das sehen meine Eltern nicht.
    Lebst du noch bei deinen Eltern?
    Mir fällt es auch immer schwer, wirklich zu sehen, was normal ist. Ich meine, mir wurde von Anfang an eingetrichtert, dass ich nicht normal bin. Ich wurde ziemlich eingeschüchtert und klein gehalten.. Und dann kamen solche Sätze wie "Die Familie hält immer zusammen". Zum Ko**en.
    discoboffi : Es war früher in den Gefängnissen in der DDR so, dass die Menschen dort mit diesen Techniken des Aufmerksamkeitsentzuges weichgeklopft wurden. Es nennt sich in der Literatur psychische Folter bzw. Manipulation. Die Insassen wurden so über Wochen behandelt, bis dass sie emotional so an die ausgebildeten Wärter gebunden waren, dass sie Dinge gestanden, die sie nicht getan haben oder andere Leute beschuldigten. Nur um Aufmerksamkeit zu bekommen. In gewisser Weise sehe ich die Parallen zu meiner Familie. Die Methode, mich an sie zu binden und mich dazu zu bringen, in dem Sinne der Sucht zu handeln.
    Ich saß vor einem Jahr sogar mit meinem Freund im Wohnzimmer auf der Coach und erzählte ihm, dass ich mich nicht auf den Urlaub freuen und ihn genießen kann, weil meine Eltern zu Hause sind und es ihnen so schlecht gehe. So konnte ich auch nicht richtig mein Leben leben.

    Wie geht es euch eigentlich, wenn ihr seht, wie es in anderen Familien zugeht? Fühlt ihr euch benachteiligt im Vergleich mit anderen?

    Hm, für den Schein wird bei uns sehr sehr viel gemacht. Daher war das wohl direkt mein Gedanke, als ich deine Geschichte dazu gelesen habe.

    Kann es sein, dass sie aus einer ähnlichen Familienkonstellation kommt und sich nun einen alkoholkranken Mann sucht? Eigentlich sagt mir mein Verstand, dass ich niemals einen Trinker heiraten würde- weil ein Leben auf Augenhöhe, und vor allem gemeinsam, ist so nicht mehr möglich.
    Es kann passieren, dass man daran erkrankt- während der Ehe, ja. Aber ich hätte zu sehr das Gefühl, die Sucht zu unterstützen, wenn ich ihm zeige, dass ich die Situation so okay finde, dass sie mich von einer Heirat nicht abschreckt. Und er denkt, dass er nichts mehr ändern muss, da sie ihn bereits geheiratet hat und er sich ihrer sicher ist und sich bisher alles leisten konnte.

    Dass die Schwägerin dich so abgewatscht hat- das kenne ich zu genüge von meiner Familie, da wundert mich gar nichts mehr. Empathie und rationales Verhalten und Denken ist hier ein Fremdwort. Ich habe meiner (bis dahin und seitdem nicht mehr) Vertrauensperson von Mamas Problem erzählt. Aus welchen dummen Gründen auch immer habe ich etwas Solidarität oder Zuspruch erwartet. Ich erzählte dieser Person, dass ich von meinem Vater die Schuld an Mamas Situation bekomme- Antwort: die volle Schuld hast du nicht- aber eine Teilschuld schon. Oder, als diese Person mir bei einer anderen Gelegenheit erzählte, sie wäre sauer auf Mama, weil Mama vor einem Treffen, was dieser Person wichtig war, etwas getrunken habe. Ich habe ihr dann nur gesagt, dass es für mich nachvollziehbar sei, da ich genügend vergleichbare Erfahrungen hatte- zu meinem Geburtstag ist mein Handy grundsätzlich aus, weil sie sonst sternhagelvoll anruft und ich könnte nicht mehr sagen, wann sie Weihnachten zuletzt nüchtern war. Die Reaktion der Person war inhaltlich so, dass man da jetzt eh nichts mehr machen könne, wir Kinder eben einen Schaden haben und man sich jetzt um Mama kümmern müsse. BAM. Es gibt noch zig weitere Dinge, die sie sich geleistet hat und die mich alle sehr schwer getroffen haben. Nach der letzten Aktion saß ich irgendwann heulend beim Hausarzt, der dann erstmal checkte, wieviel Rückhalt ich in der Familie habe. Nach den Schilderungen der Aktionen der Person bekam ich dann ein Attest (ich sollte erstmal zu mir kommen) und eine Überweisung zum Psychologen. Das Verhalten der Person nannte er widerlich.

    Hm, ich weiß nicht, würdest du sonst sagen, dass du ein einigermaßen gutes Verhältnis zur Schwägerin hast? Eventuell kannst du sie ja fragen, warum du nicht zum Standesamt eingeladen warst? Dass dich das verletzt und du eben etwas unsicher bist, warum du dann zur Feier kommen sollst?
    Red dir ansonsten keine Schuld daran ein- wenn sie ernsthaftes Interesse an deiner Anwesenheit gehabt hätten, dann hätten sie dich auch eingeladen und eben gehofft, dass du doch erscheinst.
    Ihre Aussagen lassen schon krasse Rückschlüsse auf ihr Selbstwertgefühl zu- mit 28 "noch einen abbekommen". Hilfe. Das ist dann ein leichtes Spiel für deinen Bruder, sie an sich zu binden.

    Ich würde auch nicht hingehen. Es ist auch nicht normal, dass man Geschwister nicht zur standesamtlichen Trauung einlädt.
    Mein Gedanke ist: Wer weiß, will der Bruder auch nicht, dass du kommst. So eine Trauung ist ja sehr privat und im kleinen Kreis- du warst dort nicht eingeladen. Jetzt kommt die größere Feier- Kirche und Fest. Dazu werden dann noch mehr Leute, Nachbarn und alte Freunde eingeladen.
    Wenn deine Schwägerin schon so Co ist, wie du schreibst- wer weiß, ging die Einladung auch von ihr aus- "weil es sich gehört" oder weil man eben das Gesicht wahren möchte. Die Initiative ging ja bisher immer von ihr aus.
    Mir tut die Frau leid! Vllt würde ich an deiner Stelle auf ihre E-Mails einen Link zu einer entsprechenden Informationsseite schicken? Nur der Link, kein weiterer Text.

    Hallo!

    Dieses Schwanken zwischen Wut und schlechtem Gewissen kenne ich auch zu genüge.
    Ich weiß und merke, dass ich Distanz brauche, dass ich es einfach nur leid bin, dort immer wieder mitreingezogen zu werden. Ich kann auch nichts ändern; alle Gespräche, die ich begonnen habe, wurden wütend von meinen Eltern beendet: Mein theoretisches Geschwätz könne nicht helfen- ich solle mit anpacken. Aber ich kann den Entzug für meine Mutter auch nicht machen. Ich würde, wenn es ginge- es geht aber nicht. Ich sagte dann zu meinem Vater, dass ich nichts ausrichten könne- Mutter muss WOLLEN.
    Und habe das Gefühl, dass ich so ihren Unmut gegen mich aufbringe. Sie arbeiten sehr mit Zuckerbrot und Peitsche- das zieht nun nicht mehr. Nun werde ich die Böse.
    Tja, was soll ich machen?
    Ich weiß, dass sie um ihre Situation weiß. Schon alleine, dass sie ihre Flaschen versteckt, zeigt doch, dass sie weiß, dass sie etwas tut, was schlecht ist und versteckt werden muss. Außerdem hatte sie zig Gespräche (mit Verwandten, mit unserem Hausarzt, mit Stationsärzten und Pflegern im Krankenhaus.) Dort lehnte sie den Entzug immer ab. Bei manchen sagte sie, dass sie Angst um ihren Job habe und nicht wolle, dass die Nachbarn etwas mitbekommen. Tja. Das ist der Teil, an dem die Wut wieder hochkocht. Die Nachbarn und ihr Job sind also wichtiger als wir Kinder und unsere Gesundheit? Es interessierte sie einen feuchten Kericht, was mit uns war. Ich war schon immer sehr nervös- dann bekam ich früher ekligen Beruhigungstee und wurde sowieso immer für mein Verhalten niedergemacht. Ich sei so anders, solle mir ein Bsp an anderen Kindern nehmen. Ich sei dumm, fett, sie zweifle an meinem Verstand und ich kriege nichts hin, sei zu faul usw. Man konnte ihr ohnehin nie etwas recht machen. Sie fand immer einen Grund, mich auszuschimpfen- selbst wenn ich die gesamte Etage geputzt habe, war irgendwo wieder der Haken. Aufmerksamkeit und Anerkennung gabs nicht.

    Bei der Magenspiegelung musste sie dann auch unbedingt mit und hat bei dem Arzt die Beantwortung der Fragen übernommen. Wenn sie merkte, dass irgendwo der Schein bröckelt, war sie sofort zur Stelle und hat gelogen. Ich habe keinen Stress, alles tutti. Ich brauche mitlerweile 2 Hände, um meine psychosomatischen Probleme aufzulisten. Das Sahnehäubchen war eine Erkrankung, die durch übermäßigen Stress und Belastung ausgelöst wurde und nun dazu führt, dass ich im Laufe der Zeit erblinde. Mit dem Wort Schuld möchte ich auch nicht um mich werfen- aber sie hatten VERANTWORTUNG, die ihnen egal war.

    @ Discoboffi: Ich weiß für mich, dass meine Eltern mich so erzogen haben, dass ich helfe und einspringe. Sie haben mich zu einer Co erzogen. Mutter trinkt ja schon, seitdem ich ein Kleinkind war. Hab ich gut gehandelt, wurde ich belohnt. War mein Handeln "schlecht" (für die Sucht der Mutter), gabs Ärger, Schläge und Entwertung. Ich erinnere mich da noch gut an eine Situation im Kindergarten. Ich fragte nach, ob die Eltern anderer Kinder auch so sind- mein Geschwister bekam es mit, petzte es den Eltern und ich wurde zusammengefaltet vom feinsten.
    Und generell war immer alles meine Schuld- durch Aufmerksamkeitsentzug beginnst du dann automatisch, alles so zu machen, dass es ihnen gefällt und um so dann Aufmerksamkeit zu bekommen. Diese Methodiktheorie habe ich vor einigen Monaten zum Thema Folter in der DDR und Sowjetunion gelesen- meine Eltern bedienen sich der gleichen Mittel.

    Hallo Discoboffi,

    ich habe mich auch größtenteils in deinem Text wiedergefunden.
    Unsere Ausgangssituationen sind in etwa vergleichbar.

    Wie geht es dir mit der Distanz?

    Ich würde den Brief auch nicht abschicken, sondern damit so lange warten, bis du dass Gefühl hast, dass sie ernsthaft an dir interessiert sind und ihr Verhalten wirklich bereuen. So scheint es eher so, dass ihnen jemand abhanden gekommen ist, der die für ihre Beziehung wichtige Rolle des Sündenbocks einnimmt und sie dich deswegen gern wieder hätten.

    Ich hatte die Situation in letzter Zeit auch häufiger mit einer Verwandten und habe mich für den Weg "aus dem Staub machen, Abstand und Distanz halten" entschieden. Sie hat sich in ihre verqueren Gedanken so reingesteigert und eine Situation konstruiert, dass ich bei ihr eh nicht mehr auf einen grünen Zweig komme. Wie ich durch diesen Link gelesen habe, wird sie mir die Rolle des Sündenbocks auch nicht mehr abnehmen, da ich so eine stabilisierende Rolle für die Familienbeziehung einnehme.

    Dieser Link hat mir sehr geholfen:
    edit

    Viele solidarische Grüße!
    Zimttee