Hey,
ich habe diesen Beitrag gerade erst entdeckt...
Zitat von Elisa-Chrissy
Ich möchte nur ganz vorsichtig etwas anmerken. Ich habe das Gefühl, dass hier ganz schön harte Worte fließen. Mag sein, dass sie der Wahrheit entsprechen. Aber Sonnenschein (und auch ich) suchen doch moralische Hilfe hier im Netz. Man möchte doch nicht niedergemacht werden und das Forum gleich wieder verlassen wollen. Ich versteh natürlich, dass jeder ehemals Betroffene uns Angehörigen die Augen öffnen will, aber geht das nicht auch ein bisschen einfühlsamer, so dass wir nicht gleich wieder abhauen wollen?
Liebe Chrissy,
ich glaube, niemand, der hier antwortet, möchte irgendwen fertig machen oder Leute vertreiben.
Ich denke, wir sind hier in einem Selbsthilfeforum- hilfe ist das Stichwort. Und ich glaube nicht, dass es irgendwem hilft, wenn man ihm das schreibt, was er hören will. Wenn ich einen Text lese, dann bestimme ich selbst die "Tonart", in der er stehen soll. Und ich glaube, dass man als frischer Co hier etwas sensibler reagiert.
Zitat von Elisa-Chrissy
dann denkt man sich, ist doch gar nicht so schlimm
Genau diesen Eindruck möchte ich vermeiden. Ich weiß, dass diese Situation für Kinder die Hölle ist, weil ich es ebenso erlebt habe. Und daher werde ichs vermeiden, Eltern in irgendeiner Weise gut zuzureden, damit die noch ein paar Runden länger auf dem Co-Karussel mitfahren. Je länger die Elternteile (beide) darin verharren, desto schlimmer ist es für die Kinder.
Das, was ich zu Hause erlebte, war emotionaler Missbrauch- und diese Rolle werde ich auch hier im Forum nicht einnehmen- weil es falsch ist.
Ich denke, Augen öffnen und die Wahrheit sagen ist gut. Nur das bringt die Betroffenen weiter- auch wenns bei weitem nicht das angenehmste ist.
Ich weiß, dass manche hier ankommen und sich im Fokus der Probleme, als armes Opfer sehen. Von Schuld sprechen, die sie dem Trinker dann großzügig zuschustern. Den Co trifft keine Schuld- er ist das Opfer.
Als Kind sehe ich es anders- aus meiner Perspektive waren damals meine beiden Eltern verantwortlich. Mein Vater erst recht, als Mama süchtig war.
Ich meine, es gibt immer den einen Menschen, der die schlimme Situation auslöst UND dann gibt es aber noch den Partner/Co, der das System stabilisiert und der es mitmacht. Gerne auch mit dem Verweis, dass eine Trennung ect für die Kinder so schlimm wäre.. Dass sie nicht aus der Umgebung wegsollen. Jetzt als EKA habe ich die Wahl- und will dort nie wieder hin.
Zitat von Elisa-Chrissy
Ich hab zumindest eingesehen, dass ich die Trinkerei nur schlimmer mache, indem ich schimpfe, nörgle und dadurch schlecht drauf bin.
Nein, DU machst seine Trinkerei nicht schlimmer, sondern er.
Als Co hast du so gar keinen Einfluss auf den Konsum deines Partners. Hast du mal darüber nachgedacht, dass das seine Art ist, dich zu manipulieren?
Weil er will, dass du den Zusammenhang zwischen seinem Konsum und deiner Art siehst und er dann denkt, "wenn sies checkt, lässt sie mich mehr in Frieden- Ziel erreicht?"
Wenn du an ihm rumnörgelst, dann hast du die kurzfristige Verschlechterung. Wenn du Ruhe gibst und nichts machst, dann hast du die "übliche" Verschlechterung, die Spirale nach unten.. DIe immer weiter abwärts führt.
Die Zeit ist gegen dich, will ich sagen.
Nun. Wie gesagt- vergraulen will hier niemand irgendwen. Aber durchaus die Wahrheit aufzeigen. Die Situation ist mies- als Co ist man ja Meister dadrin, wegzugucken, alles schön zu reden "ist ja nicht so schlimm" überall hineinzuinterpretieren. Ich fürchte, es ist einfach nur bitter, wenn man hier mit der Realität konfrontiert wird.
Liebe Grüße,
Zimttee