Hallo Jule,
ich hatte mir damals auch professionelle Hilfe gesucht. Einfach um mal alles los zu werden. Und glaub mir, die Leute verstehen ihr Handwerk. Bei mir ging es auch darum, diese schräge Sichtweise einer Coabhängigen zu durchbrechen und einen anderen Blickwinkel zu bekommen. Zu merken, wenn ich wieder in diese kranken Strukturen zurück falle. Für mich waren diese Besuche Hilfe zur Selbsthilfe. Die Art und Weise zu fragen, die Fragen an sich, die mir gestellt wurden, haben geholfen. Hast Du denn ne Ahnung, wie Dir zu helfen wäre? Ich hatte keine Ahnung was ich ändern sollte, sondern ich wusste nur, dass es anders werden musste. Und der Psychologe war ein Teil davon. Ich konnte dort Dinge los werden, die ich auch Freunden nicht erzählen wollte.
Ich denke trotzdem, dass Du den Fokus mehr auf Dich richten solltest. Dein Mann ist erwachsen und muss für sich entscheiden. Wenn Dich die Besuche im KH nicht zu stark belasten, spricht nix dagegen, ansonsten hast Du auch das Recht, diese Besuche zu unterlassen. Du kannst auch Telefonate ignorieren oder unterbrechen, wenn Du das möchtest. Das ist etwas, was mir zu Anfang sehr schwer gefallen ist, aber nach einiger Überwindung hat es funktioniert.
Ich weiß, wie schwer es ist, den nötigen Abstand zum trinkenden Partner zu schaffen. Es hat mir streckenweise das Herz aus dem Leib gerissen. Aber es war notwendig, weil ich in einem kranken System gefangen war. Da raus zu finden war hart, aber der Kampf hat sich gelohnt.
Viel Kraft und Geduld
sonnige Grüße
Lütte