Guten Morgen,
Bei mir liegt es an der Ernsthaftigkeit diesmal - hat ohnerausch gesagt. Dieser Satz hat mich begleitet, als ich ins Bett gegangen bin. Es wäre doch schön, wenn es bei uns beiden diesmal so wäre. Es fühlt sich so an.
Ich will mit dieser Ernsthaftigkeit an mir und meiner Abstinenz arbeiten.
Deswegen bin ich schon wieder hier.
OF, du hast geschrieben: "du hast ja ein gewisses Alter". Da musste ich ein wenig schmunzeln, aber es ist richtig, ich habe ein gewisses Alter und habe einiges erlebt.
Ich möchte gerne auf deine Fragen eingehen und damit beginnen, mich vorzustellen.
Die Kurzform meiner Alkoholgeschichte ist die:
Mein Vater war ein sehr starker Alkoholiker, der nicht nur massiv gesoffen sondern seine Jungs brutal geschlagen und seine Tochter missbraucht hat. Nach außen hin war alles gut - mittelständisches Unternehmen usw.
Als Jugendliche hat ich meine ersten Berührungspunkte mit Alkohol, die zwar auch schon mal heftig waren, aber sich noch im Rahmen hielten.
Die Flucht aus dem Elternhaus gelang mir nur mit einer Ehe. Als ich nach Jahren, inzwischen mit drei Kindern, immer unglücklicher wurde und mir eine Trennung nicht vorstellen konnte, habe ich die bewusste Entscheidung getroffen, mir das mit Alk. zu erleichtern. Dabei dachte ich, so wie mein Vater werde ich niemals, ich werde die Kontrolle nicht verlieren. Da war ich 36 Jahre alt und unendlich dumm.
Ich habe sechs Jahre getrunken, perfekt funktioniert und mit unendlicher Energie alles gemeister, was ich mir vorgenommen habe. Bis ich nicht mehr konnte. Ich habe aufgehört zu arbeiten, mich von meinem Mann getrennt, hatte aber nicht mehr die Kraft, diese Trennung mit meinen Kindern zu bewältigen und trank mehr und mehr. Irgendwann halt auch bereits morgens, weil es nicht mehr anders ging. Ich habe mir Hilfe geholt, aber ich habe sie mir zu spät geholt.
Irgendwann bildete sich ein Hass in mir, ein Hass gegen niemanden als mich selbst. Ich verachtete mich, ich hasste mich und beschloss, ich hatte im Leben nichts mehr zu suchen. Mein Vater hatte oft zu uns gesagt, wir wären Versager und ich gab ihm Recht.
Ihr könnt euch denken, was dann kam. Ein Suizidversuch, den ich nur mit ganz, ganz großem Glück überlebt habe, der Notarzt hat mich auf dem Weg ins Krankenhaus reanimieren müssen, brachte mich in die Psychiatrie. Ein Aufenthalt von einem viertel Jahr war die Hölle, weil ich mich gegen alles gewehrt habe und mich furchtbar benommen habe.
Anschließend sofort psychosomatischer Klinikaufenthalt von einem halben Jahr. Auch dort hat es noch eine Weil gedauert bis ich es kapiert habe und tatsächlich kapitulieren konnte.
Dann begann mein Leben. Eine unsagbar wertvolle Wende zu einem Leben, in dem sich Lebensfreude, Lebenslust entwickelte. Ich wurde zu einer sehr glücklichen und zufriedenen Frau. Nach dem Klinikaufenthalt kamen meine Kinder wieder zu mir. Es war nicht immer einfach mit drei Kindern alleine, aber wir haben das wunderbar hingekriegt. Ich jabe großartige Kinder, die inzwischen alle ihren Weg gehen, unabhängig und selbstständig sind. "Der Kleine" wird heute 27 Jahre alt.
Ich war 12 Jahre eine lebenige trockene Alkoholikerin.
Später mehr.
Das hat mich jetzt Überwindung gekostet, habe schweißnasse Hände, Herzklopfen, Tränen laufen und mir ist schlecht. Aber ich will reden.
Danke dafür, dass ihr da seid.
M.