Hallo,
vor einigen Tagen beschrieb ich meine Stimmung in meinem Tagebuch
In mir macht sich das Gefühl der Sinnlosigkeit breit, das Gefühl, ich hätte meine Orientierung verloren, die Dinge, die mich erfüllen, scheinen sich in Luft aufgelöst zu haben, vieles wirkt fremd, beziehungsweise scheint die Beziehung dazu verloren gegangen zu sein und massiv will sich der Eindruck durchsetzen, es würde sich nicht lohnen, in irgendeiner Form weiterzumachen, weil alles anstrengend, schwer und mühsam ist , und es am besten wäre, alles einzustellen und nichts mehr zu tun, weil die Leere lähmt und mir einreden will, es lohnt sich nicht, weil alles aus Problemen besteht, die Lösungen nicht greifbar sind. Die Alternative zu, mich dem Trübsinn hinzugeben, ist, damit aufzuhören, mich in Ruhe zu lassen, die sinnlose Frage nach dem Sinn anderen zu überlassen und das leben, was ist. Für mich gibt es die Sinnlosigkeit der/meiner Existenz nicht, das weiß ich, auch wenn es sich gelegentlich so anfühlt. Mir geht es nicht um Sinn und Ziele, mir geht es um die Erfahrung, das Spüren meiner Lebendigkeit, das sich in kleinen Dingen und Begegnungen zeigt/fühlen lässt.
Meine Strenge und vermultich auch der hohe Anspruch mir gegenüber, macht es mir in solchen Zeiten nicht leicht. Dazu kommt, dass ich dann in das Gefühlsdrama eines von außen verschlossenen Kerkers gleite, wo das Gesetz herrscht, es wird nun immer so bleiben, nie wieder wird es anders werden, alles war umsonst..., alle Mühe, die ich aufgebracht habe. Freiheit wird zum Mythos und unerreichbar.
Inzwischen kommen meine Lebensgeister allmählich zurück, heute verbrachte ich nun einen Tag in Ruhe und kann mich richtig darüber freuen, dass ich mich wieder wohler in meiner Haut fühle.
Ich habe noch zwei Wochen Urlaub, in denen ich mich treiben lassen will, ohne mir "große" Dinge vorzunehmen, vermutlich werde ich mich die meiste Zeit an meinem geliebten Fluss aufhalten, das Wasser ansehen, die Bäume, die Blätter, das Wasser... Steine anfassen, Bäume berühren, mich auf die Wiese legen, eintauchen in die Natur, die mir seit ich denken kann, Halt und Kraft gibt und in der mich wie nirgendwo anders geborgen fühle.
Vor meinem letzten Sommerurlaub bangte ich regelrecht, als mir bewusst wurde, wie ich meine freie Zeit "normalerweise" zu nutzen suchte... das war kurz nachdem ich mit trinken aufgehört hatte. Diese Sorge oder Angst trat diesmal keinen Moment auf, weil ich anderes und besseres zu tun habe, als mich zu besaufen.
Vor ein paar Wochen gab es eine Situation, die mich heftigst aufgewühlt und mir mehrer schlaflose Nächte bereitet hat. Die damit verknüpften Gefühle hielt ich nicht gut aus, aber ich hielt sie aus, was in nassen Zeiten ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre, weil es nur eine einzige Reaktion für mich gegeben hätte, nämlich mich zuzuschütten.
Liebe Grüße
Wacholderfrau