Beiträge von sue05

    Das ist ein sehr interessantes Thema!

    Warum bin ich in die Sucht gerutscht? War ich Opfer?

    Ich habe mich lange damit beschäftigt, was die Gründe dafür waren, dass ich abhängig wurde. Sicher sind viele Dinge in meiner Kindheit und Jugend nicht gut gelaufen und lange habe ich mich tatsächlich als Opfer gesehen. Quasi „das Universum hat was gegen mich“. Selbstmitleid hat lange eine ziemlich große Rolle in meinem Leben gespielt. Und ich weiß auf jeden Fall, dass ich dann irgendwann (mit)getrunken habe um die Situation zu Hause ertragen zu können. Bzw., als ich dann älter und in meiner Sturm-und Drangphase war, jedes Wochenende und oft auch noch unter der Woche feiern gegangen bin mit unglaublich viel Alkohol um zu vergessen oder zu verdrängen. Also damals war es weniger so, dass ich mir eingeredet habe, dass ich aufgrund der „schlimmen Situation / meiner Mutter / den vermeintlichen Ungerechtigkeiten in meinem Leben etc. trinken muss, sondern ich habe einfach gemerkt, dass ich, wenn ich angetrunken oder betrunken war, für kurze Zeit die Sorgen weggeschoben bekommen habe. Natürlich hat das nicht längerfristig gehalten, aber das war mir damals egal. Und dann war es halt irgendwann so, dass ich abhängig war und trinken MUSSTE. Da hat es dann eigentlich angefangen, dass ich Gründe oder Rechtfertigungen (mir selbst gegenüber) gesucht habe um zu trinken. Das, was wir alle kennen - weil der Tag so blöd, toll, anstrengend, entspannend, etc. etc war. Und je tiefer ich in der Sucht gesteckt bin, desto größer wurde dann auch das Selbstmitleid.

    Auch als ich dann endlich aufhören konnte zu trinken, hab ich mich ziemlich oft im Selbstmitleid gesuhlt. Und ich habe angefangen nach der Ursache für die Sucht zu suchen. Weil ich einerseits einfach dachte, das „macht man so“, andererseits aber auch, weil ich schon der Meinung war (und teilweise das auch noch für sinnvoll erachte), dass es wichtig sein kann, bestimmte Traumata aus der Vergangenheit aufzuarbeiten, damit man in Zukunft andere Strategien entwickeln kann damit umzugehen als den (in meinem Fall) „Verdrängen-Wollen“- Modus.

    Zum Glück hat sich in den letzten Jahren sehr viel verändern dürfen in meinem Leben. Meine Denkweise und Einstellung zum Leben hat sich sehr verändert. Ich sehe mich nicht mehr als „Opfer“. Es war halt das Leben mit seinen Hochs und (durchaus vielen) Tiefs. Und es macht für mich keinen Sinn, verstehen zu wollen, wieso „schlechte Dinge“ passiert sind. Denn dafür gibt es wohl einfach keine Erklärung.

    Ich habe sehr lange gebraucht um zu verstehen, dass es sich bei der Alkoholabhängigkeit um Sucht handelt. Also zu begreifen, dass ich für Sucht keine Begründung oder Erklärung finde. Dass die Ursache für das Trinken nicht in irgendwelchen fadenscheinigen Gründen lag, sondern dass es die Sucht war. Also muss ich jetzt auch nicht mehr irgendwelche vermeintliche Gründe oder Ursachen erforschen und analysieren oder aufarbeiten. Ich bin suchtkrank, das reicht mir inzwischen. Und ich weiß, dass ich die Krankheit nur stoppen, aber nicht heilen kann. Und mir aus diesem Grund immer des Risikos bewusst bin, rückfällig werden zu können. Deshalb passe ich auf mich auf. Jeden Tag.

    Und „nebenbei“ freue ich mich, dass ich mein Leben inzwischen selbst gestalten kann und mir alle Möglichkeiten offen stehen. Denn ich bin kein Opfer (mehr). Und ich sie aber nur nutzen kann, wenn ich trocken bleibe.

    LG Sue

    Hallo LoA,

    herzlichen Glückwunsch zu 100 Tagen! Toll, mach weiter so!

    Du sagst, dass es sich für viele hier nicht lange anhören würde. Also dem kann ich widersprechen. Zumindest für alle Alkoholiker hier hört es sich sicher nicht nach 'wenig' an, denn wir alle waren auch mal an diesem Punkt und wissen, dass es nicht leicht ist, die 100 Tage ueberhaupt zu schaffen! Gerade die erste Zeit ist ja oft die schwierigste und das zu schaffen ist eine tolle Leistung in meinen Augen!

    Also freu Dich über diese ersten 100 Tage!

    LG Sue

    Ich hab seit dieser „Umstellung“ immer wieder Probleme, das Forum lässt sich dann nicht aufrufen. Am Handy geht es überhaupt nicht (hab es über verschiedene Browser versucht) und hier am Tablet geht es nur immer mal ganz kurz, dann kommt wieder die Fehlermeldung, dass gerade eine Wartung durchgeführt wird. Ist das nur bei mir so? Woran könnte das liegen?

    Viele Grüße Sue

    Hallo seb,

    Dein Zuhause alkoholfrei zu machen, ist ein wichtiger Schritt! Denn Dein Zuhause sollte Dein sicherer Rückzugsort sein. Ich finde es gut, dass Du Deine Familie mit einbezogen hast, denn die Karten offen auf den Tisch zu legen und zu kommunizieren, was Dir wichtig ist, verhindert so manches „Schlupfloch“.

    Ich weiß selbst aus meiner Anfangszeit hier (ich bin mittlerweile seit 10 Jahren trocken und das Forum war für mich von Anfang an die wichtigste Unterstützung auf meinem Weg), dass es gerade am Anfang schwer ist, alles umzusetzen, was einem geraten wird. Vieles hört sich auch erst mal „absurd“ an, ich dachte auch öfters mal „Das trifft auf mich aber nicht zu.“ oder „Das schaff ich auch ohne diesunddas.“

    Ich kann Dir nur den Rat geben, offen für die Ratschläge und Erfahrungsberichte zu sein. Vieles habe ich auch erst nach einer ganzen Weile verstanden und nachvollziehen können. Aber die Tipps und Ratschläge werden aus einem guten Grund gegeben!

    Es gibt aus der Alkoholsucht nur den direkten Weg heraus. Keine Hintertüren offen lassen, sich nicht selbst belügen. Es ist bestimmt kein leichter Weg, aber einer, der die Mühe definitiv wert ist. Denn Du kannst dadurch ein neues Leben gewinnen!

    Viele Grüße Sue

    Hallo Andrea,

    ich spreche von meiner eigenen Erfahrung: ja, die Menge steigert sich. Als Alkoholiker verträgt man mit der Zeit immer groessere Mengen, die bisherigen Mengen erzielen irgendwann nicht mehr die gewünschte Wirkung, daher wird es immer mehr Alkohol.

    So war es bei mir und ich kenne auch keinen anderen Alkoholiker, bei dem es anders gewesen wäre.

    Viele Grüße

    Sue

    Hallo Bolle,

    herzlich willkommen hier im Forum! 8 Jahre, das ist ja schon eine gute Hausnummer! :thumbup: Was hattest Du nach der letzten Entgiftung denn anders gemacht als davor, dass es jetzt schon seit 8 Jahren funktioniert?

    LG Sue

    Hallo,

    also mir hilft bei Putz-Unlust immer ein Perspektivenwechsel: ich mache mir klar, wie gut es mir geht und wie dankbar ich sein kann, dass ich

    1.) überhaupt eine Wohnung habe (Dach über dem Kopf), die ich putzen kann
    2.) körperlich in der Lage bin, für eine saubere Wohnung zu sorgen und somit nicht unter katastrophalen hygienischen Bedingungen leben muss

    3.) mir Putzmittel, einen Staubsauger, eine Waschmaschine etc. leisten kann

    Bei mir funktioniert das wirklich sehr gut - man weiß die (saubere) Wohnung danach umso mehr zu schätzen!

    LG Claudia

    Hallo Peter,

    da sind wir ja fast gleichlang rauchfrei - bei mir war's der 01.01.2014 :) Es heißt ja, dass man nach 10 rauchfreien Jahren "gleich gesund wie ein Nichtraucher" gilt, also da haben wir uns ja definitiv etwas Gutes getan (und natürlich dann noch der Alkohol).

    Das mit dem Zucker finde ich auch gruselig. Mittlerweile weiß man ja, dass Zucker genau so abhängig macht wie andere Suchtstoffe. Alleine, wenn ich sehe/mitbekomme, mit wie viel Zucker Kinder/Jugendliche heutzutage oft aufwachsen, finde ich das absolut furchtbar. Gerade heutzutage, wo ja immer wieder öffentlich darüber informiert wird, wie schädlich Zucker ist (zu meiner Kindheit gab es solche Aufklärungskampanien etc nicht).

    Ich wünsch Dir viel Erfolg bei Deinem Vorhaben!

    LG Sue