Hallo ihr Lieben!
Vielen Dank für eure Beiträge.
@Sunshine
Als ich über meinen Vater schrieb und auch in meine rletzten Sitzung mit meinem Psychologen fast nur über meinen Vater redete, war auch für mich danach klar, dass das auch nicht der Weg sein kann, nun wieder die Probleme von jemand anderem in den Fokus zu nehmen.
Anlass dafür war und ist aber lediglich, dass der Kontakt in den letzten Wochen häufiger war und ich auch dort vor Ort war und mich die "Zustände" hautnah berührt, beeinflusst und auch emotional belastet haben. Nicht nur der Zustand meines Vaters, der natürlich sein eigenes Leben lebt, nein auch der Zustand des Hauses und drum herum, was diesseits meine Großmutter sehr belastet, die dagegen aber wenig tun kann.
Auch hier könnte man sagen, ist nicht meine Sache. Aber es ist noch immer meine Familie und meine Großmutter von 80 kann da einfach nicht wirklich viel ausrichten und ich wollte da einfach helfen. Vielleicht zu viel des Guten, weil das Ganze letztendlich vieles in mir aufgewühlt hat und ich auch sehr wütend geworden bin über alles.
Und ja, ich werde nicht gezwungen zuzusehen bei dem ganzen Leben meines Vaters etc. Aber letztendlich werde ich immer wieder involviert und wenn es Gespräche mit Großmutter oder Schwester sind oder eine Skype Nachricht meines Vaters, dass seine Gesundheit den Bach heruntergeht grade "Ach, wer hätt es gedacht..." ...
Also auch hier würde letztendlich nur helfen, alle Kontakte zu cutten (was ich ja teilweise schon tue) bzw. Gespräche in solche Richtungen zu unterbinden.
Ok. Aber du hast Recht. Den Fokus darauf zu legen und mich über die Probleme meines Vaters zu ereifern bringt mich selbst nich weiter und verschleiert nur meine eigene Problematik.
Eine Riesenangst hab ich auch. Nämlich genau davor, dass mit XY alles eine einzige Lüge vor mir selbst sein könnte. Nämlich das, dass ich die Veränderung in XY als eine Veränderung wahrnehme und deshalb den Kontakt halte.
Ich sehe es nach wie vor nich tso, dass sich innerhalb 141 Seiten nichts verändert hat. Aber diese Diskussionen habe ich hier schon des Öfteren geführt und ich weiß nicht ob es Sinn hat dagegen etwas zu sagen. Denn dann wiederum könnte es heißen, dass ich diese Veränderung eben nur illusioniere und mir das ganze schön rede.
Und vielleicht ist dem so und ich bin so krank, dass ich es nicht mal mehr selbst sehen kann.
Aber ich sehe es nicht so.
Ich bin der Meinung, dass ich ziemlich viel an der Beziehung zu XY geändert habe. Der Fokus liegt da ganz klar auf meinem Verhalten und auf meiner Abhängigkeit und mich aus dieser zu befreien. Ich muss hier immer wieder lesen, dass ich die Trennung nicht "durchgezogen" habe.
Ich weiß nicht, was genau darunter verstanden wird ehrlich gesagt.
Es gibt eine große Veränderung in der Beziehung zwischen XY und mir. Jedenfalls empfinde ich das so. Auch wenn er nicht in einer Klinik sitzt und ich ihn dort besuche. Wir sprechen. Wir kommunizieren. Und wir leiden nicht mehr. So wie wir es getan haben.
Aber es wird immer wieder im Grunde "verlangt", dass die endgültige Trennung, der endgültige Abschied passieren muss, damit man überhaupt vorwärts kommen kann.
Ich bin mir sehr bewusst, dass ich Fallen kann, denn eine Garantie für die Veränderung des Partners gibt es nie. Aber darf ich die Veränderung, die ich an ihm wahrnehme nicht auch schätzen, anerkennen und vor allem auch auf sie vertrauen?
Ich maße mir nicht an, zu behaupten, bei meinem XY wäre alles anders. Und das weiß ich auch. Aber es ist wie es ist. Und dass er sich verändert, ist sichtbar für mich. Und dass ich mich verändere ist sichtbar für ihn. Und diese Veränderungen haben unsere Beziehung verändert.
Meinen Respekt vor deinen elf Jahren - ich ziehe den Hut.
Danke für deine ehrlichen Worte.
@Sunshine
Ja, stimmt. Ich sage Zuhause meistens wenn ich über meinen Heimatort spreche. Manchmal nicht, manchmal sage ich auch "heim" wenn ich über den Ort spreche, wo ich gerade wohne. Es stimmt, ich benutze das mal so mal so, aber meistens ist Zuhause der Ort, wo meine Eltern heute noch leben.
Die Fragen die du diesbezüglich stellst sind interessant und ich glaube, es ist wichtig, sich darüber klar zu sein. Und ich merke auch manchmal, wenn ich so schreibe, dass ich selbst in dem Moment überlege oder zögere, was ich schreiben soll, wei lich es eigentlich nicht weiß.
Mh. Ich fühle mich in meinem Ort, in dem ich nun lebe, zuhause. Irgendwie. Aber irgendwie hängt wahrscheinlich noch so einiges an meinem Heimatort und all dem, was mich damit verbindet. Irgendwie ist es eben die Heimat. Der Platz, wo ich groß wurde, wo mein Leben begann und wo ich bisher die meiste Zeit meines Lebens verbracht habe.
Aber nein, ich kann nicht sagen, dass ich mich dort noch so richtig zuhause fühle. Mein Ruhepunkt ist hier, in meiner Wohnung, in meiner "neuen" Stadt, die ich mir ausgesucht habe, um zu dort zu leben. Und so fühlt es sich auch an, wenn ich herkomme und ich freue mich auch immer, wenn ich dann von einem Besuch in der Heimat wieder zurück zu mir komme.
Du schreibst, dass du mit 24 mit deiner Therapie angefangen hast. Was für eine Therapie hast du gemacht?
Ich frage mich manchmal, ob ich da was falsch mache. Da ich Studentin bin, bin ich bei einer Beratungsstelle, die extra für Studenten gedacht ist. Dort arbeiten aber ganz normale Psychologen und Therapeuten. Aber dennoch habe ich nicht dieses "sichere" Gefühl, ich gehe zu "meiner Therapie" wenn ich dort hingehe. Denn jedes Mal wird gefragt, ob ich weitere Termine möchte etc. Ich meine klar, ich habe die Freiheit zu kommen, oder eben nicht. Aber irgendwie ist es für mich komisch. Ich würde gerne richtig "arbeiten" also neben meiner täglichen Arbeit, eben auch in einer Therapie. Ich weiß auch nicht so recht. Auch habe ich eine stationäre Therapie schon letztes Jahr mal angesprochen, als es mir ziemlich schlecht ging und ich ziemlich am Boden war. Ich fühlte mich nicht wirklich gut beraten und hatte das Gefühl, mir geht es nicht "schlecht genug" um stationär zu gehen, wobei mein damaliges Bedürfnis genau dieses war.
Inzwischen geht es mir viel besser, vieles hat sich für mich geändert und mein Alltag ist ein ganz anderer als damals. Trotzdem denke ich noch immer über diese Art der Therapie nach. Vielleich twerde ich es noch einmal ansprechen bei meinem nächsten Termin (September..)
Dennoch hat mir mein Psychologe bei dieser Stelle an vielen Punkten zu Erkenntnissen verholfen, vor allem eben was meinen Vater angeht und meine Kindheit. Ich habe viele Dinge nicht miteinander verbunden und habe auch da vieles schön geredet, tue es oft noch immer. Und genau da werde ich ansetzen müssen bzw. setze ich an. Es fällt mir sehr schwer, diese Dinge auszusprechen.
Ja. Oft kam es mir auf XY bezogen so vor, als bliebe ich stehen, wieder zurück, noch eine Ehrenrunde, usw. Aber blicke ich zurück, weiß ich, dass ich heute um ein vielfaches weiter bin, als ich es war. Und das sicher nicht nur in Bezug auf XY. Viele Dinge sind angestoßen worden, in mir. XY ist ein Teil von einem großen Ganzen. Und ich weiß, dass es Ursachen hat, warum er in meinem Leben ist und ich ihn nicht losgelassen habe. Ursachen, die tief liegen.
Aber für mich hat sich vieles verändert. Im Grunde mein ganzes Leben. Alles ist anders, als es noch vor 2 Jahren war. Und das hat nicht in erster Linie mit XY zu tun, wenngleich er sicher der Auslöser war dafür, dass ich überhaupt an einen Punkt gekommen bin, wo ich Dinge ändern wollte/musste.
Ich lebe anders. Und ich lebe besser. Ich lebe gesünder, keinesfalls immer und perfekt. Aber Beziehungen, Lebensweise, Innere Ruhe, alles hat sich verändert. Und ich bin erst am Anfang und weiß, dass es ein steiniger Weg ist, so weiterzugehen, wie ich es gerne würde und so, dass es mir gut geht.
Und für andere vielleicht etwas "Normales" aber z.B. gibt mir allein mein jetziger Umgang mit meinem Studium unglaublich viel zurück. Früher habe ich nie weiter als ein Semester gedacht, ich hatte Angst, so unglaubliche Angst, dass ich fast in jedem Semester am Ende min. die Hälfte aller Prüfungen nicht gemacht habe. Jetzt ist das anders. Ich steuere auf das Ende zu, habe viel gemacht in den letzten drei Semestern, es gab viel aufzuholen. Und ich bin stolz darauf. Ich habe das geschafft, und zwar ganz alleine. Und das gibt mir unglaublich viel Energie zurück. Ich habe noch immer Angst. Aber die Angst kontrolliert mich nicht mehr. Und ich habe einen Plan. Ich weiß, dass ich, wenn alles so klappt, wie ich das vorhabe, nächstes Semester mein Studium beende. Ich hätte früher nicht gedacht, dass ich das so klar einmal sagen werde. Denn Dinge, die ich angefangen habe, auch zu beenden. Das war niemals meine Stärke.
Für mich unter Anderem das ein großer Schritt für meine Zukunft.
Und es tut gut, so etwas aufzuschreiben, merke ich gerade 
Nochmal vielen Dank für deine Worte 
Und übrigens, ich habe mich sehr gefreut, von dir, als "Neue" etwas hier zu lesen! 
Mit herzlichen Grüßen
Miriel