Beiträge von TimeIsAHealer

    Danke fuer eure Worte.

    Ok, der Freund hat wieder angerufen.

    Das Wort Sucht und Abhaengigkeit ist jetzt ganz offen gefallen und er sagte, dass auch mein XY in dem Gespraech gesagt haette, dass er ein Alkoholproblem hat.

    Der Freund meinte, er wuerde ihm ganz klar sagen, dass er einen Psychologen (Arzt) aufsuchen muss und er wuerde versuchen, ihn nicht zu draengen, ihm aber dennoch klar zu machen, dass es hier um sein Leben geht.

    Ich habe die Befuerchtung, dass wenn der Freund das wirklich so durchzieht, mein XY sich auch von ihm abwendet. Der Freund meinte, dass wer das schaffen kann, dass er aber sicher Unterstuetzung braeuchte usw...

    Es soll aber doch nicht mehr meine Sorge sein.

    Fuer den Freund war meine Abgeklaertheit glaube ich unverstaendlich, aber dem ist sicher nicht bewusst, welche Hoelle ich hinter habe. Er sieht ja grade nur die Spitze des Eisbergs....aber dennoch war ich ueberrascht ueber die Klarheit, mit der er ueber die Sucht sprach und darueber, dass mein XY sich aus diesem Kreislauf nur selbst befreien kann.

    Auch wenn sein Freund gesagt hat, falls mein XY mich anrufe, solle ich doch mit ihm reden, also eben, normal und ohne Vorwuerfe und dass ich ja trotz Trennung auch als "Freund" da sein koennte.

    Ich habe dann gesagt, dass ich ja nur wg der Trennung nicht die Welt verlasse, aber dass meine Trennung immernoch Trennung ist und ich auch nicht zurueckgehe.

    Ich glaube er war schon sehr ueberrascht ueber meine "harten" Worte, aber ich denke/hoffe, dass er versteht, dass es einfach wirklich ernst ist und es auch nicht um irgendeinen Streit um Alkohol geht.

    Ich weiss auch nicht.

    Danke fuer eure Worte, mir den Druck zu nehmen, ist schonmal das erste. Da ich immernoch nicht rausgegangen bin, wg der ganzen Telefoniererei mach ich das eben jetzt und versuche ein wenig Abstand zu dem gerade Passierten zu gewinnen, ich hoffe es gelingt mir. Bin voellig ueberreizt.

    Aber ich muss sagen, dass es eine unglaubliche Erleichterung fuer mich bedeutet, dieses Problem offen mit einem Freund von ihm besprochen zu haben.

    Ich habe ein bisjen das Gefuehl, endlich das Richtige zu tun, nicht mehr zu schweigen, nicht mehr zu beschoenigen, und vor allem, zu dem zu stehen, was ich sage.

    Danke fuer alles!

    Hey,

    der Freund hat mich gerade wieder angerufen.

    Ueberraschenderweise ging es sofort um das Trinken, erstmal sagte er, dass das Problem doch zu loesen sei und XY aufjedenfall aufhoeren muesse zu trinken.

    Er fragte mich, ob ich denn ueberhaupt noch mit ihm zusammen sein wolle. Ich sagte ihm, dass ich darauf keine Antwort geben moechte und es darum auch einfach nicht mehr geht.

    Ich habe ihm dann deutlich gesagt, dass XY das ohne fremde Hilfe nicht schafft, ich ihn nicht verurteile sondern ihm wuensche, dass er es schafft, ich ihm aber nicht helfen kann und auch nicht mehr will, weil ich ihn im Grunde durch meine Hilfe nur davon abhalte, sich selbst zu helfen.

    Der Freund hat eigentlich sehr positiv reagiert und gesagt, dass er auch einen Freund hat, der frueher Drogen nahm und nach Entzug und Reha wieder ein ganz anderes Leben fuehrt und dass das ja moeglich waere, usw.

    Er meinte dann eben, dass wir ihm ja aber helfen muessten aufzuhoeren, ich sagte dann, dass ich ihm nicht helfen kann aufzuhoeren, weil ich es versucht habe und am Ende bin und er eigentlich alles weiss und nur eben den Schritt gehen muss zu sagen, er tut jetzt was.

    Der Freund sagte dann eben, dass er sehr lange mit ihm darueber geredet hat und ihm gesagt hat, dass er aufhoeren muss zu trinken und dass mein XY es ihm versprochen haette.

    Ich habe dann gesagt, ob er wirklich glaubt dass ein Versprechen das Problem loest, dass er Trinken MUSS.

    Ich glaube er hat erst am Schluss verstanden, wie ernst es wirklich ist und meinte jetzt er wuerde nochmals mit ihm reden und ihm sagen, dass er sich professionelle Hilfe holen soll.

    Ich kann meine Gefuehle gerade nicht in Worte fassen.
    Habe meinem Therapeuten eine lange E-Mail geschickt, einfach auch nur, um Dinge loszuwerden, die ich grade denke.
    Dem hab ich im Grunde aber auch nicht mehr geschickt, als ich hier eh schon schreibe..

    Ach mann, ist das ein Chaos....

    Und ich fange an, mich wieder selbst nicht zu fuehlen...

    Liebe InBetween!

    Du bist in keinstem Falle ein hoffnungsloser Fall.
    Viele sind viel viel verquerer glaube mir. Auch in REAL bin ich schon auf Menschen gestossen, da konnte ich es nicht fassen, wir sehr sie noch in der Spirale drin sind, obwohl schon viel klarere Dinge ihnen laengst haetten zeigen muessen....
    Aber nein... so einfach ist es eben nicht.

    Auch wir sind ein Stueck weit krank (abhaengig) und sich davon zu befreien ist kein Zuckerschlecken und geht auch nicht von jetzt auf gleich.

    Deswegen ist es in Ordnung, dass du zweifelst, hin und her gehst, vor - zurueck,.....
    Wenn du nur irgendwann den Sprung schaffst und eine Entscheidung triffst.

    Es muss auch nicht zwangslaeufig die Entscheidung zur Trennung sein.

    Else (auch hier im Forum) hat mir vor der Trennung etwas wichtiges gesagt. Dass, wenn man fuer die Trennung nicht bereit ist, das auch in Ordnung ist und man sich nicht dazu zwingen sollte.

    Kurz nach ihrer Aussage habe ich mich getrennt. Ganz ohne Druck. Es kam einfach. (nicht wirklich einfach, aber du weisst denke ich, wie ich es meine :) )

    Ich habe vorher ganz oft gedacht " ICh muss eine Entscheidung treffen, ich muss was tun, es muss was passiern, muss muss muss "
    Das hat mich sehr blockiert, weil ich Angst hatte, das Falsche zu tun.

    Und dann habe ich einfach angefangen, zu versuchen, einfach mal das zu tun, was FUER MICH in den jeweiligen Momenten das war, was meinen realen Empfinden entsprach.....
    Das war der erste Schritt in meine Freiheit.

    Mach dir keine Selbstvorwuerfe, dass du gerade nicht weisst, was zu tun ist und dich nicht entscheiden willst.

    Gib dir selbst die Zeit.

    Tu etwas Gutes fuer dich. Nimm dir den Druck.
    Geh raus, mach dir Freiraum, nur fuer Dich. Geniesse Momente alleine. Versuche zu geniessen, was du wirklich gerne tust. Mache Dinge mal NUR FUER DICH SELBST.....

    Ohne irgendwelchen Handlungszwang...

    Hehe

    Geraldjin ich stelle mir gerade eine Frau vor mit hochrotem Gesicht und voellig sich in Ekstase schimpfend in der Wohnung herumrennend :D
    Danke fuer das Bild, auch wenn es ja im Grunde nicht lustig ist, hat es mich zum Schmunzeln gebracht..

    Ich will es nicht .
    Er muss es fuer sich klar machen.
    Alles andere bringt weder ihm noch mir noch uns was.

    Ich dusche jetzt und gehe dann raus.

    Ich bin nicht wuetend, ich bin mehr traurig und hilflos.

    Wenn mich sein Freund nochmal anruft werde ich genau das sagen, was der Wahrheit entspricht.

    Ich weiss, was der Alkohol macht, mit ihm, mit mir, mit uns.

    Und ich weiss, dass er versucht mit Alkohol die Luecken zu fuellen, die er selbst nicht fuellen kann.

    Und das muss klar werden.
    Alles andere bringt nichts.

    Ich wuerde nicht nur mir, sondern auch ihm schaden, wenn ich zurueckgehe.

    Danke euch, dass ihr da seid.
    Das hilft sehr.

    Danke Geraldjin und InBetween.

    Das mit dem Ablenken werde ich jetzt machen, einfach um "runterzukommen" von diesen ganzen spontanen Gefuehlen die ich dazu hatte und habe...

    Was du erzaehlst Geraldjin.. ja im Grunde weiss ich ja, dass sein Freund letztendlich auch nur helfen will und sich deshalb mit in die Spirale begibt, was garnichts bringt.

    An meiner Entscheidung ueber die Trennung zweifle ich nicht. Also bzw. ich weiss, dass ich nicht zurueck gehen will und auch nicht an bestimmte Bedingungen geknuepft, da ich weiss, dass auch ER das wenn ueberhaupt nur fuer SICH tun muss und nicht mit dem Gedanken im Hinterkopf, dass er dann fuer seine tolle Leistung (den Entzug) eine Belohnung (die Beziehung mit mir) bekommt.

    Das waere voellig kontraproduktiv meiner Meinung nach.

    Ich habe seinem Freund auch gesagt, dass mein XY im Grunde alles weiss, um was es geht und es eigentlich nichts mehr zu diskutieren gibt.

    ICh sollte wohl wirklich offen sagen, dass es um den Alkohol geht, FALLS er mich wieder anruft.

    Danke fuer eure schnellen Antworten, bin gerade wirklich ratlos und voellig im Wirr... vor allem, weiss ich auch nicht, was ich sagen soll, wenn er wirklich herkommen moechte.

    Ihr habt Recht.

    Ja Geraldjin, das haette ich zurueckfragen koennen. Ich wollte mich aber nicht wieder in diese Alkoholspirale begeben...

    Aber du hast sicherlich Recht.

    Ich habe ihm weder gesagt, dass es mir schwerfaellt, noch dass ich traurig bin ueber die Entscheidung, ich habe meine Aussagen sehr karg gehalten und im Grunde nur gesagt, dass ich ok bin und dass ich alles gesagt ist.


    Wir haben dann aufgelegt, und er hat mir ein schoenes Leben gewuenscht, er war weder wuetend noch uebermaessig traurig.

    Eine halbe Stunde spaeter hat mich dann sein Freund angerufen, der mich noch nie kontaktiert hat und zu dem ich schon ganz oft deswegen Kontakt suchen wollte, es aber nie getan habe.

    Er waere grade bei meinem XY angekommen und dieser waere regelrecht zusammengebrochen. Weinend und am Boden. Er haette den Notarzt gerufen, weil er voellig schockiert ist und garnicht weiss was los ist. Mein XY haette halt nur etwas von mir gesagt und dass ich nicht mehr wuesste, was er machen soll und voellig verzweifelt waere.

    Der Freund wollte dann wissen, was ueberhaupt los waere und ich habe dann gesagt, dass ich mich vor einer Woche getrennt habe. Er war voellig ueberrascht, wusste nichts davon und sagte, dass er es ihm (trotzdem sie sich jeden Tag sehen!) nicht erzaehlt hatte. Er hatte sich am Mittwoch anscheinend sogar auf meinen Besuch vorbereitet, der ja nicht stattgefunden hatte, weil er es anscheinend wirklich nicht glauben konnte/wollte, dass ich es dieses Mal ernst meine.

    Ich hab mit seinem Freund eine halbe Stunde gesprochen und dieser hat mich natuerlich gefragt, ob ich einen anderen Mann haette, etc.
    Sein Freund weiss also absolut nichts von dem Alkoholproblem, dass wahrscheinlich immer nur als "Ach wenn ich ma trinke, is sie genervt" bagatellisiert wurde...

    Ich habe ihm nur gesagt, dass es meinem XY nicht gut geht und er noch in einem Jahr sagen wird es geht ihm gut, dabei geht es ihm nicht gut.
    Ich habe ihm auch gesagt, dass er gut hinhoeren soll und die Augen aufmachen soll, dass ich mehr nicht sagen kann, da es einfach SEIN Freund und nicht meiner ist.

    Ich weiss jetzt nicht, ob der Krankenwagen wirklich kam, sie zum Arzt gefahren sind oder was auch immer.

    Natuerlich hat der Freund (verheiratet, 4Kinder) viele Dinge gesagt, die er sicher nur gutmeinte, sowas wie, dass es doch fuer jedes Problem eine Loesung gibt, man doch gemeinsam durch dick und duenn geht, er uns doch zusammen kennt und nicht im Leben daran geglaubt haette, so wie er uns zusammen erlebte, dass unsere Verbindung durch irgendwas gebrochen werden kann, usw.

    Ich habe ihm nur gesagt, dass ich das auch glaubte, aber dass es eben doch Dinge gibt, die so etwas brechen koennen.

    Er hat mir dann auch erzaehlt, dass mein XY ein paar Mal diese Woche gesagt haette, dass er vorhat naechste Woche zu mir zu kommen.

    Und am Ende hat sein Freund mich regelrecht darum gebeten zu kommen, um ueber alles persoenlich zu reden (also nicht nur mit meinem XY sonder auch mit ihm)
    (Abhaengigkeit laesst gruessen???)

    War es richtig, den Alkohol nicht zu erwaehnen? Also ich meine, wenn jetzt die Notwendigkeit da ist, dass mein XY ja aufjedenfall mit dem Freund reden muss, da dieser ihn ja so vorgefunden hat, da wollte ich ihm die Chance nicht vertun, dieses Problem als solches anzusprechen.

    Ich weiss jedoch nicht, was ich tun soll, wenn sein Freund mich spaeter anruft und ich erkennen muss, dass DAS Problem unter den Tisch fiel.....

    Ich fuehle gerade nur Leere. Und Traurigkeit vielleicht auch ein bisjen.

    ?!?!?!??!!??!?!?!?!?!??!?!!??!?!

    Ich bin glaube ich was meine Wortwahl angeht noch sehr "schonend" von daher ist es sicher gut, wenn hier mal noch eine paar andere Meinungen einfliessen :)

    Die Buecher kenne ich nicht. Werd's mir gleich mal anschauen.

    Ein paar Monate vor dem geplanten Zusammenziehen war auch ich noch stark der Meinung, dass es klappen kann.

    Lass dir Zeit, mach dir keinen Druck.
    Du darfst Zweifeln, du darfst Fuehlen, auch negatives zu diesem Thema. Du darfst DU sein.

    Mit vielen Gruessen und viel Kraft fuer dich.
    Geniesse deinen Spaziergang.
    Hoere in dich!

    Miriel

    Auch dieses

    "Wir harmonieren so gut, ich kann endlich so sein wie ich bin, ich habe das Gefuehl, ich bin angekommen."

    Wie kennen es glaube ich ALLE.

    Denn auch das ist meiner Meinung nach ein Teil dieser Abhaengigkeit, in der wir uns befinden.

    Das soll nicht heissen, dass ihr nicht wirklich harmoniert und auf einer Wellenlaenge seit, aber eben, dass dieses Gefuehl der Seelenverwandtschaft eben genau diese Gefahr des Nichtloslassenkoennens in sich birgt.

    Dass du deine eigenen Probleme jetzt siehst, das glaube ich dir, aber dass du eine Trennung als Weglaufen siehst, das sehe ich anders.
    Eine Trennung waere im Grunde der Schritt dahin, sich wirklich mit DEINEN Problemen auseinanderzusetzen. IN der Beziehung gibt es doch genug Probleme, die ER hat, mit denen du dich beschaeftigen kannst, da werden deine zweitrangig, was im Grunde fuer dich auch gut ist, denn dann brauchst du dich mit denen nicht weiter selbst zu belaestigen.
    Es ist IMMER einfacher, gerade fuer uns Co-Abhaengigen, sich um jemand anderen zu kuemmern, damit wir uns mit unserem eigenen Chaos nicht auseinandersetzen muessen.
    Trennung bedeutet also IMMER ein ALLEINE MIT SICH sein und natuerlich darf man davor Angst haben, ABER man darf sich auch darauf freuen, jetzt wo man erkannt hat, dass da was ist, um das man sich kuemmern sollte bei SICH SELBST, dass man ENDLICH die Chance hat, es auch zu tun!!

    Ich bin am Loslassen und ich kann dir sagen, ich vertraue darauf, wenn wir (ich und mein XY) wirklich seelenverwandt sind, so wie ich es lange glaubte, dann wird uns diese Seelenverwandtschaft auch wieder zusammenfuehren. Irgendwie. Irgendwann.

    Und wenn nicht, dann soll das auch so sein.

    Ja, ein sehr beliebter Satz meiner Mama:

    Alles ist fuer irgendetwas gut und wenn sich eine Tuere schliesst, dann oeffnet sich eine andere... :)

    Aufjedenfall macht uns jede Erfahrung reicher und voller, mit jedem Erlernten wissen wir ein bisjen mehr als vorher und allein das kann uns die Gewissheit geben, dass wir nicht rueckwaerts gehen, ABER wir muessen natuerlich auch schauen, WAS wir aus den Erfahrungen, die uns das Leben gibt machen und was eben nicht....

    Wir koennen ewig an einer Erfahrung haengen bleiben und uns nicht von der Stelle bewegen, aus Angst, die naechste Erfahrung koenne eben schlimmer sein, nicht so gut, besser, was auch immer.

    Die Veraenderung ist immer das, was uns Angst macht. Das ist menschlich. Und ich glaube, wir duerfen uns auch Zeit geben.

    Loszulassen ist unglaublich schwer. Und auch wenn sich das bei mir hier alles "einfach" liest, ist es alles andere als das.
    Es ist harte Arbeit und das jeden Tag.
    Vielleicht ging bei mir alles irgendwie schneller als bei anderen, was meiner Meinung nach weder mit meinem Alter ( Paddy ;) ) noch mit der Dauer der Beziehung zu tun hat, sonder einfach damit, dass mir diese Beziehung sehr vieles ueber mich selbst gelehrt hat, an was ich nun anknuepfen kann und will.

    Der Schmerz ist dennoch der Gleiche. Lernen bedeutet sicherlich nicht immer Schmerz. Aber Veraenderung meistens schon, den veraendert man sich, verabschiedet man sich oft von Altem/Bekanntem, an dem man lange festhielt, und das eben loszulassen ist unglaublich schmerzhaft, da es uns einfach so lange Halt gab....

    Ich glaube fest daran, dass sich der Schmerz lohnt, um naemlich dann ersteinmal erfahren zu koennen, dass WIR uns selbst den Halt geben koennen, den wir ein Leben lang in etwas anderem gesucht haben...

    Liebe InBetween,

    deine Worte erinnern mich sehr an mich selbst, so wie ich dachte, oder auch immernoch denke.

    Trinkpausen legte mein XY IMMER ein, wenn wir zusammen waren (auch fuer Wochen).. das konnte er, und das gab mir auch immer wieder sehr viel Zweifel an mir selbst, ob ich ueberhaupt richtig liege mit meiner Wahrnehmung, er sei alkoholkrank.

    Aber natuerlich lag ich richtig!!

    Deine Zweifel bezueglich des Zusammenziehens... Weisst du, ich habe diese Gedanken sehr oft durchspielt... den letzten gemeinsamen Urlaub habe ich abgesagt, das heisst, wir hatten uns vor der Trennung jetzt auch wirklich laengere Zeit GARNICHT mehr gesehen und auch da habe ich gedacht, denke manchmal noch immer, haette ihn nicht wenigstens nochmal sehen muessen, persoenlich sprechen muessen, etc.

    Aber dann weiss ich, wieviele Male ich es einfach getan habe, etc...

    Aber auch ich habe irgendwann unkontrolliert auf das Trinken reagiert, was ich garnicht wollte, aber weil es mich eben auch krank gemacht hat, so wie dich. Reflexartig trifft es, denn es kommt wie ein Reflex, es ist wie "angelernt", ein Knopf der gedrueckt wird, wenn du den Alkohol in seiner Stimme hoerst oder was auch immer....
    Auch ich habe irgendwann fuer MICH beschlossen, dass ich so nicht mehr reagieren will, nicht weil ich ihm damit schlecht tat, sondern mir selbst. Denn jedes Mal wenn er trank, ging es mir schlecht !
    Das waren meine ersten Schritte, mich davon zu befreien, dass meine Stimmung von seiner Trinkerei abhing.....
    und dann ging es eben immer weiter ..

    Vor schon langer Zeit hatte ich ausgesprochen, dass ich NICHT mit ihm zusammenziehen moechte (da war von Trennung noch nicht die Rede), aber allein diese Entscheidung hat sehr viel gekostet, mich aber sehr frei gemacht.
    Ich musste sie treffen, weil ich im Grunde einfach nur in mich hineinhoeren musste und dann wusste, dass ich unglaublich viel Angst vor einem Zusammenzug habe auf Grund seiner Sucht.

    Und dann habe ich auch irgendwann klar und laut gesagt, dass ich SO keine Zukunft mit ihm sehe. Auch das war verdammt schwer zu sagen, obwohl es doch schlicht und ergreifend meiner Gedanken entsprach.

    Meine mit letzten Worte an ihn waren, dass ich MEIN Leben NICHT mit dem Alkohol teilen will und ich MEIN Leben FREI und unkontrolliert gestalten will.

    Es ist schon bemerkenswert, dass wir immer so verquer denken und uns fragen, ob wir nicht bereuen werden, dass wir es nicht doch versucht haben (Zusammenzug in deinem Beispiel)


    - Aber warum haben wir denn keine Angst davor, dass wir vielleicht auch denken koennten "Warum habe ich nicht die Proble auf's Exempel gemacht und mich getrennt -

    Liebe Inbetween,

    es war ein langer steiniger Weg, vielleicht nicht 6 Jahre, aber lange genug, um mir gefuehlsmaessig alles abzuverlangen, was ich hatte.

    Und auch jetzt ist der Weg noch nicht ohne Steine und sicherlich bin ich noch nicht so weit, zu sagen, ich bin ueber die Bruecke gegangen und froh auf der anderen Seite des Flusses zu sein.. Im Gegenteil, ich wuerde sagen, ich stehe gerade so in der Mitte der Bruecke, geniesse den frischen neuen Wind, der mir vom anderen Ufer entgegenblaesst... halte mich aber dennoch an der Bruecke fest, schaue zurueck und sehe auch hinter mir auf der Wiese ein paar Blumen bluehen, die noch immer so schoen aussehen....


    Es ist schwer. Jeder hat seinen eigenen Weg. Trennung ist nicht immer das Einzige was geht, aber fuer mich (oder fuer die Beziehung mit meinem XY) war es aus meiner Sicht die einzige Chance wieder frei zu werden.

    Ich wuensche dir, dass du deinen Weg findest.

    Mit vielen Gruessen

    Miriel

    Liebe InBetween,

    ich wuerde dir von einem Zusammenzug abraten.

    Es gibt vielleicht andere Meinungen hier, aber ein Zusammenzug in einer "rueckfaelligen" Situation !

    Wie soll das funktionieren?

    Die Gefahr ist so gross, dass sich genau dann solche Mechanismen einbauen, die du momentan eben noch nicht hast (und das ist auch gut so! )

    Als ich mit meinem XY ueber zusammenziehen zog, lief das ungefaehr gedanklich in diesen Phasen ab:

    1. Zusammen ziehen, alles wird gut
    2. Zusammen ziehen, nichts aendert sich
    3. Getrennte Wohnungen, dann hat jeder sein Eigenes, dann wird alles gut
    4. Getrennte Wohnungen, nichts aender sich
    5. Garkein Zusammenkommen......

    Mir wurde einfach klar, dass er sich so sehr auf mich fixiert und auch auf die Beziehung, dass er IN der Beziehung nie wirklich klar ueber sein eigenes Problem denken werden kann, weil er stets mich im Hinterkopf hatte....

    Er arbeitete also nicht wirklich darauf hin, ohne Alkohol zu leben, sondern eher daraufhin den Alkohol durch die Beziehung, neues Umfeln, etc. "ersetzen" zu koennen.

    Dass das nicht moeglich ist, musst auch ich schmerzhaft erkennen und dementsprechend handeln...

    Alkoholismus als Krankheit - aufjedenfall ein guter Schritt FUER DICH, dass du das erkennst. Das macht es fuer dich leichter, mit Situationen umzugehen, aber natuerlich auch schwerer, konsequent zu sagen, was DU fuehlst.

    Denn das ist wichtig! Krankheit hin oder her. Deine Wuensche, deine Situation, deine Gefuehlswelt, das alles bist DU und deswegen ist das auch alles wertvoll und auch alles "sehens"wert, wenn duverstehst was ich meine.

    Wenn seine Krankheit dein ICH uebernebelt, dann ist es nicht mehr das, was sein sollte.

    Deine Selbstzweifel, ob du ihn nicht mehr ernst nimmst, mit seinem Wunsch trocken zu werden...

    Du musst ihn im Grunde garnicht ernst nehmen. Das muss nur er selbst!

    Du bist nicht verantwortlich fuer SEIN Leben sondern nur fuer DEINS und deswegen bist du auch nicht verantwortlich dafuer IHM das Gefuehl zu geben, dass er es ernst meint.. das waere ja voellig absurd.
    Das Gefuehl kann nur er sich selbst geben.

    Ich finde es gut, dass du die Dinge hinterfragst und dass du nicht mehr nur sagst, dass alles schon irgendwie gut wird.. denn das ist ja gerade die Spirale..

    Umgebungswechsel kann sicherlich gut sein, aber er muss ja nicht an einer Beziehung haengen.

    Ich wuensche dir viel Kraft

    Mit vielen Gruessen

    Miriel

    Hallo Paddy,

    vielen lieben Dank fuer deine Worte..

    Ich bezweifle ehrlich gesagt, dass die Staerke was mit dem Alter zu tun hat, ganz im Gegenteil glaube ich, dass man oft erst im Alter "zu sich selbst" findet, weil man vorher die Notwendigkeit garnicht erkannt hat.

    Ich kann sagen, dass gerade DURCH IHN habe ich erst die Notwendigkeit erkannt, etwas bei MIR zu aendern, was ich haette sicher schon vorher aendern koennen/muessen.

    Letztendlich kann ich ihm fast dankbar sein dafuer, dass er Ausloeser dafuer war, ueberhaupt mal in mich hinein zu fragen, was ich jahrelang nicht wirklich gemacht habe (ich weiss ich bin noch jung, aber auch mit fast 26 kann man sagen "jahrelang" und das begruendet ;) )

    Ich lebe im Grunde seit der Kindheit mit solchen Abhaengigkeiten, verstaerkt und richtig krankmachend ist es wohl seit ca. 10 Jahren.

    Das was du ueber seine Sucht schreibst. Ja, da hast du sicherlich Recht, es ist schlimm das zu lesen.. dieses, dass die richtig schlimmen Phasen wohl erst noch kommen...
    Ich kann das garnicht einschaetzen, noch weiss ich wirklich genau, wie lange er schon trinkt.

    Vielleicht sollte ich an dieser Stelle mal erwaehnen, dass er vor ca. 3 1/2 Jahren einen Selbstmordversuch gemacht hat und daraufhin 4 Monate in einer psychiatrischen Klinik war.

    :(

    Aber da gab es mich ja noch nicht.
    Inwiefern da der Alkohol schon eine Rolle spielte, weiss ich nicht.

    Tiefpunkte hatte er sicher, vielleicht aber noch nicht bezueglich des Alkohols.

    Weisst du, ich habe das Trinken bei ihm sehr schnell als krankhaft erkannt und dementsprechend auch gehandelt, bzw. versucht zu handeln, was mir natuerlich zu Anfang noch viel schwerer fiel, als zu Ende.
    Dennoch habe ich eben nie Groll gegen IHN entwickelt oder empfunden, natuerlich gab es Momente in denen ich sehr verletzt, wuetend, etc. war und ihm das auch vorgeworfen habe, aber dennoch wusste ich immer, dass auch er Opfer ist, Opfer seiner Sucht.

    Aber ich habe mir einen Satz eingespraegt:

    Es ist keine Schande diese Krankheit zu haben, es ist nur eine Schande, nichts dagegen zu machen!

    Denn es ist moeglich!

    Und das sehe ich hier in den vielen Geschichten der trockenen Alkoholiker.
    Das macht mich natuerlich umso trauriger wenn ich sehe, wieviele es doch schaffen und so offen ueber ihre Krankheit sprechen koennen.

    Der erste Schritt ist ja im Grunde, das "offen machen"....

    Leider hat mein XY es nie gemacht, jedenfalls nie wirklich (auch wenn er es vor mir bejaht hat...)

    Selbstwertgefuehl.
    Es kann sein, dass ich dieses Mal wirklich die Notbremse gezogen habe. Ich musste. Schon nach kurzer Zeit war ich voellig ausgezehrt und gab aber immernoch mehr. Binnen eines Jahres war ich voellig krank (auch koerperlich) und veraendert. Es war schockierend zu realisieren, wieviel die Beziehung (trotz Ferne) mit mir machen konnte.

    Am Ende bleibt mir, dass ich mich getrennt habe, um mich und auch ihn zu retten. Aus diesem ewigen Kreislauf (unserer Beziehung)...

    Nun kann ich mich erst dem widmen, was ich "meinen Teufelskreis" nenne und er sich eben Seinen. Inwiefern er das tut, ist natuerlich seine Sache, muss es sein.

    Doch in diesem gemeinsamen Kreislauf, da hatten weder ich noch er die Chance irgendwas an dem Eigenen zu tun.

    So hoffe natuerlich, dass er es irgendwann schafft.
    Aber mache mein Schaffen davon nicht mehr abhaengig.

    Vielen Dank fuer deine Worte, sie haben mich sehr zum Nachdenken angeregt.

    Mit vielen Gruessen

    Miriel

    Liebe InBetween,

    erst einmal schoen, dass du hierher gefunden hast!!

    Wie wir alle strauchelst auch du zwischen den Zweifeln ob weitere Unterstuetzung oder Trennung.

    Ich halte mich erstmal zurueck mit meinen Ratschlaegen.

    Ich selbst war selbst in einer Fernbeziehung und habe mich erst vor kurzem getrennt.

    Langes Hoffen und Unterstuetzen haben mir letztendlich jegliche Energie zum Leben geraubt und ihm letztendlich nicht weitergeholfen.

    Dass dein Freund schon einen Entzug hinter sich hat laesst ja darauf schliessen, dass er sich des Problems bewusst ist. Viel gravierender finde ich dann aber, dass er weitertrinkt....

    Ein Umfeldwechsel, "Cut" wie du es nennst, ... ja, das kann sicher hilfreich sein, ABER die Grundproblematik ist nicht weg und vor ihr davonrennen geht definitiv NICHT!

    Wir hatten auch sehr grosse Plaene (Zusammenziehen, etc.) und ich dachte, wenn er erstmal aus seinem Umfeld heraus ist, neu anfangen kann, etc... aber ich musste wirklich erkennen, dass das einfach absolut keine Loesung ist.

    Das sind meine Gedanken dazu.

    Wie lange seit ihr zusammen?
    Was tust du fuer dich?
    Wie geht es DIR?

    Mit vielen Gruessen

    Miriel