Hi schnuffig,
ja, genau das habe ich bei Alice Miller bzw. auch an der Primärtherapie so problematisch gefunden: die Angst vor dem, was Schlechtes in einem stecken könnte - zwar plausibel gemacht damit, dass einem auch Schlechtes passiert ist, aber eben mit der Maßgabe, dass dieses Schlechte unausweichlich weiterwirken muss und vielleicht in einen Kreislauf des Ewig-Schlechten mündet. Ich weiß nicht, ob ich das verständlich geschrieben habe.
Ich habe keine Angst vor mir selbst. Was nicht heißt, dass ich nicht manchmal unbändig wütend werden kann oder "dunkle" Gefühle habe. Ich denke sogar, dass ich in bestimmten Situationen in der Lage dazu wäre, Gewalt anzuwenden.
Ich weiß nicht, ob das hochmütig oder größenwahnsinnig klingt, denn es heißt ja so oft, das "Böse" steckt in uns allen. Das stimmt auch. Aber in den bisherigen Situationen, in denen ich richtig "böse" hätte sein können, habe ich mich bewährt. Ich hoffe, das wird auch weiterhin so sein. Aber ich denke eben, ich habe die Wahl, so zu handeln oder so. Ob das "wirklich" so ist oder nur eine Vorstellung in meinem Kopf, wer weiß.
Ich finde das schlimm, wenn man Angst vor einem "Monster" in sich haben muss. Angst hält einen immer fest. Und genau von der Existenz eines solchen "Monsters" geht ja auch die Primärtherapie aus - zwar verursacht durch Traumata, aber dennoch als tickende Zeitbombe dargestellt.
Das finde ich ein ganz ungutes Konzept.
Was ich wirklich oft beobachte, sind sich selbst erfüllende Prophezeiungen. Ein eingeredetes Monster kann eine davon sein. Es kostet so viel Kraft, sich dem zu entziehen.
Es ist jetzt auch nicht so, dass ich die ganze Zeit durch die Gegend laufe und denke, "ich bin toll", ganz und gar nicht.
Aber ich habe Vertrauen zu mir, auch wenn nicht jeder Tag rosige Zuckerwatte ist.
Was passiert denn in so einem Moment bei dir, wenn du dich nicht liebenswert fühlst? Ist das, wenn du mit dir allein bist, oder hast du das Gefühl nur in Gegenwart von anderen?
Wessen Wahrnehmung traust du mehr?
Ich finde, man muss nicht immer liebenswürdig sein, um liebenswert zu sein.
Viele liebe Grüße
Lea