Beiträge von inbetween

    Hallo Nys,

    was dein Idealbild ist und ob du überhaupt eins hast von (Mutter-)Liebe, das kannst natürlich nur du selbst beantworten.
    Ich habe nur von meiner Erfahrung geschrieben, denn für mich hat sich in der Beschäftigung damit viel geklärt.

    Lieber Gruß
    Lea

    Liebe Nys,

    für mich war ein Schlüssel zur Ablösung die Trennung der Verletzung durch die eigentliche Person von der Verletzung durch die Tatsache, dass es eine Diskrepanz zwischen m/einer idealen Vorstellung von Familie, Liebe und Zusammengehörigkeit und der Realität gibt/gab.
    Hilfreich war - für mich, die ich viele Dinge vom Kopf her angehe - außerdem die Erkenntnis, dass dieses Ideal geschichtlich, kulturell ... etc. bedingt und wandlungsfähig,also auf jeden Fall kein Naturgesetz ist.
    Unser derzeitiges Konzept von der glücklichen Kleinfamilie ist noch gar nicht so alt und selbstverständlich, wie man meinen könnte. Und - es ist zuallererst einmal eine Idee. Menschen entsprechen leider selten Ideen. Das macht sie manchmal anstrengend, oft aber auch spannend.

    Letztendlich darf ich entscheiden, wer in meinem Leben wichtig sein soll. Und ich darf eine solche Entscheidung auch widerrufen oder abwandeln. Und da habe ich (wieder) gelernt, mich auf mein Gefühl zu verlassen. Ohne schlechtes Gewissen.

    Lieber Gruß
    Lea

    Hallo Renate,

    hier noch ein Gedanke zum Thema Garten und Wurzeln ;), über den ich neulich gestolpert bin ...

    Wir Menschen sind Pflanzen, die mit den Wurzeln aus der Erde steigen müssen, um im Äther zu blühen und Früchte tragen zu können.

    Lieben Gruß
    Lea

    Liebe Lena,

    Zitat

    Ich wünsche mir nichts mehr, als einfach meiner selbst willen gesehen und angenommen zu werden- als Mensch, als Lena, als Frau....

    ich wünsche dir, dass du dich so fühlen kannst, bevor du jemanden triffst, der dieses Gefühl mit dir teilen kann.

    Viele liebe Grüße
    Lea

    Liebe Renate,

    ich wollte dir kurz auf einen Beitrag in einem anderen Thread antworten:

    Zitat

    Ich las mal einen schönen Spruch auf einer Karte zu Geburt
    Sinngemäß:
    Gib den Kindern Wurzeln wenn sie klein sind und Flügel wenn sie größer werden,dann können sie gut leben.

    Ich weiß natürlich, was du damit meinst, aber: die Wurzeln bildet eine Pflanze selbst.
    Und - manche Pflanzen bilden sogar Luftwurzeln!! :)

    Liebe Grüße
    Lea

    Hallo alle miteinander und hallo Neuweg,

    auch ich habe die "harmonischen" Phasen als extreme Stolpersteine auf dem Weg zur endgültigen Trennung empfunden. Im Nachhinein finde ich es aber als besonders schlimm und befremdlich, mit wie wenig "Harmonie" ich letztendlich auskommen und wie lange ich davon zehren konnte ... man wird regelrecht zum "Hungerkünstler" und jedes Krümelchen wird zum Festmahl, das einen glauben lässt, nirgendwo anders könne man so leckere Speisen bekommen ...

    Sorge gut für dich selbst - und überstürze nichts. Eine Stunde später kann sich ein Gefühl schon wieder geändert haben - in beide Richtungen.
    Aber früher oder später wirst du Klarheit haben - und dann ist es ganz leicht.

    Lieber Gruß!
    Lea

    Hallo Speranza,

    da gibt es bestimmt verschiedene denkbare Konstellationen. Ich glaube aber nicht, dass vorher schon eine traumatische Bindung bestanden haben muss.

    Ich persönlich, die ich in besagter Beziehung beides erlebt habe, könnte nicht genau sagen, was ich schlimmer finde - psychische oder physische Gewalt. Mittlerweile würde ich sagen, dass es - zumindest als Erwachsene - prinzipiell leichter ist, sich erfolgreich gegen physische Gewalt zu wehren, nicht nur mit Selbstverteidigung, sondern auch juristisch.
    Jedenfalls sofern einen nicht eine extreme Verstrickung am Handeln hindert - da liegt m.E. der Hund begraben.
    Und bei Kindern, denke ich, ist diese Verstrickung noch viel stärker, weswegen sie eigentlich noch mehr Hilfe bräuchten.

    Psychische Gewalt kann viel subtilere Formen annehmen und - wie ich meine - viel nachhaltiger wirken. Die Bilder des ersten Übergriffs und das überwältigende Gefühl der Ohnmacht und des Unverständnisses, das ich bei der ersten nächtlichen Attacke hatten, verfolgen mich lange nicht mehr.
    Anders ist es mit Erinnerungen an Situationen, in denen ich meiner Wahrnehmung nicht mehr trauen konnte. Das beschäftigt mich immer noch oft.

    Lieber Gruß
    Lea

    Hallo Slowly, finde ich ja witzig :)

    Du hast vollkommen recht - in die Co-Rubrik hätte diese Frage eigentlich viel eher gehört.
    Als ich die Frage stellte war ich noch ganz "neu" hier und noch nicht ohne Hoffnung, dass doch noch was möglich ist ... Fühlt sich an wie Jahrzehnte her.

    Nix sorry!

    Lieber Gruß von
    Lea :)

    Guten Morgen,

    Zitat

    auch Gewalt beginnt nicht mit dem ersten Schlag

    Da ist sehr viel dran. Auch daran, dass offensichtlich in solchen Situationen das Gespür für das, was "normal" oder "richtig" sein sollte, verloren geht.
    Und genau das ist Teil des Problems - die Verzerrung der Wahrnehmung, der Verlust des Vertrauens in die eigene Wahrnehmung von richtig und falsch.

    Ich denke, Kaleu, das ist mit einer der Gründe, warum dein Post, der jetzt bei Renate am Kühlschrank hängt, so positiv von den COs aufgenommen wurde - weil dort genau die Mechanismen beschrieben werden, die dazu führen, dass jemand der eigenen Wahrnehmung nicht mehr traut und das Gespür für Verhältnismäßigkeit im Gewirr von Manipulation, Lügen, Beschwichtigungsversuchen, Liebesbeteuerung, Hilferuf, Verleugnung, Drohung ... etc. verliert.

    Ich meine das nicht wertend oder im Sinne einer Schuldzuweisung.

    Ich mag allerdings auch das Etikett "krank" nicht.
    Der "gesündeste" Mensch ist nicht sicher vor solch einem irrationalen Verhalten in Extremsituationen, und Gewalt - psychisch wie physisch - gehört dazu, siehe Stockholm-Syndrom. Bei vielen Geiselnahmen gibt es keine direkten körperlichen Übergriffe, die Bedrohung allein reicht, um diese nicht nachvollziehbaren Mechanismen der Psyche in Gang zu setzen.

    Es muss beruhigend sein für dich, Kaleu, dass du die Gewissheit hast, dich auch damals unter Alkoholeinfluss so unter Kontrolle gehabt zu haben, dass körperliche Übergriffe ausgeschlossen waren.
    Wenn ich mag, werde ich später noch einmal genauer beschreiben, wie es bei mir abgelaufen ist. - Mein Ex XY hat das gleiche von sich behauptet ...

    Was deine Sicherheit angeht, dich nach einem solchen Übergriff sofort zu trennen - die ist rein hypothetisch und ist bisher im realen Fall nicht bestätigt. - Auch ich hätte das früher jederzeit von mir behauptet.

    Ich kann dein Unverständnis allerdings durchaus nachvollziehen, denn wie gesagt - von außen ist alles sonnenklar.
    Etwa ein Jahr nach der endgültigen Trennung von meinem Ex-XY hat eine meiner Freundinnen eine Beziehung zu einem Mann begonnen, bei dem die Übergriffigkeit schon sehr früh sichtbar und der weitere Verlauf absehbar war.
    Ich musste den Kontakt zu dieser Freundin abbrechen, weil es mich sehr belastet hat, vor allem die Erkenntnis und die Bestätigung, dass nichts, was ich ihr sage oder von meiner Erfahrung berichte, sie zur Beendigung der Beziehung bringen kann. Völlig unverständlich ...
    Sie hat sie schließlich dann - an ihrem eigenen Tiefpunkt - beenden können.

    Noch einmal - mit dem gesunden Menschenverstand ist es nicht nachzuvollziehen.

    Umso wichtiger finde ich die Antwort auf die Frage, welche Lösungen es geben kann.

    Tabuisieren und Pathologisieren (Stichwort "krank") hilft da meiner Ansicht nach wenig.

    Lieber Gruß
    Lea

    Zitat von Speranza

    Was ich aber sehr schwer nachvollziehen kann ist dass körperlich misshandelte Frauen immer wieder zum Partner zurückgehen obwohl ihnen alle erdenkliche Hilfe angeboten wird.

    Man kann es nicht nachvollziehen. Nachempfinden vielleicht, wenn man selbst einmal in dieser Situation war.
    Im Prinzip, Speranza, ist aber der gleiche Mechanismus am Werk, der dich als Co-Abhängige so lange hat aushalten lassen, trotz psychischer Gewalt (die nicht umbedingt weniger schlimme Auswirkungen hat).

    Es gibt einige Psychologen, die der Ansicht sind, dass die Beziehung zu Suchtkranken eine traumatische Bindung verursacht, eben aus den genannten Gründen.

    Lieber Gruß
    Lea

    Zitat von Kaleu

    Es ist für mich schlicht und einfach nicht zu verstehen. Ich kann's nicht, auch wenn ich mir noch so Mühe gebe.

    Du brauchst dir keine Mühe zu geben, Kaleu. Es ist wirklich schwer zu verstehen - vielleicht ähnlich schwer wie das Stockholm-Syndrom. Und wahrscheinlich sind da ähnliche Mechanismen am Werk. Leider ist es in der Situation selbst nicht so, dass man vernunftgesteuert handeln kann.

    Nun ja - die spannendste Frage finde ich nach wie vor - was kann man dagegen tun? Klar, Gesetze ändern. Aber wenn das Problem genau darin besteht, dass Gewaltopfer selten darüber sprechen, dann können Gesetze auch nichts ändern.
    Das ist ja genau das, was Sozialarbeiterinnen in Frauenhäusern und auch engagierte Polizisten immer wieder in den Wahnsinn treibt - die Frauen gehen oft genug wieder zurück. Schlimm! Aber mit Verurteilung oder gar dem Etikett "Masochismus" kommt man da nicht weiter.

    Mindestens ebensoviel Unverständnis, Kaleu, empfinde ich übrigens für jemanden, der zuschlägt. So etwas kann ich auch absolut nicht nachvollziehen.

    Lieber Gruß
    Lea

    Hallo Slowly,

    vielen Dank für deine Antwort!

    Du schreibst

    Zitat

    daraus konnte ich mich nur selbst befreien

    Wie hast du das gemacht? Bei mir ging es, wie gesagt, über "Gegenwehr" in Form von Selbstverteidigung. Ich bin aber auch eine recht muskulöse und sportliche Person, was das vielleicht leichter macht, weil ich es mir körperlich zugetraut habe, obwohl Selbstverteidigung ja eigentlich nichts mit Körpermasse zu tun hat.

    Was ich immer ziemlich zynisch finde, ist, dass oft so getan wird, als sei Gewalt gegen Frauen in weit größerem Maße ein Problem von bestimmten Gruppen, z.B. Muslimen (was dann als Argument für angebliche Rückständigkeit angeführt wird ...) - die Zahlen sprechen eine andere Sprache.
    Gerade die Zahlen aus Skandinavien, wo Frauen ja - angeblich - noch emanzipierter und gleichberechtigter sind als im Rest Europas, haben mich ziemlich staunen lassen.

    Die spannendste Frage ist für mich, was wäre eine möglich Lösung?
    Hinsehen ist auf jeden Fall wichtig, da stimme ich dir absolut zu.

    Für mich wäre tatsächlich auch Schulung in Selbstverteidigungstechniken eine Option, denn die Ohnmacht (die ich beim ersten Übergriff auch gespürt habe), finde ich fast am schwersten zu ertragen.

    Viele liebe Grüße
    Lea

    Hallo alle miteinander,

    Karsten hat es ja schon in der Rubrik "aktuelle Nachrichten" gepostet, trotzdem mache ich jetzt hier auf Anregung von Linde - danke :) - noch einmal ein neues Thema auf, da nicht alle (ich z.B. nicht) in dieser Rubrik schreiben können.

    Hier noch einmal die entschärften Links zu den Ergebnissen der bisher weltweit größten Studie der Agentur der Europäischen Agentur für Grundrechte:

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    http://fra.europa.eu/de/press-relea…allen-kontexten

    http://fra.europa.eu/de/publication…auf-einen-blick

    http://fra.europa.eu/de/publication…ebung-factsheet

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    Es wäre vielleicht interessant, auch hier im Forum eine kleine Umfrage zu starten - vielleicht auch unabhängig vom Geschlecht, denn ich denke, auch Frauen sind zu Gewalt (und wenn es psychische ist) durchaus in der Lage.

    Nicht zuletzt war ich in meiner letzten Beziehung selbst davon betroffen.
    Das waren gewalttätige Übergriffe mitten in der Nacht aus heiterem Himmel aus dem Schlaf heraus, an die sich mein Ex-XY am nächsten Tag nicht mehr erinnern konnte.
    Beim ersten Mal war ich total geschockt und habe - wie so oft :roll: - erst einmal versucht zu "verstehen" ...
    Da ich damals noch in dem Dilemma steckte, die Beziehung noch nicht aufgeben zu wollen, habe ich mir die wichtigsten Selbstverteidigungstechniken beibringen lassen - und meinen Ex-XY dann auch ein paar Mal auf den Boden legen müssen.

    Obwohl ich dann also keine Angst mehr hatte, hat es lange gedauert, bis ich diese Erlebnisse offen ansprechen konnte - da sind die ersten Posts als Erinnerungshilfe hier ganz nützlich :)

    Warum habe ich darüber nicht gleich geschrieben?
    Nun ja - weil es mir wohl damals schon sonnenklar war, dass das gar nicht geht - dass ich mir selbst die Frage nicht beantworten und selbst nicht begreifen konnte, warum ich nicht beim ersten Zwischenfall sofort die endgültige Flucht ergriffen habe: jeder guten Freundin hätte ich das geraten!

    Wie auch immer. Das scheint ein häufiges Reaktionsmuster zu sein: Verdrängen, Verleugnen, "Verstehen wollen".

    Vielleicht geht/ging es Euch auch so?
    Wie im Rahmen der Studie auch erwähnt wird, ist die Dunkelziffer wohl noch viel höher. Wundern würde es mich nicht.

    Viele liebe Grüße von
    Lea

    Liebe Renate,

    ich weiß nicht genau, ob es ein "Zu offen" gibt.
    Was mich etwas aufhorchen lässt ist dein Eindruck, dass von den Beziehungen nichts mehr übrig ist, wenn du nicht mehr "reinliebst" bzw. dich zurückziehst.
    Wie würdest du denn beschreiben, was du für dich aus diesen Beziehungen mitnimmst?

    Liebe Grüße
    Lea

    Liebe Renate,

    ich hatte als Jugendliche mal eine Freundin (wenn man es so nennen kann), die sich ähnlich verhalten hat wie du es oben beschreibst.
    Immer am Schenken, am Reden, am Tun - es brauchte nur jemand etwas von ihr zu bewundern und schon bekam man das geschenkt. Es gab einige, die das ausgenutzt haben.

    Was mir am stärksten von ihr in Erinnerung geblieben ist - es gibt kaum einen Menschen (in meiner näheren Umgebung), zu dem ich weniger inneren emotionalen Kontakt gefunden habe als zu ihr. Irgendwie stand das Schenken, Reden, etc. immer dazwischen.

    Für mein Emfinden brauchte es das gar nicht. Aber sie hat z.B. nie gesagt oder sagen können, wie sie sich gerade fühlt und warum - was mir sehr viel wertvoller gewesen wäre als alles, was sie mir im Laufe der Zeit so geschenkt hat.

    Ich weiß nicht, ob du damit etwas anfangen kannst.
    Es kam mir beim Lesen deiner Zeilen so in den Sinn.

    Viele liebe Grüße von
    Lea

    Zitat von garcia

    Ein Plan ist endlich einmal Prousts "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" auf die Schliche zu kommen... aber daß ist ein Vorhaben das mich auch etwas abschreckt, vielleicht ein bißchen groß noch zur Zeit... aber aus dem Kopf krieg ichs auch nicht so recht. Ist aber auch ne Geldfrage.

    Hallo Garcia, die Suche nach der verlorenen Zeit kann ich sehr empfehlen - ist aber wirklich wie eine Zeitreise. Dafür wirst du schon auf den ersten Seiten das Gefühl bekommen, dass du dir beim Lesen alle Zeit der Welt lassen darfst - mir ging es jedenfalls so. Geldfrage ist auch keine Ausrede; wozu gibt es Antiquariate oder öffentliche Bibliotheken? :) ich finde das sogar viel spannender - dann kann man sich gleich noch zusätzlich eine Geschichte dazu ausdenken, wo das Buch schon überall war und wer es schon alles in der Hand hatte und gelesen hat.

    Liebe Grüße und viel Spaß beim Lesen wünscht
    Lea

    Juhu, es wird Frühling!

    Am Wochenende habe ich meinen neuen "Freisitz" aufgestellt und heute Abend sind mir in der Dämmerung die ersten Fledermäuse um den Kopf geflogen :)

    Ich liebe diese Jahreszeit, nur der Herbst ist noch besser.
    Es riecht so erdig, mmmmh.

    Viele Grüße an alle von
    Lea