so, da ich solangsam die Gewissheit habe, dass er über Nacht nicht hier geschlafen hat, sondern womöglich bei einer anderen Frau muss ich mich zwingen, wieder Klarheit in MIR zu bekommen. Egal wie sehr mich der Gedanke schmerzt, kränkt und verletzt, dass er bei einer anderen Frau ist, muss ich mir vor Augen halten was mich dazu veranlasst hat mich zu trennen.
Es mag kindisch wirken, aber um mich besser zu fühlen schreibe ich es in der Form auf, indem ich mir vorstelle, was meine mögliche Nachfolgerin erwartet:
- Die Neue wird früher oder später mit seiner Alkoholsucht zu leben und zu kämpfen haben. SIE wird das Gefühl ertragen müssen, dass der Alk wichtiger ist als man selbst. SIE wird seine allmähliche Wesensänderung zu spüren bekommen, SIE wird ihn agressiv, selbstmitleidig, zynisch, egoistisch und schwach erleben. SIE wird seinem körperlichen Zerfall machtlos zuschauen müssen.
- SIE wird früher oder später mit seiner Arbeitslosigkeit konfrontiert werden. Das anfängliche Gefühl von "Geld ist nicht alles, nur unsere Liebe zählt" wird früher oder später auch bröckeln. SIE wird entweder für ihn zahlen müssen oder als Konsequenz eben keine Reisen, Restaurantbesuche usw mit ihm machen können. SIE wird seine schlechet Laune/Unzufriedenheit zu spüren bekommen, dass er nichts auf die Reihe bekommt.
- SIE muss sich damit abfinden, dass gemeinsame Kinder unter diesen Voraussetzungen unrealistisch bzw unverantwortlich wären.
- SIE muss mit seiner Kifferei klarkommen, mit der veränderten/antriebslosen/verplanten Person. Das gleiche Gefühl wie beim Alk zu spüren bekommen, dass die Droge wichtiger ist bzw dass die Droge ihm etwas geben kann, welches man ihm als Partner scheinbar nicht geben kann. und das tut weh!!!!
- SIE muss die Auswirkungen seiner Depression ertragen. Das Gefühl, den anderen nicht erreichen zu können mit der eigenen Liebe. Stets mit der Gefahr ausgesetzt zu sein, dass man selber sich irgendwann in diesem schwarzen Loch verliert.
- SIE muss akzeptieren, mit seinem Schuldenberg klar zu kommen. An dem er (solange die Süchte noch vohanden sind) so schnell nichts ändern will und kann.
- SIE muss sich nach der anfänglichen Euphorie mit der Tatsache auseinandersetzen, dass er im Grunde ein tristloses und freudloses Leben führt, ohne Hobbys, Interessen und Träume....da alles unter einer Glocke von Drogen/Depressionen vergraben ist.
Ich komme mir irgendwie albern vor, diese Dinge zu schreiben, aber mir tut es gerade gut, mir all das vor Augen zu führen. Und ich habe die Hoffnung, dass - wenn mich der Schmerz wieder überrennt - ich beim Lesen meines Threats genau auf diese Zeilen stoßen kann und dann vielleicht wieder etwas klarer sehen werde.
und zwar zu sehen was ICH nicht mehr möchte.
Womöglich mag der ein oder andere die Hände über den Kopf schlagen und sich fragen, wie ich an einem Menschen hängen kann, an dem ich doch so viele "negative Seiten" benennen kann. Viele werden vermutlich denken "wenn sie so viele Dinge findet, die sie ablehnt, kann sie ihn doch gar nicht liebe, Warum jammert sie dann rum?"
Und da fängt für mich MEINE Arbeit an....mich zu fragen warum ich all das übersehen habe und auch jetzt immer noch Gedanken habe wie "Das ist doch alles zu bewältigen..." dass ich trotzdem noch nicht von ihm loskomme.
Für mich stellt sich natürlich auch die Frage, ob es zum Ende hin noch die wahre Liebe meinerseits war.
Ich habe diese ganzen Baustellen allmählich natürlich immer weniger mit der rosa Brille gesehen und sie haben mich genervt und ich war frustriert, unglücklich, weil sich nichts ändern wollte...
AAAAber trotzdem habe ich an uns festgehalten. Was hat er mir geben können, dass ich die Baustellen wieder hintenan gestellt habe?
Ich denke, dass es das Gefühl war, das er mir gab. Das Gefühl, wunderbar, schön, hinreißend, sexy und faszinierend zu sein. All das, wie ich mich selbst eben nicht wahrnehme. Wenn ich das so schreibe werde ich wieder traurig und merke, dass ich mir damit nichts Gutes tue. Ich merke, was mir ohne ihn fehlt.
Aber ich weiß auch, dass ich mir dieser Tatsache bewusst werden muss, wenn ich in Zukunft daran etwas ändern möchte. eben nicht mehr davon abhängig zu sein, dass jemand anderes mich toll findet. Mein Weg muss es sein, mich irgendwann so anzunehmen und vor allem mich so zu mögen wie ich bin.
Das wird ein schwieriger Weg.
Aber gerade jetzt im Moment wird mir klar, dass es nicht der richtige Weg ist, das Selbstwertgefühl aufbauen zu wollen, indem man Bestätigung vom anderen bekommt. Ich dachte immer, er tut mir so gut, weil ich mich eben bei IHM so gut; ja auch schön/sexy/faszinierend fand. Aber ich merke ja genau in diesem Moment, dass ich JETZT wo er weg ist, dieses Gefühl nicht mehr habe. Mein Ziel muss es sein, all die guten Gefühle zu mir selbst, mir selbst zu geben, unabhängig von einer anderen Person. Denn andere Menschen kommen und gehen womöglich und es kann nicht sein, dass damit auch mein Selbstwertgefühl dahingeht.....DAS ist es was ich lernen muss....
Nur stellt sich natürlich die Frage, WIE???
Aber irgendwann werde ich darauf auch eine Antwort finden und werde beginnen können, MIR selber das Gefühl zu geen, dass ich etwas wert in...nein, nicht "etwas", sondern ganz viel 
Und die Frage, ob es am Ende noch Liebe von meiner Seite war, oder einfach nur die Angst zu wissen, dass ich mich ohne ihn wieder allein und als nichts wert empfinde...ja dies gilt es für mich zu beantworten.
Vor der Antwort habe ich aber auch gleichzeitig Angst. Ich habe Angst, dass ich mir irgendwann eingestehen muss, dass ich mit ihm zusammen geblieben bin OBWOHL ich ihn gar nicht mehr richtig geliebt habe. Ich kann noch nicht richtig greifen, warum ich davor Angst habe....vielleicht weil ich dann an mir zweifeln müsste, nicht richtig lieben zu können? Mir einzugestehen, dass ich zwar immer gedacht habe, ihn aus vollem Herzen zu lieben, es aber in Wahrheit nicht getan habe...
Weiß auch nicht...irgendwie verheddere ich mich gerade und komm nicht mehr weiter...deshalb belasse ich es an dieser Stelle.
L