Hallo Carpenter,
jetzt reicht's aber. Bzgl. Deines Posts von heute muss ich doch mal wieder aus der Versenkung auftauchen. Hab beim Lesen tatsächlich gedacht, da schreibt jemand über mich. So viele Ähnlichkeiten...
Zum Beispiel der Sport. Darauf musste auch ich verletzungsbedingt (Knie-OP) längere Zeit verzichten. Jetzt habe ich wieder mit dem Laufen begonnen, gemäßigtes Schwimmen und Radfahren geht wieder und mein Rücken fordert sowieso regelmäßige Beachtung. Wie hat mir dieser Ausgleich zum Bürosessel gefehlt! Wo ich doch mein ganzes Leben bisher immer sportlich unterwegs war. Ich war auch noch mit Promille laufen, hab meine Schwimm-Kids "mit Fahne" trainiert oder bin mit der Flasche Whisky in der Sporttasche ins Fitnessstudio marschiert. Aber es kostete in den letzten Monaten enorm viel Kraft und Überwindung. Und Ausreden fanden sich immer öfter, um zu trinken statt zu sporteln.
Was ich ganz genau so empfinde (und absolut nicht blöd finde):
Zitat
Ich habe nicht das Gefühl, auf Alkohol verzichten zu müssen.
Ich bin dankbar - gerade nach einigen Posts in diesem Forum - bisher noch kein einziges Mal unter Saufdruck gelitten zu haben. Allein die Beantwortung der Frage "Was würde Alkohol jetzt besser machen?" reicht oft schon.
Warum wir nicht schon viel früher auf diesen Trichter gekommen sind? Keine Ahnung. Die Suche nach einer Antwort ist m.E. ebenso vergeudete Energie wie die Überlegung, wieviel von meinem Leben ich schon verplempert habe. Wir hatten die Hoffnung auf eine bessere Vergangenheit aufgegeben. Ist eh nicht mehr zu ändern. Doch es liegt (hoffentlich) noch so viel Zukunft vor uns. Und Du hattest die Erleuchtung immerhin vier Jahr früher als ich
.
Was mich interessieren würde: Du scheinst ja arbeitsmäßig einige Zeit im häuslichen Büro zu verbringen. Und Du schreibst, dass Kneipen für Dich eher auch kein Thema waren. Heißt, Du hast viel zu Hause getrunken? Machst Du da jetzt etwas anders?
Denn bei mir ist's ähnlich. Seit kurzem arbeite ich komplett zu Hause. Und hier habe ich fast immer getrunken. Es wäre rein organisatorisch ein Leichtes, mir im Keller wieder einen Vorrat anzulegen und gleich nach dem Frühstück, wenn die Kids in der Schule sind, zur Flasche zu greifen.
Wie "damals" an den Wochenenden. Manchmal waren die ersten Schlucke auch gleichzeitig mein Frühstück... Rückblickend finde ich diese Erinnerungen - jetzt, wo ich sie aufschreibe - einfach nur widerlich, abstoßend. Nein, das möchte ich nie mehr erleben. Nichts scheint mir heute ferner, als wieder all diese Heimlichkeiten aufflammen zu lassen. Als in den ewigen Kreislauf von Beschaffen, Trinken, Entsorgen zurückzukehren.
Heute wimmelt es in meinem Keller nur so vor Sprudeln, Säften, Schorlen...
Btw: Heute fanden die letzten Weizenbier-Gläser, die ich beim Entrümpeln noch fand, ihre letzte Ruhestätte auf dem Wertstoffhof :).
So, lieber Carpenter (der mich immer an Bob Dylan denken lässt), jetzt reicht's für heute.
Denn man weiterhin alles Gute auf Deiner Reise und bis neulich
der Schorsch