Beiträge von c2h5oh

    Zitat von garcia

    Hallo c2h5oh,

    Ich glaubte immer, Menschen mit deiner Art soziale Dinge zu erleben (oder auch eben nicht zu erleben) würden nicht darunter leiden daß sie bestimmten zwischenmenschlichen Konventionen nicht folgen, sie nicht "miterleben" können. Es wär halt fremd für sie aber ginge sie gefühlsmäßig nichts an.

    Hallo garcia,

    das autistische Spektrum ist recht groß. Es gibt tatsächlich sehr schwere Formen. Die Betroffenen haben keinerlei Kontakt zur Außenwelt, leben nur in ihrer Innenwelt, haben nicht einmal den Begriff des Autismus. Asperger-Autismus - ich möchte an dieser Stelle anmerken, dass das Asperger-Syndrom wahrscheinlich in Kürze aus dem ICD10-Katalog gestrichen wird. Das Syndrom wird unter das Spektrum des high functional autism subsumiert werden - ist da etwas anders. Wir können unser Handicap erkennen und reflektierend, analytisch uns damit auseinandersetzen, wenn auch nicht ändern. Ich habe eine gute Beziehung zu meinen Kindern, von meiner Frau lebe ich getrennt, auch aus beruflichen Gründen. Sie ist vom Fach und weiß, dass ich ein high functional autist bin. Sie hatte mich während des Studiums kennengelernt. Ich hätte nie bemerkt, nicht bemerken können, dass sie sich für mich interessierte. Dann hatte sie mich eines Tages angerufen und gefragt, ob wir uns auch außerhalb der Uni mal treffen könnten.
    So ähnlich lief es mit allen Beziehungen zu Frauen. Sie haben mich gewählt, warum, weiß ich nicht.

    Viele Grüße

    Hallo,

    wie immer um 6.30 Uhr aufgestanden und erst einmal hier gelesen. Gestern war meine Tochter zu Besuch. Wir haben über ihre Dissertation gesprochen. Ein interessanter und anregender Abend. Der Geruch alkoholischer Getränke hat mich immer abgestoßen, auch gibt es eigentlich keine Gelegenheit für mich, ihn wahrzunehmen. Dennoch werde ich im Falle des Falles präventiv die Technik der "Gedankenüberlagerung" anwenden. Es gibt Gerüche, die mir unerträglich sind. Besonders widerlich für mich ist der Geruch, der beim Frittieren entsteht. Wenn ich z.B. an einer Imbissstube vorbeigehen muss, halte ich den Atem an, um einen starken Würgereiz zu vermeiden. Diesen Vorgang werde ich abrufen, sollte ich mit Biergeruch konfrontiert werden.
    Ich wünsche allen einen angenehmen Montag.
    Viele Grüße

    Zitat von garcia

    Hallo c2h5oh,

    Ich hab eine Verständnisfrage... du schreibst du habest das Aspergersyndrom, aber auch daß die dich beeinträchtigenden sozialen Einschränkungen die damit verbunden sind dann "gelöst" waren (im Sinne von besser aushaltbar oder gemindert), wenn Du getrunken hast...
    Ich hab immer geglaubt daß eine persönliche Art zu sein wie das Aspergersyndrom durch Alkohol (oder auch Medikamente) gar nicht zu beeinflussen ist

    Hallo garcia,
    du hast Recht. Die sozialen Einschränkungen, bzw. die Persönlichkeit ändert sich nicht. Es war nur so, dass unter der Droge Alkohol wenigstens für kurze Zeit, sehr kurze Zeit, es zumindest so schien, als könnte ich Kontakte knüpfen. Ich gehe davon aus, dass es nur Schein war, denn einen echten Kontakt gab es nie. Ich habe wohl nur mehr "Vorträge" gehalten als sonst. Das "Tanzen", von dem ich schrieb, war eine eingeübte Pantomimik. Ein Medikament gegen Autismus gibt es in der Tat nicht.
    Viele Grüße

    Zitat von Pink-Lady

    Hallo c2h5oh,

    schön, dass Du hier bist und Dich entschlossen hast, keinen Alkohol mehr zu trinken. Deine Lebenslage ist nicht gerade einfach. Ich hoffe sehr, dass Du es schaffst zufrieden trocken zu sein. Hier lesen und schreiben hilft schonmal sehr.

    LG Pink-Lady

    Vielen Dank, Pink-Lady. Ich bin davon überzeugt, dass es hilft. Ich hatte hier schon eine Weile gelesen, bevor ich mich entschloss, mich anzumelden. Denn egal, wie kontrolliert man ist, Sigmund Freud warnte: Das Ich ist nicht Herr im eigenen Haus.
    Viele Grüße

    Zitat von Contemplation


    Hast Du denn einen Plan wie es jetzt weitergehen soll? Meinst Du mit Deiner Disziplin schaffst Du es alleine? Und wie willst Du Deine nun neu geschaffene Zeit ausfüllen?

    lg Maik

    Hallo Contemplation,
    danke für deine Anfrage. Ich werde so weiter arbeiten wie bisher. Die Unterrichtung meines Enkels in vier Jahren und fünf Monaten ist zunächst das Primärziel. Tränke ich weiter, folgte Fettleberhepatitis, eventuell Zirrhose. Ein Unterrichten wäre dann nicht mehr möglich. Also muss ich abstinent sein. Ich habe mein ohnehin stark ritualisiertes Leben nur leicht modifiziert. Statt Bier um 12.30 Uhr gibt es Essen + 2 Gläser Wasser. Es gibt einige Speisen, vor denen es mich ekelt. Wenn ich an Alkohol denke, überlagere ich das Denken mit dem Denken an eine der Speisen. Dann habe ich sofort ein Ekelgefühl. So werde ich die Dekonditionierung weiterführen. Einkaufen ist mir ohnehin zuwider, Freunde habe ich nicht und "Saufkumpane" schon gar nicht. Mein Leben ist in dieser Hinsicht sozusagen per se risikominimiert.
    Viele Grüße

    Hallo,
    soeben wurde ich nach 15 Tagen Nüchternheit freigeschaltet. Es folgt die Vorstellung:

    Alkohol begleitet(e) mich seit meinem 15/16. Lebensjahr. Ich bin Asperger-Autist, mein Verhältnis zu anderen Menschen, ja zur Welt, war und ist sehr distanziert. Das "Gefühl" ist schwer beschreibbar, so als sei die ganze Welt einen Meter entfernt, alles wirkt wie ein Film, nicht real. Dazu kommt, dass ich nicht, wie andere, "klönen", "einfach so reden" kann. Mehr noch, ich ertrage es nicht, wenn das andere tun. Ich halte das vielleicht 5 Minuten aus, dann verlasse ich die "Quatscher". Auch wenn ich ausnahmsweise mal nicht allein spazieren gehe, gehe ich einfach weiter, wenn mein "Mitgeher" anfängt, mit irgend jemandem Small Talk zu halten. Ich kann nur über einen Gegenstand, der mich interessiert, disputieren/diskutieren. "Du warst wieder 'unmöglich', du kannst nur Vorträge halten" ist dann oft der Vorwurf. Sollte hier der eine oder andere Asperger-Autist mitlesen oder Forist sein, wird er das vielleicht verstehen.
    Die Schule, Universität waren für mich schwer erträglich, Gruppenarbeit, Mannschaftssportarten aller Art unerträglich. Allerdings war ich ein recht guter Schwimmer und spielte gerne Tischtennis und Badminton.

    Irgendwann fing die "Fetenzeit" an. Ich wurde eingeladen, ging aus Höflichkeit hin. Ich stand abseits. Ja, und dann entdeckte ich (leider!) eine "Medizin", die den Graben zwischen mir und der Welt vorübergehend schließen konnte: Alkohol. Nach ein paar Gläsern konnte ich tatsächlich auf Menschen zugehen, reden, ja sogar tanzen! Das war der Anfang. Ich fing an, die "Medizin" einzunehmen, wann immer ich es für nötig hielt. Ich trank exzessiv bei diesen Gelegenheiten und hatte am nächsten Tag einen schweren Kater. Die Trinkmenge nahm zu, die Abstände wurden kürzer. Weil ich mich und meine Existenz verabscheue, hatte ich nie die Motivation, das Trinken für mich aufzugeben. Vor einigen Jahren hatte sich mein Trinkverhalten vollkommen geändert. Ich trank nicht mehr exzessiv, im Gegenteil, ich wollte nicht mehr betrunken sein, trank jedoch jeden Tag exakt 4 Liter Bier. Viel zu viel natürlich.

    Vor drei Jahren wollte ich meine absurde Existenz auslöschen, habe jedoch überlebt. Ein missglückter Suizid. Nach dem Krankenhausaufenthalt hatte ich knapp sechs Monate nicht getrunken, hatte auch überhaupt kein Bedürfnis. Aber eines blöden Tages dachte ich, ach, jetzt ein kühles Helles...den Rest kennt jeder hier. Kurze Zeit später war ich wieder bei meinen vier Litern.

    Mein Trinkverhalten hatte sich noch einmal geändert. Ich trank ausschließlich in meiner Wohnung und nur, wenn niemand sonst anwesend war. Da ich zuhause arbeite, konnte ich meinen Trinkplan exakt einhalten: um 12.30 öffnete ich die erste, um 18.30 die letzte Dose. Um spätestens 20 Uhr ging ich ins Bett. Meine (erwachsenen) Kinder hatte ich gebeten, ihren Besuch immer einen Tag vorher anzukündigen, sodass ich vorbereitet war. Wenn sie doch einmal nach 12.30 (!) "spontan" kommen wollten, erfand ich einen dringenden Arztbesuch o.ä. An anderen Orten trank ich nicht. Auch wenn ich, was selten geschah, in ein Restaurant eingeladen wurde, trank ich dort Wasser, die Familie auch Wein oder Bier. Das hat mir nichts ausgemacht. Einmal hatte ich einen Gast bei mir für eine Woche. Auch in dieser Zeit hatte ich nie etwas getrunken, fühlte mich aber in den ersten 3-4 Tagen etwas "neben der Spur", Schwindelgefühl, "Watte im Kopf", aber kein Händezittern oder andere Beschwerden.

    Zunehmende Müdigkeit, Abgeschlagenheit, ständiges Völlegefühl und Druck im rechten Oberbauch ließen für mich keine Zweifel an einer Leberzellverfettung. Weil ich meinem Kind versprochen hatte, meinem Enkel Klavierunterricht zu erteilen, sobald er fünf Jahre alt ist (er ist 19 Monate alt), musste und wollte ich aufhören zu trinken. Das war vor 15 Tagen. Um 12.30 gibt es jetzt Essen, statt Bier. Bis jetzt ging es gut, ich habe nicht das geringste Bedürfnis zu trinken. Aber ich weiß natürlich, dass der gefürchtete "Saufdruck" droht. Und vor dem habe ich Angst. Deshalb bin ich hier.
    Vielen Dank fürs Lesen.