Beiträge von c2h5oh

    Zitat von RenateO

    Geht man davon aus das es sich hier um ein ,,krankhaftes,, Verhalten (Beziehungssucht/Coabhängigkeit) handelt,dann könnte man ganz böse sagen auch ein Alkoholiker (nass) wurde nicht mit Waffengewalt etc.zum Trinken genötigt ,auch dieser Weg war wohl ein anderer?

    Gruß R...

    Hallo RenateO,

    keineswegs ist das "bose gesagt". Es war der Trinker, der getrunken hat, niemand hat ihm das Suchtmittel gewaltsam eingeflößt. Er und nur er ist verantwortlich für die daraus entstandenen Schäden gesundheitlicher, finanzieller, sozialer und oft auch strafrechtlicher Art. Denn die Stadien vom Prodromal- bis zum chronischen Stadium der Trunksucht sind bekannt. Auch Hinweise zur maximal tolerablen Trinkmenge/Tag findet jeder, der finden will, in unzähligen Medien. Auch hier habe ich eine ausgeprägte Idiosynkrasie gegen Weinerlichkeit und Selbstmitleid. Wir sind durch eigene Schuld krank geworden. Wenn ich weiterleben will, muss ich das Trinken von Alkohol stoppen und wenn nicht jetzt, wann dann? Und wenn ich es nur für mich tue, wer bin ich dann?

    Gute Nacht.
    Jonas

    Zitat von RenateO


    Also wenn ,,Hepzibah,, all das erfahren hat was sie beschreibt ,ist sie sicher nicht übertrieben wehleidig.

    Die Frage, was jemand erlitten hat, ist nicht von so großer Bedeutung, auch Skiurlauber erleiden ja dieses und jenes. Die Frage, was jemand erleiden musste, ist entscheidend. Wurde die Foristin gewaltsam eingekerkert, geschlagen, gefoltert? Was musste sie denn erleiden? Sie konnte ihm kein Hausverbot erteilen? Keine Polizei am Ort? Und sie wurde mit Waffengewalt in seine Wohung getrieben, wo sie dann, das Gewehr auf sie gerichtet, putzen musste?

    LG Jonas

    Zitat von Uschi1987

    echt schade war am anfang echt gluecklich hier zu sein

    Wir sind nicht hier, um glücklich zu sein. Das wäre dann eine misslungene Übertragung (zu dem Freud'schen Begriff der Übertragung konsultiere bitte dein Buch), darüber hinaus kann das Forum so unter Umständen zum Suchtmittel werden.
    Wir sind hier, um (an uns) zu arbeiten mit dem Ziel, ein erfolgreicheres Leben zu führen als bisher. Die Arbeit besteht in erster Linie aus Diskussionen, fruchtbaren Streitgesprächen, dem Austauschen von Argumenten, von erlernten und approbierten Techniken, die der Geübtere dem Anfänger vermitteln kann. "Dampf ablassen" in der Vorstellung ist legitim, dann geht's an die Arbeit. Für Streicheleinheiten gibt es den Streichelzoo.

    LG Jonas

    Zitat von TimeIsAHealer


    also irgendwie hab ich auch das Gefuehl, dass das hier grade seltsame Zuege annimmt.
    Aber nun diese Richtung einzuschlagen ?

    Jonas, was veranlasst dich dazu das ganze in diese Richtung zu lenken?
    Aber das Ganze nun auf eine ganz andere Ebene zu katapultiern?

    Hallo TimeIsAHealer,

    ungewohnte Richtung, nicht wahr? Stell dir mal vor, ich würde mich im Suchtkranken-Forum so vorstellen (gekürzte Fassung....):

    Hallo, ich bin zwar kein Alkoholiker und mir geht's hier auch nicht um Alkohol, aber ich komme von meinem Kioskmann nicht los. Jeden Tag renne ich zu diesem Kioskmann , und der zwingt mich, eine Flasche Schnaps zu kaufen, die ich gar nicht kaufen will, aber dann doch kaufe, weil er sonst mit mir schimpft, aber eigentlich will ich keinen Schnaps kaufen, aber der Kioskmann, also hier kann sich keiner vorstellen, wie der mit mir schimpft! Nur damit er nicht schimpft, trinke ich den Schnaps, aber das hat mit dem Alkohol nichts zu tun, den ich gar nicht trinken will, überhaupt nicht, aber hier kann sich ja niemand vorstellen, wie der Kioskmann immer schimpft! usw.usf.

    So, jetzt kommt ein freundicher Beitrag und ein guter Rat:
    Herzlich willkommen, musst du denn ausgerechnet an diesem Kiosk vorbeigehen? Gibt's keinen anderen Weg?

    Aber der zwingt mich doch, eine Flasche Schnaps zu kaufen, die ich gar nicht kaufen will, aber dann doch kaufe, weil er sonst mit mir schimpft, aber eigentlich will ich keinen Schnaps kaufen, aber der Kioskmann, also hier kann sich keiner vorstellen, wie der mit mir schimpft! Nur damit er nicht schimpft, trinke ich den Schnaps, aber das hat mit dem Alkohol nichts zu tun, den ich gar nicht trinken will, überhaupt nicht, aber hier kann sich ja niemand vorstellen, wie der Kioskmann immer schimpft! Eine anderen Weg gehen, ja, aber ich komm ja gar nicht los von diesem Kioskmann, und wie der schimpft, wenn ich den Schnaps nicht (...)

    100 Seiten weiter:

    aber eigentlich will ich keinen Schnaps kaufen, aber der Kioskmann, also hier kann sich keiner vorstellen, wie der mit mir schimpft! Nur damit er nicht schimpft, trinke ich den Schnaps, aber das hat mit dem Alkohol nichts zu tun, (...)

    Ob die Larmoyanz in diesem Thread nun nachlässt? Ich vermute es.

    LG Jonas

    Zitat von RenateO

    Hallo Carpenter
    Auch ich bitte darum das die ,,trockenen sich hier Gehör verschaffen.,,
    Ich wäre heute nicht da wo ich bin (positiv).

    Hört, hört, wohl gesprochen. Ich verstehe schon, dass heutzutage Begriffe wie "Liebestollheit", "(se*uelle) Hörigkeit", "Lüsternheit", Begriffe, die noch Eugen Bleuler sich nicht genierte zu verwenden, nicht mehr en vogue sind. Da fehlt der fachmännische Schmiss und vor allem die Möglichkeit der Selbst-Entschuldung. Und so viel Mitleid gibt's auch nicht zu ernten. Außerdem sind die Wörter unfein (geworden), und man schämt sich ja doch ein bisschen für diese Sorte Abhängigkeit. Also schiebt man die Verantwortung für diese "Ungehörigkeit" auf das Suchtmittel des Partners. Dann ist man nämlich schicker Co-Abhängiger. Das hört sich schon besser und sauberer an. Und alle heulen mit.

    Mir tut es leid um die echten Co-Abhängigen, die Komplizen der Sucht werden, Stellvertreter des Süchtigen, so denken und handeln wie er, für ihn die Sucht nach außen verleugnen, verharmlosen, für ihn lügen, manchmal sogar betrügen und stehlen. Aber diese Kranken heulen hier auch nicht rum. Die wollen sich wirklich aus dieser Sucht, von dieser Krankheit befreien.

    LG Jonas

    Zitat von Uschi1987

    Ich verstehe das allerdings auch nicht....Wir stehen bestimmt nicht auf Schmerzen ganz im Gegenteil. Wir kommen nur nicht davon weg irgendwas hält uns. Unsere Co-Abhängigkeit.

    Hallo Uschi1987,

    nachdem ich hier in diesem Subthread aus dem Staunen nicht herauskomme: was genau verstehst du unter Co-Abhängigkeit? Was genau bedeutet das "Co" in dieser Abhängigkeit?

    LG Jonas

    Zitat von Hepzibah

    ähm...masochistin????....ich?????...masochisten sind menschen die den schmerz lieben...also ich liebe den schmerz ganz sicher nicht...weder körperlichen noch seelischen...ich liebe es auch nicht gedemütigt zu werden.

    Ich glaube nicht, dass du weißt, was Masochismus ist. Und wenn Anteile(!) deiner Persönlichkeit den Schmerz und die Demütigung nicht liebten, wärest du längst weg oder hättest juristische Schritte gegen den Quälenden eingeleitet. Wenn du diese unterlassenen Schritte damit begründest, dass du "nicht von ihm loskommst", also vom dich Quälenden nicht loskommst, bestätigt das meine Annahme.
    Mein Rat nochmal: Vertraue dich einem Arzt an.

    LG Jonas

    Zitat von Hepzibah

    oh nein...ich will hier nicht nur rum jammern...ich möchte euch momentan ja nur nahelegen was hier abgeht...wie er mit mir umgeht und rumspringt...(usw.)

    Hallo Hepzibah,

    das alles konnte jeder deinem ersten Beitrag entnehmen. Mit "Co-Abhängikeit" hat auch deine Geschichte überhaupt nichts zu tun. Wenn der Mann, dem du hörig bist (so schön unverblümt nannte man das einmal) nicht tränke und dich nüchtern quälte, wäre es dann anders? MasochistenInnen "hassen" sich auch, können aber nicht anders, weil Qual und Lustgewinn alliiert sind, und so manche Sklaven wollen befreit sein, lieben aber auch ihre Ketten. Du kannst zwar tun was du willst, aber du kannst nicht wollen, was du willst...
    Vertraue dich einem Arzt, und Stalking ist strafbar. Ruf die Polizei, wenn er dich belästigt. Kannst du nicht? Eben.

    LG Jonas

    @Frank

    Guten frühen Morgen,
    meine Töchter warten auf den Kriminalroman, deshalb sitze ich hier schon seit einiger Zeit. Ich möchte versuchen, dir eine erste Methode des strukturellen Musikhörens zu beschreiben und näherzubringen, die ohne Noten- und andere Grundkenntnisse auskommt. Das Notenlesen und -schreiben ist übrigens sehr einfach zu erlernen, das lernst du wie ein dir fremdes Zeichensystem einer Sprache.
    Zu dieser ersten Einführung nehmen wir eine Bachfuge, etwa die C-Dur-Fuge aus dem 1. Teil des Wohltemperierten Klaviers. Das ist eine 4-stimmige "einfache" Fuge. "Einfach" bedeutet, dass sie nur ein Subjekt (Fugenthema) enthält, sonst spricht man von Doppel-, Tripel- oder Quadrupelfuge.

    Wir konzentrieren uns zunächst nur auf das Fugenthema (Dux), das die Fuge einleitet. Spiel dieses Thema solange, bis du es dir gut eingeprägt hast. Die einzelnen Töne bewertest du mit lang, kurz, nach oben führend, nach unten führend. Dann hörst du ein Stück weiter. Du stellst fest, dass das Thema auf einer anderen Tonstufe (5 Töne höher = Quinte) wiederholt wird, während das Ursprungs-Thema zum "Begleiter" (Comes) wird. Höre zunächst wiederholt nur das Zusammenspiel der beiden Stimmen. Wie bewegen sich die Stimmen? Parallel? Bewegt sich eine eine nach oben, die andere nach unten? Wenn du dir ein klares Bild der Stimmenbewegung gemacht hast, höre wieder etwas weiter. Das Thema setzt erneut ein, dieses Mal wieder in der Grundtonart (nur tiefer). Jetzt versuchst du, die Führung der drei Stimmen zu erfassen. Wieder versuchst du zu ermitteln, welche Bewegungen zwischen den drei Stimmen stattfinden. Es setzt dann die vierte und letzte Stimme mit dem Thema wieder 5 Töne verschoben ein, aber für die erste Hörstunde ist das genug. Nach dieser konzentrierten Hörarbeit gönne dir die ganze meisterhafte Fuge. Du wirst vielleicht überrascht sein, dass du "so ganz nebenbei" einige der fugeneigenen Abenteuer erlebst (aha, wieder das Thema, aber dieses Mal in Moll...mhm, wird da das Thema etwa gespiegelt? Huch...die Symmetrie passt genau zu den anderen Stimmen).

    Was mir eine (gute) Fuge so wertvoll macht: sie stellt die Regeln selbst auf, die sie dann befolgt.

    LG Jonas

    Prinzessin?

    Entschuldige, ich habe dich wohl mit einer anderen Foristin verwechselt.

    Carpenter ,

    einverstanden. Ich lebe allein, habe aber ab und zu meine Töchter angelogen, die mich nach 12.30 Uhr (Bierritual bis 18.00Uhr) besuchen wollten. Ich schäme mich sehr für jede dieser Lügen. Jetzt können sie mich besuchen, wann sie wollen, natürlich mit Voranmeldung, denn "spontane" Besuche mag ich überhaupt nicht. Das wissen sie aber. Endlich kann ich ihnen "gut tun".

    LG Jonas

    Zitat von Prinzessin?


    Wünsche allen hier einen so guten Austausch, wie er mir zuteil wurde, und - allen auch die Stärke und das Selbstbewusstsein, zu unterscheiden, was einem guttut und was auch nicht!!!

    Deine Empörung resultiert aus deiner tiefen Menschlichkeit und einem Moralverständnis, das ich teile. Wer sind wir denn? Wir haben jahre-, oft jahrzehntelang rücksichtslos und egoistisch nur an uns und an unser Suchtmittel gedacht, haben Leid über die Familie gebracht. Jetzt haben wir unserem jämmerlichen, selbstsüchtigen(!) Leben eine bessere Richtung gegeben und sollen wieder egoistisch nur an uns denken - nur ohne Suchtmittel, sollen aussuchen, wer uns gut tut und wer nicht. Diese Frage stelle ich mir gar nicht. Ich versuche endlich, einmal denen gut zu tun, die (mutmaßlich) unter mir leiden mussten. Ich bin schuldig geworden, nicht die anderen. Die haben mich und meine Sucht ertragen müssen.

    LG Jonas

    Zitat von garcia


    Ich geh also mal auf Perlensuche und halte dich auf dem Laufenden was dabei herumkommt...

    Hallo garcia,

    da freue ich mich schon drauf. Was das Fachwissen angeht, sorge dich nicht. Du leidest an deinen mangelnden Kenntnissen. Das wird dich zum Glück nicht ruhen lassen. Du wirst gute Radioprogramme (kannst du BBC Radio 3 empfangen?) nach Einführungen mit Hörbeispielen durchsuchen, dir anderes einführendes Material "von der Gregorianik bis Varèse" besorgen und dich langsam bis zu differenzierteren Werkanalysen durcharbeiten. Du bist ein Mensch, der aufs Ganze geht. Das schätze ich an dir.

    LG Jonas

    Hallo schnuffig,

    Trostworte, wenn sie nicht zur Floskel verdünnt und dadurch unerträglich werden, sind nur schwer zu finden, denn sie versuchen auszudrücken, was sich der sprachlichen Bewältigung entzieht. Deine Freundin hat ihren Tod selbst gewählt. Nach Jean Améry der einzig autonome Akt innerhalb es heteronomen Lebens: Hand an sich legen. So auch der Titel seines wunderbaren Essays, den er schrieb bevor er Hand an sich legte.
    Ich wünsche dir, dass du trauern kannst.

    Liebe Grüße
    Jonas

    Zitat von engelchen1470

    (...),vor allem wenn ich heute denke,der Mensch tut mir nicht gut,und am nächsten Tag denke ich ich brauche ihn doch und er tut mir gut.Ach Gott schick Hirn vom Himmel und hilf mir bitte.
    lg Tine

    Hallo engelchen1470,

    mir fällt auf, dass du Menschen (deiner Umgebung) wie Drogen/Medikamente behandelst, die dir "gut tun" oder auch nicht. Ich lasse mich hier einmal auf diese Verdinglichung ein: Dann macht "die Dosis das Gift". Vielleicht gibt es Menschen in deiner Umgebung, mit denen du gerne eine Stunde wohltuend plauderst, aber mit denen du niemals zusammen in den Urlaub fahren würdest. Das ist völlig normal. Vielleicht hilft es dir, jedem Menschen in deiner Umgebung einen für dich "angenehmen Zeitraum des Zusammenseins" auszuloten. Mit "Max" klöne ich gerne mal, mit "Moritz" könnte ich mir ein gemeinsames Wochenende vorstellen usw.

    LG Jonas

    Zitat von schnuffig

    Hallo Jonas!

    Da bist du der erste und einzige, der je sowas zu mir gesagt hat. Deswegen bin ich so ruhig.
    Kannst du beschreiben wie du hörst? Das würde mich sehr interessieren.

    Hallo schnuffig,

    als auditiv-motorischer Typ wandere ich beim Musikhören (nicht nur dabei, auch wenn ich über etwas spreche, und wenn ich schreibe oder komponiere, stehe ich immer wieder auf und wandere) eine bestimmte Strecke in meinem Arbeits- und Musikzimmer. Diese 4m lange Strecke muss immer frei bleiben dafür. Ich höre vertikal von unten nach oben, höre das Werk von der Bass- zur Sopranstimme durch. Es geschieht, dass ich bei besonders guter Stimmführung oder einem guten musikalischen "Einfall" in ein kurzes "Juchzen" ausbreche oder ein "Honigkuchenpferdgrinsen" sich (wohl) zeigt, dazu gesellen sich "Schauer" und "Gänsehaut". Auch zu bestimmten Tonarten habe ich ein innigeres Verhältnis als zu anderen. Das mag aber mit Werken zu tun haben, die mein Vater spielte, als ich noch ein kleines Kind war.
    Fachwissen erweitert das Höruniversum, aber am Anfang stehen Ergriffenheit, "Gänsehaut", Faszination.

    LG Jonas

    Zitat von Nys

    (...) Es kann aber sein, daß mich eine berechtigte Kritik, ein Mißverständnis oder eine abfällige Äußerung oder eine Enttäuschung von jedem Selbstwertgefühl abschneidet.
    Ich reagiere verletzt und habe den Wunsch ebenfalls zu verletzen. Äußerlich kann ich mich gut beherrschen. Aber innerlich bin ich dann sehr aufgewühlt und kann mich nur schwer wieder finden. Je näher mir der Mensch steht, der mich verletzt hat um so schwieriger wird die Beherrschung nach außen. Oft ist mein Gegenschlag dann sehr verletzend und trifft mit großer Zielsicherheit die empfindlichste Stelle des anderen.

    Ich denke ein Mensch mit Selbstliebe schüttelt sich einmal kräftig und
    hat eine nachdenklichen Moment - dann geht er zur Tagesordnung über.

    Hallo Nys,

    du hast diesen Sachverhalt gut beschrieben. Ich möchte dir ein wenig Theorie liefern, ohne sie hier zu sehr zu vertiefen. Dieses "Rüstzeug" hilft dir vielleicht bei der Selbstanalyse.
    Wir unterscheiden Objekt- und Beziehungsebene. Jede Kommunikationen spielt sich auf diesen Ebenen ab, vollkommen zu trennen sind sie nicht. In guter Russell'scher Tradition verwende ich Beispiele:
    Dein Vorgesetzter kritisiert eine deiner Arbeiten und wünscht sich von dir eine Korrektur dieser Arbeit. Auf der Objektebene geht es tatsächlich nur um diese Arbeit. Bleibst du strikt auf dieser Ebene, nickst du, sagst etwa, ja, ich erkenne meine Fehler und werde sie beheben. Auf der Beziehungsebene jedoch fühlst du dich (schwer) gekränkt. Wichtig nochmal: vollkommen zu trennen sind die Ebenen nicht. Watzlawick hat ein amüsantes Beispiel angeführt: die frisch getraute Ehefrau kocht zum ersten Mal für ihren Mann und sieht ihn erwartungsvoll an. Das Essen ist grauenhaft, sagt der Gatte, aber ich bin dir so dankbar, dass du es für mich gekocht hast...
    Deinem Beitrag entnehme ich, dass du Objekt- und Beziehungsebene gar nicht auseinander halten kannst und sogar zur Deckung bringst und jede Kritik Vernichtungsangst bei dir auslösen kann. Diese Angst mündet oft in Zurückschlagen, wenn möglich, oder Flucht, wenn das nicht möglich ist.
    Vielleicht kannst du diesen Ansatz nutzen, um dir ein wenig Klarheit zu verschaffen, ob bei einer Kritik tatsächlich Nys, der Mensch, gemeint ist.

    LG Jonas

    Zitat von schnuffig

    Ich glaube du tippst mir nicht mit dem Zeigefinger an die Stirn, deswegen denke ich jetzt laut.

    Hallo schnuffig,

    nein, ich tippe ganz und gar nicht mit dem Zeigefinger. Die beschreibst eine zauberhafte Synästhesie. Wusstest du, dass Robert Schumann unterschiedliche Farben bei unterschiedlichen Tonarten sah? Deine präzise Beschreibung der Räume, Bewegungen, deiner Gemütszustände, die du mit bestimmten Werken verbindest, ist für mich außerordentlich faszinierend.

    Liebe Grüße
    Jonas

    Zitat von Carpenter


    (...)sobald mir etwas ungerecht vorgekommen ist, hab ich das sofort angesprochen...und meistens gings dabei nicht um mich selbst, sondern um andere, die mMn. ungerecht behandelt wurden...diese Vorgehensweise hat mich schon öfters in unschöne Situationen gebracht, aber das hat mich nie gehindert, es wieder zu tun. Während andere sagen "Laß das mal deren Sorge sein" stürze ich mich sozusagen grade recht darauf...

    Hallo Carpenter,

    in diesen Zeiten, wo Überinformiertheit und Un- oder Halbwissen eine unheilige Allianz eingehen, wird alles gerne pathologisiert."Buzz words" werden irgendwo aufgeschnappt und halb verdaut als Wissen weitergetragen. O tempora...
    Wer mehr hilft oder helfen will als der Durchschnitt, hat natürlich das "Helfer-Syndrom" und will nur eigene Defizite kompensieren. So mancher Leidende oder Verfolgte wird froh (gewesen) sein, dass es das gibt, dieses "Helfer-Syndrom".
    Vielleicht bist du nur ein anständiger Mensch, der sich gegen Ungerechtigkeit auflehnt, sie möglichst abschaffen will. Und auch, wenn du selbst in Fesseln bist, kannst du Freunde ein Erlöser sein, sag ich mit Nietzsche. Lass dich nicht dumm machen.

    LG Jonas

    Zitat von schnuffig

    Aber wenn Fafner kommt verlangsamt sich mein Herzschlag. Wenn Siegfried stirbt, dann schlägt mir die Musik von innen gegen den Magen und drückt ihn zusammen. Hätte ich was in der Hand würde ich es fallen lassen. (Ein Teller hab ich deswegen eh weniger) und wenn das Ende kommt, verlasse ich mit der Musik die Erde und spüre den Tod und die Geburt eines Sternes.
    Um den Ring zu hören brauche ich alles was ich bin. Für das andere reicht ein Bein oder ein wenig Herz.

    Liebe Grüße

    Hallo schnuffig,

    ich habe selten so etwas Schönes und Treffendes(!) gelesen. Du hast eine Beziehung zu Musik, die meiner nicht unähnlich ist. Auditiv-motorisch wie ich schießen auch bei dir Schlag (Primat bei Strawinsky) und Atem (Primat bei Schönberg) zusammen.

    Liebe Grüße
    Jonas

    Zitat von Carpenter


    entschuldige, daß ich Dich schon wieder nerve.
    Ich habe gestern etwas in Deinem Thread gelesen und mir ist aufgefallen, daß auch ich diese Unfähigkeit habe, über Themen zu reden, die mich nicht interessieren, die mich nicht weiterbringen. Smalltalk mochte ich noch nie, muß ihn aber aufgrund meiner Selbstständigkeit doch ab und zu abhalten. Ich merke dann immer eine gewisse Ungeduld, will nur noch weg und bin unheimlich froh, wenn da Ganze dann vorbei ist und ich mich wieder meiner Arbeit widmen kann...mein Vater ist da übrigens ganz genauso gestrickt. (...)

    Hallo Carpenter,

    du nervst mich überhaupt nicht. Ich habe deine Beiträge gelesen. Du bist insgesamt ein geselliger Mensch, wobei du dich, wie du schreibst, freuen würdest, öfter einmal allein sein zu dürfen. Wir können das Thema (Asperger-)Autismus hier selbstverständlich nicht vertiefen. Wenn du selbst den Verdacht hast, dass du eventuell neurotypisch mit aspergerischen Zügen sein könntest: du findest im Internet einen Fragebogen von einem renommierten Institut dazu (150 Fragen). Die Auswertung beschreibt das Verhältnis von neurotypischem und aspergerischem Persönlichkeitsanteil, eine Verdachtsdiagnose bekommst du auch (dass sie eine ärztliche Diagnose nicht ersetzt, versteht sich von selbbst). Ich werde hier natürlich keinen Link posten, aber so schwer ist die Seite nicht zu finden. Auch gibt es einige Online-SHGn, deren Aufsuchen du nach der Auswertung in Erwägung ziehen kannst.

    LG Jonas