Hallo Katha,
ich nehme das mal mit rüber zu Dir, okay ?
"Guten Morgen Andreas,
eine reale Gruppe ist nicht mit dem I-Net vergleichbar. Ich würde nicht mein Leben darauf verwetten, bin aber doch davon überzeugt, dass in der Anonymität des Online-Lebens sehr viel mehr Betroffene einfach sang- und klanglos wieder in der Versenkung verschwinden und somit weitere Runden drehen müssen.
Es kommt natürlich auch auf Dein privates Umfeld an: Du hast offensichtlich Deine Familie, Deine Freunde und hast Dich diesen Menschen gegenüber öffnen können. Nach dem, was ich von Dir gelesen habe, hast Du dein Leben nicht großartig umstellen müssen, sondern hast nahezu dieselben Unternehmungen mit denselben Menschen wie früher gestartet, nur eben jetzt ohne Alkohol.
Es gibt aber viele Menschen, die wegen ihrer Alkoholsucht total isoliert sind und auch keine Familie mehr haben oder zumindest nicht in ihrer Nähe. Da ersetzen die realen Gruppenmitglieder zunächst die sozialen Kontakte und Du fühlst dich einfach dort gut aufgehoben, weil alle dasselbe Ziel haben. Die Gruppendynamik trägt dazu bei, dass man sich eben nicht selbst aus dem Auge verliert, wenn Jemand am Anfang mit einer Fahne aufläuft.
Es ist ein Gemeinschaftsgefühl, das in der anonymen Internetwelt oft fehlt, weil geschriebene Worte die menschliche Begegnung nicht ersetzen können.
Tatsächlich habe ich in all den Jahren noch nie erlebt, dass Jemand rückfällig geworden ist, weil ein Anderer schwächelte, im Gegenteil: Es bestärkte die anderen Gruppenmitglieder nur in ihrer erklärten Absicht, weiterhin auf ihrem Weg zu bleiben und ein abstinentes Leben zu führen. Schwer zu verstehen sicherlich für Jemanden, der nie eine reale Gruppe besucht hat."
Liebe Katha,
ich kann Dein Plädoyer für die reale SHG schon nachvollziehen und Du hast insofern natürlich recht, daß das Internet keine persönlichen Ansprechpartner ersetzen kann.
Selbst Deine These, daß man in der Anonymität des Internets vielleicht eher wieder versumpft, will ich gar nicht mal anzweifeln.
Dann einigen wir uns doch einfach drauf, daß eine echte SHG für viele Menschen hilfreich sein kann, sei es, weil man dort gleichgesinnte Menschen trifft, sei es, weil man dort überhaupt Menschen trifft (sprich soziales Umfeld) oder was auch immer.
Nun habe ich von Anfang an hier geschrieben, daß ich ein Mensch bin, der selbst verinnerlichen muß, um was es geht. Wenn die Hürde mal genommen ist, dann geht bei mir alles...oder zumindest fast alles. Die Hürde muß und kann ich aber nur alleine nehmen, das kann keiner für mich erledigen. Wenn die Hürde mal genommen ist, dann bin ich auch bereit, Hilfe oder Ratschläge anzunehmen.
Und aus dieser Erfahrung heraus weiß ich ganz genau, daß eine reale SHG wie bei Eni geschildert bei mir eher kontraproduktiv gewesen wäre...die Tatsache, daß da ein nasser Alkoholiker sitzt und behauptet, nicht getrunken zu haben, ohne daß ihm irgendjemand widerspricht, hätte bei mir nen Fluchtreflex ausgelöst. Da hätte mein Verstand ganz klar gesagt: Das hier soll Dir weiterhelfen ? Das kannste knicken.
Nun bin ich ja ich und Gott sei Dank nicht jeder, insofern bin ich mit meiner Meinung und Einstellung vielleicht sogar eher die Ausnahme...das soll letztendlich bewerten, wer will.
Ich weiß nur, daß ich für MICH bewerten muß, was für meine Abstinenz gut ist und was nicht...und das hab ich in meinem Beitrag getan. Ist ja nicht so, daß ich Eni geschrieben habe "Nix wie weg da" 
Schönen Gruß und schöne Zeit
Andreas