Beiträge von Carpenter

    Moin Correns,

    das hast Du schön auf den Punkt gebracht. Manche Defekte kennt man noch nicht einmal...vermutlich deshalb, weil sie gar nicht als Defekte zutage treten.
    Und ich persönlich bin kein Freund davon, sie auch noch zu suchen.
    Mir reichen schon die Defekte, die ich deutlich an mir wahrnehme :)

    Sich für deren Beseitigung Zeit zu nehmen, halte ich für eine vernünftige Methode. Man kann nicht alles auf einmal anpacken.

    Wichtig ist, wie beim Lauftraining auch, daß man sich erst mal auf den Weg macht.

    Wenn ich Dir jetzt schreibe, daß ich am Freitag wieder gekickt habe und die Oberschenkelzerrung wieder aufgebrochen ist, wirst Du vermutlich den Kopf schütteln. Völlig zurecht. Langsames Lauftraining dürfte aber möglich sein und das werd ich heut abend, wenn es wieder unter 25 Grad hat, testen.

    Schönen Gruß zurück

    Andreas

    P.S.: Mitläufer ist ein schönes Wort, kann man es ja quasi im doppelten Sinne benutzen :)

    Moin Manni,

    als Kind der Spätsechziger fällt es Dir vermutlich eh schwer, Dich überhaupt an irgendwelche Regeln zu halten, oder ? :)

    Ich kann einige Punkte durchaus nachvollziehen. Und ich bin mir sicher, daß Dein Weg bei dem ein oder anderen auch funktionieren kann.

    Mich würde es durchaus freuen, weiter zu lesen, wie es Dir so ergangen ist.

    Es ist trotzdem ne riskante Sache, jemanden relativ leichtfertig nen Ratschlag zu geben, der vielleicht nur bei einem selbst funktioniert. Ich kann Deine Motivation durchaus verstehen. Aber schau doch erstmal, ob Dein Weg funktioniert, bevor Du anderen Usern denselben Weg rätst. Denn einiges hat dieses Forum ja wirklich gezeigt...der hier eingeschlagene Weg funktioniert...diejenigen, die nur über den eigenen Willen trocken werden wollten, hat man hier dagegen nicht so sehr lange lesen dürfen.

    In dem Sinne würde es mich freuen, weiterhin von Dir zu lesen. Hau in die Saiten...bist doch Gitarrist, oder ? :)

    Schönen Gruß und schöne Zeit

    Andreas

    Hallo Jürgen,

    freut mich natürlich, daß Du meine Entwicklung positiv einschätzt. So ähnlich haben sich auch schon andere Menschen geäußert, wieder andere haben dagegen ne Negativentwicklung ausgemacht...vermutlich die, die nur den nachgiebigen, geselligen und gutmütigen Andreas kennen :)

    Aber das Bild, das man hier im Forum abgibt, ist natürlich nur ein Fragment, insofern ist eine echte Einschätzung schwierig. Ich seh mich noch nicht soo viel weiter, aber ich merke, daß ich in Bewegung bin. Und das ist mir letztendlich wichtig. Ich wollte nie von heute auf morgen ein besserer Mensch sein, eigentlich wollte ich nur nicht mehr saufen. Nun, wir beide wissen, daß es so nicht läuft :)

    Ich komme gerade von einem Altherrenspiel (Fußball) und da ist Alkohol natürlich immer ein Thema. Da wird sich zwar nicht zugesoffen, aber die meisten Kicker trinken nach dem Spiel schon ihre zwei, drei Bier.
    Mir dagegen geht es nicht mehr um diese Geselligkeit nach dem Spiel, mir geht es ums Spiel selber. Danach dusche ich und bin ruckzuck verschwunden...nicht aus Angst, ich könnte mich auch wieder zu den Trinkenden gesellen, sondern einfach, weil es mir richtig erscheint und ich gar keinen Bock mehr auf diese "dritte Halbzeit" habe. Es ist für mich inzwischen eine ganz normale Sache...ausgerechnet ich, der früher fast immer als Letzter gegangen ist und ganz sicher als Erster sein Bier auf dem Tisch stehen hatte.

    Es kommt mir fast so vor, als wäre das in einem anderen Jahrhundert gewesen...ewig her.

    Schönen Gruß und schöne Zeit

    Andreas

    Hi Nys,

    vielen Dank erstmal für Deine Anteilnahme. Ich erlebe immer wieder, daß Menschen kaum Verständnis dafür aufbringen, weil man um ein Tier trauert. Für viele Menschen haben Tiere keinen Wert. Ich dagegen beurteile Menschen auch danach, welchen Stellenwert Tiere bei ihnen einnehmen.
    Viel Verständnis ernte ich damit nicht, aber das ist mir relativ egal. Ich habe da meine Prinzipien und jemand, der einem Tier gegenüber keinen Respekt aufbringt, braucht auf meinen auch nicht hoffen.

    Zum von Dir heute angesprochenen Thema:

    Als ich die Entscheidung traf, mit dem Saufen aufzuhören, hatte das mehr Konsequenzen als nur den, den Alkohol wegzulassen. Eine weitere Konsequenz daraus ist z.B., daß ich nicht mehr lüge. Man kann sich inzwischen zu 100 % auf das verlassen, was ich sage und was ich nicht sage. Stets sagen würde ich z.B., wenn ich nen Rückfall hätte. Nun ist es aber so, daß ich seit meiner Abstinenz schon viele unschöne Erlebnisse hatte...Ehekrise, Firmenkrise, Verletzungen, Todesfälle und und und. Und zu keinem Zeitpunkt hatte ich den Eindruck, ich müßte jetzt wieder saufen...dementsprechend hab ich seit Dezember 2012 auch nie wieder Alkohol konsumiert.

    Ich hoffe, das beantwortet Deine Frage.

    Schönen Dank nochmal für die tröstende Worte. Sie haben mir gut getan.

    LG Andreas

    Hallo Forum,

    im erweiterten Bereich hab ich angefangen, meine Tiere einzeln etwas vorzustellen...seit gestern vormittag sind es deren nur noch drei. Meine kleine Spanierin hat nun ein halbes Jahr hart gekämpft, sich trotz ihres hohen Alters immer wieder berappelt, aber gestern war sie mit ihren Kräften dann endgültig am Ende. Wir mußten eine Entscheidung treffen, von der man weiß, daß sie irgendwann getroffen werden muß, die einem aber immer wieder aufs Neue sehr schwer fällt.

    Gestern abend haben wir also unsere kleine, spanische Diva in Ihrem massiven Holzsärgchen mitsamt ihrer Lieblingsdecke, ihrem Lieblingsspielzeug und ihrem Halsbändchen an einem passenden und freundlichen Ort begraben. Punktgenau zum letzten Spatenstich haben im Dorf die Glocken geläutet...eine fast feierliche Beisetzung also, die aber die Trauer im Haus kaum mindern konnte.

    Trauriger Gruß

    Andreas

    Hallo Nys,

    doch, auch die Menschheit lernt aus der Geschichte...zumindest ein Teil der Menschheit...aber eben nicht alle.

    Ähnlich dürfte es sich mit einzelnen Personen verhalten. Einige lernen dazu, andere nicht. Das ist ganz normal.

    Vielleicht sollte man hier weniger von Ratschlägen reden als von Erfahrungen, die man selbst gemacht hat. Die sind oft nicht geeignet, um als Ratschläge durchzugehen. Sie zeigen letztendlich nur, wie das bei anderen Menschen abgelaufen ist. Das heißt noch lange nicht, daß dies der Weg für einen selbst sein muß. Jeder Weg ist anders. Aber etwas Input kann nie schaden und jede Erfahrung, die man hier liest, kann wertvoll sein...muß sie aber nicht.

    Für mich gehört das Lesen und Schreiben hier zu meiner Trockenarbeit. Allein die Tatsache, daß ich mich mit der Problematik täglich befasse (das muß nicht intensiv sein, manchmal reicht es einfach, sich wieder vor Augen zu führen, was einen hierhergeführt hat), hilft mir. Genaugenommen zunächst mal ein zutiefst egoistischer Grund. Daß hier natürlich auch User schreiben, die man gerne liest und deren Posts einem fehlen würden, kommt dann noch dazu.

    Ich habe so ein bißchen das Gefühl, daß Du etwas in einem Loch hängst, vielleicht auch zu viel hinterfragst. Das ist nicht weiter schlimm, wenn man sich das bewußt macht. Manchmal ist das Leben einfacher als das, was man draus machen will.

    Und was das kleine Mädchen betrifft...wir hatten ja noch vor kurzem den kleinen Jungen bei mir zum Thema. Ich wäre wirklich froh, wenn ein Teil von dem kleinen Jungen auch noch mit 65 in mir steckt. Ich muß nicht mit Gewalt reifer und älter werden, nur weil mir mein Alter das diktiert. Und abgesehen davon müssen auch große Mädchen nicht alles mit sich selbst ausmachen...wer behauptet denn sowas ? Der Mensch ist nicht per se als Einsiedler geboren, der sein Leben nur mit sich selbst ausmachen sollte. Der Mensch braucht andere Menschen...und selbst, wenn die nur in einem Forum schreiben, kann man seine Sorgen und Nöte ab und zu mit ihnen teilen und ihnen gleichzeitig dabei helfen, ihre zu Sorgen und Nöte etwas abzuschwächen. Ich finde das nicht seltsam, sondern natürlich. Und es funktioniert...

    Schönen Gruß und schöne Zeit

    Andreas

    Zitat von Nys

    Ergo abwarten bis ich was forum-taugliches von mir geben kann ohne in der Psychologen-Ecke zu landen.

    LG Nys

    Hi Nys,

    ich lese lange genug bei Dir, um daraus zu schließen, daß Du trotzdem etwas angefressen bist. Dafür gibt es aber keinen Grund.

    Nochmal:

    Ich freu mich über Deine Beiträge bei mir, egal, ob nun aus der Psychologen-Ecke oder nicht.

    Lieben Gruß

    Andreas

    Hallo Correns,

    ich bin ziemlich schmerzresistent, zumindest was den körperlichen Schmerz betrifft. Und eine Oberschenkelzerrung ist vom Gefühl her ein Kindergeburtstag gegen einen Schlüsselbeinbruch. Wenn ich Dir jetzt erzähle, daß ich mit 16 oder so mal ne komplette Halbzeit mit nem Schlüsselbeinanbruch durchgekickt habe, dann klingt das vielleicht etwas unglaubwürdig...ist aber tatsächlich so passiert.

    Körperlicher Schmerz ist für mich komischerweise keine Abschreckung und hält mich irgendwie nicht davon ab, dieselben Dinge nochmal zu versuchen. Das hat sich schon sowohl positiv als auch negativ ausgewirkt.

    Auf meinem Grabstein sollte v.a. eins nicht stehen: Er hatte kaum Spaß im Leben :)

    Umso schöner, wenn man herausfindet, daß man Spaß auch gänzlich ohne Alkohol haben kann...und sich am nächsten Tag auch noch dran erinnert :)

    Schönen Gruß zurück

    Andreas

    Hallo Hartmut,

    ich habe irgendwie das Gefühl, daß wir zwei uns gar nicht so unähnlich sind...nicht nur frisurtechnisch :)

    Hoffe, das war jetzt keine Beleidigung *hehe*

    Schönen Gruß

    Andreas

    Hi Nys,

    ich misch jetzt mal Deinen Eintrag hier bei mir und bei Dir selbst etwas durch.

    Ich find es gut, daß Du versuchst, hinter die Fassade zu blicken, tiefer zu gehen, zu ergründen, warum und wieso.
    Und ich freu mich sehr drüber, daß Du Dir die Mühe machst und Dir auch zu mir ein paar Gedanken machst. Das ist lieb von Dir.

    Es ist aber auch nicht so, daß ich mir gar keine Gedanken gemacht habe, nachdem ich mit dem Saufen aufgehört habe. Ich habe viele Dinge hinterfragt, einige Dinge geändert, allerdings nicht alles in Frage gestellt und nicht alles umgeworfen. Auf den Prüfstand kam so ziemlich alles, aber nicht alles hab ich bis ins letzte Detail aufgedröselt.

    Es gibt Verhaltensweisen an mir, die für mich schon typisch waren, als ich noch nicht gesoffen habe...und einige davon hab ich mir erhalten. Wenn ich jemanden etwas zugesagt habe, dann war es für mich eine Selbstverständlichkeit, dies auch einzuhalten. Das hat sich nicht geändert. Geändert hat sich dagegen, daß ich nicht mehr jedem und allen etwas zusage. Ich bin da wählerischer geworden, meine Zusagen haben sich stark reduziert. Ich lösche nicht mehr jeden Brand, ich suche mir die Brände gezielt aus...Brände, von denen ich denke, daß zu löschen sie wert sind. Und die lösche ich dann intensiver.

    Was sich auch nie ändern wird, sind Spontanaktionen von mir, die man von mir manchmal nicht erwartet. Die Tatsache, daß ich auch nüchtern noch gerne mal gewisse Normen überschreite, Dinge tue, über die andere Menschen vielleicht den Kopf schütteln, seh ich für mich sehr positiv...sie geben mir das Gefühl, am Leben zu sein. Der große Unterschied zum Saufen: Ich achte inzwischen darauf, bei meinen Aktionen niemanden zu verletzen. Meine Aktionen werden nicht auf dem Rücken von anderen Menschen ausgetragen. Als ich noch gesoffen habe, war mir das egal - Hauptsache, ich hatte meinen Spaß. Ob dabei andere Menschen (v.a. Frauen) gefühlstechnisch zu Schaden kommen, hat mich damals nur ansatzweise tangiert. Solange ich auf der Überholspur blieb, war es egal. Wer mit mir nicht mithalten konnte, blieb eben zurück.

    Und genau das bin ich nicht mehr. Ich bin zwar teilweise immer noch unbequem, immer noch rebellisch, immer noch kindisch, immer noch träumerisch. Aber ich bin kein rücksichtsloser Mensch mehr. Und ich war nie ein Mensch, der sich alles bis ins letzte Detail überlegt, der genau plant, der alles haargenau wissen will. Und das hat sich nicht geändert, weil ich jetzt abstinent bin.

    Das bedeutet jedoch nicht, daß ich nur einfach so trocken geworden bin.

    Das nur als kurze Erklärung, weil ich das Gefühl habe, Du hast hier vielleicht etwas in den falschen Hals bekommen. Dein Input ist mir wichtig und nur weil ich nicht im Einzelnen darauf eingehe heißt das nicht, daß ich mir darüber keine Gedanken mache.

    Lieben Gruß und schöne Zeit

    Andreas

    Hi Nys,

    Dein Post klingt etwas kryptisch, vielleicht zu kryptisch für mich ? Du kannst mir ruhig ganz offen schreiben, was Du denkst :)

    Ich nehme an, Dir ging es um das Breitschlagen. Fakt ist, daß ich den Jungs gesagt habe, wenn es zwickt, dann bin ich da und helfe aus. Und wenn ich was sage, dann zieh ich das halt auch durch. Es ist ja nicht so, daß man mich gefesselt zu den Spielen fahren müßte...mir macht das Kicken mit den z.B. viel jüngeren Jungs auch reichlich Spaß.

    Daß es dann in dieser Saison so oft sein würde, hatte ich nicht gedacht. Aber nochmal, ich fahre nicht zu den Spielen und denke: Scheiße, jetzt hätt ich aber lieber das und das gemacht. Das ist schon freiwillig, das Ganze :)

    Das einzige Problem, das ich habe und irgendwie noch nicht zu lösen bereit bin:

    Ich werde bald 44 und hab immer noch das Gefühl, im Körper eines 20jährigen zu stecken...das ist leider ne fiese Täuschung :)

    Apropos:

    Beim Augenarzt war ich natürlich auch noch nicht :)

    Schönen Gruß

    Andreas

    Hallo Forum,

    eigentlich stünde in knapp einer Stunde mein erster 10 km-Wettkampf in diesem Jahr an...eigentlich. Denn ich hab mich mal wieder breitklopfen lassen und am Sonntag bei meiner Fußballmannschaft ausgeholfen, die diesmal sogar nur zu zehnt war. 10 Minuten vor Spielbeginn eingetroffen, nicht warmgemacht und nach 20 Minuten dann ein kurzer Sprint, ein kurzes Ziehen und die Oberschenkelzerrung war perfekt. Mir war sofort klar, daß damit mein Wettkampf am Donnerstag gelaufen sein würde. Deshalb hab ich auch die restlichen 70 Minuten gar durchgespielt, damit die Jungs nicht mit neun Mann auf dem Platz stehen.

    Mein erster Impuls:

    Wegen so nem Scheißspiel versaust Du Dir Deinen Wettkampf am Donnerstag.

    Nach dem Spiel war ich dann schon wieder relativ ruhig. Es ist nämlich genau die Sache, die ich gestern bei Thomas angesprochen hatte. Ich habe mich bereiterklärt, bei den Jungs auszuhelfen, obwohl die teilweise nicht mal halb so alt sind wie ich. Ich habe mich breitklopfen lassen, ich bin 10 vor dem Spiel eingetrudelt und hab mich nicht vernünftig warmgemacht und ich hab dann den entscheidenden Sprint angesetzt und mir die Verletzung geholt...niemand anders.

    Ne Schuldzuweisung auf Gott und die Welt und das Scheißspiel fällt deshalb aus. Schuld bin ich selber. Und erstaunlicherweise läßt sich mit dieser Einsicht auch noch gut leben. Sich selber muß man nämlich nicht so lange böse sein :)

    Ich werde heute statt dem Wettkampf nen ganz langsamen Trainingslauf versuchen und sofort aufhören, wenn es zwickt.

    Denn wurmen tut es mich natürlich schon, daß der Lauf heute ohne mich stattfindet...

    Schönen Gruß an alle und schöne Zeit

    Andreas

    Zitat von thomas_unna

    Hallo Leute,

    heute habe ich mich auf der Arbeit sehr geärgert. Wir haben eine sehr dominante Arbeitskollegin, die immer alles an sich reißt und auch alles wissen will. Heute habe ich ihr kontra gegeben mit dem Ergebnis, dass sie beleidigt ist. In der Vergangenheit bin ich immer den untersten Weg gegangen und hätte mich entschuldigt und abends den Frust runtergespült.

    Heute bin ich stolz, den ich Lebe nach dem Motto: "Die bringen mich nicht zum trinken! Die nicht!"

    Viele Grüße,
    Thomas

    Moin Thomas,

    fürs Trinken warst Du selbst verantwortlich, aber ich denke, ich weiß, was Du meinst. Fast alle hier haben sich ihren Ärger, ihre Niedergeschlagenheit und ihren Frust weggesoffen und mit der Zeit hat man sich genauso daran gewöhnt wie an den Alkohol selbst.

    Für mich war es eine große Hilfe, mir zu sagen, daß ich mein Leben wieder selbst in die Hand nehme...ich selber bestimme die Regeln, ich bestimme, wie ich mit Enttäuschungen umgehe, ich ganz allein entscheide und bin damit dafür verantwortlich, ob ich wieder mit dem Saufen anfange oder nicht.

    Genaugenommen ist das ja der schwierigere Punkt, wenn man sich entschließt, sein Leben in Zukunft ohne Alkohol zu leben...diese Verknüpfungen, die sich eingebrannt haben...ich hab was besonders gut gemacht, also darf ich mir ein paar Bier gönnen. Ich hatte nen schlechten Tag, also darf ich mir ruhig mit ein paar Bier den Frust wegsaufen. Alk weglassen alleine wird uns auf Dauer nicht weiterbringen.

    Die gute Nachricht:

    Nüchtern läßt sich wesentlich besser auf gewisse Dinge reagieren. Nervige Arbeitskollegen werden mit klarem Kopf wesentlich leichter ausmanövriert. Manche Leute sind möglicherweise verblüfft, wenn man auf einmal klare Grenzen setzt oder seine Meinung sachlich, aber deutlich darlegt. Das ist mMn. eines der größten Geschenke, die die Abstinenz oder Trockenheit mit sich bringt.

    Mir ist es früher relativ oft passiert, daß ich bei Konfliktsituationen agressiv reagiert habe, argumentativ nicht in der Lage war, dem Konfliktpartner den Wind aus den Segeln zu nehmen. Das ist inzwischen anders. Meistens kann ich inzwischen solange sachlich argumentieren, bis der andere an seine Grenzen stößt. Das ist ein gutes Gefühl.

    Noch ein kurzer Ansatz zum Thema Depressionen:

    Ich bin kein Experte, obwohl ich früher als Jugendlicher oft mit Depressionen zu kämpfen hatte. Aber ich könnte mir vorstellen, daß so mancher hier seine Depressionen einfach weggesoffen hat, ohne es zu merken. Nun fehlt diese Option und Depressionen, die vermutlich schon vorher da waren, werden deutlicher wahrgenommen. Die Unterdrückung durch den Alkohol ist ja weggefallen. Aber auch wenn die Probleme jetzt durch die Abstinenz deutlicher und klarer sichtbar werden, jetzt hat man wenigstens die Möglichkeit, sich ihnen zu stellen...seine Baustellen abzuarbeiten. Das ist nicht immer leicht, das geb ich zu. Aber es funktioniert.

    Schönen Gruß Dir und schöne Zeit. Bleib auf dem Weg

    Andreas

    Hallo Forum,

    @ Q:

    Schönen Dank für Deinen Eintrag bei mir.

    Was heißt Mittelstrecklerin ? 10 km ? Das ist auch meine Lieblingsdistanz bisher, die ich im Training bevorzugt gelaufen bin, weil sie vom Zeitaufwand her einfach praktisch ist und auch sehr viele 10 km-Läufe auch bei mir in der Nähe stattfinden. Am Donnerstag (Vatertag) bin ich zum ersten Mal in diesem Jahr unter Wettkampfbedingungen am Start, gemeinsam mit meinem Postboten :)

    Tja, mein Laufkollege steckt momentan in der allumfassenden Krise und hat auch noch andere Probleme (allerdings keine alkoholischen). Sehr viele Baustellen gleichzeitig und irgendwie nicht den richtigen Antrieb, sie anzugehen. Ich für meinen Teil hab ihm meine Meinung dazu klar gesagt. Auf ihn einwirken will ich allerdings nicht. Meine Erfahrung sagt mir, daß dadurch nix gewonnen ist. Wenn er reden will, weiß er, daß ich da bin.

    Diese echte Zufriedenheit, die Du bei mir herausgelesen hast, ist ein extrem wankelmütiges Wesen. Mal traut sich dieses Wesen etwas länger aus dem Bau, manchmal sieht man es tagelang überhaupt nicht. Das hängt von einigen Faktoren ab, aber v.a. davon, ob ich selbst in meiner Mitte bin. Dann lassen mich Dinge, die mich normalerweise an die Decke schießen lassen, völlig kalt. Momentan ist eher der Maler damit beschäftigt, die Dellen in der Decke auszuspachteln :)

    @ Matthias:

    Bei so ner Hitze wäre ein Apfel recht angenehm gewesen :)

    Tja, manchmal macht die Hitze leider auch die Birne weich. Aber solange keine Birne Helene draus wird, ist alles im Lot :)

    @ Frank:

    Die eigene Grenze ausloten ist die eine Sache...die der anderen Mitarbeiter auszuloten, ne ganz andere. Ich mache oft den Fehler und mute den Mitarbeitern dasselbe zu, was ich mir selbst zumute. Aber ich bin trotzdem irgendwie doch noch lernfähig und habe für die Hitzephasen Extrapausen angeordnet.

    Das ausgezogene Hemd ist lediglich ne zusätzliche Serviceleistung für die Baufrauen :)

    Nee, im Ernst, ich kann nicht vernünftig arbeiten, wenn ich bei so ner Hitze in soviel Textil stecke...sobald es die Witterung zuläßt, hole ich meine kurzen Hosen raus und spätestens im Juni fragen mich die Leute, wo ich denn im Urlaub war...aufm Dach selbstverständlich :)

    Schönen Gruß an alle

    Andreas

    Hallo Forum,

    ich wollte ja schon immer mal wissen, wie sich so ein Brathähnchen im Backofen fühlt. Seit zwei Tagen ist auch dieses Geheimnis endgültig gelüftet.

    Ich bin ja nun einiges an Hitze gewohnt...im Sommer zumindest. Aber die letzten beiden Tage auf dem Dach haben uns Dachdeckern ganz schön zugesetzt.

    Ein Königreich für eine kalte Dusche also...und manchmal werden Wünsche doch tatsächlich wahr. Den Vorschlag unserer Auftraggeberin, einer rüstigen Witwe, uns doch bei ihr im Keller zu duschen, haben wir freundlich, aber bestimmt abgelehnt. Stattdessen wurde eine Gartendusche aufgestellt und somit geniesen wir inzwischen ein Wechselbad der Gefühle...vierzig Grad auf dem Dach, zehn Grad aus der Wasserleitung :)

    Zumindest werde ich in den nächsten Tagen vermeiden, mein T-Shirt in der Stadt auszuziehen...es wäre zu befürchten, daß urplötzlich alle Autos ne Vollbremsung hinlegen, weil sie plötzlich ne rote Ampel sehen :)

    Gebratenen, aber zufrieden trockenen Gruß an alle

    Andreas

    Hi Lea,

    zunächst mal wünsch ich Dir alles, alles Gute für die Zukunft. Ich finde es sehr schade, daß Du "Deine Koffer gepackt hast". Du wirst mir fehlen.

    Genau wie damals bei Nys werd ich nicht versuchen, Dich umzustimmen, denn ich geh davon aus, daß Du Deine Gründe hast. Schade find ich es allemal.

    So langsam brechen hier ganz schön viele lesenswerte User weg :(

    Schöne Zeit Dir und alles Gute

    LG Andreas

    Moin Nys,

    wenn zwei sich in einer Beziehung nicht verbiegen lassen, dann kann es eben nicht immer einen Konsenz geben. Das liegt wohl in der Natur der Sache.

    Es ist immer auch die Frage, in wieweit man bereit ist, andere Sichtweisen des Partners zuzulassen und einfach so stehenzulassen.

    Sowas kann sich auch entwickeln. Es ist vermutlich gut, daß Du gestern nicht einfach am Telefon "Tschüss" gesagt hast. Schließlich hatte man schon den Eindruck, daß Dir diese Beziehung gut getan hat.

    Ich wünsch Dir weiterhin alles Gute auf Deinem Weg

    Schönen Gruß

    Andreas

    Es gibt da verschiedene Möglichkeiten. Aber mein Laufpartner ist gerade in einem Loch, registriert Alternativen zwar, aber muß wahrscheinlich erst noch seine Wunden lecken, bevor er sich an eine Lösung seines Problems rantraut.

    Es gibt eine kleine Lösung über halbjährige Gelenkspritzen, aber die bezahlt die Krankenkasse ebensowenig wie eine Operation. Lt. Arzt ist das Knie zwar so geschädigt, daß er nicht mehr laufen kann, aber eine Operation sei eben noch nicht gerechtfertigt, weil er ja noch keine Dauerschmerzen habe.

    Und da sind wir wieder bei einem meiner Lieblingsthemen...da wird einem Menschen, der durch Sport und gesunde Ernährung seiner Gesundheit was Gutes tut und somit auch zukünftige Kosten für die Krankenkasse erspart, einfach im Regen stehen gelassen.
    Unser ganzes System ist dermassen verlogen...da wird überall durch die Krankenkassen Werbung für mehr Bewegung gemacht, ein Bonussystem ausgelobt und parallel dazu ist es denen scheißegal, wenn jemand aufgrund seiner Knieschäden nicht mehr laufen kann.

    Davon ab:

    Bekannter von mir hat ein künstliches Knie (Gleitschiene), der kann sogar wieder Fuppes damit spielen.

    Schönen Gruß

    Andreas

    Moin Correns, moin Slowly,

    Eure Vermutung ist natürlich richtig. Der WM fand jetzt zum dritten Mal im Frankenwald statt und wird mit ziemlicher Sicherheit auch im nächsten Jahr hier bei uns über die Bühne gehen.

    Die Teilnehmerzahl war übrigens begrenzt, sonst wären noch wesentlich mehr Wanderer am Start gewesen. Das Interesse ist offensichtlich enorm, wohl auch, weil es das in der Form nicht allzu oft gibt.

    Der Frankenwald ist ja Mittelgebirge, d.h. es werden generell immer einige Höhenmeter zu bewältigen sein. Aber im Vergleich zu Wanderungen in den Alpen ist das natürlich schon recht moderat.

    Davon ab ist natürlich jeder herzlich eingeladen, im nächsten Jahr mit teilzunehmen :) Unterkunft könnte ich organisieren bzw. selbst stellen.

    Ob die Veranstalter da wirklich umgedacht haben bzgl. des Alkohols oder ob das in diesem Jahr eher Zufall war, kann ich nicht beurteilen. An einer Station gab es nen Schnaps, aber ansonsten hab ich auch auf der Strecke niemanden gesehen, der sich aus seinem eigenen Rucksack mit alkoholhaltigem Bier versorgt hätte. Das fand ich schon positiv. Der Einwand, daß man auf so einer Strecke sowieso nüchtern bleiben sollte, ist natürlich auch richtig.

    Es war einfach ne schöne Begleiterscheinung, sozusagen ein zusätzlicher Bonuspunkt für die Veranstaltung. Man merkt eben, daß es den Leuten um das Wandern und nicht ums Saufen geht. Das schafft für einen abstinenten Alkoholiker schon ein angenehmes Umfeld.

    Für uns, Correns, hab ich allerdings auch noch ne unangenehme Nachricht. Bei meinem Laufpartner, der auch in Istanbul mitlaufen wollte, wurde ein irreparabler Knieschaden festgestellt. Nachdem er jetzt in den letzten zwei Jahren knapp 2000 km/Jahr absolviert hat, ist für ihn leider definitiv Schluß mit Laufen. Selbst 10 km-Läufe verursachen bei ihm heftige Schmerzen. Du als Läufer kannst das nachvollziehen, was das für einen bedeutet, wenn man von heut auf morgen mit dem Laufen aufhören muß. Er geht da momentan durch ein Tal der Tränen, ein ganz wichtiger Lebensinhalt ist ihm einfach so weggebrochen.

    Für meinen Start hat das keine Auswirkungen. Ich werde wie geplant in Istanbul aufschlagen und mit Dir den Lauf von Asien nach Europa durchziehen.

    Schönen Gruß Euch und ne schöne Woche

    Andreas

    Zitat von claro

    Warum ich das hier schreibe?
    Weil ich mich jahrelang in solchen Situationen verkrochen habe. Gejammert. Meinen Trost im " guten Glas Wein" gesucht habe.
    (es waren eher Flaschen)

    Nach 5 Jahren ohne Alk ist das keine Alternative mehr.

    Leute, eine Krise ist auch jedesmal ein Chance!
    Wir koennen daraus gestaerkt hervorgehen.
    Not macht erfinderisch. Da ist was dran.

    Allen, die das hier lesen, ein schoenes Wochenende,
    Frank

    Hi Frank,

    wenn man so ein bißchen zwischen den Zeilen gelesen hat, konnte man das fast ein bißchen vermuten.

    Interessanterweise ging es mir in diesem Winter nicht viel anders...ich hatte zwar im letzten Jahr sehr viele Aufträge, war zu 100 % ausgelastet, aber hohe Nebenkosten, Altlasten und vermutlich auch Fehlkalkulationen meinerseits haben das Firmenschiff in schwere See gebracht.

    Genau wie bei Dir hat das aber nicht dazu geführt, daß ich meine Sorgen mit Alkohol betäubt habe, sondern ich bin die Probleme angegangen, habe nüchtern analysiert (in zweierlei Hinsicht :-)) und Gegenmaßnahmen eingeleitet.

    Ich komme bei meinen Analysen immer wieder auf denselben Nenner:

    Selbstmitleid ist der größte Feind der Problemlösung. Selbstmitleid verhindert Gegenmaßnahmen und zieht einen immer weiter ins Loch. Und letztendlich war unsere Sauferei auch nix anderes wie Selbstmitleid. Im Nachhinein kann ich mit Fug und Recht behaupten, daß ich mich früher solange weggesoffen habe, bis mir dieses Selbstmitleid gerechtfertig schien...andere hatten die Fehler gemacht, nicht ich. Und wenn andere die Fehler machen, dann muß ich ja nix an mir selbst ändern.

    Und tatsächlich ändern tut sich nur was, wenn man die Verantwortung übernimmt, das Steuer wieder an sich reißt und den Kurs selbst vorgibt.

    Unser Leben kennt keinen Autopiloten, wir steuern unser Fahrzeug selbst. Und wenn Hindernisse auf der Straße auftauchen, sind wir es, die dafür sorgen, ob wir auf das Hindernis auffahren oder aufmerksam dran vorbeihuschen.

    Aktiv statt passiv durchs Leben (mein persönliches Ambivalent zum hier so gerne immer wieder mantraartig zitierten "Wer....findet Gründe" *hehe*).

    Nüchtern ist aktiv, Saufen ist passiv. Somit ist Saufen keine Option mehr.

    Ich freu mich, daß es Dir wieder besser geht, sich Deine Situation zu entspannen scheint und Du nach vorne schaust.

    Schönen Gruß und schöne Zeit

    Andreas