Beiträge von Carpenter

    Hi Marvormar,

    auf meinen Post bist Du leider nicht eingegangen, aber ich kann Deinen Ansatz nachvollziehen.
    Ich hab nämlich auch Probleme damit, daß pauschal jedes Fest und jede Gruppenaktivität als Sauffest dargestellt wird.
    MMn. wird hier nicht genug differenziert. Es gibt Feste, da geht es hauptsächlich ums Saufen und es gibt Feste, die werden von manchen Menschen zum Saufen mißbraucht. Warum das Risiko, auf so einem Fest plötzlich Saufdruck zu bekommen, größer sein soll als im Supermarkt oder in der Tankstelle, kann ich nicht so wirklich nachvollziehen. Es erscheint mir nicht wirklich logisch. Und auch ich bin der Meinung, daß der Besuch eines solchen Festes nicht zwangsläufig bedeutet, daß man keine Risikominimierung betreibt...man kann das Risiko ja anderweitig minimieren...z.B., indem man seine Tochter mitnimmt, vor der man ganz sicher nicht wieder saufen will...indem man das Fest zu einem Zeitpunkt besucht, an dem eben noch wenige Besucher alkoholisiert sind (z.B. am Familiennachmittag).
    Ich bin immer noch der Überzeugung, daß es gefährlicher ist, sich zuhause einzuigeln und dann vor lauter Isolation und Langeweile Frust zu schieben. Wir wollen doch alle ein zufriedenes, trockenes Leben...trocken und unzufrieden geht mMn. langfristig nicht gut.

    @ Contemplation:

    Maik, sorry, daß ich das jetzt sage, aber daß gerade Du um die Ecke kommst und Marvormar kritisierst, find ich ausgesprochen seltsam. Wenn ich Deine Posts lese, fühle ich mich quasi ermuntert, auf der Stelle das Haus zu verlassen. Mir vermittelst Du jedenfalls nicht gerade den Eindruck eines zufriedenen Trockenen. Da kann man sich doch nicht hinsetzen und jemanden für seine Einstellung so kritisieren...

    @ Hartmut:

    Was ist denn eine interne Fankultur im Fuppes ? :)

    @ Karsten:

    Ich versteh Euch ja...wir sind hier im Öffentlichen und da ist es für Euch Mods schon wünschenswert, daß die Gedanken der Risikominimierung strikt umgesetzt werden...ich kann schon nachvollziehen, wie manche Aussagen bei Euch ankommen.
    Das heißt doch aber noch lange nicht, daß wir Eure Ratschläge in den Wind schlagen, nur weil mancher User hier in ein, zwei Punkten anderer Meinung ist wie ihr. Es klingt manchmal fast so, als wärst Du persönlich enttäuscht, weil man Deine Hilfe nicht annehmen will...doch, das tut man. Man liest und schreibt in Deinem Forum, tauscht sich aus und nimmt Ratschläge an. Nur weil man nicht immer einer Meinung ist, heißt das doch noch lange nicht, daß man grundsätzlich verschiedener Meinung sein muß.

    MMn. wollte Marvormar die Diskussion nur deshalb nicht führen, weil er weiß, daß es in diesem Punkt nie einen Konsens geben wird...und vermutlich auch nicht geben kann. In ganz vielen anderen Punkten sieht das vermutlich ganz anders aus.

    LG

    Andreas

    marvormar :

    Ja, bei der Sache mit dem Fuppesstadion war mir auch klar, daß da irgendwas kommt :)
    Ich denke, aus der Sicht eines Nichtfußballverrückten ist es tatsächlich auch nicht nachzuvollziehen und klingt nach bewußter Risikosucherei. Viele Menschen verbinden Fankultur zwangsläufig mit Alkoholmißbrauch. Das ist aufgrund der einseitigen Medienberichte auch nicht sehr verwunderlich.
    Ich bin im Februar extra nach Rom gefahren, um meine Jungs spielen zu sehen...da halten Dich viele Menschen für total bekloppt. Bzgl. des Alkohols hab ich mir die Sache allerdings lange durch den Kopf gehen lassen. Ich bin auch nicht wie früher mit dem Fanbus und den Fuppeskumpels runter, sondern selbst gefahren, um das Risiko zu minimieren und hab deshalb auch nur Nichttrinker mitgenommen. Ich wollte mir meine Leidenschaft für mein Team nicht durch den Alkohol kaputtmachen lassen und es ist tatsächlich wie Du schon schreibst...Alkohol war überhaupt kein Thema, weil es nie wirklich um Alkohol ging beim Fußball, sondern um die Atmosphäre.
    Ich drück Dir ganz fest die Daumen in der Reli und würde mich freuen, in der nächsten Saison auch wieder mal auf dem Betze aufzuschlagen.

    Die Sache mit Deinen Zähnen ist ziemlich derb, aber das hast Du mMn. wirklich dem Alkohol zuzuschreiben...nicht direkt natürlich, aber nicht zum Arzt zu gehen ist auch bei mir eine typische Begleiterscheinung der Sucht gewesen...Saufen war wichtiger, Arzttermine störten da nur...überhaupt alle Termine am Nachmittag störten.
    Ich find es gut, daß Du Dich aufmachst, diese Baustelle anzugehen. Das wird ne aufwendige Sache werden, aber das packst Du, wirst sehen.

    @Frank:

    Deinen Post mußt ich gleich dreimal lesen, weil ich dachte, was mißverstanden zu haben...Du wünscht Dir tatsächlich lieber ein Gebiss als eigene Zähne ? Vorsicht beim Wünschen...manchmal gehen Wünsche auch in Erfüllung...dann doch lieber Füllungen :)

    @Mutig:

    Nene, Frau Mutig, das kann ich so nicht unterschreiben :)

    Meine Nachbarin z.B. ist grad mal 25 und braucht ne Generalsanierung...8 oder 9 Beißerchen haben sich da vermutlich aufgrund zu intensiver Zahnpflege für immer abgemeldet. Man kann Männern ja viel nachsagen...z.B., daß sie unglaublich nervtötend und wehleidig sind, wenn sie mal ne leichte Grippe erwischt (Schreiberling ausdrücklich eingeschlossen)...auch der Zahnarzt kann sich nur ganz selten an sie erinnern...aber ich kenn tatsächlich mehr Frauen als Männer, die schlechte Zähne haben.

    Schönen Gruß an alle

    Andreas

    Guten Morgen, Forum

    als ich im Dezember hier angefangen habe zu lesen (noch mit Alkohol im Blut), konnte ich manche Dinge nicht nachvollziehen. Da konnten sich User über eine Tasse Kaffee und nen Keks freuen und ich dachte mir mit einer Portion Sarkasmus: "Puh, soll mein Leben jetzt so aussehen ? Ich freu mich über Kleinigkeiten und verpasse die wirklich spannenden Sachen im Leben ?".
    Jetzt, ein knappes halbes Jahr später, hab ich so langsam einen Einblick, was eigentlich damit gemeint war. Es geht nicht konkret um ne Tasse Kaffee oder Tee, sondern um die allgemeine Zufriedenheit, die man bei einer entspannten Tasse Kaffee empfindet. Dieser Glücksmoment beim Innehalten, das urplötzlich auftretende, eigene Bewußtsein, auf dem richtigen Weg zu sein. Nein, das ist keine Euphorie, die man da spürt...da ist nix Extremes dabei...nix, was man dem Kumpel oder Kollegen am nächsten Tag erzählen müßte...aber man spürt es und es zaubert einem ein leichtes Lächeln ins Gesicht.

    Als ich heute früh frische Semmeln geholt habe, war dieses Gefühl urplötzlich da...tolle Musik im CD-Player, leere Strassen, weil all die Nachteulen noch geschlafen haben und dann schön Gas gegeben...irgendwie war das an Symbolik kaum zu übertreffen...ich fühl mich wieder in meiner Mitte und ich gebe wieder Gas...ich rase nicht, aber ich gebe Gas...

    Vor knapp einem halben Jahr hätte ich um diese Zeit keine Semmeln holen können...weil ich überhaupt noch nicht zuhause war, oder weil ich noch nicht in der Lage war, Auto zu fahren oder weil ich für fast ein Jahr keinen Führerschein hatte...all das hat sich schon geändert in diesem kurzen Zeitraum und ich habe das Gefühl, das ist erst der Anfang.

    Ich wünsch Euch allen ein wunderschönes WE

    LG

    Ein tief entspannter

    Andreas

    Hi Nys,

    das ist bisher Dein schönstes Gedicht...ich bin ja sonst kein allzugroßer Freund von freien Gedichten, diesbezüglich eher der traditionelle Typ, bei dem sich alles reimen muß...aber dieses Gedicht hat mich sehr berührt...man spürt förmlich, wie Dich der Inhalt des Gedichtes beschäftigt und das ist mMn. genau das, was ein Gedicht leisten soll. Jetzt hast Du mich wieder auf den Geschmack gebracht, ich dichte nämlich auch sehr gerne...

    Eine kleine Anmerkung noch:

    Es gibt da noch jemanden, der loslassen muß...der Verfasser nämlich :)

    Ich wünsch Dir ein schönes WE

    Liebe Grüße

    Andreas

    Hallo Karsten,

    kann ich nachvollziehen. Ich find es z.B. wichtig, täglich hier mal reinzuschauen und zu lesen, auch wenn ich nicht immer dazu aufgelegt bin, selbst zu posten.

    Aber ich finde es grundsätzlich schon gut, wenn sich jemand, der rückfällig wurde, sich hier wieder einfindet und einen neuen Versuch wagt...letztendlich bringt ja diese Erfahrung auch weiter, selbst die, die noch mit keinem Rückfall zu kämpfen hatten.

    LG Andreas

    Hallo Sabine,

    erstmal Respekt dafür, daß Du Dich hier hinstellst und zugibst, daß Du rückfällig wurdest. Karsten spricht das ja hin und wieder an, daß sich viele einfach gar nicht mehr melden und von einem hohen Prozentsatz an Rückfälligen ausgeht.
    Die Tatsache, daß Du Dich wieder meldest, finde ich schonmal einen sehr positiven Ansatz.

    Eure Diskussion um das Krokodil find ich hochinteressant. Ich frag mich grad, ob mein Krokodil wirklich ein Krokodil ist, oder doch eher ein Hund, der sich dann und wann auch mal streicheln läßt, aber eben auch gerne mal zuschnappt.

    Das Verhältnis zu meiner Mutter ist auch nicht grade einfach. Auch bei mir gab es jahrelange Manipulationsversuche, die z.T. auch gelungen sind und deren Aufarbeitung nun auch schon Jahre dauern.

    Aber was ich mich immer wieder frage:

    Wenn ich erwarte, daß sie mich mein Leben leben läßt und gewisse Dinge, die sie aus verschiedenen Gründen nicht verstehen kann, akzeptiert...muß ich dann umgekehrt nicht genauso mit ihr verfahren ?

    Ich komme immer wieder auf den gleichen Nenner:

    Genau wie bei meinen Kids bin ich ab und zu sauer, enttäuscht, verletzt, entsetzt...aber ich kann auch meinen Kids nicht ewig böse sein...das geht bei mir irgendwie nicht.

    Wir haben da inzwischen eine relativ gute Grundlage gefunden...wir rühren uns jeweils beim anderen, wenn einem danach ist...kein Muß, lediglich ein Kann. Das funktioniert sehr gut. Und wenn das Krokodil schnappen will, geh ich weg oder leg einfach auf. Tür zu.

    Ich wünsch Dir alles Gute bei Deiner Trockenarbeit.

    LG Andreas

    Allmächd...überall Franggn :)

    Herzlich Willkommen erstmal,

    tja, dann brechen ja gleich zwei neue Kapitel für Dich an...eigentlich ne richtig gute Kombi, wie ich finde...Du hast Zeit für Dich selbst und für die Arbeit an Deiner Abstinenz.

    Notfallkoffer und Grundbausteine werden unter dem rechten oberen Feld "Zu den Informationen" ziemlich ausführlich erklärt.

    Einen schönen Restfeiertag und eine schöne, trockene Zeit

    LG (ebenfalls aus Franggn)

    Andreas

    Hallo Forum,

    ich hab mich schon lange nicht mehr so auf ein Pfingstwochenende gefreut wie in diesem Jahr. So langsam finde ich eine gewisse Balance zwischen Arbeitsstress und Abschalten zuhause...das hat jahrelang nicht funktioniert bei mir...das Abschalten, meine ich...immer lauerte da die nächste Baustelle im Kopf, ob beim Wandern, beim Chillen, beim Laufen...so langsam kann ich mich von diesen Gedanken freimachen - nicht immer, aber immer öfter. Die Frage, ob ich das meiner Abstinenz gutschreiben kann, bleibt hypothetisch. Ich hab auch gar keine Lust, groß drüber nachzudenken, sondern freu mich, daß es so ist. Ich sehe da eher den ganzen Zusammenhang...Verbesserungen sind auf verschiedenen Ebenen spürbar.

    Ich wünsch Euch allen ein paar entspannte Feiertage...

    @ Nys:

    Es war mir schon klar, daß Du hier den ein oder anderen Umweg gehen mußt...ich denke, das müssen wir alle...es ist keine gerade Linie, die wir da bestreiten. Bei Dir hatte ich zwischenzeitlich die Befürchtung, daß Du Dich komplett verirrst mit der Mischung aus Optimismus und dem Willen, den Dingen (auch aus Deiner Kindheit) auf den Grund zu gehen. Dann kam von Dir die Ansage, Du würdest Dir ne Auszeit nehmen aufgrund von Äusserungen, die wohl im geschlossenen Bereich gefallen sind...da hatte ich wirklich ne zeitlang Angst um Dich (klingt bescheuert und co, ich weiß...ist aber so) Ich hätte Dir da gerne was geschrieben, aber PN ist ja nicht drin und in die geschlossene Anstalt will ich momentan noch nicht...es würde auch keinen Sinn machen, weil ich einfach nicht die Zeit habe, mich dort intensiv einzubringen. Momentan ist es gut so, wie es ist, aber im Winter werd ich wohl auch diesen Schritt noch machen...da ist dann mehr Zeit, Probleme zu wälzen und aufzuarbeiten...

    Kurz und knapp:

    Ich freu mich, daß Du nach Deiner Pause den Weg hierher wieder gefunden hast...mir persönlich hätte wirklich was gefehlt...soviel zum Thema "Forumsfreund" :)

    Auch wenn ich nicht viel schreibe im Moment, ich bin immer da, schau jeden Tag mal rein...falls Du reden willst :)

    LG Andreas

    Hi Nys,

    schön, daß Du mich mal besuchst.

    Tja, souverän ist so ne Sache...etwas wehmütig war ich schon, zumal es tatsächlich dort eher ums Kicken als ums Saufen geht...klar, das ein oder andere Bier wird getrunken, aber wenn ich ehrlich bin, hab ich dort immer am Meisten gesoffen...mein Gitarrendisaster ist ja auch da anzusiedeln :)
    Aber wenn ich das Gefühl habe, es passt nicht, dann will ich da auch gar nix hinbiegen oder mir schönreden...ich hör da inzwischen auf mein Gefühl. Möglich, daß es im nächsten Jahr anders ausschaut und ich mehr Sicherheit habe.
    Naja, ansonsten läuft auch nicht immer alles so glatt, wie sich das hier vielleicht liest...es gibt schon auch Probleme, Diskussionen, die es zu bewältigen und führen gilt...aber eben nüchtern. Ich habs ja schonmal geschrieben, der Berg war zunächst erstmal größer als vor der Abstinenz, weil man erstmal realisiert, was sich da so alles aufgetürmt hat.
    Am Anfang hatte ich noch den Ergeiz, herauszufinden, warum ich gesoffen habe...dann hat mir einer der beiden Jürgen hier die Augen geöffnet: Warum Energie auf die Ursachenforschung verschwenden, wenn ich doch meine Energie für die Trockenarbeit brauche. Jetzt läuft das ab und an mal parallel, aber dann eher unbewußt...ich bin nicht auf der Suche nach Wahrheit, auf der Suche nach der Ursache, auf der Suche nach Problemen in meiner Kindheit...das alles würd nix ändern...Kernthema ist "Ohne Alkohol ist alles besser"...und diesen Kernsatz hab ich einigermassen verinnerlicht, weil ich ihn genau so auch erlebe...es ist tatsächlich schöner, ich vermisse einfach nix. Ich hab das Gefühl, jetzt wieder ich selbst zu sein...
    Meine Energie ist natürlich auch zu oft im Grenzbereich, eine Sache, die ich noch nicht befriedigend lösen konnte. Aber ich habe festgestellt, daß ich auch in Phasen, in denen ich down bin, keine Energie mehr habe, nie auf den Gedanken komme, wieder zu saufen...das ist einfach irgendwie keine Option mehr.

    Ich hab mitbekommen, daß Du schwierige Wochen hinter Dir hast, aber ehrlich gesagt hab ich mich da absichtlich nicht mehr dazu geäußert...ich hatte den Eindruck, Dir mit meinen Beiträgen bisher so gut wie überhaupt nicht geholfen zu haben...im Endeffekt war es eher so, daß sich bei Dir einiges in eine komplett andere Richtung entwickelt hat...da hätten meine Beiträge wohl eher gestört als geholfen, denn so wirklich verstehen konnte ich Deine zeitweise Gefühlsachterbahn nicht wirklich...und auch die Schlüsse nicht, die Du daraus gezogen hast.

    Aber es ist eben so, daß zu einem großen Teil ein jeder seinen eigenen Weg gehen muß, den nicht zwangsläufig für den ein oder anderen User hier nachvollziehbar sein muß, aber trotzdem richtig sein kann.

    LG Andreas

    Hi,

    jaja, der Vatertag...

    Ehrlich gesagt hab ich gestern auch mal wieder ganz bewußt erlebt, wie schön es ist, ohne Alk durchs Leben zu gehen.

    Während der ein oder andere meiner Bekannten schon morgens mit dem Bollerwagen unterwegs war, hab ich in Ruhe meinen Kaffee auf der Terrasse genossen, mir mittags meine Laufschuhe geschnappt und bin dann schön entspannt meine 15 km gelaufen. Nach dem Duschen schön gechillt, dann meinen Rankin gelesen und mir noch ein Eis gegönnt.

    Heut morgen dann ganz entspannt auf Arbeit, während mein Arbeitskollege sich den ganzen Tag mit seinem Kater vom Vatertag rumschlagen mußte...roter Kopf, Schweißausbrüche, ständiges Ohh und Ahh und sonstiges Gejammer. Und ich immer schön am "Vor mich hin - Pfeifen" :)

    Tja, einfach prima, den Vatertag nicht mehr dem Suff zu opfern.

    LG Andreas

    Hi,

    die nüchternen Phasen sind einem Alkoholiker höchst unwillkommen, grad weil er sich in diesen Phasen seiner Sucht ja irgendwie bewußt ist...da ist dann tatsächlich ab und zu der Wille da, weniger zu trinken in der irrigen Annahme, man könne den Alkoholkonsum kontrollieren.
    Schuldbewußtsein, Reue...ja, das gab es schon...bis zum nächsten Rausch...dann wieder die bequeme Einsicht "Es ist mein Leben, ich kann trinken, was ich will, wann ich will und wieviel ich will"..."ich laß mich nicht verbiegen".

    Zu Deiner anderen Frage:

    Ich konnte mich tatsächlich oft nicht mehr an Dinge erinnern...ob ich sie bewußt verdrängt oder tatsächlich vergessen habe, weiß ich nicht. Einmal hat mich mein Sohn am Morgen darauf angesprochen, warum ich mich in Arbeitsklamotten ins Büro auf dem Fußboden zum Schlafen gelegt habe...ich hab es ihm nicht geglaubt...ich lag ja morgens im Bett...bis ich in meinem Büro auf dem Boden meinen Zollstock und meinen Bleistift gefunden hab...das war schon kurzzeitig ein Schock und ich hab dann auch wirklich erkannt, daß ich ein Problem hatte...aber ich war noch nicht bereit, es zu lösen. Und hab dann weitergesoffen, weil ich ein Problem hatte...rational nicht nachvollziehbar, ich weiß...aber man hat so gehandelt.

    Emotionale Erpressung, Beschimpfungen, Herabsetzungen, haltlose Vorwürfe...die ganze Palette hatte ich auch drauf...einige Dinge, die ich im Suff gesagt habe, waren in der Sache richtig...aber die Art und Weise, wie ich die Kritik geäußert habe, war unmöglich...man kann, auch wenn Alkoholismus eine Krankheit ist, solche Dinge nicht entschuldigen und auch nicht wirklich wieder gutmachen.

    Ich hab auch jetzt als abstinenter Alkoholiker noch genug Auseinandersetzungen zuhause, teils wegen der Aufarbeitung des Alkoholmißbrauchs, teils wegen der Aufarbeitung von Dingen, die ich unter Alkoholeinfluß gemacht habe.
    Aber diese Diskussionen gerieten, seit ich abstinent bin, nie mehr so außer Kontrolle...man kann wieder vernünftig mit mir reden...und auch streiten...so würd ich das bezeichnen.

    LG Andreas

    Hi,

    also zunächst mal vorab:

    Dazu ist das Forum ja da...um Erfahrungen auszutauschen. Insofern gibts überhaupt keinen Grund, sich nen Kopf zu machen, wie es anderen Usern geht, wenn sie auf Deine Fragen antworten. Sie tun dies ja ausnahmslos freiwillig :)

    Tja, ich kann absolut verstehen, daß es für einen Nichtsüchtigen schwer zu verstehen ist, was einen Alkoholiker bewegt...das gelingt einem als abstinenter Alkoholiker ja selbst kaum. Vielleicht ist es der schleichende Prozess, diese kaum merkbare, graduelle Verschlimmerung der Sucht, der es so unwirklich macht. Kaum ein Alkoholiker ist von einem Tag auf den anderen ein komplett anderer Mensch. Die Situation verschlechtert sich quasi Stück für Stück, grad mal so, daß man es nicht konkret wahrnimmt...und dann ist die momentane Situation der neue Ausgangspunkt, der Normalzustand...und der verschlimmert sich dann auch wieder peu à peu.
    Wirklich übel ist dabei, daß man als Alkoholiker dem Partner immer wieder Hoffnungen macht...Trinkpausen, Beteuerungen, daß man mit dem Saufen aufhört, es auf ein erträgliches Maß runterschraubt...alles Lug und Trug. Der Alkoholiker hat gar nicht vor, die Situation zu ändern...er will nur wieder seine Ruhe haben, versucht es dann mit heimlichen Saufen, um sich keine Vorwürfe anhören zu müssen. Trinkpausen werden auf den Tag genau eingehalten, nur um danach noch mehr zu saufen. Bis es hoffentlich irgendwann mal klick macht...beim einen früher, beim anderen später und bei vielen überhaupt nicht. Eine Beziehung zu einem Alkoholiker ist nur zu retten, wenn der Alkoholiker seine Sucht selbst realisiert, erkennt, daß er was tun muß.

    LG Andreas

    Hi,

    ich kann wirklich nicht beurteilen, ob alles nur gespielt war...ich kann nur meine Erfahrungen wiedergeben. Ich hab oft genug was vorgespielt, um wieder Ruhe zu haben, um nicht über meine Sucht reden zu müssen...immer wieder Beschwichtigungen, das Trinken einzuschränken, ohne es so zu meinen...es ist eine Art Verschleppung des Problems...man fühlt, daß da was nicht passt, will es einfach nicht wahrhaben, beschwichtigt sich selbst und andere...im Grunde hatte man nie vor, mit dem Saufen aufzuhören.
    Echte Gefühle sind schon da, aber das Saufen ist einem noch wichtiger...dann kommen immer mal wieder so Gedanken wie "ich will so bleiben, wie ich bin...ich laß mich nicht verbiegen, auch wenn es zur Trennung kommt"...übersetzt heißt das eigentlich "wenn sie sich zwischen mich und den Alkohol stellt, dann nehm ich den Alkohol".
    Die Unfähigkeit, Dinge anzupacken, ist für mich ein wesentlicher Aspekt der Alkoholabhängigkeit...auch, wenn es um Gefühle geht...dann kommen auch immer mal wieder Phasen des Selbstmitleids...das Leid, das man anderen zufügt, sieht man nicht oder verdrängt es.

    Ich kann und will Dir als abstinenter Alkoholiker keine Tipps geben. Aber wenn er Dich körperlich bedroht, ist mMn. der Punkt, an dem alles noch zu einem guten Ende kommen kann, weit überschritten. Gewalt gegen Frauen ist, ganz egal ob nüchtern oder besoffen, durch nichts zu rechtfertigen.

    LG Andreas

    Hallo Alain,

    erstmal herzlich willkommen.

    Das klingt doch zunächst mal schon sehr gut, was Du hier schreibst. Dein Deutsch ist absolut in Ordnung.

    Denk nicht zu oft über die Vergangenheit nach...da kannst Du ja nun wirklich nix mehr dran ändern...es ist so, wie es ist...du bist grad mal 26, hast Dein ganzes Leben noch vor Dir...wenn Du jetzt die Weichen richtig stellst, dann kann alles anders, besser werden.

    Ich wünsch Dir alles Gute dabei.

    LG Andreas

    Hallo,

    Deine Frage wurde schon oft diskutiert und es gibt immer wieder Überschneidungen bei den Aussagen.
    Aus meiner Sicht sucht sich ein Alkoholiker immer den für ihn bequemsten Weg aus...eine Partnerin, die ihm idealerweise nicht auf seine Sucht anspricht, ihn gewähren läßt, ihm gleichzeitig aber lästige Dinge abnimmt, die ihn bei seiner Sauferei nur stören können. Auf Kritik an seinem Alkoholkonsum reagiert er z.T. mit Unverständnis (soo viel sauf ich ja nicht, andere trinken noch viel mehr, ich hab das im Griff...solche Sprüche), z.T. mit Agression, weil die eigene Verdrängung der Sucht nur dann funktioniert, wenn so getan wird, als bestünde sie überhaupt nicht. Nicht selten wird ein Alkoholiker tief in sich drin wissen, daß er süchtig ist und fühlt sich dann ertappt, wenn man ihn auf seine Sucht anspricht.
    Ein ziemlich sicheres Zeichen für eine Alkoholabhängigkeit ist das Verhalten, seinen Alkoholkonsum zu verschleiern...Heimlichkeiten, Lügen, das sind alles Begleiterscheinungen einer Alkoholsucht.
    Und genaugenommen ist ein Alkoholiker lieber alleine, als daß er sich ständig mit einer Partnerin auseinandersetzt, die ihm helfen will, indem sie ihn auf die Sucht anspricht. Diese Hilfe ist ihm nicht willkommen...er will sich nicht helfen lassen.

    Indem Du ihn direkt auf seine Sucht angesprochen und deutlich gemacht hast, daß Du so ein Verhalten nicht dulden wirst, hast Du ihm in einer mMn. absolut richtigen Weise nur zwei Alternativen gelassen...entweder mit dem Saufen aufhören oder alleine weitersaufen. Er hat sich offenbar fürs Saufen entschieden.

    Daran kannst Du nichts ändern und man muß es so deutlich sagen:

    Du kannst froh sein, in dieser frühen Phase einigermassen sauber aus der Sache rauszukommen. Man muß sich von dem Gedanken verabschieden, daß man einem Alkoholiker helfen kann, wenn dieser selbst noch nicht soweit ist.

    Eine Beziehung, wie man sie sich im Allgemeinen so vorstellt und wünscht, echte Gefühle...dazu ist ein Alkoholiker durch seine Sucht nicht fähig.

    LG Andreas

    Guten Morgen, Forum

    so, ich habe gestern dann tatsächlich meinen Wandermarathon geschafft und überlebt...45 Kilometer bei Dauerregen und Wanderwegen, die, bedingt durch den Regen, eher einer matschigen Sumpflandschaft glichen.

    Hätte ich das durchgehalten, wenn ich noch saufen würde ?

    Klare Antwort: NEIN.

    Somit kommt auch das auf meine ominöse Liste, ebenso wie knarrende Kniescheiben und aufgeschwollene Füsse :)

    Das war mal wieder ein deutliches Zeichen, was man für sich bewegen kann, wenn man abstinent bleibt...und, ich muß gestehen, diesmal hat sich auch eine gewisse Euphorie eingestellt, die man zumindest indirekt der Abstinenz zuordnen kann.

    Nee, das trockene Leben ist nicht freudlos, langweilig, entbehrungsreich...es ist genau umgekehrt...man muß nur etwas aus dem Arsch kommen.

    Wünsche noch ein schönes Restwochenende

    LG Andreas

    Zitat von Contemplation

    Also ja die Gitarre in die Abstellkammer und das Mikrofon leider auch (wenn ich Gitarre spielen würde) Alles das bleibt außen vor, alles das was mein Denken für neues blockiert. Selbst die Gedanken an die Gitarre und die Party werden von mir durch andere ersetzt.

    lg Maik

    Hey Maik,

    für den Fall, daß Du eine Gitarre haben würdest, wäre es mMn. grundverkehrt, sie in die Abstellkammer zu packen.

    Du hast früher im Suff eher Gothic gespielt ? Dann stell um auf Reinhard Mey...Du hast früher Reinhard Mey gespielt ? Dann probiers mal mit Metallica...Du bringst Metallica mit Saufen in Verbindung ? Dann spiel eine spanische Volksweise.

    Was ich sagen will:

    Du läßt zu, daß der Alkohol Dir im Nachhinein auch noch den Tag versaut, indem er Dir schöne Dinge nimmt. Das halte ich für falsch. Die Gitarre kann doch nix dafür, daß Du früher immer am Lagerfeuer gesoffen hast...die Gitarre ist neutral und funktioniert bei einem nüchternen Gitarristen viel besser als bei einem besoffenen...selbst Keith Richards hat sich irgendwann von den Drogen verabschiedet und liebt seine Gitarre nach wie vor.

    Musik ist ganz sicher nix, was man nüchtern nicht geniesen kann...im Gegenteil...nüchtern trau ich mich inzwischen an Stücke ran, die ich besoffen nie angepackt hätte...zu komplex, wenn man ständig besoffen ist und am Ende, kurz vorm Einnicken, konnte ich meistens nur noch Johny Walker spielen...oder Status Quo...nicht grad das, was man als Erfüllung ansieht.

    LG Andreas

    Hallo Forum,

    mich haben einige Beiträge der letzten Tage hier etwas nachdenklich gemacht.

    Bei einigen Usern hat man das Gefühl, die Situation habe sich seit deren Trockenheit verschlechtert. Ich frage mich, warum das so ist. Liegt es vielleicht daran, daß man sich seine Probleme, die man vorher hatte, schön- bzw. weggesoffen hat ? Haben sich die Probleme durchs Saufen nicht eher noch vermehrt, ganz unabhängig von der Gefahr, die das Saufen für die Gesundheit mit sich bringt ? Führerscheinentzug, Probleme am Arbeitsplatz bis hin zum Arbeitsplatzverlust, gestörte Beziehungen zur Familie, Verlust des Selbstbewußtseins durch alkoholbedingte Ausgrenzung, Scheidung, Isolation, Verlust der Selbstwahrnehmung, idiotische Verschwendung von Lebenszeit in Form von Tagen, die man damit verbringt, wieder einigermassen nüchtern zu werden, seinen Rausch auszuschlafen....es gibt so unglaublich viele Gründe, warum das trockene Leben um soo viel besser ist als das nasse...

    Die meisten Probleme, die wir abstinenten Alkoholiker noch zu bewältigen haben, sind doch erst entstanden, weil wir gesoffen haben, weder Maß noch Ziel kannten, weil wir vor uns und unseren Problemen lieber davongelaufen sind bzw. uns beim geringsten Widerstand zugeschüttet haben...nicht umgekehrt.

    Ab und zu hilft eine kleine Gegenüberstellung, um sich selbst klarzumachen, was man durch die Trockenheit dazugewonnen hat...und das ist eine ellenlange Liste (zumindest bei mir). Mir hilft diese Gegenüberstellung immer dann, wenn ich mal wieder nicht so zufrieden bin, wenn sich Probleme häufen, wenn man den Horizont nicht mehr richtig sehen kann....immerhin, man sieht ihn wieder und weiß, daß er da ist und daß man ihn erreichen kann...Rückschläge gehören zum Leben dazu...aber jeder Stein, den man aus dem Weg räumt, macht einen selbst etwas stärker, gibt einem Selbstvertrauen, zeigt einem, was wirklich möglich ist. Und besoffen kann man nunmal keine Steine aus dem Weg räumen.

    Trocken sein bedeutet nicht zwangsläufig, immer gut gelaunt zu sein, Euphorie ist auch trocken kein Dauerzustand...aber dieser Zustand ist zumindest echt...ich finde, das ist es, was zählt.

    Ich wünsch Euch allen ein schönes WE...

    LG Andreas

    Hallo Forum,

    will mich auch kurz mal wieder melden.

    Bei mir ist alles im grünen Bereich...endlich darf ich meine heißgeliebten, kurzen Hosen wieder anziehen...ich bin kein besonders wetterfühliger Mensch, aber der lange Winter hat dann doch etwas aufs Gemüt und v.a. auch auf die Motivation gedrückt...ich war die letzten beiden Wochen ungewohnt lethargisch und antriebslos...kaum ist die Sonne wieder da, geht es steil bergauf, wenn ich mir den Nick eines Users hier mal kurz ausleihen dürfte :)

    Alkohol ist nach wie vor kein Thema mehr für mich...ich bin stabil abstinent und die Trockenheit wird immer mehr Teil meines Lebens...Gedanken an Alkohol sind inzwischen überhaupt nicht mehr da, es ist normal geworden, nix mehr zu trinken...und das fühlt sich einfach nur gut an. Durch die Trockenheit nimmt man zwar jetzt Baustellen, die schon länger auf Erledigung warten, erst richtig wahr, aber man ist auch endlich in der Lage, sie anzugehen.

    Ich hab mir einige Gedanken zum Forum gemacht und gelange immer mehr zu der Überzeugung, daß ich hier niemanden Tipps geben kann...und wenn ich mich dann doch ab und zu entschließe, mich zu einem Thema zu äußern, dann wird von höchstberufener Stelle sofort negativ reagiert...darauf hab ich, ehrlich gesagt, keine Lust mehr. Es ist einfach ermüdend und kraftraubend, immer wieder sinnlose Diskussionen zu führen...viele User, die ich gerne gelesen habe, melden sich nur noch sehr selten und einige treiben sich hauptsächlich im Geschlossenen rum. Ich werde meine Aktivitäten deshalb runterfahren. Sicher werd ich hier ab und an mal reinspitzen, schließlich interessiert es mich doch, wie es bei einigen Usern hier weitergeht.

    Ich werd mich ab und zu mal melden und schreiben, wie es mir geht und wie es mit meiner Trockenheit aussieht.

    Ich wünsche allen Usern hier eine schöne Zeit und möchte mich für die Unterstützung, die ich seit Dezember hier erfahren habe, recht herzlich bedanken. Bleibt auf Eurem Weg...bleibt trocken...

    LG Andreas