Hallo Andreas
so richtig Zeit hab ich zwar net - aber gerade einfach Lust hier nochmal bei Dir vorbeizuschauen. Und da ich grad so nett zu mir selbst bin, erlaub ich mir das trotz eben erst begonnener Büro-Arbeit. ![]()
Daß Du Schwierigkeiten hattest meine Gefühlsachterbahn nachzuvollziehen, kann ich mir gut denken. Manches lies sich im Offenen auch nicht beschreiben, manches ist einfach nicht logisch und trotzdem für mich der richtige Weg. (Wie Du schon sagtest).
Ich denke Jürgen hat Dir auf jeden Fall den richtigen Rat gegeben.
Es ist ein riesen Energieaufwand und ein zusätzlicher Risiko-Faktor, wenn man in die Ursachenforschung geht. Das denke ich macht nur Sinn, wenn man ständig Suchtdruck hat. Du hast keinen - warum solltest Du dann danach forschen und Dir Gedanken machen weshalb Du getrunken hast.
Da kann ich nur zustimmen: Zeit und Energie für was anderes verwenden.
Bei mir liegt der Fall anders. Ich hatte mich hier angemeldet und war mir sicher, niemals wieder in die Beziehung zu XY zurückkehren zu wollen. Mein erster Ansatz war die beide Süchte zu vergleichen, weil ich Parallelen sah. Jetzt sehe Parallelen in den Risikofaktoren wie Streß, Enttäuschungen und wut-bedingte "Alles-Sch**-Egal"- Momente oder in
Momenten der gefühlten Hilflosigkeit. Die Bewältigung eines erfüllten Lebens danach fällt mir aber ungleich schwerer. So wie ein Alkoholiker nicht kontrolliert trinken kann, - war ich bislang nicht in der Lage eine Beziehung ohne Rauschzustände und ohne völliges ineinander aufgehen als glückliche Beziehung zu empfinden. Nun kann ein Alkoholiker sagen: Dann trinke ich halt nichts mehr, wenn ich damit nicht umgehen kann. Im Umkehrschluß müßte ich sagen: Dann lebe ich halt konsequent allein (und zwar auch ohne S**Beziehungen) wenn ich mit Beziehungen nicht umgehen kann. Ich bin also in der Situation, daß ich fragen muß, warum ich mit Beziehungen nicht "unabhängig" umgehen kann.
Dazu war es schon notwendig in die Kindheit zu gehen. Interessant war gestern im Fernsehen zu hören, daß Wagner ein ähnliches Problem hatte und gemutmaßt wird, daß die Dramatik seiner Oper der Ring der Nibelungen eine einzige Darstellung seines Geborgenheits-Defizits aus der Kindheit sei
zumindest hat er selbst davon gesprochen ein regelrechtes Abhängigkeitsverhältnis zu seiner Frau zu haben.
also im besten Fall bringt so ein Defizit regelrechte Kunstwerke hervor.
Nein im Ernst - es ist alles andere als lustig. Da arbeitet man sich in längst vergessene Schmerzen vor und will aus lauter Schmerz sofort wieder in die Arme dessen, der genauso sehnsuchtsvoll auf der Suche nach Geborgenheit war. - Dann ist das aber keine Flasche, die unschuldig Deinen Weg begleitet hat, sondern ein Mensch mit dem Du Gefühle geteilt und von dem Du Verletzungen erfahren hast. - So dreht sich der Gedankenkreis wieder um die Person, die man loslassen sollte. Also verbietet man sich diese Gedanken und jegliches Gefühl von Sentimentalität oder Liebe. Das geht so lange gut, bis die Verdrängung zum Druck wird. Die Erwartungen an das neue Leben mit meinem Ehemann waren davon geprägt, daß er mir XY ersetzen sollte oder ich einen anderen Lebensinhalt finde, in dem ich meine neue "Zuflucht" habe.
Wie es nun mal ist, - stellt meine Ehe schon ohne so ein Defizit die Herausforderung dar, daß wir eigentlich ganz verschieden empfinden aber sonst prima miteinander auskommen. Daher der Druck: Es muß doch ein Weg zu finden sein. Da gab es gleich drei Ursachen für Rückschläge:
Sobald ich meine Kindheitsjahre überdachte
Sobald ich mir meine intensiven Gefühle und Sehnsucht verboten hab
Sobald ich mit meiner Beziehungs-Baustelle überfordert war.
Hey Andreas Du hast mich immer hier mit guten Gedanken begleitet. Ich denke an den Thread Verletzungen. Das war ein regelrechter Befreiungsschlag auch mal die Option mit einzubeziehen, daß XY ganz gut mit der Geschichte leben kann und ich doch jetzt mal nach mir schauen soll. Tja ich dachte damit sei es geschafft. Dann kamen Deine aufmunternden Worte, als das mit dem Hauskauf nicht klappte. Du hast keine Ahnung wie tröstlich das war. Als mich der Kollege von XY so getroffen hatte mit der Aussage, ich hätte XY nie leid getan - warst Du derjenige, der mir Mut machte nicht alles für bare Münze zu nehmen was einer so dahersagt..... ich durfte Dich Löcher in den Bauch fragen, wie Du Deine Vergangenheit mit Frau XY bewältigst.... ich erwartete kein Lob von Dir als ich bei XY angerufen hatte, aber ich wußte, wenn mir einer sanft den Kopf wäscht, dann Du. Also bitte.: Sag nie wieder Du hättest mir nicht geholfen! Du hast danach noch mal bei mir reingeschaut und konntest mir auf logischem Weg nicht weiterhelfen. Ja und? Carl57 hat
mir was tolles geschrieben und dann kam ich damit weiter. Trifft ungefähr
das was bei Goggel kam, als ich "intensive Gefühle" eingab. (gehöre zwar leider nicht zu den Hochbegabten.).., es war aber in etwa auch die Aussage, daß man sich mit solchen Gefühlen meist unverstanden fühlt und dabei in erster Linie lernen sollte sie als normal anzunehmen.
Seit ich mir alle Gefühle erlaube, ist vieles besser.
Ganz am Anfang hast Du mir mal geraten mich jetzt gedanklich mit meinem Mann zu beschäftigen. Auch Tocco 54 meinte, das sei jetzt als erstes dran. Die Reihenfolge konnte ich nicht einhalten. Das heißt aber nicht, daß das deshalb schlechte Ratschläge waren. Nein es war vernünftig und das, was jeder Mensch hätte umsetzen können, der sich unabhängig verhalten kann. Ich habe mir in den letzten Wochen manchmal Deine pragmatische, logische und einfach geradaus-Denkweise
vorgestellt und damit reflektiert warum das bei mir so nicht funktioniert.
Ich hätt ja gern Deiner Richtung gefolgt, konnte aber nicht drum rum noch einen Umweg zu machen. Die Richtung sieht trotzdem so aus, daß ich mir gedanklich immer wieder klar mache, warum es XY wahrscheinlich sogar besser geht wenn er nicht an mich denkt und daß ich wie ein trotziges Kleinkind für mich beanspruche, daß er mich doch bitte nicht allein lassen darf..... das sind alles die Zwischenschritte, die ich noch zu gehen hatte, Die Richtung die Du mir vorgeschlagen hast bleibt nach wie vor die, die ich auch nehmen will. ....mit dem Mut zur Ehrlichkeit und zum Scheitern. Ich freue mich immer, wenn Du mir schreibst und zwar deshalb: Ich sehe in Dir einfach einen echten und ehrlichen, mitfühlenden (Forums-)Freund - (wenn ich darf
)
LG Nys