Hallo Lindi
danke erst mal für die Info, wo Du grad steckst.
Ich wünsche Dir viel Erfolg mit dem Behördenkram! Bin gespannt, was Du erzählst wenn Du mal hier bist. Auch was XY angeht. Wie Du ja selbst schon erwähnt hast, ist Trennung manchmal auch mit Verklärung verbunden. Von daher gesehen, wäre es sicher leichter für mich gewesen, ich hätte auch mal so eine längere Ernüchterungs-Phase erlebt. (Und nicht nur einen Moment des "wahren" Gesichts).
OK - was war mit meiner Mutter.
Einmal unser Schicksal daß sie mich nicht stillen durfte und ich 4 Wochen
als Säugling in einem "Nebenraum" des Kinderstation gelegen habe. Ohne Kontakt zu einer Bezugsperson. Meine Mutter durfte nicht zu mir, sie hatte eine Infektion. Das hat sicherlich dazu geführt, daß wir sehr früh schon eine Störung in unserer Mutter Kind Beziehung erlebt haben.
Dann eine nicht kind-gerechte Erziehung. Kein Verständnis dafür, wenn ich unpünktlich war (die Zeit beim Spiel vergaß) kein Verständnis dafür, daß ein Kind mal was liegen läßt oder vergißt. Jede Kleinigkeit wurde sehr sehr hart bestraft. Ich kann mich an Szenen erinnern in denen ich unter die Eckbank im Eßzimmer geflüchtet bin und gebissen habe, als man mich aus dem kleinen Eck zwischen den beiden Bänken vorzog.
Das hab ich nur einmal gemacht. Aber es ist eigentlich meine erste Erinnerung an einen kleinen inneren Aufstand in mir. Das erste Mal, wo ich dachte, daß mir hier Unrecht geschieht. Ich habe mich danach nie wieder gegen die Schläge gewehrt. .....kannst Dir vllt. denken warum.
Es ist schlimm für ein Kind, wenn es merkt, daß der strafende Elternteil die Kontrolle verliert. Ich hatte lange Angst, daß ich es eines Tages "aus Versehen" nicht überlebe. Aus Angst habe ich geschrien - aber das habe ich mir auch bald abgewöhnt.......... kannst Dir vllt. denken warum. Was ich mir nicht abgewöhnen konnte war das Schluchzen und verzweifelte Weinen danach in meinem Kinderzimmer. Auch das war oft der Anlaß noch mal .......... kannst Dir vllt. denken.........Als ich 10 war hat man mir feierlich erklärt, ich sei nun zu alt für die Schläge. Es werde ab jetzt keine Schläge mehr geben. Es hat aber noch lange gedauert, bis ich so frei war, ein Leben zu führen, das meinen Wünschen und nicht den Wünschen meiner Mutter entsprach.
Ich bin ein bißchen stolz auf mich, daß ich schon mit 5 Jahren immer wieder Abgrenzungen zu ihr vorgenommen habe. z. B. in einem anderen Zugabteil fuhr - keine Zärtlichkeiten von ihr wollte oder kein Heimweh hatte, als ich 6 Monate bei den Großeltern bleiben mußte. Klar habe ich (gerade so ab 10) mich auch angepaßt und war eine fleißige Schülerin. Für Leistung wurde ich von ihr gelobt und das Leben wurde etwas leichter.
Heute fühle ich mich sogar von ihr geliebt. Ich muß nicht mehr mauern. Ich muß meine Unabhängigkeit nicht mehr mit Ungehorsam beweisen. Das hat unser Verhältnis verbessert. Und sie ist viel menschlicher geworden aufs Alter. Ich habe sie trotz allem gern. Aber ich werde nie wissen wie es ist - als Kind - eine Mutter gehabt zu haben.