Beiträge von Nys

    Hallo Lindi

    danke erst mal für die Info, wo Du grad steckst.
    Ich wünsche Dir viel Erfolg mit dem Behördenkram! Bin gespannt, was Du erzählst wenn Du mal hier bist. Auch was XY angeht. Wie Du ja selbst schon erwähnt hast, ist Trennung manchmal auch mit Verklärung verbunden. Von daher gesehen, wäre es sicher leichter für mich gewesen, ich hätte auch mal so eine längere Ernüchterungs-Phase erlebt. (Und nicht nur einen Moment des "wahren" Gesichts).

    OK - was war mit meiner Mutter.

    Einmal unser Schicksal daß sie mich nicht stillen durfte und ich 4 Wochen
    als Säugling in einem "Nebenraum" des Kinderstation gelegen habe. Ohne Kontakt zu einer Bezugsperson. Meine Mutter durfte nicht zu mir, sie hatte eine Infektion. Das hat sicherlich dazu geführt, daß wir sehr früh schon eine Störung in unserer Mutter Kind Beziehung erlebt haben.

    Dann eine nicht kind-gerechte Erziehung. Kein Verständnis dafür, wenn ich unpünktlich war (die Zeit beim Spiel vergaß) kein Verständnis dafür, daß ein Kind mal was liegen läßt oder vergißt. Jede Kleinigkeit wurde sehr sehr hart bestraft. Ich kann mich an Szenen erinnern in denen ich unter die Eckbank im Eßzimmer geflüchtet bin und gebissen habe, als man mich aus dem kleinen Eck zwischen den beiden Bänken vorzog.
    Das hab ich nur einmal gemacht. Aber es ist eigentlich meine erste Erinnerung an einen kleinen inneren Aufstand in mir. Das erste Mal, wo ich dachte, daß mir hier Unrecht geschieht. Ich habe mich danach nie wieder gegen die Schläge gewehrt. .....kannst Dir vllt. denken warum.
    Es ist schlimm für ein Kind, wenn es merkt, daß der strafende Elternteil die Kontrolle verliert. Ich hatte lange Angst, daß ich es eines Tages "aus Versehen" nicht überlebe. Aus Angst habe ich geschrien - aber das habe ich mir auch bald abgewöhnt.......... kannst Dir vllt. denken warum. Was ich mir nicht abgewöhnen konnte war das Schluchzen und verzweifelte Weinen danach in meinem Kinderzimmer. Auch das war oft der Anlaß noch mal .......... kannst Dir vllt. denken.........Als ich 10 war hat man mir feierlich erklärt, ich sei nun zu alt für die Schläge. Es werde ab jetzt keine Schläge mehr geben. Es hat aber noch lange gedauert, bis ich so frei war, ein Leben zu führen, das meinen Wünschen und nicht den Wünschen meiner Mutter entsprach.

    Ich bin ein bißchen stolz auf mich, daß ich schon mit 5 Jahren immer wieder Abgrenzungen zu ihr vorgenommen habe. z. B. in einem anderen Zugabteil fuhr - keine Zärtlichkeiten von ihr wollte oder kein Heimweh hatte, als ich 6 Monate bei den Großeltern bleiben mußte. Klar habe ich (gerade so ab 10) mich auch angepaßt und war eine fleißige Schülerin. Für Leistung wurde ich von ihr gelobt und das Leben wurde etwas leichter.

    Heute fühle ich mich sogar von ihr geliebt. Ich muß nicht mehr mauern. Ich muß meine Unabhängigkeit nicht mehr mit Ungehorsam beweisen. Das hat unser Verhältnis verbessert. Und sie ist viel menschlicher geworden aufs Alter. Ich habe sie trotz allem gern. Aber ich werde nie wissen wie es ist - als Kind - eine Mutter gehabt zu haben.

    Hallo Herze: Du hast das echt super beschrieben!


    Hallo Miriel

    für mich ist die Angst auch ein Prüfstein, an dem ich sehe wieviel "Macht" XY noch über mich hat. Und eines ist glaube ich sicher: Es fühlt sich nicht jeden Tag gleich an. Setz Dich nicht unter Druck. Ja es wäre besser gewesen, du hättest einen Cut gemacht - aber was hätte das gebracht, wenn es nicht Deine Überzeugung gewesen wäre????? Du hättest Dir nachher vllt. Vorwürfe und Sorgen gemacht und noch mehr dran rumgedacht und gedreht als jetzt.

    Dein Bedürfnis nach "Sicherheit vor ihm" kann ich so gut nachvollziehen.
    So ging es mir an meinem neuen Wohnort ja auch. Die Ruhe war weg, die ich zuvor hatte. Die neue Umgebung war vergiftet mit der XY-Geschichte. Vllt. könnte Dir so eine Art "Reinigungs-Ritual" helfen.
    Du könntest Dir was ausdenken und so ne Art Zeremonie draus machen.
    Jedenfalls halte ich nichts davon, wenn Du XY sagst, Du willst keinen Kontakt mehr, wenn Du nicht sicher bist, ob Dir das später keine Kopfzerbrechen macht. Es hat keinen Sinn, sich reifer zu geben als man grad ist - aber es ist ja nicht gesagt, daß Du nicht morgen schon einen Schritt weiter bist. Meine ganz frische Erfahrung ist: Jeder kleine Rückschritt war nur ein Anlauf für den nächsten großen Sprung, weiter weg von ihm.

    Laß Dir die notwendige Zeit! Du hast doch schon die richtige Richtung eingeschlagen. Selbstzweifel treiben Dich in die falsche Richtung und verstärken nur Deine Anfälligkeit und Angst.

    Liebe Grüße
    Nys

    Hallo jomela

    ich freu mich, wenn ich Dir helfen konnte.

    Gut daß Du jetzt Dein Wohl und das Deiner Familie wieder im Vordergrund siehst!

    Es wird sicher immer mal wieder Tage und Stunden geben, an denen Dir Dein Vater, und das was wer tut, sehr zu Herzen geht. Vllt. kannst Du Dir auch so eine Art Notfallkoffer bauen, auf den Du ggf. zurückgreifen kannst.

    Für mich war das der Grund meiner Anmeldung im Forum. Ich wußte ich würde noch rum-eiern und wollte dabei Hilfe von Menschen haben, die
    nicht aus meinem direkten Umfeld kommen. Die unparteiisch sind und denen das Thema selbst vertraut ist. Jetzt geht es mir nach einigen Hochs und Tiefs gerade richtig gut. Den Kontakt zum Forum werde ich trotzdem halten, weil es mir Stabilität gibt und immer ein guter Platz ist, um seine eigenen Gedanken von anderen hinterfragen zu lassen./ Eigen- und Fremdwahrnehmung zu überprüfen.

    In diesem Sinne hoffe ich auch weiterhin von Dir zu lesen!
    LG Nys

    Hallo Lindi

    so sehe ich das auch. Und ganz besonders deutlich wird es dann, wenn es mal wieder knackig kalt ist und jedes Eck in der Halle argwöhnisch beäugt wird.
    (Es könnt heut ein Säbelzahntiger hinter der Hallenbande lauern.... :shock: lieber mal ein Fluchtversuch Richtung Ausgang...)

    Bin ich bei mir und habe nicht schon den nächsten Programmpunkt im Kopf - habe ich Vertrauen zu meinen Fähigkeiten und zu meinem Reaktionsvermögen - habe ich die notwendige Gelassenheit um dem
    624 kg- Baby zu sagen: "Was kann Dir schon ein Säbelzahntiger, wenn er vorher an mir vorbei muß??"


    Dann ist mein Hintern so tief im Sattel und der Knieschluß so gleichmäßig dran und die Hüfte so am mit-schwingen, daß auch die Verspannung der Rückenmuskeln unter mir bald nachläßt. Der Große mit dem Hasenherzen kommt sich dann glaub richtig blöd vor, wenn mich sein Säbelzahntiger garnicht beeindruckt. (Er ist Pilot-Enkel)
    also weißt Du wahrscheinlich was für ein Herr Spinnert das sein kann. Ein super Gefühl wenn er dann plötzlich ganz entspannt prustet und an der Säbelzahntiger-Ecke den Hals fallen läßt. (Ist für mich mehr Erfolg als eine gelungene Pirouette).

    Die Macht der Gedanken, war ja auch mal so ein angefangener Thread von mir - und das merkt man im Umgang mit den Pferden extrem.
    Meine Schwiegermutter hat mich mal begleitet. Ohne Ahnung von Pferden ist sie mit meinem Araber spazierengegangen. Weil sie sich garnicht von seinen "herum-hops-Aktionen" und vom Angaloppieren Richtung Wiese beeindrucken ließ, hat sie sich automatisch richtig verhalten und weil sie wußte was sie wollte konnte sie ihn meisterhaft steuern. Alle waren total begeistert, wie sie das macht. Sie kam und strahlte übers ganze Gesicht.
    "ich mach das heut zum ersten Mal!" - sie war bei sich und durch nichts aus der Ruhe zu bringen... / ein Erfolgsrezept, das man glaub fürs ganze Leben anwenden kann.

    :D hab mich übrigens voll gefreut, daß Du mir schreibst - wußte nämlich nicht, wie ich Dich erreichen kann um mal zu fragen wie Du denn jetzt in Deutschland angekommen bist, - ob das mit dem Transport geklappt hat und wie es Dir gerade so geht. Hast Du einen Thread? ... also so einen fortlaufenden?

    LG Nys

    Hallo Miriel

    das mit der verlorenen Sicherheit ging mir auch so - als ich von zuhaus wegen XY ausgezogen war. Ich hatte mir einen Platz gesucht an dem in erster Linie ich glücklich war und allein für mich mit all den Erlebnissen umgehen konnte. Als XY dann sagte, er werde mich dort besuchen kommen, - war ich schon fast in Versuchung, zu sagen: Aber bitte komm nur, wenn Du es ernst meinst. (Habe mir das aber verkniffen, weil es mir irgendwie blöd vorkam so was zu sagen). Tja danach habe ich ihm das vorgeworfen, daß er es sich nicht vorher überlegt hat, was er nun eigentlich will. War aufgetaucht um mal wieder in den "Genuß" meiner Anwesenheit zu kommen und wollte dann unverbindlich in Zukunft kommen und gehen wie es grad rein paßt.
    Oh man war ich sauer........ und enttäuscht.
    Der Zauber meiner neuen Umgebung, in der ich mich bis dahin so wohl gefühlt hatte, - hatte damit seinen Schutz-Zauber verloren.

    LG Nys

    Geschlafen hab ich nicht lang, (so bis 10?)- dafür
    hatte mich das Telefon ab 11 Uhr schon wieder mächtig am Wickel

    Es ist erstaunlich, wie viel Energie mir wieder zur Verfügung steht.
    Muß wohl was damit zu tun haben, daß mein Gehirn auch Energie
    verbraucht hat, als es noch XY als Trittbrettfahrer mit dabei hatte.

    So konzentriert und ausdauernd habe ich mich seit Jahren nicht mehr
    erlebt und ich freue mich so. Hatte gedacht, es liege am Alter an der
    Alltagsroutine... usw. / Ne, hurra - ich (er-)kenne mich wieder!

    Seit 2007 hatte mich vieles frustriert. (Ich kann's hier im öffentlichen nicht schreiben) - und dann bin ich in die XY Geschichte reingeschlittert.
    Eigentlich habe ich dabei zunächst meine eigenen Bedürfnisse wahrgenommen und gelebt. Daß es der falsche Platz dafür war konnte mich lange nicht abhalten. Dieser Fehler hat mich aber darauf aufmerksam gemacht, daß es bei mir einen Fehler im System gab. Und daß es das System schon vor XY gab.

    Einerseits bin ich wieder da wo ich vor XY auch war. Aber es ist manches anders geworden. Ich bin mir selbst bewußter. Meine Bedürfnisse haben einen neuen Stellenwert. Bei mir und meinem Partner.

    Bißchen schade finde ich, daß ich bei der Konzentration auf die Arbeit nicht viel mit den Pferden machen kann. Zuerst krank, dann Rückstände aufarbeiten...die armen - sie wissen ja nicht, warum sie grade so zu kurz kommen. Vorgestern saß ich seit gefühlten 3 Wochen zum ersten Mal wieder auf dem Pferd und mein Brauner hat alles gegeben (ich glaube er dachte, wir reiten nie wieder :wink: ) Das war ein schönes Erlebnis:
    Harmonie auf Anhieb und zwei Glückliche im Gleichklang - er hat auf die leisesten Hilfen reagiert und war dazu noch richtig beschwingt. Könnte schon sein, daß es auch bei den Tieren gut ankommt, wenn ich zuerst mal bei mir bin. Dann kommen sie vllt. mal etwas zu kurz - aber ich bin
    gelassener und gelöster, wenn ich nicht versuche alles gleichzeitig und dann noch 200% hinzukriegen.

    Hallo jomela

    das ist das gemeine an der Alkoholkrankheit, daß es einem als Zuschauer das Herz zerreißt und man sich
    so gedrängt fühlt, helfen, den Absturz verhindern und
    den geliebten Menschen einfach nur retten zu wollen.

    Aber gerade das ist ja der Anfang vom Co-Kreisel, der
    die Krankheit des Alkoholikers noch "füttert".
    Mein Vorschlag an Dich an dieser Stelle: Bevor Du
    Dir Gedanken machst, was aus Deinem Vater wird, halt inne und frage Dich was aus Dir dabei wird.

    Sofern es Suchtberatungs-Stellen in Deiner Nähe gibt, rede dort mit Menschen die Erfahrung im Umgang mit Suchtkranken haben. Lies so viel Du kannst: Bücher, Forum Lebensgeschichten. Lies hier bei den Alkoholikern und Du wirst sehen: Jeder Helfer war ihnen in der nassen Zeit entweder lästig oder einfach nur sch** egal. Das bringt Dich vielleicht wieder runter von der Idee, daß Dein Vater Dich braucht um wieder gesund zu werden. Deine Mutter schützt sich selbst mit ihrer Egal-Einstellung. Es wirkt aber unmenschlich - -das verstärkt Dein Mitgefühl mit ihm. Wie gesagt, das macht was mit Dir. Viel mehr als mit ihm. Du kannst noch so viel Mitgefühl haben, es wird ihn nichts stoppen, wenn er selbst keinen Grund dafür sieht. Bitte hol Dir Hilfe von Menschen, die die Lage unsentimental und realistisch einschätzen können.

    Gut daß Du hier bist!

    LG Nys

    Liebe Linda

    gar kein Problem, wenn Du nicht gleich zurück schreibst.
    Manchmal geht es einfach nicht. Fühl Dich nicht verpflichtet hier für irgendjemand was zu tun. Du bist wegen Dir hier und wenn Du Kraft allein tanken mußt, dann tu das solange und so oft wie es notwendig ist.

    Du fragst wie ich rausgekommen bin?

    Kann ich Dir garnicht so genau beantworten. Es ist eher so eine Hin- und Her Bewegung gewesen. (Was meine Mutter angeht). ...und die ist ja nicht alkoholkrank. Auch bei meinem XY war es zwar ein stetiger Entfernungsprozeß, aber auch mit gefühlten Rückschritten verbunden. Tatsächlich kam ich aber doch immer ein Stück weiter raus. (lach) fast wie bei einer Geburt. So kann ich nur sagen: Das Ziel nicht aus den Augen verlieren! ....und für mich war wichtig immer den Weg des inneren Friedens zu gehen.
    Wenn ich so bei Dir lese, denke ich daran, daß meine Mutter alle anderen Kinder immer sooooooo toll fand- nur ich war irgendwie nie so wie sie sich das dachte. (Ich hatte keine Geschwister, die mit mir aufwuchsen). Aber es gab Nachbarskinder und der un die usw. die von meiner Mutter in den höchsten Tönen gelobt und mir vorgehalten wurden. Angefangen von der tollen Figur bis zu Anmerkungen, wie toll meine Freundein mit dem Fahrschul-Auto über die Kreuzung gefahren sei :roll:

    Da wußte ich gleich: mir traut sie das so nicht zu!

    Aber was soll's - die Zeiten sind einfach vorbei und bei Dir sind sie eben noch sehr präsent. Als mein Vater vor 6 Jahren starb, hatten meine Mutter und ich sofort einen Riesenkrach. Ich trauere anders als sie. Sie wollte mir vorschreiben, wie das abzulaufen hätte. Wir waren zusammen in ihrer kleinen Wohnung und es war eine innerliche Zerreißprobe.
    Leb Deine Trauer und entdecke dabei Deine eigene Würde. Deine Einzigartigkeit auf dieser Welt. Vllt. braucht Deine Mutter auch die Erfahrung, daß Du Deinen eigenen Weg gehst und es an ihr liegt, ob sie Dich verliert oder ob sie Verantwortung für ihr Handeln an sich selbst und an Dir übernimmt.

    LG Nys

    Ich hab heut auch nen Dachdecker gesehen
    (auf den Dächern hier liegt inzwischen so ne Puderzucker-Schicht Schnee)

    Der Dachdecker hatte seinen großen runden Hut
    auf
    .............und ging mal eben zum Bäcker rein. :wink:

    Kaffeepause oder Feierabend?- jedenfalls wirkte er sehr entspannt.

    Mir macht das Wetter gerade garnichts aus. Habe an den paar Sonnentagen alles erledigt, was ich in der Kälte und wg. der Erkältung aufgeschoben hatte.
    Pferdedecken enthaart und zur Reinigung gebracht, Auto gewaschen und gesaugt. Die Untiefen des Koffer-Raums entrümpelt. (erstaunlich , was man da findet.... :shock: ....)

    und jetzt geb ich noch mal Vollgas vor meinem ersten Urlaub in diesem Jahr. (in der Karwoche). Wir werden zuhaus bleiben - aber ich bekomme neue Büromöbel und umgeräumt habe ich auch schon. Mein XY Drama ist nun auch friedvoll entsorgt. Und es fühlt sich angenehm endgültig an.

    so kann der Frühling und überhaupt ein ganz neuer Lebensabschnitt kommen.

    LG Nys

    Hallo Linda

    ich glaube Du bist einfach deshalb schon mal richtig hier - weil Du an Dir arbeiten möchtest. Und ob Dir nun ein Alkoholiker, ein (ex-)Co oder ein EKA schreibt ist zweitrangig - sofern Du für Dich daraus etwas ziehen kannst.

    Ich will Dir schreiben, weil ich auch ein problematisches Verhältnis zu meiner Mutter hatte und teilweise immer noch habe.

    Der Druck und die Enge in/auf meiner Brust war immer präsent, wenn ich in ihrer Nähe war. (als ich noch zuhause lebte)
    Noch heute bekomme ich eine schrille Stimme und Atem-Probleme, wenn sich eine Meinungsverschiedenheit mit ihr andeutet. Sofort habe ich Angst, sie könnte mich seelisch erpressen. Als Kind hatte ich einen ständig sich wiederholenden Traum: Ich mußte ein Krokodil töten, das mich verfolgte.
    Es schwamm mir im Schwimmbad hinterher und verfolgte mich bis in die Kabine und die Toilette. Ich hatte nur ein kurzes Küchenmesser. Ich wollte es nicht töten, aber ich saß in der Klemme. So habe ich es erstochen. Immer wieder. Ein Psychologe meinte, das Krokodil sei ein Sinnbild für meine Mutter gewesen.

    Wie habe ich mich nun im realen Leben befreit? Ich sehe meine Mutter als einen schwachen Menschen an - aber ich versuche sie zeitgleich zu achten. Als die Frau die mir das Leben schenkte. Ich achte sie - ich achte ihr Schicksal. Ich sehe wir sind verschieden und versuche sie nicht abzulehnen - denn es ist meine direkte Vorfahrin auf der Linie der Frauen in unserer Familie. Ich versuche barmherzig zu sein indem ich ihre Bedürftigkeit erkenne und ihre Unfähigkeit "Freiheit" zu leben respektiere.
    Ich versuche ihren Rat nicht grundsätzlich abzuwerten (wie früher) - so manches Mal ist doch Weisheit dabei. Ich versuche frei zu sein. Von dem Mädchen, das einst unter ihr gelitten hat.

    LG Nys

    Kurze Zwischenbilanz bevor es weiter geht.

    Im erweiterten Forum habe ich mein Tränen-TB abgeschlossen und ein neues Tagebuch mit der Überschrift "Angekommen" angefangen.

    Angekommen bin ich bei mir selbst.

    Dazu hatte es noch diese letzten Schritte benötigt. Im Thema Verletzungen hatte ich bereits die ersten Schritte in die Freiheit gefunden. Das Loslösen war da noch mit Verletzungen und Sorgen belastet. (Verklebt). Die Verletzungen und Sorgen konnte ich dank den Beiträgen von Andreas ablegen und fühlte mich frei.

    Was als letzter Rest übrig blieb - war die auf den letzten Seiten beschriebene Verbundenheit und eine gewisse Ratlosigkeit wie ich ihn (meinen ehemals Vertrauten und Geliebten) nun gedanklich "aufräumen" soll. Wohin mit ihm? Als Teil meiner Vergangenheit. Als Mensch der mir nicht egal ist und als der XY, der mir egal sein muß.

    Sicher ist der Glaube nicht jederman's Sache. Bei mir ist's aber so und damit habe ich jetzt einen guten "Aufbewahrungsort" gefunden.

    Und es hat sich noch nie so gut und so "richtig" angefühlt.
    Daß man ein Leben lang verantwortlich ist, - für das was man sich vertraut gemacht hat ----------- ist immer ein Leitspruch von mir gewesen. Dabei ging es mir immer um meine Tiere. Ich würde sie niemals hergeben. Dafür ist mir ihr Vertrauen und ihre Zuneigung viel zu kostbar.

    Ich wollte einen Weg finden, bezüglich XY diesem Leitspruch treu zu bleiben und doch eine vollständige Abkehr von ihm (auch gedanklich) vollziehen. Unabhängig davon von ob er mich noch liebt. Ich wollte diese Abkehr ohne Bitterkeit und ohne Vorwürfe wegen seiner Sucht. Ich wollte eine zutiefst menschliche Abkehr aber auch eine Abkehr mit einer nicht angreifbaren Endgültigkeit.
    Das alles beinhaltet meine Vorstellung, XY in die Hände Gottes zu legen. Das ist Trennung und Menschlichkeit zugleich.

    So habe ich damals im Thema Verletzungen (dank dem Anstoß von Andreas) meine Freiheit und nun in meinem Glauben auch den Frieden gefunden.

    Freiheit und Frieden

    gibt es einen besseren Start in eine Neu-Zeit? Jetzt kann die Liebe dazu kommen. Jetzt habe ich wieder Kraft für die Arbeit und bin bereit wieder zu investieren. In die Beziehung zu meinem Ehemann - in die Arbeit mit den Pferden und natürlich in meinen Beruf. Der wird mich in den nächsten Monaten sehr vereinnahmen. Ich weiß noch nicht wie viel Zeit mir bleibt hier zu schreiben. Da ich vieles umstrukturieren mußte und nun fast nur noch im Außendienst unterwegs sein werde. Ich freue mich auf die neuen Aufgaben und habe endlich auch das Gefühl bereit dafür zu sein. Ein bißchen aufpassen muß ich auf das Maß aller Dinge. Die Arbeit kann mich teilweise zu sehr vom Leben abhalten. Doch das Wichtigste ist - ich bin endlich

    Angekommen bei mir. Jetzt kann's los gehen. Leben Teil II

    --- und ich bin kein bißchen euphorisch---! -------- alles so schön ruhig hier.

    Hallo Maik

    oh wei - das hört sich nach ZahnHorror-Film an! grrr.
    Hab erst einmal eine Wurzelbehandlung gehabt, weil der ZahnA sie versehentlich angebohrt hat...... ne
    so richtig Spaß macht das nicht. :mrgreen: ...und die Geräääuuuusche.~~~

    Vor ca. 7 Wochen habe ich "anstandshalber" einen stein-harten American-Cookie gegessen
    so was Blödes (ich hatte 3 Tage das Gefühl meine Zähne seien alle total ramponiert!) (Ich hätte genauso gut den Oberschenkelknochen einer Kuh essen können)
    Jetzt meine ich, daß eine meiner Plomben Schaden genommen hat. .... also sollte ich mal zum Doc.
    ZahnA ist aber gar nicht mein Ding. Oh je. Ich werd es hoffentlich nicht so lange rausschieben, bis es mir
    geht wie Dir. Und es kommt ja doch immer am WE.!

    viele Grüße aus dem (noch) regnerischen
    Süden
    Nys

    Hallo Maik

    es freut mich, daß es Dir schon wieder besser geht.
    Solche Gespräche sind sicher wichtig, für die Selbstrefkletion - aber ich habe Deinen Beitrag auch mit angehaltenem Atem gelesen. Ganz ungefährlich ist das für Dich sicher nicht. ME ist es unbedingt wichtig, daß Du ganz genau in Dich reinhörst, wann Du zu so einem Gespräch/Kontakt in der Lage bist und in welchen Momenten Du besser auf Distanz gehst. (Wenn es Dir z.B. grad selbst nicht so gut geht)

    Für Dich auch ein schönes Wochenende
    LG Nys

    Hallo zusammen

    @Time

    Zitat

    dann gebe ich das ab, meist in einem kleinen Gebet.
    Auch mir hat der Weg am meisten geholfen, loszulassen.

    Danke daß Du das geschrieben hast. Hat mir sehr gut getan, nicht allein zu sein mit dieser Lösung!

    Marie04

    Auch Dir Danke, daß Du Dich noch mal gemeldet hast. So fühle ich mich
    von Dir verstanden.

    pintura

    Es ist nicht die Frage ob er mich liebt oder ob er seine Flasche liebt.
    Die Frage war, wie gehe ich damit um, daß er eines Tages dastehen könnte und sagen: Ich habe Dich geliebt aber Du hast mich vergessen.
    Natürlich könnte ich dann sagen.............Du hast doch.................
    Aber es wäre eine Rechtfertigung gewesen / und die Bemühungen ihn keines Gedankens mehr zu würdigen hätten immer in dem Zweifel geendet, ob es nicht kalt und egoistisch ist.

    Jetzt kann ich getrost eines Tages sagen: "Ich habe Dich nicht vergessen.
    Ich habe für Dich gebetet, jedes Mal wenn ich an Dich dachte und wenn ich mir überlegte wie es Dir geht. Das war das einzige was ich für Dich tun konnte."

    Damit habe ich Frieden in meinem Herzen. Und das Gefühl, meine Art des Loslassens gefunden zu haben. Ein Loslassen, bei dem ich ihn nicht ins Verderben schicke, mit dem Hinweis, er hätte ja selbst schuld. Sondern ein Loslassen mit dem Hinweis, daß er Gott anbefohlen ist - ungeachtet seiner Schuld, seiner Lügen, seiner Trunksucht, seines Versagens. Ein Ort an dem ich ihn getrost lassen kann (gedanklich) weil ich ein gläubiger Mensch bin. Und eine Aussage die ich ihm gegenüber machen kann, sollte er mich eines Tages danach fragen. Er hat mich oft das Vater Unser oder ein freies Gebet sprechen hören. Er würde bei dieser Aussage also wissen, daß es nicht irgendein Geschwätz ist.

    Als ich noch an ihm hing, ging das mit dem (Gebet für ihn) nicht. Da war mein Wunsch und die Sehnsucht nach ihm zu groß. Da half mir das Gebet nicht Frieden zu finden. (Es hat ihn ja nicht ersetzt.) Jetzt wo ich ihn nur noch loslassen muß und garnicht wiederhaben will - sind die Hände Gottes (für mich) ein sehr guter Ort an dem ich ihn zurücklassen /und jede Sorge und jedes Verantwortungsgefühl dieser Höheren Macht übergeben kann.

    Hallo Speranza

    ich habe hier "laut" gedacht und der eigentliche
    Sinn dieser Gedanken war - einen Weg zu finden auf dem es mir gut geht.! -

    Ich habe das im letzten Beitrag ja auch geschafft.
    Ich habe einen Weg gefunden ihn liebevoll loszulassen.

    bzw. diese Verpflichtung zur Verbundenheit abgeben zu können. Sollt mich mal wieder das Gefühl überkommen, daß ich ihm etwas Gutes tun möchte, dann werde ich für ihn beten. Das mag jetzt vielleicht drollig klingen - ist für mich aber eine Lösung. Weißt Du ich fühle mich nicht für ihn verantwortlich - sondern für das was ich für ihn sein wollte. Das ist wie ein Versprechen, das sich nicht so ohne weiteres aus der Welt schaffen läßt. Unabhängig von dem, was der andere erwartet oder tut oder ist oder getan hat. Ich bin da halt so. Deshalb mußte ich meinen Weg finden. Früher hat das mit dem Gebet nicht geklappt - weil da noch Liebe war. So partnerschaftliche Liebe. Seid dem die weg ist und nur noch menschliche Zuneigung da ist, reicht das Gebet aus, um meiner Seele wieder Frieden zu geben. Und das war der Weg den ich suchte. Der Weg zu meinem Seelenfrieden. Also eine ganz egoistische Suche - kein Co-Denken!

    Hallo Pintura

    Ich glaube ich bin einfach ein sentimentaler Mensch. XY gleicht für mich einem Sterbenden, dem man einfach nichts mehr verübeln kann, den man aber auch nicht mehr in die Welt der Lebenden zurückholen kann.
    Daß er mich noch liebt, hat mich berührt. Aber wahrscheinlich ist das auch nur so ein Leuchtrakete die
    mal kurz durch sein nasses Gehirn geschossen ist. Daß diese Aussage auf sein Verhalten keinen Einfluß hat, war mir klar. Schwer war für mich, nichts dazu sagen zu können. Ich war ja nur telefonischer Zuhörer. Aber wahrscheinlich hast Du wie all die anderen Recht, die sagen: Das hatte nicht viel zu bedeuten. (s. Leuchtrakete) Wahrscheinlich messe ich diesem von ihm geäußerten Gefühl viel zu viel Bedeutung zu und mache mir damit das Leben unnötig schwer. Also Puste sparen - er braucht die Info nicht, daß ich ihm immer noch eine gewisse Verbundenheit entgegenbringe. Also eher die Frage: Wie werde ich gleichgültig ohne mich selbst zu verleugnen. Ich werde niemals dahin kommen, daß mir sein Werdegang gleichgültig ist. So bin ich einfach nicht gestrickt. Da ist seine Gleichgültigkeit nur eine Krücke, die mir "humpeln" hilft. Vllt. sollte ich bei dem Gefühl ansetzen das mir immer wieder sagt: Du warst seine Vertraute, Du warst sein Zufluchtsort, er hat Dich geliebt und deshalb bist Du verantwortlich. Verwantwortlich dafür, daß er sich niemals verlassen vorkommen darf. Ich habe seltsamer Weise das Gefühl, diese gefühlte Verbindung nicht kappen zu dürfen. Es wäre herzlos, es wäre egoistisch, kalt und gleichgültig. So "darf" ich meinem Selbstbild nach nicht mit ihm umgehen. Weil er mir mal so nahe stand. Und diese Liebeserklärung hat da natürlich meinen wunden Punkt getroffen. Ich schwanke zwischen dem Gedanken das einfach als nasses "pille palle" abzuhaken und dem Gedanken einen Weg zu suchen. Es könnte ein Weg sein, wie ihn Eltern von Suchtkranken oder Kinder von Suchtkranken gehen. Da kann auch keine Gleichgültigkeit aufkommen (denke ich). Und doch muß es einen Abschied geben. Einen Abschied der auch die gefühlte Verbindung kappt. -Das ist ein größerer Abschied als an einem Sterbebett. Mit einem Sterbenden darf ich bis zum Schluß verbunden sein, leiden und auf Erlösung warten. Bei meinem Abschied muß es wie in meinem Thread-Titel ein Ablegen vom Ufer sein. Eine zunehmende Entfernung von XY raus aufs Meer, mit neuer Richtung - neuem Ziel. Der Vergleich hinkt. Weil die Vergangenheit mitreist. Spekulationen über das was er denkt oder fühlt ist Co. Das will ich ablegen. Aber ihn als Menschen gibt es noch. Egal was für ein kaputter kranker gleichgültiger ungerechter ekeliger sonstwas aus ihm wird - ich habe einmal seine Seele geliebt. Vllt. hilft beten. Ihn behutsam behandeln in dem ich ihn in Gottes Hände lege und damit die Verbindung/Verantwortung abgebe. Da fällt mir der Vergleich vom Fährmann ein. Der erlöst wurde in dem er das Ruder an den Fahrgast abgab. Vllt. kann ich so aus diesem Boot aussteigen, das immer zwischen dem einen und anderen Ufer hin und her fahren muß. Ich gebe das Ruder ab. In diesem Fall an Gott, - bei dem ich XY gut aufgehoben weíß. Ein Weg wie ich die Distanz ohne Bitterkeit oder Verurteilung aufbauen könnte. Danke Pintura! Ich wäre da jetzt nicht so gut weitergekommen, wäre ich nicht über Deinen Eintrag ins Schreiben und Reflektieren gekommen!

    Liebe Natalie

    ich denke oft an die Kinder von XY. Ich hoffe, daß sie irgendwann mal so stark werden wie Du. Aber ich weiß auch, daß sie nie einen Vater haben werden, der einfach da ist und für sie da ist.
    Da komme ich mir dann manchmal richtig blöd vor, daß ich mir einbilde auch noch wegen ihm Schmerzen haben zu müssen. Vielleicht kann ich von Dir lernen, wie Du das mit dem Abstand hinbekommst ohne gleichgültig zu sein.

    LG Nys