Beiträge von Nys

    So sehr ich XY (beinahe abgöttisch) liebte, so war er doch in der Lage meine aller boshaftesten Seiten zu tage zu fördern.

    Die Beziehung war zu kurz, als daß diese Seiten ans Tageslicht gekommen wären. Mir ist aber wieder eingefallen wie ich ihm gegenüber verständnisvoll und liebevoll reagierte - während mir innerlich gar nicht danach war.

    Manchmal habe ich stundenlang stille Zwiegespräche geführt. Sehr gehässige. Am Telefon hatte ich noch zu ihm gesagt: "Gar kein Problem. Verstehe- daß es Dir heute nicht gut geht / Verstehe daß Du jetzt trinken mußtest" usw.


    Danach war ich allein und hab vor mich hingeredet: Gehässig, böse und unter der Gürtel-Linie, daß mir manchmal selber vor mir graußte. Ich war so gehässig, weil ich ihm neidete, daß es immer nur um ihn und seine Befindlichkeiten ging. Weil ich keine Möglichkeit sah, ihm das zu sagen (ich dachte ja ihm geht es so schlecht, daß er seinen Egoismus garnicht bemerkt) hat sich so was Fieses angesammelt. Wären wir länger zusammengewesen, wäre ich mir seiner sicher gewesen - ich hätte es irgendwann rausgelassen. Es ist erschreckend was so ein Abhängigkeitsverhältnis aus einem macht. Vllt. kommt daher irgendwann der Wunsch, der übrigens ein typisches Merkmal der CoAbhängigkeit ist:
    Da lautet die Frage: "Wünschen Sie sich manchmal den Tod Ihres Partners?"

    So weit war ich noch nicht. Aber ich spürte, er könnte mich eines Tages soweit bringen.

    Aber sobald ich ihn sah -spätestens wenn er mich wieder völlig sentimental in den Armen hielt. War es weg wie ein Spuk. So habe ich es immer wieder vergessen, verdrängt und weitergemacht.

    Bevor es hier ins Ungleichgewicht

    (der manipulierende Trinker, der leidende Co)

    gerät. Will ich noch mal drauf aufmerksam machen, daß wie Co auf genauso kranke Art meinen, manipulieren zu müssen. Kleine Erfolge beflügeln unsere Bemühungen und wir drehen uns um den Alkoholiker ohne Selbstreflektion. Dabei wird vermeintlich seine Trockenheit und alles wird gut angestrebt. In Wirklichkeit befinden wir uns in unserer eigenen Sucht. Können nicht "von außen" betrachten sondern sind getrieben von dem Spiel aus dem wir nicht aussteigen können. Weil wir Verantwortung übernehmen für alles - nur nicht für uns selbst.

    Nur noch mal so als Anstoß.

    Hallo Maik

    Über das was Du getan hast solltet ihr Euch beide keinen gemeinsamen Kopf machen. Du für Dich vllt. als Notfallkoffer(Meine Meinung) Das war nasses Verhalten und kann eigentlich nicht verstanden oder aufgearbeitet werden. Aber diese (immer noch) nicht vorhandene Augenhöhe ist ein Ansatz-Punkt. Ist aber mM ihre Abhängigkeit und ihre Baustelle. Du kannst ihr da so wenig helfen, wie man einem Alkoholiker helfen kann. Sie muß schon selber da raus kommen wollen. Sich und ihren Selbstwert nicht mehr von Deiner Zuwendung abhängig machen. Ich habe mich XY immer als die Große :stark und entschlossen gezeigt. Weil ich wußte, daß er das "braucht". (Merkst Du was? - Ich spielte die Heldin - war aber zutiefst bedürftig) Als ich ein Mal diese Schwäche zeigte, fielen die Masken. Ich konnte garnicht ich sein. Habe das aber geglaubt. Bin in meiner Helfer-Rolle aufgegangen. So ein Verhalten legt man nicht von heute auf morgen ab. Mit XY könnte ich wohl auch nicht wirklich "unabhängig" leben.
    Dazu war die Sucht auf seine Art, auf die gefühlte Symbiose zu stark. Insgeheim fühlt man selbst, daß das nicht normal ist und das nährt wiederum das Gefühl nicht "ohne" leben zu wollen. Leider stehen XY nicht auf einer Drogenliste und so sieht es immer nach ganz großer Liebe aus. Warum sehen Mütter zu, wenn der Ehemann die Töchter mißbraucht? Ich befürchte ich weiß warum. Man wird immer weniger, je mehr man merkt, wie bedürftig und abhängig man ist. Da schwindet irgendwann die letzte Kraft und die Abhängigkeit wird zur tiefen tiefen Falle. Ich habe viele solcher Frauen vor Gericht die Aussage verweigern sehen oder Ihren Mann in Schutz nehmen hören. Er sei ja sonst nicht so. usw. usw...Sie sahen alle nicht glücklich aus. Aber der Mann war in ihren Augen ihr einziger Halt im Leben. Wie bei den Alkoholikern die Flasche.

    Aber Du hast es ja schon mal geschafft! Sie hat da noch was vor sich.
    Ich wünsche Euch einen erfolgreichen Neustart. Ist ja alles noch nicht lange her und gut Ding will auch Weile haben. Daß sie sich in Therapie befindet ist ja schon mal nicht schlecht oder? Aus Schuldgefühlen oder falscher Verantwortung solltest Du aber nicht bei ihr bleiben. Ehrlichkeit auf beiden Seiten ist die einzige Absicherung gegen eine falsch eingeschlagene Beziehungsrichtung (mM).

    Liebe Grüße
    Nys

    Hallo Nina

    es ist sogar sehr ok, daß Du hier schreibst! Ich finde dieses Thema macht erst durch den Austausch mit Euch Trockenen so richtig Sinn! An dieser Stelle auch nochmal an Maik vielen Dank für die ehrlichen Worte!

    Bei uns co ist es ja so, daß wir oft am Überlegen sind, was nun bewußt geschehen ist und was einfach Unfähigkeit oder Suff war. Gerade diese passive Manipulation ist für mich ganz schwer zu durchschauen gewesen. Ich habe mich so lange noch gefragt, ob ich ihn dafür nicht sogar bemitleiden müsse :shock: Irgendwie stand er immer wie der Gebeutelte da, der ja nichts dafür konnte.

    Es gehört halt zum nassen Verhalten - raubt uns Co aber fast den Verstand. Ich hatte das Glück, nie als die Böse da zu stehen. Alle Entscheidungen in unserer Drei-Ecks-Beziehung (ich war die Geliebte) hat mein XY geschickt seiner Frau zugeschustert. Ihre Eifersucht war ihm dann ein willkommenes Instrument, sie und mich noch besser manipulieren und Frust-Saufen zu können. Entscheidungen treffen mußten wir Frauen dann unter uns.

    Und auch ich habe in der Zeit davor mich ertappt: Bei Manipulationsgedanken: Wie verhalte ich mich so, daß er endlich eine Entscheidung trifft und daß ich nachher nicht schuld bin wenn er abstürzt.
    Wie beinflusse ich ihn, daß er mal zum Arzt geht? Wie verhalte ich mich richtig, damit er nicht eingeschnappt ist und abtaucht. So habe ich ihn immer wie ein rohes Ei behandelt. Immer aus Angst, daß der Schuß in irgendeine Richtung nach hinten los geht. Ich fühlte mich verantwortlich für seine Zukunft :roll:

    LG Nys

    Hallo Maik

    ich antworte Dir mal hier auf Deinen Beitrag bei uns Co's zu Manipulation.

    Erst mal find ich es super, daß Du dazu was geschrieben hast! Es ist gerade für uns Co's sehr wichtig, mal die andere Seite dazu zu hören. Ich bin gespannt, was da noch an Antworten kommt. Deshalb wollte ich Dir lieber hier antworten!

    Ich kann Dir leider keine Tips geben, was die Beziehung zu Deiner Freundin angeht. Eine Therapie für Euch beide wäre sicher sinnvoll. Auch CoAbhängigkeit ist ein "krankes" Muster und das tut keiner Beziehung gut. Meine CoAbhängigkeit ist dadurch entstanden, daß ich Geborgenheit suchte - um jeden Preis. Ein Defizit aus der Kindheit, das mich die Schutzmechanismen eines Erwachsenen einfach nicht entwicken ließ. Und komischerweise
    besonders auf den Alkoholiker-Charme ansprang.
    Nur mit XY war so eine Art Symbiose-Zustand möglich. - Den ich als Kind und im Säuglingsalter vermissen mußte. Für den Ausgleich diese Defizites - also die schönen Momente mit XY - hätte ich noch viel in Kauf genommen. Aber die Achtung voreinander sinkt in ungesunde Tiefen. Deshalb ist es mM nach wichtig, daß jeder bei sich und den tieferliegenden Ursachen seiner Sucht ansetzt. Dort wo die Persönlichkeitsentwicklung nicht ausreichend stattgefunden hat. Das kann man allein schaffen, - Therapeuten könne wichtige Impulse geben. Die Selbstreflektion kann nur jeder für sich selbst bewerkstelligen. Ich wünsche Dir in Deiner Beziehung die Augenhöhe und die gesunde Freiheit einander liebevoll aber unabhängig zu begegnen.

    Liebe Grüße und noch mal vielen Dank für Deine Beteiligung an dem Thema!
    Nys

    Hallo Hiob

    Deine Worte sind klare Ansage und Hut ab vor Deiner Konsequenz! Mit dem Lotterie-Spiel hast Du sogar
    die Brücke zum Suchtfaktor bei der Manipulation geschlagen. Man erwartet bei kleinen Gewinnsummen (wie ein Spieler) den nächsten Erfolg. Bei Mißerfolg erhöht man den Einsatz. Notwendige Einsicht, daß es nichts zu gewinnen gibt! So sehe ich das auch

    Danke für Deinen Beitrag!
    Liebe Grüße Nys

    Hallo Forum!

    Ein Thema das hier mM nach wenig behandelt wird.:arrow:

    Es soll jetzt aber nicht um das Verständnis von nassem Verhalten gehen.
    Mir ist daran gelegen aufzuzeigen, daß Manipulation ein Dreh- und Angelpunkt in der Verstrickung mit dem Suchtkranken darstellt. Und vllt. hilft es aufzuzeigen, daß bei Manipulations-Erfolg immer gnadenloser manipuliert wird. Sich auf dieses Spiel einzulassen und "in die Speichen des Rades" fassen zu wollen, ist glaube ich, uns allen passiert.

    Was mich sehr erschreckt hat, ist die Erkenntnis, daß gerade bei Menschen die dem Suchtkranken aufgrund der familiären Gegebenheiten nicht entkommen können - eine nahezu herzlose Manipulation einsetzt, - während bei Menschen im äußeren Umfeld mit Samthandschuhen gearbeitet wird. Wohl wissend, daß sich diese schnell entziehen und eine Negativ-Beurteilung abgeben könnten. Da wird sich Mühe gegeben. Außer es hat sich schon jemand als nicht manipulierbar herausgestellt. So entsteht oft nach Außen der Eindruck: Was für ein sympathischer Mensch.
    Keiner ahnt, was zuhause abgeht.

    Es geht mir auch nicht um die Verurteilung. Manipulation gehört zu dieser Krankheit und damit zum Krankheitsbild. Auch zur CoAbhängigkeit gehört der Versuch, den Süchtigen zu manipulieren. Je besser man sich kennt, umso größer ist die Versuchung Mittel der Manipulation einzusetzen, um den gewünschten Erfolg zu erzielen.

    Mit der Erkenntnis wie viel manipuliert wurde, habe ich den gesunden Abstand zu XY geschafft, der es mir heute ermöglicht sachlich über unsere Beziehung nachzudenken. Jetzt würden mich Eure Gedanken dazu interessieren. Es soll nicht um XY gehen und auch nicht darum, wie ungerecht und egoistisch das gewesen sein kann:

    :arrow:
    Es geht mir um die Frage: Wie hängt bei Euch die Erkenntnis der Manipulation mit dem Ausweg aus der CoAbhängigkeit zusammen.:?:

    Für mich persönlich ist es CoAbhängigkeit,
    wenn die Sucht des Süchtigen mein Leben beinflußt und ich nicht in der Lage bin, ihn die Folgen seines Handelns selbst ausbaden zu lassen. Wenn ich nicht erkennen möchte, daß es ohne mich zu einer Besserung kommen muß. Wenn der Süchtige durch Manipulation und Rückzug sein Machtspiel mit mir treiben kann und ich nicht in der Lage bin, mich selbst davor zu schützen sondern ebenfalls versuche den Süchtigen zu beinflussen und mein Handeln auf ihn und sein Suchtverhalten abstimme.

    Ein weiteres Kriterium ist mM, wenn die Gründe für die Sucht (sowohl der CoAbhängigkeit wie auch der Alkoholabhängigkeit etc.) in den Umständen oder im Umfeld gesucht werden. Solange Gründe außerhalb des Süchtigen oder CoAbhängigen gesucht und gefunden werden, wird entschuldigt, gerechtfertigt und gegeseitig die Schuld zugeschoben. Besserung wird damit von/vom Anderen abhängig gemacht und Eigenverantwortung auf beiden Seiten nicht wahrgenommen.

    Hallo Speranza

    ich hab grad nicht viel Zeit zum Schreiben

    aber schau mal bei G--gle
    und gib als Suche

    Kraft saugende Frau mit Helfersyndrom

    ein. Da kommt meine Lieblings-Seite zum Thema Coabhängigkeit in der durchaus verschiedene Frauentypen beschrieben werden. Es ist also nicht nur eine Art oder ein Typ Mensch der Co abhängig wird. Bei jedem hat diese Krankheit ihre eigene Spielform.

    Ich glaube auch Ärzte würden sich schwer tun eine einheitliche Beurteilung von echt und unecht coabhängig zu formulieren.

    Schon die Tatsache, daß Therapeuten, Freunde etc. coabhängig werden können, schließt ein zwingendes Zusammenleben aus. Und derjenige, der dies in dem anderen Thread so darstellte, hat selbst von einem coabhängigen Arzt erzählt, dessen (in einer anderen Zeit-Zone wohnende)
    Kinder-Patient sicherlich kein Alkoholiker und auch nicht mit dem Arzt verheiratet war, - geschweigedenn
    mit ihm gemeinsame Verantwortung übernommen hatte. Man muß nicht eine Meinung als allgemeingültiges Urteil ansehen, nur weil sie etwas provokant daher kommt.

    LG Nys

    An den vorübergehend abwesenden Andreas:

    Oh mann, bei der Vorstellung von Supermarkt-Werbung für XY mußte ich sooo lachen. Ich glaub das Plakat kommt in meinen Notfall-Koffer :mrgreen: (Ich habe jetzt schon eine Nys als
    elendes Weg-Werf-Küh-chen und ein lächerliches XY Plakat: Überschrift : Ich bin's Dein XY - heute im Sonderangebot!)


    Ein Mißverständnis muß ich da ganz schnell ausräumen:

    Niemals nicht habe ich gedacht ihr hättet es leichter mit der Sucht. Bzw. mit dem Aufhören!!!!!!!!!!!

    Um himmels willen nein. Ich denke nur, daß es einfacher ist hier zu schreiben! - bzw. sich auszutauschen.

    Bei uns ist ja das Gefühl die Sucht und wenn man darüber schreibt, ist immer etwas Verletzliches dabei. Ich meinte also, ihr könnt über die Flasche schreiben, ohne gleich Euer Innerstes preisgeben zu müssen.

    Mit der Meinung, daß Sucht meist ein tieferliegendes Problem in der Psyche des Betroffenen zugrunde liegt bin ich mit Dir einer Meinung. (Thema Suchtverlagerung). Aber ein Alkoholkranker kann sich hier beim Austausch auf die reine Stoffabhängigkeit konzentrieren und es bleibt ihm überlassen, wie viel er von seinen Gefühlen, seiner Psyche preisgibt. Ich habe Hartmuts Beitrag bei der Userin auch gelesen - wg. weiterer Teilnahme. Ich glaube es ist für niemand leicht, so was wegzustecken und trotzdem kann man das beim Thema Flasche für sich selbst besser auf der sachlichen Ebene einordnen.

    Ich habe mich z.B. hier erst angemeldet, als ich 100%ig wußte: Ich will XY auf keinen Fall zurück haben. So konnte ich das Thema auch für mich selbst als "Sach-Thema" starten. Mir war klar, daß irgendwann wieder die Gefülswelle kommt (wie letzte Woche) und so ist das Forum auch für mich Trockenheitsarbeit und eine Chance bei XY-Druck die richtige Unterstützung zu bekommen. Mir war das vor allem wg. meiner Ehe wichtig.

    Unsere Flasche wird uns zwar meist nicht lebenslang begegnen aber sie führt ein Eigenleben und kann sehr mitleidserregend die Fortsetzung der CoKarriere einfordern. Als Du Dein Eingangsgedicht, den Abschiedsbrief an Deine Flasche geschrieben hast, konntest Du sicher sein, daß dieser einseitige Beziehungsabbruch akzeptiert wird. Weil es immer eine einseitige Beziehung war.

    Das viel zitierte Rumgeeier bei uns Co war mir anfangs hilfreich als reiner Leser des Forums. Erst dabei habe ich verstanden, wie es möglich sein kann, daß eine total zerrüttete Beziehung von keinem der beiden Partner aufgegeben wird. Gleichzeitig habe ich bemerkt, daß ich genauso manipulierbar war - wenn XY es nur intelligent genug anstellte. Viele Taktiken der gegenseitigen "Fesselung" werden im CoBereich beschrieben und waren mir hilfreich bei der Enttarnung und beim Verständnis davon, was da eigentlich abläuft.

    Für die Leser ist es also hilfreich. Für die Alkoholiker verständlicherweise oft eine zumindest gefühlte Ungerechtigkeit. Was mich betrifft, so bin ich durchaus nicht für die Puderdose und ein freundlich angebrachter Holzhammer bringt manchmal auch die Glühbirne wieder zum Leuchten
    :idea: alles was hilft ist ok. Und daß nicht alles verstanden werden muß ist auch klar! ME sollte lediglich auf Kritik verzichtet werden, die einer Verurteilung gleich kommt. So eine Art Bewertung und dann Stempel drauf: Co, Simulant, oder Dumme Nuss - das hat nichts mit Hilfestellung sondern eher was mit Selbstdarstellung zu tun. Aber wie gesagt, das kann man Dir in keinster Weise vorwerfen.


    Machs gut, - bis Du von Deiner Papst-Abholung wieder da bist!
    Ist aber kein Gang nach Canossa oder?

    LG Nys (evtl. Schreibfehler bitte beim Klassenlehrer von KL.8 abgeben)

    Willkommen Stefan

    Zitat

    Das Vertrauen und alle Gefühle sind weg... Momentan ist sie für mich ein neutrales Wesen wie ein Fremder, den ich im Supermarkt treffe...


    diesen Zustand könntest Du Dir zunutze machen - bevor die "Entschuldigungsphase" einsetzt. Bevor man geneigt ist, den Partner
    "trotz allem" zu lieben. Dann wird's nämlich schwerer vom Karussell abzusteigen. Oder willst Du drauf bleiben, bis es sich schneller und schneller dreht? Denkst Du Du kannst es anhalten?

    LG Nys

    Hallo Andreas

    wie - Du willst nicht mehr bei den Co's posten?

    also ich für meinen Teil kann nur sagen, daß Deine Beiträge dort für mich nicht mißverständlich waren.
    Mir z.B. hast du sehr geholfen.

    Euren Humor muß man jetzt nicht dokumentieren - da hatte ich aber zumindest bei Dir nie das Gefühl, daß Überheblichkeit oder Verachtung dabei war.

    Hat mich manchmal eher so an die achte Klasse erinnert, in der die Jungs über die Mädchen frozelten. Solange alles in einer gegenseitigen Achtung geschieht, darf ja auch mal ein humorvoller Spiegel vorgehalten werden.
    Das lockert die ganze Sache auf. Schwierig finde ich es, wenn hier jemand sehr persönliche Dinge preis gibt und daraus dann ein Sado-Maso Witz oder ähnliches gemacht wird. Auch bei uns Co's ist es so, daß wir an einer sehr wackeligen Schwelle stehen, wenn wir hier ankommen. Bekommt man dann einen Holzhammer ab, kann es auch für uns lebensbedrohlich werden. Über eine verletzte Seele zu schreiben ist schwerer als einfach den bisherigen Flaschenkonsum zuzugeben und sagen zu können: Vorbei.
    Wir tragen unsere Flasche quasi innerlich mit uns rum. Ich glaube, das hast Du das letzte Mal auch gemeint, als Du geschrieben hast, daß wir Co es etwas schwerer haben.

    Aber gut. Wenn es für Dich wichtig ist, Dich da rauszuhalten.
    Bei mir darfst Du immer schreiben - ich werde Dich dann schon fragen, bevor ich was mißverstehe und auf die Barrikaden gehe. Nicht um sonst habe ich damals im Alkoholiker-Teil angefangen. Ich mag objektive Kritik, sofern ein Dialog über diese Kritik oder Einschätzung möglich ist. Festgefahrenes Schubladendenken ist mir verhaßt. Aber das habe ich bei Dir noch in keinem Deiner Beiträge feststellen können.

    LG Nys

    Hallo Angy

    Zitat

    aber ich versuche mir auch einzureden das es einfach die krankheit ist und er deshalb sich so verhaltet und ihm auch alles rundherum egal ist...

    und was ist wenn nicht?

    Wenn er eben so egoistisch ist wie es scheint? XY konnte bei mir alles, was er seiner Familie nicht geben (konnte?) - wenn einem Suchtkranken was wichtig ist, kann er. Kriegt dann auch den Hintern hoch. Es kann ein Fehler sein, alles auf die Krankheit zu schieben. Damit wirst Du immer verstehen, verstehen, verstehen und entschuldigen, entschuldigen. Vllt. macht die Krankheit besonders egoistisch. Aber es bleibt Egoismus und Lieblosigkeit, wenn er Dich hängen läßt. Wenn er es tut um saufen zu können ist es Egoismus und wenn er es tut, weil ihr gestritten habt ist es auch Egoismus. Wo ist Dein Egoismus?

    LG Nys

    Hallo Angy

    einen Gedanken möchte ich noch bei Dir lassen.
    Weil Du schreibst, Du willst ihn nicht im Stich lassen - er hat sonst nur Mutter und Bruder.

    Zum einen: Es ist auffallend, daß die meisten Alkoholiker immer (z.T. nur ihrer Meinung nach)
    "sonst niemand haben". Mein XY hat das ständig betont und ich kenne es von anderen Alkoholikern, die ich erlebt habe. Oft hat sich das Umfeld einfach zurückgezogen, weil der Alkoholiker sich nur um sich selber dreht und nicht jeder macht das mit. Oft wird aber auch übersehen, daß viele schon helfen wollten - aber die Hilfe abgelehnt wurde, wenn sie mit der Aufforderung nicht mehr zu trinken einherging. Also wenn er niemand hat liegt es vllt. auch an seinem eingenen Verhalten. MeinXY hat das immer so dargestellt, daß er allen egal sei. Was nie und nimmer gestimmt hat! Vllt. hat er es selbst geglaubt.

    Als Kind habe ich mal ein Vogel-Küken im Gras gefunden. Ich wollte es retten und hab es mit nach Hause genommen. Ich konnte es nicht richtig versorgen und es ist gestorben. Später hat man mir erklärt, daß man diese Winzlinge liegen lassen soll. Wenn es eine Chance hat, werden die Eltern es versorgen. Es fiel mir danach immer schwer, wenn ich so ein wehrloses Tierchen hilflos am Boden sah. Aber ich wußte, es hat bei mir keine Chance. Manchmal muß man wirklich in Liebe loslassen, um zu helfen oder wenigstens dem Leben die Chance zu geben.

    Bei meinem XY ist mir klar, daß auch der allertiefste
    Tiefpunkt ihm nicht helfen wird. Er hat es nie gelernt allein klarzukommen und will gar kein selbstbestimmtes Leben haben. Das wäre für ihn sinnloser, als sich zu Tode saufen. Also kann es auch sein wie Aurora sagt, daß durch Dein Verlassen der Trinker weiter trinkt. Aber wenigstens Dein Leben und das Deiner Kinder ist dann gerettet.

    LG Nys

    Liebe Renate

    Du fragst wg. selbstloser Liebe.

    Nein. Die habe auch ich nicht. Und halte das auch nicht für die Grundlage einer gesunden Beziehung.

    Es ist doch aber so, daß man in der Beziehung zum Alkoholiker immer mehr in eine Rolle reinrutscht, sich selbst hinten an zu stellen. Das kann einem schon mal sehr selbstlos vorkommen. Das wertet das runtergekommene Selbstwertgefühl und die Zweifel an der Richtigkeit der Liebe zu XY wieder auf. Diese Rolle gehört mE auch zur typischen
    Co-Frau. Meist haben wir gelernt, daß Selbstlosigkeit etwas ehrbares ist. Wenn man dann feststellt, daß man all die Hilfe und all das Zurückstecken für XY nicht nur aus Liebe und aus ehrbarer Aufopferung (so hätte ich es wohl besser ausdrücken sollen) - sondern auch aus einem ungesunden (vllt. sogar krankhaften) Antrieb heraus getan hat - dann ist das der erste Schritt um über sich selbst nachzudenken und sich selbst wahrzunehmen. Das Augenmerk ist dann auf mich selbst gerichtet und darauf was mich ausmacht. Das trennt seins von meinem. Und meist ist es ja auch so, daß der Suchtkranke durchaus die egoistischen Züge des Co-Verhaltens durchschaut. Viel mehr als wir es selber tun. Er schiebt sein Verhalten auf uns - wir begründen unser Verhalten mit ihm. Jeder erkennt das Problem des anderen nur sein eigenes nicht.

    Ich kann nicht beurteilen, ob Du Co bist bzw. warst. Du bist sehr engagiert und man spürt Dir an, daß Du gerne hilfst. Das ist ja nichts Falsches. Du fühlst Dich ganz lange verantwortlich in einer Beziehung auch das ist normal. Ich kann nur von mir sprechen und davon, was ich ganz im allgemeinen über Co-Beziehungen gelernt habe. Ich habe hierher gefunden, weil ich die Beziehung von XY und seiner Frau nicht verstanden habe. Das gab null komma null null Sinn. Jetzt ist mir alles klar. Und dazu noch, daß ich zum Glück nicht das bekommen habe was ich wollte. Wäre es nach Plan gelaufen - hinge ich jetzt in einer Beziehung fest, in der ich mit Haut und Haaren abhängig und dem Untergang geweiht wäre.

    Und ja ich liebe meinen Ehemann. Und nein, nicht selbstlos. Auch da habe ich ganz viel zurückgesteckt - weil ich Harmonie haben möchte, weil ich froh bin, daß er da ist und weil ich meine Bedürfnisse mit Sport und Arbeit verdrängt habe. Wenn man abends komatös ins Bett fällt, denkt man wenig nach.

    LG Nys

    Hallo Renate

    aber es ist doch so, daß wir Co die Beziehung auch aus einem eigenen Bedürfnis heraus aufrechterhalten.
    Wir hängen doch meist sehr an XY weil er uns das ist, was wir in ihn hineininterpretieren.

    Wenn andere dem Suchtkranken helfen und dadurch den Tiefpunkt abfedern tun sie das sicher aus Unwissenheit, vllt. aus großer Empathie aber nicht aus dem Gefühl ihn "behalten" zu wollen.

    Wenn Beziehungen nach einem Entzug nicht mehr funktionieren, weist doch vieles darauf hin, daß wir Co eben auf den Süchtigen abgefahren sind. Natürlich nicht auf die Sucht mit ihrem häßlichen Gesicht. Aber auf die typischen Verhaltensmuster und Sentimentalitäten eines Suchtkranken, der die Manipulation im FF beherrscht.

    Ein Lösen der Verbindung ist also nicht nur für den XY ein Tiefpunkt sondern auch für den Co ein Eingeständnis, diese Beziehung nicht aus selbstloser Liebe aufrechterhalten zu haben.

    Ob sich andere dann schuldig machen, indem sie die Sucht des XY weiter als gesellschaftsfähig mit durchtragen, ist nicht Sache des Co's.

    Und daß wir als die "Dummen" da stehen, haben wir uns zum größten Teil selbst zu verdanken. Wir haben ja auch oft die Starken gespielt. Schwäche ist einfach so unpopulär, wenn man nicht offensichtlich krank ist.

    LG Nys