Beiträge von Nys

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    ich habe XY als Mutter-Ersatz mißbraucht und
    es genossen, daß auch er diesen Tick hatte, sich total in Gefühlen verlieren zu können. Das geht glaub mit einem innerlich unverletzten Menschen garnicht so extrem.

    Mein inneres Kind vermißt die Symbiose von Säugling und Mutter. Da passen zwei dieser Sorte schon gut zusammen - und keiner entwickelt sich weiter - .
    Das suchtartige dieser Beziehung war für mich das Gefühl, mein Defizit tatsächlich als ausgeglichen zu empfinden. Es war ein so tiefes Gefühl an Geborgenheit und ineinander versinken, daß ich dafür bereit war durch die Hölle zu gehen.

    Seit dem ich das Defizit kenne, habe ich Gedanken aufgestellt, die ich mir denke, wenn ich das Defizit spüre. Es ist ja nicht so daß ich jetzt noch gestillt werden will - aber wenn ich schwach bin, habe ich eine Art Sehnsucht, die für mich "gefährlich" werden kann. Ich neige dann zur Selbstaufgabe um mich selbst und das Defizit nicht zu spüren. Das ist ein
    Nährboden für jede Art von Sucht.

    Jetzt versuche ich soweit zu heilen wie es eben geht. Und Beziehung und
    körperliche Nähe bewußt zu erleben. Zwei Ganze nicht zwei halbe die sich suchtartig gegenseitig mißbrauchen.

    Aber das Gefühl verwundbar zu sein ist noch stark. Ich hoffe eine lange Arbeit an der Selbstliebe verleiht mir noch mehr Ruhe und "Selbst-Verständlichkeit".

    LG Nys

    Hallo Manfred

    habe dieses Thema von Dir gerade erst entdeckt.

    Es hat mich berührt, weil die erste Begegnung mit meinem inneren Kind auch sehr bewegend für mich war und ich von dieser Bedürftigkeit geradezu überwältigt wurde. Ich habe stundenlang geheult wie ein Schloßhund.

    Ich denke auch, daß mich diese unerfüllten Bedürfnisse ein Leben lang begleiten und mir Arbeit bereiten werden. Eine gewisse Anfälligkeit für Süchte und
    für Menschen, die sich in etwas verlieren möchten, (z.B. Beziehung)
    werde ich immer haben. Eigentlich wundere ich mich, daß ich bislang von
    der Alkoholsucht verschont geblieben bin.

    Die Erkenntnis über das nicht vollständig zu heilende Kind in mir, dämpft den Größenwahn.
    Die "Schwäche" kann einfach zu schnell auftreten und zuschlagen.
    Das bedeutet, daß Situationen die andere gefahrlos überstehen, für mich ein Risiko darstellen - daß ich bei aller Euphorie über die neu gewonnene Freiheit aus meiner Zwangsjacke (selbstzerstörerische Liebe zu XY) -Gefahrensituationen erkennen und meiden muß.

    D. h. sportliche Ereignisse, an denen ich XY begegne. Keine gute Idee. Auch wenn ich denke ich stehe - versuche ich keinen Handstand.
    Bin erst mal dankbar und gestehe mir ein,vor mir selbst auf der Hut sein zu müssen.

    Am Rosenmontag ist z.B, so ein Ereignis, an dem ich wahnsinnig gern teilgenommen hätte.
    Aber schon die Tatsache, daß dort ein internationales ...Züchter und (...)treffen mit stattfindet - könnte mich XY vermissen lassen. Da kann ich sicher noch nicht trennen. So verpasse ich jetzt lieber die Veranstaltung und habe nachher nichts zu bereuen.

    LG Nys

    Hallo Aurora

    erstmal auch noch (sehr verspätete) (aber herzliche) Glückwünsche zum Job!

    und Danke noch für Deine Antwort gestern! Sie hat mich gerade noch erreicht bevor ich aus dem Haus mußte mit meiner schlechten Laune.... und hat mir sehr geholfen. Zu wissen, daß ich auch mal schlechte Laune haben darf! (... mußte am Abend noch dran denken und habe bei dem Gedanken gelächelt!)

    Liebe Grüße
    Nys

    Hallo zusammen!

    Vielen Dank für Eure vielen Gedanken und Antworten! Ich glaube diesen Thread werde ich noch oft immer wieder lesen, wenn ich mal mies drauf bin!
    Hab gestern noch kurz bevor ich das Haus verließ,
    Aurora's erste Antwort gelesen - und die hat mich ein bißchen befreit. Ich glaube, bei mir ist es so, daß ich tatsächlich ein Problem damit habe, mir schlechte Laune zuzugestehen. Das sitzt ganz tief, - ich denke ich hätte kein Recht dazu. :roll: In dem Moment, als ich an Aurora's Worte dachte:

    Zitat

    Nee, immer gut drauf sein, wer kann das schon. Und warum auch? Wem nutzt das was? Dem Umfeld... Aber das Umfeld ist nicht so wichtig wie du!

    habe ich schon wieder ein bißchen gelächelt. Das Problem mit meiner schlechten Laune ist, daß ich unter anderem auch spüre, daß sie mir Energie raubt. Gestern früh war schon klar, daß ich nicht vor 22 Uhr wieder zuhause sein würde. Gleich der erste Termin um 11 Uhr war ein Problem-Fall, den ich am liebsten noch ewig vor mir hergeschoben hätte. Und jetzt hatte ich ihn auch noch so terminiert, daß es hektisch wurde, den Termin zu halten und alle Vorbereitungen für den "Marathon-Tag" bis zum Verlassen des Hauses abgeschlossen zu haben.

    Ja, es gibt da schon was, was mich bedrückt und verunsichert - wir haben Pläne und müssen uns nun finanziell umstellen und für lange Zeit festlegen. Ich weiß, daß ich sparen kann und bescheiden leben - ich habe ja einen Gegenwert und kann mich daran freuen. Es ist aber auch eine Sache der Gedanken - wie man zu so etwas steht. Und ich habe festgestellt, daß mein Mann nicht so entschlossen ist. Jetzt überwiegen auch bei mir plötzlich die Sorgen - ob wir es schaffen - ob er damit glücklich sein wird. Und ich nörgle so innerlich ein bißchen an ihm rum. Daß ihm Luxus eben auch wichtig ist, daß wir nicht den gemeinsam gleich starken Willen haben und die Vorfreude. Das ganze Projekt steht so für mich plötzlich in Frage. Aber ich habe Arbeit und muß solche Gespräche mit ihm dann führen, wenn ich eigentlich schlafen sollte. Natürlich sollte man sich mit solchen Entscheidungen Zeit lassen. Mich nervt, daß er zuerst ein volles Ja dazu hatte - und jetzt wo es ernst wird plötzlich keine Begeisterung mehr zeigt und nur noch Probleme sieht. Das nimmt mir den Wind aus den Segeln. Es kann sein, er schwenkt dann um, und ist wieder voll dabei - aber bei mir haben sich dann die Zweifel festgesetzt und versperren mir den Weg, mich wieder zu freuen.

    Ich glaube darüber hatte ich gestern schlechte Laune - also auch aus Angst vor der Zukunft und Angst, die falschen Entscheidungen zu treffen und das Gefühl unter Zeitdruck Entscheidungen zu treffen - die jetzt von uns verlangt werden.

    Als Sofortmaßnahme habe ich mich gestern erst mal an Aurora's Worte gehalten und mir erlaubt schlechte Laune zu haben.
    Dann habe ich strikt meinen Arbeitsplan durchgehalten - ohne das (für mich ganz wichtige) Mittagessen um 15 Uhr zu vergessen, - bis 18 Uhr weiter gearbeitet, ohne den ekligen Dauer-Regen und die nassen Klamotten zu beachten, Anschließend habe mich durch die Autoschlangen gequält. Ich glaub nicht nur ich war gestern schlecht drauf. Es war das einzige Chaos. In tief dunkler Nacht kam ich aus der Stad raus- habe mich noch ausgiebig um meine Tiere gekümmert. Um 22 Uhr in die Badewanne und eine heiße selbstgekochte Rindersuppe. Mit meinem Mann unser Thema kurz angesprochen und beschlossen - trotz Zeitdruck erst am Freitag noch mal zu rechnen und zu planen.

    LG Nys

    Hallo Forum

    geht es Euch auch so, daß man an manchen Tagen einfach in allem ein Problem sieht? An anderen Tagen nimmt man sich mühelos einen Berg Arbeit vor und schafft den dann auch? Schon allein der Gedanke, den anstehenden Aufgaben gewachsen zu sein beschleunigt das Denk- und Konzentrationsvermögen.

    Ich habe heut so einen Tag "zwischendrin" - bin motiviert aber habe zu wenig Schlaf. D.h. ich reagiere schnell gereizt und fühle mich irgendwie undefiniert unzufrieden.

    Was tut Ihr um gut drauf zu sein? Muß man gut drauf sein? Wie hoch ist die Gefahr nasse bzw. in meinem Fall Co-Gedanken zu haben, wenn man unzufrieden ist? BZW anders rum gefragt: Wie wichtig ist die Zufriedenheit, um einen Rückfall auszuschließen? Wie geht ihr mit
    Tagen um, an denen Ihr "unleidig" seid?

    LG Nys

    Hallo Paddy

    mir ist aufgefallen, daß für Dich diese besondere Liebe eine große Rolle gespielt hat.

    Ich habe mich manchmal gefragt, ob ich wegen dem Glauben an diese eine besondere Liebe noch mitmache, oder ob es um ihn als Person geht. Irgendwie fühlte ich mich diesem Gefühl der Verbundenheit verpflichtet. So als würde ich ein Versprechen halten müssen, das ich gegeben habe.
    Ich war auch überwältigt so tief für einen Menschen empfinden zu können. Das machte ihn zu einem besonderen Menschen, der andere, bisherige Partner übertraf.

    Meine Lösung war es, den Grund herauszufinden, woher dieser Gefühlswahnsinn kam. Und jetzt endlich auch die Verbundenheit lösen zu können, - war der Weg in eine "schmerzfreie" Freiheit.

    LG Nys

    Hallo Hartmut! :D

    ja - es hilft bzw. hat geholfen und war ein regelrechter Befreiungsschlag!

    Verstehe natürlich auch Deinen Ansatz (mit dem ...noch ein Glas..dann)

    ne - ne. Aber hätte sein können. ... wäre wirklich nicht abwegig. Aber ich sage Dir, die neue Freiheit fühlt sich 10 mal besser an, als alle Fragen dieser Welt beantworten zu können! Und keine 10 Pferde kriegen mich in mein Irrenhaus zurück. Es ist die Freiheit nach einem Freispruch. Ich bin ihm nichts mehr schuldig!! Damit kann ich gehen! ....und ihm alle Schuld erlassen - weil das Glück frei zu sein auch großzügig macht. Dieses Craving, wie ihr Alkoholiker den Saufdruck nennt, wenn die Sucht nach Dir greift - das war bei mir die Verbundenheit. Seit meiner "Entschuldung" durch Andreas fühle ich diese Verbundenheit nicht mehr. Erstaunlich aber HURRA. Bin gestern von jemand aus dem Kundenkreis angesprochen worden - wg XY ... hat mich echt kalt gelassen. Nix mehr diese meine Baustelle!! Nix mehr meine Drama.
    .
    Deine Einstellulng zur Selbstanalyse wg. der Kindheit habe ich schon mitbekommen.
    Sicherlich werde ich jetzt nicht alles weitere in meinem Leben psychologisch durchleuchten und das Feld jeden Morgen neu umgraben. Einmal umgraben reicht, dann wird gesät, gegossen, dann muß was wachsen, reifen, Früchte bringen, Wurzeln schlagen und irgendwann reicht es, daß die Würmer die Erde lockern. Dann werde ich vllt. ab und zu Unkraut jäten müssen. Wie Du schon sagst. Wenn man beim Umgraben bleibt, und dauernd gräbt, kann auch nichts wachsen.

    Außerdem: So viel Freiheit wie ich jetzt habe, will auch genossen werden :lol: da setz ich mich lieber in den Liegestuhl und sehe dem zarten Pflänzchen Nys beim wachsen zu :wink:

    Liebe Grüße Nys
    ...und ich find Deine Einstellung mit nicht alles hinterfragen grds. gesund!
    Schreib mir mal wieder!

    @ all

    Mal eine Beschreibung meines neuen

    BEWUSSTSEINS-ZUSTANDES

    es ist, als hätte man mir mein Leben zurückgeschenkt. Und zwar das Leben vor XY.


    Der Unterschied: Ich habe einen verwandelten Ehemann, der mich wahrnimmt und ich habe eine neue Wahrnehmung von mir.

    Ich kann diese neuen Wahrnehmungen jetzt ohne schlechtes Gewissen genießen. Bislang war da immer ein Wermuts-Tropfen im Glas, der mir
    die Unbeschwertheit nahm.

    Seit ich den letzten Verbindungs-Draht (das Gefühl schuldig zu sein) gekappt habe, ist es auch nicht mehr wichtig, was mir angetan wurde.
    Es tut nicht mehr weh. Ich kann Euch nicht sagen warum. Ich denke nur, daß es an dieser "gegenseitigen Schuld" -Verbindung lag. Die dann zu einem Gedankenkreislauf geführt hat. Seit dem ich meine Schuld dank Andreas da ein bißchen raus nehmen konnte - kann ich auch sagen: XY und ich sind quitt. Ich nehme meine Schuld raus (zu mir) und lass ihn mit seiner Schuld ziehen.

    Es war eine Lebenserfahrung. Die mich reifen läßt und als Geschichte in sich selbst abgeschlossen ist. Die Erkenntnisse die daraus über mich selbst und meine Persönlichkeit gewonnen habe, werden mich noch viele Jahre begleiten. Aber die Verletzungen, wegen denen ich dieses Thema begonnen habe, fühle ich nicht mehr. Ich habe gestern schon überlegt, ob ich nicht besser ein neues Thema aufmache. Aber dieser Abschluß und das neue Bewußtsein gehört noch in diesen Thread. Nur so macht er Sinn.

    Ich kann mir gut vorstellen, daß das vielen etwas zu schnell geht. Es ist auch schwierig am PC alles in Worte zu fassen, was da so ganz tief in einem drin abgeht. Ich bin noch nicht lange hier und habe gestern mal
    alle meine Einträge nacheinander durchgelesen.

    Ich habe mich auf den Weg gemacht, bin hier angekommen und dachte
    die Co-Abhängigkeit sei mein größtes Problem. Dann festgestellt, daß
    es auch Suchtpersönlichkeit ist, die mein Handeln bestimmt. Die Unterhaltung mit Jonas hat mich in meine Kindheit geführt. Ich habe überlegt, ob es wirklich Mißbrauch war? Habe Bücher dazu angeschaut, bin bei meiner fehlenden Mutter-Kind-Symbiose gelandet und mußte feststellen, daß ich XY nicht wie von Jonas vermutet, bestrafen wollte - sondern ihn sozusagen als Ersatz-Mutter mißbraucht habe. Das war der erste Schritt, mir die bis dahin so dubiosen "Verschmelzungszustände" zu erklären, die ich dabei gefühlt habe.
    Die Erkenntnis, - nein das plötzlich auftretende Gefühl: Ich sehne mich nach einer Mutter, die mich mütterlich liebt. Über alles liebt wie ein Mutter es in den ersten Tagen mit ihrem Kind empfindet - hat mich weinen gemacht. Ich habe so viel geheult wie noch nie. Meine Haustiere sind gekommen, weil sie spürten, die braucht jetzt jemand. (Sie sind sonst sehr scheu). Also hab ich geheult und dabei entdeckt, wie ich mir selbst Geborgenheit schenken kann. Wie ich dieses Defizit, das kein Partner auffüllen kann, selbst ausgleichen kann. Die erste Fessel an XY - nämlich die unerklärliche Sehnsucht - war weg.
    Schnell habe ich gemerkt, daß da noch nicht alles im Reinen ist. Warum tat es noch weh? Einerseits wußte ich, daß ich mich damals nicht besser schützen konnte. (Ich hatte ja noch nicht gelernt, wie man sich selbst eine liebevolle Mutter sein kann)... Andererseits gab es auch Vorwürfe, an ihn, die ich hin und her gewälzt habe. Ich wußte ich habe vergeben, aber es tat weh und dann kamen die Gedanken: wieviel Schuld trage ich?
    Eine neue Erkenntnis war wichtig: Ich trage Verantwortung nur für das was ich mit mir machen ließ. Ich trage keine Verantwortung dafür, was er mit seinem Leben gemacht hat und wie es ihm heute geht. Dieser Teil gehört nicht zu mir. Und seit dem ich diesen Teil - diese Fessel auch noch los bin, fühle ich mich frei. Ich weiß -eigentlich steht diese Erkenntnis schon 100 mal hier im Forum. Aber für mich hat es jemanden wie Andreas (von der anderen Seite + auch ein Soldat) gebraucht, um mich frei zu sprechen.

    Die Freude und das Glücksgefühl über diese Freiheit versuche ich damit auszudrücken daß ich hier so viel schreibe.

    Ich will jetzt nicht zu euphorisch wirken und ihr kennt mich ja auch nicht so lange. Menschen die mich seit Jahren kennen, würden bestätigen, daß ich ziemlich "ONE-WAY-TICKET" unterwegs bin. Also die Richtung, die ich mal eingeschlagen habe auch nicht so schnell ändere. Das hat manchmal Nachteile. In diesem speziellen Fall sehe ich es als einen Vorteil an.Und ich sehe diesen Thread jetzt auch nicht mehr als XY-Rückfall - sondern als Restmüll-Entsorgung aus meiner Seele.


    LG an alle
    Nys

    Hey Renate

    ehrlich gesagt verstehe nicht ganz warum Du glaubst das sei nur eine Idee?

    Ich spüre doch ob ich frei bin oder nicht.
    Meine Gedanken sind in keinster Weise bei XY. Ich wollte Andreas ja nur sagen, wie es vor ein paar Tagen war und daß es irgendwo klick gemacht hat.
    Du kannst Dir sicher vorstellen, daß man als Geliebte auch so was wie ein schlechtes Gewissen hat, - das einen augenscheinlich mit dem Schicksal des XY verbindet? Man fragt sich: Wären wir nicht so weit gegangen, dann wäre für ihn jetzt alles besser... usw. - Seit dem ich seine Verantwortung bei ihm lassen kann, ist diese Verbindung weg! Das ist mehr als eine Idee. Das ist eine neuer Zustand.

    Schau ich kann ja schlecht von mir schreiben wie es mir in bezug auf XY geht, ohne XY zu erwähnen. Das heißt ja nicht, daß ich dabei persönlich an ihn denke. Wenn ich schreibe er ist mir egal, dann schreibe ich das nicht aus einer Laune heraus. Es ist eine innere Einstellung, die ich vorher nicht hatte. Die mir vorher nicht gelang. Sollte diese Einstellung einmal ins Wanken kommen - kann ich sie (allein mit meinem Willen) wieder aktivieren. Das funktioniert aber nur wenn ich die Einstellung mal hatte.
    Und zwar so wie jetzt. Nicht aus Hass oder Bitterkeit, sondern als Zustand.

    Und keine Angst, mein Mann und ich verbringen gerade viel Zeit miteinander und unseren neuen Plänen für die Zukunft.

    LG - Dir auch einen schönen Sonntag -
    Nys

    Guten Morgen Andreas

    OK ! versprochen :!:

    Du siehst ja vllt. auch an den Gedanken die ich an oldie und Aurora geschrieben habe, daß es mir um mich geht. Die tiefe Aufarbeitung hat natürlich Gefühle und Gedanken aufgewühlt, die noch ganz flach unter der ersten "Wundschicht" begraben waren.

    Aber gerade weil ich das neue Leben mit meinem Mann so schätze und seine Liebe die wirklich unbezahlbar ist - wollte ich

    (grins... mein Mann kam grad rein und sagte: Schreib mal, daß ich Dich auch sehr schätze.. )

    also wollte ich keinen noch so kleinen Spreisel von XY in meiner verheilenden Wunde zurück lassen. Deshalb habe ich ganz genau reingefühlt, was da noch pocht und eitert. Habe Dir ja schon geschrieben, daß ich einen ganz neuen Frieden gefunden habe, seitdem ich dieses Mitleid und die Vorwürfe, die ich mir gemacht habe weglassen kann.

    Ein weiterer Grund für die Tiefenschürfung war:
    XY wird ab Juli zwangsläufig regelmäßig an unserem Haus vorbeifahren. Davor hatte ich Angst. Ich hatte auch Angst, daß ich dann evtl. am Fenster stehe,sein Auto anstarre und ins Grübeln komme. Ich hatte Angst, ihm vor dem Haus oder auf dem Nachbarhof zu begegnen.

    Zum ersten Mal hab ich das Gefühl, daß mir das gleichgültig sein wird. Zum ersten Mal habe ich keine Angst davor, er könnte anhalten und mich im Garten begrüßen. Zum ersten Mal ist er für mich ein Soldat auf der Durchreise, dessen Leben mich nichts aber auch garnichts mehr angeht. Dessen Auto, das Auto eines Fremden ist. Auch die Gefühle sind weg. Sollte er mich im Garten grüßen, werde ich "Hallo" sagen und mich dann wie eine Ortsansässige verhalten, die nie etwas mit ihm zutun gehabt hat.

    Zum Glück ist er nie aufdringlich gewesen, also auch eine unfreiwillige Begegnung könnte ich mit der "Kalten Schulter" locker meistern.
    Diese "Kalte Schulter" hätte ich mir vorher nur unter Schmerzen vorstellen können. Jetzt denke ich: Nichts anderes darf sein. Alles andere wäre unangebracht. Nur die Kalte Schulter und ein: Leben und leben lassen. Ohne Groll aber auch ohne jede Form von Mitleid oder Gefühl.

    Du hörst es nicht gern, aber auch wenn Du selbst ein Soldat bist, - in diesem Fall
    hast Du ein Leben lebenswerter gemacht. Und vllt. eine Ehe vor der nächsten Katastrophe gerettet. Nichts macht mich glücklicher als die Freiheit von meiner XY-Fessel! und es ist nichts falsches dabei, dafür Danke zu sagen.

    LG Nys

    Noch ein Gedanke aus einem Buch:

    (es geht um Hysterie bzw. die Angst vor Zurückweisung)

    zur Hysterie gehört es, immer alles und vor allem das beste haben zu wollen.

    Dadurch fallen Entscheidungen sehr schwer. Entscheidet man sich für etwas, hat man sich auch gegen etwas entschieden. Hysterische Menschen haben Angst, dabei Fehler zu machen. So nach dem Motto: Vllt. wäre das andere ja besser gewesen. Und ich habe doch nicht das Beste erwischt.

    Zu diesem Muster gehörte es, sich zwanghaft im Leben immer ein "Hintertürchen " offen halten zu wollen.

    Ich schreib Dir jetzt mal was aus meinem Buch über das "Glück sich selbst zu lieben" und zwar in eigenen Worten, damit man es nicht editieren muß. Ich weiß nicht ob es bei Dir zutrifft - aber zum Thema paßt es:

    Sich nicht entscheiden zu können resultiert unter anderem aus der Angst vor Unabhängigkeit.
    Diese Angst entsteht, wenn ein Kind emotional mißbraucht wurde. (z.B. sehr verwöhnt, damit es ein Elternteil besonders liebt und abhängig bleibt /von selbständigen Entscheidungen/Fehlern immer abgehalten wurde / oder immer so sein mußte, wie die Eltern es von ihm erwartet haben).
    Es war demnach so, daß das Kind sein Denken auf die Bedürfnisse mind. eines Elternteils "abstimmen" mußte. Eigenständiges kritisches Denken war nicht erlaubt und evtl. auch durch moralische Vorstellungen der Eltern vorgegeben.
    Menschen die eingetrichtert bekamen "denke nicht", tun sich mit eigenen Entscheidungen schwer. Sie suchen andere Menschen oder Situationen, die ihnen die Entscheidung abnehmen.

    Wie gesagt, ich habe keine Ahnung ob da was für Dich dabei ist. Aber es lesen ja auch noch viele aus dem www mit. Vllt. kann es jemanden weiterbringen. Wie Du Dich in dieser "Abwarte-Haltung" schilderst, erinnert mich sehr an jemanden
    :wink: aber der sollte hier ja nicht so oft genannt werden :wink: es läßt aber m.M. nach vermuten, daß es ein "Muster" ist - das bei der Autonomie-Entwicklung irgendwann entstanden ist. Meine Erfahrung bei mir selbst war:
    Als ich wußte, wo das Muster entstanden ist, konnte ich zum ersten Mal Lösungsansätze entwickeln.

    LG Nys

    noch ein Nachtrag zum obigen Post:

    Es ist wirklich nicht wichtig auf diese Frage zu antworten. Hartmut meinte ich würde mich da wieder zu sehr um das Verstehen von Suchtkranken drehen. Also bitte vergiß den "PS" einfach!

    Ich muß nicht verstehen warum das so war. Es war so und es ist keine bohrende Frage warum.
    Vergeben habe ich ihm schon lange.
    Wichtig war die Erkenntnis, daß ich das Opfer war und nicht er. Man hat mir ja auch schon unterstellt XY anstelle meines Vaters "gestraft" zu haben.
    Bittere Gedanken vergehen mit der Zeit - nur mit Selbstvorwürfen hätte ich schlecht leben können.

    Hallo Linid (Danke noch für Deinen Beitrag bei mir!)

    Jetzt zu Deinem Thema:
    Ich würd's mal als eine Art Flucht ansehen.
    Kenne ich bei mir auch und stellt sich vor allem dann ein, wenn ich langweilige endlose Stapel Arbeit vor mir habe. Dann mach ich gern alles andere nur das nicht.
    Bei Entscheidungen bin ich eher etwas voreilig und impulsiv.

    Vllt. hilft Dir zu fragen, warum Du so drum rum schleichst. Fürchtest Du die Niederlage oder den Kraftaufwand, der bei einer Entscheidung aufgebracht werden muß? Bzw. den Kraftakt zu dem Entschluß dieses wichtige Gespräch hinter Dich zu bringen?

    Was bedeutet es für Dich, falls Du dabei Fehler machst?

    Sind es gerade die Fehler, die Du fürchtest, weil Du keine machen darfst? Dann könnte vllt. eine Erlaubnis helfen, die Du Dir erteilst, Fehler zu machen. Mit dem Versprechen, daß Du nachher nicht von Dir selbst fertig gemacht wirst und Dich auch nicht von anderen fertig machen läßt.......

    nur so ein Gedanke. Keine Ahnung ob ich Dir damit helfen konnte.

    Auf jeden Fall, Liebe Grüße
    Nys

    Ich kann hier nur noch mal mit allem Nachdruck unterstreichen was ich Andreas bereits geschrieben habe:

    Ich weiß gar nicht wie ich ihm danken soll für seine Zeilen! Er hat hat mir letztendlich vollends den
    richtigen Schubs in die Freiheit gegeben

    und dafür bin ich ihn unglaublich dankbar!!

    Falls Du das liest, Andreas, Danke nochmal

    Hallo Hartmut

    freue mich, daß Du mir schreibst und unterstelle Dir gar nix Böses.

    Hab Andreas ja geschrieben, daß es nicht so wichtig ist, ob er darauf antwortet. War rein informativ der Vollständigkeit halber und eigentlich nicht so wichtig.

    Liebe Grüße Nys