Beiträge von Katharsis

    Hallo Matthias,

    während ich mir in aller Ruhe seit gestern immer mal wieder durch den Kopf gehen lasse, wie ich Lena´s Frage an mich beantworten kann und auch Eure Meinungen zu Gedanken wälze, die Jeder für sich behalten sollte oder eben auch nicht, denke ich nebenbei auch über den neuesten und vermutlich letzten Thread von Manfred nach.

    Ich hasse es, quasi über Menschen zu reden/schreiben, die sich nicht (mehr) äußern können, zu dem, was ich sage, aber in diesem Fall beschäftigt mich die ganze Sache schon. Da Du das Thema bereits angeschnitten hast, lasse ich gern auch was dazu in Deinem Thread.

    Im Gegensatz zu Dir verstehe ich sehr gut, warum Manfred so heftig geworden ist, denn sachlich kann man viele Beiträge zu seinem Post ja nun wirklich nicht mehr nennen. Dann denke ich immer: Wie ich in den Wald hineinrufe, so knallt es heraus ("Produzier´mich nicht!" :D)

    Für völlig normal halte ich seine Einwände und Bedenken/Gedanken, haben nicht die meisten von uns sich mit diesen Fragen auseinander gesetzt?!
    Zehn Wochen ohne Alkohol sind eine beachtliche Leistung, zumal am Anfang jeder einzelne Tag nicht mit Gold aufzuwiegen ist. Gemessen am Rest des Lebens ist es halt „nur“ ein Anfang.
    Ich wünsche Manfred aufrichtig, dass er seinen Weg auf seine Weise gehen kann, ohne zu scheitern! Obwohl ich Niemandem etwas am Zeug flicken will und auch nicht pieselig bin, empfand ich persönlich die „Zwinkersmilies“ als absolut unpassend, vor allem nach so kurzer Zeit der (neuesten) Abstinenz. Es wirkte auf mich, wie Jemand, der mit dem Mors waggelt und dabei trotzig „Ätschibätsch, ich werde Euch zeigen, dass ich trotz Eurer Unkerei durchkomme, Ihr Vollpfosten!“

    Nun geht´s aber nicht darum, etwas durchzustieren. Es ist kein Spiel! Offensichtlich glaubt Manfred immer noch, dass es Alkoholiker erster und zweiter Klasse gibt und es ihn ja nun so „schlimm“ nie erwischt hatte. Ein empfindlicher und weit verbreiteter Irrtum, wie ich meine, denn Sucht ist Sucht. Gleichgültig, was ich mir reinlitere, wie viel davon oder wie häufig: Sobald ich die Kontrolle verloren habe und gezwungen bin, zu trinken, bin ich süchtig.

    Er glaubt nun, weil er durch ungeheure Selbstbeherrschung immer wieder auch bis hin zu beachtlichen 10 Jahren (soweit ich mich erinnere) abstinent leben konnte, würde es auch zukünftig so funktionieren können. Darauf gibt´s aber schon mal keine Garantien, auch oder erst recht nicht, wenn man meint, den größten Teil seines Lebens bereits hinter sich gebracht zu haben.
    Die „mageren Jahre“ waren für ihn die ohne Alkohol, die „fetten Jahre“ die, in denen er getrunken hat.
    Mir persönlich sagt das nur eins: In diesem speziellen Fall handelt es sich nicht um einen Menschen, der jemals eine zufriedene Trockenheit erreicht und gelebt hat und der immer wieder aus dieser Selbstkasteiung ausgebrochen ist.
    Ich habe ihn mal darauf angesprochen, aber dieses Thema hat er ignoriert, zumindest hier.

    Für zwanzig Minuten mag ich nun in seine Stiefel schlüpfen. Ich bin 64 Jahre alt, immer wieder rückfällig geworden, Spaß ist für mich immer noch mit Alkohol verbunden, der immer noch und überall um mich herum ist, auch bei mir zu Hause. Ich weiß, dass ich es über lange Strecken immer wieder ohne Alkohol geschafft habe und will den Rest meines Lebens jetzt „mal wieder vernünftig leben“, schon aus gesundheitlichen Gründen. Je älter ich werde, desto peinlicher werden ja auch absolute Ausfälle in der Öffentlichkeit und ich habe 0 Bock, mir ständig neue Brillen zu kaufen.
    Ich habe aber nicht wirklich Spaß an dem abstinenten Leben, hatte ich ja nie. Also was soll sich ändern, wenn ich nicht bereit bin, etwas zu ändern. Ich stülpe mir wieder etwas über und zwänge mich da hinein. Anstrengend. Energieaufwendig. Verzicht pur! All die schönen und auch wertvollen Dinge, die ich tue, haben mir mit Alk eigentlich immer mehr Spaß gemacht. Hm.
    Dieser Gedanke zerrt an mir, täglich. Jeden Tag sehe ich Andere, die sich nicht einschränken müssen. Meine Kumpels, meine Frau, dürfen weiter saufen. Ich nicht. Verdammt ungerecht irgendwie. Also, ich darf ja schon, kann mir ja keiner verbieten.
    Mir kommt der Gedanke, dass ich mir meine Zeit ja einteilen kann. Ich muss nicht mehr jeden Tag 8-16 Stunden malochen. Das ist vorbei. Das schlimmste habe ich also hinter mir, keine Verpflichtungen mehr. Da könnt ich doch wieder. Zeit zum Erholen am nächsten Morgen hätte ich auch. Ist ja nicht wie früher, wo ich aufhören musste, als gar nichts mehr ging. Eigentlich.. für die restlichen Jahre.. könnt ich doch wieder. Gesünder wird eh Niemand im Alter. Ein Zipperlein mehr macht den Kohl auch nicht mehr fett. Mit 90 Jahren fang ich wieder an *he he*. Oder doch mit 80? Verdammt lang hin. 70? Bis dahin habe ich es wieder unter Kontrolle. Noch sechs Jahre. Wozu warten?!

    Das muss so nicht passieren, aber ich kenne genügend Menschen, die gerade im Alter richtig losgelegt haben mit dem Gedanken: Nun kommt es ja nicht mehr drauf an. Es war schlimm für mich, zuzusehen, wie manches Leben auf diese Art beendet wurde und ich würde dann lieber meine restliche Energie darauf verwenden, mich notfalls mithilfe eines künstlichen Gebisses in Stützstrümpfe hineinzuzwängen, als mich mit dem Rollator zum nächsten Flaschencontainer schleppen zu müssen oder wenn ich die verheerenden Auswirkungen meines Gelages auch an mir selbst nicht mehr eigenhändig beseitigen kann, bevor mich Jemand sieht. In Würde altern halt.

    Manfred, ich will Dir absolut nichts Böses, Dich nicht beschimpfen oder lächerlich machen aber falls Du dies hier noch lesen solltest, kannst Du Dir meine Gedanken vielleicht auch mal durch den Kopf gehen lassen. Sie sind auch für Andere, denn sich zu äußern, Jemanden zu erreichen und damit zum Überdenken anregen (evtl. sogar zu überzeugen ;-)), halte ich für einen besseren Weg als Jemanden zu beleidigen oder mit der verbalen Keule passend zu machen.

    Dir, Matthias, danke ich für Deine Gedanken zu diesem besonderen Mitbetroffenen und hoffe, dass ich weiterhin die Genehmigung habe, auch bei Dir die Zeilen zu sprengen :-).
    Du hast einfach Glück mit Deiner Gutesten, aber verlangen kann ich diese Haltung von Niemandem. Ich kann mich erklären und darum bitten und dann entscheiden, wie ich mit dem Ergebnis umgehe(n muss).

    Viele Grüße
    Katha

    Moin Eniba

    Zu „eigen“ bist Du wohl nicht, Du hast nur noch nicht verinnerlicht, dass es tatsächlich um Dein Leben geht.
    Der nasse Alkoholiker hat quasi ein Haltbarkeitsdatum. Eine gewisse Zeit – wie lang die auch immer sein mag – wird er mit seiner Tour durchkommen. Stoppt er seine Krankheit nicht, wird er elendig verrecken. Das ist Fakt.

    Die Langzeittrockenen in Deiner Gruppe sind sauer, vermutlich auch, weil sie sich Sorgen machen.
    Stell Dir vor, Du würdest durch eine Wüste kriechen, kurz vorm Sterben.
    Du bist an dem Punkt, wo du wirklich nur noch das nackte Leben retten kannst.
    Ein Mensch, der Dich vermisst hat und Dir helfen will, macht sich auf den langen, beschwerlichen Weg, sucht Dich, findet Dich endlich und hält Dir die Flasche Wasser hin, die er nur für Dich die ganze Zeit mitgeschleppt hat.
    Du guggst ihn an und sagst: „Binde Dir bitte eine Krawatte um und serviere mir das Wasser gefälligst in einem anständigen Glas!“
    Natürlich wird der sauer. Ich würde Dir sagen: „Ich komme wieder vorbei, wenn Du das Wasser wirklich brauchst!“, mich umdrehen und gehen.

    Wenn es um das nackte Überleben geht, stellt man keine Bedingungen mehr, so einfach ist das.
    Man sollte auch verstehen, dass eine LZT kein Wellness-Wochenende ist, sondern dort ein Haufen Leute um einen herumtänzeln, die eine Menge Zeit und Energie investieren, um zu helfen und zu unterstützen, damit man sein Leben allein wieder auf die Kette bekommt.

    Es sind nur ein paar Wochen gegen den Rest Deines Lebens, eine Investition. DU hast doch um Hilfe gebeten, dann nimm´ einfach die Chance wahr (und es IST eine Chance), die sich Dir hier bietet und feilsche nicht um Konditionen.

    Bei mir hat es sechs Monate lang in der realen SHG jede Woche richtig im Karton geraschelt. Völlig normal, wenn man noch nicht an dem Punkt ist, an dem man die Hosen wirklich runterlassen kann und sich immer noch windet wie ein Aal. (Ich schreibe jetzt nur ständig „man“, weil ich „viele“ bin ;-)).

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Atze,

    jetzt hättste mich strahlen sehen können, so hab ich mich gefreut über Deinen Besuch und darüber, dass Du hier für die romantischen Männer in die Bresche springst :-).
    Vielleicht war mein Begleiter ja auch gar nicht unromantisch, sondern konnte es nur nicht so ausdrücken (oder wenigstens den Schnabel halten ;-)).
    Ich verfolge Deinen Weg ja auch und freu mich total, dass Du nach den ersten Anlaufschwierigkeiten dranbleiben konntest.
    Du strahlst immer so eine Zufriedenheit aus und hast mir das Radfahren wieder schmackhaft gemacht :-).
    Im Gegensatz zu meiner nassen Zeit stehe ich morgens auch wieder gern auf, nur nicht ganz so früh wie Du. Ich freue mich meistens einfach auf den Tag. Nicht immer.
    Dafür bin ich auch nicht ständig auf der Jagd nach dem großen Glück und den Eindruck habe ich bei Dir auch.
    Glück bedeutet für mich immer „nur“ eine kurze Sequenz und das ist völlig okay. Ich mag die Ruhe im Bauch, die von Zufriedenheit kommt.

    Glück ist vielleicht auch nur mit Verliebtheit zu vergleichen. Das menschliche Gehirn ist ja nicht ausgelegt für Budenzauber dieser Art, wenn er länger als 6 Monate anhält: Wir würden sonst glatt verrückt werden :D. Wie clever die Natur doch eigentlich alles eingerichtet hat und es könnte so schön sein, wenn Menschen nicht immer reinpfuschen würden.

    Ich war vorhin im Wald, das brauche ich einfach. Glühwürmchen sind bei dem Wetter hier bis auf weiteres nicht zu erwarten, macht aber nix.
    Wir hatten ja nun gerade einen fiesen Sturm und der Wald sah ziemlich mitgenommen aus. Ich kraxelte auf halber Strecke zum See über einen Baum, der noch quer über dem Weg lag, genoss die Brise im Gesicht und pfiff fröhlich vor mich hin.
    Und plötzlich dachte ich: „Wie kann man nur so blöd sein?!“ Ich bin ständig draußen in der Natur, aber manchmal habe ich seltsame gedankliche Ausfälle. Da lag der Baum also auf dem Weg, was natürlich bedeutet, dass die Waldarbeiter noch nicht geräumt haben.
    Ich guckte nach oben und sah überall dicke Äste nur noch an einem Faden hängen, ganze Bäume entwurzelt, nur noch angelehnt an andere, die noch fest verankert waren.
    Und es wehte kräftig. Ich kam mir vor wie der letzte gedankenlose Trottel aus der Stadt, der sich in schöner Ahnungslosigkeit als Gefahrensucher betätigt.
    Kurz mit mir selbst gemotzt und dann habe ich Gas gegeben und zugesehen, dass ich dort wieder herauskomme, ohne dass mir noch etwas verdammt Schweres auf den Kopf fällt.
    Morgen suche ich mir einen Feldweg und nehme mein Gehirn wieder mit auf Spaziergänge :(

    Dir wünsche ich einen entspannten Abend.

    Viele Grüße
    Katha

    Moin Jürgen :)

    Deinen Kommentar habe ich vorhin gelesen und dachte sofort: „Spannend, wieder Input“.
    Ich musste mich aber erstmal durchpusten lassen und bin durch den Wald gelaufen.

    Von Dir habe ich den Eindruck, dass Du geradezu prädestiniert bist für die Teilnahme an einer realen SHG. Ich glaube, Du schwafelst dort nicht und weichst auch nicht vom Thema Alkohol ab, erzählst von Dir und übst keinen Druck aus. Ich glaube weiterhin, dass Deine Teilnahme dort am wertvollsten wäre, wo ständig neue Leute auftauchen, die abstinent leben wollen und einen Weg suchen. Das aber nur mal so ;)

    Natürlich darf Jeder seine Gedanken für sich behalten, aber wo würden wir stehen, wenn es Jeder so handhaben würde?! Ohne Austausch kommen Menschen doch in vieler Hinsicht nicht weiter. Wichtig finde auch ich, dass man sich vorher mal selbst zuhört. Ich haue manchmal Gedanken spontan heraus, die ich im selben Moment schon modifizieren muss, weil ich eine Seite nicht bedacht habe, glaube aber auch, dass ich es durch Übung und mit mehr Gelassenheit verbessern kann. Ich bin ganz bei Dir: Man sollte sich selbst und Anderen auch nicht zuviel zumuten an Energieverlusten. Gut deshalb, dass man hier lesen kann, was man mag und anderes liegen lässt. Nervig übrigens auch die Menschen, die immer schon wahnsinnig gespannt sind auf das, was sie als nächstes sagen werden.

    Ich habe den Eindruck, dass in SHG´s seit Jahren vermehrt auch Gedanken und Probleme auf den Tisch kommen, die mit der Krankheit Alkoholismus direkt nichts mehr zu tun haben. Einfach aus dem Grund, weil immer mehr Menschen kaum noch Jemanden haben, mit dem sie diese Probleme besprechen können. Wenn es aber den Menschen hilft, sich auszusprechen, um den Druck wegzunehmen und sie dadurch stabil bleiben, höre ich gern auch 111 Mal zu. Andere Leute wiederholen 30 Jahre lang dieselben Sätze. Bevor ich einen Koller kriegen konnte, habe ich mir gedacht, es ist für sie ähnlich wie ein wöchentliches Gebet. Also höre ich zu und akzeptiere das so.

    Ich habe mich zu der Diskussion um den offenen und geschlossenen Bereich ja bisher kaum geäußert. Ich war vorher für den geschlossenen Bereich frei geschaltet, habe aber zuletzt nur noch im offenen geschrieben und nur sehr selten im geschlossenen gelesen. Als ich hier wieder einfiel im Forum, hatte ich genauso wenig Bock, im geschlossenen Bereich wieder zu lesen, wie ich Lust gehabt hätte, meinen Nachbarn eine Cam im Bad zu installieren. Gut, ich hätte mich natürlich anmelden und versuchen können, die Threads im geschlossenen Bereich zu ignorieren, aber ich bin auch nur ein Mensch.
    Da mir aber die meisten Menschen hier inzwischen fremd geworden waren und ich keinen Bezug mehr zu ihnen hatte, hätte ich mich beim Lesen gefühlt, als würde ich in anderer Leute Privatsphäre schnüffeln. Ein absolutes No-Go für mich.

    Die Geschichte hat sich für mich sowieso in der Zwischenzeit erledigt, weil ich momentan und auf absehbare Zeit auch gar keine Kohle übrig hätte durch meine besondere Situation. Ich hänge in der Warteschleife. Ich kann das auch fröhlich raushauen, weiß aber genauso gut, dass es Anderen nicht so leicht fällt, wie Frank bereits mal angeführt hat.

    Zugegebenermaßen sträubte sich mir manchmal das Nackenfell, wenn ein Newbie von 27 anderen Mitgliedern hintereinander darauf angesprochen wurde, ob er nicht doch in den geschlossenen Bereich wechseln wolle. Es ist aber mein persönliches Problem, wenn ich mich quasi dann schon indirekt im Geiste bedrängt fühlte. Da schalte ich heute noch in Gang S wie stur + T wie trotzig ;)

    Ich denke aber, dass der geschlossene Bereich für ganz viele Menschen sehr wichtig ist und finde es gut, dass es diese Möglichkeit gibt!
    Man kann hier in Ruhe ankommen, lesen, sich informieren. Erfahrungsberichte gibt es genug.
    Sobald man das Gefühl hat, man würde sich gern intensiver, privater und vielleicht auch offener austauschen wollen – Ehrlichkeit sich selbst gegenüber ist ja enorm wichtig, Eiertänze hatten wir Alle genug – ist man im geschlossenen Bereich genau richtig und ich kann es nur empfehlen. [Natürlich ist in anderen Foren sowohl der offene als auch der geschlossene Bereich kostenlos, aber man muss dort auch jederzeit damit rechnen, dass ein nasser Alkoholiker von der Sause der letzten Nacht erzählt. Braucht doch Niemand.]

    Für Menschen wie Dich aber, die so präzise und ausschließlich am Thema Alkoholismus sind und auch strikt bei sich bleiben.. sry, ich muss grad schmunzeln... nein, ich kann mir nicht vorstellen, wie ausgerechnet Du täglich die Feder wetzt und Deinem Tagebuch Deine Ängste und Nöte anvertraust :D.
    Du gehörst in den offenen Bereich mit Deinen Erfahrungen und der sachlichen Art, mit Newbies umzugehen, genauso wie Matthias und Correns, die auf unterschiedliche Art und Weise einen großen Teil des Fundamentes hier bilden. SHG halt! Meine Meinung.

    Zum Narzißmus kann ich nur sagen, dass sich hier Jeder selbst prüfen muss, ob er den Eintänzer gibt oder tatsächlich ein Anliegen hat. Natürlich kam mir der Gedanke auch ab und zu, aber dann mache ich einen Cut und lese in anderen Threads. Ich vertraue da meinem Bauch und nicht den Resten meines Helfersyndroms ;-).

    Und mal ganz ehrlich, Jürgen: Warum gibt es im offenen Bereich nicht mehr offene Diskussionen, kein Thema der Woche? Weil wir unseren Mors nicht bewegen!

    Viele Grüße
    Katha

    Lieber Andreas,

    ich hatte höllische Freude an Deinem Kommentar, ganz lieben Dank.
    Ich konnte direkt anfassen, wie Du lachend gerade heraus und ohne Schnörkel in die Tasten gehauen hast, weil Du einfach nur Spaß hattest, während ich hier auf meine Art Themen behandle, die mir wirklich unter die Haut gehen.
    An Dir ist wirklich nichts Falsches, nichts Übergestülptes, keine indirekte Rede, keine fiesen Hintergedanken, keine Sticheleien und nix Moralaposteliges, was Menschen so Blutleer, fad und spitz erscheinen lässt . Mit Dir zusammen kann man auch über sich selbst lachen. Das schaffe ich super immer allein, aber nur mit wenigen anderen Menschen zusammen.

    Ist Dir auch aufgefallen, dass es tatsächlich immer weniger Menschen gibt, die pure Freude empfinden können? Aus dem Bauch heraus lachen oder staunen können, für einen Moment innehalten, während die Welt sich weiter dreht? Sich den Augenblick bewusst machen und auch genießen? Tausend kleine Dinge, wie Matthias es bereits geschrieben hat.
    Manchmal habe ich heute das Glück und kann diese Momente mit Anderen teilen, ansonsten genieße ich sie jetzt für mich.
    Früher habe ich all das immer gesehen, aber es war nichts wert, wenn ich es nicht teilen konnte. Als wäre ICH es nicht wert gewesen, es nur für mich allein zu haben.
    Es sieht so aus, als wäre ich doch voran gekommen :-).

    Ich kann schon fast kurz um Hilfe bitten. Das wird dann ein einziger Satz!
    Plus 12 vorangestellte Sätze zur Erklärung der Situation inkl. Rechtfertigung und 17 Sätze zur Entschuldigung, dass ich überhaupt auf die Idee kam, so dreist um Hilfe zu bitten :D.

    Jo, wenn ich in Fahrt komme. Das ist ganz einfach Leidenschaft, ein Gefühl in der ganzen Figur. Wenn ich etwas Schönes oder Gutes sehe und beeindruckt bin oder auch fast überwältigt oder dankbar, dann möchte ich ja immer noch, dass andere Menschen dieses Gefühl ebenfalls empfinden können. Es macht auch den Alltag soviel schöner.
    Bin ich allein, werde ich still und staune. Bin ich mit Menschen zusammen, sprudele ich in diesen Momenten und gestikuliere und versuche auf diese Weise, sie aufmerksam zu machen und es ihnen nahe zu bringen.
    Klappt ja nicht mit Jedem und auch das ist mittlerweile okay. Früher war ich dann enttäuscht, heute nur noch selten.
    Dasselbe gilt aber nicht nur für schöne Eindrücke, sondern auch für Jobs oder Aufgaben, von denen ich überzeugt bin, für Teamwork, weil ich die soziale Kompetenz so mag, die dafür nötig ist und für Vieles mehr. Erfahrungen, die Andere gemacht haben oder ich selbst, die man gern weiter geben möchte, weil sie bereits für irgendeinen Menschen hilfreich waren. Son Zeugs halt :)

    Ansonsten bin ich ja ein ruhiger Vertreter geworden. Blubb. :)
    Ich mag die Stelle in „Waterworld“, wo Costner das kleine Mädchen fragt: „Hörst Du die Geräusche der Welt, das Wasser, den Wind?“ Und sie verneint, woraufhin er ihr sagt: „Das kommt davon, weil Du ununterbrochen quasselst. Du könntest sie hören, wenn Du mal die Klappe halten würdest!“ :) … oder so ähnlich... Ja, sehe ich genauso.

    So bin ich vielleicht nicht auf der Suche nach romantischen Männern – schon gar nicht für den Eigenbedarf, sondern ich wünschte mir nur, sie würden all das sehen, fühlen und vor allem schätzen können und es mitnehmen und verteilen an wieder andere Menschen.

    Ein guter Freund hat mir mal gesagt, wenn wir stets alles herauslassen würden, was uns bewegt, jeden Gedanken und jedes Gefühl mit Anderen teilen, dann bliebe oft eine furchtbare Leere im eigenen Inneren zurück, da wir uns ständig komplett quasi entleeren würden.
    Es fehlt dann sozusagen die Substanz in der Seele, das Fundament.

    [Mich würden zu diesem Gedanken auch andere Meinungen interessieren]

    Wenn ich z.B. hier längere Texte schreibe oder sogar einen Rückfall beschreibe, dann ist das für mich auch kein Spaziergang, sondern ich bin danach oft erschöpft, da es Substanz von mir ist. Die Gefühle sind beim Schreiben dieselben wie vorher beim Erleben und das strengt an. Erinnerungen kommen hoch und hängen manchmal wie Grundgewichte an mir.
    So würde ich also nicht mehr wie früher täglich hier berichten. Zu Beginn meiner Abstinenz war es wichtig, um mich selbst im Auge zu behalten und mir vor allem auch die guten Dinge vor Augen zu führen, die ich so schnell immer verdrängt habe.

    So falle ich immer ein, wenn mir gerade etwas durch den Kopf schießt, aber in Sachen Haustür bin ich für „normal“ nicht zuständig *veg*. Ich habe übrigens doch „moin“ gesagt, bevor ich die Tür mitsamt der Klinke herausgerissen habe :-).

    Schöne Grüße zurück und Du darfst so bleiben, wie Du bist :)
    Katha

    Guten Morgen Lena :)

    Mir ging´s vor einigen Jahren nicht anders als Dir, als wäre ich in Treibsand geraten.
    Jede Bemühung, jede Anstrengung schien beim Abstrampeln nur noch tiefere und weitere Löcher entstehen zu lassen, in denen ich gefühlt immer weiter nach unten absackte.

    Mir war grad der zweite Lebensgefährte in Folge verstorben, ich hatte nach meinem Entzug keinen Job mehr und traute mir auch nichts mehr zu. Trotzdem war da aber der Druck, baldmöglichst eine Arbeit zu finden, etwas leisten zu müssen (nützliches Mitglied der Gesellschaft), die kleine Familie selbst zu ernähren. Schuldgefühle meinen Kindern gegenüber, ein bevorstehender Umzug, da ich das Haus allein nicht halten konnte, Angst vor Menschen in der realen Welt und die Überzeugung, dass ich erst meine ganze Vergangenheit aufdröseln müsste, um überhaupt verstehen zu können und wieder auf die Beine zu kommen, hielten mich am Boden. [„Bodenhaftung“ war das aber wohl kaum]
    Es war ein ständiges Wechselbad zwischen Hoffnung und dem damit verbundenen Energieaufwand und der Niedergeschlagenheit, wenn ich zurückgeworfen wurde.

    Wat mut dat mut, dachte ich mir wie immer und schwächeln gilt nicht. Ich kämpfte also wie gewohnt an allen Fronten gleichzeitig und schleppte mich mit diesem riesigen Trauergefühl und den Bildern vom Tod meines Lebensgefährten auf der Netzhaut durch den Tag.
    Es kam wie es kommen musste und ich wurde rückfällig, weil ich hoffnungslos überfordert war. Gleichzeitig sah ich nun aber auch einen Weg.
    Ich dachte mir: „Wenn Du Dir einen Fulltime-Job noch nicht zutraust, dann nimm´ doch erstmal ein Stück davon, um wieder in den Fluss zu kommen und einen geregelten Ablauf zu schaffen, und wenn Du schon umziehen musst, dann renoviere die neue Wohnung Stück für Stück nach Prioritäten. Dann wird genügend Energie übrigbleiben, um andere wichtige Dinge erledigen zu können“.
    Der erste Job war super gewählt ;-): Den ganzen Tag in einem Labor eingeschweißte Lebensmittel fotokopieren wegen der Etikettierung. Hast Du schon mal ein Schnitzel in einen Kopierer geschmissen? :D Seltsame Angelegenheit! Die Firma war so weit entfernt, dass das verdiente Geld für Fahrtkosten draufging.
    Das war schon mal nix, also ein zweiter Versuch.
    Ab in die Anzeigenabteilung eines kleinen Verlags, ein Aushilfsjob. Ich fühlte mich dort wohl, die Kollegen waren mir bald vertraut und durch das gute Gefühl traute ich mir auch immer mehr zu, die Arbeit machte einfach Spaß. Ich bekam mehr Verantwortung, die aber meinem Tempo angemessen war und ich fühlte mich deshalb auch nicht überfordert. Nach sechs Wochen wurde ich zur Leiterin des Innendienstes befördert, aber geplant hatte ich das sicher nicht. Man wächst tatsächlich (wieder) mit den Aufgaben und erhält dadurch auch mehr Selbstvertrauen. Trotz allem war ich ja noch etwas verwaggelt, stapelte wie üblich tief, wenn es um meine beruflichen Fähigkeiten ging, war deshalb in dem neuen Job hoffnungslos unterbezahlt und arbeitete zum Schluss bis zu 90 Stunden die Woche :-).
    Wieder was gelernt, Notbremse gezogen und ab zum nächsten Job.

    Für den Umzug boten sich die Freunde meiner Kinder gern an und ich war total gerührt. Gut, ich war die einzig Erwachsene mit einem Führerschein und es hätte vermutlich einige Wochen gedauert, aber was soll´s :-). Da rief mein Bruder aus heiterem Himmel an, als hätte er meine Schwierigkeiten gerochen, setzte mich kurz auf den Pott, weil ich nicht um Hilfe gebeten hatte und organisierte den kompletten Umzug. In der neuen Wohnung renovierte ich erst die Zimmer der Kinder und saß Wochenlang in meinem Zimmer hinter einer riesigen Wand von Kartons. Es hat mich überhaupt nicht mehr gestört: Wir bastelten uns ein neues Zuhause und ich war abstinent. Wir waren zusammen und mehr war nicht nötig. Plötzlich hatte ich auch wieder diese Ruhe im Bauch. Als mein Sohn nach mir fragte, weil er mich hinter dem Kartonstapel nicht sehen konnte, grinste meine Tochter nur und meinte: „Mum sitzt hinter den Kartöngs und tuned eine Kommode“. In meiner nassen Zeit hätte ich mir diese Freude zwischendurch nicht gönnen können, ich hätte aus Pflichtgefühl geackert wie bekloppt, um alles fertig zu bekommen und mich zum Schluss wieder gefragt, ob das Leben eigentlich nur noch aus Arbeit besteht.
    Die Aufarbeitung meiner Vergangenheit habe ich damals nach hinten gestellt, weil es bei uns zunächst erst einmal um die Schaffung einer Basis ging. Für mich persönlich war es eine gute Entscheidung, Andere müssen sich sofort an die Arbeit machen, weil Ihnen dieses Grundgewicht sonst die Sicht verstellt auf das Leben.

    Ich hab´s nicht so mit „Du musst, du solltest, kümmere Dich um Deine Baustellen, etc..“. Ich erzähle lieber von mir und überlasse dem Anderen, ob etwas dabei ist, was er für sich gebrauchen kann. Dadurch wird’s auch schon mal langatmiger ;-). Mein Weg ist ja nur eine der vielen Möglichkeiten.

    Vielleicht findest Du ja eine Gelegenheit, in einem Minijob oder ähnlichem für eine Einzelperson zu arbeiten oder in einem ganz kleinen Kreis, so dass Du Dich langsam wieder an diese geregelten Abläufe und auch an fremde Menschen gewöhnen kannst, ohne Dich zu überfordern. Dann wird auch noch genügend Zeit sein, die Erkenntnisse aus Deiner Therapie zu verarbeiten, was Schwerstarbeit bedeutet.

    Du bist kein Einzelfall und auch keine Ausnahme, nicht „ungenügend“ als Rädchen im Gefüge. Die Welt IST hektisch, oberflächlich, pauschal und schnell. Sie dreht sich oft so schnell, dass sie ihre eigene Hohlköpfigkeit nicht bemerkt ;-).
    Du allein entscheidest, was Du Dir von ihr nehmen willst. Natürlich gibt es Dinge, die wir tun müssen, doch bei mir nehmen sie immer weniger Raum ein.

    Wie Frank denke auch ich, Du musst gar nicht versuchen, Dich Deinen Freundinnen zu erklären. Sie sind vermutlich auch überlastet mit dem Thema, wie die meisten Menschen.
    Ich habe Menschen, mit denen ich über die Arbeit spreche, andere Menschen, mit denen ich über zwischenmenschliche Beziehungen reden kann und philosophieren, wieder andere sind für Themen wie Fußball und Glühwürmchen ;) geeignet oder ein Gespräch über Ängste und Sorgen, etc.. Ich teile meinen Gesprächsbedarf mittlerweile tatsächlich zwischen den Menschen auf und allen geht es besser damit.

    Ganz liebe Grüße und dass Du ein Zipfelchen von dem erwischen kannst, was Dir weiterhelfen wird
    Katha

    Matthias :)

    Herzlichen Dank für Deinen Besuch in diesem angestaubten Denkschuppen :-).
    Du magst recht haben, aber ich wollte nicht gerade die volle Breitseite losschleudern ;-).
    Ich hab´s auch schon mal ganz ganz furchtbar direkt probiert, weil ich von Männern ja was kenn:
    „Du! Das, was Du gerade gesagt/getan hast, gefällt mir nicht, weil .. bla bla.. !“ (kurze, betont sachliche Begründung hinterher geschoben).
    Legt der Andere den Kopf quer, schielt mich an und fragt: „Hm… wie meinsten das jetzt?“
    Hö?!
    Oder Variante 2: „Ja, sag´ doch einfach, wenn Dir etwas nicht gefällt! Ist doch kein Problem (nachsichtiges Lächeln dazu.. *knurr)“.
    „Äh, hab´ ich doch grad!“
    „Axö. Na dann“.
    Bei Variante 2 erfahre ich übrigens nie, was hängengeblieben ist von dem, was ich anzumelden hatte ;-).

    Immer wieder höre ich: „Boah, der alte Chauvi, boah, ist der frech (häufig die Umschreibung für unverschämt & rücksichtslos), boah, ist das ein Ego.. etc.“
    Und ich warte. Manchmal Jahre. Bis das Mädel, das diese Diagnose in Sekundenbruchteilen stellen konnte, kapiert hat, dass der Mann es tatsächlich auch so gemeint hat, also tatsächlich auch so ist! und es kein Spiel ist und kein Gehabe, um ihr zu imponieren. In der Zwischenzeit habe ich dann reichlich Gelegenheit, meine eigenen Irrtümer zu begehen ;-).

    Ich denke aber, solange es noch Spielraum für Spekulationen in der Kommunikation zwischen den Geschlechtern gibt, wird es langfristige Beziehungen geben. Ist das Geheimnis der unterschiedlichen Sprache erst einmal gelüftet, werden viele Menschen diese Klippe dann umschiffen und sich lieber einen Garten zulegen ;-).

    Dir einen schönen Abend und viele Grüße
    Katha

    Liebe Thalia,

    eine „zum Glück etwas längere Vorstellung“ ist gut *g: Mich konnte man damals nur durch das Schloss am Thread stoppen :-). Ich hatte gerade so überhaupt keinen Kopf für administrative Belange und ehrlich gesagt: Für eine komplette Vorstellung – auch und vor allem mir selbst gegenüber – werde ich wahrscheinlich noch Jahre brauchen, zumal ich mich selbst auch stetig verändere. Kommt ja Niemand mehr hinterher :-).

    Wenn ich mein Köfferchen packe, bin ich stets sehr gründlich. Dann nehme ich alles mit an Gedanken und Gefühlen und lasse nichts zurück (außer sämtlichen Möbeln in manchen Situationen). Da ich nicht abschätzen konnte, wie lange ich abwesend sein werde oder ob ich überhaupt zurück komme, habe ich also anscheinend sorgfältig gepackt. Wenn ich Deine Zeilen lese, denke ich, nicht sorgfältig genug ;-).

    Verstehe mich bitte nicht falsch, denn ich habe mich sehr über Deine Zeilen gefreut.
    Vor allem, weil ich davon überzeugt bin, dass Du wiederum andere Ecken ausleuchtest, die mir verborgen geblieben sind und das ist genau das, was ich an lebendigen Diskussionen und dem Gedankenaustausch so schätze: Immer wieder neue Blickwinkel auch auf vermeintlich vertraute Gefühle und Situationen.
    Mulmig wird es mir bei dem Gedanken, dass dieser Vorstellungsthread noch existiert. Bei meiner Geschwindigkeit oft passt zu mir der Satz: „Was geht mich mein Reden von gestern an“ ;-). Das hat allerdings nichts mit Oberflächlichkeit zu tun, denn ich ändere meine Meinung nur dann, wenn ich tatsächlich noch einmal meine Ansicht überdacht habe und z.B. neuen Input bekam von Anderen, eben neue Perspektiven. Das passiert dann aber doch häufig ziemlich rasant :-).

    Das mulmige Gefühl rührt aber vor allem daher, dass ich selbst meinen Vorstellungsthread nach der erneuten Freischaltung gar nicht mehr lesen kann. Da dümpelt also etwas von meinen geistigen Inneren sozusagen „Herrenlos“ im luftleeren Raum herum wie Major Tom und das gefällt mir nicht, wie Du Dir vielleicht vorstellen kannst.
    Andererseits war ich gedanklich sehr beschäftigt in den letzten Tagen und Dein Post hat irgendwie auch bewirkt, dass ein Knopf wieder aufgegangen ist und ich lossprudeln konnte ohne Rücksicht auf Verluste.

    Vor kurzem hatte ich allerdings dieses lähmende Gefühl, dass sich alles wiederholt, nichts Neues, keine Veränderungen. Das große Gähnen: „Das kennst Du doch alles schon und die Menschen wiederholen sich auch“. Suche, Flucht, Hoffnung, Streben, och nee.
    Das Schönste am Leben schien mir mittlerweile bereits die Aussicht auf die unvermeidliche Apokalypse zu sein, da ich dann gezwungen wäre, mit ca. 98 anderen Menschen eine neue Welt hochzuziehen. In meiner Phantasie war ich selbstverständlich eine der Überlebenden, schon zur Strafe wegen mangelnder Umsetzung von Vorhaben und guten Ideen in der Vergangenheit.

    Vielleicht kannst Du es nachvollziehen: Weihnachten ist vielleicht 20 Mal schön, 40 Mal eventuell auch noch, bei Nr. 104 werde ich vermutlich mit meiner Erbsenpistole auf unschuldige Studenten im Weihnachtsmannkostüm zielen und sie von ihren rotgepolsterten Sesseln in den Einkaufszentren dotzen und Kinder werden weinen und Illusionen verlieren. Eine betrübliche Aussicht.

    Ein guter Freund zog mich an den Haaren aus der selbstgebastelten Misere und bot mir einen Kurzaufenthalt an in dem, was er mittlerweile Miedsekadsenaufpäppelstation nennt. Er kann meine Gedanken lesen und spürt jedes krumme Zucken meiner Gedanken. Das ist ein Geschenk für ein Ei wie mich, das sich so schlecht zu der eigenen Gefühlslage äußern kann.
    Voraussetzung dafür ist allerdings immer, dass er tatsächlich gerade Raum und Zeit für diese Kapriolen hat, denn ich würde eingehen bei dem Gedanken, dass sich Jemand für mich verantwortlich fühlt, für mein Wohlbefinden. Das kann und will ich Niemandem zumuten, denn die Bürde wäre einfach zu groß.

    Kopfmäßig notdürftig zusammengeflickt war ich danach wieder in der Lage, mit einem harmlosen Menschen einen harmlosen Spaziergang zu unternehmen, ohne ihn gleich bei der ersten unpassenden Bemerkung komplett auseinander zu nehmen.
    Wir stolpern also durch die Dunkelheit den vertrauten Weg zu „meinem See“ entlang und plötzlich waren in einem Waldstück Scharenweise Glühwürmchen zu sehen :-).
    Ich hatte tatsächlich in meinem ganzen Leben noch nie so etwas gesehen und war total bezaubert, verzaubert, entrückt, verzückt.. was weiß ich :-). Es war wie in einem Märchenwald und ich blieb stehen und konnte mich gar nicht satt sehen an dem Anblick.
    Sofort dachte ich: Das ist ein solches Geschenk, gerade in einem Augenblick, in dem ich daran zweifelte, dass da noch viel Neues auf mich wartete“.
    Und gerade, als mich ganz tiefe Dankbarkeit tatsächlich durchströmte und so eine Leichtigkeit (klingt kitschig, aber so bin ich auch manchmal ;-)), sagte eine barsche, knurrige Stimme neben mir: „Da hinten ist auch noch ein ganzer @rsch voll!“
    Das war´s dann mit der Verzückung und ich fühlte mich, als hätte man mir einen Knüppel auf den Kopf gehauen. Der Gipfel der Empfindlichkeit, ich gebe es zu, aber tatsächlich war dieses Erlebnis schlagartig nicht mehr dasselbe wie noch Sekunden vorher.

    Den ganzen Weg zurück schlurfte ich schweigend mit gesenktem Kopf und grummelte im Geiste vor mich hin. Es war ein Gefühl wie Trauer.
    Ich benötige öfter mal einen Plan B oder quasi ein Gegengift: Ich leitete also die Sofortmaßnahmen ein. Zuerst rief ich den guten Freund an und statt einer Begrüßung fragte ich sofort: „Magst Du Glühwürmchen?“ Mein Tonfall muss ihn vorgewarnt haben, denn er antwortete mit Samtstimme: „Glühwürmchen finde ich wunderschön!“ Halbwegs beruhigt konnte ich auflegen. TOP 2 auf der Liste war es, ein Frauengespräch mit meiner Nachbarin anzuzetteln und mein Erlebnis zu schildern. Ihr Blick sprach Bände und ihr Mitgefühl war Balsam für meine Seele :-). Sie liebt Glühwürmchen und würde gern mit mir zusammen demnächst durch den dunklen Wald stiefeln, um diesen Anblick zu genießen, denn allein gehts für mich nicht.

    Ich konnte mich dann wieder in Ruhe meinem neuesten Projekt widmen, nämlich dieser sachlichen Bitte um Hilfe. Ich habe es immer noch nicht leichter mit mir. Ein Elend. Steige ich aber auf den Tisch und gucke noch mal drauf, dann denke ich gerade: „Gut so, sie schleift sich nicht ab!“ :)

    Liebe Grüße und Dir eine schöne Woche
    Katha

    Moin Andreas :)

    Mooooment… *g, das neue Tempo heißt Adagio - außer beim Aufstehen natürlich nach einer stürmischen Nacht ;-). Wollt sagen: Die Bäume lagen hier gestern echt quer im Wind und ich bin wie ein Derwisch auf die Terrasse gesprungen und habe sämtliche Pflanztöpfe in Sicherheit gebracht, damit sie nicht von der Mauer kippen. Ich konnte dann nur noch zugucken, wie der Ständer mit dem gelben Sack im hohen Bogen an den Fenstern vorbei flog, die Heckenhürde von zwei Metern hat er aber doch nicht nehmen können.
    Mir klopfte allerdings das Herz bis zum Hals und ich musste einen Spezialisten anrufen, der mir glaubhaft versicherte, dass die hohen Bäume in der Nachbarschaft NICHT bis zu meiner Hütte reichen und mir hier alles zerschmettern.
    Ich hab´s ja nicht so mit Zeit und auch nicht mit Abmessungen, die die Welt draußen betreffen und so kann ich auch z.B. 200 Meter nur abschätzen, wenn ich sie sprinten muss. Ein Punkt, der die hitzigen Diskussionen mit meinem Navi stets am Kochen hält.

    Der Miedsekadsenflüsterer – ein wirklich guter Freund - lächelte jedenfalls durchs Telefon: „Ich beschütz´ Dich“ und ich sank erleichtert in die Kissen, während mein Zwilling eine Augenbraue hochzog, mitleidig lächelte und mich auf die reale Distanz von 15 Kilometern aufmerksam machte und auf das dadurch irgendwie unlogische und vor allem unangebrachte Gefühl der Erleichterung. Soviel zu der Einheit in mir :-).

    Aus purem Eigennutz hoffe ich gerade, dass sich auch die Ameisen eines anderen Bundeslandes zusammengerottet haben, um sich auf der Platine des Routers eines bestimmten User´s hier rösten zu lassen und damit sein I-Net lahmzulegen ;-). Zumindest so lange, bis ich meine Lektion in Sachen „Ich bitte um Hilfe“ oder „Freiheit für die weichen Stellen“ durchgeackert habe.

    Manchmal müssen wir wachgerüttelt werden. Die Anhäufung von Bemerkungen in den letzten Wochen wie: „Sag´doch einfach Bescheid, wenn Du Hilfe brauchst“ fruchteten wie immer wenig bis gar nicht, doch durch die freundliche Unterstützung eines widerspenstigen Lattenrostes war ich endlich in der Lage, mich mal mit den Tatsachen auseinander zu setzen: Was für Andere anscheinend völlig normal ist, fällt mir schwer.

    Schwierig, es für mich selbst zu klären, aber das beste Beispiel für meine seltsame Denke ist mein Umgang mit Spinnen:
    - Ich HASSE Spinnen
    - Die Logik sagt mir, dass mir dieses Gefühl in grauer Vorzeit iwie eingetrichtert wurde durch das Verhalten Anderer, denn ich glaube kaum, dass Jemand als Spinnenhasser zur Welt kommt, aber das nur nebenbei, denn es ist immer, wie es ist.
    - Frisch operiert und mit einem verbliebenen Gewicht von 47 kg, behaftet mit 9 kg Gehgips vom Hals bis zum Mors, habe ich es damals geschafft, ein Mordsteil von französischem Bett allein in die Mitte des Zimmers zu schieben, weil in einer Zimmerecke eine Spinne hing, die ich nicht erreichen konnte
    - Wenn ich auf eine Spinne treffe und allein bin, kann ich mich kreischen hören, bevor ich sie einfange und ich ekle mich solange, bis ich sie unversehrt nach draußen befördert habe
    - Wenn ich auf eine Spinne treffe und Jemand bei mir ist, der auch diese irrationale Angst vor Spinnen hat, schalte ich automatisch (eine Menge) Gänge runter, greife mir äußerlich unaufgeregt ebenso Postkarte und Glas, fange das Biest vorsichtig ein und setze es umsichtig in die Natur, um es nicht zu verletzen. Hinterher wird unauffällig ausgeatmet. Vielleicht auch eine Verantwortung, die mir eingetrichtert wurde.
    Den Satz: „Bei einem Notfall hätte ich Dich gern in meiner Nähe“ habe ich öfter schon gehört.

    - Als im größten Stress einmal die Frau eines Kollegen anrief, um ihn eine halbe Stunde lang vollzuheulen, weil in ihrer Waschküche zu Hause (150 km entfernt) eine Spinne saß, war ich ungeduldig, ohne Verständnis und auch ein bisschen verächtlich unterwegs. Heute verstehe ich diese Frau sehr viel besser, denn manchmal reicht es schon, wenn man die Ängste einfach rauslassen kann

    Passt doch alles nicht zusammen. Schwierig auch, wenn man Niemanden belästigen möchte.

    In den letzten Tagen habe ich also geübt :-). Allein in meiner Hütte habe ich öfter mal laut den Satz losgelassen: „Kannst Du mir mal helfen, bitte?“ Ich hab ziemlich lachen müssen, denn ohne ein „Duuu_uuu_uuu…“ vorweg ging da erstmal gar nichts. Es erinnerte mich an die Zeit, wo ich noch nicht über einen Tisch gucken konnte und mein Vater mich dann immer angrinste.
    Also musste eine Testperson her in Gestalt eines Bekannten, der (natürlich von sich aus) angeboten hatte, mir bei der Reparatur meines Fahrrads zu helfen.
    Ich habe neulich beschlossen, mein Rückgrat aus Titan nicht mehr übermäßig zu strapazieren aus reinen Vernunftgründen und so sagte ich nur: „Vielleicht sollten wir (*hüstel) das Rad umdrehen, damit wir besser sehen können“. Er (groß und kräftig) erwiderte: „Hm, ja. Sollten wir. Ist aber ganz schön schwer das Teil!“ Ich lächelte nett mit allen Zähnen „Lass´mal, ich mach´s schon“ und stellte das Rad selbst auf den Kopf. Indirekte Rede funzt also nicht bei manchen Männern.

    Mögliche Lösungsvorschläge für mein Problem: a. Weitermachen wie bisher und sich das Kreuz verbiegen und b. Riesige Spinnenklatsche besorgen. c. Schwimmen und Walking statt Radfahren. d. Bekannte austauschen. e. Direkte Rede üben

    Den nächsten Versuch startete ich mit dem mir fremden Hausverwalter. Ich sprach ihn direkt an, erzählte ihm von meiner bevorstehenden OP und fragte vorsichtig, ob es evtl. möglich wäre, mein Rad im Hof zu parken, damit ich es nicht täglich aus dem Keller schleppen muss und wieder hinein.
    Er sagte sofort zu, das Thema bei der nächsten Eigentümerversammlung zur Sprache zu bringen und zwei Tage später rief mir eine Nachbarin aus dem Fenster freudig zu, sie hätten mir einen Darfschein ausgestellt und wies mir auch gleich die Abstellfläche zu.
    Vielleicht ist dies der Tatsache zu verdanken, dass ich hier im Garten gerockert habe wie bekloppt und mir Jeder versichert, er hätte seit 30 Jahren nicht mehr so gut ausgesehen und es würde das Gesamtbild aufwerten. Vielleicht waren sie einfach nur ohne jeglichen Hintergedanken verständnisvoll und hilfsbereit. Mich hat es total gefreut und es ist eine echte Erleichterung bei meinem Vorhaben.

    Vielleicht empfindet der Eine oder Andere meine Gedanken und mein Getippsel hier auch als völlig bekloppt und müßig ;-), aber ganz sicher ist es eine Sache, die mich seit Tagen vermehrt beschäftigt, weshalb ich hier auch weniger geschrieben habe. Ich möchte äußern können, dass ich manchmal eine helfende Hand benötige, dass ich manchmal Angst habe oder verunsichert bin, dass ich manchmal sofort menschliche Gesellschaft benötige und nicht erst zu dem Zeitpunkt der nächsten Verabredung, dass ich mich manchmal sorge.
    So habe ich in den letzten Tagen, als es mir wirklich nicht gut ging, gerufen und Alle kamen. Jeder auf seine Art und Weise.
    Ich konnte es nur, weil mir klargeworden ist, dass „Erwachsen sein“ zum Henker nun mal nicht ausschließt, dass man frei von Ängsten, Sorgen und Unsicherheiten ist.
    Wir sind keine Maschinen und ich werde noch mit 104 Jahren Angst im Dunklen haben, denn so etwas „verwächst“ sich nicht. Ich lege also weiterhin die weichen Stellen frei. Ich darf das! Alle Anderen auch! :) Ich mag nicht mehr lesen oder hören, wie Jemand fragt: „Wie muss ich denn sein, wie muss ich reagieren, was ist erwachsen?“, denn für das Leben und für Gefühle gibt es kein Manual.

    Oops, eigentlich (da war es wieder, mein Lieblingswort, dieses herrlich nichtssagende Füllsel ;-)) wollte ich „nur“ Thalia antworten und Dir vorher kurz mitteilen, dass Du mich zum Lachen gebracht hast - prompt lande ich bei meiner Milz :)

    Schöne Grüße zurück und eine Woche mit ein paar bunten Überraschungen
    Katha

    ... wird dann kaum etwas kommen (können) :-).

    A wie Aufstehen: Unfallfrei aus dem Bett zu kommen ist nicht immer so einfach bei einem Himmelbett mit ganzen vier Pfosten und dem restlichen Gedöns *g

    Guten Morgen Eniba,

    wie Du an den Kommentaren sehen kannst, wirst Du gelesen – wenn auch von einigen Menschen vielleicht aufmerksamer als von anderen… ;-).
    Und nein, manchmal wird der Text nicht rund und das ist auch überhaupt nicht wichtig. Wichtiger als Entertainment ist das Verwursten der eigenen Gefühle, vor allem, wenn wir noch ganz am Anfang stehen und die Entwöhnung ist oft kein Spaziergang. Mir hat es geholfen, einfach alles rauszuhauen, was sprudeln musste und das war oft nicht besonders komisch.

    Ich lese aber öfter, dass manche Betroffene sich über einen Mangel an Resonanz beklagen und glaube, es liegt einfach an der Art der „Berichterstattung“. Wenn ich keine direkten Fragen stelle oder konkret in einer Situation um Unterstützung bitte, gibt es für Andere kaum etwas, wo sie einhaken können. Außer dem ernst gemeinten, aber lapidaren „Alles Gute auf Deinem Weg“ wird dann kaum etwas kommen (kommen).

    Dich würde ich im Moment nur eines fragen wollen: Hast Du in der Zwischenzeit die Pullen von Deiner Baustelle entsorgen können? Die könnten Dich nämlich u.U. in einem Moment anspringen, in dem Du gerade schwächelst und dann geht’s nach hinten los. Falls Du noch nicht dazu gekommen bist, würde ich mir für diese Aktion einen Tag aussuchen, an dem ich mich einigermaßen stabil fühle und/oder einen netten Menschen mitschleppen, der mir bei der Entsorgung hilft.

    Viele Grüße und einen guten Start in die Woche.
    Katha

    Never say never again und doch glaube ich, dass dies das einzige ist, was mir nie wieder passieren wird: In eine Co-Abhängigkeit zu geraten.
    Ich sehe hier in dieser Situation nur keine Co-Abhängigkeit.

    Ich mag die direkte Rede und glaube Dir sofort, dass Du völlig Wert- und Vorwurfsfrei schreibst.
    Falls ich mal die Absicht haben sollte, hier komplett die Hosen runter zu lassen, warte ich aber doch lieber damit, bis Dein I-Net für ein paar Wochen ausfällt, weil auch ich manchmal nicht kann… ;)

    Guten Morgen Kaleu,

    nun will ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber in meinen Augen ist der Schwiegervater doch eher die Eintrittskarte für das Leben des Ex gewesen, also Mittel zum Zweck.
    Und alle sollten sehen, was der Ex so treibt. Letztendlich auch die neue Freundin. Also nicht weg, sondern näher ran.
    Ahoi hat es doch beschrieben: Da war auch Neid, Missgunst und Selbstmitleid.
    Zorn, weil der Schwiegervater nicht wie gewünscht reagiert hat. Manipulationsversuch?
    Schwierig, denke ich, sich zu diesen negativen Emotionen zu bekennen.
    Respekt von mir dafür.

    Weich, geduldig, liebevoll mit sich selbst. Das braucht auch Zeit. Da sagste was, da sehe ich auch den Schlüssel und werde mir dieses Kleidchen gleich mal selbst überstülpen.

    Schlechtes Gefühl grad bei mir, weil wir hier versuchen (und uns das Recht herausnehmen), Ahoi´s Gefühle zu „analysieren“. Ich hab´s trotzdem getan, weil ich hoffe, es hilft auf dem Weg.

    Viele Grüße
    Katha

    Guten Morgen

    Gleichgültigkeit in dieser Form kenne ich so gar nicht, auch nicht im akuten Stadium.
    Verzweiflung, Angst, Hilflosigkeit, Ohnmacht, Überforderung und ein Gefühl von Sinnlosigkeit.
    Bis zu einem selbstgesetzten Zeitpunkt durchhalten, dann auf den Mors plumpsen, sich wegbeamen, sich quasi erst einmal auf „die Insel“ zurückziehen, um Luft zu holen, sich zu „trösten“, den Druck wegzunehmen.

    Am nächsten Morgen (später wurde es dann Vormittag) wieder zusammenreißen und alles geben, um die Dinge zu erledigen, die anstehen und getan werden müssen. Was für ein elender Kraftakt und Energieverlust.
    Vielleicht spielt die Tatsache eine Rolle, dass ich als Mutter auch immer wieder allein erziehend war und die alleinige Verantwortung für die Kinder hatte. Wer weiß, wo ich langfristig ohne sie gelandet wäre.

    Gleichgültigkeit kenne ich nur aus Anflügen von Depression und Melancholie und da habe ich sie eher als Lähmung betrachtet.

    Viele Grüße
    Katha

    Guten Morgen Ahoi,

    gestern dachte ich bei Deinen Kommentaren noch: Weia, in dieser Situation würde ich sofort losschießen und meine eigene Motivation mal prüfen.
    Heute lese ich, dass Du den denkbar größten Schritt quasi über Nacht zurückgelegt hast.
    Darüber freue ich mich total.

    Ich könnte Dir sagen, dass Dein Ex nicht viel Spaß haben wird, auch wenn es nach außen hin so aussehen mag. Wenn seine neue Freundin nicht mit ihm trinkt, wird sie dasselbe durchmachen wie Du, es sei denn, sie zieht vorher die Reißleine.

    Doch all das ist gar nicht wichtig für Dich und Deinen Sohn. Mit Deiner Stärke und Ehrlichkeit und dieser Fähigkeit, zu reflektieren, wirst Du Deinen/Euren Weg finden und ganz sicher keine verbiesterte Ziege werden :-). Ich denke, erst ohne diese Bedürftigkeit sind Beziehungen auf Augenhöhe überhaupt erst möglich, sonst bin ich ein Klops, der mitgeschleppt werden muss.

    Alles Gute für Euch und eine schöne Zeit.

    Viele Grüße
    Katha

    Na und wenn Ihr alle keinen Bock habt zum Klauben.. dann klaubt doch einfach nicht :-).

    Jungs, sry, ich mache gerade wieder einen Nikotinentzug, weil´s einfach zu schön ist *röchel und vor meiner Hütte ist so ein wahnsinniger Gärtner unterwegs mit einer Motorsäge. Ich bin etwas gereeeeeeeeeeeizt! Ich spring jetzt zum See und beiß´ da in eine Bank, bevor der Gärtner noch Schaden nimmt. Später mehr. Oder nach Verfassung. Oder je nachdem, wo ich lande…ist ja so vieles verboten, was sich super zur Ablenkung eignet.

    Gruß
    Katha

    Hallo Thalia,

    herzlich willkommen.

    Ich sehe Dich. In mir selbst.
    Für die „ganz schweren Fälle“ empfehle ich immer noch eine reale SHG zusätzlich.
    Hosen runterlassen in Reinkultur. Den Menschen direkt ins Gesicht sehen, während Du Dich auch mal klein machen darfst.
    Schwierig? Ja. Unmöglich? Nein!
    Ruhe ist unbezahlbar und selten geworden in den Bäuchen der Menschen.

    @ Jürgen: Ich glaube, behaupten zu dürfen, äußerst selten in meinem Leben anderer Menschen Lebensläufe „entwertet“ zu haben, nur: Die Anderen durften alle alles, ich nie!
    Klingt überheblich, weiß ich, aber wenn ich schwächel, stirbt ein Teil Hoffnung in den Menschen, die mich begleiten. Keine Arroganz, nur Teil meines gefühlten „Jobs“. Eine Bürde manchmal.

    Dir, Thalia, borge ich gern meinen Lehmann, um die Fassade kurz und klein zu hämmern.

    Alles Gute auf Deinem Weg und die Stärke, Dir schwache Momente zuzugestehen.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Hartmut,

    die Erkenntnis, dass ich Alkoholikerin bin, schwappte über und in mich wie eine Welle. Sie machte mich endlich ruhig. Vorher war ich – wie Jürgen es beschrieb – alles Mögliche, nur keine Alkoholikerin: Fighter, Opfer, Grübler, arme Sau, „Alkoholmissbräuchler“ und von entschlossen, rigoros und hart gegen mich selbst bis hin zu selbstmitleidig und verzweifelt zog ich abwechselnd alle Register, um mir zu beweisen, dass ich nicht „verloren“ bin. Nur ne Phase, da komme ich wieder raus… habe ich doch in allen Bereichen immer wieder geschafft. Nee, ICH doch nicht!
    Ich erwähnte ja mal: Kapitulation hatte ich nie im Programm und hätte mir das auch in meinem Leben in keinem Bereich leisten können. Ich habe dadurch Jahre vergeudet.

    Definitiv hätte ich persönlich nie etwas für länger als über einen sehr kurzen Zeitraum ändern können ohne diese Erkenntnis, Alkoholkrank zu sein.

    Klar, die Menschen, die sich hier anmelden, kommen ins Klinken wegen ihres eigenen Alkoholkonsums. Sie lesen hier z.T. haarsträubende Geschichten, drehen sich um und glauben: „Na ja, soooo schlimm isses bei mir ja nun wirklich nicht. Ich muss nur mit dem Blödsinn wieder aufhören!“ Woher sollen sie auch wissen, dass sich bei Suchtkrankheiten die Spirale immer weiter dreht… leider immer abwärts.

    Ich denke auch, dass wir Anzeichen für mögliche Alkoholkrankheiten erkennen können, aber wir können es nur vermuten und es ist für uns persönlich nicht von Belang bei unserer Krankheit, da gebe ich Dir vollkommen recht.

    Ich bin Alkoholikerin, nach 6,5 Jahren rückfällig geworden. Ich bin und bleibe Alkoholikerin, weil Alkoholismus nicht heilbar ist. Klingt furchtbar. Die Erleichterung blieb aber nicht aus: Ich kann zumindest diese Krankheit stoppen. Wenn Menschen nach übermäßigem Alkoholkonsum zur Besinnung kommen und ihr Trinkverhalten ändern, dann wieder normal mit Alkohol umgehen können, sollten sie drei Kreuze dafür schlagen, denn sie sind nicht Suchtkrank. Falls sie aber weiterhin unkontrolliert trinken müssen, sollten sie sich schleunigst Hilfe holen.

    Du schreibst aus der Sicht eines Menschen, der vor Jahren bereits seine eigene Alkoholkrankheit erkannt hat und sich dementsprechend längst sein Leben neu gestaltet hat.
    Da bist Du Vorbild und völlig klar in Deinen Ansichten.
    Ich schreibe aus dem Verständnis heraus für alle Eiertänzer da draußen, die sich in einem Prozess befinden und denen ich nahebringen möchte, dass es Vielen nicht anders ging am Anfang in der schwierigsten Phase. Suchtkrank zu sein macht uns nicht zum Totalausfall und Vollversager!

    Viele Grüße
    Katha

    PS: Etwaige Ungereimtheiten bitte ich nachzusehen, mir ist vorhin ein Lattenrost voll ins Gesicht geknallt :)

    Hallo Matthias,

    der an Krebs erkrankte Mensch erhält seine Diagnose vom Doc, der Suchtkranke kann sie sich nur selbst stellen durch diese innere Erkenntnis und gleichzeitige Kapitulation.

    Es gibt genügend Menschen da draußen, die ihr Leben lang massiven Alkoholmissbrauch betreiben, ohne tatsächlich Suchtkrank zu sein. Es erwischt ja nun auch nicht Jeden. Für mich wäre es z.B. auch schwierig, einen sogenannten „Quartalssäufer“ zu erkennen (ebenfalls Alkoholkrank), es sei denn, ich habe ihn über einen langen Zeitraum im Visier. Vermutlich würde ich zunächst denken, es ist ein Mensch ohne Suchtproblem, der in einer Phase akute Probleme wie eine Trennung oder einen Jobverlust ertränkt. Der Griff zur Flasche in diesen Situationen ist ja nichts Ungewöhnliches. Diese Menschen berappeln sich meist nach einiger Zeit und fahren den Alkoholkonsum zurück, das Verhaltensmuster bleibt oft dasselbe.

    Für mich ist es nach wie vor der schwierigste Schritt bei Suchtkrankheiten, zu erkennen und vor allem auch anzunehmen resp. für sich zu akzeptieren, dass man krank ist und (Alkohol)abhängig. Je mehr ich im realen Leben noch gebacken bekommen habe, desto schwieriger wird in meinen Augen die Kapitulation. Bin ich erst einmal auf der Intensivstation gelandet, gibt es wohl nur noch sehr wenig Spielraum für die üblichen Eiertänze.

    Jürgen´s Definition hat mir beim Sortieren geholfen, denn auch ich fand sie schlüssig, aber ich will niemanden über den Haufen reden ;-).
    Und natürlich würde sich mein Verhalten einem Säufer gegenüber ändern, der sich zu seiner Alkoholkrankheit bekennt, denn dann ist er in seinen eigenen Augen krank und damit Betroffener genau wie ich selbst. Ich beschränke mich allerdings in erster Linie darauf, bekennende Alkoholiker bei ihrer Abstinenz zu unterstützen, anstatt mich u.U. Jahrelang mit einem Säufer abzusabbeln. Ich muss ja nicht noch in ein fremdes Hamsterrad mit hineinhopsen ;-).

    Ich trau´ mich kaum zu fragen ;-), aber ich hätte von Dir, Jürgen, jetzt gern noch gewusst, wo Du den Unterschied siehst zwischen „trocken“ und „abstinent“. Vermutlich hast Du es bereits irgendwo erwähnt, aber ich habe es nicht finden können.

    Viele Grüße und schön, Matthias, dass ich in Deinem Thread was anzetteln durfte ;)
    Katha

    Huhu Frank :)

    Zysten im Nervenkanal klingt ja echt fies, gut, dass Du dann doch noch zum Doc gegangen bist. Rückenmuskeln kann man natürlich auch trainieren ;-), dann wird’s weniger mit den Schmerzen.
    Einer meiner Neurologen piekste mal auf mein Röntgenbild und meinte abfällig: „Was wollen Sie denn da trainieren, der Block ist doch versteift, da geht nix!“ Bin ich losgezogen, hab´ ein paar Wochen lang eine Wohnung renoviert und mich danach bei diesem Berufspessimisten wieder gemeldet. Er guggt sich meinen Rücken an und sagt: „Gibt´s ja nicht!“ Und dann hab ich ihn nachsichtig angelächelt und erwidert: „Röschtösch, geht nicht gibt´s nicht!“ :)

    Vielleicht braucht man zur Sicherheit einfach ein Rückgrat aus Titan, wenn man die Angewohnheit hat, sich (verbal) öfter mal so richtig weit aus dem Fenster zu lehnen… und natürlich eine etwas schnellere Gangart für den absoluten Notfall ;-).
    Nee, meine Haltung war auch vor der Stange schon immer steckengerade und geschont habe ich mich auch nie so wirklich. Daraus resultieren auch die „Sollbruchstellen“ und immer wenn ich rumhoilen will, denk ich dann doch: „Sowas kommt eben von sowas und ich hatte immer Spaß!“

    Immerhin hat wenigstens meine Tochter noch die Marschrichtung gewechselt. Ihr haben sie mit 15 Jahren auch so ein Ersatzteil eingebaut und was macht die Göre: Geht klotzen in Gräben auf Großbaustellen bei Temperaturen bis zu – 20°C, Fußbodenheizungen verlegen im Akkord, Klamotten schleppen, die fast schwerer waren als sie selbst und sich Löcher in den Pelz brennen beim Schweißen. Also *hüstel, von MIR hat se das nicht! ;) Nun sitzt sie nach ein paar Jahren endlich wieder im Büro und Mom ist beruhigt.

    Alles schick bei Dir? Gibt’s einen Sommer im Norden dieses Jahr?
    Ich war heute wieder an „meinem“ See. Da setzt sich eine kleine Libelle auf mein Buch, wunderschönes mittelblau wie manche der Toilettenhäuschen auf Baustellen (fällt mir grad ein, weil ich auf dem Rückweg eins gesehen habe :-). Gut, dass ich die Lesebrille auf der Nase hatte, sonst hätte ich den Rest verpasst: Ein winzig kleiner schwarzer Käfer kommt angeschwirrt und setzt sich auf den Flügel der Libelle. Kurze Zeit später fliegt sie mit ihm im Gepäck davon.
    Ich war platt. Und was sagt mir das: Geht nicht gibt´s nicht! ;-).

    Liebe Grüße und einen schönen Restabend
    Katha