Beiträge von Katharsis

    Hallo Jürgen,

    ganz herzlichen Dank für Deine Erläuterung. Nun habe ich es nachvollziehen können und es erscheint mir vollkommen einleuchtend. Und ich glaub: Ich will´s gar nicht „netter“ ausdrücken ;-).
    Billiard spiele ich auch total gern und habe hier eine Location aufgetan, wo die Billiardtische komplett getrennt sind von Tresen und Gastraum. Qualmen darf man an den Tischen auch nicht mehr, also eine überaus gesunde Angelegenheit :-).
    Die Hängerkneipen kenne ich natürlich auch noch von früher. Da herrscht diese Endzeit-Stimmung, eine irgendwie klumpige Atmosphäre und die Uhren gehen dort anders. Wenn wir Säufer auf dem Weg ins Koma schwächelten, gab der Wirt schon mal ´ne Runde aus, um die Unwucht rauszuspülen und den Mechanismus wieder in Gang zu setzen.

    Grüß´ mir mein Town und Dir noch einen entspannten Tag.

    Schöne Grüße
    Katha

    PS: Nochmals sorry, Matthias

    Hallo Matthias,

    ich hoffe, ich darf mal kurz wieder reinsteppen hier, aber Jürgen hat leider keinen eigenen Thread und mich beschäftigt im Hinterkopf eine Aussage aus seinem letzten Kommentar:

    Hallo Jürgen,

    mir ist bereits öfter aufgefallen, dass Du auf bestimmte Bezeichnungen sehr viel Wert legst und andere kategorisch ablehnst (z.B. abstinent und nicht trocken, etc…).
    Nun schreibst Du, dass es „Deiner Erfahrung nach „draußen“ nur Säufer gibt und keine Alkoholiker“.
    Mich interessiert, worin hier für Dich der Unterschied liegt und wie man eine solche „Erfahrung“ machen kann.

    Ich benutze den Ausdruck „Säufer“ z.B. nicht mehr, seitdem ich für mich begriffen habe, dass Alkoholismus eine Krankheit ist. Es waren also für mich bisher einfach nur zwei unterschiedliche Bezeichnungen ein und derselben Sache und ich habe mich – vielleicht aus Luschigkeit?! – nie damit aufgehalten, Begrifflichkeiten zu wälzen. Vielleicht ist es aber auch nur mein eigenes Schwarz-weiß-Denken (huch! :-)), das mich zu manchen Fragen gar keine Stellung nehmen lässt wie zu dem Rückfall als Merkmal der Alkoholkrankheit. Alkoholkrankheit ist für mich Alkoholkrankheit, definiert durch bestimmte Merkmale. Weil´s nicht leicht ist, aus der Sucht auszusteigen und es nicht reicht, einfach nicht mehr zu trinken, da wir viele lebenslange Gewohnheiten und unsere Denke umstellen müssen, „passieren“ Rückfälle. Wie bei anderen Drogen, u.a. auch beim Nikotin, wie bei Diäten (bei krankhaftem Übergewicht). Da trenne ich strikt Krankheit von Rückfall und alles Andere ist mir irgendwie zu kompliziert und abgehoben :-(. (Schon wieder ab vom Thema, ich muss das noch mal üben *soifz). Vielleicht kannst Du mir ja mal eine neue Sicht erschließen, damit ich nicht auf Tische hopsen muss für neue Perspektiven.

    Für die Institution der Kneipe muss ich aber nun doch noch mal eine Lanze brechen, auch wenn ich sie selbst seit Jahren nicht mehr betrete, da es kein Ort ist für Alkoholiker (oder Säufer): Sie war immer auch eine Stätte der Begegnung, wo Nachbarn aus demselben Stadtteil oder dem Dorf zusammenkamen, um sich auszutauschen, zu spielen, nach dem Sport z.B. noch gemütlich zusammen zu sitzen oder sogar um ein wenig zu tanzen und andere Menschen kennenzulernen. Natürlich ist die Art der Zusammenkunft nicht in jeder Kneipe gleich, aber für mich war sie nie ausschließlich nur die große Tränke, zu der man täglich rennt, um sich besinnungslos zu besaufen. Gibt ja schließlich noch genügend Menschen, die kein Alkoholproblem haben und ihr Leben lang verantwortungsbewusst und sparsam mit dem Stoff umgehen können. (Vielleicht sollte ich mir bei meinem Rückfallkonto aber auch mal gelegentlich eine weniger tolerante Ansicht über viele Dinge aneignen…).

    Viele Grüße
    Katha

    Guten Morgen :)

    Karsten hat es schön formuliert, gerade im Hinblick auf alle Newbies, die am Anfang ihrer Abstinenz glauben mögen, sie hätten einen lebenslangen „K(r)ampf“ gegen ihre Alkoholsucht vor sich.
    Bei Dir, Maria, ist dann ja sozusagen alles in „trockenen Tüchern“ und das freut mich :-).
    Dein Nachsatz brachte mich kurz ins Klinken, weil die Aussage darin für mich so selbstverständlich Gültigkeit hat, dass er mir überflüssig erschien, aber vielleicht täusche ich mich und es ist tatsächlich wichtig, immer wieder daran zu erinnern.

    Allen einen entspannten und Erfolgreichen Tag, wie immer der aussehen mag.

    LG
    Katha

    Guten Morgen ennariam,

    das verstehe ich natürlich.
    Vermutlich war ich wieder zu pragmatisch unterwegs ;-). Mir ging´s in erster Linie darum, dass es wichtig ist, seine eigenen Gefühle – in diesem Fall Ängste - ernst zu nehmen und zu handeln, auch wenn man dabei anderen Menschen manchmal auf die Füße treten musst.

    Erfahrungsaustausch ist wichtig und es ist ein gutes Gefühl, zu sehen, dass Andere dasselbe durchmachen, doch was nutzt es mir manchmal auf der praktischen Seite, wenn ich persönlich dann doch nach wie vor mit derselben Problematik zu kämpfen habe. Dies ist ganz sicher keine Kritik an Deiner Fragestellung, es soll nur eine Erläuterung darstellen für meinen Kommentar.
    Du hast mich mit der Erzählung von den Kindern Deiner Schwägerin jedoch daran erinnert, wie oft aus „Loyalität und Liebe“, Bequemlichkeit oder vielleicht auch aus einer Notlage heraus sich die Hamsterräder weiter drehen können, in denen sich nasse Alkoholiker oft endlos verrennen. Solange alles - zumindest in der Beziehung zu wenigstens einem Familienmitglied - in gewohnten Bahnen läuft, gibt es ja keinen Grund, etwas gegen die eigene Suchtkrankheit zu unternehmen und sich Hilfe zu holen :-(.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Maria,

    gegen die Grundbausteine ist nichts einzuwenden und ihre Einhaltung hat bereits vielen Menschen ein (stabiles) abstinentes Leben beschert. Es liegt in der Natur der Sache, dass sie ständig erwähnt werden, da länger Abstinente sie sich ab und zu wieder heranziehen müssen – Alkoholismus erledigt sich ja nicht irgendwann von selbst – und jede/r Frischtrockene immer wieder aufs Neue damit vertraut gemacht wird. Selbsthilfe halt, geben und nehmen.
    Mir ging es darum, dass auch die Einhaltung der Grundbausteine das Risiko minimiert, aber nicht komplett ausschließen kann. Notgedrungen wird Jeder über kurz oder lang mit Alkohol konfrontiert werden.

    Soviel Verständnis ich für die vermeintlichen Schwächen und Fehler anderer Menschen überwiegend aufbringe, so gnadenlos bin ich mit meiner Kritik mir selbst gegenüber.
    Vor der Zeit mit 6,5 Jahren Abstinenz (und nee, ich nenne es jetzt mal grad nicht Trinkpause) habe ich gefühlte 127 Mal jeden Montag wieder einen Versuch gestartet, mit dem Trinken aufzuhören. Ich bin bald irre geworden dabei, denn jeden Freitag fiel ich wieder um, trank das WE durch und startete am Montag erneut. Ein Mal gelang es mir über drei Wochen hinweg.

    Da ich in meinen Augen aber jedes Mal mir selbst gegenüber eine Absichtserklärung abgegeben hatte, mein Vorhaben jedoch stets nur wenige Tage durchführen konnte, ist jedes einzelne Mal für mich auch heute noch als Rückfall zu betrachten. So viele Worte, wie ich sonst gern benutze: Trinkpausen, nasse Kreisläufe, Vorfälle, Ausrutscher etc. habe ich nicht im Programm. Nass oder trocken resp. abstinent und das war´s für mich.

    Es ist mir nicht gegeben – in puncto Alkoholismus natürlich bedauerlich – Dinge einfach an- oder hinzunehmen. Ich musste ständig fighten – nicht gegen, sondern für Dinge, die z.T. auch überlebenswichtig waren, sonst wäre bei mir mit 20 Jahren schon Abpfiff gewesen.

    Ich denke, ich kann die späteren Rückfälle ziemlich gut zuordnen. Da waren Übermut und Leichtsinn dabei, die unbewusste Arroganz – ein Antesten. Da war eine Sehnsucht zurück nach dem wilden Leben und den Tollheiten, die unerträgliche Leichtigkeit des Seins und damit die bewusste Entscheidung, eine Phase zu beenden, die mir zwar Abstinenz brachte, aber keine Zufriedenheit.
    Da fand aber auch einmal quasi ein Kollaps meiner Synapsen statt und tatsächlich hatte ich das Gefühl, mein Hirn hätte mich überholt. Ich fackle bei Entscheidungen im normalen Alltag ja schon nie lange, aber diese Geschwindigkeit, mit der dort mein bewusstes Ich überholt wurde, schlug alle Rekorde. Ich habe nicht gesprochen, sondern nur auf die Flasche gezeigt, das weiß ich noch. Es war ein Blitz aus Sonne auf farbigem Glas und ich wollte doch nur das Benzin bezahlen. Ich muss ausgesehen haben wie nach einem schweren Schlag auf den Kopf, meine Zunge lag wie ein totes, pelziges Tier in meinem Mund und meine Augen fühlten sich schwer und stumpf an, nicht wirklich mehr mit Ausdruck darin. Später musste ich immer an die Szene bei MIB denken, wo der Schädel des Außerirdischen sich öffnet und ein kleines Männchen an Steuerknüppeln zum Vorschein kommt: Anders kann auch ich es nicht beschreiben.

    Ich treffe meine Entscheidungen in der Regel bewusst, auch die für mich schädlichen. Mit aller Konsequenz. Auch wenn ich täglich kurz reflektiere, hinschaue, was gut war für Heute und was eher nicht, was ich ändern könnte, was für den morgigen Tag ansteht, so bin ich doch nur Mensch.
    Es ist also absolut möglich, dass in meinem Innern längst etwas am Kochen war, das ich ausnahmsweise bewusst noch nicht wahrgenommen hatte. Das kann und will ich nicht ausschließen. Ich denke wie Hartmut, dass der Rückfall im Kopf beginnt, bevor man zur Flasche greift, aber in diesem einen besonderen Fall fühlte ich mich überfallen und fremd gesteuert aus heiterem Himmel, ja.

    Heute achte ich vor allem darauf, mir meine Basis zu erhalten. Ein Zuhause, in dem ich mich wohl fühle. Menschen und Jobs, die mir langfristig schaden oder mich gefährden, müssen weg. Meine Freunde sind keine Alkoholiker (bis auf eine Ausnahme und die Ausnahme sitzt weit weg), trinken alle Alkohol - erstaunlich wenig übrigens für Stinos, aber nicht in meiner Gegenwart.

    Liebe Grüße
    Katha

    Hallo ennariam,

    meine Eltern waren keine Alkoholiker, aber ich bin´s. Außerdem bin ich Mutter.
    Für die Sicherheit meiner Kinder habe ich auf sämtliche Konventionen und auch auf reine Höflichkeit jederzeit gepfiffen, obwohl es mir oft sehr schwer gefallen ist, aus der ständigen Angst heraus, Jemanden in einer solchen Situation vielleicht zu verletzen.
    Ich hätte mir aber nie verzeihen können, wenn meinen Kindern etwas passiert wäre, nur weil ich nicht genügend Traute gehabt habe, Anderen eine klare Ansage zu machen.

    Nun kenne ich Deine Schwiegermutter nicht. Vielleicht ist sie Pegeltrinkerin oder schleppt stets den Restalkohol vom Vortag mit sich herum und ist unter diesen Umständen nie wirklich nüchtern und verlässlich.

    Ich würde in jedem Fall meine Ängste ernst nehmen und ihr das Kind nur in die Arme legen, wenn sie sicher auf dem Sofa sitzt und ich direkt daneben. So entziehe ich ihr das Kind nicht, muss aber auch nicht ständig tausend Ängste ausstehen. Ich würde ihr auch ganz offen erklären (müssen), aus welchen Gründen ich so und nicht anders handele. Öfter mal müssen wir alle im Leben den Tatsachen auch ins Auge blicken.

    Vor vielen Jahren habe ich vor Beginn meiner abstinenten Zeit abends hin und wieder die kleinen Kinder unserer Nachbarn betreut. Als ich bemerkt habe, dass ich aufgrund meines Alkoholkonsums nicht mehr 100% zuverlässig war, habe ich meinen Nachbarn mitgeteilt, dass ich die Aufgabe nicht mehr übernehmen könne, da ich offensichtlich ein Alkoholproblem hätte. Die waren total platt, aber auch sagenhaft erleichtert wegen meiner Offenheit. Ich bin heute noch froh wegen dieser Entscheidung, auch wenn das „Hosen runterlassen“ kein Spaziergang war.

    Gruß und alles Gute
    Katha

    Hallo Sunshine,

    nun bin ich ja eine Einheit aus Kopf und Bauch und beides fließt ein in das, was ich denke/schreibe/tue.
    Ich bin Dir auf keinen Fall böse, denn ich mag klare Worte.
    Sachlichkeit bedeutet für mich vor allem eins: Gelassenheit. Die mache ich an meiner Körpertemperatur fest und damit an dem Abstand, den ich zu dem Thema habe. Ich war sehr gelassen, als ich diesen Kommentar verfasst habe und habe deshalb persönlich auch nicht den Eindruck, ich hätte mir selbst widersprochen. Ich prüfe mich ja auch ständig selbst.

    Maria schrieb gerade selbst, dass sie Zeitweise nicht sachlich bleiben konnte und das habe ich gespürt. Mir ging es trotzdem nicht um Gefühle jedweder Art, sondern einzig allein um die eindeutige Festlegung (und Motivation) der Diskussionsgrundlage ohne diffuse „Nebengeräusche“, bevor ich mich an diesem Thema beteilige, zu dem ich leider auch einiges beizutragen hätte.

    Ich schätze lebendige Diskussionen hier, denn wir alle sind Betroffene und (überwiegend) keine Anwälte, die ein paar Hundert Tacken verdienen an einem nüchternen 2-Seiten-Pamphlet.
    Ich spreche mir selbst Toleranz und Akzeptanz ja nicht völlig ab, doch wenn ich stets etwas „stehen lassen“ soll, hat dies für mich mit einer Diskussion so gar nichts mehr zu tun.
    Schwierig wird es allerdings immer häufiger, Kommentare in den Thread zu packen, in den sie gehören, da die Geschwindigkeit bei der endgültigen Schließung doch in letzter Zeit rapide zunimmt. Man möge mir deshalb noch einmal verzeihen ;-). Nichts liegt mir ferner, als jemanden anzufratzen (und ich hoffe, Maria hat das auch nicht so aufgefasst), mir geht es in erster Linie immer um Klarheit und da frag ich nach, bei allem Respekt.

    Und nun wieder B2T.

    LG
    Katha

    Hallo Maria,

    danke für Deine Antwort, denn jetzt erkenne ich Dich wieder :-).
    Dann hast Du meinen vollen Respekt (nicht, dass der nötig wäre, denn für Beurteilungen bin ich nicht authorisiert) für die Reflexion: Das schaffen ja beileibe nur die wenigsten Menschen :)

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Matthias,

    Intelligenz als notwendige Voraussetzung für ein abstinentes Leben hast Du ausgeschlossen und das kann ich von meiner Warte aus nur unterschreiben.
    Andererseits schließe ich reine Vernunftgründe (und die "Sicherheitsleine"), wie Du sie hier aufzählst, ebenso aus. Sturheit ist vielleicht hilfreich bei einem abstinenten Leben, ansonsten halte ich sie für eine wenig liebenswerte Eigenschaft.

    Einen Rückfall bei den ersten Schritten in ein abstinentes Leben habe ich gebaut wegen Überforderung. Da war keine Euphorie, wie sie hier immer wieder beschrieben wird, nur der Wunsch, schnellstmöglich alle Baustellen zu bearbeiten und abzuschließen und alles zu erledigen, was ich in meiner nassen Zeit versäumt habe. Die Versäumnisse lasteten einfach schwer auf mir.
    Es wuchs mir in einer sowieso schweren Zeit alles über den Kopf und nach wenigen Wochen plumpste ich wieder auf den Mors und stolperte in gefühlten Sekundenbruchteilen wieder in die nasse Abteilung. Heute kann ich tatsächlich das Wichtigste zuerst erledigen und verzettle mich nicht ständig wieder komplett. Heute erst kann ich sagen: „Für diesen Tag war es genug“.
    Auch diese Erfahrung kann ich niemandem überstülpen, ich kann nur sagen: Sei achtsam mit Dir und überfordere Dich nicht (auch wenn Du noch so Energiegeladen bist, denn das sind wir nach dem Entzug alle), denn kein Haken hinter einem Punkt auf der to-do-Liste ist es wert, einen Rückfall zu bauen.

    Deine Frage, ob „rechthabenwollen“ ein Grund ist für einen Rückfall, habe ich nicht so recht verstanden. Eben dämmert mir, ob Du vielleicht damit den „individuellen Weg“ meinen könntest, der hier immer wieder Thema ist?

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Maria,

    eines möchte ich vorausschicken: Ich habe Deine Beiträge immer sehr geschätzt wegen ihrer Sachlichkeit. Emotionales Gemetzel hatten wir in den letzten Tagen mehr als genug und ich versuche deshalb jetzt ebenfalls ganz sachlich zu schildern, welche Gedanken mich derzeit bewegen:
    Wenn ich es tatsächlich richtig verstanden habe, bist Du der Meinung, dass Abstinenz letztendlich allein eine Frage des Willens und der bewussten Entscheidung ist. Ist dann Alkoholismus in Deinen Augen überhaupt eine Krankheit?

    Es wird immer mit dem Begriff „Risikominimierung“ herumgeschmissen. Minimierung bedeutet nicht den völligen Ausschluss des Risikos! Die Frage in einem anderen Thread, woher denn bei einem Rückfall die Flaschen kommen, ist für mich, gelinde gesagt, doch ein wenig naiv, es sei denn, wir würden uns den Rest unseres Lebens in einem Alkoholfreien Zuhause wegsperren.

    Alkoholismus war für mich bis dato eine Krankheit, die eben auch krankheitsbedingt Veränderungen im Gehirn nach sich ziehen kann. Da war ein Rückfall für mich oft ebenfalls nicht mehr mit freiem Willen oder einer bewussten nüchternen Entscheidung zu erklären.
    Mir half letzten Endes nur die tiefe innere Erkenntnis, eher ein Loslassen als eine Absichtserklärung, aber wir sind nicht alle gleich.

    Sunshine´s Einwand, dass in diesem Thread nach Deiner Schlussformel im Eingangstext hier dann auch nur Betroffene schreiben dürften, die Erfahrung mit Rückfällen haben, teile ich.
    Das bringt mich zu dem nächsten Gedanken, dass ich nämlich hier noch nie erlebt habe, dass Forumsmitglieder gleich Gruppenweise kategorisch ausgeschlossen werden, wo wir uns doch alle mit dem Thema Alkoholismus auseinandersetzen (mussten). BTW: Ich habe allerdings vorher auch noch nie – wie in einem anderen Thread - erleben müssen, dass ein Co einem Betroffenen überstülpt, dass er Alkoholiker ist. In meinen Augen auch ein absolutes No-Go.

    Dein Thread „@Susanne“ klang für mich fast wie eine Kampfansage, die Schließung desselben, bevor Susanne antworten konnte, hat mich befremdet. Die Eröffnung dieses neuen Thread konnte ich vorhersehen, ebenso wie die „Bedingungen“, die man erfüllen muss, um hier antworten zu können. Ich habe eine Menge Rückfälle gebaut, kann also sagen, ich bin hier richtig.
    Trotz allem kann ich mich des Eindrucks aber nicht erwehren, dass Du in erster Linie Betroffene suchst, die Deine Einstellung zu Abstinenz und Rückfällen teilen und es Dir nicht wirklich um den Austausch der Erfahrungen geht. Dies ist natürlich nur mein subjektiver Eindruck und falls ich mich täuschen sollte, werde ich mich gern entschuldigen. Ich will auch gar nicht versuchen, krampfhaft komisch zu werden, aber mir geht das Bild des „Kloppe-Meinungsverstärkers“ irgendwie nicht aus dem Kopf.
    Sei aber versichert, dass ich nicht einfach Terror anzetteln möchte, weil ich vor Langeweile nicht in den Schlaf komme, sondern seit zwei Tagen ernsthaft überlege, wie ich formulieren kann, was zu sagen es mich drängt.

    Viele Grüße
    Katha

    PS: Vor dem Absenden meines Kommentars kam ein Telefonat dazwischen. Vielleicht hat sich in der Zwischenzeit auch bereits meine Frage erledigt

    Guten Morgen Moa,

    noch nie habe ich in all den Jahren den Alkohol gehasst, weil ich ihn ja missbraucht habe.

    Alkoholismus ist eine Krankheit. Sich aus der Sucht zu befreien ist kein Spaziergang, denn für uns war der Alkohol Ersatz für etwas, was uns fehlt(e) oder auch Mittel zum Zweck.
    Ich denke, wenn ich kein Ziel habe oder vermeintlich keine Perspektiven für die Zukunft, wenn mir das Leben wenig wertvoll erscheint, dann werde ich die Krankheit nicht stoppen können, denn ich weiß ja nicht, wofür.
    Niemals werde ich glauben können, dass ich in der Lage wäre, einem anderen Menschen einen Sinn einzupflanzen. Ich kann ihn unterstützen und begleiten, aber ich kann sein Leben nicht ändern und seine Gewohnheiten.

    Ich kann nachvollziehen, dass Du/Ihr Euch auch schuldig fühlt. Für mich und nur für mich persönlich, bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich es direkt für vermessen halten würde, zu glauben, ich hätte die Macht, andere Menschen zu ändern. Daraus ergibt sich für mich, dass ich mich hier nicht schuldig fühlen kann.
    Einzige Ausnahme hier waren für mich meine Kinder, für die ich sehr wohl die Verantwortung hatte, bis sie anfingen, ihr eigenes Leben zu führen.

    Moa, niemand wusste bislang von den Symptomen, der krankhaft veränderten Psyche. Warum wollt Ihr Euch etwas vorwerfen, das Ihr gar nicht überblicken konntet?
    Bei den Streitereien konntet Ihr davon ausgehen, dass sie vorkamen, weil da ein Mensch in Ruhe weiter trinken musste, sich zugrunde richtete und vermutlich auch genervt (vielleicht selbst verzweifelt) war, weil da Vorwürfe kamen und alle besorgt waren. Das macht hilf- und fassungslos, schlimm für Kinder, schlimm auch für Jemanden, der seine Krankheit stoppen konnte.

    Begleitet sie, so gut es in Euren Kräften steht, aber zermürbt Euch bitte nicht mit dem Gefühl der Schuld resp. Verantwortung, denn die lag und liegt nicht bei Euch.

    Alles Gute
    Katha

    Hallo Hartmut,

    nun haste mich aber überrascht und ich hab mich total gefreut über Deinen Besuch hier.
    Da es ein bisschen so klang, als hättest Du einen Zünder eingestellt, hab ich gestern Abend noch ordentlich vor mich hin gekichert :-).

    Herzlichen Dank und Dir einen schönen Feiertag.

    Viele Grüße
    Katha

    Guten Morgen Frank,

    hab´ mich fürchterlich gefreut, als Du wieder losgetippselt hast :-).
    Ich beneide Dich um Flensburg, denn ich bin dort immer nur durch gerösselt auf dem Weg in meine persönliche unendliche Weite in Jütland, wo die Nordsee ein riesiger Motor ist, der mich immer wieder binnen weniger Minuten auflädt und mir ein neues Gesicht verpasst und die Kilometerlangen leeren Strände mich bis in andere Galaxien atmen lassen :-).
    Ich habe auch oft gehört, dass Flensburg sehr schön ist und wünschte mir heute, ich wäre auf der Strecke nicht immer so gejagt, um an mein Ziel zu kommen.

    Gut, der Stadtpark ist im Sommer überfüllt, aber was für ein Anblick im Frühjahr, wenn die Rhododendron-„Wälder“ blühen. Die Farbfülle haut mich jedes Mal um!
    Die Muschelschubserin kommt an Wasser nicht vorbei und mein Lieblingsplatz war immer Planten un Bloomen mit den beleuchteten Wasserspielen. Als ich da so im Dunklen auf dem Rasen fläzte und sie die Morgenstimmung und die Halle des Bergkönigs farbig sprudelten, dachte ich: Das ist Glück!
    Hier substituiere ich mich mit „Rhein in Flammen“, da meine Wasserballschleuder den Geist aufgegeben hat und auch nicht so wirklich brennen wollte ;-).

    Ich plaudere und hoffe, das ist okay für Dich. Ich denke gerade an Meditation. Ich glaube, dass es genauso viel Disziplin erfordert wie jede Art von Sport, den man regelmäßig ausübt. Ich falle – wie bereits erwähnt – bei der Meditations-CD, die mir mein Internist empfohlen hat, unweigerlich ins Koma und schnorchle vor mich hin. Ich bin aber nach wie vor davon überzeugt, dass das einzig und allein mit dieser Aufforderung zu tun hat: „Es gibt gerade nichts zu tun“. Irgendwie spannend und interessant. Es bedeutet für mich, dass mir Jemand quasi die Erlaubnis erteilen muss, jetzt auch mal auszuruhen, denn sonst bin ich immer angespannt und „im Dienst“. Passt!
    Mittlerweile bin ich dank meiner Abstinenz immerhin soweit, dass ich mir abends, wenn ich ins Bett hüpfe und reflektiere, selbst sagen kann: „Du hast zwar nicht alles geschafft, was Du Dir vorgenommen hast, aber für diesen Tag war es genug!“. Fühlt sich nach Frieden an mit mir selbst und nach Ruhe im Bauch. Gefällt mir.

    Ich kann nachvollziehen, dass Du nach 30 Jahren Arbeit in Deinem Beruf erschöpft bist. Eine wertvolle und wichtige Aufgabe, aber sie kostet halt auch sehr viel Kraft und Energie. Gut finde ich aber, dass Du dich damit auseinandersetzt und nicht einfach stumpf Deine Kreise ziehst. Wenn man die Augen offen hält, eröffnen sich ja manchmal auch ganz ungeahnte Perspektiven. Ich wünsche es Dir.
    Ich habe beschlossen, dieses Jahr meiner Gesundheit zu widmen und den notwendigen Ölwechsel und kleinere Reparaturen ausführen zu lassen :-). Ich habe lang genug geknüppelt und schlage mich immer noch mit Schmerzen herum, die nicht sein müssten. Blöderweise haben Sie mich gleich bei der ersten kleinen OP verpfuscht und ich war Monatelang kaltgestellt nach einem kleinen Eingriff, der mich nur 3 Wochen hätte „kosten“ dürfen.
    Egal, ich habe mir aber für den September einen Termin gesetzt für eine große OP, bei der ein paar Ersatzteile ausgetauscht werden müssen. Ich kenne mich ja gut genug: Ich arbeite einfach gern und jedes Mal, wenn ich diese OP plante, stand irgendein Chef mit Dackelblick vor mir und bat mich um Unterstützung, weil ja sonst üüüüüüüüberhaupt nichts mehr geht *bg.
    Nee, nun ist Ende der Fahnenstange und wenn ich die OP überstehe, habe ich Schmerztechnisch gesehen wieder ein paar Jahre Ruhe. Ich bin jedenfalls froh, dass ich diese Entscheidung nun endlich mal getroffen habe, auch wenn ich dann sechs weitere Monate ausfalle. Es wird meine Übung in Geduld ;-).

    Dir wünsche ich eine superschöne Urlaubszeit. Da mein Exmann die Angewohnheit hatte, ständig auszuwandern und sich um den Unterhalt zu drücken, kenne ich Hunderte von Dingen, die Spaß und Freude machen und nix bis wenig kosten. Es sind die Dinge, die haften bleiben und mich nach vorn bringen.

    Viele Grüße und einen entspannten Feiertag
    Katha

    Hallo Moa,

    Deine Erzählung hat mich betroffen gemacht und es tut mir sehr leid für Deine geschiedene Frau, die es nicht geschafft hat, ihre Krankheit zu stoppen, für Eure Kinder und auch für Dich.
    Du musst in den vier Jahren Deiner Abstinenz unglaublich viel für Dich erreicht haben, denn sonst hättest Du es sicher nicht fertiggebracht, Dich der Konfrontation auch mit dem Ende des Weges auszusetzen, wenn alle Möglichkeiten bereits erschöpft sind.
    Es ist sicher schwer, da Erinnerungen hochkommen und es hier um einen Menschen geht, den Du geliebt hast.
    Trotz allem bedeutet es aber nicht, dass auch nur ein Fitzelchen Deiner Erfahrungen, Erkenntnisse, Deines Willens, Deines Entschlusses und auch kein einziges Stück Deines Weges in Deinem abstinenten Leben ohne Co-Abhängigkeit seine Wertigkeit oder Bedeutung verloren hat.
    Es ist alles noch da und im Moment wichtiger denn je. Du hast Dir Dein Handwerkszeug mühsam erarbeitet und kannst es weiterhin nutzen.
    Es klingt vielleicht grausam und grausam bin ich nie gewesen, aber Deine Exfrau geht den Weg, den wir alle gehen, wenn wir nicht aus der Sucht aussteigen. Das ist die Realität, aber es ist nicht Dein Weg, denn Du hast Dich für´s Leben entschieden.

    Ich wünsche Euch ganz viel Kraft.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Hartmut,

    offensichtlich hat es im geschlossenen Bereich vermehrt Rückfälle gegeben, im offenen kam davon natürlich nix an. Hier habe ich ebenfalls „nur“ von einem gelesen.

    Was mich total irritiert, ist Folgendes: Jeder bemüht sich hier wirklich, seine Erfahrungen zu schildern und Andere damit zu unterstützen. Viele weisen darauf hin, dass sie selbst am Anfang der Trockenheit „aufs falsche Pferd gesetzt haben“, „unbelehrbar“ waren, die Erfahrungen der LZT nicht einfach annehmen konnten, im Unterbewusstsein wohl weiter trinken wollten und nur die Begleiterscheinungen vermeiden wollten, etc. und gleichzeitig verlangen dieselben Menschen quasi, dass sich ab sofort alle Frischtrockenen komplett anders verhalten und Erfahrungen einfach annehmen.

    Man kann sich Abstinenz nicht einfach überstülpen wie einen neuen Hut, wäre ja schön, wenn´s möglich wäre. Grundbausteine auf die Stirn pikern und ab geht’s in ein neues Leben.
    „Kapieren“ klingt für mich auch zu abwertend, es ist ja eher eine innere Erkenntnis und keine Mathe-Aufgabe.
    Nein, es ist ein Prozess und es gibt keine Abkürzung. Wir können Niemandem etwas abnehmen auf seinem Weg, auch wenn das manchmal traurig ist.
    Alkohol war unser ständiger Begleiter – für manche Menschen übrigens der einzige. Alkohol zu trinken war aus den unterschiedlichsten Gründen eine super Sache, aber abhängig trinken zu müssen! wurde zum Alptraum.
    Sich aus der Sucht wieder loszueisen, ist kein Spaziergang. Das betrifft nicht nur Alkohol.
    Erkennen, akzeptieren, kapitulieren, den Entschluss fassen, sich auf den Weg zu machen, sich Hilfe zu holen. Der Eiertanz mit der Offenlegung, die Hoffnung, dass der Preis für die Abstinenz nicht alles Vertraute ist, was uns ja auch Sicherheit gab (was diese „Sicherheit“ wert war, wissen wir wohl Alle).

    @ Sabine Ich kenne keine einzige reale SHG – und ich habe eine ganze Menge besucht, in der ein Teilnehmer für seinen Mangel an Einsicht in der Anfangszeit „gerügt“ wird. Jeder berichtet von seinen eigenen Erfahrungen und vor allem auch davon, wie er mit seinen grandiosen Theorien und eigenen Methoden erstmal auf den Mors geplumpst ist.
    Und ganz sicher wird niemals ein Teilnehmer aus der Gruppe „entfernt“. Das ist auch gut so, denn es gibt genügend Abstinente, die nach ein paar Anläufen den Weg in ein zufrieden trockenes Leben gefunden haben.

    Ich habe hier bei der Registrierung nur den Hinweis gefunden, dass ich mich hier nur nüchtern austauschen darf. Das macht für mich Sinn. Ich konnte nirgendwo lesen, dass ich hier nur teilnehmen kann, wenn ich sofort strikt alle Richtlinien der Grundbausteine befolge.
    Selbsthilfe besteht auch darin, dass man sich Fransen an den Mund redet und immer wieder neuen Mitgliedern die ewig alten Texte vorbetet. Da kann man schon mal müde werden, das ist klar. Vielleicht hilft ein temporärer Rückzug dann eher als Zorn und Ungeduld, damit man sich danach wieder gelassen der guten Sache widmen kann :-).
    Ich will keine gefährlichen Wege schön reden, das Verpulvern von Energie, die man für den Weg in die Trockenheit benötigt, und auch keine Rückfälle, die uns so runterreißen können, dass sie uns Jahre kosten können, aber ich möchte Menschen auch den Raum geben, nachdenken zu können über das, was ich aus meiner Erfahrung mitzuteilen habe und sie nicht einfach überbügeln.

    Zu den Grundbausteinen: Ich konnte Rückfälle z.B. vermeiden, indem ich für ein Alkoholfreies Zuhause sorgte. Es erhöht die Hemmschwelle, da ich mich erst auf den Weg machen muss, um Stoff zu besorgen und dabei Gelegenheit habe, noch einmal über meinen Entschluss nachzudenken. Klingt logisch, ist logisch und man hat eine gute Chance – gerade am Anfang – dass es auch funktioniert. Deshalb frage ich mich oft, wo denn meine Mitstreiter immer die Flaschen ausbuddeln bei sich zu Hause. Den Griff zum Kühlschrank in der eigenen Hütte habe ich in Sekundenbruchteilen erledigt und dann gibt es sowieso kein Halten mehr.

    Es sollte ein Dreizeiler werden, ich kann immer noch nicht „kurz“ *soifz.

    Gruß
    Katha