Beiträge von Katharsis

    Hallo Manni,

    sehr gut kann ich mich noch daran erinnern, dass dieser erste Schritt für mich und viele Andere der schwierigste war: Mir selbst und Anderen einzugestehen, dass ich Alkoholkrank bin. Ein schwerer Schlag ins Kontor für mich, die ich doch immer alles selbst und überwiegend allein gewuppt hatte. Ich kann also sehr gut verstehen, dass Du Dich windest wie ein Aal ;-).

    Zu Beginn meiner sechsjährigen Trinkpause habe ich dann wirklich Allen und Jedem aufs Auge gedrückt, dass ich Alkoholikerin bin, außer meinen Chefs und den meisten Arbeitskollegen.
    Heute mache ich eine entsprechende Ansage, wenn ich es für angebracht halte. Wie Jürgen denke ich: Ein einfaches „Nein, danke“ reicht völlig oder eben die Bestellung eines Getränkes meiner Wahl, das dann keinen Alkohol enthält.
    Es wissen die Menschen von meiner Alkoholkrankheit, mit denen ich mich regelmäßig und oft umgebe, da es für mich ein Stück Sicherheit bedeutet. Noch nie hat mich Jemand bemitleidet, was vermutlich daran liegt, dass meine Haltung nicht gerade dazu einlädt ;-), da ich mich selbst deshalb nicht bemitleide. Verachtung habe ich in seltenen Fällen sehr wohl gespürt, doch sind das dann eher Menschen, mit denen ich mich dann auch im Allgemeinen nicht weiter beschäftigen oder auseinandersetzen möchte, weil ich da noch ganz andere Webfehler vermuten darf.

    Wenn ich nicht aufhören kann, zu trinken, wenn ich erst einmal damit angefangen habe – so wie das bei mir der Fall ist, dann nenne ich das Alkoholkrank. Wie nennst Du es, Manni?

    „Outen“ oder nicht, das ist meiner Meinung nach Jedem selbst überlassen. Bedenklich finde ich eher, dass Du die Jahre MIT Alkohol als die fetten Jahre bezeichnest und Dir – nachdem was Du sonst so beschrieben hast – ein Leben ohne Alkohol eher fade und langweilig erscheint. Mir ging es ähnlich, ich war aber davon überzeugt, dass ich mit dieser Haltung niemals zufrieden abstinent leben kann. Ich habe mich also an die Arbeit gemacht und nach den Gründen dafür gesucht und dann nach und nach mein Leben wieder mit anderen Inhalten gefüllt. Auch dabei hilft der Austausch, weil man sich besser im Auge behalten und reflektieren kann.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Manni,

    diese Art Getränke meide ich ebenfalls, denn ich habe auch einfach im Laufe der Jahre viel zu viele Alkoholabhängige kennengelernt, die genau dadurch wieder rückfällig geworden sind.
    Es ist wohl einfach zu nah dran und im Hinterstübchen bruzzelte nach einiger Zeit der Gedanke: „Na, wenn ich mit Alkoholfreiem Bier so gut umgehen kann, dann vielleicht auch wieder mit „richtigem“ Bier“.
    Gibt ja auch jede Menge andere Erfrischungsgetränke als Alternative, sonst würde es jährlich bei steigenden Temperaturen einen gewaltigen Aufschrei der Massen geben, denen der Geschmack von Bier nun einfach mal nicht zusagt.

    Viele Grüße
    Katha

    Bei meiner Seel´: Mit einer derartig herzlichen Begrüßung hätte ich nie im Leben gerechnet!
    Mathe war eh nie mein Ding, mein Bauch sagt immer: Alles über 3 ist 100 :-).
    Gestern Abend verging mir jedenfalls das Schmunzeln und das Grinsen. Ich war total gerührt und hatte fast Pipi in den Augen („fast“ schreibe ich jetzt nur wegen Hartmut, dem ich gerade erklärt hatte, dass ich keine hypersensible Lusche bin ;-)). Ich bin jedenfalls danach mit einem Lächeln ins Bett gehopst! Ganz lieben Dank an Euch Alle!

    Hallo Wachholderfrau
    Es war tatsächlich mein Ernst, ja. Ich hatte immer die Befürchtung, dass ein Frischtrockener, der meine Alltagsbeschreibungen liest, sich denken muss: Was erzählt die denn da von Lorbeerbüschen, Badelatschen, Wespen und Seerosen?! Ähnlich wie ich in SHG´s eingefallen bin bei Langzeittrockenen, in denen das Wort „Alkohol“ kein einziges Mal gefallen ist.
    Es war ein langer Weg, um zu begreifen, dass es genau darum geht: Um ein Leben ohne Alkohol. Die Probs werden ja nicht weniger, aber wir lernen, anders damit umzugehen und uns eben nicht wegzubeamen. Schließlich sind wir ja nicht den Rest unseres Lebens mit dem Entzug beschäftigt und ich weiß mittlerweile auch, dass uns kein lebenslanger „Kampf“ bevorsteht. Das sieht nur manchmal am Anfang so aus ;-). Meinen Probs isses ja irgendwie wurscht, was ich für ein Gesicht mache, wenn sie bei mir anklopfen und so habe ich beschlossen, weiterhin zu lachen und mich zu freuen, nachdem ich zumindest angefangen habe, sie zu verarzten.

    Huhu Andreas
    Harmonie? Subba, dann bin ich hier richtig :-). Mein Projekt lebt noch und der Plan steht weiterhin: Ich kann einfach nicht zulassen, dass da draußen Suchtbolzen herumlaufen, die glauben, ein Leben ohne Alkohol oder andere Drogen wäre komplett Spaßbefreit.
    Ich hänge ja nun wieder an den Kippen und habe Jemandem erzählt, dass ich beim Rauchstopp Angst hätte vor dem Verlust. Nikotin ist ja (weia!) die einzige Konstante in meinem Leben seit Jahrzehnten und ich hatte Schiss, diesen lebenslangen Begleiter zu verlieren.
    Dieser Mensch antwortete nur ganz trocken: „Angst vor Verlust? Du hast doch auch keine Angst davor, Deine Gesundheit, Deine Kohle, Dein Leben zu verlieren!“
    Das nagt an mir und das ist gut so. Ich denke, dieses Statement kann man auf jede Sucht anwenden. Ich kann und will niemandem etwas überstülpen, aber vielleicht kleine Keile in Form von Anregungen, Gedanken oder Erfahrungen in anderer Menschen Hamsterräder schieben, so wie mich immer wieder Jemand einfach durch Logik überlistet :-).
    Tja, nun bin ich wieder aufgetaucht und was finde ich hier wieder? Perlen! Jede Menge Perlen!
    Durch meinen Rauchstopp habe ich jede Menge Kilos zugelegt und bin nun nicht mehr so wendig wie vorher. Trotz Deiner Muskelzerrung riskier ich also lieber nix, habe bereits die Schwimmflügel aufgepustet und bleibe dann doch lieber an der Oberfläche :-).

    Außerdem, Correns, verspreche ich Dir gern hiermit, dass ich nix mehr löschen lassen werde. Dank Dir! Es gibt ja auch bestimmt noch andere Fehler, die ich noch nicht ausprobiert habe, ein weites Feld und ungeahnte Möglichkeiten ;-).

    Hallo Susanne, hallo Samsara :)
    Ganz lieben Dank Euch beiden, ich freue mich sehr, dass ich Euch beide hier wieder antreffe!
    Klarheit und Achtsamkeit

    @ Frank: Mach´mich doch weiterhin neidisch mit Erzählungen über die schönste Stadt der Welt (…also.. gleich nach Rom) ;-), latentes Heimweh steck´ ich weg ;)

    Liebe Lena
    (ich muss jetzt mal „liebe“ schreiben, weil Du als Mensch in Deinen Erzählungen auch so rüber kommst). Ich hatte nie den Eindruck, dass Dir die Worte fehlen.
    Als ich damals bei Dir gelesen habe, dass Du Deinen Job gekündigt hast, der Dir nicht gut tat, kam von mir hier ein lautes „Yeah!“ :)
    Ich habe mich total gefreut für Dich, dass Du trotz Deiner Ängste so eine Entscheidung treffen konntest. Es ist manchmal auch nicht so wichtig, was dabei herauskommt, sondern oft erst einmal, dass wir einen unerträglichen Zustand beenden, der uns gefährden kann.
    Ich hätte Dir schreiben sollen, anstatt hier herumzujohlen, aber die Nachbarn denken sowieso, ich hätte nicht alle Steine auf der Schleuder ;-).

    Liebe Viola,
    ganz herzlichen Dank für Deine Worte.
    Der Thread-Titel wurde mir irgendwie in grauer Vorzeit quasi überantwortet und ich denke manchmal gern zurück ;-).
    Es gibt einige Dinge – eher allgemeiner Natur, die mir am Herzen liegen und darüber würde ich mich auch gern hier austauschen.
    Meine Tochter hat mich letztes Wochenende mit ihrem „Vergnüger“ ;) besucht und wir sind zu „meinem“ kleinen See gelaufen: Die Seerosen waren noch nie so schön wie jetzt gerade, rosa und weiß und so filigran wie die Blüten auf asiatischen Gemälden.
    Ich denke öfter mal an „Brot“ (wollte jetzt nicht zitieren) und es hilft mir in puncto Gelassenheit und Vertrauen. Danke auch dafür!

    Hallo Sunshine
    Über Deinen Besuch hier freue ich mich ganz besonders.
    Ich darf Dir sagen, dass mir Dein Kommentar bei Casconcos total gut gefallen hat.
    Es steckte soviel Herz und Gefühl darin, aber auch die Fähigkeit, sich selbst auf dem eigenen Weg zu prüfen, die Haltung, die Gedanken.
    Ich kenne dieses Gefühl der Kapitulation auch, hilflos auf der Intensivstation und Spezialisten das eigene Leben in die Hand zu geben, einfach zu vertrauen.
    Nicht vom Entzug, das ist mir Gott sei Dank erspart geblieben, aber aus anderen Situationen, die mir auch erneut bevorstehen.
    Ich habe stets viel Zeit und Energie verbraten damit, immer wieder dieselbe Wand einzurennen. Heute verwende ich diese Mittel überwiegend mit produktiveren Dingen, denn ich komme ja sonst nicht voran.
    „Fan Club“ – da habe ich gut gelacht :-). Es ist aber ein gutes Gefühl, wenn man ab und zu vielleicht Jemandem ein Schmunzeln oder Lächeln ins Gesicht gezaubert hat, an einem Tag, der sonst nicht viel Positives gebracht hat. Es muss nicht immer Tiefschürfendes sein.
    Ich habe es hier oft durch Andere erhalten und konnte danach besser schlummern.
    Unbezahlbar für Jemanden, der einen Großteil seines Lebens nachts senkrecht im Bett stand, weil er sich nicht traute, ohne totales Koma die Augen zu schließen.

    Leben ist das, was Jeder von uns daraus macht.

    Euch Allen einen wunderschönen Sonntag!

    LG
    Katha

    … so ganz ohne Adresse geht’s dann wohl doch auch nicht für verwaiste Gänseblümchen *g, obwohl ich mich total über Deine Einladung gefreut habe, Correns ;-), genau wie über Frank´s nette Worte in Deinem Thread und die herzliche Begrüßung durch Andreas im Vorstellungsbereich. Gelacht habe ich ordentlich bei dem kleinen Scharmützel mit Hartmut und wegen seiner letzten Replik. Danke Euch noch einmal dafür!

    Ja, ich habe „Terra incognita“ und „Krug der Pandora“ löschen lassen sowie andere Threads im geschlossenen Bereich, in denen ich quasi bei Adam und Eva angesetzt hatte :-), hätte aber nicht im Traum vermutet, dass Jemand sie vermissen könnte.

    Kennt Ihr das, wenn Dinge sich verselbstständigen? Da habe ich überwiegend so selbstvergessen vor mich hingetippselt, um mich vor allem wieder an die kleinen Dinge heranzutasten, die mein „Abenteuer Leben“ vorher immer bereichert hatten.
    Ich habe ja nun wirklich schon fast alles durch, habe ab und zu mal nach links und rechts geguggt und meinen Senf in anderen Threads abgegeben, wenn ich der Meinung war, dass es hilfreich sein könnte.
    Ich hatte aber plötzlich das Gefühl, dass zu viele „Nebenkriegsschauplätze“ eröffnet waren und ich wollte mich dort nicht verzetteln. Alkohol ist mein Thema und deshalb war und bin ich hier. Ich will mich nicht auseinandersetzen um der Auseinandersetzung willen, ich bin Muschelschubserin und mag auch zum Abschluss kommen, wie immer der aussehen sollte.

    Ich freue mich jedenfalls, dass Ihr noch anwesend seid, vermisse Bruce mit seinen wertvollen Kommentaren und auch Schnuffig, die immer von der anderen Seite durch das Kaleidoskop guggt und wünsche Allen einen schönen Abend, bevor ich hier noch ´ne Tournee draus mache ;-).

    LG
    Katha

    Guten Morgen Frank :)

    Jetzt musste ich ganz schön buddeln, um Deinen Thread wieder auszugraben ;-).

    Ich hatte noch keine „Adresse“ hier, weil ich bei meiner Rückkehr mitten in die Diskussion um einen kostenpflichtigen öffentlichen Bereich geplatzt bin und die Frage ist offensichtlich noch immer nicht geklärt, aber natürlich können wir in Corren´s Thread keine Plauderstündchen abhalten :-).

    Nun bin ich nicht allein, habe im Gepäck noch einige Frischtrockene, denen ich davon erzählt habe, wie gut es mir am Anfang der Trockenheit tat, fast täglich hier zu schreiben. Wir harren also weiterhin der Dinge, die da kommen.

    Oft waren meine Erzählungen ja total belanglos, Gedankenfetzen, gute und schlechte Gefühle, aber es half mir, zu reflektieren und mich im Auge zu behalten. Das geschriebene Wort manifestiert sich und ich konnte auf diese Art zu jeder Zeit schon im Vorfeld erkennen, wann ich gefährdet war. Nachzuvollziehen vermutlich nur von einem Betroffenen.

    Ich bin heute noch erstaunt, wie viel Freude mir die kleinen Dinge wieder machen, die ich zwar immer gesehen habe, die mir aber lange Zeit überhaupt nichts mehr geben konnten.
    In kleinen Schritten voran. Mein Leben ist auch sehr ruhig geworden und das schätze ich total. Geduld ist zwar immer noch nicht mein dritter Vorname nach Schuld ;-), doch ich taste mich näher heran mit der Zeit.

    Du schreibst, dass Du kaum etwas zu berichten hast, weil Dein Leben in so ruhigen Bahnen verläuft. Doch war es genau die Beschreibung von Alltäglichem, die mir beim Lesen diese Ruhe im Bauch beschert hat.
    Don´t panic *g, aber im Geiste fleezte ich quasi mit auf dem Sofa, hatte wieder die Ruhe, ein Buch zu lesen und Musik zu hören, durchlebte den Herbst im Nachhinein durch Deine Erzählungen und konnte mich dann in meiner Realität wieder selbst mit diesen schönen einfachen Dingen beschäftigen. Das war ein Geschenk, danke noch mal dafür!
    Dieselbe Ruhe und Beständigkeit empfinde ich ja auch immer bei Correns Berichten.
    Es geht auf und ab wie alles im Leben, aber die Ruhe kehrt stets zurück zieht sich wie ein roter Faden durch alles.
    So, ich habe den Begriff „Ruhe“ jetzt fast schon überstrapaziert :-), erstaunlich für eine Frau, die irgendwie ein Faible für mittelschwere Katastrophen pflegt :-).
    Allerdings eher die Art von „Katastrophe“, wo ein heftiger Sturm losbricht und man ins Freie rennt, um alles beizubänzeln und in Sicherheit zu bringen, um sich dann triefnass in seine Höhle zurückzuziehen, sich bei einer Tasse Tee aufzuwärmen und den Naturgewalten von drinnen zuzusehen mit dem guten Gefühl, für alles gesorgt zu haben, soweit es möglich war.
    Ich bin definitiv zu spät geboren worden und überlege gerade, ob dies die Reste eines Helfersyndroms sind *g.
    Unwichtig jetzt, würde mich aber sehr freuen, wieder mehr von Dir zu lesen, von Deinen alltäglichen Unternehmungen.

    Dir wünsch´ ich ein schönes Wochenende.

    LG
    Katha

    Ja, das ist toll.
    Ich erinnere mich, dass Du eine Zeitlang nicht mal mehr Freude am Garten hattest, als Du nach der Trennung plötzlich allein warst. Umso mehr freue ich mich für Dich, dass Du vorangekommen bist.

    Ich lasse Dir mal einen lieben Gruß hier.

    Katha

    Wenn Renate´s Aussage erneut bei passender Gelegenheit aus der Hüfte gefeuert wurde, dann… passt es doch wieder ;)

    Hallo Matthias,

    Selbsthilfe und Erfahrungsaustausch kenne ich auch ganz anders, aber dafür gibt es ganz sicher mehrere Gründe.
    In den Köpfen vieler Menschen spukt wahrscheinlich der Gedanke, dass das I-Net eine schnelle Lösung oder Antworten parat hat, es ist anonym und schön bequem.
    Das funktioniert sicher bei vielen Fragen, aber nicht bei Suchtkrankheiten.

    Ich denke, es gibt einen natürlichen Verlauf. Der Betroffene fällt hier ein, wenn er den Verdacht hat, Alkoholiker zu sein. Er wird die Beiträge lesen, sich überprüfen und hier schreiben, wenn der eigene Druck groß genug ist oder er immer noch hofft, eine Universallösung zu finden für das kontrollierte Trinken, denn natürlich ist er anders als alle anderen. Völlig normale Fehleinschätzung also, wenn er bereits abhängig ist ;) und gleichzeitig die größte Hürde, die zu nehmen ist. Er wird sich eventuell winden wie ein Aal und kapitulieren oder wieder gehen und noch 1 – 27 Runden drehen.
    Dann tippselt er sich die Finger blutig, denn er will verstehen, verstanden werden und erzählen, um den Druck loszuwerden und sich nicht mehr allein zu fühlen.
    Es wird ihm in der Regel bald besser gehen, denn mit einem klaren Kopf und besserer körperlicher Verfassung lassen sich auch alle anderen Probleme einfacher lösen.

    Er fängt wieder an zu leben und beschreibt voller Freude die vielen positiven Veränderungen und die Erfolgserlebnisse. Dann beginnt das normale Leben mit den gewöhnlichen Höhen und Tiefen. Wenn er – wie ich – der Meinung ist, dass es hilfreich ist, sich im Auge zu behalten und zu reflektieren, wie das eigene Befinden ist (denn ein Rückfall kündigt sich zumindest überwiegend an und Unzufriedenheit wird deutlich), dann wird er regelmäßig auch Dinge notieren, die weniger spektakulär oder problematisch sind, sich vielleicht „nur“ freuen an der neuen Zufriedenheit.
    Denn darum geht es doch letztendlich: Ein zufriedenes Leben zu führen, denn wir kämpfen doch nicht die nächsten 20 Jahre mit Zähnen und Klauen gegen Suchtdruck an und sind nonstop mit Problemen beschäftigt, die der Alkohol auslöst. Es geht um Änderung des Verhaltens, wenn ich mich schon selbst nicht ändern kann.

    Jemand, der zu diesem Zeitpunkt hier neu einfällt und diese Notizen liest, muss den Eindruck haben, er wäre in einem sozialen Netzwerk gelandet, wo jeder unwichtige Krempel gepostet wird. Wen interessiert es schon, wie ich in meinem Garten herumrockere oder dass ich wieder ein Billiardqueue halten kann oder die Geduld habe zum Stricken, doch für mich ist es wichtig, weil ich nicht vergessen habe, dass ich in einer kleinen privaten Hölle gelandet war, in der die einfachsten Dinge nicht mehr möglich waren. Ein Neuer muss sich doch fragen: „Was faselt die da?!“ Ich schreibe also für mich und erwarte deshalb logischerweise auch keine Kommentare. Was es für den Einzelnen bedeutet, kann nur jemand verstehen, der denselben Weg hinter sich hat und so freue ich mich auch für Andere. Ich kann mir schließlich kaum wünschen, dass Jemand arge Probleme bekommt, damit die Reste meines Helfersyndroms Futter bekommen.

    Ich glaube übrigens nicht, dass ich das Thema Alkoholkrankheit jemals endgültig „abhandeln“ kann und ziehe deshalb nicht einmal in Betracht, mit der Trockenheitsarbeit aufzuhören, also mit dem Schreiben oder auch dem Besuch von SHG`s. Es ist kein Problem, das ich „erledigen“ kann und dann wieder gehen, sondern eine Suchtkrankheit. Ich bleibe also dran.

    Du hast aber den Beitrag von Liv erwähnt (800 Aufrufe – 8 Antworten), der nach meinem Empfinden auch und vor allem geschrieben wurde, um Menschen Hoffnung zu machen und aufzuzeigen, dass ein Ausstieg aus der Drogenhölle möglich ist.
    Ich bin davon überzeugt, dass er viele Menschen erreicht hat, die danach ins Klinken gekommen sind und das ist für mich das Entscheidende, denn er war für jeden Menschen im I-Net lesbar, nicht nur für die, die hier bereits schreiben. Er hat mich berührt und bewegt, aber ich denke auch, dass es dazu fast keinen passenden Kommentar geben kann, denn es ist eine Erzählung, die ich einfach so stehenlassen muss. Ich kann nur sagen, dass ich es großartig fand, dass sie ihn geschrieben hat.

    „Eigentlich“ ;) wollte ich nur sagen: „Ja, wir fangen immer wieder von vorn an, mit jedem Betroffenen, der neu einfällt. Das ist der Sinn der Selbsthilfe, nehmen und geben. Selbst wenn es beim ersten Durchgang nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist, dass die Bemühungen überhaupt Sinn gemacht haben, so heißt das doch nicht, dass nicht irgendetwas doch haften geblieben ist“. Und tun muss man tun, da ist was dran ;-).

    Dir einen schönen Montag.

    Viele Grüße
    Katha :wink:

    Guten Morgen Rattenschwanz,

    die Grundstimmung, die Du erwähnt hast, würde ich nicht als negativ bezeichnen, sondern eher unter Achtsamkeit verbuchen.
    Es ist eine alte Jacke, dass viele Menschen nach einem Entzug - von welcher Droge auch immer - von einer Euphorie gepackt werden. Sie vibrieren quasi vor lauter Energie, sind total glücklich, dass sie sich körperlich endlich besser fühlen und glauben dann, sie hätten genügend Kraft um die Welt aus den Angeln zu heben und all ihre Probleme im Vorbeigehen zu erledigen.
    So stiefeln sie los mit ihrer to-do-Liste und nehmen nebenbei noch alles in Angriff, was sie schon immer mal gern tun wollten oder beim Trinken vernachlässigt haben.
    Die Konsequenz ist in vielen Fällen Überforderung und ein Gefühl des Versagens, weil die Ziele kurzfristig zu hoch gesteckt wurden und sie plumpsen erneut auf den Mors.

    Wenn ich diesen Mechanismus kenne, werde ich natürlich frisch Abstinente darauf aufmerksam machen, ich glaube aber nicht, dass ich hier schon gelesen habe, dass länger Trockenen geraten wurde, den Rest des Lebens im selbstgebauten Bunker zu fristen oder bemängelt wurde, dass es ihnen zu gut geht :D .

    Es freut mich für Dich, dass Du jetzt 1,5 Jahre trocken bist und auch, dass Du viele Dinge bereits verändert hast und Dich heute z.B. äußern kannst, wenn Dir etwas nicht gefällt.
    Das ist in meinen Augen ein sehr wichtiger Schritt.
    So wirklich zufrieden bist Du aber noch nicht und wünschst Dir Zeiten ohne Probleme, in denen Du abschalten kannst.
    Eine Zeit ohne Probleme wird es vermutlich aber nicht geben und so würde ich, wenn ich in Deinen Schuhen laufen müsste, jetzt versuchen, eine Möglichkeit zu finden, auch ohne Alkohol abzuschalten. Wenn Sport Dir zwar gut tut, Du aber dabei oder danach nicht abschalten kannst, findest Du eventuell einen anderen Weg. Vielleicht ist es bei Dir ein Spaziergang durch den Wald ohne Begleitung oder Meditation oder irgendwelche Basteleien, das wirst Du herausfinden können. Ich kenne Dich natürlich nicht, habe aber den Eindruck, Du brauchst Ruhepausen nur für Dich und die könntest Du dir einrichten.

    Du schreibst, dass Du Halluzinationen nie wieder erleben willst, „wenn´s geht“ und da hakt es bei mir sofort. Es klingt für mich, als ob Du Entzüge auch weiterhin als Hintertürchen offen lässt – hat ja immer so schön geklappt, aber bitte bitte nicht mehr mit dieser äußerst unangenehmen Begleiterscheinung.
    Dazu kann ich Dir sagen, dass ich vor ca. 100 Jahren mal einen halben Trip geschmissen habe aus reiner dusseliger Neugier. Ich bekam auch Halluzinationen und ein Kribbeln unter der Haut, so dass ich die ganze Nacht senkrecht gestanden habe. Es hat mir eine Höllenangst eingejagt und ich habe das Zeug nie wieder angerührt und kann absolut sicher sagen, dass ich es auch nie wieder probieren würde.
    Vielleicht kannst Du Dich mit dem Gedanken befassen, dass Halluzinationen bei einem kalten Entzug durchaus noch nicht das Ende der Fahnenstange bedeuten müssen und er sehr wohl zum Tod führen kann. Garantien gibt es für nichts in diesem Leben und so ist es absolut möglich, dass Du beim nächsten Mal nicht so fluffig durch den Entzug rutschst wie in der Vergangenheit bis auf die eine Ausnahme.

    Ich gehe auch weiterhin zu Weihnachtsfeiern und –märkten, im Gegensatz zu früher aber mit Freunden oder Arbeitskollegen, die von meiner Alkoholkrankheit wissen und auch nur, wenn ich ausgeglichen bin und die Ruhe im Bauch habe, die ich benötige.
    Feiern, die darauf ausgelegt sind, dass sich jeder schnellstmöglich ins Koma säuft, meide ich, genauso wie ich alle anderen Unternehmungen mit Freunden meide, bei denen ich nur zusehen könnte. Ich muss nichts mehr aushalten, ertragen oder beweisen in meinem Privatleben, das ist mir einfach zu doof geworden :-).

    Ich muss mich nicht ununterbrochen analysieren und beobachten und einen Heidentanz veranstalten deswegen, aber ich entscheide doch auch täglich, was ich gern essen möchte, wie ich meine Freizeit gestalte, wozu ich Lust habe, wen ich sehen möchte, auf welche Arbeit ich mich noch stürze etc. und das hängt mit meinem seelischen und körperlichen Befinden zusammen. Da ist es für mich ein Aufwaschen auch gleich noch zu prüfen, ob ich mich mit den Menschen jetzt in dieser Situation wohlfühlen würde, wenn sie mich z.B. auf dem Weihnachtsmarkt treffen möchten. Wenn´s nicht passt, sag ich ab. Das habe ich gelernt und meine Freunde haben gelernt, es zu akzeptieren, denn verstehen müssen sie es nicht zwingend.

    Gruß
    Katha

    Guten Morgen Atze,

    schön, dass Du so achtsam mit Dir umgehst.
    Mir hat es auch geholfen, gleich zu Beginn meiner Abstinenz zu überlegen, wann und was ich getrunken habe, in welchen Situationen oder auch mit wem.
    Mich triggert so gut wie nie etwas, das ich gar nicht oder selten selbst getrunken habe, aber „so gut wie nie“ ist immer noch gefährlich genug und damit nicht berechenbar.
    Das Suchtgedächtnis ist schon eine eigenartige Sache. Ich würde selbst das Zeug, was ich zuletzt wegen der schnelleren Wirkung in mich hineingeschüttet habe, nicht anrühren wollen, wenn es im Glas oder in einer Literflasche vor mir stehen würde, aber eine kleine Flasche könnte mich triggern und so mache ich lieber einen Bogen darum, sofern es sich überhaupt vermeiden lässt.
    Da ich stets Freitag angefangen habe mit dem Trinken, habe ich mich zu Anfang an Freitagabenden immer verabredet, um dieses Programm zu durchbrechen. Seit vielen Monaten bedeutet für mich Freitagabend jetzt „nur noch“, dass ich mich nach einer meist anstrengenden Arbeitswoche auf den wohlverdienten Feierabend und ein entspanntes Wochenende freue oder auf Freunde.
    Einer meiner Freunde, der abhängig trinkt, wollte mich über die Feiertage besuchen und hat mir versichert, er würde dann nichts trinken, wenn er bei mir ist. Ich sehe ihn sehr selten und habe immer mit ihm zusammen getrunken, wenn wir uns mal getroffen haben. Selbst wenn er tatsächlich auf Alkohol verzichten könnte, was nicht sicher wäre, wären die Schaltstellen in meinem Hirn bereits besetzt durch die Gewohnheit und mein Suchtgedächtnis würde anspringen. Unnötig zu sagen, dass ich den Besuch abgelehnt habe, denn dann könnte ich auch sofort wieder zur Flasche greifen.
    Jeder Süchtige hat seine eigenen Trigger und so meide ich z.B. nach wie vor die Verbindung von Sonne, lauter Musik und ein Auto voll ausgelassener Leute, auch wenn alle stocknüchtern sind.
    Und vielleicht ist es übertrieben oder auch egoistisch, vielleicht verstehen es Andere nicht und sind verletzt, so wie der Freund von mir, aber es geht um mein Leben, das keines mehr ist, wenn ich wieder trinke, auch wenn ich mich manchmal seltsam fühle, weil es immer so dramatisch klingt. Da muss es reichen, wenn ich mich selbst und auch andere Betroffene verstehe, die sich ebenfalls damit auseinandersetzen wollen oder müssen.

    Dir wünsche ich einen entspannten Tag.

    Liebe Grüße
    Katha

    ... und ich Hallenhalma xD

    Ich mache mir nun mal einen Kopf wegen der Menschen, das wird sich auch nicht ändern. Schicke mir einfach vorab einen Entwurf unserer Dialoge und ich tippsle meinen Part dann einfach ab ;-). Aber im Ernst, ich sehe keine Widersprüche, doch oft denke ich, Du unterstellst mir Dinge, die ich so weder geschrieben noch gedacht habe und dann wird es einfach anstrengend für mich, weil ich ständig das Gefühl habe, ich müsste meine Motivation erklären oder mich im Vorfeld schon rechtfertigen.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Lea,

    ich habe nicht das geringste Interesse daran, zu beurteilen oder zu verletzen, ich hatte nur einen anderen Blickwinkel. Das Thema interessierte mich, weil ich selbst co-abhängig war und vielleicht auch, weil ich gestern 4 Jahre Gewalt und Misshandlung im Arm hatte.
    Zu dem Trigger habe ich Dir heute Morgen noch etwas geschrieben, weil ich hoffte, es vielleicht besser erklären zu können, nachdem Du noch einmal nachgefragt hast. Ich habe den Text nicht abgesendet, weil ich dann plötzlich dachte , es wäre mir im Moment zu mühsam, wenn es falsch aufgefasst werden würde. Da schreibe ich lieber nix und rege Leute nicht unabsichtlich auf.
    Um besser oder schlechter geht es hier doch gar nicht, nur darum, dass Jeder hoffentlich seinen Weg findet.

    Viele Grüße zurück
    Katha

    Guten Morgen,

    in mir sind Empathie und Egoismus getrennt, denn Empathie bedeutet für mich nur die Fähigkeit, den Fluch?, Gefühle Anderer nachvollziehen zu können. Ich kann sie verstehen, habe oft dasselbe bereits erlebt und kann mich in ihre Lage hineinversetzen.
    Manche Menschen finde ich zum Brechen, doch der „Mechanismus“ ist immer derselbe, die Entscheidung zur Unterstützung fälle ich separat.

    Ich unterscheide weitergehend zwischen Egoismus und Helfersyndrom. Kopf und Bauch sagen mir ganz genau, ob ich gerade jetzt Zeit, Raum und Energie genug habe, um für Andere / mit Anderen in die Bresche zu springen oder ob ich dieses Potential jetzt für mich selbst dringend benötige. Ignoriere ich meine eigenen Gefühle, zahle ich dafür mit Erschöpfung oder selbstgemachtem Druck, denn für meine eigenen Angelegenheiten war keine Kraft mehr und keine Zeit.
    Wer mich dauerhaft be-/ausnutzt, fliegt raus, das sind Erfahrungswerte.

    Da viele Suchtkranke ein Helfersyndrom entwickelt haben auf der Suche nach Anerkennung oder Zuneigung, macht mir der Vorsatz, „erst einmal auf sich selbst zu schauen“, keine Magenschmerzen. Wenn ich normales Verhalten in diesem Punkt nicht gelernt habe, beschränke ich mich zunächst auf Veränderungen bei mir selbst auf der Suche nach dem „gesunden Maß“. Wer sich allerdings dann ausschließlich nur noch auf sich selbst konzentriert und es ablehnt, Andere zu unterstützen, wenn sie ihm vor die Füße fallen, wird früher oder später die Quittung bekommen. Es ist für mich auch nicht das Ziel in einer Gemeinschaft, die wir nun einmal sind. Selbstfürsorge ist ein Begriff, der mir total gut gefällt.

    Selbstverteidigungstechniken zu lernen in einer Beziehung mit einem gewalttätigen Partner erscheint mir weder empathisch noch klingt es für mich nach „gesundem Egoismus“. Es klingt für mich nicht einmal gesund, sondern eher wie der Versuch, sich selbst glauben zu machen, man hätte auf irgendeine Art und Weise noch etwas unter Kontrolle. Ich habe auch hier versucht, mich in diese Situation hineinzuversetzen. Die Frage, die ich mir als erstes stellen würde, wäre: „Würde ich auch so hartnäckig an dieser Beziehung festhalten und versuchen, den Anderen quasi „mit Gewalt zu verstehen“, wenn es sich um eine(n) x-beliebige(n) Freund(in) handeln würde?“ Eventuell würde ich dann unvermittelt bei dem Gedanken an Co-Abhängigkeit landen und mich dann selbst fragen, ob diese Hartnäckigkeit, die ein Teil meiner Persönlichkeit ist und ja nicht per se eine schlechte Eigenschaft, in diesem Fall vielleicht verhindert, dass ich loslassen kann, was losgelassen werden muss.

    Ich versuche also, zu verstehen, zu unterstützen, Grenzen zu setzen und für mich selbst zu sorgen – und alles voneinander zu unterscheiden, damit ich nicht wieder den Bach runtergehe 

    Gruß
    Katha

    Hallo Renate,

    total lieb, dass Du nachgefragt hast.
    Es ist übrigens voll nach hinten losgegangen :) und während ich früher noch hartnäckig versucht hätte, etwas zu reißen und mir damit selbst auf die Nerven gegangen wäre, habe ich bei meinem Lieblingsversorger im I-Net dann einfach eines bestellt :D .
    An der Ausführung gab es überhaupt nichts zu mosern, aber dann hat der Klebstoff total versagt. Ich sah das Kind schon durch die Gegend hüpfen, während die Steinchen vom Shirt klackern und der Kleber fiese Flecken hinterlässt… iwie uncool ;-).
    Jedenfalls hatte ich zum ersten Mal die Ruhe, hier am Tisch zu sitzen und akkurat rumzubasteln und das soll mir genügen für den Moment. Ich habe aber bereits meine Graphitstifte angeblinzelt und vielleicht zerre ich früher oder später meinen Zeichenblock wieder hervor.

    Wofür benötigst Du soviel Platz, dass Du Deine Wohnung räumen willst? :wink:
    Ich hatte übrigens den Eindruck, dass Du Dich sehr viel entspannter liest in letzter Zeit und ich wünsche Dir, dass dieser Zustand von Dauer ist, auch so ein Punkt, wo ich bei mir mal wieder ansetzen sollte.

    Dir einen schönen Abend und liebe Grüße

    Katha

    Hallo Atze,

    mich würde interessieren, was es für Dich persönlich bedeutet, „auf dem Weg zu sein“. Du willst den Weihnachtsmarkt meiden und nicht weiterhin den besoffenen Kasper spielen für Andere, Dich um eine LZT kümmern für das Frühjahr und „stur“ Deinen Weg gehen.
    Das kann ich nachvollziehen, aber ist es für Dich eher noch ein Kampf, die Einhaltung von Regeln und die Aussicht auf einen Berg von Arbeit oder doch bereits jetzt schon die Erleichterung und die Freude, die Du spüren kannst, weil so vieles gerade im Alltag leichter fällt und die Quälerei weniger wird?

    Ich hoffe, Du hattest einen guten Start in die Woche.

    Viele Grüße
    Katha

    Huhu Alle 

    So dramatisch ist es nun nicht, dass wir die Mods bitten müssten, Einträge zu löschen ;) und tatsächlich war es eher allgemein gehalten, denn ich bin es nach wie vor gewohnt (TOP 27 auf meiner to-do-Liste der Dinge, die ich mir abgewöhnen will), immer noch für Andere gleich mitzugucken. Wir können kaum vermeiden, Andere mit Worten oder Taten zu triggern, aber wir sollten – wie bereits erwähnt - auch kein Urteil darüber fällen was uns nun „übertrieben“ scheint oder nicht, nicht einmal dann, wenn wir „derselben Fraktion“ angehören.

    Realität ist für mich tatsächlich genau das, was ich tagtäglich (er-)lebe. Es gibt Zeiten zum Nachdenken, Grübeln oder Philosophieren und es gibt eine Zeit, da rausche ich ran und erledige, was anliegt, so wie in den letzten Wochen, da bin ich pragmatisch und für alles Andere ist dann grad kein Platz. Es bringt mich nach vorn und macht das Köpfchen frei.

    À propos Platz: Oft denke ich, dass es die Menschen verunsichert, wenn sie nicht alles und jedes und Alle und Jeden zuordnen und einsortieren können. Die Frage von frisch Abstinenten nach typischen Merkmalen des Alkoholikers oder der Alkoholabhängigkeit im Allgemeinen wurde in all meinen SHG´s über Jahre hinweg beantwortet mit: „Kann sein, muss aber nicht“.
    Viel wichtiger war immer die Frage, was Jeder von uns tun kann, um Programme zu durchbrechen und ein abstinentes zufriedenes Leben zu führen, Erfahrungen zu teilen und auf mögliche Gefahren hinzuweisen. Weniger wichtig war eine Zusammenfassung der Ein- und Ausfälle, die Jeder von uns abgeliefert hatte. Wenn ich bereit bin, über neue Hürden zu setzen, ist Jemand, der sich wie ein Grundgewicht an meine Knie klammert und mir stets meine Vergangenheit hinterher schleppt doch eher hinderlich. Hier sehe ich nur Alkoholiker, die alle bereit sind, etwas zu verändern resp. längst einen neuen Weg eingeschlagen haben. Für mich ist das immer öfter vollkommen ausreichend.

    Allen einen entspannten Abend.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Lea,

    Bodenlos und leer und damit auch haltlos ist und war immer gefährlich, jedenfalls für mich.
    Bei allem Respekt, eines habe ich hier gelernt: Ich diskutiere über manche Dinge nicht.
    Für mich darf es auf keinen Fall entscheidend sein, was ein Anderer für übertrieben hält oder nicht, zumal wenn es sich um Menschen handelt, die (meine) Suchtkrankheit nicht einmal nachvollziehen können.
    Für mich ist in diesem Fall Respekt und Akzeptanz wichtig, wichtiger noch als Verständnis. Wenn mir ein Mensch anvertraut, dass ihn ein bestimmtes Wort triggert, dann vermeide ich es, (be-)urteile nicht und stelle keine Fragen, ich akzeptiere es.
    Es ist vermutlich schwer zu verstehen (auch dass jetzt gerade die Leichtigkeit flöten geht), doch die Wirkung, die scheinbar harmlose Worte oder Situationen auf manche Menschen haben kann, ist möglicherweise fatal. Während der Normalverbraucher vielleicht gelassen hinnimmt, gleichgültig, verschnupft oder zornig ist, geht der Suchtkranke eventuell die Wände hoch und am Ende ist der Preis dafür allemal zu hoch.
    Da Niemand von uns unter einer Glasglocke sitzt, kann dies natürlich nur für den Fall gelten, dass Jemand direkt angeschrieben wird, doch sollte das in einem Forum für Alkoholabhängige möglich sein.
    Du wirst mich hier nicht miesepetrig, übertrieben vorsichtig oder generell spaßbefreit erleben, aber ich bin auch hier um zu lernen, meine Grenzen zu erkennen und zu setzen.

    Viele Grüße
    Katha