Beiträge von Katharsis

    Guten Morgen Ratlos,

    Deine Ehrlichkeit ringt mir Respekt ab und sie ist vermutlich auch ein großer Schritt in die für Dich nötige Abgrenzung.
    Genau das, was Du beschreibst, ist Teil des Suchtverhaltens, das Niemand von uns – weder der Betroffene noch der Partner/Angehörige – so wirklich verstehen oder erklären kann.
    Dein XY ist an dem Punkt, wo er allen Ernstes glaubt, ohne das Zeugs nicht leben zu können.

    Immer wieder wirst Du Alkoholiker – abstinent oder aktiv - sagen hören können: „Wie konnte ich bloß (immer wieder) zur Flasche greifen?! War ich verrückt?! Ich WEISS doch, was der Alkohol in und mit mir anrichtet! Warum habe ich nicht früher mit dem Shice aufhören können?!! etc…
    Alkoholiker sind ja kein tumbes Volk, die völlig merkbefreit und lernresistent ohne Rücksicht auf Verluste Spaß daran haben, sich zu vergiften und zugrunde zu richten.
    Du schreibst, Du verlierst den Respekt, hast nur noch Mitleid, erkennst den Menschen nicht wieder. Genauso verliert oft der Süchtige selbst den Respekt vor sich und kriecht unter dem Teppich, wenn er bemerkt, dass er in den Augen der Anderen ebenfalls nur noch ein Haufen Elend ist und da nichts mehr ist außer Mitleid oder Ekel. In diesem Zustand Andere um Hilfe anbetteln zu müssen, weil man sich selbst nicht mal mehr aufrecht halten kann, ist auch für den Alki die Hölle. Oft ziehen sich Alkis dann komplett zurück, weil sie sich schämen und saufen dann halt weiter, nur ohne, dass es jemand bemerkt.
    In diesem Zustand hilft auf „kurze Distanz“ nur die nächste Flasche, um die Entzugserscheinungen zu bekämpfen und diese Anspannung loszuwerden. Damit schließt sich der Kreis und alles geht von vorn los. Erst wenn der Süchtige tatsächlich im tiefsten Inneren verstanden hat, was er sich damit antut, besteht die Chance, sich Hilfe zu holen, um aus diesem Hamsterrad auszusteigen. Bis dahin ist es oft ein weiter Weg, denn mit einem gewissen Level lebt man ja auch wieder in dem Wahn, es wäre alles nicht so schlimm, fühlt sich ja schon gar nicht mehr so furchtbar an und man fasst wieder einen „Plan“ ins Auge, um doch nun mal endlich etwas zu ändern. Es kann natürlich so nicht funktionieren, weil man in diesem Stadium ja absolut nicht klar denken kann – es fühlt sich nur so an.

    Nach all dem, was ich gesehen, gehört und selbst erlebt habe, bin ich davon überzeugt, dass das Umfeld keine Rolle mehr spielt (spielen darf), wenn wir uns auf den Weg in die Abstinenz machen. Deshalb gibt (gab?) es Kontaktsperre in vielen Entzugskliniken. Der Abhängige soll sich nur auf seine Krankheit konzentrieren können ohne Ablenkung durch private Sorgen und Nöte. Jeder Alkoholiker kann auf Dauer (meiner Meinung nach) nur für sich selbst aufhören, weder für den Partner noch für eine intakte Familie und nicht einmal – und das ist so furchtbar – für die eigenen Kinder. Wer für Andere trocken werden will, begibt sich nur in eine neue Abhängigkeit, denn die Abstinenz steht und fällt dann mit diesen betreffenden Personen oder mit der Situation. Ändert sich etwas an den Gegebenheiten, fällt der Alkoholiker oft in seine Sucht zurück, denn der Grund für das abstinente Leben ist ja weggefallen. Er muss also lernen, sich selbst genügend „wert“ zu sein.

    Für den Co-Abhängigen ist es die Hölle. Da hat er unter Umständen Jahrelang die „Eskapaden“ ertragen, immer drehte sich alles nur um die Probleme des Anderen und aus normalerweise selbstständigen und verlässlichen Partnern wurde zwischenzeitlich immer fast ein Pflegefall. Verlassen konnte man sich auf Ansagen nie und von einer gleichberechtigten Partnerschaft konnte sowieso nicht mehr die Rede sein.
    Nun will der Alkoholiker abstinent werden, sucht sich Hilfe, geht in Therapien und SHG´s und wieder dreht sich alles nur um ihn. Schafft er es tatsächlich, abstinent zu werden (zu bleiben), kommen neue Energien, Euphorie, neue Pläne und dieses tolle Verständnis von anderen Suchterkrankten. Der Partner/Angehörige bekommt das nächste Brett, denn ER hat den Alki ja nie so wirklich verstehen können.
    Der Alkoholiker bemüht sich also, tut alles für seine Abstinenz und es ist oft ein verdammt harter Kampf und wundert sich dann darüber, dass der Partner sich zurückgestoßen fühlt, allein gelassen, vielleicht eifersüchtig oder neidisch wird, denn er tut doch schließlich alles, was auch eventuell von ihm „verlangt“ oder zumindest erwartet wurde.
    Von anderen Suchterkrankten wird er dazu ermutigt, jetzt erst einmal an sich selbst zu denken, weil es anders keine Fortschritte geben kann.

    Das ist der Punkt, an dem viele Beziehungen/Familien auseinander brechen.
    Für den Co-Abhängigen gilt (meiner Meinung nach) aber dasselbe Prinzip: Er sollte sich um sich und sein Leben kümmern, sich ebenfalls Hilfe in Gruppen suchen und damit auch Verständnis für seine Situation erhalten. Geht er einen Schritt weiter, wird er vielleicht auch herausfinden können, warum er sich so lange um den Suchtkranken bemüht hat, wo Andere Partner längst den Bettel hingeschmissen hätten.
    Würde ich in Deinen Schuhen stecken, würde ich ein paar Sachen zusammen suchen, die der Partner im Krankenhaus benötigt und sie ihm bringen. Dann würde ich mich nach SHG´s in meiner Nähe umsehen und mir anschließend einen Plan machen mit Dingen, die MIR gut tun würden oder die ich längst in Angriff nehmen wollte, aber leider nie dazu kam, weil ich mich ständig mit den Ausfällen meines Partners herumschlagen „musste“.
    Ich würde ein klares Statement abgeben, dass sich in naher Zukunft jeder um sein eigenes Leben kümmert und man nach Ablauf einer gewissen Zeit dann prüfen kann, ob eine gemeinsame Zukunft noch gewollt oder machbar ist. Lange Diskussionen sind in diesem Stadium völlig sinnlos.
    In Kontakt zu bleiben und dem Anderen Statusberichte zukommen zu lassen mit den eigenen Fortschritten, könnte ich nur Menschen empfehlen, die noch nicht total psychisch angeschlagen sind. Ansonsten ist es wahrscheinlich besser, erst einmal einen kompletten Cut zu machen, was nicht bedeutet, dass man die gemeinsame Zukunft rigoros auf Verdacht in die Tonne treten muss. Vielleicht ist da eine Chance, vielleicht auch nicht - Ihr werdet es herausfinden müssen.

    Ich habe es immer als eine Art Verpflichtung gesehen, anderen Menschen zu helfen, wenn ich Zeit und Raum dafür habe. Es kann aber nicht meine Verpflichtung sein, mich komplett für Andere aufzuopfern und dabei draufzugehen. Ich denke, dies war nicht Teil des übergeordneten Plans ;-).
    Ich übe jetzt, die ganzen schlauen Sprüche auch in meinem Leben umzusetzen ;-).

    Dir wünsche ich Ruhe im Bauch und eine gesunde Distanz und Menschen, die DICH verstehen.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Atze,

    freut mich total, wie Du unterwegs bist.
    Rotweinregale sind ja immer ein heißes Thema, aber nicht Jeder hat die Möglichkeit, einen Stellvertreter zum Einkaufen zu schicken und es wäre ja absurd, mit dem Trinken aufzuhören um dann zu verhungern, weil man sich nicht in einen Supermarkt traut :). Sorry, kleiner Scherz am Rande.

    Dir auch eine schöne Restwoche und weiterhin einen guten Weg.

    Viele Grüße
    Katha

    Guten Morgen September,

    jetzt hast Du Deiner Meinung genügend Ausdruck verliehen – meiner Meinung nach. Wenn ich ahne, dass da noch mehr Worte sind, muss ich mich ja nicht gleich auf Anhieb mit einem läppischen Satz zufrieden geben, sondern kann schon auf mehr (zumindest) hoffen.
    Dein letzter Kommentar / die Erläuterung war sehr hilfreich für mich, ob Dich das nun juckt oder nicht :D .

    VG
    Katha

    Quark, Renate, das liegt doch nicht am Alter :)
    Ich bin ganz sicher, dass Du dich erholen wirst und mit jedem Tag ohne Terror und dem Wechselspiel zwischen Hoffnung, Enttäuschung und Verzweiflung kommt ein Quentchen mehr Energie zurück.
    Energie kommt rein, Energie wird verpulvert, das ist der normale Kreislauf. Wenn wir die schönen alltäglichen Dinge jedoch nicht mehr sehen können und uns die Fähigkeit verloren ging, uns zu freuen (und nicht gerade mal wieder ein paar Wunder geschehen), dann stockt der Fluss und es wird mordsmäßig anstrengend.

    Ich würde ja auch lieber Käsekuchen backen, aber ich sitze hier und kämpfe mit kleinen Schmucksteinen und selbstgebastelten Schablonen, um meiner Sonne ein gesellschaftlich annehmbares Totenkopf-Shirt zu schnitzen – sie hat nächste Woche Geburtstag :D .

    Dir einen schönen Nachmittag heute.

    LG
    Katha

    Renate :)

    Wenn ich einen falschen Eindruck hatte: Tant mieux :), dann freut es mich, überzeugen musst Du niemanden.
    Den zufrieden trockenen Alkoholiker fragt tatsächlich auch Niemand täglich, ob er noch trocken ist, denn der ist oft vollauf damit beschäftigt, von seinen Basteleien zu erzählen, zu denen er im nassen Zustand gar nicht fähig gewesen wäre ;-).

    Viele Grüße
    Katha

    Wer liest denn so etwas schon gern?
    Ich steppe auch weiterhin durch meine persönlichen Minenfelder und muss mir dazu öfter mal einiges anhören.

    Hallo Renate,

    mir ist auch aufgefallen, dass Du fast ausschließlich über Deinen XY berichtest.
    Ich würde gern annehmen, dass Du Anderen helfen möchtest, sich diesen Jahrelangen Eiertanz zu ersparen, aber auf mich wirkst Du oft so ein bisschen verbittert und natürlich auch enttäuscht.
    Du hast kürzlich davon geschrieben, wie gemütlich Du Dich in diesem Herbst eingerichtet hast mit Deinen Hobbies, Gesellschaft, Tee und Kerzen.
    Vielleicht ist es einfach an der Zeit, den Stachel herauszuziehen und die Wunde heilen zu lassen, denn was innen an uns frisst, strahlen wir auch nach außen aus.
    Ich wünsche Dir eine friedliche und entspannte Winterzeit und dass Du genießen kannst, was Du hast und natürlich ein paar bunte Überraschungen. Das funktioniert aber nur, wenn wir loslassen können.

    Alles Gute.

    Katha

    Mir war vor allem eines wichtig: Sollte „da draußen“ in der realen Welt Jemand Hilfe suchen und benötigen, weil er/sie ein fettes Alkoholproblem hat und total verzweifelt ist, dann möchte ich auf jeden Fall verhindern, dass diese/r Betroffene das Gefühl bekommen muss, in diesem Forum würde die Meinung vorherrschen, dass es nachvollziehbar (nicht entschuldbar!) ist, wenn er/wie wegen des Suchtverhaltens „mal ein paar an die Backen bekommt“. „Geht natürlich gar nicht, ABER…“

    Es ist übrigens nie nötig gewesen, sich in einer realen SHG in puncto Gewalt so klar auszudrücken, weil es in dieser Hinsicht niemals zwei „Meinungen“ gegeben hat oder geben darf, völlig wurscht ob man nun selbst Gewalt erfahren hat oder nicht!


    Hallo Karl,

    Du wirst hier nur Menschen treffen, die sich mit ihrer Sucht auseinander setzen und etwas dagegen tun wollen oder bereits getan haben. In der realen Welt laufen aber Tausende von Suchtkranken herum, die noch lange nicht an diesem Punkt angelangt sind.
    Der schwerste Schritt ist immer das Eingeständnis – vor allem sich selbst gegenüber – dass man ein Suchtproblem hat. Und deshalb: Ja, es ist absolut möglich, dass Deine Frau überhaupt nicht (mehr) reflektieren kann und dass sie sich am nächsten Tag an nichts erinnern kann. Dass sie nicht erkennen kann, dass sie ein Alkoholproblem hat und Hilfe benötigt – es ist für alle Beteiligten die Hölle. Es gibt leider keine Abkürzung und wenn der Alkoholiker nicht bereit ist, sich Hilfe zu holen, wird sich überhaupt nichts ändern können.
    Als Erwachsene mit Fürsorgepflicht den Kindern gegenüber würde ich persönlich umgehend dafür sorgen, dass sie zur Ruhe kommen können und nicht täglich diesem Wahnsinn ausgesetzt sind. Was sind denn materielle Dinge wert, wenn es tagtäglich auf allen Seiten nur Verlierer geben kann? :cry:

    Ich wünsche Euch alles Gute.

    Katha

    Mir stellt sich das Nackenhaar auf, wenn ich solche Kommentare lese.
    Der Alkoholiker als infamer und nerviger Lügenbeutel, der aus Gründen der „Bequemlichkeit Ausreden sucht“, der sich absolut nicht beherrschen kann und die Kontrolle verliert (in vino veritas) und seinen Frust wahllos und unüberlegt dem Anderen um die Ohren schleudert – und auf der anderen Seite das „Opfer“, das seine Frau verprügeln darf, was zwar vielleicht nicht okay ist, aber andererseits ist es ja absolut nachzuvollziehen, dass man da schon mal ein bisschen die Beherrschung verlieren kann…
    Soviel zu: „Ein nuechterner Mensch ist allerdings in der LAge, diese dunklen Seiten zu reflektieren, zu filtern und angemessen zum Ausdruck zu bringen.“

    Von Euch hat wirklich niemand etwas verstanden, auch wenn sich hier Leute in diesem Forum bereits die Finger wund getippselt haben. Nein, das ist nicht ganz richtig. Der Eine oder Andere wird sich schon Gedanken gemacht haben, denn sonst hätte diese Aufstellung mit diversen Drohmöglichkeiten nicht zustande kommen können.
    Trennt Euch mal von dem ganzen Frust, den Ihr mit herumschleppt, weil Eure Beziehungen den Bach runtergegangen sind und vielleicht haben wir am Ende dann ein paar mehr reflektierte Betroffene, die sich mit klarem Kopf auf den Weg machen können zu ihrer eigenen „Bewusstwerdung“.
    Seelische Gewalt? Der nüchterne, erwachsene Mensch geht! Nur wenn er nicht bereit ist, die Konsequenzen dafür auf sich zu nehmen, schiebt er seinen Mors in die Warteschleife und hält solange aus, bis er sich endlich als Opfer fühlen kann.

    Zimttee, Dein Beitrag hat mir unglaublich gut gefallen. Trotz der schlimmen Erlebnisse in Deiner Kindheit bist Du in der Lage gewesen, sachlich, klar und vor allem mit der notwendigen Distanz nach einer Lösung zu suchen.

    GeReizt

    Katha


    Bitte um Sachlichkeit, auch bei diesem Thema. Mit verbalen Rundumschlägen ist niemanden geholfen. Danke Morgenrot

    Guten Morgen Atze,

    eine Therapie habe ich nie gemacht, weil ich immer glaubte, ich müsse Gas geben und so schnell wie möglich wieder „funktionieren“ im „normalen Leben“, also Geld verdienen und mich vor allem um die Kinder kümmern, die ja noch sehr viel kleiner waren.

    Ich kenne aber genügend Menschen, denen eine Therapie – egal wie die nun ausgesehen hat – geholfen hat, sich eine stabile Basis aufzubauen.
    Du bist nach drei Tagen als nicht therapierbar eingestuft worden? Wie schafft man denn so etwas? :)

    Und was die Baustellen betrifft: Immer schön eine nach der anderen und nicht wie wild loskreiseln und den Versuch starten, alle gleichzeitig abzuarbeiten. Bei Überforderung plumpsen Viele von uns auf den Mors und verfallen prompt in Starre, weil sie nicht mehr wissen, wo sie anfangen sollen und greifen dann oft vor lauter Frust wieder zur Flasche.

    Dir ein entspanntes Wochenende.

    Viele Grüße
    Katha

    Guten Morgen Atze,

    gestern verzichtest Du noch beneidenswert kurz und knackig auf die Schwimmflügel und heute machst Du aus nass trocken ;-).
    Du stehst ja ganz am Anfang und jeder Tag ohne Suff zählt und ist wichtig, ich verstehe also Deine Überlegungen.
    Es gehört Mut dazu, dem ganzen Elend mal direkt ins Auge zu guggen, aber ich bin sicher, Du schaffst das. Vielleicht kommt Dein Kopfkarussell auch zur Ruhe, wenn Du Dir sagen kannst, dass Du seit Sonntag trocken bist und Du daran arbeiten willst, dass noch sehr viele trockene Tage folgen werden. Den Rückfall verzeihst Du Dir, packst das Ganze in den Notfallkoffer und überlegst Dir jetzt schon einmal, wie Du im Falle von Stresssituationen in Zukunft reagieren kannst. Abstinenz beschließe ich nicht – die muss ich schon selbst leben.

    Nix für ungut, aber wer fragt, bekommt eine Antwort ;-).

    Viele Grüße
    Katha

    Huhu :-),

    „schrecklich konsequent“ war ich in meiner Lebensweise auch immer, als ich noch mit Killernieten gespielt habe und ordentlich gelacht hab über straight edge.. Minor Threat...
    Und verzichtet wurde auf Drogen, Alk und Nikotin und Fleisch und auch auf den Rest *veg* -
    aber es bleibt ja immer noch das Bingospiel in der örtlichen Turnhalle, ´ne Fangopackung oder so eine lustige Kaffeefahrt über Land xD.

    Liebe Grüße
    Misfits ;)
    (die jetzt mal an ihrer Grundeinstellung feilen geht, und zwar rasant *g*)

    Hi Atze,

    das klingt super und ich wünsche Dir gute Gespräche in der Suchtberatung.

    Direkt vorbildlich, dass Du Dir überlegst, den Weg zur SHG zu Fuß zurückzulegen bei dem Schietwetter. Sollte es wieder Dauerregen geben, leihe ich Dir gern meine Schwimmflügel, damit Du schneller voran kommst und nicht abglitscht :D .
    Ansonsten hast Du ja einen echt vernünftigen Plan und ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg.

    Viele Grüße
    Katha

    Huhu Andreas,

    schön, dass Du wieder zurück bist und noch viel schöner, dass Du überhaupt fort warst, denn es war doch mal an der Zeit, obwohl Du Dir anscheinend auf seltsame Art und Weise die Zeit verdörlt hast. Ich bin ja nun Muschelschubserin und im hohen Norden kraxelt man nicht in der Gegend herum für Bodenmais, oder meintest Du „Dosenmais“ – na also für den erst recht nicht, denn wer ist schon scharf auf schwammige Knie?! :)

    Thailändisch klingt super und wenn Du auch scheinbar orientierungslos durch die Botanik gekreiselt bist, hattest Du bei der Ernährung ja offensichtlich mehr Plan *fg.

    Die Werbung kenne ich, obwohl ich ja nur alle Jubeljahre mal Glotze gugge und sie gefällt mir gut. Wahrscheinlich haben sich daraufhin aber alle angesprochenen Aktivisten ein paar M****L-Treter besorgt und stapfen jetzt ebenfalls durch die Pampa auf der Suche nach einsamer Freiheit, mit der sie überhaupt nicht umgehen können ;-).

    Du hast da übrigens etwas missverstanden: Es war VOR der Lungenentzündung und VOR dem Nieselregen und mein Doc hatte mir eine halbe Stunde an frischer Luft erlaubt. Holz zu stapeln war blöd, das gebe ich gern zu, aber alles Andere war so überaus vernünftig von mir, wie ich mich seit Jahrzehnten überhaupt nicht mehr kenne. Ich weiß nicht, was es war, aber irgendwas ist passiert.
    Heute ist mein fünfter Tag ohne Kippe und ich bin erschöpft durch die Husterei und die kurzen Nächte, aber andererseits verfalle ich auch nicht in Panik, weil ich eben nicht mit diesem Schlafmangel meinen Job antreten muss, sondern diese Zwangspause mal sinnvoll nutzen kann. Ich mache mir da auch nix vor, bisher war ich allein, habe keinen Menschen gesehen und mich einmal am Tag zum See geschleppt – da ist es einfacher, nicht zu rauchen, obwohl es für mich an ein Wunder grenzt, dass ich auch nur einen einzigen Tag durchgehalten habe.

    Ich habe einen hartgesottenen Telefonjoker, bei dem ich die Gespräche mit einem untypischen „Boah ey“ beginnen darf, um mich dann verbal auszutoben, weil auch der Kaffee ohne Kippe plötzlich nicht mehr schmeckt und ab und zu plingt es hier und Dialoge mit Nichtrauchern beginnen mit „Ab ins Bett“ und enden mit „Oh Weib“, aber noch mehr Vernunft ist nun wirklich nicht drin *soifz. On verra (was nicht bedeutet: Guten Appetit! xD).

    Die Leidenschaft für´s Lesen teile ich. Mich konnte man früher in Nachbarländer transportieren, ohne dass ich es bemerkt habe, weil ich die Nase in Büchern hatte und auch fiese Windstärken auf dem Kutter nach Helgoland haben mich nicht gestört, während die Anderen bereits grünlich schimmerten. Ich hab vor allem bei Regen immer in Autos, Zelten oder Scheunen herumgesessen und gelesen, wie in einer Höhle. Im Moment scheint hier aber tatsächlich mal die Sonne und deshalb werde ich meinen Spaziergang auf den Vormittag verlegen.

    Dir auch eine schöne Woche.

    Liebe Grüße

    Katha

    Jürgen xD
    Ich hab grad ein altes Poesiealbum mit Bildern im Keller gefunden. Kannst Dich gern eintragen, bevor Mangelerscheinungen auftreten *duck :) .

    Huhu Andreas,

    ich hab einen Steuerberater aufgetan, der mir bereits alle Unterlagen wieder zugesendet hat – ein echter Hitzeblitz, der Mann :) .

    Weltverbesserer und Gutmensch klingt tatsächlich eklig. Ich sage nur: Ich mag Menschen und erwarte dann, dass Jeder versteht, wenn ich mal irgendwo reinspringe, um ordentlich mitzumischeln, damit unmittelbares Leid mal ein Ende haben kann. Die meisten Dinge sind ja relativ einfach zu lösen. Das geht allerdings auch schon mal nach hinten los, wenn mich dann Jemand verständnislos anstarrt, die Tatsache komplett ignorierend, dass Wochenlang kein Tag ohne Heulen und Jammern verging. Dann lächle ich leise und sage: „Vergiss´meinen Namen und vergiss`mein Gesicht – ich bin schon weg“. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass mich diese Art Ignoranz ziemlich schnell langweilt.
    Die o.g. Begriffe höre ich tatsächlich selten, und wenn, dann nur mit verächtlichem Unterton und nie auf mich bezogen, wenn ich daneben stehe *g. Oft wurde ich allerdings sehr wohl mitleidig angesehen und gefragt: „Und Du darfst jetzt also überhaupt keinen Alkohol mehr trinken?“ Darauf antworte ich grundsätzlich mit: „Ich darf alles. Ich will nicht!“

    Du hast Deinen Bauherren also falsch eingeschätzt und der erste Eindruck hat getäuscht. Versteh ich jetzt nicht. Der erste Eindruck war doch durchaus berechtigt :) und der Mann hat sich total nervig verhalten. Vielleicht ist ihm inzwischen etwas Schweres auf den Kopf gefallen und er hat sich besinnen können und noch mal die Kurve bekommen. Oder er ist bei solchen Projekten bisher immer vorgeführt worden und hatte Angst, das Heft aus der Hand zu geben und nicht das zu bekommen, wofür er zahlt. Vielleicht hat er gesehen, mit wem er es zu tun hat und hat angefangen, Dir zu vertrauen. Nun kann er ganz entspannt mit Dir zusammen Pläne entwickeln und sich benehmen wie ein normaler Mensch. Vielleicht hat er zu Hause überhaupt nix zu melden und musste wenigstens auf der Baustelle den Boss raushängen lassen und nun isses ihm zu albern geworden. Du hast nach dem ersten Eindruck geurteilt und das war schließlich alles, was Du sehen konntest. Völlig normal und menschlich, also nimm´die Asche wieder vom Kappes :) , denn die gehört da gar nicht hin. Wir wollen doch nicht päpstlicher werden als der Papst, ein bisschen menschlich muss schon noch sein ;-).

    Ich möchte Menschen auch nichts vorschreiben, aber ich sollte mich trotzdem noch mehr zurückhalten. Ich bin eher dankbar (na ja, ich kann´s ganz gut handeln), wenn mir Jemand mit Kritik oder Anregungen kommt. Ich kann aber nicht immer selbstverständlich davon ausgehen, dass Andere es genauso halten oder wünschen.
    Es gibt aber Situationen, da zögere ich keine Sekunde. Neulich sehe ich ein ziemlich pummeliges Mädel in einem gewagten Minirock in die Toilette des Restaurants tänzeln. Als sie wieder herauskam, hing der hintere Teil des Rockes im Bund und sie stand quasi halb im Freien. Jeder hat es gesehen, alle haben hämisch gegrinst und sogar ihre „Freunde“ haben sie so laufen lassen. Da sprang ich unauffällig los und hab sie mit einem Satz drauf aufmerksam gemacht und war sofort wieder weg. So eine Art Massengrinsen ekelt mich immer noch an.

    Du hast so verdammt gute Vorsätze und das schätze ich sehr. Es ist ja auch gar nicht so schwer umzudenken. Wenn ich bei jeder Kleinigkeit, die ich anschaffe, darauf achten kann, dass sie mir Freude macht, dann kann ich das auch bei jeder bewussten Handlung tun, wenn ich z.B. einkaufen gehe, esse, oder bestimmte Materialen in anderen Bereichen verwende. Was man bei dem Etikettenschwindel heutzutage allerdings wirklich erhält, steht auf einem anderen Blatt. „Bio“ ist ja auch kein geschützter Begriff und ich kam zur Welt, als mir vor 20 Jahren schon mein Lieblingsbauer erzählte, der „Bio-Bauer“ nebenan würde „nur“ 12 x im Jahr seine Äpfel spritzen, die „normalen Bauern“ halt öfter… Da weiß man bald nicht mal mehr, wo man überhaupt ansetzen kann. Vielleicht bei Kohl aus der Heimat. Wenn der Wind günstig stand. Jetzt. Es ist Herbst :) .

    Es ist schon lächerlich, was wir mittlerweile verlangen. Niemand hat mehr Zeit oder Geduld, auf etwas zu warten, jede noch so überflüssige Warensendung muss im Eiltempo irgendwo hingebracht werden und dann wundert man sich über das erhöhte Verkehrsaufkommen. Irgendwelcher im Ausland produzierte Krempel wird für Stempel und Etikett nach Deutschland geschafft, und wir bringen unser Zeug auf die Bahn, weil das Waschen von Mohrrüben im Ausland günstiger ist. Ich fasse mir oft an den Kopf. Teilresignation. Da sagste was.
    Ich kann mich heute aber nicht mehr ums Weltgeschehen kümmern, sondern muss mich mal verholen. Die nette Ömi von oben drüber hat mich im Garten erwischt, als ich nur ganz kurz etwas Holz umgestapelt habe *hüstel. Morgen soll es ja regnen. Ich war bewaffnet mit Mütze, Schal und Winterjacke und habe mich im Zeitlupentempo bewegt.
    Manche Ömis haben´s echt drauf, diesen etwas spitzen Unterton: „Frau X, wenn Sie etwas brauchen, rufen Sie mich bitte an“ – hierauf folgt die Telefonnummer, die ich mir mit dem dicken Kopf eh nicht merken kann. „Ich koche auch gern etwas für Sie oder bringe Ihnen aus dem Supermarkt etwas mit, denn MIT EINER LUNGENENTZÜNDUNG IST JA NUN WIRKLICH NICHT ZU SPASSEN!“ Der letzte Teil des Satzes wurde lieblich geflötet mit ca. 140 Dezibel, damit ich die Botschaft nicht verpasse. Mit hochroten Ohren bin ich wieder zum Sofa geschlichen. Zerberus wohnt im selben Haus – ich bin geliefert. Offensichtlich kümmert sie sich auch gern um ihre Mitmenschen, wie lästig :D und wie schön ;-).

    Dir einen schönen Abend.

    Liebe Grüße

    Katha

    Hallo Mäuki,

    den Zorn kenne ich und völlig untypisch für mich muss ich jetzt sagen, dass er Dir momentan den Blick verstellt und Du den Menschen hier Unrecht tust.
    Es war ein Austausch vorhanden und ich klammere mich selbst dabei jetzt völlig aus, denn ich habe mich vorzeitig selbst herausgezogen, und denke an die Anderen.
    Sie haben Dir geantwortet und sind auf Dich eingegangen, haben sich mit Deinem Thema befasst, was manchmal alles an Energien kosten kann für den Moment. Jeder hier hat seine eigene Geschichte und manchmal ähneln sie sich und katapultieren einen in das Gestern.

    Der Austausch war also vorhanden. Dann folgte ein emotionales Gemetzel mit einer unqualifizierten Bemerkung im Gepäck, es knallte und dann war Ruhe im Schiff. Anschließend hast Du Tagelang geschwiegen und dann Deine Geschichte weiter erzählt.
    Fast sofort hast Du ein Feedback bekommen.
    Sollte, hätte, könnte, müsste… alles Bullshit, aber vielleicht schaffst Du es, Deinen Zorn in die richtige Richtung zu lenken, dahin, wo er hingehört. Er wird nicht verpuffen, er wird weiterhin Schaden in Dir anrichten. Gedanken und Gefühle dieser Art lösen sich nicht in Luft aus, wenn man sie nur lange genug ignoriert. Explodiere und schrei rum und fluche, heule bis zur Erschöpfung, schmeiße etwas gegen die Wand oder geh Holz hacken oder mache Dich auf den Weg und bringe die Dinge dahin, wohin sie gehören, aber implodiere nicht. Das geschieht so leise, dass es kein Mensch hört und hinterher wundern sich wieder so viele Leute, dass Niemand etwas bemerkt hat…

    Alles Gute.

    Katha

    … und wiederum Andere waren zornig und ebenfalls geplagt von einer Weltverbesserungsphase und kritisch und logisch und trotzdem zeitweise ungerecht.
    Da ich unter meiner eigenen Ungerechtigkeit und Ungeduld und Unverständnis Anderen gegenüber selbst leide, habe ich diese Phase beendet und komme wieder zu: Leben und leben lassen :wink: .

    Hallo Andreas,

    dein Bauherr hat offensichtlich ein Manko und das entsprechende Menschenhandwerkszeugs nicht mitbekommen, der arme Kerl, und solange er nicht alle zwei Monate einen neuen Carport in Auftrag gibt (denn dann würde ich meine Hand nicht dafür ins Feuer legen, dass Du ihn nicht doch noch in die Büsche schubst), kannst Du es unter Schlechtwetter verbuchen :) .

    Vielleicht verhallt Dein Ruf ja nicht ungehört und andere Mitstreiter melden sich früher oder später auch wieder zu Wort. Ich würde mich ebenfalls darüber freuen, denn mir ist etwas abhanden gekommen, was ich sehr geschätzt habe. Und schließlich… habe ich die Kurve ja auch wieder bekommen.
    Ich bin betrogen worden vom Wetterdienst und es regnet, aber das kenne ich ja schon. Ich wurde auch in puncto Weltuntergang bereits angeschmiert und somit wird ständig meine Planung über den Haufen geschmissen ;-). Mein Date habe ich abgesagt und nun stürze ich mich mit Freuden auf die Steuererklärung – hab ja jetzt auch mehr Zeit dazu. Supi *örgs.
    So gelassen hätte ich das aber vor einiger Zeit noch nicht nehmen können und das sagt mir, dass ich iwie doch auf dem richtigen Weg bin.
    Ich fühle mich allerdings heute Morgen schon wie die Heldin der abwechslungsreichen Ernährung, nur weil ich ein paar Cherrytomaten auf meinen Frühstücksteller gelegt habe, bevor sie vergammeln. Ich denke mal, diesen Bereich könnte ich wirklich mal ausbauen :) .
    In der Zwischenzeit freue ich mich über die Fortschritte, die Du an Dir selbst feststellen kannst und ich backe im November Kekse, weil es hier Jahrelang nicht möglich war, komme was da wolle.

    Liebe Grüße

    Katha

    Guten Morgen Kleinerkolibri,

    es tut mir sehr leid, dass Du so unglücklich bist hier.
    Es war sicher ein guter Vorsatz, soviel wie möglich zu arbeiten, um das Geld für die Heimreise zu verdienen, aber vermutlich hast Du Dich überfordert und bist dann letztendlich zusammengeplumpst, weil die Anforderungen und der Stress viel zu groß waren und Du keinen Ausgleich mehr hattest.

    Wichtig ist es jetzt, dass Du aus der Schiene wieder herauskommst und die Trinkerei umgehend wieder einstellst, weil Du sonst vermutlich nichts von dem erledigen kannst, was gemacht werden muss. Bis Anfang November ist ja noch etwas Zeit.
    Vielleicht hilft es Dir, eine Liste mit den notwendigsten (!) Aufgaben zu erstellen, vielleicht mit Unterstützung durch Deine Kinder und Dich nicht durch die Vielzahl zu verzetteln.
    Prioritätenlisten mit Milestones, also Terminen für die Aufgaben, haben mir schon öfter geholfen, mich aus dem Chaos zu befreien und Stück für Stück das abzuarbeiten, was wirklich wichtig ist und das unwichtige fallen zu lassen.
    Im Suff ist das ganze Leben nicht wirklich etwas wert und vielleicht hilft Dir der Gedanke bei der Sortierung. Es ist Sonntag, vielleicht eine gute Gelegenheit, um sich in Ruhe einen Plan zu machen.

    Alles Gute für Dich und häufe nicht zuviel Asche auf Dein Haupt: Dann wird der Kopf zu schwer, um klare Gedanken und Mut zu fassen für einen neuen Anlauf.

    Liebe Grüße

    Katha