Hallo Goldband,
ich würde Dir wünschen, dass Du wieder anfängst, zu leben, Freude hast und Spaß
. Das ist nicht möglich an der Seite eines nassen Alkoholikers.
Es wirkt auf mich so, als würdest Du versuchen, Dir das Zusammenleben mit ihm einfach erträglicher zu machen und Dich neben ihm einzurichten. Du schreibst nicht von der Verzweiflung, weil Du den Mann noch so liebst und ihm unbedingt helfen möchtest, aus seiner Sucht auszusteigen.
Das ist auch völlig okay, denn nicht Jede/r ist ja automatisch Co-Abhängige/r, nur weil er mit einem Suchtkranken Partner zusammenlebt und sich aus diversen (diffusen) Gründen nicht trennen will. Deine Unabhängigkeit und Distanz in dieser Hinsicht könnte Dir im Gegenteil Unterstützung sein auf Deinem Weg.
Immer wieder stellen natürlich Menschen dieselbe Frage: „Soll ich etwa meine ganze Existenz aufgegeben um aus der Schleife herauszukommen? All das, was ich mir (zusammen mit dem Partner) erarbeitet habe?“ Es sind ja oft nicht ausschließlich materielle Überlegungen.
Und jedes Mal frage ich zurück: „Was bedeutet denn für Dich Existenz? Was ist ein Haus mit schönem Garten wert, wenn in Deinem Heim noch ein Anderer herumschleicht, dem Du aus dem Weg gehen oder ständig seine Stimmungen ausloten musst?! Den man mit letzter Kraft erträgt, weil man den Kampf längst aufgegeben hat. Wenn niemand mehr zu Besuch kommt, da auch für andere Menschen diese Konstellation unerträglich wird. Wenn Freunde bereits genervt reagieren, weil man ewig und drei Tage immer dasselbe Thema wälzt, da man tagtäglich damit lebt und kaum noch etwas Erfreuliches zu erzählen hat. Wenn man zwar materielle Sicherheit hat, aber absolut keine Freude mehr daran, seine finanziellen Mittel zu nutzen um sich etwas Schönes zu gönnen.
Natürlich kann man z.B. mit einer Freundin eine tolle Reise unternehmen und Spaß haben. Dann geht es zurück nach Hause und das ganze Elend holt einen wieder ein, Erholungswert ist damit gleich Null.
Wir wissen doch letztendlich alle, dass es ein furchtbares Gefühl ist, in einer Beziehung einsam zu sein und sich unwohl zu fühlen. Tagtäglich, ohne Aussicht auf Besserung. Vielleicht noch ein paar kraftraubende Machtspielchen dazwischen aus lauter Frust. In seinem eigenen Zuhause, an einem Ort, an dem man sich sicher und wohl fühlen können sollte.
Deine Existenz ist vermutlich täglich genauso viel wert wie meine Familie, meine Freunde, mein Job, mein Zuhause, mein ganzes Leben… wenn ich trinke oder als Co-Abhängige nicht mein eigenes Leben, sondern das des Partners lebe.
Ich habe mir vor meiner Entscheidung gesagt: „Wenn es mir schon nicht wirklich gut geht, dann soll es mir auch nicht schlechter gehen als nötig!“
Wir können oft nicht alles gleichzeitig haben und müssen eine Entscheidung treffen. Für uns selbst und das eigene Leben. Darin besteht für mich das ganze „Geheimnis“.
„Was soll ich denn noch machen, ohne GLEICH meine ganze Existenz aufzugeben?“
Eine Zeitlang Rumgeeimer bei Dir, plus zwei Jahre Beratung bei der Caritas und nichts hat sich verändert oder gar verbessert. Wie viele Jahre Deines Lebens willst Du insgesamt in ein vermutlich hoffnungsloses Unterfangen investieren und worauf wartest Du?
Ich bemühe mich wirklich nicht zu vergessen, dass ich täglich lebe und möchte Zeit, Energien und mein Leben nicht mehr damit verschleudern, mich in Zwänge zu verstricken.
Natürlich trinkt ER und versaut Euch beiden damit das Leben und natürlich erscheint es ungerecht, dass Du dann Strapazen, Unannehmlichkeiten, Einbußen, vielleicht vorläufig Einsamkeit und Veränderungen auf Dich nehmen müsstest, obwohl Du absolut keine Anteile an seiner Sauferei hast, aber letztlich würdest Du es für DICH tun und für DEIN Leben, damit es DIR besser geht, denn offensichtlich kann er es sich leisten, alles so weiterlaufen zu lassen.
Ich kann wieder durchatmen und habe ein Zuhause, in dem ich mich absolut wohlfühle. Niemand verdirbt mir mehr jede noch so kleine Freude und ich kann täglich wieder mehr lachen als jemals zuvor. Das ist für mich ein Stück Freiheit und Geborgenheit, die ich mir selbst geschaffen habe und ich möchte es nicht mehr missen (müssen).
Total bewundernswert, dass Du mir nicht für meinen letzten Beitrag verbal den Kopf abgerissen hast ;-).
Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg, wie immer der auch aussehen mag.
LG
Katharsis