Beiträge von Katharsis

    Guten Morgen Nys,

    ich lese Euch auch gerade und bin geplättet: Sympathie und Antipathie ist entscheidend für die Art der Kommentare? In einem Forum für Suchtkranke??
    Mir ist ein Mensch mit Helfersyndrom sympathischer als Jemand, dem alles am Ärmel vorbei geht (ich schleppe ja selbst eines mit mir herum *g), aber das ist ein bisschen dicke Post.
    Es passt überhaupt nicht zu Euch, es sich dermaßen einfach zu machen.

    Ich komme tatsächlich dann ins Klinken, ob ich auch weiterhin meine Meinung als Betroffene äußern kann, wenn ein derartiger Blödsinn unterstellt wird, vor allem, wenn ich vorher ellenlange Texte abgesetzt habe. Oder hattest Du in den ganzen Monaten das Gefühl, ich schreibe Dir nur, weil ich vor Langeweile nicht in den Schlaf komme? Oder hätte mich hier beim Schreiben komplett verbogen? Damit verschwende ich keine Zeit. Ich bin trockene Alkoholikerin und habe andere Dinge auf dem Zettel, lebensnotwendige Dinge.

    Lasst die Kirche im Dorf – denn da gehört sie hin – und Euch wünsche ich einen wunderschönen Sommertag und eine frische Brise: Die macht den Kopf wieder klar ;-).

    Gruß
    Katharsis

    Guten Morgen Florena,

    als ich die Polizei angerufen habe, um mir die Genehmigung zu beschaffen, die Türschlösser austauschen zu lassen (er war bereits ausgezogen), hat man mir mitgeteilt, genauso gut könne er ja schließlich die Kinder und mich aus dem Haus werfen, denn es wäre unser gemeinsames Eigentum. So ging der Terror erst einmal weiter und ich wusste nie, wann er im Haus vor mir stehen würde.
    Später hat mir ein Frauenhaus mitgeteilt, die Bedrohung und Gewalt hätte noch nicht genügend Ausmaß angenommen.
    Ich vermute mittlerweile manchmal, dass man sich den Aufenthalt in manchen Frauenhäusern nur „verdient“ mit einer Sammlung Röntgenbilder von gebrochenen Knochen.
    Wenn er Dich anspucken konnte, war er definitiv zu nah dran!

    Ich würde Dir auch empfehlen, die Ratschläge von Renate und Doro anzunehmen und umgehend in die Tat umzusetzen.
    Wozu sich mit der Krankheit Alkoholismus auseinandersetzen? Du hast jetzt wichtigere Dinge zu erledigen und Gewalt ist mit keiner Krankheit der Welt zu entschuldigen.

    Was mich immer noch total entsetzt ist die Tatsache, dass wir alle Kontakte abbrechen, Niemanden mehr in die Wohnung lassen, da der süchtige, unberechenbare und vielleicht gewalttätige Krakeeler keinem Menschen mehr zuzumuten ist und gleichzeitig nahezu fatalistisch hinnehmen, dass unsere Kinder andererseits täglich diesem Terror ausgesetzt sind, als hätten sie kein Recht auf ein Leben in Geborgenheit.

    Nicht Jeder, der mit Selbstmord droht, blufft, doch wenn mir eins bewusst ist, dann dies: Kein Mensch kann für einen anderen erwachsenen Menschen die Verantwortung übernehmen.
    Fantastisch? Ich würde so ziemlich jedes Adjektiv verwenden für einen Mann, der seine Frau schlägt und Blut erbricht, nur nicht fantastisch. Da macht die Suche nach Flaschen nun wirklich keinen Sinn mehr.
    Du fragst, was noch kommen kann und ich kann Dir versichern: Es geht noch schlimmer. Für ihn, aber auch für Dich und die Kinder. Worauf also warten?!
    Ich wünsche Dir wirklich, dass Dir Deine momentane Wut hilft, eine Entscheidung zu treffen, denn Bestätigung braucht es meiner Meinung nach nicht mehr.

    Alles Gute

    Katharsis

    Hallo Cocomel,

    Angst lähmt Menschen oft, aber im Idealfall ist sie in erster Linie ein Schutz.
    Ich war – abstinent oder nass – schon oft in ziemlich heiklen Situationen, die ich mir überwiegend nicht selbst herangezogen hatte und stellte jedes Mal dabei fest: Irgendwie geht es trotzdem weiter, nur ging es mir trocken sehr viel leichter von der Hand.

    Geholfen hat mir dann immer ein offenes Gespräch mit einem Freund, bei dem ich alles ungefiltert rauslassen konnte. Dann wurde ich umärmelt, bekam eine Dosis beruhigende Worte, konnte mich sammeln und wieder losspringen um meine Dinge in Angriff zu nehmen. Es scheint aber immer noch so zu sein, dass dies Frauen meistens leichter fällt als Männern, was ich sehr schade finde.

    Sucht hat sehr oft auch verheerende finanzielle Konsequenzen, da man den Überblick und auch das Maß verliert. Süchtigen fällt es halt überwiegend schwer, auch noch das Morgen zu bedenken. Gilt natürlich nicht für Jeden, wie stets.
    Fakt ist für mich, dass man keinen Süchtigen „retten“ kann.
    Wichtig ist in meinen Augen, dass kein Mensch sich selbst reduziert, weil der Süchtige mit seinem Problem wichtiger erscheint und hilfsbedürftiger.
    Ich mag es als Teil meiner Verantwortung empfinden, Erfahrungen weiter zu geben, aber sicher nicht, mich für einen anderen Menschen aufzuopfern, denn sonst stehe ich eines Tages am Ende seines Lebens, nicht meines eigenen. Worin nun der Sinn des Ganzen auch bestehen mag: Darin ganz bestimmt nicht.

    Liebe Grüße zurück und einen ruhigen Abend.

    Katharsis

    Hallo Cocomel,

    es ist nur meine Idee zu Deinem Kommentar, aber diese Art Gespräche kommen mir sehr bekannt vor und es war weder Co-Verhalten im Spiel noch war die Reaktion des Gegenüber total unbegründet, sondern für mich verständlich.
    Es waren überwiegend Gespräche mit Männern ohne jegliches Suchtproblem, aber mit einer enormen Angst vor dem Verlust der finanziellen Sicherheit, also einem ungeheuren Druck durch Existenzangst oder aber dem Gedanken, dass man sich durch die sehr beschränkten Mittel nicht einmal mehr die einfachsten Annehmlichkeiten leisten kann, wodurch die Lebensqualität dann scheinbar auf Nullniveau sinkt. Ein Suchtproblem vielleicht noch dazu im Gepäck und man stellt sich schnell die Frage, wozu man die täglichen Anstrengungen eigentlich auf sich nimmt und gerät rasant in die Selbstmitleidschiene. Passiert einfach mal.

    Da wird dann auch jede harmlose Frage nach dem Befinden zum bohrenden Finger in der offenen Wunde und das Gegenüber schlägt oft erst einmal verbal wild um sich. Das ist zwar nicht besonders fair, aber durchaus menschlich und nachvollziehbar.

    Regelmäßig versuche ich mich daran zu erinnern, dass nicht jedes Problem in unmittelbarem Zusammenhang mit Sucht oder Co-abhängigem Verhalten steht, sondern grundsätzlich alle Menschen betreffen kann und so sortiere ich für mich öfter mal alles dahin, wo es meiner Meinung nach hingehört.

    Gruß
    Katharsis

    Hallo Miriel,

    Eure Auseinandersetzung habe ich auch verfolgt und es hat mir vor allem eines wieder bewusst gemacht: Druck in jedweder Form hat noch Niemandem geholfen, seinen Weg zu finden und da ist es gleichgültig, um welche Art Sucht es sich handelt.

    Ich bin so empfindlich wie jeder andere Suchtbolzen und gleichzeitig die Einzige, der ich ganz sicher auf Dauer nichts vorturnen könnte.
    Jeder Mensch mit einem Suchtproblem weiß doch letztendlich, dass sein eigenes Verhalten ihm schadet. Es mag sein, dass wir eine Weile herumrennen können und so ziemlich alle anderen Menschen auf der Welt dafür verantwortlich machen können, dass es uns schlecht geht. Früher oder später kommt dann jeder Mensch zwangsläufig an den einzig entscheidenden Punkt: Er höchstpersönlich leidet unter seiner Situation.
    Dann geht das Geeimere los bis die Entscheidung gefallen ist, ob man es aushalten will und kann oder nicht und da spielen oft mehrere Faktoren eine Rolle.
    Manch einer lässt sich auf den Mors plumpsen und bewegt sich nicht oder versucht weiterhin, dieselbe Wand einzurennen. Ich persönlich denke, ich habe nicht das Recht, dieses Verhalten zu be- oder verurteilen und würde deshalb niemals Druck ausüben, allerdings würde ich mir dann aber auch nicht die nächsten 20 Jahre dieselben Klagelieder anhören wollen.
    Mir ist oft aufgefallen, dass in der sozialen Gemeinschaft so eine Art „indirekte Erziehung“ oder auch indirektes Feedback stattfindet: Wenn sich auf Dauer beim Klagenden so gar nichts verändert und auch keine Anstalten gemacht werden, das Problem auf irgendeine Weise in Angriff zu nehmen, wird man früher oder später müde, resignierte oder auch genervte Reaktionen zu spüren bekommen oder gar keine mehr, da die Geduld irgendwann erschöpft ist. Ich sehe das nur als Entwicklungs- und Lernprozess :) und die Chance, die eigene Situation noch einmal zu bedenken und sich vielleicht doch auf den Weg zu machen.

    Mir persönlich hat es noch nie geholfen, wenn Jemand versucht hat, mir etwas überzustülpen oder mir gar Forderungen gestellt hat, in welcher Form ich mein Verhalten ändern müsste, schließlich steckt Niemand in meinen Stiefeln.
    Hat mir Jemand aber andererseits von seinen eigenen Erfahrungen berichtet und ist dabei bei sich geblieben, ohne mich anzugreifen oder mir Vorwürfe zu machen, konnte ich Dinge viel leichter und schneller erkennen, für mich annehmen, verinnerlichen und letztlich auch umsetzen. (Klingt fast wie ein warmer Entzug :wink: ). Jeder Mensch hat sein eigenes Tempo.
    Es nutzt mir überhaupt nichts, wenn ich äußere Umstände zwar ändere, diese aber als Zwang empfinde, da die Notwendigkeit mich innerlich nicht erreicht und überzeugt hat. Dann bin ich genauso gefangen wie zuvor. Ich warte also immer geduldig auf das Klicken der Erkenntnis, was für mich keinen Freifahrtschein für Jahrelange Regungslosigkeit bedeutet.

    Selbsthilfegruppen funktionieren für mich nach demselben Prinzip, nach dem ich Geschenke mache: Ich kann geben in Form von Zeit, Anteilnahme und Überlegungen, jedoch keine „Gegenleistung“ oder „Entschädigung“ erwarten in der Form, dass mein Gegenüber sofort losstiefelt und umsetzt, was ich als hilfreich ansehen würde. Vielleicht passt es für ihn einfach noch nicht oder auch nie. Wenn es allerdings als Denkanstoß irgendwie hilfreich war – vielleicht auch nur, um es für sich selbst dann zu verwerfen, ist es mehr als genug.

    Nur Du allein kannst wissen, wie weit Du auf deinem selbst gewählten Weg gekommen bist, aber Deine Gefühle und Gedanken von Ruhe, Sicherheit und positiver Veränderung kann ich nachvollziehen und ich freue mich für Dich. Ich wünsche Dir noch ganz viele solcher Momente, Tage, Situationen.

    Viele Grüße
    Katharsis

    Schade. Ich leide sehr unter meiner Nikotinsucht, wollte mich dem Problem jedoch erst stellen wollte, wenn ich eine stabile Trockenheit erreicht habe. Tatsächlich hatte ich gehofft, dieser Thread könnte dazu beitragen, dass ich selbst an den Punkt komme, auch diesen Entzug ernsthaft in Angriff zu nehmen. Von einigen Versuchen aus der Vergangenheit weiß ich, dass ich mich mit höchster Unruhe, Unkonzentriertheit und schweißnassen Händen herumschlagen muss, wenn ich meinem Körper dieses Gift entziehe. Kein Unterfangen also, das ich eben zwischen Tür und Angel erledigen könnte, da es höchste Disziplin und Durchhaltevermögen von mir erfordert.

    Zwischenzeitlich wächst jedoch mein Unverständnis darüber, wie Menschen in einem Forum für Suchtkranke mit dem Thema Abhängigkeit derartig herumkaspern können. Pure Langeweile oder ist der „Tiefpunkt noch nicht erreicht“?
    Gerade in diesem Moment bin ich einfach nur verdammt dankbar, dass ich meine Alkoholsucht ernst nehmen könnte, denn mit der hier beschriebenen Einstellung und dieser Vorgehensweise wäre ich heute immer noch nass und nicht abstinent.
    Ich muss gestehen, ich bin ziemlich enttäuscht und mittlerweile auch genervt. Wie stets gibt es jedoch ein probates Mittel, indem ich als Suchtkranke meide, was mir schadet. Dieser Thread gehört dazu.

    Hallo Hartmut,

    volle Punktzahl von mir was die Worthülsen und die Stabilität betrifft :) . Niemand kann sich selbst trocken sabbeln und es war das Erste, was ich mir vorgenommen hatte: Einfach zu tun, was ich mir vorgenommen hatte, aber ohne mich ständig wieder zu überfordern. Jetzt verstehe ich Dein Statement. Was ein paar erklärende Worte doch ausmachen können, oller Sparfux :wink: .

    Ich wollte nicht vergleichen, sondern darauf hinweisen, dass die wenigsten Menschen aus lauter Jux und Dollerei und Langeweile mit dem Trinken angefangen haben. Und schon bin ich wieder beim „Tun“, denn mit meinem eigenen Verhalten, das mich zur abhängigen (!) Sauferei „getrieben hat“, werde ich persönlich mich ebenso beschäftigen müssen um es erkennen und ändern zu können, sonst bin ich dazu verdammt, die Geschichte noch einmal zu wiederholen. Ich kann es ja ändern, denn ich bin trocken und damit klar und handlungsfähig und nicht hilflos :) .

    Gruß
    Katharsis

    Hallo Hartmut,

    benötigt man denn für die Risikominimierung keine Achtsamkeit?

    In puncto „Alkoholfreies Zuhause“ gibt es ja nun durch die klare Definition kein Fackeln und Vertun und auch keine Interpretationsmöglichkeit oder ein Abwägen, aber es gehört doch noch wesentlich mehr zur Risikominimierung, wenn man sich nicht den Rest seines Lebens im Keller verbunkern will. Gerade als Newbie muss man die ganze Chose doch erst einmal verinnerlichen.
    Minimierung bedeutet nicht Ausschluss und damit bleibt doch wohl ein Restrisiko. Sich auch damit (achtsam) zu befassen, halte ich persönlich für zwingend notwendig.

    Wenn der Umgang mit der Sucht so einfach wäre, hätten wir nicht diese hohe Rückfallquote, aber vermutlich bist Du der Auffassung, wenn jeder Betroffene so einfach strukturiert denken würde/könnte, würde es gar keine Rückfälle geben ;-). Ist aber nun mal nicht Jedem gegeben.

    Es geht doch letztendlich darum, sich trotz Alkoholkrankheit in einer Welt bewegen zu können, in der der Alkohol die legale Volksdroge Nr. 1 darstellt, da sehe ich es fast als fahrlässig an, die vielzitierte tägliche Achtsamkeit nahezu verächtlich abzutun.

    Natürlich bin ich als (trockener) Erwachsener nicht wirklich hilflos, sondern handlungsfähig, aber waren wir das nicht Alle auch einmal, bevor wir mit dem Saufen angefangen haben…?
    Nur mit der Sauferei aufzuhören, reicht einfach nicht und die meisten anderen Menschen und Situationen komplett zu meiden, ist oft schwierig bis unmöglich, denn die Welt legt Dir nicht täglich ihren Tagesplan aus. Manches ist nicht vorhersehbar. Achtsamkeit hilft doch dabei, sich dann eben aus diesen Situationen herauszunehmen oder Menschen stehenzulassen – meine Meinung.


    Hallo Frank,

    als ich damals trocken wurde, ist mir die ganze Welt auf die Ketten gegangen. Ich war hypernervös und ungeduldig, wollte Antworten.
    Ich habe Mitglieder der SHG´s angeschnauzt und ihnen vorgeschlagen, sie sollten sich Schaukelstühle besorgen, karierte Decken über die Beine legen und mal weiter ein bisschen hin- und herschaukeln. Diese bekloppte Gelassenheitsarie hat mich fast in den Wahnsinn getrieben.
    Sie lächelten mich freundlich an und dann sagte Jemand mit verständnisvollem Unterton ganz gelassen: „Lieber Gott, gib´ mir Geduld. Und zwar sofort“.
    Ich kam mir vor wie eine Idiotin reinsten Wassers, musste herzlich mit den Anderen über mich selbst lachen und der Spuk war vorbei.
    Danach konnte ich mich selbst zurücklehnen und in Ruhe über Dinge nachdenken, was mich wesentlich weitergebracht hat.
    Es geht vorbei, Frank, wenn man dran bleibt. Versprochen. :)

    Gruß und allen ein schönes Wochenende
    Katharsis

    Hallo Frank,

    ich unterscheide auch zwischen „Suchtstimme“ und „Suchtdruck“ und finde es nicht ungewöhnlich.
    Beim Suchtdruck bin ich innerhalb von Sekundenbruchteilen die Wände hochgegangen vor Unruhe, es war, als würde meine Haut in Flammen stehen.
    Ich habe schon öfter erwähnt, dass ich es in diesen Situationen zunächst mit Schaumbädern und einer CD mit Delphingeräuschen versucht habe. Ich konnte aber nicht still liegen und das Geschnatter hat mich irre gemacht.
    Dann habe ich herausgefunden, dass mir Bewegung hilft und bin sofort aus der Tür gesprungen, ohne Geld und Auto, einfach laufen, laufen, laufen, bis die Ruhe sich wieder einstellte.
    Ein einziges Mal konnte ich es aushalten, habe mich am Sofa festgeklammert und den Zettel am Wohnzimmerschrank angestarrt mit der Strichliste für die trockenen Tage. Nach 20 Minuten war es vorbei und ich war schweißgebadet und total verkrampft.
    Der Suchtdruck nahm immer mehr ab und irgendwann war es vorbei damit.

    Die „Suchtstimme“ hingegen ist nicht so ehrlich und direkt. Sie gaukelt mir etwas vor und flüstert mir Dinge ein. Irgendwie hinterhältig :wink: . Ich schiebe ihr den Riegel indem ich eines nicht aus dem Bewusstsein verliere: Ich kann nicht auf Dauer nach einem Glas aufhören, weil es mich alles an Energie kostet, die ich zur Verfügung habe und zwangsläufig lande ich in derselben Schleife und will mehr. Für mein Leben würde nichts mehr übrig bleiben. Ich bin süchtig.

    Gefällt mir, dass Du mit alten Gewohnheiten brichst und nicht mit Deinen Kollegen zum Kegeln losgezogen bist. Ich halte es für einen wichtigen Schritt.

    Gruß
    Katharsis

    Hallo Goldband,

    ich würde Dir wünschen, dass Du wieder anfängst, zu leben, Freude hast und Spaß :) . Das ist nicht möglich an der Seite eines nassen Alkoholikers.

    Es wirkt auf mich so, als würdest Du versuchen, Dir das Zusammenleben mit ihm einfach erträglicher zu machen und Dich neben ihm einzurichten. Du schreibst nicht von der Verzweiflung, weil Du den Mann noch so liebst und ihm unbedingt helfen möchtest, aus seiner Sucht auszusteigen.
    Das ist auch völlig okay, denn nicht Jede/r ist ja automatisch Co-Abhängige/r, nur weil er mit einem Suchtkranken Partner zusammenlebt und sich aus diversen (diffusen) Gründen nicht trennen will. Deine Unabhängigkeit und Distanz in dieser Hinsicht könnte Dir im Gegenteil Unterstützung sein auf Deinem Weg.

    Immer wieder stellen natürlich Menschen dieselbe Frage: „Soll ich etwa meine ganze Existenz aufgegeben um aus der Schleife herauszukommen? All das, was ich mir (zusammen mit dem Partner) erarbeitet habe?“ Es sind ja oft nicht ausschließlich materielle Überlegungen.

    Und jedes Mal frage ich zurück: „Was bedeutet denn für Dich Existenz? Was ist ein Haus mit schönem Garten wert, wenn in Deinem Heim noch ein Anderer herumschleicht, dem Du aus dem Weg gehen oder ständig seine Stimmungen ausloten musst?! Den man mit letzter Kraft erträgt, weil man den Kampf längst aufgegeben hat. Wenn niemand mehr zu Besuch kommt, da auch für andere Menschen diese Konstellation unerträglich wird. Wenn Freunde bereits genervt reagieren, weil man ewig und drei Tage immer dasselbe Thema wälzt, da man tagtäglich damit lebt und kaum noch etwas Erfreuliches zu erzählen hat. Wenn man zwar materielle Sicherheit hat, aber absolut keine Freude mehr daran, seine finanziellen Mittel zu nutzen um sich etwas Schönes zu gönnen.
    Natürlich kann man z.B. mit einer Freundin eine tolle Reise unternehmen und Spaß haben. Dann geht es zurück nach Hause und das ganze Elend holt einen wieder ein, Erholungswert ist damit gleich Null.

    Wir wissen doch letztendlich alle, dass es ein furchtbares Gefühl ist, in einer Beziehung einsam zu sein und sich unwohl zu fühlen. Tagtäglich, ohne Aussicht auf Besserung. Vielleicht noch ein paar kraftraubende Machtspielchen dazwischen aus lauter Frust. In seinem eigenen Zuhause, an einem Ort, an dem man sich sicher und wohl fühlen können sollte.

    Deine Existenz ist vermutlich täglich genauso viel wert wie meine Familie, meine Freunde, mein Job, mein Zuhause, mein ganzes Leben… wenn ich trinke oder als Co-Abhängige nicht mein eigenes Leben, sondern das des Partners lebe.
    Ich habe mir vor meiner Entscheidung gesagt: „Wenn es mir schon nicht wirklich gut geht, dann soll es mir auch nicht schlechter gehen als nötig!“
    Wir können oft nicht alles gleichzeitig haben und müssen eine Entscheidung treffen. Für uns selbst und das eigene Leben. Darin besteht für mich das ganze „Geheimnis“.

    „Was soll ich denn noch machen, ohne GLEICH meine ganze Existenz aufzugeben?“
    Eine Zeitlang Rumgeeimer bei Dir, plus zwei Jahre Beratung bei der Caritas und nichts hat sich verändert oder gar verbessert. Wie viele Jahre Deines Lebens willst Du insgesamt in ein vermutlich hoffnungsloses Unterfangen investieren und worauf wartest Du?

    Ich bemühe mich wirklich nicht zu vergessen, dass ich täglich lebe und möchte Zeit, Energien und mein Leben nicht mehr damit verschleudern, mich in Zwänge zu verstricken.
    Natürlich trinkt ER und versaut Euch beiden damit das Leben und natürlich erscheint es ungerecht, dass Du dann Strapazen, Unannehmlichkeiten, Einbußen, vielleicht vorläufig Einsamkeit und Veränderungen auf Dich nehmen müsstest, obwohl Du absolut keine Anteile an seiner Sauferei hast, aber letztlich würdest Du es für DICH tun und für DEIN Leben, damit es DIR besser geht, denn offensichtlich kann er es sich leisten, alles so weiterlaufen zu lassen.

    Ich kann wieder durchatmen und habe ein Zuhause, in dem ich mich absolut wohlfühle. Niemand verdirbt mir mehr jede noch so kleine Freude und ich kann täglich wieder mehr lachen als jemals zuvor. Das ist für mich ein Stück Freiheit und Geborgenheit, die ich mir selbst geschaffen habe und ich möchte es nicht mehr missen (müssen).
    Total bewundernswert, dass Du mir nicht für meinen letzten Beitrag verbal den Kopf abgerissen hast ;-).

    Ich wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg, wie immer der auch aussehen mag.

    LG
    Katharsis

    Hallo Auraya,

    ähnliche Erfahrungen wie Du habe ich auch gemacht. Meine Kontrollsucht ließ mich fast zur Furie werden und ich blamierte mich ständig bis auf die Knochen, nicht nur vor mir selbst. Allerdings hatte sein Suchtproblem damit überhaupt nichts zu tun, denn er hatte keines…

    Mein Gerede von einer „Freundschaft“ stellte sich im Nachhinein für mich nur als Ausrede heraus für meine Unfähigkeit, loslassen zu können.
    Manches Mal hätte ich mir eine Abkürzung gewünscht auf diesem Weg aus meinem Dilemma, doch fand ich für mich heraus, dass es die nicht gibt. Nur den Schmerz annehmen und aushalten, den eine notwendige Trennung immer mit sich bringt und sein eigenes Leben wieder mit Inhalt füllen. So einfach ist es oft und so schwer.

    Ein paar Stunden dieses Tages für Gedanken an meine Beziehungssucht (der Vergangenheit), bevor ich mich wieder meinem Alkoholproblem widme ;-).

    Gruß
    Katharsis

    Hallo Goldband,

    ganz so logisch war es wohl doch nicht: Nasse Alkoholiker haben überwiegend sehr wohl einen eigenen Willen. Sie wollen trinken und das möglichst, ohne dass ihnen ständig jemand auf den Nerven herumtrampelt und an ihnen herumzerrt. Wer will schon eine Dauerschleife aus Vorwürfen?! Aus diesem Grund gibt es so viele Alkoholiker, die ihren Stoff auch zu Hause verstecken.

    Es gibt bestimmte Muster, die im Zusammenhang mit Alkoholismus auftreten (können), doch kann man Alkoholiker so wenig zusammen in einen Pott schmeißen wie Co-Abhängige oder Beziehungssüchtige. Viele Fragen könnte ich daher gar nicht beantworten, da ich Eure Männer nicht kenne und nicht weiß, was in deren Köpfen sonst noch so abgeht.

    Ich finde es nur immer wieder höchst erstaunlich, wie viele Menschen sich über ihre saufenden Partner auslassen und fassungslos sind, weil die nichts an ihrem Verhalten ändern, ihren Tiefpunkt nicht erreicht haben, aus dem Hamsterrad aussteigen und sich Hilfe holen, der Sauferei ein Ende setzen, obwohl man sie kritisiert, beleidigt, beschimpft, ihnen den Spiegel vorgehalten oder ihnen gedroht hat, sie zu verlassen, während man sich gleichzeitig auf den Hintern plumpsen lässt, die eigene Ohnmacht bejammert, alles erträgt, sich selbst bemitleidet und sich darin noch gegenseitig bestärkt und u. U. jahrelang in dieser Schleife (Sucht) verharrt. Es gibt kein bequemes oder erträgliches Leben an der Seite eines nassen Alkoholikers und keine Opfer außer den Kindern, die man aus diesem Sumpf befreien sollte. Ich spreche keinem Co-Abhängigen seinen Leidensdruck ab, aber auch für ihn/sie gilt: Kümmere Dich und hole Dir Hilfe und Unterstützung. Davon gibt es genügend.

    Es ist halt oft etwas dran an dem Satz: „Solange der Alkoholiker einigermaßen funktioniert…“. Manchmal funktioniert so eine Beziehung jahrelang und es kommen erst Beschwerden über die Sauferei, wenn plötzlich eine andere Frau im Spiel ist.
    Wie blind kann oder möchten wir also sein und wer verdrängt nun meisterhafter?

    Aber das ist schlussendlich nicht die Frage. Dies ist eine SHG und wir sollten bemüht sein, uns gegenseitig zu unterstützen, indem wir von unseren Erfahrungen berichten.
    Ich bin Alkoholikerin, war 6,5 Jahre trocken und habe dann einen Rückfall gebaut, der mich 1,5 Jahre gekostet hat. Ich war Co-Abhängig und Beziehungssüchtig, was für mich ein Riesenunterschied ist! Stück für Stück arbeite ich mich aus jeder Abhängigkeit heraus und es hat mich manchmal unglaublich viel Kraft gekostet. Das geht natürlich alles nicht von heute auf morgen und mir wurde nichts geschenkt, aber ich bewege mich. Täglich! Wenn jetzt noch jemand so freundlich wäre, mir mit einem (natürlich gepolsterten) Knüppel aufs Köpfchen zu klopfen, könnte ich vielleicht sogar die Qualmerei einstellen, aber vermutlich muss ich auch das wieder allein erledigen… ;)

    Wir können nur uns selbst ändern, nicht die Anderen. Unterstützung ist nur sinnvoll und hilfreich, wenn der abhängige Partner sich bereits in Bewegung gesetzt hat und etwas unternimmt gegen seine Sucht und auch dann gibt es keine Garantien für gar nichts.
    Ich hatte eine Beziehung zu einem alkoholkranken Mann. Wir haben beide irgendwann mit dem Trinken aufgehört und hatten uns im trockenen Zustand dann absolut nichts mehr zu sagen.

    Gruß
    Katharsis

    Hallo Aurinko,

    ist es denn nicht bereits ein Tiefpunkt, wenn es uns nicht gelingt, während der Schwangerschaft trocken zu bleiben? Wenn die Sucht so stark ist, dass wir uns sogar während der ersten drei Monate, in denen der Embryo in der Regel am meisten gefährdet ist, quasi eine „Auszeit“ von der Trockenheit nehmen, eine Situation, die Du eher beiläufig erwähnt hast.

    Ich denke, es geht in den nächsten Monaten und auch danach nicht um für peinliche Ausfälle, sondern vielmehr zunächst um die Gesundheit Deines ungeborenen Kindes und die Sicherheit beider Kinder.
    Dein Weg in Deinen persönlichen Sumpf bewegt mich ebenfalls.
    Mir haben all meine Vernunft und logische Überlegungen überhaupt nicht weiterhelfen können, ich konnte erst einen anderen Weg einschlagen, als mich die Erkenntnis wie ein Vorschlaghammer traf und es hatte eher etwas mit Gefühl zu tun.

    Mir hat es am Anfang sehr geholfen, alles zu notieren, denn das geschriebene Wort manifestiert sich doch in unseren Köpfen und ist damit weniger leicht zu verdrängen.

    Ich wünsche Dir ganz viel Kraft für Deinen Weg.

    Alles Gute
    Katharsis

    Hallo Manfred,

    Du sprichst mir aus der Seele.
    Ich kriege nämlich trotz aller Gelassenheit ;) langsam Hörnchen wenn ich lese, mit welcher Verachtung und Respektlosigkeit selbst hier über alkoholkranke Menschen geschrieben wird.

    Gruß
    Katharsis

    Hallo Detlef,

    auch ich möchte mein Beileid ausdrücken, nicht Dir, sondern Euch.
    Im Gegensatz zu Dir hat sie vermutlich keine Arbeit und dadurch wenig, was sie von ihren Grübeleien und traurigen Gedanken ablenken kann.
    Es ist ein Unterschied, ob man ein paar nette Hobbies pflegt oder tatsächlich das Gefühl hat, gebraucht zu werden und etwas Nützliches zu tun.
    Du erwähnst Deine Tochter/Deinen Sohn nicht. Besteht da kein Kontakt mehr?
    Oft ist es ja so, dass Trauer die Menschen trennt und nicht vereint.

    Du schreibst: „Wenn ich „dann mal zeitig zu Hause bin“ und das liest sich für mich fast wie eine Ausnahme. Ich habe eine Frau vor Augen, die überwiegend allein und einsam ist.
    Ich könnte mir vorstellen, dass aus der Traurigkeit darüber, dass Du nicht für sie da bist / da sein kannst, Wut und auch Neid entsteht. Denn Du lebst Dein Leben weiterhin und hast Deine Aufgaben, während sie in ein tiefes Loch gefallen ist und allein zurückbleibt mit ihrer Trauer.
    Vielleicht hat sie es abends einfach aufgegeben, auf Dich zu warten und tröstet sich synthetisch über die Einsamkeit hinweg, fühlt sich im Stich gelassen.
    Versteh meine Worte nicht als Vorwurf, dazu hätte ich gar nicht das Recht. Ich versuche nur, die Situation nachzuvollziehen aus anderer Sicht, auch ihre Aggressionen.

    Ich habe den Eindruck, dass Ihr schon sehr lange eine Beziehung führt und Du sagst auch, dass Du sie in den wenigen Momenten immer noch liebst und normal mit ihr reden kannst.
    Solange es diese Momente noch gibt, ist es eventuell dann auch einen Versuch wert, jetzt nicht einfach alles hinzuschmeißen, sondern ihr Unterstützung anzubieten und gemeinsam einen Weg aus der Sucht zu suchen. Hilfsangebote gibt es genug, Garantien gibt es nie.
    Vermeidung und Flucht ist jedenfalls auf Dauer keine Lösung.

    Gruß
    Katharsis

    Hallo Markus,

    mir waren in meiner nassen Zeit Unsicherheiten überwiegend gleichgültig, solange der Alkoholpegel stimmte. Es war eine Erleichterung, diese Gleichgültigkeit zu spüren, da ich dann aufhören konnte, anderen Menschen Grenzverletzungen ständig durchgehen zu lassen und/oder ihnen mit endloser Geduld und Verständnis zu begegnen oder sie ständig unterstützen zu müssen. Dann war ich für mich allein und hatte endlich Ruhe.
    Ich erinnere mich aber auch sehr gut an die Situationen, in denen ich mit zitternden Händen kaum den Kreditkartenbeleg an der Tankstelle unterschreiben konnte, um Nachschub zu holen oder Fragebögen bei Behörden ausfüllen musste. An Tage, wo ich bei 28 °C strahlendem Sonnenschein als Einzige im Supermarkt mit Regenjacke unterwegs war, um möglichst viel von mir zu verbergen. Sicherheit und Unsicherheit also in gleichem Maße.

    Deine Frage bringt mich in erster Linie zurück an die Anfänge meiner Abstinenz, die ersten Tage: Das Körperempfinden. Auch hier die Schwäche, der Gang wie auf rohen Eiern, den Kopf ständig gesenkt, die Unfähigkeit, in Mahlzeiten mehr zu sehen als notwendige Nahrungsaufnahme, diese Unsicherheit vor Situationen und Menschen und der damit verbundenen Ängste.
    Ich habe die Veränderungen in dieser Hinsicht mit jedem weiteren Tag der Abstinenz bei mir ganz bewusst erlebt. Dadurch, dass ich körperlich nicht mehr so verwackelt war, entstand auch eine neue Sicherheit im Umgang mit Menschen und Situationen.
    Ich grübele jetzt nicht mehr so häufig vorher darüber nach, sondern ziehe oft los und mache einfach. Dazu wäre ich noch vor Wochen nicht auf diese Weise fähig gewesen, weder nass noch trocken.

    Natürlich ist es ein weiter Weg, denn wie Frank bereits erwähnt hat: Wir haben nicht aus lauter Jux und Dollerei süchtige Tendenzen entwickelt und Trockenheit ist für mich nur die notwendige Basis um an meinen Schwachstellen zu arbeiten.
    Neulich bin ich z.B. aufgebrochen um zur Müllkippe zu fahren, die gerade mal sechs Kilometer entfernt ist hier auf dem platten Land. Trotz allem für mich eine Herausforderung, da ich noch nie dagewesen war: Unbekanntes Terrain. Mit Navi und Landkarte bewaffnet habe ich mich auf den Weg gemacht, als wollte ich zu einer Expedition an den Südpol aufbrechen. Ich habe mich – wie üblich – erstmal verfahren, da ich zuviel nachgedacht hatte vor dieser verhältnismäßig einfachen Operation. Dann gurke ich halt solange herum, bis ich das Ziel gefunden habe, auch wenn Andere mich nachsichtig belächeln. Ich war da, es hat mich wieder einen kleinen Schritt weitergebracht und nur das zählt für mich :) .

    Unsicherheiten werden weniger und die Erfahrungen mache ich zwangsläufig.
    Ich finde es interessant, was Jürgen zu Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl schreibt.
    Für mich bedeutet Selbstbewusstsein nur eines: Sich selbst bewusst zu sein, in erster Linie über die eigenen Schwächen und Stärken, sich selbst zu kennen. Ebenfalls nur die Basis für eine Menge Arbeit für mich und an mir ;) um zum Selbstwertgefühl zu gelangen und damit zu Stabilität. Wo die Meßlatte liegt, muss Jeder für sich bestimmen. Ich denke, ich kann nicht alles können und ertappe mich immer wieder bei dem Gedanken, dass ich manches auch nicht können will.

    Gruß
    Katharsis

    Guten Morgen Maik,

    „Gleichgesinnte“ – da musste ich ja nun doch schmunzeln, denn den Ausdruck hab ich im Zusammenhang mit SHG´s für Alkoholiker doch noch nie gehört ;-), aber natürlich haben alle dasselbe Ziel: Ein abstinentes Leben.

    Dein Gefühl, etwas zu verpassen und sich einsam zu fühlen trotz der Gesellschaft Deiner Freundin, kommt für mich gar nicht überraschend.
    Vielleicht täusche ich mich auch, aber ich hatte den Eindruck, dass Du über Monate hinweg allein am Rechner gesessen hast und außer Deiner Freundin niemanden gesehen hast.
    Auch das Laufen und Radfahren hast Du ja offensichtlich überwiegend allein absolviert.
    Da bekommt eine Beziehung halt auch nicht so wahnsinnig viel Input.
    Dir fehlen vielleicht einfach nur reale Menschen, Abwechslung und der Austausch, das ist doch völlig normal, wenn man nicht der Typ des Einzelgängers oder Eremiten ist.
    Der Besuch einer realen SHG ist ein guter Schritt und Du kannst in Ruhe guggen, was es mit Dir macht.
    An zurückliegende Jahre denke ich nur in Momenten, in denen ich Kraft und Energie benötige, um im Hier und Jetzt wieder etwas zu ver-ändern und mir der Schw.einehund wie ein Klotz am Bein hängt :wink: .

    Alles Gute für Euch

    Katha

    Liebe Nys,

    langsam habe ich den Verdacht, dass meine Männer einfach zu höflich waren, um mich als verrückt zu bezeichnen ;-).
    Mein Sohn schleppte eines Tages einen fast 2 m großen Stoffbären an mit lila Hut und pinkfarbenen Hosen, den er geschenkt bekommen hatte. Vor einem Umzug beschlossen die Kinder (endlich), sich von diesem Monstrum zu trennen. Ich wollte es beim Sperrmüll entsorgen und quetschte es auf den Beifahrersitz, als ich losfuhr. Dort angekommen schaute mich der Bär so traurig an. Ich kann es nicht erklären, aber Du wirst verstehen, was ich meine. Ich brachte es nicht fertig, ihn da auszusetzen. Ich fuhr wieder nach Hause mit diesem dusseligen Bären neben mir auf dem Beifahrersitz und da blieb er auch, weil ich ihn nicht wieder mit in die Wohnung schleppen wollte. Als mein Freund damals ins Auto steigen wollte, waren die Plätze vorn natürlich belegt. Er lächelte mich freundlich an und stieg hinten ein. Mir kommt gerade der Gedanke, dass er es vielleicht gar nicht als so normal empfand, sondern nur lächelte, um mich nicht unnötig zu reizen und im Geiste schon die Notfallnummer für den Wagen mit den Turnstangen vorm Fenster wählte.

    Wenn es darum geht, Ansprüche den Gegebenheiten anzupassen, bin ich raus :wink: .
    Wenn ich mit Klamotten und Freund in einen See springe, möchte ich darauf vertrauen können, dass mein Begleiter eine gestreifte Strickmütze trägt und einen Gummischwimmring mit einem Entenkopf daran :D .

    So wie ich heute gesprudelt habe, werde ich eine ruhige Nacht haben, aber es war nötig nach der Schwere der letzten Tage.

    LG
    Katha

    Hallo Nys,

    ich weiß nicht mal, ob es ein Triggerproblem ist oder werden könnte und so habe ich das auch formuliert. Es war kein Vorwurf, nur der Fürsorgegedanke so ganz allgemein. Ich habe schon öfter erwähnt, dass ich niemandem etwas überstülpen will und meine das auch so.

    Und ich schrieb, dass ich bei mir / für mich keine Gemeinsamkeiten entdecke. Das ist natürlich nicht allgemein gültig. Es gibt keine Vorgaben, wie man zu fühlen hat, wir sind Alle unterschiedlich.

    Mit „alles zu wollen“ meinte ich tatsächlich alles. Als „Fachfrau für Extreme“ ;) weiß ich, dass immer etwas auf der Strecke bleiben muss, je nachdem, wofür man sich entscheidet.
    Schwer zu erklären: Verliebe Dich in einen Mann, mit dem die Luft brennt und sämtliche Hecken, wenn Du mit ihm zusammen bist, aber erwarte nicht von ihm, dass er sich mit Dir über Bausparverträge unterhält und Deine Steuererklärung gleich mit ausfüllt. Verliebe Dich in einen zuverlässigen Mann mit einer Buchhaltermentalität, aber setze Dich nicht mit einer Schüssel Erdbeeren und in einem Kleid aus Zeitungspapier in seinen Schrank und erwarte, dass er Dich dort wie selbstverständlich sucht. Ich bin sicher, Männern geht es nicht anders, auch sie müssen sich entscheiden… auf eine Art und Weise.

    Und ja: Es ist eine besondere Art zu lieben, aber ein Alkoholiker hätte früher oder später Prioritäten gesetzt und mich im Schrank verschimmeln lassen. Für eine besondere Verbundenheit muss nicht zwangsläufig ein Partner eine stofflich gebundene Abhängigkeit aufweisen.
    Liebeskummer? Wo Du doch bereits in den Abgrund geschaut und Dich abgewendet hattest, weil Dir nicht gefiel, was Du da gesehen hast?
    K.O. bedeutet knock out. Du liest Dich keinesfalls, als wärst Du bereits zu Boden gegangen und hättest komplett aufgegeben.

    Warum nicht sehnsüchtig, es passt doch. Es ist legitim. Und es ist keine Diagnose.
    Verzweiflung vielleicht (vielleicht!) deshalb, weil Du ahnst oder weißt, dass das, was Du suchst, mit XY auf Dauer nicht möglich wäre.

    LG
    Mitch