Beiträge von Katharsis

    Hallo Estadox,

    nun tauge ich nicht viel zum Begrüssungsäffchen ;-), aber schön, dass Du hier aufgeschlagen bist.
    Ein kalter Entzug kann bei Alkoholikern zum Tod führen. Du wirst die Anti Depressiva ja nicht ohne ärztliche Aufsicht einschmeißen, was sagt denn Dein Doc zu Deinem körperlichen Befinden? Weiß er, dass Du bis Dienstag noch getrunken hast und jetzt abstinent leben willst?

    Mir wird ein bisschen mulmig, wenn ich lese, dass Du mit der Sauferei aufhören willst, um bei Deiner Freundin noch eine Chance zu bekommen. Es ist bestimmt leichter, wenn wir so ein Ziel haben, aber nach meiner Erfahrung und dem, was ich bisher gesehen habe, können wir auf Dauer nur zufrieden trocken leben, wenn wir für uns selbst aufhören.
    Ich habe es in erster Linie wegen meiner Kinder geschafft und bin nach Jahren wieder umgefallen, als sie erwachsen waren. Da habe ich bemerkt, dass mir da so eine Art Grundsubstanz fehlt, von der ich zehren kann, wenn´s mal wieder richtig düster ausschaut.
    Ich wünsche Dir jedenfalls, dass Du den Dreh bekommst und nicht wieder aufgibst, wenn Deine Freundin Dich evtl. auch trocken nicht zurück haben möchte, denn Du hast ja selbst schon bemerkt, wie viel besser man sich fühlt, wenn man sich das Gift nicht reinlitern muss.

    Hallo Bob,

    kaum ein Alkoholiker konnte sich auf Anhieb ein Leben ohne Alkohol vorstellen, damit bist Du nicht allein. Mir hat es geholfen, mich nicht gleich mit der Ewigkeit auseinander zu setzen, sondern erst einmal Tag für Tag, manchmal auch Stunde für Stunde, bis die Abstinenz immer alltäglicher wurde. Plötzlich wird Dir dann bewusst, dass Du Tagelang bereits überhaupt nicht an Alkohol gedacht hast. Da Du eine reale SHG besuchst, wird Dir das auch Jemand bereits geraten haben.
    Ich hoffe ja nun nicht, dass hier Jemand aufheult :D, weil Du dir alle Hilfe holst, die Du benötigst. Jedes Mittel muss einfach legitim sein, wenn es uns hilft, aus der Sucht auszusteigen, denn das ist das einzig Entscheidende.

    Euch Beiden alles Gute auf Eurem Weg und ein entspanntes Wochenende.

    Viele Grüße
    Katha

    Guten Morgen Francine,

    es waren Andere vor mir, die gesagt haben: Wie können wir immer das Gleiche tun und dabei doch ein anderes Ergebnis erwarten?! Klingt für mich nur logisch und deshalb habe ich die Notwendigkeit gesehen, meinen Ablauf im Alltag zu ändern.
    Das funktioniert auch mit Kindern und Partner.
    Mir hat es geholfen, mir erst einmal bewusst zu machen, in welchen Situationen und zu welchem Zeitpunkt ich trinken musste. An dem Punkt bist Du ja bereits.
    Um die Programme in meinem Kopf zu durchbrechen, habe ich mir genau für die Zeiten etwas vorgenommen. Hilfreich ist hier auch Verbindlichkeit, wenn wir uns nämlich z.B. dann mit Anderen verabreden oder zum Sport gehen, denn dann sinkt die Gefahr, dass wir uns allein aufs Sofa plumpsen lassen und denken: „Och nee… lieber doch nicht.“
    Kommt man wegen kleiner Kinder nicht ohne Weiteres aus dem Haus, kann man sich mit den Ablegern z.B. „verabreden“, etwas zu basteln oder zu spielen, etc.

    Ich bin zwar nicht auf der Intensivstation gelandet, aber viel hätte wohl nicht gefehlt. Ich musste mich ununterbrochen beschäftigen und so habe ich mir etwas gesucht, woran ich ständig herumbasteln konnte. Heute kann ich sagen, es war quasi eine Suchtverlagerung, aber alles war besser, als mir den Alkohol in den Kopf zu schütten und später normalisierte sich mein Verhalten. Nichts ist so tödlich als zu darauf zu warten, dass Jemand vorbei kommt und das eigene Leben repariert oder zu hoffen, dass sich das Problem von selbst erledigt, wenn man sich das nur wünscht. Nur die Entscheidung dazu müssen wir für uns selbst treffen und uns dann in Bewegung setzen.
    Angst vor einem Leben ohne Alkohol hatte ich auch, dieses „nie wieder“ türmte sich vor mir auf. So habe ich mich von Tag zu Tag gehangelt, eine Zeitspanne, die ich gut überblicken und für mich „organisieren“ und strukturieren konnte.

    Immer wieder schreiben hier Betroffene, dass sie zunächst sehr lange hier im Forum gelesen haben, bevor sie sich trauten, von sich zu erzählen. Da sind wir alle unterschiedlich und jeder darf sein eigenes Tempo finden. Wie die Anderen hier kann ich aber sagen: Es lohnt sich, die Mühen auf sich zu nehmen, um wieder ein selbstbestimmtes Leben führen zu können!

    Dir alles Gute.
    Katha

    Hallo Panem :)

    Hier wird grad nicht gerannt und das Wetter findet im Moment ohne mich statt ;-): Ich halte still, schlucke mein Antibiotikum und bin eine folgsame Patientin, damit ich mir den wichtigsten Termin nächste Woche nicht versemmle, denn dann kommt das Mieder ab :-).
    Ich hab´mir grad wieder mal eine Phase genommen, in der ich verdächtig vernünftig, bodenständig und sachlich unterwegs bin, die „Wat-mut-dat-mut“-Phase, und ich handle der Reihe nach alles ab, was so ansteht. Das ist gut.
    Ich erwarte dieses Verhalten momentan auch von allen anderen Menschen. Das ist schlecht :D.
    So halte ich mich extrem bedeckt, denn ich könnte für nichts mehr garantieren, wenn mir Jemand bspw. erzählt, dass er dringend Physiotherapie benötigt, aber nicht mal den Versuch macht, dort anzurufen, weil Irrrrrrrrgendjemand gesagt haben soll, dass es irrrrrrrrrre schwer ist, in den Praxen einen Termin zu erhalten.

    Ich lasse mich am Montag in meine Lieblingsklinik gurken und eine Woche lang herumscheuchen, bin dann ein Wochenende zu Hause und starte danach für eineinhalb Wochen in das nächste Krankenhaus. Damit sollte mein Programm abgeschlossen sein.
    Der KH-Aufenthalt diese Woche war der reinste Horror: Drei Mal täglich musste ich wie eine Löwin um die Mahlzeiten kämpfen, stundenlang auf Schmerzmittel warten und da es ein Notfall war, hatte ich außer einem Handtäschchen auch nichts bei mir. Es war ein bisschen wie campen in der Wildnis, nur überdacht. Auch da war ich geduldig und habe mich extrem zurückgehalten, jedenfalls solange, bis das liebe, sanfte Ömi, das sie in meinem Zimmer einfach zwischengeparkt hatten, drei Stunden lang auf eine Bettpfanne warten musste. In solchen Situationen wachsen mir immer noch Hörnchen und ich lehne mich erst wieder vorschriftsmäßig zurück, wenn Andere bekommen, was sie so dringend benötigen.
    Blöderweise ist es genau die Klinik, die Ende März für mich ansteht, aber glücklicherweise eine andere Abteilung. Ich bin jedenfalls gewappnet ;-).

    Meinen Plan A wie Auswanderung habe ich aus Vernunftgründen fallen gelassen, da ich noch gar nicht überblicken kann, wie viel und wie lange ich zukünftig arbeiten kann, meinen Plan B hat man mir in einem Halbsatz per SMS zerbastelt und so kam Plan C zum Tragen: Ich sah mich hier um, guckte noch mal in den Garten und sagte mir selbst: Schöner kann´s doch nirgendwo werden! :D Mir fielen auf Anhieb 97 Dinge ein, die ich hier längst mal sehen oder unternehmen wollte und es liegt nur an mir, diese endlich auch umzusetzen.
    Als weiteren Motivationsschub habe ich mich probehalber schon mal kurz hinter das Steuer meines Autos geklemmt, das da ohne Batterie seit sechs Monaten in der Landschaft steht und voller Vorfreude vor mich hingegluckst :-). Alles wird gut… bald ;-).

    Ich habe gelesen, dass Du dich versetzen lässt und Deine alten Freunde wieder treffen kannst, das hat mich total gefreut für Dich. Meine sind auf alle Kontinente verstreut, wir haben wohl auch das Wander-Gen gemeinsam :-).
    Ich find´auch gut, dass Du mit Deinen Freunden über Deine Krankheit sprichst, aber erwarte nicht zuviel Verständnis. Sucht kann man auch nicht wirklich erklären. Ich muss mir heute noch Texte anhören wie: „Ja, aber DU doch nicht, Du bist doch ganz anders!“
    Früher hat mich das gestört, heute ist es nicht mehr wichtig. Wichtig ist nur, dass ICH es weiß und dementsprechend handle. Freunde müssen auch gar nicht zwingend verstehen oder nachvollziehen können, aber sie müssen akzeptieren, dass es ist, wie es ist und welche Konsequenzen es für Dich hat, wenn Du wieder in die Schiene gerätst.
    Super dass Du bei der Stange bleibst, was das Nichtrauchen angeht. Bei mir ist das Thema auch noch nicht vom Tisch, ich habe es nur vertagt (jajaja *g*)… jedenfalls habe ich es immer im Hinterkopf. Ich muss wahrscheinlich doch die Nachteile täglich spüren, wenn ich keuchend durch die Botanik wetze, zumindest weiß ich noch genau, wie gut sich die zwei Rauchfreien Monate angefühlt haben.

    Dir wünsche ich ein puscheliges Wochenende, herzlichen Dank für Deinen Besuch.

    Liebe Grüße
    Katha

    Nabend Eni,

    es geht tatsächlich voran… also irgendwie… letzte Woche ging´s erstmal mit den Füssen voran Notfallmäßig ab ins nächste Krankenhaus :D.
    Da ich in diesem Monat noch zwei KH-Aufenthalte vor mir habe, wurde es wegen dieser Extra-Einlage mit der Planung fast schon ein bisschen eng ;-).
    Bevor mir also heute der Rest meiner Gelassenheit flöten ging, habe ich den Fluchtwagenfahrer meines Vertrauens engagiert und mich dann selbst entlassen.

    Bewegung funktioniert wieder einwandfrei, da hält mich auch das Mieder nicht mehr auf, nur erklären kann ich den Ärzten nicht, dass ist, was nicht sein dürfte oder sollte oder wie auch immer.

    Natürlich habe ich nicht gemeint, dass Du sofort losspringen sollst, um ein paar Hecken anzuzünden, aber ich wollte Dir doch Hoffnung machen, dass es Dinge gibt, die nicht einfach verloren gehen müssen.
    Wie war es für Dich auf Deiner Ranch? Konntest Du es genießen oder hat´s getriggert?
    Und wirken die Pillen mittlerweile, so dass Du wieder einigermaßen festen Boden unter den Füssen spürst und nicht mehr in den Nebel abtauchst?

    Liebe Grüße zurück
    Katha

    Hi Eni,

    Du suchst meinen Ex? xD
    Diese aufregende Mischung hat mich Jahre gekostet ;-).
    Ein Mann ist ja nun auch nicht die Antwort auf alle Fragen und die meisten Kerls würden sofort auf einem Dampfer nach Shanghai anheuern, wenn sie zuviel Bedürftigkeit spüren. Der Rest hätte Dich gern bedürftig… aber ist das Deins? ;)
    Lagerfeuer funzt übrigens auch ohne die üblichen Umdrehungen, wenn es uns gelingt, die Programme zu durchbrechen. Ähnlich wie beim Rauchen.
    Zur Sicherheit ist es aber besser, wenn man zu Anfang eine Sicherheitsleine mitschleppt, in Gestalt einen guten Freundes zum Beispiel.

    Lass´Dich nicht ärgern und pass´auf Dich auf, aber ich denke, alles ist besser, als auf dem Sofa zu verschimmeln, vor allem, wenn´s das eigene ist ;-).

    Alles Gute
    Katha

    Als Alkoholikerin sehe ich schon einen Unterschied zwischen Alkoholsucht und Co-Abhängigkeit, aber wichtig finde ich vor allem, dass wir so hinsehen können wie Du es tust, auch bei unseren eigenen Anteilen. Auch sind wir nicht alle gleich, wir haben nur jeweils einen gemeinsamen Nenner und so kann ich z.B. das, was ich nicht kenne, nicht einfach ablegen unter: „Existiert nicht“.
    Mir ist doch völlig klar, was wir uns hinbiegen müssen, um weiterhin zur Eigenliebe befähigt zu sein oder um das Gefühl des Versagens und der Wertlosigkeit nicht aufkommen zu lassen.
    Der alkoholkranke Partner entscheidet sich z.B. für den Rückzug, damit er in Ruhe weiter saufen kann. Er lässt auch Niemanden mehr an sich heran. Bei manchem Co wird dies dann verdreht zu: „Ich habe ihn verlassen, weil er sich nicht helfen lassen konnte“.

    Ich kann diese Reaktion total nachvollziehen und will ganz sicher Niemanden verletzen. Ich bin aber davon überzeugt, dass man in seiner Schiene kleben bleiben wird, wenn man sich dieses „Verlassenwerden“ nicht eingesteht. Erst wenn ich meine eigene Entscheidung getroffen habe, mit allen damit verbundenen Schmerzen, und mich für eine Trennung entschieden habe, damit es mir besser geht, wird eine Veränderung in meinem eigenen Verhalten überhaupt erst möglich sein. Anderenfalls wird mir etwas übergestülpt, eine Entscheidung abgenommen und ich muss damit klarkommen. Nicht umsonst greifen ja diese Muster und viele Menschen fragen sich nach Jahrzehnten, warum sie eigentlich immer in dieselben Pötte greifen.
    Ich bin heute davon überzeugt, dass ich nie wieder in eine co-abhängige Beziehung geraten werde, obwohl ich sonst niemals „nie“ sage ;-).
    Wenn ich grade mal völlig sachlich unterwegs bin, halte ich mich an das spanische Sprichwort, das da besagt: „Nimm´Dir, was Dir gefällt und zahle dafür, sagt Gott“.
    Dann nehme ich und klingle nicht deswegen.

    Im Übrigen bin ich heilfroh, dass die Beratung für alle Beteiligten zumindest soviel besser geworden ist als zu der Zeit, in der ich mich auf den Weg machte. Ich musste Tagelang telefonieren, um einen Platz in der Suchtklinik und auch in einer SHG zu finden.

    Hallo Kalliopi,

    Deine Reaktion auf meinen Kommentar hat mich übrigens sehr gefreut. Du hast es nicht als persönlichen Angriff gesehen und so war es auch keinesfalls gemeint.
    Manchmal finde ich es einfach nur wichtig, auch auf eine andere Sichtweise aufmerksam zu machen, von der ich vermute, dass sie Nicht-Betroffenen gar nicht in den Sinn kommen kann, weil sie in einem anderen Paar Stiefel stecken.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Sunshine,

    mit diesem Kommentar sprichst Du mir aus der Seele.
    Dieses ewige Täter-Opfer-Lamento hing mir schon oft zum Hals heraus.
    Der Alkoholiker, der als Feigling lügt, manipuliert, „Spielchen spielt“, betrügt und hintergeht und auf der anderen Seite das arme Co-Lämmchen, das soviel zu ertragen hat.
    Vom Alkoholiker wird erwartet und verlangt, dass er sofort jeden Konsum einstellt und bei Rückfällen gibt es vom bunten Teller, während der/die/das Co sich 20 Jahre zugesteht für die notwendigen Veränderungen an der eigenen Person.
    Ich schreibe das jetzt mal so hart, weil ich mir beide Schuhe anziehen konnte und beides Quatsch ist.
    Wenn ich als nasser Alkoholiker endlich (weil mir der Stoff die Birne aufgeweicht hat) sehen kann, dass ich ein fettes Problem habe, kann ich meinen Mors bewegen und mir Hilfe holen. Der Weg in ein abstinentes Leben ist wahrlich kein Zuckerschlecken, aber machbar.
    Wenn ich als Partner/in eine Heidenangst davor habe, meine/n nasse/n Partner/in auf das Problem überhaupt nur anzusprechen und alles ertrage, nur weil ich Angst vor dem Alleinsein oder finanziellen Verlusten habe, sollten bei mir alle Alarmglocken anspringen und ich kann mir ebenfalls Hilfe holen.
    Ist mein Helfersyndrom so dermaßen ausgeprägt, dass ich fast draufgehe bei dem Versuch, dem Anderen zu helfen, weil der ja soviel wichtiger ist als ich – ich also eine echte Co-Abhängigkeit entwickelt habe (ich bin ja nicht zwangsläufig co-abhängig, nur weil mein Partner zufällig säuft) – dann sollte ich rennen, um mir Unterstützung zu holen.
    Mir wird manchmal mulmig bei dem Gedanken an die scheinbar zunehmende Beziehungsabhängigkeit überall und ich glaube fast, wir fallen in unserer Entwicklung zurück.
    Generell denke ich auch, es wird langsam Zeit, dass völlig gängige menschliche Verhaltensweisen nicht länger der einen oder anderen (Sucht-)Krankheit zugeschrieben werden.
    Eine gegenseitige Unterstützung wird jedenfalls nur möglich sein, wenn die Voreingenommenheit über Bord geschmissen werden kann.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo alk_örgs,

    obwohl ich beim Lesen Deines letzten Kommentars im Rückfall-Thread schmunzeln musste, weil ich sofort überlegt habe, ob ich mir jetzt nicht doch zum Zeichen meiner bürgerlichen Existenz ein Stück Zaun zum Anpinseln heranschleppen müsste, gingen mir Deine Worte nicht aus dem Kopf, während mich der Wind den Hügel hinauf geweht hat.

    Ich hätte massenweise Fragen an Dich, die lächerlicherweise alle irgendwie mit „Ja, hast Du denn nie…?“ und „Wie hast Du… und wenn ja, wie lange? etc. beginnen und ihren Abschluss finden würden in der Frage, ob Du eventuell generell Zweifel am Sinn und Zweck der menschlichen Existenz hegst. Vielleicht gibt´s ja auch einfach keinen.
    Ich müsste diese Fragen auch in dem Bewusstsein stellen, dass Du sie Dir vermutlich bereits –zigfach selbst vorgelegt hast und ich Dich damit nur hoffnungslos langweilen kann.
    Wenn ich mir manchmal Menschen begucke, die ein eifrig verfolgtes Ziel endlich erreicht haben und nun darauf warte, dass sie erschöpft aber vollauf zufrieden hinplumpsen, war´s wieder nix. Niemals genug und sie sind dazu verdammt, sich in den nächsten Kampf zu stürzen.
    Vielleicht sind unsere Erwartungen an das Leben an sich auch komplett überzogen. Vielleicht werden wir einfach nur hineingeschmissen und müssen die Zeit irgendwie ausfüllen. Eventuell haben viele Menschen das Gefühl der Unzufriedenheit, weil andere ihnen etwas vorgaukeln über Jobs, Beziehungen, Reisen, Hobbys, soziale Zugehörigkeit, etc.
    Was ich bisher gesehen habe, will ich nicht oder nicht mehr ;-).
    Vielleicht haben mir 6 Monate erzwungene Starre die Rübe weichgeklopft, aber nach Deinem Kommentar habe ich mich gefragt: Hey Jule, was wünschst Du dir denn für Dich?“ Die Antwort war eindeutig: Ich will mir das Korsett herunter reißen an einem Frühlingstag auf meiner Bank am See und dann werde ich murmeln: Die Sonne scheint mir auf den Bauch – das soll sie auch!“ Für alles Weitere ist danach noch genügend Zeit.
    Was wünschst Du dir für Dich? Und wieso habe ich das Gefühl, Du glaubst, Du könntest Deine Wünsche niemals längerfristig umsetzen? Und ist das überhaupt notwendig? Das einzig Beständige ist doch der Wechsel.

    Wieso halten denn so viele Menschen Unbeständigkeit für einen Webfehler?
    „Bis dass der Tod uns scheidet“ ist verfasst worden für Menschen mit einer Lebenserwartung von ca. 25 Jahren. Die haben damals nicht einmal geahnt, dass diese Formulierung uns heute locker mal 40 Jahre kosten könnte. Wie viele Hobbys benötigen wir denn, um es 40 Jahre mit demselben Menschen auszuhalten?
    Und gibt es ein Gesetz dafür, wie lange ich mich mit ein und demselben Hobby beschäftigen muss? Wenn mich meine Malerei nicht mehr interessiert und ich ihr nichts mehr abgewinnen kann, wäre es doch idiotisch und auch qualvoll, mich noch länger damit herumzuschlagen.
    Geht es letztendlich nicht nur darum, zu unterscheiden?
    Wenn ich also heirate und Kinder in die Welt setze und mir dann – weil´s langsam nicht mehr soviel zu tun gibt, die Kinder selbstständig sind und auch die Partnerschaft schon ziemlich abgewetzt ist – ein neues Auto anschaffe und dann ein neues Hobby, danach einen Hund zulege und mich zuletzt mit Auswanderungsplänen (zusammen mit dem Partner) trage, sollte ich vielleicht eher die Beziehung beenden.
    Habe ich aber keine Lust mehr, zu fotografieren, kann ich doch stattdessen fortan bedenkenlos Fische anstarren, bis sie anfangen, zurückzustarren, und mir dann eine neue Beschäftigung suchen. Ich halte dieses Bedürfnis nach Abwechslung nicht mehr zwingend für einen Charakterfehler.
    Mir ist es ja nicht gleichgültig, wie ich mit Menschen umgehe, aber haben nicht eher die anderen Menschen ihre Schwierigkeiten, mit dem Oxymorönchen umzugehen, als das Oxymorönchen selbst?

    Dir einen sonnigen Tag ;)

    Herzliche Grüße
    Katha

    PS: Wenn man anfängt, die Hunde mit grünem Pansen zu füttern, werden sich die Ableger sehr schnell darum reißen, eine Dose Hundefutter öffnen zu dürfen, um Schlimmerem zu entgehen ;)

    Hallo Maggy,

    so wie Du Eure Situation schilderst, klingt es ja wie einer der Klassiker:
    „Ich kenne den Weg. Es gibt nur einen, nämlich meinen!
    Läuft etwas anders, als ich es mir gewünscht oder vorgestellt habe, komme ich mit der Enttäuschung oder Wut über die veränderten Umstände nicht klar und muss mich betrinken, da ich keine Kontrolle mehr über das Geschehen habe.
    Und ich benötige natürlich einen Partner, der sich unterordnet, denn sonst laufe ich aus dem Ruder. Betrunken oder auch nicht, denn leider habe ich noch nicht akzeptieren können, dass kein Mensch die Kontrolle über alles und jeden haben kann, auch wenn ich sie benötige, um mich sicher zu fühlen“.
    Der Alkohol ist das Symptom. Abstinenz würde aber die Ursache für mein Verhalten nicht ändern und ich müsste mich dann schon mit meinem Kontrollzwang auseinandersetzen, um tatsächlich etwas an mir zu verändern.
    Vermutlich ist es deshalb letztendlich nicht so entscheidend, wie viele Gläser Wein es am Ende der Woche dann geworden sind, aber für Veränderungen am eigenen Verhalten benötigt man zwingend einen klaren Kopf und das bedeutet 0 Promille.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Kalliopi,

    wichtig ist, denke ich, dass ein Co-Abhängiger mit Vertrauten über die belastende Alkoholkrankheit des Partners sprechen kann, schon aus dem Grund, dass er sich dann nicht weiterhin alles schönreden kann. Für besonders wichtig halte ich es aber auch, dass dem Alkoholiker selbst überlassen bleibt, wie er mit seiner Krankheit umgeht und wem gegenüber er sich öffnet. Die Clubs der Anonymen Alkoholiker existieren ja nicht ohne Grund.
    Als Alkoholikerin und ehemalige Co-Abhängige würde ich persönlich niemals einen Alkoholiker „outen“ – weder bei Freunden noch innerhalb der Verwandtschaft - denn damit würde ich seine Privatsphäre verletzen.

    Dies gilt für mich aber nicht nur für Suchtkrankheiten. Ich hatte in der Vergangenheit eine besonders redselige Bekannte, die intime Details aus ihrer Partnerschaft wahllos unter das Volk schleuderte. Da saßen wir dann mit einem Dutzend Leuten an einem Grillfeuer und jeder Einzelne wusste über die Probleme ihres Partners Bescheid, nur der arme Kerl ahnte nicht einmal ansatzweise, dass sie mit allem hausieren ging. Ich habe mich so unwohl gefühlt mit diesem Wissen, dass ich mich dort distanzieren musste.

    Jeder trockene Alkoholiker hat seine eigene Entscheidung getroffen, indem er nicht mehr trinkt. Anderen gegenüber muss er diese Entscheidung nur für sich selbst vertreten und sich überlegen, ob er sich nun herausreden will, zu seiner Krankheit steht oder es bei einem einfachen: „Ich trinke keinen Alkohol“ belässt.
    Ich würde mir wünschen, dass Co´s ebenfalls zu der von ihnen getroffenen Entscheidung stehen könnten, ohne nun den alkoholkranken Partner als Grund anzuführen. Ohne Gefasel dieses Statement abzuliefern, ist wohl für beide Seiten gleich schwierig, aber man kann auch das lernen, indem man kräftig übt ;-).

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Mäuki

    Genau das meinte ich: Was ist schon normal?!
    Für mich nur ein Mengenverhältnis.
    Für Jeden, der genau hinguckt und nicht verdrängt, sieht die Wirklichkeit so aus wie für Dich.
    Jeder Mensch lügt, jeder Mensch ist auf seinen Vorteil bedacht – der eine mehr, der andere weniger. So wie die Generationen vor uns, leben die meisten von uns ihre Fassade. Die sieht heutzutage nur anders aus ;-).
    Manchmal denke ich: Schmeißt die blöden Selbsthilfebücher auf den Müll und die Glotze gleich hinterher und fangt an zu leben, umgebt Euch mit echten Menschen!
    Die findest Du um die Ecke und nicht aufpoliert und zurechtgestutzt in irgendwelchen Filmen oder Soap´s. Wenn Du zuhören kannst ohne heimliche Schadenfreude, dann werden andere Frauen auch keine Konkurrenz mehr sein, sondern Vertraute, die Dich bereichern.

    Was nutzt es mir, wenn ich meine Macke einkreisen und definieren kann – das hilft mir so wenig wie der Versuch, die vielzitierte Drehtür zuzuschmeißen.
    Im Umgang mit Anderen kann ich aber näher heranrücken, mich ausprobieren und die sagen mir dann schon, wo die Grenzen sind. Eine soziale Gemeinschaft erzieht sich gegenseitig, auch im Erwachsenenalter noch.
    Wer oder wie Du bist, kannst Du herausfinden.
    Was Du dir wünschst, ebenfalls.
    Wie Du sein solltest oder darfst?
    Mäuki, Du darfst alles sein. Vor allem zornig, nach allem, was Du erleben musstest.
    Wichtig war für mich nur, dass ich den Zorn dorthin packe, wo er hingehört und nicht wahllos um mich schlage, Menschen damit treffe, die es nicht im Mindesten betrifft.
    Wenn´s zuviel wird, renne ich solange durch die Botanik, bis mir der Wind den Kopf wieder frei gepustet hat (wenn ihn mir ein guter Freund bis dahin nicht längst gewaschen hat ;-)).

    Nicht für jede völlig normale Klatsche, die mir das Leben verabreicht, muss ich mich gleich in Therapie begeben, aber Dir wünsche ich, dass Dir Jemand helfen kann, Deinen Zorn anzunehmen und rauszulassen, damit auch wieder Platz ist für Neues, sonst richtet sich der Zorn innerlich weiterhin nur gegen Dich selbst und Du kannst Dich aus der Depression nicht befreien. Völlig normal, dass Du erschöpft bist, denn es kostet Mordsenergie, sich selbst auf Sparflamme zu halten. Starre statt Lebendigkeit, das klingt furchtbar, aber es gibt Wege heraus.
    Ich drücke Dir die Daumen, dass Du schnellstmöglich diese Therapie beginnen kannst.

    Herzliche Grüße
    Katha

    Hallo MB,

    es gibt den Punkt, an dem einem Alkoholiker alles andere gleichgültig wird: Dann will er nur noch eines, nämlich trinken! Er muss dann seinen Spiegel halten, sich ins Koma saufen oder nach einer Zeit der Abstinenz wieder zuschlagen.
    Alle sonstigen Kapriolen sind meiner Meinung nach Baustellen mit eigenem Ursprung:
    Die Frauen und Männer, die auf ihren Tourneen wirklich alles angraben, weil ihr Selbstbewusstsein komplett im Keller ist, sie in ihren Beziehungen total unzufrieden sind und/oder sich tödlich langweilen, aber nicht den Mumm haben, sich zu trennen.
    Die Leute, die vor Kumpels oder Freundinnen nicht zurückstehen wollen, wenn ordentlich abgefeiert wird und natürlich die Männer, die einfach gern zu Professionellen gehen. Spannend, irgendwie anrüchig und man(n) bekommt, was man(n) bestellt hat.
    Manch einer traut sich da halt auch nur angesoffen hin…
    Btw: Ich kann Deinen Zorn verstehen, aber die Mädels machen auch nur ihren Job und haben ihn ja nicht mit vorgehaltener Knarre gezwungen. Kein Grund also, sie als „Schlampen“ zu titulieren.

    Ob er nun Alkoholiker ist oder nicht – Alkohol“problem“ klingt ja geradezu niedlich angesichts der Eskapaden – kann nur er selbst herausfinden, indem er erst einmal versucht, abstinent zu leben und sich beguckt, was es mit ihm macht.
    Manches habe ich nicht nachvollziehen können in Deiner Erzählung. „Fremdgehen“ bedeutet ja nicht zwangsläufig, dass schon der Gedanke daran allein reicht, aber das kannst Du nur selbst beurteilen.
    Wenn Ihr jetzt sieben Jahre zusammen seid, seit 3 Jahren bereits verheiratet, er Dich seit drei bis fünf Jahren ..hm.. hintergangen? hat, welchen Mann willst Du denn dann zurück haben?
    Alkoholismus (Sucht im allgemeinen) ist mit anderen Krankheiten nicht vergleichbar, da muss der Betroffene schon allein aus dem Quark kommen und sich dann Unterstützung holen bei Gruppen oder Einrichtungen, die etwas von der Thematik verstehen.

    Ich habe Ähnliches erlebt, nur mit einer anderen Droge, und kann für mich persönlich sagen, dass ich mich trennen musste, da das Vertrauen komplett im Eimer war. Ich hätte ihm und mir auch bei einem Neustart das Leben nur zur Hölle gemacht mit meinem zwangsweise übergestülpten Misstrauen, nicht, weil ich so eine Furie bin, sondern weil mich zukünftig das Misstrauen bei jeder Verspätung oder Geschäftsreise wieder eingeholt hätte.
    Die Entscheidung darüber muss halt Jeder für sich selbst treffen.

    Dir alles Gute.

    Viele Grüße
    Katha

    PS: Ich sehe gerade, dass Sunshine Dir bereits geantwortet hat, ich schick´s jetzt trotzdem ab ;)

    Hallo Tian,

    freut mich sehr, dass Du dich meldest und vor allem, dass es Dir weiterhin so gut geht.
    Ich finde es auch sehr spannend, sich selbst zu betrachten ohne die üblichen Nebel, die die Sicht verschleierten.
    Groll & Zorn haben sich bei mir umgewandelt in die Überzeugung, dass ich heute genau weiß, was gut für mich ist und was nicht. Was zum Leben gehört, kann ich annehmen, alles Unnötige in die Tonne treten ;-). Deshalb möchte ich ein bisschen Ego aus den letzten Monaten mitnehmen, damit ich gut für mich sorgen kann und meine eigenen Bedürfnisse nicht wieder nur an letzter Stelle stehen, sobald ich mobiler bin.

    Dein letzter Satz hat mich berührt, auf diesen Gedanken war ich selbst noch nie gekommen. Wenn sich zu der reinen Nüchternheit dann noch Zufriedenheit gesellen kann, ist es perfekt :-).

    Dir weiterhin alle Gute auf Deinem Weg.

    Herzliche Grüße
    Katha

    Hallo Fuego,

    Ihr habt ja wirklich eine schlimme Zeit hinter Euch und ich freue mich für Dich, dass Du dich stetig aus Deiner Situation herausarbeiten kannst.
    Wie Andi halte auch ich es für absolut verantwortungslos, nassen Alkoholikern vorzugaukeln, es bestünde die Möglichkeit, wieder zum Genusstrinker zu werden. Ich ziehe es jedoch vor, mich mit dem Thema auseinander zu setzen, weil es genau der Knackpunkt ist, der den Alkoholiker u.U. Jahrelang in seiner Sucht verharren lässt bei seinen diversen Versuchen, dieses Ziel zu erreichen.
    Ich persönlich habe in 30 Jahren jedenfalls niemanden erlebt, dem dies gelungen wäre. Wer an dem Punkt angelangt ist, dass er abhängig trinken muss, für den gilt Abstinenz, wenn er seine Krankheit stoppen will.

    Nun ist Deine Schwiegermutter aber anscheinend eine Art „Gallionsfigur“ für Deinen Mann und ich möchte wetten, dass bei dem einen oder anderen Leser ein „aha-geht-also-doch“-Effekt einsetzte.
    Eines muss aber ganz klar sein: Entweder hat Deine Schwiegermutter „nur“ schweren Alkoholmissbrauch betrieben und musste noch nicht abhängig trinken oder sie hat sich die nötigen Portionen heimlich zugeführt, so dass sie in Gegenwart Anderer ein scheinbar ganz normales Trinkverhalten an den Tag legen konnte, eine leichte Übung für Alkoholiker. Eine letzte Möglichkeit sehe ich darin, ungeheure Energien einzusetzen um die Begegnungen ohne Alkohol zu überstehen (falls Ihr nicht zusammen gelebt habt) und sich gleich am Anschluss daran den benötigten Stoff zuzuführen. Diese Energien fehlen natürlich dann fatalerweise für das Nötigste im Leben.

    Nun soll es aber hier um Dich und Deine Situation gehen. Vielleicht hilft es Dir, wenn ich Dir als Alkoholikerin meinen Eindruck schildere: Dein Mann legt das klassische „Wasch mich, aber mach´mich nicht nass!“-Verhalten an den Tag. Er will nicht mit dem Trinken aufhören, sondern nur reduzieren. Eine Therapie kommt schon mal gar nicht in Frage. Möglichst ohne Anstrengung und ohne dass er seine Krankheit vor Anderen offenlegen muss, möchte er einfach mal so ein neues Leben beginnen. Du sollst ihn weiterhin durchs Leben schleppen und wenn das so 24/7 nicht möglich ist, weil Du bereits am Anschlag bist, dann wenigstens soviel, wie bei Dir gerade noch geht.
    Du bist bereits an dem Punkt, wo Du ihn nur noch unterstützt, wenn es um seine kaputten Knochen geht, nicht aber, weil er brach liegt, weil er getrunken hat.

    Wenn Du dieses Vorhaben umsetzen kannst, bist Du auf einem guten Weg.
    Nun willst Du ihn aber unterstützen bei dem Versuch, seinen Willen durchzusetzen, sein Ziel zu erreichen, nämlich Genusstrinker zu werden.
    Dieses Ziel aber wird er nie erreichen können, wenn er bereits abhängig trinken muss.
    Ich kann mir vorstellen, dass Du Hoffnung geschöpft hast, weil er ja offensichtlich seinen Alkoholkonsum reduzieren konnte. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass man hierfür ungeheure Energien verschleudert und über kurz oder lang an den Punkt kommt, an dem man wieder hoffnungslos über die Stränge schlägt, weil die Sucht geballt zuschlägt, da man sich zu lange selbst kasteit und kontrolliert hat.
    Wenn wir dieses Muster erst einmal erkannt haben, erkennen wir auch die Sinnlosigkeit all dieser Bemühungen und können unsere Energien dafür einsetzen, ein abstinentes Leben zu führen. Vorher wird das nix und all Deine Unterstützung bei seinem diesbezüglichen Vorhaben wird sein Leiden nur verlängern und Ihr werdet Eure verbliebenen Kräfte völlig umsonst eingesetzt haben und u.U. Jahre vergeuden.

    Ich denke wirklich, dass Du auf einem guten Weg bist, nur ist es für einen Nichtsüchtigen sehr schwierig, Sucht nachzuvollziehen. Die vermeintliche Hilfe und Unterstützung des Süchtigen ist deshalb oft kontraproduktiv und der Partner erreicht damit nur das Gegenteil.

    Alles Gute für Euch.
    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Hartmut,

    finde ich ja interessant, dass Du sagst, die helfende Hand wolltest Du damals nicht.
    „Ich kannte mich ja aus in meiner Welt“ – das konnte ich nachvollziehen.
    Ich passte nicht in meine, so seltsam wie das klingen mag und so bin ich immer hin und her gehüpft.
    Ich erinnere mich noch gut, wie ich als Jugendliche immer gehadert habe: Auf der einen Seite die Intellektuellenbande, bei denen Bücher, Theaterstücke, Gedichte, Politik, Emanzipation, Menschenrecht- und Umweltorganisationen Thema waren. Die strickten Inka-Mützen und tranken Tee und hatten genügend Input für meinen Kopf. Gelacht wurde so gut wie nie, war ja alles so tierisch ernst. Auf der anderen Seite die Mädels, die nur auf Partys herumgeschwirrt sind, nichts ernst nahmen und eine Menge Spaß hatten. Mit ihnen habe ich gut gelacht, wenn wir nachts ausgebüxt sind, aber die Themen drehten sich nur um Kerls und Klamotten und das ließ mich dann geistig fast verhungern. Was für ein Elend, wenn man 17 ist :D.

    Einen Sportverein für weniger Begüterte halte ich ja für eine tolle Sache und auch die Art und Weise, mit dem Thema umzugehen, so wie Du es schilderst. Warum sollten Kinder darunter leiden müssen, wenn die Eltern die Kohle verbraten?
    Ich spende ja nie an irgendwelche Organisationen, sondern regle das privat. Bei meinen Kindern habe ich glücklicherweise erreichen können, dass sie beide überhaupt keine Markenklamotten-Fetis sind, aber wenn z.B. der pubertierende Sohn einer Bekannten mit weißen Mädchensandalen herumlaufen muss, weil gerade nichts anderes verfügbar war, sehe ich da eine Grenze und kaufe ihm Schuhe. Eher so halt.

    Du bist wahrscheinlich immer ehrgeizig gewesen und hast Deine Ziele verfolgt. Ich nehme jetzt die Sauferei mal aus, denn um aufzuhören muss man ja erst einmal begreifen, dass man überhaupt ein Problem hat. Ich denke auch, dass Jeder vieles schaffen kann, aber dafür muss man wissen, welche Ziele man hat. Manchmal habe ich den Eindruck, dass ganz viele Menschen herumeimern, die gar nicht so genau wissen, wo sie hinwollen und deshalb auch nicht die Energie bündeln können, um sich auf den Weg zu machen.

    Danke, Hartmut.

    Herzliche Grüße
    Katha

    Huhu Andreas :)

    Schwede, warum schreibst Du denn momentan im Allgemeinen sowenig? Deine Kommentare haben immer eine so beruhigende Wirkung, das kann ja nun wirklich Jeder gebrauchen :-).

    Das böse Mieder, ja ;-). Immer wenn ich richtig auf das Teil schimpfen möchte, fällt mir ein, dass es mich zusammen hielt, damit mir noch mehr Rückgrat wachsen kann und dann hab ich es wieder lieb :-).
    So richtig Luft holen ist nicht drin, das macht sich vor allem bergauf bemerkbar, und so war ich dann doch erstaunt, als der Physiotherapeut mir als erstes zeigte, wie man aus dem Bauch heraus atmet. Bei vier Klettverschlüssen habe ich diese Technik dann auf den Frühling verschoben.

    Ich danke Dir ganz herzlich für den netten Wunsch mit dem Schaumbad. Es ist ja nicht so, dass ich total scharf drauf bin, Schaummützen zu basteln und meine Wasserpistole zu zücken *hüstel*, sondern ich würde so gern einfach mal nur richtig durchgewärmt werden, ohne dass ich dafür wie eine Bekloppte den Hügel hinauf rennen muss. Immer ist alles kalt, die Nackenmuskeln steinhart, die Füße Eisklötze, weil ich soviel sitzen muss. Ich bin kurz davor mir die Bude auf 30°C zu heizen, einmal nur. Noch nie habe ich mich so auf den Sommer gefreut, egal wann er dieses Jahr stattfindet.
    Jetzt schreibe ich zurzeit wieder so unegal, falle kurz ein, bin wieder weg, aber das Wichtigste ist jetzt tatsächlich, stetig dran zu bleiben an dem, was ich noch erledigen muss, damit ich mich nicht verzettle. Vieles muss ich Wochen vorher organisieren, ob es um Anträge geht, Ausweise oder ähnliches und oft passiert es halt, dass drei neue Anforderungen entstehen aus einer Sache, die ich angeleiert habe. Dafür braucht es halt Geduld und Selbstdisziplin.

    Ich bin jedenfalls ganz allgemein sehr froh darüber, dass ich mir die Struktur erhalten konnte, obwohl ich schon so lange allein festsitze. Ich habe einen Feierabend und auch ein Wochenende. Komme ich morgens mal nicht zu meiner gewünschten Zeit aus dem Nest gekrochen, krabble ich am Abend mit Wecker hinein.
    Das ist natürlich bei jedem Menschen unterschiedlich, aber dieser Rahmen gibt mir Halt, lässt mich total gut schlafen und morgens gern wieder aufstehen, auch wenn´s komplett öde klingt :-). Ich wäre hier sonst versumpft und sicher nicht überwiegend so gut durch diese Zeit gekommen.

    Dir/Euch wünsche ich einen total puscheligen Abend.

    Liebe Grüße
    Katha

    Hallo Sunshine,

    hast Du für Dich auch schon feststellen können, dass sich die Zeiten definitiv geändert haben, soweit es die virtuelle Welt betrifft?
    Das Thema hatte ich mit Garcia schon einmal am Wickel.
    Die Wenigsten scheinen sich im Netz noch zu irgendetwas verpflichtet zu fühlen, unterschiedliche Foren wurden geradezu überschwemmt von Menschen, die mit einer Ansammlung von Nicks überall einfallen.
    Die Anonymität bewirkt wohl, dass sich eine unglaubliche Oberflächlichkeit breitmachen konnte und man klickt einfach weg, was nicht gefällt.
    Der offene Bereich hier erinnert mich ein bisschen an eine Selbsthilfegruppe, die einer Klinik angegliedert war. Da waren viele Menschen, die den Gruppenbesuch als Maßnahme aufgedrückt bekommen hatten, um ihren Führerschein zurück zu bekommen, andere hatten gerade einen zweiwöchigen Entzug hinter sich. Die Rückfallquote war unglaublich hoch und nicht Jeder konnte damit gut umgehen.
    Andere Gruppen hingegen bestanden aus Mitgliedern, die im Laufe der Zeit zusammen gewachsen waren und vermittelten dann auch das Gefühl von einem geschützten Rahmen.
    Ich denke, wir müssen den offenen Bereich, d.h. die Menschen darin, so nehmen, wie er ist. Ich freue mich jedenfalls auch, dass er erhalten bleibt.

    Jedenfalls finde ich es gut, dass Du so um die Co´s bemüht bist, um ihnen auch die andere Seite aufzuzeigen. Deine Kommentare werden immer einfühlsamer und verständnisvoller ;-).

    Liebe Grüße zurück und Dir noch einen schönen Abend
    Katha

    Liebe Thalia,

    wie immer habe ich mich höllisch gefreut, dass Du mich besuchen kommst.
    Tiefenentspannt war am Samstag bereits wieder Geschichte und ich habe herumgestanden wie Falschgeld, irgendwie planlos, unzufrieden, unruhig.
    Vor allem die Unruhe ist mordsgefährlich für mich und so habe ich mich selbst an die ganz kurze Leine gelegt und mir zugehört ;-).

    Einer der bunten Bälle kam mit den Ausmaßen einer Abrissbirne zurück und machte die Arbeit von drei Tagen zunichte. Nach drei Telefonaten und einem ausführlichen Schreiben hatten die Verwaltungsnasen der neuen Klinik immer noch nicht verstanden, was ich beantragt hatte und wenn ich nicht alles doppelt und dreifach kontrollieren würde, hätten sie mich jetzt glatt vier Wochen verhaftet und in eine Reha-Maßnahme gestopft.
    Nach weiteren 27 Telefonaten mit den üblichen Verdächtigen habe ich den Termin storniert und bin in meiner alten Klinik zu Kreuze gekrochen (nur ein bisschen, ich hab´ja „Rücken“ *g*), damit ich doch dort das Mieder abtrainieren kann. Mein ursprünglicher Termin Mitte März war noch nicht vergeben und so bin ich nach all den Kapriolen wieder auf Los gelandet. Ist also nix mit Miederfrei Anfang März, aber mit Pech hätte ich jetzt noch Wochen länger warten können.

    Das war es aber nicht, was mich so unruhig machte und ich musste weiter forschen.
    TV gucken, lesen, stricken, etc. machte plötzlich keinen Spaß mehr, essen auch nicht.
    Damit konnte ich umgehen, aber ich bemerkte auch, dass ich mich nach draußen schleppen musste, während ich mich doch sonst immer total freue, durch die Botanik zu hopsen und es mir ein echtes Bedürfnis ist. Gut, ich hatte mich auch Tagelang über Eis gequält, eingepackt wie ein Michelin-Männchen, und trotzdem gefroren.

    Nach kurzer Diskussion mit mir selbst konnte ich eine Art Lagerkoller diagnostizieren. Es wird jetzt langsam Zeit, dass ich wieder mobiler werde.
    Und während ich mir noch entsprechende Maßnahmen überlege, um die Lunte zu löschen, passiert, was immer passiert, wenn es britzelt: Eines meiner Kinder taucht unversehens aus der Versenkung auf. Mein Sohn ist beruflich für einen Tag in einer nahegelegenen Stadt und möchte abends mit mir essen gehen. Ich habe also ein Date mit dem bestaussehenden Mann der westlichen Hemisphäre :-). Ich habe ihn fast drei Jahre nicht gesehen und freue mich wie verrückt darauf.

    Die Unruhe war vorbei und ich bin wieder schneller gerannt, um meine to-do-Listen abzuarbeiten. Gerade jetzt auf dem letzten Meter muss ich einfach besonders darauf achten, am Ball zu bleiben, weil es doch eine lange Zeit war und ich wieder raus muss und unter Menschen.

    Meine Haarfarbe :D. Das Höflichste darüber war die Bemerkung, dass ich „halt ein Rotschopf sei“. Mittlerweile hat sie sich an meine Naturhaarfarbe angeglichen und ich kann mich um andere Baustellen kümmern, die wichtiger sind ;-).
    Den buddhistischen Pullover habe ich zu Grabe getragen, weil er erwartungsgemäß furchtbar kratzte auf der Haut und so pinsele ich lieber einen Kandinsky auf meinen Schrank, da sich mein Aktionsradius endlich vergrößert hat.
    Mir geht´s wieder soviel besser jetzt, aber es ist manchmal gut zu merken, dass mir der Teufel immer mal wieder an der Jacke zupft. Soviel nur von mir... aber es musste raus.

    Alles Liebe
    Katha