Beiträge von Katharsis

    Hallo PB,

    Dein Freund hat anscheinend aber auch gesagt, dass er nicht weiß, ob Abstinenz für ihn das Richtige ist, ob es das ist, was er wirklich will. Er hat seinen Rückfall geplant. Das war wohl das Ehrlichste, was ein Suchtkranker Mensch überhaupt sagen kann.
    Er hat sich Ziele gesetzt, kam mit Deiner Familie wieder gut aus, weil er sich entsprechend verhalten konnte, hat seinen Führerschein gemacht, seinen Job gewechselt…und als alles lief, holte ihn etwas wieder ein. Vielleicht eine Leere im Inneren, ich weiß es nicht.

    Ich bin damals in erster Linie für meine Kinder und meinen Partner trocken geworden. Nach 6,5 Jahren hatte ich einen Rückfall – die Kinder waren inzwischen erwachsen und nicht mehr auf mich angewiesen, mein Freund gestorben.
    Ich habe nur den Stoff weggelassen, innerlich hatte sich nicht viel verändert, obwohl ich jede Woche eine SHG besucht habe. Mit so einem Menschen kann man keine Zukunft planen, schon gar nicht, wenn man eine eigene Familie aufbauen möchte.
    Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, aber nur der Süchtige selbst weiß für sich, ob und wann er den Punkt erreicht hat, an dem er aus tiefer innerer Überzeugung nicht mehr trinken will.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Sunflower,

    Du hast ein Mittel: Dein Leben so einzurichten, dass es lebenswert ist. Für Dich!
    Außer für unsere Kinder und pflegebedürftige Angehörige können wir für andere Menschen keine Verantwortung übernehmen.
    Ich verstehe Dein Dilemma. Wenn hier ein Co-Abhängiger – meist sind es ja Frauen – von allen Seiten gesagt bekommt, dass nur eine Trennung in Frage kommt, möchte ich am liebsten manchmal ausrufen: Mönsch, habt Ihr denn noch nie geliebt?! ;-).
    Wer nicht beziehungsabhängig ist, liebt in der Regel (es sei denn, er hakelt nur um Besitztümer).
    Wer liebt, möchte helfen und unterstützen, das ist doch nur natürlich, vor allem weil Alkoholismus eine anerkannte Krankheit ist.
    Es scheint geradezu pervers, dass man einem Kranken! den Schuh in den Nacken stellen und ihn quasi „im Stich“ lassen soll, wenn der jetzt doch am meisten Hilfe benötigt.
    Die meisten Co´s vergessen nur eines dabei: Hier und in anderen Selbsthilfegruppen sind Alkoholiker, die ihre Entscheidung bereits für sich getroffen und zumindest die ersten Schritte gegangen sind auf ihrem Weg. Das ist nicht vergleichbar mit den unzähligen Menschen mit Alkoholproblem auf der ganzen Welt, die noch trinken und häufig auch selbst sehr darunter leiden.

    Sunshine hat es treffend beschrieben: Wir werden niemals auf Dauer – und vor allem zufrieden - für Andere trocken werden können.
    Suchtkrankheiten sind die einzigen Krankheiten, bei denen man den Partner nur unterstützen kann, wenn er bereits selbst etwas für sich tut. Von sich aus! Andere Suchtabhängige werden die Einzigen sein, die diese Sucht auch tatsächlich verstehen können, alles andere ist nur graue Theorie.
    Das Fatale an der Sucht ist, dass sie Partner und Angehörige mit in den Abgrund reißt und sie selbst psychisch erkranken, da Niemand dieses Wechselbad aus Hoffnung, Enttäuschung, Verzweiflung, Wut und Angst auf Dauer unbeschadet überstehen kann.
    So herzlos wie manches also klingt, Niemand hier möchte, dass Andere das durchmachen müssen, was man selbst hinter sich gebracht hat.

    Die Veranstaltung, die Ihr besucht habt, die war sicherlich etwas Besonderes. Dir wird sie in Erinnerung bleiben als große Enttäuschung, weil Dein Partner das Bier herangeschleppt hat nach den guten Gesprächen und der vermeintlichen Einsicht. So wird es Dir vermutlich bald täglich gehen, solange, bis von Dir selbst nichts mehr übrig ist als Misstrauen, Bitterkeit und negative Erwartungshaltung.

    Deine Verzweiflung verstehe ich, aber so wie er musst auch Du dir die Frage stellen, wie Dein Leben aussehen soll.

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Sunflower,

    nun leb´ich abstinent und seh´trotzdem alles doppelt ;-). Reicht völlig, wenn Du dich auf einen Thread beschränkst, weil der von allen Mitgliedern gelesen werden kann.

    Warum schleichst Du denn so um ihn herum als wäre er ein gefährliches Tier? Du hast doch alles Recht der Welt ihm zu sagen, dass Du diesen Zustand nicht ertragen kannst und willst, gleichgültig, wo Ihr euch gerade befindet.
    Alles Reden hat nichts genutzt und Du kannst ihm keine Forderungen stellen, weil es nichts bringen wird. Auf Druck von außen schleppt sich mancher nasse Alkoholiker zum Arzt, wird vielleicht auch eine Weile trocken bleiben können, aber ein dauerhaft abstinentes Leben ist nur möglich, wenn die Überzeugung hierfür aus unserem Inneren kommt. Sonst stülpt man sich nur selbst etwas über und wird immer etwas vermissen. Es bleibt quasi ein schwarzes Loch in unserer Seele, das wir nicht füllen können, wenn wir nicht an uns arbeiten und uns Unterstützung holen. Es bleibt ein Kampf mit sich selbst.
    Falls es tatsächlich noch etwas zu sagen gibt, sag´es ihm doch direkt.
    Du willst jetzt ein Ergebnis erzwingen, Klarheit schaffen. Die hast Du aber bereits, denn er trinkt sogar in Deinem Beisein weiter. Er steckt offensichtlich mittendrin und ist nicht bereit, von sich aus etwas zu unternehmen. Was also sollte sich ändern, außer dass Du weiterhin Enttäuschungen sammelst?!

    Dir alles Gute.
    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Mäuki,

    Kinder und Pubertierende finde ich persönlich ja höchst spannend, weil man direkt dabei zusehen kann, wie sie sich weiter entwickeln und neue Wege finden. So ähnlich, wie wenn ein Alkoholiker trocken wird – da weiß man auch nie, was am Ende dabei herauskommt ;-).
    Ich bin ganz zuversichtlich, dass Du die nötige Unterstützung erhalten wirst und sich dadurch auch Dein Leben zum Positiven hin verändern wird.
    Mit den Gefühlen ging´s mir ähnlich wie Dir und ich war immer auf der Suche nach „Normalität“. Manchmal kam mir dann der ketzerische Gedanke, dass ich das, was gemeinhin so als „normales Verhalten“ eingestuft wird, für mich gar nicht will und so muss ich dann wohl weiterhin in meiner eigenen Spur laufen, mich im Auge behalten und an den Dingen arbeiten, die mich an mir selbst stören und die ich auch tatsächlich ändern kann. Den Rest von mir muss die Menschheit dann wohl ungefiltert ertragen… oder eben auch nicht ;-).

    Dir wünsche ich noch einen schönen Sonntag.

    Liebe Grüße
    Katha

    Liebe Susanne,

    momentan bin ich so tiefenentspannt wie noch nie und das zeigt mir, dass diese Auszeit dringend nötig war, auch wenn ich sie für innerliche Schönheits-OP`s nutzen musste ;-).
    Ehrlich gesagt war ich auf das Kommentieren dieses Themas genauso wild wie darauf, mir das Mieder abzuschnallen und mir selbst die Spritze in den Bauch rammen zu müssen.
    Macht einfach keinen Spaß, aber wat mutt, dat mutt :-(.

    Danke. Dito!

    Liebe Grüße zurück und ein puscheliges Wochenende

    [Ich parke den Text mal hier, weil ich Dir in Karsten´s Thread nicht mehr antworten kann]

    Hallo Slowly,

    gestern hat´s mich doch ein bisschen überrollt ;) und real will ich stets dranbleiben, um mir das gute Gefühl erhalten zu können, aber nun kann ich mich wieder in Ruhe darüber freuen, dass Du noch einmal geschrieben hast.

    Ich mag gar nicht „recht haben“, aber Jeder von uns haut mal Dinger raus, die gar nicht so gedacht waren oder nicht zu Ende geführt wurden. Dann klärt man das und das Thema ist in meinen Augen durch.
    Ich verstehe Dich und Deine Einstellung ehrt Dich und Sunshine, Andreas, Step und Correns, um nur Einige zu nennen.
    Ich wollte ums Verrecken dieses Thema nicht mehr aufgreifen, weil ich der Meinung bin, dass Karsten und ich bereits fertig waren mit dem Meinungsaustausch und ich ein gegenseitiges Verständnis spürte, er seine Entscheidung in der Zwischenzeit längst mitgeteilt hat, ich mich nach wie vor darüber freue und auf gar keinen Fall will ich die Leistung von ihm und den Mods in all den Jahren schmälern.
    Da hier aber immer noch Menschen herumlaufen, die offenbar das Gewissen drückt und Ihr teilweise erstaunlicherweise immer noch der Meinung seid, die Mitglieder im offenen Bereich würden „auf dem Rücken der Anderen“ ein Angebot nutzen, sehe ich mich nun zu Klartext gezwungen:
    Dies war eine Online-SHG mit einem kostenpflichtigen Bereich (selten genug) und einem kostenfreien offenen Bereich (wie überall üblich), die Jahrelang tadellos lief.
    Ich kann Dir hierfür gern die Kosten ermitteln.
    Dann wurde aus dem Forum ein geschäftliches Unternehmen, was bedeutet, es ging nicht mehr allein um die Erhaltung des Forums als solches, sondern um Karstens Auskommen als Selbstständiger.
    Trotz der Werbeverträge, den Beiträgen für den geschlossenen Bereich, Spenden, etc. reichten dafür aber die Einnahmen nicht. Druck wächst, Karsten läuft aus dem Ruder und das ist sonst überhaupt nicht seine Art.

    Weiter im Text:
    Geschlossener Bereich, für den Beiträge einfallen.
    Sunshine schrieb, Qualität kostet eben. Röschtösch.
    Dafür kannst Du im geschützten Bereich schreiben, wo nicht das ganze WWW Deine Ergüsse liest, den Vorstellungsbereich einsehen, chatten, bunte Bildchen posten, auch im offenen Bereich schreiben, Dich an allgemeinen Themen beteiligen, etc.
    Beiträge gerechtfertigt, die Entscheidung bleibt Jedem selbst überlassen, Thema durch.
    Sunshine schrieb ebenfalls einmal, dort würde die „wahre Suchthilfe“ stattfinden. Konnte ich zwar nicht nachvollziehen und ich halte es auch für ein ziemliches Brett für die, die sich hier um Andere bemühen, aber es ist eine Meinung.

    Offener Bereich, kostenlos.
    Das Einzige, was diesen Bereich von denen in anderen Foren bisher unterschieden hat, war die Tatsache, dass sich hier keine nassen Alkoholiker austauschen konnten. Das ist passé.
    Dies ist die Frontseite, die – wie bereits erwähnt – bei mir gefühlt eher unter public relations fällt. Ist von außen nichts zu sehen, werden wir Niemanden erreichen oder interessieren können, der dann ggfs. später die Entscheidung trifft, den kostenpflichtigen Bereich zu nutzen, der – das möchte ich noch einmal betonen – für Viele auch sehr hilfreich ist. Das ganze Ding würde uns unter den Händen wegsterben.
    Fakt ist, wir benötigen zum reinen Erhalt des Forums keinen kostenpflichtigen offenen Bereich.

    Ich möchte das hier hinter mich bringen, und deshalb antworte ich Dir, Sunshine, auch gleich hier: Dein Vergleich mit einer realen SHG hinkt.
    Dort hast Du einen geschützten Rahmen, einen Gruppenleiter (stabile Gruppenmitglieder wechseln sich bei dieser Tätigkeit ab) und der Obolus von (zuletzt) € 1,-/Meeting wird für Getränke für die Mitglieder genutzt, der Gruppenleiter zahlt davon nicht seine privaten Unkosten. Die Räumlichkeiten werden (in der Regel) von einer gemeinnützigen Einrichtung gestellt.

    Ich verstehe Euch, vielleicht versteht Ihr jetzt auch mich und ich wäre dankbar, wenn wir das Thema jetzt hoch hängen könnten, so hoch, dass Niemand mehr rankommt ;-).

    Slowly, verzeih´mir, aber ich musste schmunzeln, als ich Deine letzten Sätze gelesen habe (hoffentlich kann ich das jetzt auch richtig erklären): Natürlich bezog sich meine Kritik ausschließlich auf etwas, das Du geschrieben hast und war und wird niemals als Angriff auf Dich als Person, den Menschen als solches, gemeint sein. Wenn Jemand 127 hilfreiche Kommentare absetzt oder andere Menschen auch „nur“ aufmuntert, ist das doch nicht alles hinfällig, nur weil er einmal nicht getrennt hat, was er offensichtlich als zwei verschiedene Dinge betrachtet.
    Schmunzeln musste ich, weil ich persönlich die Reaktion so typisch weiblich finde (hoffe, alle anwesenden Mädels können mir noch einmal verzeihen ;-).
    Die meisten Kerls, denen ich vorwerfen würde, dass sie die 52. Hürde einfach überrannt haben, weil sie das Bein nicht grade genug gestreckt haben, würden mich nur angucken und ein „K“ nuscheln. Die kämen niemals auf die Idee zu glauben, ich hätte sie deshalb nicht mehr lieb ;) und hätten damit vollkommen recht.

    Schön jedenfalls, dass Du dir noch die Mühe gemacht und mir Deinen Kommentar erläutert hast. Jetzt wünsche ich Dir und Sunshine erst einmal ein schönes Wochenende.

    Herzliche Grüße
    Katha

    Guten Morgen Ko,

    mir ging´s ähnlich wie Dir. Am Ende wünschte ich mir selbst etwas ganz fieses wie einen doppelten Beckenbruch oder ähnliches, damit ich ohne ewig schlechtes Gewissen sozusagen „offiziell“ ausruhen dürfte, weil mir dann verboten werden würde, ewig immer nur zu flitzen.

    Der (tatsächlich!) heiß ersehnte Zusammenstoß mit einem 7,5-Tonner blieb glücklicherweise aus (übrigens auch nicht auszudenken, was es mit dem LKW-Fahrer gemacht hätte…) und somit war ich erneut gezwungen, meine Situation zu überdenken. Während ich vorher aber verzweifelt rotierte und keine Lösung finden konnte, wurde mir plötzlich mit einem Schlag klar, dass es nicht die Aufgaben, nicht die Verantwortung für das Leben meiner Kinder und auch nicht mein Mörderjob war, die mich so zu Boden gebracht haben, sondern die ununterbrochene Folge von enttäuschten Hoffnungen und bangen Erwartungen, die mich nicht nur Kraft gekostet haben, weil ich mich wieder mal um alles allein kümmern und zusätzlich ständig notfallmäßig Situationen retten musste, sondern die auch bewirkt haben, dass ich durch diesen Nebel dauerhafter Enttäuschungen keine Freude mehr sehen oder empfinden konnte, die mir Kraft und Energie hätte geben können.
    Es ist ja ein Kreislauf: Die Energie, die rausgeht, muss auf einem anderen Weg auch wieder hineinkommen können, sonst ist logischerweise der Akku irgendwann leer.

    Ich habe mich getrennt. Keine bösen Überraschungen mehr. Ich war nun wieder allein verantwortlich, aber das war ich vorher ja auch bereits. Ich hatte wieder den Überblick, habe mich kümmern können, den Kindern und mir ein schönes Zuhause eingerichtet und bekam ständig neue Kraft und Energie durch wirklich schöne Momente, die mir vorher immer zunichte gemacht wurden. Die Kinder konnten sich wieder auf alles verlassen, das gab ihnen Sicherheit und Vertrauen. Da war Niemand mehr, der mich ununterbrochen hat hängenlassen, auf den ich mich nicht verlassen konnte, die ewigen Zweifel und sinnlosen Auseinandersetzungen waren Vergangenheit und auch diese gefühlte Abhängigkeit von einem Menschen, auf den ich mich angewiesen glaubte.
    Ich fing wieder an zu leben. Gute Sache, kann ich nur empfehlen, wenn nix mehr geht ;-).

    Dir alles Gute
    Katha

    Guten Morgen Mäuki,

    pack´Deine Wut ein und renne so lange damit um den Block, bis sie verraucht ist, denn sie ist jetzt nicht hilfreich und versuche doch mal, einen Rhythmus zu finden, der Dich nachts schlafen lässt, so dass Du wirklich Ruhe finden kannst, um Dich zu erholen.

    Du hattest es nicht mit Vollidioten zu tun, sie wollten Dich auch nicht gängeln.
    Eine geraume Zeitlang schilderst Du bereits, dass Du ohne Deinen Partner eingehen würdest, wieder zum Alkohol greifen oder evtl. auch den Weg zur Klippe suchen würdest, wenn er nicht mehr an Deiner Seite wäre. Mich hat das immer erschreckt und diese andere Abhängigkeit würde mich persönlich seelisch zerstören.
    Jetzt ist es aber momentan noch so, wie es ist und Dein Partner gibt Dir die einzig mögliche Sicherheit, was ebenfalls bedeutet, dass Du in seiner Gegenwart in anderer Verfassung bist als allein.
    Die Argumentation der Psychologen war in meinen Augen also nicht lächerlich, sondern absolut notwendig. Um sich ein Bild von Deinem wirklichen Zustand zu machen, ja, um zu sehen, womit sie es tatsächlich zu tun haben. Nur wenn eine umfassende und quasi „unverfälschte“ Diagnose gestellt werden kann, kann auch eine Behandlung erfolgen, die Dir tatsächlich auch helfen wird, sonst verbrätst Du nur unnötig Energie und Lebenszeit.

    Es war sicherlich sehr schwierig für Dich, dieses Gespräch allein führen zu müssen, aber Deine Reaktion darauf lässt fast vermuten, dass genau hier das Problem liegt und das wird den Psychologen nicht entgangen sein.
    Vielleicht gelingt es Dir ja, umzudenken: Keine Vollpfosten, keine Grenzüberschreitung, sondern Spezialisten, denen Du eben nicht vollkommen gleichgültig bist und die sich ernsthaft und kompetent mit Deinem Problem auseinandersetzen. Ähnlich wie ein Arzt, der Dir auf eine schmerzhafte Stelle kloppt um herauszufinden, wie er Dir am besten helfen kann.

    Dämlich bist Du nicht, nur durcheinander und traurig und das ist völlig normal. Allein bist Du nicht, denn da ist Dein Partner und es erwartet Dich Unterstützung, wenn Du dich darauf einlassen kannst und eine stationäre Therapie durchziehst. Wütend bist Du, aber das muss ja nicht so bleiben, wenn Du das Ganze sacken lassen kannst.

    Alles Gute
    Katha

    Hallo Hartmut,

    es tut mir leid, dass Du so lange krank warst. Ich hatte mich schon gewundert, wo Du abgeblieben sein könntest.

    Na, und wenn Du weiterhin so provokant unterwegs bist und die neuen User Dich jetzt kennenlernen dürfen, dann stricke ich ab sofort ein bisschen schneller, damit die sich schon mal warm anziehen können, wenn Du das Gatter schließt :D.

    Klar, die Kohle hat zum Saufen immer gereicht, denn so eine Sucht muss gefüttert werden.
    Was haben aber Viele unternommen, um an genügend Geld dafür heranzukommen?!
    Sämtliche Freunde und Nachbarn angepumpt, Spardosen der Kinder aufgebrochen, die Klamötts der Familie versetzt, etc…Das will alles erst einmal in Ordnung gebracht werden, wenn man neu durchstartet.

    Ja, definitiv wünschte ich mir, dies würde ein Auffangbecken für Alle bleiben, die auch nur einen winzigen Schritt in die richtige Richtung wagen wollen oder können.
    Die nix zwischen die Hörner bekommen, wenn sie geschwächelt haben, solange sie dran bleiben und wieder einfallen. Es ist doch ein ziemlich langer Weg bis hin zur stabilen Trockenheit. Und zufrieden soll sie schließlich auch machen!
    Es ist natürlich fraglich, ob man Jemanden überhaupt erreichen kann, der mit 2,7 Umdrehungen hier in diesem Forum schreibt, aber das wird sich rausstellen.

    Vielleicht bist Du dafür nun nicht grad der richtige Ansprechpartner ;-), aber ich habe immer ein Bild im Kopf von Diesteln. Da läuft so ein nasser Alki herum im Pullover und jeder Ausfall, der ihm im Nachhinein peinlich ist, jedes Versagen und jedes nicht eingelöste Versprechen ist wie eine Diestel, die in diesem Pulli hängenbleibt. Jeder entsetzte Blick von Anderen, die Bitte des eigenen Kindes: „Papa, trink bitte an meinem Geburtstag nichts!“, jede Träne der Partnerin, jede Kritik der Kollegen oder des Chefs, etc.. bleibt hängen und der Pullover wird im Laufe der Zeit immer schwerer, bis diese Last so schwer wird, dass man sich aufmacht, um etwas zu ändern. Das kann oft ein einziger Vorfall, ein einzelner Mensch gar nicht bewirken, aber zusammengenommen führt es den Suchtbolzen zu seinem persönlichen Tiefpunkt und erst dann ist ein anderer Weg möglich.
    Vielleicht verstehst Du, was ich meine, vielleicht denkst Du: „Weiches Herz und weicher Keks!“ *g*, egal, es ist meins ;-).

    Viele Grüße
    Katha .. oder so ;)

    Liebe Seidenraupe aka Schmetterling ;)

    Ich habe mich sehr gefreut über Deinen Besuch bei mir.
    Nun kann ich Dir ein (offenes) Geheimnis anvertrauen: Ich schreibe so ellenlange Texte, weil ich mich einfach nicht kurz fassen kann :-).
    Tippsle ich in meinem eigenen Thread, sprudelt es nur so aus mir heraus, Kommentare in anderen Threads kosten mich mehr Zeit, weil ich sehr viel genauer überlege, wie ich Dinge formulieren kann, ohne Anderen auf den Schlips zu treten. Überwiegend jedenfalls.

    Die Sache mit dem Punkt ist tatsächlich so eine Sache ;-).
    Ich habe schmunzeln müssen, denn all meine männlichen Freunde könnten Dir hierüber genauestens Auskunft geben: Den Punkt erwischt sie immer zielsicher… nach Stunden xD.
    Mein dritter Vorname nach „Schuld“ lautet im realen Leben also immer noch „KommazumPunkt“, aber ich arbeite daran ;-).
    Naturgemäß hält mich erst einmal die ganze Erklär-/Rechtfertigungs- und Aufdröselarie auf, die ich loswerden muss, um sicher zu gehen, dass man mich nicht falsch versteht.
    Dann wird ausgeholt, das eigentliche Thema 27 Mal umrundet bis leicht gestreift.
    Dann kommt die Adler-Taktik, einmal mitten rein pieksen :D
    Dann zurück an den Umfang, um mich zu vergewissern, dass ich nicht zu hart klinge. Weil… will ja Niemandem weh tun.
    Dann folgt die Entschuldigung, global, weil ich atme, existiere, frech genug war, mich zu Wort zu melden, etc… und dann – nach einem Grußwort - ist der Job getan und ich spring wieder in Deckung xD.
    Im realen Leben ergibt das im Endeffekt mindestens ein männliches Augenrollen gepaart mit leichtem Scharren der Hufe über sanftes Schütteln bis hin zu „KommazumPunkt!“:-). Damit schließt sich der Kreis und ich mache mich erneut auf die Suche nach meinem Lebensberechtigungsschein, während ich kleinlaut Besserung gelobe.
    Eigentlich ganz einfach, nur ist diese Technik noch nicht so ausgefeilt, dass ich sie ruhigen Gewissens weiter empfehlen könnte ;-).
    Seltsamerweise kann ich im beruflichen Leben jedes Statement in einen Satz packen und das hingegen ist dann wieder sehr beruhigend ;)

    Ich danke Dir.
    Liebe Grüße zurück
    Katha

    Mädels, Ihr seid echt zum Knutschen :)

    Liebe Lena,

    für das, was Du so scheinbar fast nebenbei erledigt hast, nämlich die Auseinandersetzung mit Deiner Nachbarin, habe ich Jahre gebraucht.
    Es ist auch für mich der einzig gangbare Weg, wenn mein Hirni rotiert und ich nachts nicht schlafen kann, weil mich Dinge belasten: Je eher daran, desto schneller davon ;-).
    Wichtig war für mich vor allem immer eins: Ich kann jedem Menschen verklickern, dass ich Alkoholikerin bin, keine Tat. Ich muss mich nur wappnen und mir bewusst machen, dass mich dann u.U. andere Menschen verachten oder meiden oder hinter meinem Rücken über mich reden und mir nicht jeder anerkennend auf die Schultern klopft und mir dazu gratuliert, dass ich diese Krankheit stoppen konnte. Die meisten Menschen haben nach wie vor von Alkoholismus keinen Plan und das müssen sie auch gar nicht.
    Mich persönlich hält die ablehnende Haltung Einzelner nicht ab und immer wieder sehe ich dann auch erneut in ein Gesicht, das mir zwar verdutzt aber offen, aufrichtig und wohlwollend oder auch völlig desinteressiert *g* („Du bist also Alkoholikerin.. äh ja, und nu? Hält Dich doch nicht auf!“:D) entgegen blickt und das sind die Menschen, an die ich mich halte. Mir war nur wichtig, es für die Betroffenen zu erwähnen, die noch am Anfang ihrer Abstinenz stehen, damit sie nicht beim ersten Schlag ins Kontor gleich wieder in die Knie gehen ;-).
    Du hast es jedenfalls super geregelt, der ideale Weg in meinen Augen, und vor allem besser, als sich zukünftig geduckt durchs Treppenhaus schleichen zu müssen und die Sache immer mitzuschleppen.

    Optimistisch bin ich wohl, das macht auch die Vorfreude. Ich habe eine neue graue Theorie entwickelt: Wenn Du Menschen sechs Monate fast alles nimmst, dann bekommen sie bereits eine gnadenlose Endorphin-Overdose, wenn sie nur endlich wieder mal mit dem Bus fahren dürfen *g. Jedenfalls ging´s mir heute so ;-).
    Ich träume also von einem Schaumbad, vom Autofahren und davon, mich endlich mal auf dem Sofa einkuscheln zu können. Alles wird wieder neu sein. Ich will nicht undankbar sein: Mein Gartenstuhl würde jeden Elchtest bestehen, aber so langsam geht er mir auf die Ketten. Außerdem reiße ich mir nach jedem Gewaltmarsch erleichtert die Klamotten von der Figur, raus aus der dicken Jacke, Mütze, Schal und Handschuhe, weg mit den schweren Boots, und werde dann jedes Mal vom Mieder ausgebremst, weil… da war ja noch was. Also wieder nix mit der Leichtigkeit und einrollen wie eine Katze und so plumpse ich wie gehabt auf den Gartenstuhl. Noch wenige Wochen *scharr*.

    Der offene Bereich wird uns erhalten bleiben und das freut mich sehr. Ich würde mir von der Freundin trotzdem einige Dinge zeigen lassen, denn lernen und wissen kann man ja nie genug ;-). Wer weiß, wofür es noch gut sein kann.

    Ich wünsche Dir ebenfalls von Herzen, dass es mit Deiner eigenen Verfassung wieder bergauf geht. Ich habe gelesen, dass Du seit dem Herbst so müde geworden bist, obwohl ich bei Deinen Aktivitäten gar nicht diesen Eindruck hatte. Gegen Eisenmangel oder Probs mit der Schilddrüse gibt’s ja probate Mittelchen und Dein Onkel Doktor wird Dir dabei helfen. Nur hingehen musst Du selbst ;-).

    Alles Liebe
    Katha

    Mein wunderschöner Text an Hartmut geht jetzt flöten, weil die Tür klemmt… Menno :D
    Dann mach´ich eben mit Karsten weiter ;-):

    Hallo Karsten,
    hab´gerade Deine Mitteilung gelesen und freue mich höllisch über Deine Entscheidung.
    Es wird einer Menge Menschen weiter helfen, die noch herumeimern.
    Mich hat es auch gefreut, dass sich doch Einige Gedanken gemacht haben und es zeigt eben, dass uns nicht alles völlig wurscht ist.
    Nun kümmere Dich aber auch um Dich und sieh zu, dass es Dir bald besser geht.

    Viele Grüße
    Katha

    - - - - - -
    Eines möchte ich ganz allgemein noch einmal festhalten:
    Immer wieder lese ich, dass wir die Kohle, die wir früher versoffen haben, nun wohl genauso gut in andere Dinge investieren könnten wie Mitgliedsbeiträge oder Spenden.
    Da frage ich mich oft, ob Ihr überhaupt eine Ahnung davon habt, wie viele Menschen sich durch ihre Sucht ins soziale Abseits katapultiert haben.
    Da sind die Arbeitslosen, die in die Fürsorge reinrutschen, Menschen, die durch Alkoholismus krank geworden sind oder sogar eingeschränkt erwerbsfähig, Menschen, die so viele Schulden angehäuft haben oder eine eidesstattliche Versicherung abgeben mussten, dass sie die nächsten Jahre nicht einmal den kleinsten Hüpfer mehr machen können, Männer, die jetzt ihren Unterhaltsverpflichtungen geballt nachkommen müssen, die sie im Suff nicht mehr leisten konnten, evtl. bei „Muddi“ wieder einziehen mussten, Rentner, die immer öfter von Altersarmut betroffen sind, etc.
    Bevor Ihr also immer dieselbe Platte abspult, denkt bitte daran, dass wir nicht alle Menschen über denselben Kamm scheren können und wenn die Zinken noch so grob sind.
    Für heute bin ich dankbar, dass ich nur vorübergehend betroffen bin.

    Liebe Thalia,

    noch nie habe ich mit einer derartigen Beständigkeit, Elan und vor allem Geduld so irrsinnig viele, nicht immer angenehme aber notwendige Dinge erledigen können und mich gleichzeitig so mies gefühlt, weil ich es nicht geschafft habe, hier zwischendurch mal den Griffel in die Hand zu nehmen, um Dir zu antworten.
    Wenn ich aber schreibe, möchte ich Dir nicht zwischen Tür und Angel etwas hinklatschen, sondern mir Zeit nehmen.

    Es gab tatsächlich Veränderungen ;-). Ich habe schon von jeher immer wieder Gas gegeben, meine to-do-Listen abgearbeitet und mich auch total bemüht. Hatte ich aber endlich alles erledigt und das erreichte Ziel entsprach so gar nicht meinen Vorstellungen, fiel ich wieder zusammen und nix davon war mehr etwas wert. Ich habe endlich verstanden, dass das Leben ähnlich funktioniert wie im eigenen Haus zu wohnen: Irgendwas ist immer :D. Entweder müssen Dinge erledigt werden oder auch repariert oder man investiert freiwillig Zeit und Mühe, weil man sich einen Wunsch erfüllen möchte und z.B. einen Wintergarten baut.
    Wir sind nie „fertig“ mit allem, nur gibt es manchmal ruhigere Phasen und dann prasselt wieder eine Menge auf uns ein. Meine „ganz oder gar nicht“-Mentalität habe ich deshalb eingemottet. Jetzt bin ich eher die Jongleurin, die bunte Bälle in alle Richtungen wirft und geduldig wartet, bis sie zurück geflogen kommen und ein wie auch immer geartetes Ergebnis bringen. Dann kann ich sie entweder ad acta legen oder muss noch einmal ranrauschen um nachzubessern.

    Der Termin für das Abtrainieren des Mieders war für Mitte März vorgesehen. Ich halte es aber für unsinnig, mich liegend in meine Spezialklinik transportieren zu lassen, nachdem ich bereits so lange sitzen kann. Als selbstständige Patientin ;) habe ich einen Ableger dieser Klinik aufgetan. Dort finden eigentlich nur mehrwöchige Anschlussheilbehandlungen statt, doch sie haben mir zugesagt, dass sie mich eine Woche lang kräftig scheuchen werden, damit ich das Mieder endlich verbrennen kann *hops :-). Diese Klinik liegt viel näher, ich kann zur Not auch allein anreisen und mit ein bisschen Glück kann ich Anfang März bereits dort antreten.
    Das wäre zu und zu schön, denn ich freue mich unbändig darauf, wieder in mein Auto zu hüpfen und nicht immer nur stur dieselben zwei Wege abzulatschen.

    Letzte Woche hat mir mein Lieblingsorthopäde versichert, dass bei mir keine Schraube locker ist *g* und alle Stäbe sich trotz meiner Kapriolen noch dort befinden, wo sie hingehören. Als ich daraufhin voll neuer Energie zur Tür stürmte, warnte er mich noch vor vereisten Flächen und beschwor mich, nicht auf dem letzten Meter noch eine Grätsche hinzulegen.
    So habe ich die Gummi-Nupsies von meinen Walkingstöcken entfernt und kämpfe mich jetzt täglich über die Hügel zum Fischteich, indem ich die Stahlspitzen in das Eis ramme :-).

    Ein bisschen Programm habe ich noch. Nach der einen Woche Hardcore-Training werde ich eine Narbe korrigieren lassen, die im letzten Jahr in einem anderen Krankenhaus verpfuscht wurde. Ich kann und will ihnen diese lausige Arbeit nicht durchgehen lassen und außerdem hat sie Auswirkungen auf meine Gesundheit.
    Danach werde ich wohl zwei Wochen in einer Hautklinik einfallen müssen. Die letzten Monate haben mir doch sehr geschadet und mittlerweile spritze ich mir dieses fiese Medikament, weil plötzlich ein Gelenk anschwoll.
    Seltsam: Das alles juckt mich überhaupt nicht. Drei Ärzte waren in den letzten Tagen nötig um mir endlich zu bestätigen, dass es sich nicht um eine Thrombose handelt – davor hatte ich die ganzen Monate nämlich echt Manschetten. Es ist also keine, das macht mich total glücklich und so werde ich einfach tun, was nötig ist, um mich Stück für Stück quasi runderneuern zu lassen ;-), ich habe ja schließlich noch eine Menge vor in diesem Leben. Das gute Gefühl, dass ich in jeder Hinsicht von Spezialisten Unterstützung bekomme, überwiegt jedenfalls und dafür bin ich einfach jeden Moment total dankbar.

    Der Sommerwein und die Nachbarin :-). Ich habe Menschen immer bewundert, die ohne jeden Kommentar und ohne jegliche Erklärung, Rechtfertigung oder weitere Ausführung einfach sagen konnten: Ich trinke keinen Alkohol. Seitdem mir aufgefallen ist, dass auch nie Jemand gefragt wird, warum er bspw. nicht raucht, halte ich beide Fragen für gleichermaßen schwachsinnig und kann mich ebenfalls auf ein kurzes Statement ohne Ausschmückung beschränken. Nun bin ich ja in keiner religiösen Sekte, habe aber früher – je nach Tagesform – ab und zu mal rausgehauen, dass ich aus Glaubensgründen keinen Alkohol trinke. Auf die erstaunte Nachfrage habe ich dann erläutert: Ja, ich glaube nämlich, dass ich mit Alkohol nicht ummmmgehen kann :D. Was natürlich genauso bekloppt war, denn ich glaube es nicht, ich WEISS es. Heute verkneife ich mir den Blödsinn.
    Ich habe absolut keine Angst davor, dass Jemand erfährt, dass ich Alkoholikerin bin.
    Wenn alle Menschen in meiner Umgebung ihre Krankenakten auf den Tisch schmeißen würden, würde ich keine Sekunde zögern, meine dazu zu packen und damit Quartett zu spielen. Ich sehe bloß absolut keine Notwendigkeit mehr, es allen Leuten aufs Auge zu drücken als hätte ich Röteln und müsste Andere vor Ansteckung warnen. Ich erwähne es immer so, wie es grad passt, denn Alkoholikerin zu sein ist nur eine der vielen Facetten.

    Liebe Thalia, die wenigsten Menschen sind wirklich aufrichtig oder haben genügend Rückgrat, ihre Meinung offen zu äußern. Außerdem sind wir alle verschieden. Wenn ich nur einen einzigen Schritt mache, schütteln 999 Menschen fassungslos den Kopf, während ein einziger zustimmend nickt. Soll ich denn tatsächlich mein Leben vergeuden bei dem Versuch, es allen recht zu machen? Würde das nicht bedeuten, dass ich – wenn ich in die Grube sinke – das Leben der Anderen gelebt habe, aber nicht mein eigenes? Und im umgekehrten Fall: Gestalten denn alle Anderen ihr Leben immer so, dass es mir gefällt? Definitiv nicht!
    Ich bemühe mich immer, höflich, auch freundlich, aufmerksam und hilfsbereit zu sein, weil es einfach zu mir gehört, aber letzten Endes zählt für mich nur eines: Ich bin gezwungen, mich so zu verhalten, wie ich es für richtig halte, damit ich mich jederzeit im Spiegel ansehen kann.

    Ich denke öfter mal an die Begegnung mit der Nachbarin, von der Lena berichtet hat.
    Schlussendlich hat Lena´s mutige Offenheit bewirkt, dass sich beide Frauen sogar umarmt haben. Ich vermute aber stark, dass es bisher nicht zu der Einladung zum Tee gekommen ist und diese auch zukünftig ausbleiben wird.
    Ich bin nicht misstrauisch, verbiestert oder mit negativer Erwartungshaltung geschlagen, ich sehe die Dinge meist nur so, wie sie sind, ohne enttäuscht zu sein. Wenn man hinter genügend Fassaden gesehen hat, verliert sich die Unsicherheit und auch der Glaube daran, dass alle Anderen Wahnsinnsfunzeln sind, während man selbst besser weiterhin unter dem Teppich läuft, weil man nicht mithalten kann. So lebe ich halt mein Leben, was für die meisten Menschen wohl auch gar nicht passen würde, aber Schnittstellen gibt es öfter mal und so freue ich mich selbst in meinem beschränkten Radius immer wieder auch über kurze Gespräche mit fremden Menschen, die mich füllen, weil ich die Aufrichtigkeit in den paar Sätzen spüre.
    Anders ist es mit den Sozialkontakten, von denen ich mich im letzten Jahr distanziert habe. Einer nach dem anderen taucht wieder auf und versucht, erneut anzudocken. Sie haben mir aber nicht gut getan oder mir sogar geschadet und selbst in dieser Phase, in der ich nahezu komplett allein war, ging es mir viel besser als vorher. Ohne jegliche Kritik, die übrigens auch nicht berechtigt war, oder Enttäuschung kann ich heute sagen: Es passte einfach nicht und warum sollte ich einen Weg beschreiten, den ich bereits kenne und der mich nur Kraft und Nerven gekostet hat, weil Jeder von uns so ist, wie er nun einmal ist.

    Meine Tochter gehört tatsächlich – wie mein Sohn übrigens auch und ein paar andere Menschen, die ich kenne – zu denen, die für mich das „Salz der Erde“ sind :-).
    Es gibt immer noch so viele Momente, in denen ich mich nahezu ungläubig darüber freuen kann, dass ich diesen Menschen begegnen durfte. Klingt vielleicht albern, weil zwei davon meine Ableger sind, doch ich denke ab und zu: Hätt´ja auch ganz anders ausgehen können ;-).

    Ich empfinde es übrigens nicht als Ungleichgewicht, wenn wir von Dir im offenen Bereich weniger lesen, denn die Entscheidung, im geschlossenen Bereich mehr und offener von sich zu schreiben, ist doch völlig legitim. Dafür gibt es dieses Angebot.
    Mir persönlich ist es völlig schnuppe, ob ich nun von 100 fremden Menschen im geschlossenen Bereich oder 102 fremden Menschen im WWW gelesen werde, aber so geht´s wohl den Wenigsten.
    Meine Absicht war ja ursprünglich, eher aktive Suchthilfe zu leisten für die Menschen, die hier im offenen Bereich einfallen und Unterstützung benötigen oder vielleicht sogar ein paar Leute „draußen“ vor den Monitoren zu erreichen, die halb komatäs noch an ihrer Pulle hängen. Mein Thread ist verkommen zu einer Ansammlung von bunten Geschichten und zuletzt eher zu einer Krankenakte. Ich kann mich jetzt – wo ich wieder aus den Augen gucken kann - kaum noch einlassen auf die Anliegen der Newbies, wenn hier in regelmäßigen Abständen seit fast einem Jahr mit der Schließung des offenen Bereiches gedroht wird und ich mich in gleichem Maße immer wieder kollektiv beleidigen lassen muss als selbstsüchtige, egozentrische, egoistische, undankbare und geizige Zecke. Steh´ich nicht so drauf ;-).
    Für die Menschen allerdings, die hier ihre eigene Entwicklung über die Jahre nachvollziehen möchten, tut es mir höllisch leid. Ich würde anfangen zu kopieren, bis der Rechner qualmt.
    Es wird Zeit, endlich mal eine Entscheidung zu treffen. Für Jeden von uns, geschlossener Bereich vorerst mal ausgenommen.

    Ich habe auch gelächelt und mich gefreut, als Du über einen Deiner Träume geschrieben hast. Eine schöne Vorstellung, mein Schuppen müsste natürlich auch in einem kleinen wilden Garten stehen, denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, zur Gestaltung auf Lineal und Nagelschere zurück zu greifen. Wild klingt immer gut :-).

    Ich wünsche Dir noch eine wunderschöne Woche mit bunten Überraschungen.
    Ganz liebe Grüße zurück
    Katha

    Liebe Thalia,

    über Deinen Besuch hier freue ich mich grad total :-).
    Mein Befinden kann ich mit einem Satz ausdrücken: Ich (ver)traue dem Frieden ;-).
    Das ist neu und gern genommen ;-).
    Das Mieder verrutscht dauernd, klemmt mir dann die Figur ein und nervt mich damit tödlich. Da ich deswegen rumheulen kann, sind die Schmerzen offensichtlich soviel weniger geworden, dass ich in dieser Hinsicht jetzt bereits um Peanuts kreiseln kann xD.

    Diese von Dir erwähnte und von mir gefühlte Zuversicht und Lebensfreude hat sich nicht nur gehalten, sondern vervielfacht: Bei mir ist Frühling und da gibt es eh kein Halten mehr. Seltsamerweise haben sie es draußen heute trotzdem schneien lassen.
    Ich komme mir vor, als hätte ich gefastet, denn diese Energieschübe wären mir fast unheimlich, wenn ich nicht genau wüsste, woran es liegt: Ich habe einen Plan, ein Ziel und alles ist darauf ausgerichtet. Wenn dieser Plan nicht umzusetzen ist aus irgendwelchen Gründen, habe ich keine Sekunde vergeudet und kann diese Basis für alles nutzen.

    Innerhalb von zwei Tagen habe ich jetzt sämtliche Ordner gesichtet und aussortiert, mir dazu sogar noch die gesammelten Werke aus dem Keller heranschleppen lassen. Einen Schrank nach dem nächsten nehme ich mir vor und bis zur letzten Büroklammer hin bekommt alles einen Platz. Es wird absolut nix mitgeschleppt, was ich nicht unbedingt benötige.
    Meine gesamten Bücher habe ich gestern neu geordnet und einen Platz eingerichtet für alles, was ich noch nie gelesen habe. Für jeden Schinken, durch den ich mich durchquälen muss um seinen weiteren Lebensweg zu bestimmen, belohne ich mich mit einem Buch meiner Wahl.
    So stoße ich auf absoluten Schund und herrliche Schätze.
    Schallend gelacht habe ich bei Rita Mae Brown´s „Bingo“, wo sich zwei über 80jährige Damen kloppen, während wieder mal eine Kanonenkugel in die Fenster der gegenüberliegenden Kanzlei abgefeuert wird :D. Wer etwas lesen mag über menschliches Verhalten, Freundschaft und Loyalität ist hier genau richtig, vielleicht ist es aber eher etwas für Mädchen ;-). Die Verrenkungen, die ich bei all diesen Aktivitäten machen muss, haben dazu beigetragen, dass ich wieder viel beweglicher geworden bin und nicht mehr zu sehr befürchte, dass von mir nicht mehr viel übrig ist, wenn ich endlich aus dem Mieder hüpfe.

    Ich koche und esse wieder gern. Normal, wenn man eingeschränkt ist, liegt der Fokus naturgemäß erstmal auf dem naheliegenden. Ich habe auf basische Ernährung umgestellt, weil es gut sein soll für die Haut. Ich hab natürlich Kollateralschäden wegen des Mieders.
    Ich komme ganz gut klar damit, aber niemand darf in meiner Gegenwart laut das Wort „Frischkäse“ aussprechen, dann kann ich für nix mehr garantieren :D.

    Seit Wochen nehme ich ein neues Medikament ein, um das ich fast ein Jahr lang herumgetänzelt bin, weil man es vor, während und nach OP´s nicht einnehmen darf.
    Der Witz ist: Als meine Nachbarin mir eine Flasche Sommerwein (was immer das sein mag :-)) schenken wollte, weil ich ein Paket für sie angenommen hatte, und ich abgelehnt habe, weil ich es generell völlig unnötig fand, mir dafür etwas quasi als Gegenleistung anzubieten, war sie verschnupft. Ich hätte nun jederzeit mit voller Berechtigung sagen können, dass ich ein Medikament einnehme, das jeglichen Alkoholkonsum verbietet, habe aber so viele trockene Alkis getroffen, die dies als Ausrede benutzten, dass ich es nicht fertiggebracht habe :D. So hält sie mich jetzt für unhöflich und ich lebe damit *g*.
    Und nein, ich habe nicht die geringste Absicht, meinen Nachbarn mitzuteilen, dass ich Alkoholikerin bin, denn von ihnen weiß ich auch nur, wie sie heißen und aussehen.

    Glücklicherweise habe ich mich endlich ans TV gucken gewöhnt und kann es sogar genießen.
    Manchmal kommen mir da auch so alte Schinken in den Sinn, die gern mal wieder sehen würde und prompt werden sie zwei, drei Tage später ausgestrahlt. Das ist mir jetzt über ein Dutzend Mal passiert in den letzten Wochen und ist deshalb schon fast unheimlich. Dann rattert der Festplattenrekorder und ich strahle vor mich hin.

    Bei aller Energie und dem, was ich tagtäglich wegschaffe, bin ich innen doch ruhig und nicht hibbelig wie sonst. Ich übe mich auch in Beständigkeit und bemühe mich deswegen um täglichen Austausch. Da ist mir Correns nach wie vor Vorbild.
    Schnellschüsse gestatte ich mir nur noch in Sachen Haarfarbe :D. Während ich es aber früher fertig gebracht habe, mir morgens um 6 h die Haare blond zu färben, um 8 h rot und um 10 h beim Friseur aufgeschlagen bin, der das Ganze mit einem freundlichen Schwarz retten musste, bin ich jetzt Monatelang um 4! Haarfärbemittel auf meiner Kommode gekreist, um auch wirklich die richtige Wahl zu treffen. Dann traf es mich plötzlich wie ein Blitzschlag, ich startete durch und benötigte nur Sekundenbruchteile für die Entscheidung, mich komplett ins Elend zu stürzen xD. Als ich mich bei meiner Tochter ausheulte, sagte sie: „Mama, das tut mir so leid für Dich. Haare sind @rschlöcher!“
    Ich habe so schallend gelacht, dass mir fast der Hörer aus der Hand geflogen ist und muss heute noch grinsen, wenn ich an ihren Text denke :-). Also doch Mütze bis Juli, ich kann das aushalten :D. Ich freue mich irrsinnig darauf, mit ihr wieder als Einheit loszutoben und hoffe, dass ich meine Pläne auch umsetzen kann.

    Dann sind da noch eine Handvoll Menschen: Ein Orthopäde, der mir entgegen kommt und mich eingeschoben hat, ein Sachbearbeiter, der mich nach allen Kräften unterstützt, zwei unbezahlbare Kinder, die mich zum Lachen bringen, mein bester Freund, dem bei meinen Erzählungen niemals die Ohren bluten, ein Alltagsheld, den man nie bitten muss, ein Nachbar, der mich aufbaut, wenn ich deprimiert bin wegen der Eisschicht auf dem Weg, eine Nachbarin, die mir jederzeit ihren Mann ausleihen würde :) und eine zweite Nachbarin, die mit mir extra 10 km weiter zum Einkaufen gefahren ist, weil sie meinte, wir müssten meine neue Haarfarbe ausführen :D. Wir haben herrlich zusammen gekichert.
    Aber so sind die Menschen eben auch… ;)

    Mein Anwalt (der Kollege von dem aus der Wüste), der mich versteht und mit mir zusammen darüber geschmunzelt hat, dass mein ehemaliger Vermieter jetzt in Panik verfallen ist und gar nicht schnell genug einen Vergleich schließen kann. Ich bin so ausgeglichen und Energiegeladen, dass ich die Klage locker bis zum Ende durchziehen könnte, weiß aber auch, dass es für alle Anderen nur Peanuts ist und möchte nach wie vor in erster Linie wieder etwas zu Ende bringen. Es geht voran.

    Das war jetzt mal ein Update *schnauf* ;-), aber ich würde gern wissen, wie es Dir geht. Du kümmerst Dich immer um Andere, fragst nach und hast soviel zu sagen… kümmert sich Jemand auch um Dich? Wie bist Du in das Neue Jahr gestartet, hast Du Pläne, Wünsche?
    Ich weiß ja, dass Du im geschlossenen Bereich schreibst, aber vielleicht kannst Du etwas Allgemeines hierlassen. Ich träume nach wie vor von einer Werkstatt und einem Boot :) und dort, wo ich hin will, ist ein See, eine Menge freie Fläche und ein Stück Jakobsweg, falls ich jemals das Radfahren satt haben sollte oder noch offene Fragen habe ;-).

    Dir ganz liebe Grüße und einen puscheligen Abend
    Katha

    Hi Power,

    schön, dass Du dich getraut hast, hier wieder einzufallen.
    Nicht so schön ist es, dass sich alles wieder nur um „ihn“ drehen soll.
    Du willst mit unserer Hilfe „analysieren“, warum er sich nicht mehr meldet.
    Nur er wird Dir dies aber sagen können.
    Und hat er es nicht bereits bis zum Abwinken deutlich gemacht:
    Seine Hobbies, seine Sylvesterparty, seine Urlaubsreisen, seine Auszeiten…
    alles ohne Dich. Dazu ein paar verletzende Bemerkungen.
    Hast Du denn tatsächlich noch Fragen?
    Und ist es da letzten Endes nicht völlig gleichgültig, ob er süchtig ist oder Missbräuchler?!

    Wenn wir lieben, ist dieses Gefühl nur bei uns, wir können es aber nicht auf den Anderen projizieren. Wenn wir Glück haben, empfindet unser Gegenüber genauso oder ähnlich.
    Häufig ist dies aber nicht der Fall und so liebt der Eine in Beziehungen mehr als der Andere oder eben gar nicht.

    Abzuschließen und einen Cut zu machen halte ich für die einzige Lösung, damit Du zur Ruhe kommen kannst. Deine Eltern werden Dich ganz sicher unterstützen. Versuche einfach umzusetzen, was Du dir für die Zukunft vorgenommen hast, auch wenn es zu Anfang schwer fallen mag.

    Alles Gute für Dich und vergiss nicht: Der Frühling steht vor der Tür ;-).

    Viele Grüße
    Katha

    Liebe Hanni,

    nein, noch hat er Dich nicht geschlagen. Verbale Gewalt ist jedoch oftmals nicht das Ende der Fahnenstange und je mehr sich der vermeintlich „Schwächere“ bemüht, gelassen zu bleiben und alles über sich ergehen lässt, um den (verbalen) Angriff nicht eskalieren zu lassen, desto gereizter ist der Verursacher, denn er will ja eine Reaktion provozieren in Form von Kapitulation. Die kann dann so aussehen, dass Du zugeben sollst, dass Du ohne die Hilfe seiner Herrlichkeit nichts, aber auch gar nichts gebacken bekommen würdest, oder es müssen Tränen fließen, Deine natürlich – im schlimmsten Fall aber auch Blut.
    Erst dann wird er in der Lage sein, aus seiner überlegenen Position heraus seinem Beschützerinstinkt freien Lauf zu lassen, Dich zu trösten, sich zu entschuldigen und dann darfst Du dankbar sein, weil er ja eigentlich so ein einsichtiger, verständnisvoller Mann ist, der für Dich sorgt und sich kümmert. Du bist ihm also doch nicht egal und er verachtet oder hasst Dich auch nicht, denn wäre er dann jetzt so liebevoll besorgt um Dich?!
    Nein, er schlägt Dich nicht und die Kinder sowieso nicht. Bereits der seelische Schaden aber, der bei Menschen in Eurer Situation angerichtet werden kann, ist unermesslich.

    Mach´Dir keine Vorwürfe, wie Du in eine solche Beziehung geraten konntest. Ich vermute jetzt einfach mal ganz stark, dass Dein Mann Dich nicht als Partnerin gewählt hätte, wenn Du nicht eine starke und selbstständige Frau wärst, denn er hat ja gewisse Ansprüche. Nur steht ihm dann wieder sein Minderwertigkeitsgefühl im Weg. Fazit: Du bist stark und selbstständig und kannst mit Deinen Kindern ein von ihm unabhängiges Leben führen :-).

    Ich denke, am wichtigsten ist es, dass Du diese Situation für die Kinder und Dich so schnell wie möglich änderst. Später kannst Du dir in Ruhe die Gründe dafür überlegen, wie es so weit kommen konnte. Ich bin nicht überzeugt davon, dass wir jedes noch so kleine Detail aus der Vergangenheit bis zum Erbrechen durchkauen sollten, aber es gibt ein paar Dinge im eigenen Verhalten, die wir uns anschauen sollten, um nicht wieder in dieselbe Situation zu geraten. Wir haben (fast) immer auch unsere eigenen Anteile in dem, was uns widerfährt.
    Ich bin übrigens nur ein Mensch, der das alles bereits mehrfach hinter sich hat, mit und ohne Suchtbolzen im Gepäck. Ich bin Alkoholikerin und um nicht ständig auf beiden Seiten des Zaunes herumzuturnen, hatte ich beschlossen, aus Vergangenem zu lernen und zumindest die selbst zerstörerische Abhängigkeit von Menschen – in meinem Fall wohl eher ein ausgeprägtes Helfersyndrom bis hin zur Selbstaufgabe - abzulegen. Ich verbrate meine Energie lieber für meine Trockenheitsarbeit und für nützliche und total unnütze schöne Dinge und genieße somit das Leben. Manchmal denke ich aber, wenn ich das alles hinter mich gebracht habe, dann kann ich es auch weiter geben. Vielleicht hilft es dem Einen oder Anderen oder erspart ihm vielleicht sogar ein paar verschwendete Jahre Lebenszeit.

    Liebe Grüße
    Katha

    Hallo Hanni,

    ein Mensch, der seine/n Partner/in schlägt, verliert schlagartig jeden Respekt vor dem Anderen, wenn diese/r sich nicht zur Wehr setzt und konsequent handelt.
    Diese Gewaltaktionen sind oft nichts anderes als ein Ausloten von Grenzen, die ausgeweitet und immer wieder überschritten werden, wenn ständig auch die furchtbarsten Ausfälle verziehen werden.
    Kontrollzwang, Machtgehabe, der ständige Kampf um Aufmerksamkeit und darum, der Erste, der Beste und vor allem der Wichtigste zu sein, deuten auf schwere Defizite in der Persönlichkeitsentwicklung hin, völlig unabhängig von etwaigen Suchtkrankheiten.
    Je tiefer ich die Menschen in den Boden stampfe, die mir am nächsten sind und auf die eine oder andere Weise abhängig von mir, desto größer und stärker kann ich mich fühlen und vor allem behalte ich die größtmögliche Kontrolle, die mir Sicherheit gibt und für mich deshalb lebensnotwendig ist. Dieses Verhalten fällt manchen Menschen unter Alkoholeinfluss leichter, weil sie sonst oft zu feige wären.

    Ich wiederhole mich gern: Ich habe mit Männern gesprochen, die ihre Frauen geschlagen haben (Gewalt ist ja nicht Geschlechtsspezifisch, nur habe ich bislang noch keine Frauen getroffen, die ihre Partner verprügelt haben). Manche hatten ein Suchtproblem, die meisten aber nicht. In Therapien haben sie an sich gearbeitet und gelernt, mit Menschen und der Realität umzugehen, aber jeder Einzelne hat danach seine Partnerin verlassen.

    Der Respekt vor ihr als Mensch war längst verloren und diese Tatsache hatte sich tief im Unterbewusstsein festgesetzt. Die Defizite der Partnerin rückten nun immer mehr in den Vordergrund: Was ist ein Mensch wert, der sich diese Menschenunwürdige Behandlung über Jahre gefallen lässt, sich drangsalieren und schlagen lässt, der mir sofort alles verzeiht, wenn ich mich ausnahmsweise mal anständig benehme oder mit Geschenken besteche. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass eine gesunde, gleichberechtigte Beziehung – die sie dank der Therapie jetzt führen konnten – mit dieser Partnerin gar nicht möglich ist.

    So ist es vielleicht zu erklären, dass so viele Frauen erschüttert vor den Trümmern ihrer Beziehung stehen, nachdem sie Jahrelang ausgehalten, erduldet und neue Chancen gewährt haben, loyal und hilfsbereit auch noch ihre Männer während der Therapie unterstützten, um dann gegen eine andere Frau ausgetauscht zu werden.
    Soviel zur „letzten Chance“.

    Ich würde jedem Menschen raten, sich selbst Hilfe zu holen und an sich zu arbeiten, damit er nicht in die nächste Beziehung schlittert und dasselbe Verhalten an den Tag legt, denn dieses Beziehungsmuster ist kein Zufall. Für die Kinder ist es die Hölle, für Dich aber auch.
    Meiner Meinung nach passt auch z.B. das schönste Schmuckstück nicht zu dem geduckten Verhalten eines geprügelten Hundes oder einem gebrochenen Kiefer – es ist ja nur eine Frage der Zeit, wann bei Gewaltattacken so etwas auch „unbeabsichtigt“ passieren kann. Die schönsten Geschenke für die Kinder sind ebenfalls absolut nichts wert, wenn sie sie später zertrümmern, da sie sich in ihrer Hilflosigkeit nicht mehr anders äußern können.

    Euch alles Gute und Dir viel Kraft.
    Katha