Beiträge von Katharsis

    Hallo Mäuki,

    der Gedanke, den panem aufgegriffen hat, nämlich Deinen Arzt noch einmal wegen der Medikamente zu befragen, kam mir auch.
    Diese Angst zumindest könntest Du damit ja ausräumen.
    Es vergeht zwar noch einige Zeit bis zu Deinem Gesprächstermin Mitte Februar, doch werden ja in der Zwischenzeit die Medikamente zu wirken beginnen und es wird Dir sicherlich damit bald besser gehen.

    Alles Gute für Dich.

    Herzliche Grüße
    Katha

    Hallo Enib,

    nun kann ich mich ja nicht darüber freuen, dass Du auf Medis zurückgreifen musst, aber manchmal benötigt man halt eine Nussschale, um erst einmal zum anderen Ufer übersetzen zu können.

    Ich sehe immer häufiger, dass die Terminplanung für die Nachsorge absolut schlecht organisiert ist und die Verantwortlichen da einfach nicht richtig in die Pötte kommen.
    Übergangslose Behandlung sieht ja nun anders aus, aber endlich ist es soweit und ich find´s schön, dass Du zu der Psychologin einen guten Draht hast.

    Anmerkungen zur Weihnachtszeit verkneif ich mir jetzt mal ;) und wünsche Dir, dass Du mit Ruhe im Bauch da hindurch kommst und vielleicht auch Dinge tun kannst, die Dir Spaß machen, nachdem Du wieder losgelaufen bist um Dinge in Angriff zu nehmen, die notwendig waren. Wie geht´s denn Deinem Knie überhaupt?

    Dir alles Gute.

    Herzliche Grüße
    Katha

    Hallo Clärchen,

    Dir möchte ich noch sagen, dass ich mich sehr über Deinen Besuch und Deine Worte gefreut habe.
    Mehrmals habe ich angesetzt, um Dir zu schreiben und es klang in meinen Ohren immer blechern, obwohl es das nicht gewesen wäre.
    Ich schreibe etwas, Du bedankst Dich für meine Gedanken, dann bedanke ich mich dafür, dass Du dich bedankt hast – es erschien mir plötzlich so seltsam und ich dachte: Ich muss lernen, manche Dinge auch anzunehmen und einfach so stehen zu lassen, weil es dazu einfach nichts zu sagen gibt. Freude darüber reicht manchmal vollkommen.
    Und für diesen neuen Gedanken – der mich auch in andere Bereiche meines Lebens führt … danke ich Dir jetzt :-).

    Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende
    Katha

    Hallo Matthias,

    lieben Dank. Das war mein Gedanke dabei: Ich nehme Dich einfach mal mit, wenn Du magst.
    Ich finde es einfach zu schön, wenn Ängstlichkeit, Starre, negative Erwartungen und das Zögerliche sich umwandeln in Neugier, Spannung und vor allem Freude auf das, was uns erwarten könnte, wenn wir uns in Bewegung setzen. Die Schwere wird ersetzt durch positive Energie und auch das bedeutet Leben für mich.

    Dir liebe Grüße
    Katha

    Hallo Andreas,

    immer schön, wenn Du vorbei schneist :-). Magst Du ein Plätzchen statt der Glückwünsche zu Deiner abstinenten Zeit? ;-).
    Nach dem, was Du hier so alles von Dir geschrieben hast, hatte ich das Bild eines ehemaligen .. äh.. entschuldige..“Platzhirsches“ :) im Kopf, der laut, lärmend, feiernd und auch aufbrausend durch die Gemeinde zog und durch Alkoholbedingtes Nixmerken viele Menschen übergebügelt und verletzt hat, auch seine eigene Sensibilität.
    Umso mehr freut es mich, dass Du deinen Weg gefunden hast, der wesentlich mehr Tiefgang und Inhalt hat. Vielleicht müssen wir manchmal erst den einen Weg einschlagen, um herauszufinden, dass es für uns nicht der richtige ist, womit ich nicht sage, dass ich Jedem eine Sucht an den Hals wünsche, damit er mal ins Klinken kommt ;-).
    Die Veränderungen, die Du für Dich und Dein Leben vorgenommen hast, freuen mich jedenfalls total für Dich und Deine Familie und alle anderen Menschen in Deinem Umfeld.

    Es ist so eine Sache mit dem Karma. Ich denke, wenn ich gezwungen wäre, zu glauben, dass das Schicksal vorherbestimmt ist und wir darin überhaupt keine Aktien hätten, könnte ich auch gleich wieder in Starre verfallen. Leben funktioniert anders.
    Ich finde den Gedanken auch verletzend, dass es manchen Menschen vorherbestimmt gewesen sein soll, furchtbare Dinge zu erleben und so glaube ich nach wie vor, dass manches passiert, weil sich Andere nicht an die Spielregeln halten und Grenzen überschreiten.

    Ich nehme ja nebenbei immer fast alles auseinander und bin für mich zu dem Schluss gekommen, dass ich aus den meisten Dingen aber auch neue Erkenntnisse gewinnen kann.
    Heute weiß ich, dass ich durch mein eigenes Verhalten einiges angezettelt oder zugelassen habe, das Anderen nicht geschehen wäre. Das bedeutet aber keinesfalls, dass ich dazu verdammt bin, ewig und drei Tage immer dieselben Fehler zu machen. Das Handwerkszeug dazu kann man sich jederzeit auch im Nachhinein noch beschaffen, da stimme ich Dir vollkommen zu :-). Heute kann ich einiges für mich komplett ausschließen.

    Dieser Tag, den ich beschrieben habe, war natürlich auf eine Weise doch außergewöhnlich, aber absolut nicht selten in meinem Leben – das wollte ich damit sagen.
    Es ist auch keineswegs so, dass ich mich bewege und dabei jedes Mal etwas ungewöhnlich Schönes heraus kommt. Manchmal dotze ich mir das Köpfchen an der falschen Tür an, bis ich dann doch mal eine andere versuche. Nicht alle Mühen werden belohnt und da heißt es ebenfalls: Dranbleiben, nicht aufgeben, den Mut nicht verlieren.
    Damit Hoffnung funktioniert, ist es mir eben so wichtig, mich immer auf das zu besinnen, was schön ist und das sind in der Regel alltägliche kleine Dinge, statt zu sagen: „Alles shice, Deine Elli!“ :D

    Auf die Lektorengeschichte freue ich mich unbändig, weil es für mich auch ein interessantes Thema ist. Die Arbeit an meinem eigenen Schinken ist oft Schwerstarbeit, weil ich mitten hineinspringen muss in die Erinnerungen, das geht oft so flüssig nicht.

    Gestern war es ruhig hier bei genügend Alltagspflichten, bis eine fette Kröte sich auf den Absatz vor meiner Terrassentür geschwungen hat und mir ins Wohnzimmer glotzte. Sie hätte im Winter hier null Überlebenschancen gehabt, weil da ein kleines Mäuerchen um die Terrasse gebaut ist.
    Erst wollte ich warten, bis die Kinder nächste Woche kommen. Dauerte mir aber zu lang.
    Dann wollte ich einen Nachbarn bitten, sie auf den Rasen zu hieven. Das war mir irgendwie aber zu albern. Ich habe dann die Schaufel von meinem Handfeger an die Greifzange geknotet und sie von hinten mit einem Besen vorsichtig in die richtige Richtung gestubst, um sie über die Mauer zu lüpfen. Ich hatte den Verdacht, dass sie sauer war, weil ich ihr mit dem Besen über den Bobbes geschrubbt bin, aber immerhin kam sie heil draußen an, obwohl ihr das selbst wohl nicht ganz klar war ;-). Über eine halbe Stunde hat sie gebraucht, um sich auf dem Rasen aus ihrer Starre zu lösen. Geht doch! :)

    Dir wünsche ich jetzt schon einmal ein entspanntes Wochenende vor den Feiertagen, die Jeder doch so gestalten kann, wie er bockig ist :-).

    Herzliche Grüße
    Katha

    PS: Mein Schweinehund wiegt im nassen Zustand acht Tonnen und krallt sich wie die Kröte platt in den Boden, da geht ja mal gar nix.

    Hallo Matthias,

    ich schreibe, um mich und Andere daran zu erinnern, dass es weiter geht, und wenn es manchmal noch so finster aussehen mag. Um vor allem die guten Dinge nicht zu vergessen.
    Wunderschön fand ich, was Bernd geschrieben hat: Sein Leben ist kein Kriegsschauplatz, in dem es um Angriff und Verteidigung geht. Gerade heutzutage ist Offenheit so wichtig für Nähe, Verständnis und neue Wege, denn ich denke, dass uns immer mehr Werte flöten gehen.

    Wichtig fand ich auch, was Karsten sagte: Das Leben anzunehmen und Gefühle auch auszuhalten. Beim Dauergrübeln, analysieren und ändern wollen besteht die Gefahr, dass wir vergessen, zu leben. Für mich persönlich würde ich diesen Gedanken erweitern um die Notwendigkeit, zu differenzieren: Was muss ich aushalten, weil es zum Leben dazu gehört, was habe ich mir selbst aufgeladen und muss es ändern, weil es alles andere überschattet.
    Diese Gedanken betrachte ich persönlich als Geschenke, die ich durch die Selbsthilfe erhalte.
    Deshalb mag auch ich teilen, weil vielleicht der Eine oder Andere damit etwas anfangen kann.

    Mein vorherrschender Gedanke ist allerdings dieser: Tue den ersten Schritt und es werden sich Möglichkeiten ergeben und neue Türen sich öffnen. Den lebe ich auch.

    Falls Du mal vor Langeweile nicht in den Schlaf kommen solltest ;-), ist hier ein Beispiel für einen nicht gerade typischen, jedoch auch nicht außergewöhnlichen Tag in meinem Leben, und zwar gestern grad:

    Morgens bin ich zwar geistig total ausgelutscht und erschöpft wegen der ganzen Gehirn- und Seelenakrobatik der letzten Tage, aber ich bin auch erleichtert. Da ist wieder Platz für Neues.
    Ruhe genug für ein gemütliches Frühstück und raus muss und will ich auch. Ich bin nicht gerade irrsinnig motiviert, weiß aber, dass es mir nur gut tun wird.
    Weil ich immer irgendwelche Albernheiten im Kopf habe, ziehe ich eine Tarot-Karte :D und amüsiere mich königlich: Ein guter Tag also für Geschäfte und ich werde aufgefordert, den Menschen, denen ich begegnen werde, diesbezüglich offen zu sein.
    Schallendes Gelächter jetzt, denn ich werde bei Nieselregen einen einsamen Feldweg entlang latschen, Radius ist ja begrenzt.
    Ziemlich lahm, aber entschlossen schleppe ich mich los. Der Schirm nervt mich, denn so fehlt mir ein Arm zum Herumrudern fürs Gleichgewicht.
    Der Teich ist zu weit weg heute und so lehne ich mich an einen Zaun und begucke mir eine Handvoll Tannen vor einem Bach, die mich an Urlaub im Süden erinnern. Ich bin jetzt grün-moosig-gestreift, fühle aber so etwas wie Frieden, Natur wirkt jetzt.

    Auf dem Rückweg kommt mir der Mann im Auto entgegen, der weiter oben sein Grundstück versorgt. Wir haben uns ab und zu mal unterhalten und strahlen uns an, weil wir uns freuen über die Begegnung. Über uns reißt die Wolkendecke auf und ein Stückchen blauer Himmel blitzt heraus. Es hört auf zu nieseln.
    Ich stehe fast bis zu den Knien im Matsch, weil ich dem Auto ausgewichen bin, aber auch das ist jetzt mal grad nicht wichtig.
    Er erzählt mir, dass er ein weiteres Buch schreiben möchte, aber seine neue Lektorin, die eher im esoterischen Bereich tätig ist, mit seinem neuen Thema nicht wirklich etwas anfangen kann. Ich nicke verständnisvoll und bedauernd und mache vor allem ein unverdächtiges Gesicht, weil mir die doofe Tarot-Karte natürlich sofort in den Sinn kommt. Er teilt mir – weiterhin freudestrahlend mit – dass er nach dieser Schlappe sofort an mich gedacht hat und fragt mich, ob ich nicht Interesse hätte, diese Aufgabe zu übernehmen, weil ich doch so eine Arbeitsbiene wäre und wir im Denken ähnlich wären.
    Mit Begeisterung sage ich spontan zu und bin total geplättet. Dieser Mann hat eine unglaubliche Karriere hingelegt, obwohl er kaum zur Schule gehen konnte. Zu seiner Zeit musste auch ein Kind den ganzen Tag für Lebensmittelkarten harte körperliche Arbeit verrichten und als Waise wurde er lange Jahre nur herumgeschoben, ausgenutzt und schließlich abtransportiert.
    Dieser Mann lächelt mich jetzt leise an und sagt: „Trotz all der vielen schlimmen Dinge, die ich erlebt habe, waren da doch immer wieder auch Menschen, die mir geholfen und mich unterstützt haben, beim Überleben, bei der Ausbildung und im Studium. Diese Erfahrungen möchte ich jetzt gern weitergeben. Ich Teilzeitoptimistin blinzle mir tapfer die Tränen aus den Augen, denn hier auf diesem matschigen Feldweg in der hintersten Botanik habe ich meinen Meister gefunden.
    Einziger Wermutstropfen dabei: Ich kann noch nicht sofort loslegen, denn er muss noch einiges vorbereiten, da seine Notizen vorwiegend aus Stichworten bestehen, aber er hat an mich – einen fast wildfremden Menschen – gedacht! Ich bin überwältigt von diesem Vertrauensvorschuss.

    In ein paar Tagen wird er mir eine selbst geräucherte Forelle schenken – die bekommen nur seine „besonderen Spezis“ ;) - und damit beschert er mir obendrein noch eine wunderschöne Erinnerung an meinen Bruder. Ich habe mich dann ungläubig vor mich hinmurmelnd wieder den Hügel hinaufgeschleppt. Nachdem ich zu Hause war, goss es in Strömen.

    Den ganzen Nachmittag musste ich mich zusammenreißen, um nicht einen meiner Menschen von der Arbeit wegzuholen und ihn mit diesem Erlebnis vollzusprudeln.
    Ich konnte dann – im Gegensatz zu den letzten Tagen – wieder ganz in Ruhe sitzen, Kerzen anzünden, Orangen schälen, einen Film gucken, stricken dabei und mich von 7-16 durch den Nikolauskalender arbeiten :-). Ordnung muss sein ;-).
    Die Post kam und brachte mir den Beweis, dass ich immer noch Bürger bin – ich hatte mein Kind schon in Verdacht, dass sie die Gebühren für die Urkunde noch nicht überwiesen hatte.
    Grund zur Freude.
    Ich beschloss, mich noch einmal röntgen zu lassen, die Schmerzen kommen mir seltsam vor und es hat keinen Sinn, Zeit zu vergeuden, indem ich ausharre bis März. Kneifen gilt nicht, vielleicht muss nachgebessert werden. Nicht so schön, aber unumgänglich.
    Freunde schickten mir eine Story zum lachen, um mich aufzumuntern. Total schön.
    Sie erzählten mir auch, dass meine Schwester erneut geheiratet hat. Nicht so schön, macht mich trotz allem sehr traurig.
    Meine Tochter rief mich kurz an – das war Freude pur und Lachen. Sie kommen an Weihnachten auf ihrem Weg in den Urlaub kurz hier vorbei. Das füllt mich, ich weiß aber, dass ich es mir auch allein hätte gemütlich machen können. Gutes Gefühl.
    Mein Sohn erzählt mir auf meine Nachfrage noch, dass er von der Hochzeit meiner Schwester gewusst hat und eingeladen war. Die alten Keile. Nicht so schön, alte Verletzungen.
    Er hat mir nichts davon gesagt, weil er dachte, ich würde früher oder später schon irgendwie davon erfahren. Er hat nicht gedacht, sondern geschont ;-).
    Er hat nicht an der Feier teilgenommen, weil sich das Datum in seiner Planung mit einem anderen Termin überschnitten hat. Der olle Diplomat ;-).

    Ich denke noch kurz über Loyalität nach, gehe schmunzelnd ins Bett und schlafe total friedlich ein.

    Nur ein einziger Tag. Leben halt. Vielleicht geschieht heute nichts außer Ruhe im Bauch.

    Wenn ich nicht losgezockelt wäre gegen meine Bocklosigkeit gestern, hätte ich dieses Erlebnis nicht gehabt. Ich werde mich immer darin erinnern.

    Das ist das, was ich meine, wenn ich immer sage: Tue den ersten Schritt und vertraue.
    Das ist aber auch genau das, was ich nicht in einen kurzen Absatz packen kann, wenn ich mich erklären will.

    - - -

    So, der Anfall ist seit gestern Nachmittag vorüber :-).
    Es ist viel anstrengender, manche Dinge durch das Hirni auszuschwitzen als durch den Körper.

    Hallo Matthias,

    ganz lieben Dank für Deine Worte, nur sehe ich die Sache anders: Bei Dir wissen wir am Ende des Satzes noch, was Du zu Anfang geschrieben hast, bei mir ist man dann bereits auf der nächsten Seite angelangt ;-). Verwirrung pur.
    Mein Kopfkarussell ist beendet und der Weg ist wieder klar.

    Ich habe gerade bei Dir gelesen, dass Deine Guteste Vergangenes nicht einfach so ad acta legen kann und ich find´s total schön, dass Du für sie da bist. Auch wenn Du es ihr nicht abnehmen kannst, wird ihr Deine Fürsorge und Dein Verständnis doch helfen.

    Ich schleppe seit Jahren eine Tasche mit den Briefen und Tagebüchern meiner Mutter herum und wollte mich in diesem Winter einmal hindurch lesen und erinnern, denn nun habe ich ja Zeit. In meinem Kopf war immer nur der Gedanke, dass man dieses „Vermächtnis“ nicht einfach entsorgen kann und ich vielleicht auch Anekdoten über meine eigenen Kinder darin finde. Totaler Blödsinn in meinem Fall, denn es bringt mich nur schlecht drauf und nicht nach vorn. Weg damit jetzt, denn die schönen Dinge werde ich sowieso nicht vergessen. Die Dias aus meiner Kindheit behalte ich allerdings, denn damit können sich meine Ableger noch amüsieren :D.

    Anstrengend war es, mein (wieder einmal) aufkommendes Mitleid im Zaum zu halten gegenüber dem Menschen, der - ebenfalls seit Jahren - mein persönliches Karussell immer wieder am Laufen hielt. Er ist ja nicht nur zornig und beleidigt, sondern auch verletzt und traurig. Ich steige nicht wieder auf, die Tüten sind alle! (Danke, Kaleu, für das Bild).

    Und während ich hier wild in die Tasten gehauen habe, kreiselte über allem in meinem Kopf der Gedanke, dass ich die Einladung meines besten Freundes gar nicht annehmen kann, ihn für ein paar Tage zu besuchen. Ich hatte mich sehr darauf gefreut und habe bei der Überlegung, wie viele fremde Leute ich auf dem Weg bitten müsste, mir meine Tasche in die Züge zu hieven und auch wieder heraus (und natürlich, ob ich es auch wirklich fertig bringen würde und sie nicht einfach kurzerhand selbst schleppen würde ;-)), völlig übersehen, dass er Katzen hüten wird. Ich bin gegen Katzenhaare allergisch und hätte Tagelang niesend im Mieder einiges auszustehen. Gegen eine Erkältung kann ich wenig tun, aber ich muss mir diesen Zustand ja nicht mit Gewalt aufs Auge drücken. Total schade, aber ich fahre nicht. Punkt.

    Die Schmerzen wurden in den letzten Tagen wieder schlimmer, aber ich weigere mich einfach, wieder auf Pillen zurückzugreifen. Ich will nicht! Mir kam aber natürlich dadurch der Gedanke, ob ich tatsächlich meine Pläne für das nächste Jahr so überhaupt umsetzen kann.
    Das werde ich herausfinden, denn noch ist es nicht so weit, Zweifel und Befürchtungen werden vorerst über Bord gekippt.

    Heute nieselt es freundlich in mittelgrau und damit ist es der richtige Tag, um sich durch die Botanik zu schleppen. Eine frische Brise auch für den Rest von mir.

    Dir wünsche ich einen gemütlichen und entspannten Tag.

    Liebe Grüße
    Katha

    Hallo Zimttee,

    dass Alkoholismus nicht erblich bedingt sein soll, habe ich vor vielen Jahren in verschiedenen Büchern gelesen, als ich mich mit dem Thema überhaupt mal beschäftigt habe. Diese Bücher gingen denselben Weg wie die Schwarte: „Sage nein ohne Skrupel“, nämlich über den Jordan.

    Wenn ich kurz durchs Internet rausche, stoße ich auch heute immer noch auf dieselben Formulierungen: …noch nicht zufriedenstellend erforscht…, …es kann leichter eine Sucht entstehen…, …zu 40 – 60 % genetisch beeinflusst…, …deuten darauf hin…, die Forschung geht davon aus…, es gibt Hinweise darauf…, genetisch bedingt sein kann auch ein Mangel an Dopamin… - wenn selbst die Forschung in diesem Bereich oft noch so schwammig unterwegs ist, stelle ich mich nicht hin und sage: Jeder Alkoholismus ist zwangsläufig genetisch bedingt und erschwerend kommen andere Faktoren hinzu.
    Du sagst selbst, der Dopaminspiegel (erblich) ist „oft“ sehr niedrig.

    Für mich ist nur eines wichtig: Als Alkoholikerin nutzen mir persönlich diese Erkenntnisse letzten Endes überhaupt nicht, also die reinen Zahlen, Studien, Erkenntnisse, Theorien. "Kann sein, muss aber nicht", wird mir persönlich mit meiner Krankheit nicht weiterhelfen können.

    Ich kenne z.B. meinen Dopaminspiegel nicht, auch nicht den meiner Eltern. Ich bin die Frau mit überwiegend nahezu ekelerregend guter Laune, aus meinen Büros ging kaum mal Jemand ohne zu lachen hinaus und völlig abstinent überkommen mich aus heiterem Himmel (oder doch wohl eher aus meinem Inneren) Glücksgefühle, für die ich häufig genug seltsame Blicke ernte. Alles ohne Alkohol und andere Drogen, jetzt gerade auch ohne Sport, ohne Schoggi, sogar immer häufiger auch völlig ohne andere Menschen. Bin ich draußen unterwegs, lächeln mich oft wildfremde Menschen an. Erst dann wird mir wieder bewusst, dass sie „nur“ auf mein Lächeln hin reagiert haben.
    Da nehme ich dann, was ist, lasse für mich persönlich den Dopaminspiegel außen vor, der vermutlich nicht relevant ist und begucke mir den Rest.

    Alkohol war in meiner Kindheit und Jugend ein selbstverständlicher Begleiter. Alle haben hart und viel gearbeitet, aber auf Familienfeiern und an Feiertagen wurde mit Verwandten, Freunden und Nachbarn ordentlich zugeschlagen. Am nächsten Tag stand Jeder wieder pünktlich auf der Matte, um seinen Pflichten nachzukommen. Das erscheint mir selbst aus heutiger Sicht ein völlig normales Verhalten, wenn man bedenkt, dass es eine Zeit war, in der die Menschen viel häufiger zusammen gekommen sind als heutzutage üblich. An die Gefahren von Alkohol- (oder auch Zigaretten)konsum hat damals kaum ein Mensch gedacht und definitiv wurde uns ein Bild vermittelt, dass diese Droge einen normalen Teil des Lebens ausmacht, ohne alltäglich zu sein. Wir hatten Respekt, aber keine Angst.

    Die Überlegung, was mein Vater und auch meine Mutter uns in Sachen Problembewältigung vorgelebt haben, hilft mir technisch bei der Bewältigung meiner Krankheit nicht wirklich weiter. Genau wie sie gehe auch ich Probleme an, kümmere mich, finde Lösungen, halte auch aus und durch, bleibe dran. Nur ging mir im Laufe der Jahre im Gegensatz zu ihnen die Leidenschaft und Energie dabei etwas flöten, denn fortgesetzte Anstrengungen tragen heute nach meinem subjektiven Empfinden weniger Früchte und nur kurz kann man sich auf dem Erreichten ausruhen und es als Basis für ein weiteres Vorankommen nehmen.
    Ich kann also nicht behaupten, dass ich Angst hätte, mich Problemen zu stellen. Meine erlernte und für nützlich befundene Strategie ist: Kümmern und es angehen.

    Essverhalten: Wenn es mir schlecht geht, fange ich an, mehr zu essen. Wenn es mir sehr schlecht geht, höre ich fast gänzlich mit dem Essen auf. Mein normales Essverhalten besteht darin, in Maßen etwas – worauf ich Appetit habe - so häufig immer wieder zu essen, bis es mich langweilt. Dann rühre ich es für lange Zeit nicht mehr an. Wäre schön, wenn in dieser Abteilung auch bald noch einmal ein anderer Mensch auftauchen würde, ich würde mir weniger seltsam vorkommen ;-):

    Ich war immer davon überzeugt, dass jede Sucht eine Angst vor Mangel darstellt, aber was mich persönlich betrifft, bin ich mir deswegen nicht mehr so sicher.
    Ich wünsche mir – zumindest momentan – nicht „mehr“ von etwas, nur die Ruhe, um das, was ich habe und was ist, genießen zu können.
    So lande ich immer wieder bei dem „Handwerkszeug“ und ich denke, das Einzige, was mich wirklich zu Boden bringt (außer den Bildern manchmal, die auf meine Netzhaut gebrannt sind), ist Ausgrenzung, dieses weggestoßen und als Einzige übergangen zu werden innerhalb einer wie auch immer gearteten sozialen Gemeinschaft und das Ganze möglicherweise noch mit System, diese Willkür dabei. Gepaart mit meinem Verständnis für fast sämtliche menschlichen Kapriolen und der Tatsache, dass sogar diese Menschen mir oft leid tun, wenn ich hinter die Fassaden sehe, vor allem, wenn ich weiß, dass sie mich tatsächlich brauchen und mögen, wurde mit mir ein Mensch gebastelt mit einer ungeheuren Leidensfähigkeit. Reißt aber die letzte Saite in mir, dann raschelt es furchterregend. Dann gibt es auch keinen Weg mehr zurück. Ich habe mir also angewöhnt, rechtzeitig mal Laut zu geben, bevor es eskaliert.
    Ich wünsche mir also z.B. nicht mehr Zuneigung, Sympathie, Anerkennung oder das Gefühl, gebraucht zu werden, etc. ich will vielmehr, dass steht, was ist, eine klare Linie also.

    Selbst diese Erkenntnis ist aber nicht so easy zu handeln, wie es Anderen erscheinen mag ;-).
    Außenseiterin war ich häufig genug und kein Stück besorgt deshalb. Es war eine leichte Übung, z.B. wegen einer blöden Wette im Pyjama in der Schule zu erscheinen und den Haupteingang zuzumauern und ich hätte jetzt überhaupt keine Mühe, an den Rudern einer Galeere herumzuhängen, während 100 Leute sich an Deck sonnen, solange nur ein einziger Mensch mitrudert. Reicht mir persönlich völlig.
    Wäre ich aber z.B. die Einzige, die mit einem alten andersfarbigen Bürostuhl vorlieb nehmen müsste, während alle Anderen einen neuen erhalten – also so weithin offensichtlich – würde ich wahrscheinlich in Tränen ausbrechen, wenn ich dazu neigen würde :-), doch sicher auch wieder nicht in jeder Firma. Wie ich auf Verschiedenes reagieren werde, ist also selten vorhersehbar und so werden die Überraschungen nicht alle.

    Mein Leben lang wird meine Sympathie deshalb wohl immer den Außenseitern gelten, denen, die von einer Horde bedrängt werden und wenn die Horde 100 Mal „recht“ haben sollte, und denen, die vermeintlich nirgendwo hinein zu passen scheinen oder denen, die noch einen Weg suchen oder in ihren eigenen Augen „versagen“, etc. Außerdem ängstigt mich Fremdes sehr selten oder nur dann, wenn ich nicht mehr im Fluss bin – so wie die Gerichtsverhandlung gerade, es bereichert mich und beschert mir neue Ein- und Ansichten.
    Ich habe nach meiner sechsjährigen Abstinenz damals nicht wieder getrunken, weil ich etwas nicht ertragen konnte, sondern weil ich ganz bewusst manchmal nicht mehr ertragen wollte. Mir hat´s einfach gereicht für dieses Leben. Am nächsten Tag habe ich mich dann wieder wie gewohnt um alles gekümmert. Natürlich schießt man sich damit immer nur ins eigene Knie, lohnt also auch nicht.
    Ich habe gerade Zeit und Ruhe zum Tippseln, da ist etwas im Umbruch begriffen, was mich schon viel zu lange aufgehalten hat. Es macht mich vor allem unsortiert – Logik darf grad Niemand von mir erwarten- aber das ist für mich okay im Moment. Ich überlege jetzt kurz, ob ich diesen überaus privaten Sermon in dieses Forum schicke, oder doch lieber eine Flaschenpost daraus drechsle, die dann von einer blass-lila-nasigen außerirdischen Psychologenbande im Jahr 7052 auseinander gepfriemelt wird mit dem Ergebnis, dass die Menschen auf der Erde in grauer Vorzeit aus rosa Plüsch und Titan bestanden und komplett einen an der Waffel hatten. Das Meer ist einfach zu weit entfernt und der Fischteich irgendwie doch nicht so die Lösung…

    Viele Grüße
    Katha
    (Die Steigerung von "ausführlich" :-))

    Hallo Zimttee,

    manchmal nehme ich mich ja gern selbst mal hoch oder auch auseinander, tue dies aber ausführlich nur sehr ungern in anderen Threads, da der Andere vermutlich sein eigenes Vorankommen reflektieren möchte und weniger Interesse hat an meinen eigenen Ein- und Ausfällen :-). Ich antworte Dir also lieber in meinem Postfach, da kommt jetzt ein Karton ;-).

    Viele Grüße
    Katha

    Hallo Miriel,

    als hitzig habe ich persönlich es hier überhaupt nicht empfunden :-). Ich freue mich gerade total, dass Du nachvollziehen konntest, was ich mit der Opferrolle gemeint habe.
    Ich denke auch, dass wir auf keinen Fall alles aushalten sollten, das wäre ja fatal.
    Wenn der Zeitgenosse so einen Gestank verbreitete, sollte man ihn umgehen – das ist auch meine Meinung. Muss er sich nicht wundern. Ich hatte Deinen Post allein auf den Alkoholgeruch bezogen und war da wohl Betriebsblind, was mir leid tut. Danke für Deine Erläuterungen diesbezüglich. Es klingt, als würdest Du sehr achtsam mit Dir umgehen und wärst auf Deinem Weg ein gutes Stück vorangekommen. Das freut mich auch für Dich.

    Dir noch einen schönen Restsonntag.

    Herzliche Grüße
    Katha

    Liebe Susanne,

    Deine Vermieter-Paranoia kann ich nachvollziehen :-). Meinen Vermieter würde ich gern mit Dir teilen, einen der liebsten Menschen, die es gibt. Er lässt mich völlig in Ruhe wurschteln, ruft aber auch an, um sich nach meinem Befinden zu erkundigen.
    Außerdem macht er die schönsten Komplimente. Da er seit dem Sommer glücklich verheiratet ist und immer noch total verliebt in seine Frau :-), darf er das auch.

    Oft begucke ich mich ja selbst und wenn ich mein Getippsle hier manchmal so lese, frage ich mich doch, ob überhaupt ein Mensch etwas davon nachvollziehen kann, da es oft so widersprüchlich wirkt und doch ist davon alles in mir drin. Wenn ich ebenso launisch wäre, wäre das tatsächlich fatal ;-).

    Für sich selbst einzustehen, genau das war es. Es wundert mich nicht im Geringsten, dass Dein XY es nicht begriffen hat. Meiner jedenfalls ist momentan verletzt, sauer, beleidigt, aber ich kann es nicht ändern. Ich konnte ihn nur bitten, sich einmal vorzustellen, wie schlecht es mir immer wieder mit ihm gehen muss, wenn ich bereit bin, sogar in meiner jetzigen Situation auf jeden weiteren Kontakt und damit auf seine sämtliche Hilfe und die vielen schönen Aufmerksamkeiten zu verzichten. No more to say…
    Ich bin viel besser durch die letzten Monate gekommen, als ich mir das jemals hätte vorstellen können. Immer wieder sind es tatsächlich die kleinen Dinge, die mich freuen und mir das Ganze so viel leichter machen und die kann ich nur wirklich genießen, wenn ich diese Ruhe im Bauch habe oder überhaupt in der Lage bin, sie auch zu sehen.
    Zwei Nachbarinnen habe ich Nikoläuse vor die Tür gestellt. Dabei habe ich bis zum nächsten Tag befürchtet, dass sie mitten hinein treten, wenn sie genauso aus der Tür schießen sollten wie ich, aber offensichtlich sind sie etwas vernünftiger ;-). Die Eine fiel mir deshalb mit Tränchen in den Augen um den Hals, weil sie sich so darüber gefreut hat und das hat mich dann wiederum gefreut.
    Irgendetwas ist immer da, der Mann von der Krankenkasse, der mir so freundlich entgegen kam oder der Hausarzt, der mich extra anrief, um die Wirkung von Medikamenten zu besprechen, die Nachbarn, die fast alle ihre Hilfe angeboten haben. Mein bester Freund, der immer ein offenes Ohr für mich hat und mich eingeladen hat, ihn über die Feiertage zu besuchen bis hin zur Postkarte, die mein Sohn mir geschickt hat. Ich habe den Verdacht, dass er seine Freundin als Ghostwriter benutzt hat ;-), aber ich bin da nicht kleinlich. Ein geschriebenes (wenn auch diktiertes) „Hab´Dich lieb“ kommt bei mir an den Kühlschrank und lässt mich summen wie eine Biene :-).
    Wenn aber Jemand ständig an mir herumzerrt, komme ich nicht voran. Keine Ausgeglichenheit, keine Stabilität, immer wieder zurückgeworfen werden, die kleinen Freuden zunichte gemacht. Für die Genesung muss man oft auch aktiv etwas tun und wenn ich etwas verändern will, muss ich daran arbeiten.
    Natürlich kann ich mir negative Erlebnisse auch in Zukunft nicht ersparen, aber ich kann zumindest die vermeiden, die quasi vorhersehbar sind, weil´s immer so war und sich nicht ändern wird.

    Dir wünsche ich noch einen wunderschönen puscheligen Nachmittag.

    Liebe Grüße
    Katha

    Hallo Rhein,

    vielleicht habe ich mich unverständlich ausgedrückt. Nachvollziehen kann ich das Verhalten sehr wohl, nur reduziere ich mich manchmal auf reine Logik.
    Ich kann – ein Vergleich, der mir spontan in den Kopf schoss – doch z.B. als Burka-Trägerin nicht jederzeit in einem Hallenbad in Bielefeld einfallen und mich dann darüber aufregen, dass ich dort auf Männer nur in Badehosen treffe. Zum Schwimmen wähle ich doch dann den Tag, an dem nur Einlass ist für Frauen. Macht jedenfalls für mich Sinn.
    Wenn ich ein Konzert besuche, muss ich damit rechnen, auf alkoholisierte Leute zu treffen, ich nehme es quasi billigend in Kauf. Bin ich noch nicht soweit, dass ich damit umgehen kann, verzichte ich darauf, überlege aber doch dabei, was ich für mich tun kann, um an mir zu arbeiten oder ich beschließe, generell z.B. Konzerte zu meiden.
    Im Gegensatz zu Dir glaube ich, dass ich Menschen verletzen oder beleidigen kann durch Blicke oder dadurch, dass ich schweigend auf Abstand gehe. Vermutlich hat es den alkoholisierten Konzertbesucher auch gar nicht gejuckt, aber ich würde ihm nicht seinen Darfschein absprechen, sich nach seiner Fasson zu amüsieren. Es ist seins.

    Offensichtlich ist heute der zweite Tag hintereinander, um sich ordentlich in die Nesseln zu setzen, aber nun: Wenn die rein technische Frage nach eventuellen Entzugserscheinungen eines Partners – die sowieso nur ein Arzt feststellen kann – beantwortet wird damit, dass Alkis grundsätzlich alle lügen und ver@rschen, dann denke ich zunächst, dass die Antwort am Thema vorbei gegangen ist und natürlich frage ich mich dann nach dem Grund dafür.
    Das ist für mich nur ein Beispiel dafür, dass ich nicht wirklich glauben kann, dass Alkoholismus als Krankheit in allen Köpfen angekommen ist. Dies ist rein sachlich gemeint und nicht als Beleidigung oder Verletzung.

    Wir alle machen zwangsweise gute und schlechte Erfahrungen. Wie bereits erwähnt, gehöre ich nicht zu der Fraktion, die meint, alles wäre für irgendetwas gut.
    Wenn ich aber diese Erfahrungen nun sowieso schon machen musste, dann kann ich sie auch für mich nutzen. Ohne diese ganzen schlechten Erfahrungen hätte ich mich wohl viel weniger mit mir selbst beschäftigt und nach Mustern und Lösungen gesucht, womit ich nicht sagen will, dass es total super ist, dass ich nun Alkoholikerin bin, weil ich deshalb so irrsinnig viel Stoff zum Nachdenken bekam, aber ich versuche, immer mit dem zu arbeiten, was ist.
    Ich mag Bitterkeit nicht, weil sie ein schwarzer Fleck in meiner Seele ist und sich ausschließlich gegen mich selbst richtet, mich vielleicht auch vergiftet, immer wieder aufs Neue verletzt, mich misstrauisch, voreingenommen und zögerlich sein lässt. Ich treffe damit immer nur mich selbst und denke doch, ich habe bereits genügend hinter mir, ohne sie auch noch mitschleppen zu müssen.

    Über Deine letzte Frage habe ich schon sehr oft nachgedacht. Gelesen habe ich, dass Alkoholismus nicht genetisch bedingt ist. Nun habe ich bei mir selbst und bei vielen anderen Alkoholikern festgestellt, dass der Alkoholismus sehr oft in der gesamten Familie verbreitet war.
    Ich weiß darauf einfach keine Antwort. Für mich persönlich konnte ich – mittlerweile komplett ohne Vorwürfe – feststellen, dass in meiner Kindheit sehr vieles im Argen lag. Ich nenne es „Handwerkszeug“, das mir nicht ausreichend mitgegeben wurde. Kinder, die stets um Liebe und Anerkennung betteln müssen, geraten genau aus diesem Grund später oft in Beziehungen, in denen sie ebenfalls schlecht behandelt werden. Das kann natürlich allen Menschen passieren, aber ein Mensch mit „normaler“ Selbstachtung fasst sich an den Kopf und trennt sich, während ich geblieben bin. Erkennt man dieses Muster nicht, kann man es auch nicht aufbrechen. Laufen mehrere Beziehungen so ab, fühlt man sich nach einer Zeit wertlos und denkt vielleicht auch, man hätte die schlechte Behandlung tatsächlich verdient. Das geht so weit, dass Dich Jemand schlagen kann und Du ihm auf die lapidarste Entschuldigung hin stets verzeihst, das Hamsterrad dreht sich weiter. Verzweiflung, innere Leere, gefühlte Ohnmacht und Aussichtslosigkeit haben mich dazu gebracht, mir einen Fluchtweg zu suchen.
    Betrunken war mir alles gleichgültig, es war die reine Erholung für mich, endlich zur Ruhe kommen, alles aushalten zu können, nichts mehr fühlen zu müssen, beim Schlafen die Augen schließen zu können, abzutauchen in meine eigene Welt.
    Ich erinnere mich noch gut an meine bewusste Auswahl damals: Natürlich wollte ich niemals zur Alkoholikerin werden, aber ich bin die Möglichkeiten tatsächlich durchgegangen. Medikamente kamen für mich nie in Frage, weil ich bereits als Jugendliche in Krankenhäusern zu viele Abhängige gesehen hatte. Vor harten Drogen hatte ich immer zuviel Angst und weiche Drogen habe ich gemieden, weil ich die Wirkung nicht „kontrollieren“ konnte. Sagt die heutige Koma-Trinkerin und es wäre zum Lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
    Mein Verhalten heute überträgt sich auf alle Bereiche meines Lebens. Ich habe bereits erwähnt, dass ich mich von meinem letzten regionalen Sozialkontakt trennen musste. „Was er mit den Händen aufbaute, schmiss er mit dem Mors wieder um“. Das trifft es am besten.
    Ich verzichte damit auf Fürsorge und sehr viele Annehmlichkeiten, aber ich schaffe mir ein Dauerfeuer von ungerechtfertigter Kritik, kleinen Verletzungen und Sticheleien vom Hals, muss mich nicht mehr ständig erklären oder rechtfertigen und für – in meinen Augen - selbstverständliche Dinge wieder und wieder bedanken. Das ist es, was ich meine: Wir können nicht alles haben, den Foifliber und das Weggli, wir müssen Entscheidungen treffen und das bedeutet eben auch oft Verzicht. Es tut noch weh, aber ich weiß auch, dass ich nur so wirklich innerlich zur Ruhe kommen kann.

    Wie denkst Du denn über Deine letzte Frage?

    Viele Grüße
    Katha

    Ju, Rhein. Sein Leben, seine Entscheidung!
    Unabhängig von allem. Es zählt nur sein Ich.
    Bin ich darauf nicht vorbereitet, darf ich nicht einmal aus der Haustür fallen.
    Ich sollte meine Entscheidungen für mich selbst treffen.
    Nicht einfach, das gestehe ich zu.
    Es war IHR Problem, nicht seines! Er ahnt nicht einmal etwas davon.

    Liebe Grüße, ob Du die magst oder nicht,
    Katha

    Meine Güte, Rhein, natürlich verstehe ich sämtliche Fehler auf der Festplatte, meine eigenen oder die Anderer, aber ich kann die Welt nicht komplett aus den Angeln heben.
    Selbstverständlich meide ich alles, was mir nicht gut tut, aber ich mache nicht alles und jeden für das verantwortlich, was mir passiert ist.
    Ich denke halt, Jeder sollte sich um seine eigenen Flickfehler kümmern und es nicht projizieren auf total Ahnungslose.
    Glaub mir einfach, wenn ich sage, dass ich weiß, wie schwer Gepäck wiegen kann...

    Hallo Step,

    höchste Zeit Dir zu sagen, dass ich Deinen Weg immer klasse fand.
    Du hast Dich durchgekämpft, auch durch die schlechten Tage.
    Du hast Unterstützung und Rückhalt durch Deine Familiy – das ist unbezahlbar – aber den „Rest“ hast Du allein geschafft, weil Du bist wie Du bist.
    Ich weiß nicht mal, ob ich das Recht habe, es überhaupt verlauten zu lassen, aber für mich bist Du auch der Inbegriff der treuen und sozialen Seele.
    Ich freue mich, wenn Du dich freust. Über Kleinigkeiten. Das bereichet mich.
    Und wenn ich auch mit Verniedlichungen nichts anfangen kann: B.leib so wie Du bist. Menschlich wertvoll!

    Liebe Grüße
    Katha

    Hallo Miriel,

    vielleicht bin ich seltsam unterwegs heute, aber ich verstehe Dich nicht.
    Jedem Alki wird hier mittels der Grundbausteine aufs Auge gedrückt, dass er ein Alkoholgeschwängertes Umfeld zu vermeiden hat.
    Kann ich mich dann als Co hinstellen und sagen, der Rest der Welt hat sich gefälligst auf meine negativen Erfahrungen einzustellen und dementsprechend zu agieren?
    Gelten nicht dieselben Gesetze für uns?
    Arbeitet ein(e) Co so überhaupt nicht an sich?
    Fremde Menschen sind doch nicht verantwortlich für Deine Gefühle!
    Sry, aber diese Opferhaltung geht mir echt auf den Keks.
    Du bist noch sehr jung und ich will Dich wirklich nicht verletzen, aber überlege doch vielleicht einmal, was Dich aus dieser Negativ-Haltung heraushieven könnte.
    Du bestimmst, was Leben ist!

    Liebe Grüße
    Katja

    Hallo alk_örgs,

    mir ist schon klar, dass wir mit dem arbeiten müssen, was ist und ich jedenfalls bin froh, dass es bei Dir – von meiner Warte aus gesehen - im richtigen Moment geklemmt hat (klingt flapsiger als es gemeint ist). Ich denke auch, es ist müßig, nun zu überlegen, ob es Kishmet, der Fingerzeig Gottes oder die Rubrik „Shice-Technik“ war, immerhin hast Du jetzt eine wunderbare Gelegenheit, herauszufinden, was Du benötigst für ein zufriedenes und ausgefülltes Leben.

    Es ist nicht böse gemeint, aber mich gruselt es bei dem Gedanken, Entgiftungen als unausweichliche Konsequenz für die Folge meines Lebensstiles anzusehen.
    Wenn wir die Alkoholzufuhr nach Belieben steuern könnten, würden wir ja nicht in diesem Forum herumturnen.
    Es ist durchaus möglich, dass ich ein wenig anders ticke als viele andere Menschen. Gestern habe ich einen 30 Jahre alten Brief meiner Mutter an mich gefunden und sie warf mir darin meine Rigorosität vor im Umgang mit Menschen vor.. Daran hat sich bis heute nichts geändert und ich könnte auch heute nicht auf ihren gutgemeinten Ratschlag eingehen und manche Bekanntschaften nur pflegen, um in Notfällen Unterstützung zu erhalten, obwohl mir an den Menschen selbst nichts liegt. Dieses oberflächliche und in meinen Augen auch irgendwie heuchlerische Kontakthalten ist einfach nicht meins. Natürlich schade ich mir damit immer nur selbst und das einzig Gute daran ist, dass „meine Leute“ wissen, dass meine Zuneigung absolut aufrichtig ist.
    Ich hole schon wieder zu weit aus. Was ich damit sagen will, ist: Wenn ich so leben und handeln will, wie ich es mir für mich wünsche, mit meinen (eventuellen) Abweichungen vom Verhalten anderer Menschen, benötige ich Respekt. Nicht weil ich mich so besonders toll finde, sondern weil ich die Freiheit haben möchte, so sein zu können. Nicht besser, nicht schlechter, nur anders manchmal. Dich treibt der Gedanke: „Ihr bekommt mich nicht klein!“, mich hingegen eher der Wunsch, in meiner manchmal seltsamen Art akzeptiert zu werden. Vielleicht auch, weil ich erreichen möchte, dass auch Andere den Mut finden, so zu sein, wie sie sind und nicht, wie es vom Umfeld gewünscht wird.
    Das kann ich nur erreichen mit klarer Birne und Haltung, aufrecht halt, und nicht als selbstmitleidiger, versoffener, depressiver Jammerlappen, den man nicht mal in alltäglichen Dingen ernst nehmen kann. Saufen ist – verdammt noch mal – keine Option! und jeder Rückfall könnte der letzte sein, ohne dass es mein Wunsch gewesen wäre.

    Erschwerend kommt bei mir hinzu, dass ich keine Abhängigkeiten mag, diesen Zwang.
    Ich kann mich doch nicht gegen Menschen auflehnen, die mich in eine Schiene pressen wollen und gleichzeitig irgendeinem blöden Gesöff oder einer anderen Droge die Macht geben, mein Leben zu bestimmen. Das passt nicht einmal für mich zusammen.

    Was hast Du dir bloß angetan in der Vergangenheit?! Saufen, Pillen einklinken, Gas geben und Bremsen, alles gleichzeitig. Magst Du dich so gar nicht?
    Zufällig bin ich davon überzeugt, dass Du der Welt eine Menge zu geben hättest. Zufällig weiß ich auch, dass dies nicht unbedingt die berauschende Motivation ist für Andere, weiter zu leben, zu geben ;-). Aus meiner völlig doofen weichen Stelle heraus glaube ich, dass Du ganz oft auf Ablehnung gestoßen bist. Weil Du irgendwie anders bist. Weil Menschen oft nicht hören wollen oder ertragen können, was Du zu sagen hast. Ich würde Dir am liebsten ganz frech sagen: Geh´raus und lebe. Sei wie Du bist, denn da draußen sind Andere, denen es ähnlich geht wie Dir. Es könnte nur eins dabei herauskommen: Gespräche, die unter die Haut gehen, die bewegen, die Weiterentwicklung und Veränderung möglich machen. Nicht täglich natürlich, denn das würde das menschliche Fassungsvermögen übersteigen, und auch nur mit Wenigen. Diese Wenigen gibt es aber. Über den Rest meiner freien Zeit denke ich immer: Lieber keine Gesellschaft als schlechte. Weil ich Menschen mag, war das ein höllischer Weg für mich, aber damit geht es mir endlich besser.
    Und vielleicht täusche ich mich auch und Du würdest mir jetzt am liebsten eins überbraten, weil gerade wieder ein gefühliger Gaul mit mir durchgeht ;-). Tant pis..:-)

    Ich kenne beides: Den brüllenden Suchtteufel, der mir buntbemalte Barrikaden anbietet und damit die Möglichkeit, einfach auszubrechen – das ist ein Teil von mir - und das Aufweichen der Vernunft, das sich eher heimtückisch anschleicht.
    Ich überlege mir heute keinen Grund mehr, um zu trinken. Es ist völlig wurscht, ob ich es in Erwägung ziehe oder nicht, heute sind ständig massenweise Gründe da, es nicht zu tun.
    Ich liebe Bücher, könnte so nicht lesen. Das Ende des Films, der mich interessiert, würde ich nicht mitbekommen. Ich liebe die Natur, könnte mit besoffenem Kopp nicht draußen herumstolpern und würde mich damit selbst berauben. Mein Radius und die Möglichkeiten, mich zu beschäftigen, sind im Moment sehr begrenzt. Ich komme erstaunlich gut durch diese Zeit, obwohl ich in dieser Woche auch meinen letzten regionalen Sozialkontakt zum Teufel geschickt habe. Ich komme in mir an, was bedeutet, dass ich überall leben kann. Unbezahlbar für einen Menschen, der keine Wurzeln und keine Heimat mehr hat. Diese Erkenntnis hat mich vor Jahren zu Tränen getrieben. Ich spüre… Unabhängigkeit und damit Freiheit, obwohl mir ein Gartenstuhl am Mors klebt ;-).

    Du erinnerst mich stark an meinen besten Freund. Ich muss immer lachen, wenn er sich aufregt über Mitglieder in SHG´s, die dauernd rumschwallern, wie verdammt glücklich sie sind, dass sie trocken „sein dürfen“. Ich gehöre nicht zu den Menschen, die darüber jeden Morgen in fröhliche Hysterie ausbrechen, aber ich verstehe Jeden, der sich erinnert, erleichtert und zufrieden ist, dass er nicht mehr trinken muss. Autosuggestion. Man darf es verstehen, muss es nicht teilen. Gebetsmühlenartig irgendwelche Mantras herunterzubeten, erscheint mir so blutleer und ohne Leben darin, aber es ist doch vollkommen legitim für den Anfang.
    Alles ist legitim, um sich langsam distanzieren zu können und das Leben stetig mit neuem Inhalt zu füllen. Hier ist kein Platz für Zynismus, aber das ist wieder nur meine persönliche Meinung. Mut und genügend Neugier – die die Angst ersetzen kann - um seinen Komfortkreis zu erweitern, und Erinnerung, um nicht in alte Muster zurückzufallen.
    Ich kenne wenige Alkoholiker, die nur gesoffen haben, um Langeweile zu bekämpfen. Die meisten von uns haben einen Flick weg, um den sie sich kümmern sollten.
    Meine weiche Stelle sagt, dass es möglich ist, dass wir Alle Unterstützung bekommen können, aber dazu muss man sich in Bewegung setzten. Ich habe es oft erlebt, dass sich ungeahnte Möglichkeiten ergaben, sobald ich mich überwinden konnte, den ersten Schritt zu tun. Hilfe von überall her, das hat mich oft getragen.
    Ja, und manchmal muss ein „eher nein als “ als ein„och, wieso nicht“ reichen, um die ersten Schritte zu tun. Deine 15 Jahre Abstinenz hatten – meiner Meinung nach – keine Konsistenz. Du könntest aber versuchen, sie zu füllen. Mit Leben. Da ist doch genügend Stoff vorhanden.

    Herzliche Grüße
    Katha

    Hallo Ihr Lieben :)
    [Ich bin ja sonst nicht so offensichtlich gefühlig unterwegs, aber was raus muss, muss raus: Fühlt Euch mal gedrückt! :-)]
    Ganz lieben Dank für Euren Zuspruch, er hat mir echt geholfen und ich bin kichernd zum Bahnhof gewetzt, nachdem ich Correns´Beitrag noch lesen konnte :-).
    Meiner Haarfarbe habe ich allerdings den Job nicht ganz zugetraut und deshalb noch eine Mütze mit fiesen Troddeln montiert, besser is… ;-).

    Ich bin jetzt noch ganz überrascht, wie naiv ich manchmal sein kann, weil ich erfolgreich verdrängt hatte, dass Mühlen zwar mahlen, jedoch nie in meinem Tempo ;-).
    Mein Anwalt ist nicht erschienen, vermutlich irrt er noch durch die Wüste, weil da Andere vor mir waren ;-), aber zum guten Schluss tauchte doch noch ein Ersatzmann auf.
    Ein Vergleich wurde vom Vermieter abgeschmettert, allerdings auch seine Bitte um eine 14-tägige Frist, um sich erinnern zu können, ob er gewisse Schriftstücke unterzeichnet hatte, auf denen zweifelsfrei seine Unterschrift prangte.
    Nun geht es in die Beweisaufnahme, mein Erscheinen ist nicht mehr erforderlich und damit kann ich frei entscheiden.
    Das einzig Wichtige für heute aber ist: Ich habe mich gekümmert, bin dort erschienen, habe die Begegnung der dritten Art überstanden und der Druck und die Anspannung sind jetzt komplett weggefallen. Ich vermute stark, dass ich mich mit meiner persönlichen Akte auch zum Rückspiel aufmache und ebenso an allen möglicherweise nachfolgenden Sitzungen teilnehmen werde. Es ist jetzt nur noch Technik, kein Ballast mehr.
    Auf dem Weg zum Bahnhof hat es leicht & lauwarm genieselt und Klamottentechnisch sahen die Nicht-Kuttenträger kein Stück besser aus als ich: Soviel zum Karussell im Köpfchen :D.

    Ich wünsche Euch noch einen bezaubernden Tag. Danke!

    Liebe Grüße
    Katha, die sich heute keinen Zentimeter mehr bewegen wird ;)

    Vollsperrung im Hirni in Sachen Vermieter.

    Liebe Susanne,

    da wollte ich Dir meine eigenen Ein- und Ausfälle schildern, was den Umgang mit Vermietern angeht (z.B. mein fasziniertes Starren auf das T-Stück, das ein Vermieter im Rohr hinter meiner Wasseruhr eingebaut hatte, um meine Wasserleitung anzuzapfen und mein freundliches Abnicken zu seiner Erklärung, dass die Abrechnung wegen der Wasseruhr selbstverständlich ordnungsgemäß erfolgt...) und weitere Späße, um Dir zu vermitteln, dass Du keineswegs die Einzige bist, der solche Kapriolen passieren :-), aber meine Schaltstellen sind in dieser Hinsicht schon längst wieder besetzt :(

    Mein Prozess findet morgen statt. Ich hasse das! Und doch muss ich es zum Abschluss bringen. Ist ja nicht mein erster, und nein: Ich bin keine Krawallschachtel mit extremen Hobbies.
    Für meinen Paps bin ich damals allein ins Feld gezogen, mit nix im Gepäck als null Ahnung, Empörung und dem Willen, notfalls die Welt auszuhebeln für menschliches Verständnis.
    Fortgeschrittene Demenz bei ihm. Irgendwie auch süß, weil er immer so ordentlich seine Überweisungen für die Miete ausfüllte (in gestochen scharfer Kartographen-Schrift), um sie dann in öffentlichen Papierkörben zu versenken. Ich wusste nichts davon, bis die Räumungsklage kam.
    Pamphlet aufgesetzt, über die Barrikaden gehopst und glücklicherweise konnte ich das Dach retten. Irgendwie einfacher, wenn man sich für Andere auseinander reißt ;-).

    Der nächste Prozess war der reinste Spaziergang dagegen. Kein Gehalt vom Arbeitgeber, Fronten klar, fähiger Anwalt, peng! Ich wurde nicht einmal gebeten, mich zu äußern, und das war beruhigend.
    Und morgen? Mein Anwalt hat mehr als ein Jahr gebraucht, um eine nicht rechtsgültige Klage einzureichen. Nicht Prozess- und Parteifähig in dieser Form. So weit, so schlecht und alles noch einmal von vorn. Immerhin haben wir ein paar Unterlagen ausgetauscht und drei Mal telefoniert in den zwei Jahren. Ich kenne die Raumnummer des Verhandlungssaales, das ist ja nicht nichts. Mein Erscheinen wurde angeordnet. Seit heute schneit es und ich hoffe, ich kann morgen früh unbeschadet zum Bahnhof segeln. Mit einer kompletten, privaten Akte im Gepäck, als sollte ich den Berg allein bezwingen, dabei wäre ich so gern mal wieder entspannte Beifahrerin. Nervöse Blicke auf die Wettervorhersage (seit Tagen) und in den Garten. Ich werde meine beste... äh... Trainingshose tragen, das bringt mich richtig nach vorn in Sachen Wohlgefühl *örgs*. Tja nun, es ist wie es ist im Moment.
    Und auch sonst so.
    Die Vergangenheit kann ich nicht ändern, aber ich kann Dinge abschließen, um sie hinter mir zu lassen. Eine tief eingewurzelte Abneigung gegen jede Willkür zwingt mich dazu, dem Mann wieder gegenüber zu treten, der mir eine nette private Hölle bereitet hat mit seinen ständigen Übergriffen. Es ist völlig gleichgültig, ob er die Kaution nun auch noch einstreichen kann oder nicht, aber dann habe ich bis zum Ende alles getan und bin weder geflüchtet noch habe ich Unangenehmes vermieden.
    Ich freue mich jetzt schon auf meinen ersten tiefen Atemzug nach der Verhandlung, denn dann habe ich das letzte Stück Ballast abgeworfen.
    Mein jetziger Vermieter ruft mich an, um mir zu sagen, dass ihm meine Haarfarbe gefällt :D. Geht also auch anders ;-).

    Dir wünsche ich einen schönen Abend und ich werde jetzt die Luft anhalten bis morgen Mittag ;)

    Liebe Grüße
    Katha

    Huhu Lena :)

    Total schön, dass Du deinen Weg so unbeirrt gegangen bist. Da zeigt sich doch wieder, was wir umsetzen oder auch verändern können, wenn wir stetig dranbleiben.
    Alles Gute auch weiterhin für Dich.

    Liebe Grüße
    Katha