Liebe Susanne,
total schön, dass Du mich wieder besuchst :-).
Ich bin ja im Allgemeinen mehr für Zurückhaltung, es sei denn, meine Furien überholen mich oder meine weiche Stelle macht sich unbemerkt selbstständig ;-), aber AUA ist definitiv meins :-). Irgendwas ist anscheinend immer, dabei war ich so froh, von den blöden Schmerzmitteln endlich wegzukommen. Schlechte Kritiken ernte ich nur noch von Nachbarn und Ärzten, die mich ständig daran erinnern, dass ich nicht in einen Schmerzkreislauf geraten darf, weil mein Schmerzgedächtnis dann auch noch zuschlägt.
Bis dato wusste ich nicht mal, dass ich so etwas auch noch mit mir herumschleppe. Ich dachte immer, der Schmerz ist da, fühlt sich anders an, muss ein neuer sein :D.
Ich war jedenfalls total froh, auch wenns bekloppt klingt: Ich hatte im ersten Moment Manschetten, dass wieder eine Niere klingelt (es ist schwer, es im Mieder zu lokalisieren, denn die Stäbe drücken auf den gesamten Bereich), bis mir einfiel, dass ich auf dieser Seite gar keine mehr habe ;-). Da hab ich lachen müssen. Ich gehe also eher nach dem Ausschlussverfahren ;-).
Ich denke, dass die Droge immer nur ein Symptom ist, jede Sucht letztendlich eine Angst vor Mangel. Ich sehe aber so viele Menschen – es werden anscheinend immer mehr, die im täglichen Leben furchtbar vor sich hin leiden und sich nicht zu helfen wissen.
Ich kann ja immer nur von meinen eigenen Erfahrungen ausgehen und ich habe eine Menge davon gemacht in jedem Bereich und hatte das.. äh.. Glück?, dass viele Menschen und gerade auch meine Partner und Freunde sehr offen mit mir reden konnten. So sehe ich oft auch die andere Seite und bekomme Erklärungen, die Andere nicht erhalten.
Manchmal überkommt es mich halt und ich möchte das, was ich für mich erfahren habe, in die Welt schleudern, weil es eventuell Jemandem helfen kann, sich auf den Weg zu machen oder auch einfach nur zu verstehen. Es gibt doch nichts Wichtigeres als Menschen.
Ich kann nicht mehr überschauen, wie viele Menschen – gerade auch Männer, mir privat und außerhalb von Gruppen spontan ihr Alkohol- , Drogen- oder Beziehungsproblem anvertraut haben oder auch das Geständnis machten, dass sie Frauen gegenüber gewalttätig geworden sind.
Es ist so eine Sache mit der Liebe. Ich hatte (unbelehrbar und einmal ist kein Mal und reicht nicht für meine privaten Forschungen ;-)) noch eine zweite Beziehung zu einem Drogenabhängigen, der allerdings clean war und es auch blieb.
Der menschlichste Mensch, den ich jemals kennenlernen durfte.
Ich habe im geschlossenen Bereich mal darüber geschrieben: Ich lernte ihn kennen in einer Therapieeinrichtung, in der ich nur den Therapeuten meines verstorbenen Freundes aufsuchen wollte, weil ich noch so viele Fragen hatte, auf die ich Naturgemäß aber keine Antworten mehr erhalten konnte. Wir haben uns nur kurz unterhalten und er fragte mich, ob er mich kurz in den Arm nehmen könne. Später erzählte er mir, dass ich das Traurigste war, was er jemals gesehen hat und ich vermute, auch sein Helfersyndrom war nicht von schlechten Eltern ;-).
Es war tatsächlich so, als hätte ich beim Umärmeln in eine Steckdose gefasst und die ganze Strecke auf der Autobahn zurück vibrierte ich so vor mich hin, dass ich nicht einmal das Gaspedal mehr unter Kontrolle hatte und mein Auto halbe Bocksprünge machte.
Ich habe ihm geschrieben, weil ich es versprochen hatte. An das Gesicht konnte ich mich gar nicht mehr erinnern. Als er sich mit mir treffen wollte, habe ich zum ersten Mal im Leben gekniffen und ihn an den Landungsbrücken einschneien lassen, wo er drei Stunden auf mich wartete.
Dieser einzigartige und außergewöhnliche Mensch hängte sich daraufhin ans Telefon und rief mich an. Er sagte mir total freundlich, dass er verstehen könne, dass ich nach der letzten Beziehung Angst hätte, mich auf ein neues Projekt aus derselben Abteilung einzulassen. Er schlug vor, dass wir noch einmal versuchen sollten, uns zu treffen. Er würde diesmal zu direkt zu mir nach Hause kommen, wenn ich da wäre, wäre alles gut, wenn die Tür geschlossen bliebe, würde er gehen und auch den Kontakt nicht mehr suchen. Das kam alles in total netter, freundlicher, ruhiger und verständnisvoller Weise. Ich war natürlich zu Hause, um dieses Wundertier besser kennenzulernen ;-).
Während ich kochte (*hüstel*), quietschten die Kinder im Nebenzimmer vor Vergnügen, weil er sie nach allen Regeln der Kunst bespaßte :-). Es wurde die schönste Beziehung meines Lebens.
Wenn wir zusammen unterwegs waren, brannte wirklich die Luft. Jeder Einkauf war eine Kür und wir bespaßten oft mehrere Omis gleichzeitig im Supermarkt, die herzhaft lachten und sich wie Bolle amüsierten, hatten für Jeden ein offenes Ohr und die meisten fremden Leute, die uns entgegen kamen, lächelten uns schon von weitem zu. Wir halfen Jedem und Allen und waren nur ein wenig unzuverlässig, wenn wir uns bei einem zweitägigen Umzug für Andere mit dem Möbelwagen kurz in die Büsche schlugen, weil wir das Gefühl hatten, wir müssten mal kurz allein sein.
Was ich mit diesem ganzen Gesabbel sagen will, ist Folgendes: Menschen reagieren unterschiedlich auf (offen erkennbare) Liebe. Ich sehe es heute immer noch an meiner Tochter. Die Menschen in ihrem Umfeld bekommen diesen nachsichtigen, verzückten Blick, wenn sie sie mit ihrem Freund beobachten. Da strahlt was ab, was anderen Menschen gut tun sollte.
Die Stimmung ist dann jedes Mal so leicht und unbeschwert. Das sind die Menschen, die ich im Visier habe und an die ich mich auch heute noch halte.
Während uns fremde Menschen angelächelt und sich fremdgefreut haben, ist meine eigene Schwester (und ein paar wenige andere Menschen) fast an ihrem Neid erstickt. Sie in gesicherten Verhältnissen mit einem soliden Partner – sie hat sich den Neuen stets während einer laufenden Beziehung ausgeguckt (um sich materiell zu verbessern) und ihren Freund dann verlassen, wenn sie sicher sein konnte, dass es mit dem Nächsten auch klappt, hat sich wohl gewundert, dass sie bis heute nicht weiß, wie Glockenblumen aussehen ;-).
Die letzte Amtshandlung war, eine Frau zu trösten, deren Mann fremdging und die furchtbare Angst hatte. Die wiederum konnte ja nicht ahnen, dass meine Schwester auch an der anderen Front längst zugange war. Ich habe das noch nie erwähnt, aber es ist wohl der Tag, um den Abfall rauszutragen.
Meine Schwester jedenfalls schmiss sich damals in Positur, d.h. quasi auf den Schoß meines damaligen Freundes, und erzählte ihm den ganzen Abend von meinen Unzulänglichkeiten und der langen Latte von Dingen, die ich im Leben schon verbockt hatte. Dann riss sie ein Fotoalbum heraus und zeigte ihm halberoddische Aufnahmen von sich, die der Vorgänger von ihr gemacht hatte. Ich bin heute noch stolz auf mich, denn an diesem Abend wurde Niemand verletzt ;-). Als wir in dieser Nacht nach Hause fuhren, zog mein Freund mich noch auf: „Was wäre denn, wenn ich Dich wegen Deiner Schwester verlassen würde?“ Und ich antwortete ihm mit lieblichem Lächeln: „Dann würdest Du spätestens nach zwei Tagen winselnd an meiner Tür kratzen!“ ![]()
Mein persönliches Fazit: Die meisten Menschen wissen nicht einmal, was Liebe wirklich ist!
Kein Wunder, dass sie neidisch sind, hassen oder was Menschen sonst noch so einfällt, um sich ein Ventil zu verschaffen. Wehe dem, der liebt und an einen solchen Menschen gerät.
In puncto Erklärungen bin ich schlecht, weil ich mich nicht kurz fassen kann, aber ich verstehe vieles heute, wenn mir auch das wenigste gefällt :-(.
Ganz liebe Grüße zurück,
verzeih´mir das Endlos-Geschwaller, aber wir sind ja entre-nous
und wenn nicht, wird’s halt gelöscht.
Katha