Beiträge von girasole

    Hallo Mäuki,

    Alkoholismus und Krebs ist nicht dasselbe. Demenz und bspw ein Herzinfarkt ist nicht dasselbe. Weder in der Entstehung, noch in der Behandlung, in der genesung/Heilung und Nachsorge sind dies komplett verschiedene Verläufe.

    Ich finde es ganz schwierig, sämtliche Krankheitsbegriffe über einen Kamm zu scheren und dann noch obendrauf ein Dogma zu setzen "Man macht...nicht!"
    Wer hat das so bestimmt?

    Alkoholismus und Krebs unterscheiden sich zb grundlegend in der Nachsorge: Der trockene Alkoholiker hat es zum größten Teil selbst in der Hand, wie seine Erkrankung weiterverläuft.
    Der Krebs-Geheilte - kann zur Nachsorge gehen, hoffen, beten... was noch? (Ich meine, es gibt genügend (die ich kenne), die eh nicht geraucht haben, keinen übermäßigen Konsum von Alk hatten, Sport gemacht und sich gesund ernährt haben. Ja, was wollen die noch machen.)

    Letztlich hätte ich dann noch eine Frage an Dich:
    Wenn Dein Partner eine Krankheit hat, die so schwerwiegend ist, dass Du dadurch auch krank wirst, immer kränker und kränker... Dein Leben ist nur noch traurig und schwarz, du hast keine Kraft mehr, die Spülmaschine auszuräumen, geschweige denn zu arbeiten, du verlierst deinen Job, und wirst noch kränker.....was tust du dann?

    Grüße
    Girasole

    Zitat von Carpenter

    Ich bin nicht hilflos irgendeiner Krankheit auf Gedeih und Verderb ausgeliefert...genauso, wie ich aktiv an meiner Sucht "gearbeitet" habe, kann ich jetzt daran arbeiten, daß sie nicht mehr mein Leben bestimmt.

    Das entspricht auch meinem Verständnis von zb dem Umgang mit Depression, genauso gehe ich damit um. Und so ist es auch mit der Magersucht und NIkotinsucht bei mir.
    Also schon Krankheit, die da ist. Aber der ich eben nicht- im Gegensatz zu Krebs- hilflos ausgeliefert bin.
    Bei der Depression reicht nicht Tabletten schlucken (Wie viell. bei der Alkoholsucht nur Alkohol weglassen?), sondern es heißt mitarbeiten, sein Verhalten ändern und zwar langfristig. So kann ich dafür sorgen, dass sie nicht mehr mein Leben bestimmt.
    Ich denke, es könnte beim Co genauso sein.

    Allein die Frage, wie krank/gestört bin ich als CO reicht nicht für eine Depression. Nach dem was ich in der Klinik gelernt habe, ist das (wie Sucht und wahrsch. vieles andere) ein multfaktorielles Geschehen.

    Der Prozess "was ist denn eig. normal/gesund für mich?" halte ich für ganz natürlich.
    Ich beschäftige mich auch gerade damit, und bin sehr unsicher. Abere das finde ich verständlich, denn woher soll ich es wissen?
    Ich möchte es - u.a. mit Hilfe meiner Thera- herausfinden - und dann üben.
    Ich sehe es so, ich muss nun etwas lernen, was die meisten schon viel früher gelernt haben, am besten schon anhand dem Eltern-Modell.
    Da ich es eben nicht gelernt habe, muss ich es logischerweise nun nachholen.
    Ich hoffe aber, das ist ein Prozess, der dann eben aber auch irgendwann abgeschlossen ist, hoffenlich :lol:

    Liebe Grüße
    Girasole

    Liebe Phoenix,

    in gesunden Familien darf jeder so viel Abstand nehmen, wie er es braucht.
    Jeder Mensch darf immer, jederzeit den Abstand einnehmen, der ihm guttut.
    Du hast alles Recht dazu, wenn es Dir dann gutgeht, viel Abstand zu halten.

    Ich habe mit meiner Familie richtige Kämpfe geführt. Am Schluß haben sie es nur durch mein Handeln gelernt. Wenn sie angefangen haben zu meckern - bin ich gegangen und laaange nicht wiedergekommen.
    Das haben sie irgendwann kapiert.
    Meine Schwester muss nach wie vor jeden Tag mehrmals telefonieren, oft stehen sie unangemeldet bei ihr auf der Matte (!!), treffen sich mehrmals pro Woche....
    das sind Dinge, die gibts bei mir nicht, fertig. Und nie würden sie es wagen, unangemeldet bei mir aufzutauchen.
    Als sie es ein Mal taten, habe ich die Augen gerollt, gestöhnt, und sie nach 5 Minuten wieder rausgeschmissen....

    Ich habe mich durch einen Therapeuten begleiten lassen, ohne hätte ich das nie geschafft.
    Anfangs habe ich mich jedes Mal nach einer kleinen Mini-Abgrenzung tödlich-schlecht gefühlt, meine Schuldgefühle waren immens.
    Mit ihm habe ich dann jede noch so kleine Situation nachgearbeitet und dann viele Manipulationen durchschaut. (Anfangs habe ich jedes Telefonat mitgeschrieben, um es dann Stück für Stück mit ihm durchzugehen.)
    Dadurch bin ich immer stärker geworden.

    Liebe Grüße
    Girasole

    Liebe Hazel,

    auch ich habe einen trinkenden Vater, - der zu mir den KOntakt abgebrochen hat, weil ich nicht "so tue als wär nix", wie meine Schwester.
    Mir ist es sehr Recht, es geht mir gut.
    Er wohnt am anderen Ende Deutschlands und zufällig werde ich ihn niemals sehen.
    Allerdings ist er nicht mehr der Jüngste und mit Schrecken denke ich an die Zeit, wenn sein Ende naht... soll ich dann nochmal an sein Sterbebett eilen? Soll ich auf seine Beerdigung gehen?
    Fragen, über die ich mir schon jahrelang den Kopf zerbreche.
    EIne Antwort finde ich nicht. Vielleicht gibt es hier einfach keine "gute Lösung".
    Ähnlich wie bei dir und den Besuchen.

    Liebe Grüße
    Girasole

    Hallo Forum,

    ich finde die Debatte gerade grenzwertig.
    Gerade wenn es um Depressionen geht, könnte hier der Eindruck entstehen, ich kann sie ablegen, wenn ich mich nur bemühe/ ich bin selbst schuld, denn klammere mich daran fest.
    Das ist sehr oft nicht so. Ich zb habe mich jahrelang bemüht, habe gestrampelt, habe alle Richtungen ausprobiert bis hin zum "zulassen" der Gefühle- und bin fast darin versunken, daran kaputt gegangen.

    Es ging mir erst besser, als ich erkannte, ich brauche HIlfe, ich komme hier alleine nicht mehr raus- und dann HIlfe annahm.

    Gerade die Menschen, die zu Depressionen neigen, sind oft sehr pflichtbewusst/ perfektionistisch und versuchen alles, um aus diesem Sog herauszukommen.
    Suchen eh immer als erstes bei sich.
    Und wenn dann solche sowas lesen....

    Liebe Grüße
    Girasole

    Hallo Forum,

    interessante Beiträge und echt ein interessantes Thema, Sarawen!

    "Denn bewusst leben, dass muss ich schon mit meiner Persönlichkeit. Aber ganz ehrlich, ich finde das nicht als Belastung. Im Gegenteil, es geht mir damit um Meilen besser, als jemals zuvor. Weil es sich schön anfühlt, dass ich Sorge für mich trage und Verantwortung für mein Leben. "

    Das trifft es für meinen Geschmack bzw für mich genau!


    Hallo Matthias,
    dass Rückfälle nicht "passieren", sprich vom Himmel fallen, sondern "gebaut" werden, ist auch meine Meinung.

    Liebe Grüße
    Girasole

    Hallo Sarawen,

    nat. kann auch ich nur für mich sprechen...
    Ich war zb magersüchtig und konnte es komplett hinter mir lassen. Ich habe damals gelesen, dass viele dann ewig rumeiern so gerade eben am Nicht-Untergewicht, und das wollte ich nicht.
    Ich habe für mich einiges "begriffen" und das wars dann. Kurz gesagt, insgesamt habe ich schon einige Jährchen daran gearbeitet. Aber es dann eben auch hinter mir gelassen.
    Heute habe ich Frühwarnsignale, die ich kenne und bei denen ich aufhorche und in mich hineinhöre, was da so los ist. Und da ist dann meist was los, was ich dann eben kläre. Aber das passiert auch nur selten, alle paar Jahre ein Mal.

    Ja, also da muss ich nicht lebenslänglich ständig hart arbeiten.
    VOn daher kann ich mir vorstellen, dass man das auch beim Co-Sein kann, wenn man eben seine persönlichen Punkte "knackt".
    Für mich sind eigene Wünsche und Grenzen spüren, äußern, setzen und durchsetzen eng damit verbunden.
    Ebenso wie mich selbst lieben, mir selbst die nächste sein, mir selbst ein Zuhause sein, meinem inneren Kind Sicherheit und Geborgenheit geben.
    Das sind, glaube ich, meine Knackpunkte beim Co-sein.
    Und ich bin sehr gespannt, und auch an-gespannt diesbzgl., wie man auch gerade heute in meinem Faden lesen kann:
    Werde ich das alles in einer neuen Beziehung können, woran merke ich, wenns nicht klappt usw.
    Ich fühle mich wie ein Teenie, der das alles gerade erst lernt.
    Was ich ja auch irgendwie tue, wenn auch mit fast 40.
    Ich hoffe, dass ich dann irgendwann auch Frühwarnzeichen für mich kenne.

    Mit Verhaltensänderungen kann man ja viel bewirken, und zumindest diese werden im Laufe der Zeit immer selbstverständlicher, und was mal harte Arbeit war, hat man irgendwann "einfach drauf".

    Liebe Grüße
    Girasole

    Hallo Forum/ Tagebuch,

    Zeit für einen Zwischenstand.

    Betr. Ex-XY:
    Im Gegensatz zu vielen, die ich hier gelesen habe (auch alte Beiträge, es fühle sich bitte niemand angesprochen), habe ich jegliche Hoffnung auf ein Comeback k-o-m-p-l-e-t-t über Bord geworfen.
    Ich lese viel "falls er sich ändert.... ich will nicht ganz loslassen..."
    Das ist bei mir nicht so. Selbst wenn er 10 Jahre trocken wäre.

    Aber: Er beschäftigt mich immer noch gelegentlich. Ich habe viele Jahre mit ihm geteilt, die auch schön waren. Und ich will, verdammt noch mal, dass es ihm gutgeht.
    Tut's aber nicht. Nachdem er wochenlang auf Entgiftung war, hat er direkt am Abend der Entlassung weitergemacht. Und mir dies direkt mitgeteilt. Toll.
    Es ist aber nicht so, dass wir dauernd Kontakt hätten. Alle paar Wochen mal.
    Es zerfrisst mich jetzt auch nicht, oder so.
    Aber dass ich nichts tun kann, ist so verdammt hart. Er will zur LZT, hat auch eine Genehmigung, wartet auf den Platz, sagt aber selbst, dass er seine Hand nicht für sich ins Feuer legt. Er und ich wissen, dass es nicht weit ist, bis zum Tod.
    Alles was ich tun kann: Ich bete für ihn. Ich bete um Heilung, Genesung, Trost und schlicht Erbarmen. Bei letzterem kommt dann immer der Gedanke (die Antwort?) und wenn sein Tod wahrhaftiges Erbarmen bedeutet? :cry:

    Mein Leben als Co-auf-dem-Weg- in- die- "Trockenheit":
    Ich bin schwer beschäftigt mich zu sortieren und aufzustellen.
    U.a. für eine mögliche neue Beziehung. Das ist Streß für mich. Ich weiß nicht, wie "sowas geht" - platt ausgedrückt.
    Ich habe nat. eine Idee, aber ich muss arbeiten an den Umsetzungen, es flutscht mir nicht von der Hand.
    Am WE kam nach längerer Zeit mal wieder der liebe Mann. Ich verfiel in eine starke Anspannung: WErde ich mich meine Grenzen spüren? Meine WÜnsche? UND: werde ich mich trauen, sie zu auszusprechen, zu setzen, notfalls auch durchzusetzen?
    Prompt schlief ich schlecht (echt blöd am WE, da will ich ja eig. mal ausschlafen...) und konnte bis Samstag Abend nicht richtig durchatmen.

    Ist es mir gelungen? Gute Frage, die Nachlese kommt noch :wink:

    Und wech zur Arbeit, tschüühüß!!
    Eure Girasole

    Hallo Sasulka,

    mit genau dieser Strategie habe ich den Absprung geschafft. Sie hilft mir bis heute.
    Auch mir fehlt schon immer Wut auf andere, die sich mies mir gegenüber verhalten. Die Aggressionen richten sich dann lieber gegen mich selbst- in Form von Depressionen, Albträumen...

    Liebe Grüße
    Girasole

    Hallo Leute,

    Zimttee : Sehr teffend geschrieben!

    Paddy : Ich glaube tatsächlich, wenn man mit dem Teufel ALkohol noch ein Hühnchen rupfen will, ist man noch verwickelt. Genauso wenn gekränkter Stolz im Spiel ist. Es heißt ja, Gleichgültigkeit ist das passende Gefühl, wenn man jemand/etwas vollständig losgelassen hat.

    @Loretta: Ich verstehe Dein Gefühl gut. Aber nicht, warum Du so mit Dir schimpfst?
    Seit wann ist Selbsterkenntnis blöd???
    Was wirst Du nun mit dieser Erkenntnis anfangen?

    Liebe Grüße
    Girasole

    Was bei der Behandlung passiert, ist ja erst klar, wenn es eine Diagnose gibt.
    Ich denke mal, er hat keine von einem Facharzt, sprich Psychiater?
    Dann kommt es darauf an, was er genau hat und welchen Schweregrad.
    Von stationärer Aufnahme, über Tagesklinik, bis hin zu ambulanter Psychotherapie plus ev. Medikamenten ist da alles drin- also bei Depressionen. Es gibt ja noch andere psychische Krankheiten und auch Mischformen.

    Ich war zu Beginn der Behandlung mit einer schweren Episode in einer Tagesklinik. Dort wurde ich mediamentös eingestellt, ich habe Entspannungstechniken gelernt und anschl. meine Therapie ambulant (weiter) gemacht.
    Durch die Medikamente kann ich endlich wieder schlafen, aber auch die Entspannungsübungen (die ich täglich mache) helfen mir dabei. AUch habe ich mein Leben umgestellt, ich achte nun sehr auf mich, meine Grenzen, meine Gefühle, meine Pausen tagsüber...
    Ich bin regelmäßig in Kontakt mit meiner Psychiaterin und wenn es mir mal schlechter geht, gehe ich direkt hin und lasse mir wieder helfen.
    Meistens schreibt sie mich kurz krank, damit ich mich einfach etwas erholen kann.

    So komme ich seit fast 3 Jahren nun gut hin- trotz kleinerer Rücfälle, war ich nie mehr lange krank, ich kann Vollzeit arbeiten und es geht mir überwiegend gut.

    Wie Du aber siehst, ist der Hauptteil eigene Arbeit, zumindest wenn man eine schwere Erkrankung hat. Bei mir wurde gesagt, ich habe dies wahrsch. schon seit meiner Jugend gehabt- sprich ca. 20 Jahre unbehandelt.... nich so gut :oops: