Beiträge von Weidenkätzchen

    Hallo,

    ich möchte eine Begebenheit schreiben, und hoffe, dass es nachvollziehbar ist, was ich da schreibe.

    Mein Freund erzählt mir, er habe mich angerufen und nicht erreicht.
    Ich antworte, dass kann nicht sein, dass hätte ich hören müssen.
    Na, dann habe ich eben nicht angerufen.
    ? von mir.
    Ich kann da mit der Antwort nichts anfangen.
    Der Umstand war, dass er auf mein Handy angerufen hat, was ich aber vergessen hatte bei mir und ich war schon auf dem Weg. Das heißt, es hat sich um Sekunden überschnitten. Haben uns da praktisch verfehlt.

    Was mir aber zu denken gibt, war seine weitere Antwort. Ich solle ihn vertrauen.

    Ganz viele dicke Fragezeichen von mir.

    Ich habe abgestritten (eher ungläubig,weil ich es hätte ja hören müssen) ,dass er angerufen hat.

    Ganz ehrlich, dass hat in mir Angst ausgelöst, bei seiner Aussage.

    Ich meinte zwar, dass es nicht stimmt. Im Grunde vertraue ich ihm.

    Das hörte sich aber nicht so an, so dann seine Antwort.


    Kennt jemand solche Momentaufnahmen und wie geht ihr damit um ?


    LG Weidenkätzchen

    Hallo liebe Stern,

    einen Ratschlag geben in dieser Situation ist echt schwer. Geht, denke ich auch nicht, weil wir doch alle am Ende in uns selbst reinhorchen können um zu wissen, welches die richtige Entscheidung für einen selbst ist.

    Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen, die ich gemacht habe.

    Meine Mutter ist ganz plötzlich gestorben. Ich hatte sie nicht oft und regelmäßig gesehen. Sie war wieder verheiratet und naja, es war derselbe Kreislauf. Alkohol und Auseinandersetzungen. Anfang des Jahres hatte ich sie zuletzt gesehen. Am Ende des Jahres war sie gestorben.
    Unser letztes Wiedersehen endete ausgesprochen unschön. Es wurde getrunken, ich nahm die Rolle der Beobachterin ein und am Ende ist die ausgesprochen angespannte Situation eskaliert. Es kam zu einer Eskalation zwischen mir und meinem Stiefvater.
    Was ich meiner Mutter im Nachhinein sehr hoch angerechnet habe, war, dass sie mich gegriffen hat und mich aus dieser Situation herausgeholt hat. Sie hat mit mir fluchtartig die Wohnung verlassen.
    Meine Mutter war eine uneinsichtige Alkoholikerin. Hat es immer abgestritten.
    An dem Abend habe ich sie gefragt, warum sie das macht. Sie hat mich nur angeschaut und kein Wort gesagt.
    Das war meine letzte Begegnung mit ihr.
    Für mich war ihr plötzlicher Tod ein Schock. Ich hätte sie gerne noch einmal gesehen, besucht.
    Ich wurde nicht informiert, mein Stiefvater hatte ja meine Telefonnummer nicht, wie er sagte :twisted: Telefonbuch ? Auskunft ?
    Man war ich stinkig.
    Fragen der Schuld kommen da immer auf und ich habe sehr um sie getrauert. Ich bin da mit mir ins Reine gekommen. An ihrer Situation, an ihrem Leben hätte ich keinen Einfluß nehmen können. Sie nicht bekehren und von dem Alkohol abhalten können.
    Andererseits war sie egoistisch, hat keine Verantwortung für ihr Leben und ihre Kinder übernommen, ist lieber geflüchtet in den Alkohol, hat ihre eigenen Gefühle betäubt und sich darüber hinaus vollkommen verloren.
    Das tut weh, aber die Wahrheit.

    Liebe Grüße
    Weidenkätzchen

    Wenn ich es so für mich betrachte, hat der Alkohol immer eine Rolle gespielt in meinem Leben. Ich hatte ein wenig im Vorstellungsbereich geschrieben.
    Ich habe früh für etwas die Verantwortung getragen, was die Aufgabe meiner Eltern gewesen wäre. Meine Eltern waren Alkoholiker und sind bereits verstorben. Zu Hause haben sich richtige Dramen abgespielt und irgendwie bin ich da heil herausgekommen.
    Ich habe die Schutzfunktion übernommen und war die Schlichterin, wenn es kurz vor der Eskalation war, zwischen meinen Eltern.
    Habe mich verantwortlich gefühlt, wenn es Stress gab zu Hause und fühlte mich schuldig. Ständige Angst, ich hätte etwas falsch gemacht.........
    Wenn es dann eskaliert ist und das war manches mal, war ich hilflos in meiner Situation und ohnmächtig.
    Die Trennung kam sehr plötzlich, von einer Sekunde zur anderen und ich bin dann bei Verwandten aufgewachsen. Alleine.
    Mit mir wurde nicht darüber gesprochen, es wurde nichts erklärt. Ich bin aus dieser Lage herausgeholt worden und musste damit (acht Jahre war ich damals) allleine zurecht kommen.
    Vorher war ich mal ganz schön lebendig, aber ich wurde still und habe mich zurückgezogen.
    Bei meinen Verwandten hat eine Person getrunken, sehr oft. Da gab es dann auch Ärger, aber eher verbal. Manchmal wurde Tage nicht miteinander gesprochen. Beide sind auch mittlerweile verstorben.
    Dort bin ich dann auch mit Alkohol in Verbindung gekommen, durfte sogar trinken :shock: Mit zwölf,dreizehn volltrunken. Das war in Ordnung !!! Wie krank ist das ?
    Damals habe ich das nicht begriffen, wo ich da reingeraten bin.
    Das Gute im Schlechten war, dass ich nie so werden wollte wie meine Mutter. Nicht Alkoholabhängig.
    Getrunken habe ich und wenn es mal zuviel wurde, es mir schlecht ging, habe ich an meine Mutter gedacht und die Bremse gezogen.
    Ich habe einen Mann geheiratet, der ein Alkoholproblem hatte. Er hat es mir sogar gesagt, kurz nachdem wir uns kennengelernt hatten.
    Ich habe nur gedacht "Nicht schon wieder."
    Mein vorangegangener Freund hatte damit auch ein Problem.
    Diesen Kreislauf, der sich bei mir abspielt, habe ich nicht erkannt.
    Das Gute dabei ist, dass mein Mann damals, mit Druck von Aussen, aufhören musste. Er hat es geschafft und ich habe gleich mit aufgehört.
    Ich habe mich wirklich immer wieder mit der Problematik, mit der Geschichte, meiner Lebensgeschichte neu auseinandergesetzt. Vieles erkannt und begriffen.
    Es war alles gut und aufgrund eines Trauerfalles sind alte Wunden aufgebrochen. Ich bin gekreist, habe weiter verarbeitet und es fehlte immer noch etwas. Ich habe sehr viele Ängste bekommen, die aufgelebt sind und hatte Fragezeichen. Wo liegt die Ursache. Einfach Angst und damit leben. Hm. Das sind keine guten Aussichten und vor allem anstrengend, wenn der Hintergrund unklar ist.
    Ich habe mich teilweise selbst nicht mehr verstanden. Wenn ich eine Entscheidung treffen wollte, fing ich an ewig abzuwägen. Angst die falsche Entscheidung zu treffen. Wieso ?
    Wenn ich mal eine kleinere Auseinandersetzung hatte (nichts dramatisches) Ohnmacht, Hilflosigkeit. Angst. Was ist das ?
    Ich habe mich nicht mehr wieder erkannt.
    Kontrollverlust.Immer wieder.
    Bin in manchen Angelegenheiten dann auf einmal total verlangsamt.
    Habe für mich festgestellt, dass da einiges ganz und gar nicht zusammenpasst.
    Nur hatte ich die Ursache nicht. Da sind Anteile in mir aufgetaucht, die absolut nicht meine sind und ich hatte wieder nur Fragezeichen. Hat mich durcheinander gebracht und da einen klaren Kopf zu behalten.... Nicht einfach.
    Nun habe ich dieses Forum gefunden, bewusst hatte ich es nicht gesucht.
    Ich wollte nur mal schauen, bei Co-Abhängigkeit. Damit hatte ich mich bisher nie richtig auseinandergesetzt und bin dann bei den EKA Merkmalen gelandet. Das war dann ein Volltreffer. Ich habe mich in so vielen Punkten wiedergefunden. So deutlich und ich bin froh, dass ich es entdeckt habe.
    Ja, soviel erst einmal zu mir.
    Ich wünsche mir schon einen Austausch und dass es mir weiterhelfen wird.

    LG Weidenkätzchen