Hallo Ratlos,
ich habe jetzt eine Weile überlegt, ob ich hier mal antworten sollte.... Ich tu es einfach mal. Ich bin trockener Alkoholiker mit Haus, Arbeit, Kinder´n Frau und den ganzen tollen Sachen. Mir fehlte es eigentlich an nichts. (mal abgesehen davon ,dass meine Eltern sehr früh verstorben sind..aber das spielt hier keine Rolle)
Ich hatte trotzdem immer einen Grund zum saufen. Sei es selbst der, dass ja alles in meinem Leben so wundervoll lief! Das ich direkt hinter mir alles eingerissen und zerstört habe, bemerkte ich zwar, es war mir aber absolut nicht bewußt! Es lief ja alles!!!
Mein Gott, dass die geliebte Frau ständig heimlich weint , dass meine Kinder mit ihren großen traurigen Augen fragend vor mir standen und sagten:"Papa bist Du schon wieder krank??" war doch nur Nebensache!
Die kriegen sich schon wieder ein. Sind ja noch da.Kann doch alles gar nicht so schlimm für sie sein! Komm noch ein Bierchen drauf, dann geht´s mir besser...
Natürlich liebte ich sie zu Trinkerzeiten genauso wie heute auch. Aber der Trinker/Alkoholiker nimmt das nicht wahr! Er kapiert erst das etwas nicht stimmt, dass etwas grundlegendes verändert werden muss, wenn drastische Maßnahmen erfolgen! Ich habe erst begonnen umzudenken, als mich meine Frau samt Kinder´n für mehrere Wochen Mutterseelenallein in meinem Haus zurück gelassen hatte. Genau wie bei Dir auch hab ich es dann erst mit Wut versucht, dann kamen die lieben Sprüche und dann die Hilferufe mit all den Schwüren niemals mehr etwas zu trinken. Meine Frau kam damals zu mir zurück und nach 2 Wochen war alles genauso. Es wurde sogar noch schlimmer bis zum Herbst diesen Jahres. Da merkte ich, dass wenn ich sie diesmal noch einmal verliere dann kommt sie niemals wieder zurück!
Was ich Dir damit sagen will. Du kannst einem Alkoholkranken Menschen nicht helfen. Weil er sich nicht helfen lässt. Du hast nur eine Chance Deinen Mann zurück zu bekommen. Diese Chance nennt sich Konsequenz und zwar in allen Belangen! Kein Zurück, keine Telefonate, keine SmS, keine Mail´s bis er sich über einen längeren Zeitraum wirklich geändert hat. Und das auch mit allen Konsequenzen vom Arzt über Therapie bis zur Selbsthilfegruppe! Erst wenn Du der festen Überzeugung bist, dass er das wirklich umsetzt, kannst Du ihm mitteilen, dass es eventuell noch eine Chance gibt. Alles andere wird wohl nichts nützen und Du hilfst ihm im schlimmsten Falle noch dabei sich umzubringen. Denn, dass ist das unbehandelte zwangsläufige Ende unserer Alkoholkrankheit! Bei dem einen früher, bei den anderen später!
Ich hoffe, ich habe Dich mit meinem kurzen Besuch nicht verschreckt!
Liebe Grüße
Andi