Liebe Forenmitglieder,
lange habe ich in meinem Pfädchen nichts mehr geschrieben. Am liebsten würde ich es auch jetzt nicht machen. Aber andererseits - wer vertrauen haben will, der muss sich auch vertrauen lassen und dann auch mal seine Geschichten erzählen.
Meine letzten Mails gingen in die Richtung, dass ich wieder Kontakt mit meinem Mac hatte. Wir hatten lange Gespräche über vieles und manches und es war schön zu sehen, dass sich auch dieser schwierige Mensch entschloss sich zu öffnen. Eine Frage blieb aber imer die seines Alkoholkomsums. er versuchte es mit "kontrolliertem Trinken". Ich habe ihm direkt gesagt, dass ich das für ausgemachten Blödsinn halte und mir war auch klar, dass es nicht funktioniert. Dennoch war ich der Meinung, dass er das als Vorstufe zum kompletten Ausstieg angehen kann. Ich konnte auch Anfangs Ansätze erkennen, dass er das wirklich wollte. Er nahm an einer Motivationsgruppe teil, hatte eine Gesprächstherapie, experementierte mit Softdrinks, die ihm schmeckten. Er versuchte Alternatien zu finden. Zumindest soweit ich das beurteilen kann.
Dennoch - es gab Abende, an denen er sich so dermaßen wegschoss. Sein neue Getränkt ist nicht mehr der harte Alk, sondern die Weinschorle. Naja, eine Alibi-Weinschorle mit sehr wenig Wasser. Getrunken in großen Wassergläsern. Dennoch war mir unklar, wie man sich damit - auch wenn man die nicht so langsam trinkt - so wegballern kann. Eine Erklärung dafür könnte sein, dass er immer wieder das Zimmer verließ und manchmal aus unerklärlichen Gründen nach Listerine roch. Sunshine wird sich jetzt vermutlich kaputt lachen und ich vermute, dass du recht hast, mit dem was du denkst. Aber ich weigere mich das zu glauben. Auch jetzt noch. Glaube ich das, verliere ich jeden restlichen Respekt.
So oder so, es ging wieder bergab. Da nützt es nicht, dass ich selber keinen Alk mehr trinke und vorlebe, wie es auch so geht. Da nützt es nichts, dass ich vesuche Aktionen zu finden, die an jedem Weinstand vorbeigehen. Ich merkte aber selber, wie der Knoten in mir wieder größer wurde. Wie mein Denken immer wieder mehr um seine Befindlichkeiten kreiste. Auch wenn ich teilweise hier unterschiedlicher Meinung zu dem bin, was "Co" ist und was nicht, war mir klar, dass das in jedem Fall wieder Co war. Und da wollte ich nicht mehr hin. Aber wie diesen Knoten wieder lösen? Andererseits, wollte ich immer mit dieser eisernen Faust, die sich immer wieder um den Magen legt weiter machen? Die immer wieder da ist, wenn er sich dann wieder ein Glas einschenkt?
Der Ausschlag kam dann, als mir auffiel, dass nur noch das in seinem Kühlschrank ohne Alkohol ist, was er irgendwann mal für Besuch gekauft hat. Das Experiment war also beendet. Von der Therapie sprach er ohnehin nicht mehr. Ich habe aber auch nicht danach gefragt. Es ist seine Sache, entweder wollte er mir freiwillig davon erzählen, oder eben nicht. Ich bin keine Kontrollinstanz.
Der Bruch kam dann wieder vor 14 Tagen. Mittags um halb zwölf eine große Weinschorle und dazu dann meine Frage, was denn aus seinen alkoholfreien Tagen geworden ist. Auf die er stolz war. Die Antwort war ein sofortiger Rausschmiss. Auch gut. Ich habe alle meine Klamotten gepackt und bin gegangen. Wir haben dann noch zweimal telefoniert - für mich war es immer noch ein lösbares Problem. Aber als mir beim zweiten Telefonat eine derartige Eiseskälte entgegenschlug, mit der lockeren Erklärung, dass ein Treffen, dass er an einem vorherigen WE wegen eines wichtigen beruflichen Grundes abgesagt hatte, vermutlich nur abgesagt wurde, weil er sich wieder in Ruhe abschießen wollte - da ist irgend etwas in mir gerissen. Ich will nicht mehr angelogen werden. Nicht mehr wegen des verdammten Zeugs. Er hat mir dann noch mal auf Band gesprochen und eine Pause angekündigt, die "würde uns ja beiden gut tun". Mir war es egal. Ich habe auch darauf nicht geantwortet. Warum die Arbeit machen?
Gestern kam eine Sms "er hoffe, dass mir der Abstand auch gut tut". Ja, das tut er. Keine eiserne Faust mehr um den Magen, ich war schon lange nicht mehr so bei mir. "Ich soll mich als frei betrachten" Vielen Dank, das mache ich auch so.
Ich hätte ehrlich gesagt, niemals gedacht, dass es soweit kommt. Dass es mir egal ist, was er macht. Als wir uns im Sommer wieder annäherten - wider meines besseren Wissens, dass er nicht kontrolliert trinken kann - war es, weil ich ihn immer noch so "gern" gehabt habe. Ich hätte nicht anders gekonnt. Aber Gottseidank habe ich mich in allem zurückgenommen. Ob man das eine richtige Beziehung nennen kann, sei natürlich dahingestellt. Sich immer zurückzunehmen, wenn man etwas Schönes gesagt bekommt, sich immer zu denken "Naja, das sagt er jetzt und in zwei Stunden kann es wieder vollkommen anders aussehen.", immer auf der Hut zu sein. Ein richtiges Loslassen, ein richtiges Vertrauen sieht anders aus - aber es hilft mir jetzt weiter und ich kann nur sagen, gottseidank habe ich damit gerechnet.
Ich mache jetzt meine Sachen, die mir Spaß machen. Ich muss nicht ständig überlegen, git es Alkohol-Versuchungen, die ich für ihn umgehen muss. Wie geht es weiter, wie spreche ich Sachen an die dann doch wieder eine wütende Reaktion hervorrufen. Ich vermisse dieses ständige Gedankenspiel in keinster Weise. Vermisse ich ihn - das kann ich momentan noch nicht mal sagen. Alles was zwischen uns schön war, war auch immer durchsetzt mit Sorge. Natürlich bin ich auch manchmal traurig, ja. Aber traurig um diesen Mann und wie er sein Leben zerstört. Aber ich sehe keine Verantwortung für mich darin.
Ich werde jetzt erstmal einen langen Urlaub planen, mache mal ein paar Sachen neu und vor allem freue ich mich nach wie vor darüber, dass es mir überhaupt nicht mehr schwer fällt, auf Alkohol zu verzichten. Wenn man alles in allem betrachtet und abwägt, ist das immerhin ein Punkt, den die Beziehung zu ihm - wenn man sie denn so nennen will - gebracht hat.
Ich muss natürlich auch dazu sagen, dass ich mir sicher bin, dass er wieder ankommt. Wenn er sich wieder entschieden hat, vielleicht mal wieder seinen Kopf aus seinem Hintern zu ziehen. Aber das wird sich dann entscheiden und darüber mache ich mir jetzt keinen Kopf - der auch da ist, wo er hingehört ![]()
Jetzt habe ich viel länger geschrieben, als ich eigentlich wollte und ich hoffe, dass die ganze Geschichte jetzt beim Einstellen nicht abstürzt.
Ich wünsche Euch allen einen schönen ruhigen Feiertag.
Viele Grüße
Honeymaker