Hallo Karl,
wenn man den Partner immer noch liebt, ist es einfach verdammt schwierig sich zu lösen. Du willst ja, dass es dem anderen besser geht und dass Ihr Euch wieder als Familie und Paar finden könnte, du willst ja helfen. Das Problem ist aber - du kannst es nicht und der andere lässt dich auch gar nicht. Vor diesem Hintergrund musst du dir bitte auch kein schelchtes Gewissen einreden lassen, dass du derjenige bist, der sie mit immer den selben Vorhaltungen runterzieht. Am besten bist du auch noch der Grund warum sie den trinken muss - weil sonst kann sie ja das ständige Gelaber nicht ertragen. Ehrlich gesagt, du kannst jetzt das geduldigste Schaf der Welt sein, oder auch der größte Stänkerer - du kannst es nicht ändern. Sie will trinken, egal ob du redest, singst oder schreist. Es ist egal.
Natürlich bleibt jetzt immer noch die schwierige Frage, wie es weiter geht. Ich persönlich bin auch der Meinung, dass Ihr an einer Trennung nicht vorbeikommen werden, wenn sie nicht bereit ist, an ihrer Sucht zu arbeiten. Ich kann aber verstehen, dass das Durchziehen dieses Schritts einfach riesig schwierig ist. Da ist die Hoffnung, dass sie dann doch noch die Kurve kriegt, die Liebe die vermutlich immer noch da ist und andererseits die Familie, die ja auch immer noch irgendwie zu funktionieren scheint. Meiner Meinung nach kann man eine Entscheidung auch hier nichteinfach übers Knie brechen. Mit drei kleinen Kindern ist man auch nicht so einfach ausgezogen und ich wüsste nicht, ob ich es so ohne weiteres fertig bringe, jemanden aus der Wohnung zu werden. Andererseits wird der Punkt kommen, an dem man zum Ergebnis kommt, dass es nicht mehr anders geht. Bis dahin wird aber vermutlich noch einiges an Porzellan zerschlagen. Die Frage ist - muss es soweit kommen???
Aber löse dich bitte von der Vorstellung, dass für sie dann offensichtlich doch noch ein normaler Umgang mit Alkohol möglich ist. Wenn sie versucht es sein zu lassen und beim Griechen dann doch den Ouzo akzeptiert, dann kann das nix werden. Denn diese Phase hat sie offensichtlich schon lange hinter sich gelassen. Mir fiel diese Akzeptanz seinerzeit schwer, weil das heißt ja auch Einschränkungen für einen persönlich, aber wenn sie akzeptieren muss, dass sie erkrankt ist, musst du diese Akzeptanz auch annehmen.
So oder so, ich wünsche dir immer noch, dass sie auf einmal sieht, dass sie krank ist und dagegen kämpfen muss. Aber ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das so bald möglich ist.
Alle guten Wünsche
HM