Beiträge von marcomarco

    Hallo Jim,

    nächste Woche habe ich 3 Monate nichts mehr getrunken. (durchhalten hört sich für mich zu krampfig an) Das hört sich erstmal wenig an, aber für mich war es schon teilweise eine sehr langsam vergehende Zeit. Wenn mein direktes Umfeld nicht Bescheid wüsste, hätten die sicher nicht mit mir umgehen können.
    Etwas vorweisen bei Deiner Frau kannst Du doch schon, indem Du offen mit ihr redest. Wie schon gesagt wurde, ist es ja meist eh schon ein offenes Geheimniss, dass man unnormal trinkt.

    Kenne das Gefühl aber auch. Trockener Alkoholiker! Ich?? Nee nee hab ja gerade den Anfang gemacht trocken zu werden. Aber das kann ich ja auch ehrlich sagen.

    Gruss
    Marco

    Hallo Jim,

    ok, dann versuchst Du es ja schon ziemlich lange mit einer Methode die nicht funktioniert. Sehr gut, dass Du Dich hier angemeldet hast finde ich. Hier kannst Du so viele Informationen und auch Erfahrungen anderer lesen wie nirgendwo sonst.

    Ja ich denke diese "Hausarzt Outing Kiste" ist einfach ein sehr wichtiger Schritt, um sich und anderen einzugestehen, dass man Alkoholiker ist. Mein Hausarzt hat mich nicht mal angeschaut, als ich mich Ihm anvertraute. Jetzt fragt er aber doch immer sehr nett wie es mir denn ginge, und dass wenn ich "nicht mehr könne" Ihn doch sofort aufsuchen soll.
    Ärzte können auch erstmal nicht viel tun, ausser eine Entgiftung einleiten. Das ist ja bei Dir eh erstmal vom Tisch. Medikamente gibt es nicht und so kann ein Arzt meist nur Tipps geben.

    Willenskraft bringt Dir nur teilweise etwas, klaro ist sie wichtig. Eher musst Du bereit sein, genau hinzusehen und Lebensumstände zu verändern. Wie Du sicher gelesen hast beginnt es beim direkten Umfeld. Es bringt nichts sich dort aufzuhalten wo getrunken wird. Das löst etwas in Dir aus, was Du nicht kontrollieren kannst. ALs erstes würde ich mir die Grundbausteine durchlesen und diese umsetzen.
    https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…echternheit.php

    Es gibt so unendlich viele Möglichkeiten seine Freizeit zu gestalten, aber durch jahrelanges Desinteresse hat man das, wie Du richtig sagtest, ja verlernt. Ich würde jedem erstmal zu Sport oder wenigstens Bewegung an der frischen Luft raten. Das ist allgemein gut und lenkt super ab.

    Dass Du noch nicht mit Deiner Frau geredet hast, halte ich schon fast für mehr Gefahr als dass es Dir nutzt. Durch diese Ehrlichkeit beginnst Du dir ein Netz zu spinnen, dass Dir hilft trocken zu werden. Ich denke Ehrlichkeit kommt besser an, als heimlich tun und dann, für Sie unverständlicherweise, wieder abzustürzen. Ich arbeite jetzt sogar dran, es den Leuten "mit denen ich mehr als ein paar Minuten zu tun habe" zu sagen. Das finde ich viel befreiender, und wer mich danach abwertet, ist eh kein Freund.

    Am Anfang kommt da ne Menge auf einen zu, natürlich nicht nur Angenehmes. Aber eben auch Angenehmes!

    So, ich hoffe, das war nicht zu viel Information für deinen ersten Tag!

    Gruss
    Marco

    Hallo,

    gestern habe ich wieder meine SHG/Motivationsgruppe besucht. Habe mich dieses mal auch selber etwas zurückgehalten, da es ja eine Motivationsgruppe ist, in der die Leute erstmal Klarheit suchen und sich ja noch gar nicht sicher sind, ob sie denn wirklich Alkoholiker sind und wie sie in Zukunft vorgehen wollen.

    Manchmal muss man sich aber schon auf die Zunge beissen, zum Beispiel bei "Alkoholfreiem Bier"
    Habe selber zu 99% Bier getrunken. Schnappes nur wenn ich unter Leuten und schon out of control war. Schmecken tut Alkohol doch eigentlich auch absolut nicht, egal in welcher Form.
    Kakao, ein heisser Kaffee, ne kalte Limo; das schmeckt.

    Na gut, morgen ist der letzte Termin bevor meine Unterlagen an die Rentenkasse geschickt werden. Dann heisst es ca 4 Wochen warten und schauen welche Entwöhnungs Therapie bewilligt wird.
    Ich würde mich langsam freuen in eine Gruppe zu wechseln, wo es dann mehr ans Eingemachte geht (hoffe ich)

    Da sind wir auch bei den Therapie Themen die hier seit Tgane unterwegs sind. Da ich ja noch nie eine gemacht habe, kann ich noch nicht viel dazu sagen. Nur, dass ich nicht das Gefühl habe oder hatte, dass mir so etwas hinterhergeworfen wird. Es gibt für mich die Möglichkeit so etwas zu machen. Eine ambulante Entwöhnungs Therapie, angeboten von der Caritas.
    Seit Ende 2012 doktor ich ja schon an meinem Alkoholismus rum. Da hatte ich den ersten Kontakt zur Suchtberatung und eben dieser Motivationsgruppe. Jede Entscheidung verblieb bei mir. So bin ich auch 2012 und 2013 erstmal gar nicht auf die Idee gekommen eine Therapie zu machen. Ich musste erstmal selber feststellen wie tükisch diese Krankheit ist und konnte mir dann eingestehen, dass ich mit Hilfe von aussen gut beraten bin.
    Meine Motivation ist seit meinem letzten Rückfall deutlich gestiegen und ich habe verstanden, dass Ich es in der Hand habe. Ich erwarte keine Heilung oder ganz neue Einsichten von der Therapie. Ich denke es geht da einfach um eine langfristige Begleitung in meinem Bestreben mir ein trockenes Leben aufzubauen.
    Denksanstösse und Wahrheiten kann ich hier 24/7 nachlesen und habe daraus für mich schon eine ganze Menge Schlüsse gezogen.
    Mir tut es gut jede Woche zuzsätzlich eine Gruppe zu besuchen, und somit glaube ich einfach, dass eine 12-18monatige ambulante mich bei der Stange hält. Vielleicht könnte ich es auch nur mit SHG und dem Forum schaffen, aber da ich monatlich meine Beiträge bezahle, denke ich, dass ich ein Recht auf eine professionelle Hilfe habe, insofern ich diese auch wirklich in Anspruch nehmen will.

    Der Weg bis hier hat jetzt gut 1,5 Jahre gedauert bei mir, darüber bin ich sehr froh. Diese Zeit habe ich gebraucht, um wirklich Prioritäten für mich zu erkennen und zu setzen.

    Ein langjährige trockener erzählte mir, dass er schon Monate vor seiner stationären LZT trocken war, einer seiner Bekannten aus der SHG war ungefähr gleich lang trocken. Einer machte eine LZT, der andere nicht. Als der Bekannte aus der LZT kam, trank der andere schon wieder.
    Das heisst natürlich gar nichts, aber ist halt das was ich persönlich so mitbekommen habe und mich zum Nachdenken gebracht hat.
    Natürlich habe ich jetzt auch schon Menschen kennengelernt, die mehrfach therapiert wurden und dann trotzdem weiter trinken.

    Ich sehe die Möglichkeit der Entwöhnungsbehandlung als eine gute Hilfe und Startschuss in eine möglichst trockene Zukunft und will nicht später bereuen Hilfe abgelehnt zu haben.


    Sooo, jetzt noch ein bisl auf die Terasse, später Sport und dann wirds gemütlich.

    Einen schönen, sonnigen Tag wünsche ich Euch allen.

    Gruss
    Marco

    Hallo Jim,

    dann erstmal willkommen hier im Forum!

    Nein, Deinen Vorstellungspost können nur Mitglieder mit erweitertem Zugang einsehen. Daher löchere ich Dich jetzt direkt auch mal mit Fragen. :D

    WIe oft hast Du denn schon versucht trocken zu werden und wie?
    Hast Du eine Entgiftung gemacht bzw. mit Deinem Hausarzt geredet?
    Hattest Du schon den Mut mit Deiner Frau offen zu reden?

    Die Einsicht, dass es so nicht weiter gehen kann ist erstmal der schwierigste Schritt finde ich.

    Also ich wünsche Dir hier ne gute Zeit und nen netten Austausch.

    Gruss
    Marco

    Hallo Kaleu,

    nachdem ich "Meine Wände" und viele Deiner Posts gelesen habe, habe ich Dich mal gestalked. Ich wollte mal Deine Anfänge nachlesen. Unbeliveable wie Du Dich entwickelt hast. Finde ich absolut klasse!

    Den Zustand kurz vor dem ausklinken aus dem Thread hier kenne ich nur zuu gut. Ich weiss noch wie ich bei der Suchtberatung sass und fast explodiert bin vor Anspannung. Nichts und niemand konnte mich runter bringen. Die arme Frau sagte noch zu mir: "Herr ..., gehen Sie doch erstmal in Ruhe nach Hause und essen lecker und verwöhnen sich selbst etwas."
    Meine Antwort war: "Was glauben sie wohl was ich heute gemacht habe, den ganzen Krams habe ich ausprobiert. Lecker essen, Körperpflege, Tee bis zum abwinken, positive Gedanken, Sport bis an die Kotzgrenze. Das geht mir alles tierisch auf den Keks. Was wollen bloss alle von mir? Und obendrauf hatte ich letzte Woche noch nen Autounfall. Tolle Tipps haben Sie da!"
    Zu Hause wartete dann noch Streit mit der Freundin und der Rückfall Plan stand. An dem Abend komischerweise nicht. Aber das habe ich am Tag danach und in den 4 folgenden Tagen alles nachgeholt.

    Jetzt interessiert mich einfach, was Du in der Zeit nach dem Ausklinken getan hast? Gibt es einen anderen Faden, oder bist Du dann in den geschlossen gewechselt?

    Gruss
    Marco

    Hallo Peter,

    wenn es mir wegen irgendetwas schon fast zuu gut geht, dann schaue ich mir bewusst ein ganz bestimmtes Foto an. Dieses Foto symbolisiert für mich meinen persönlichen Tiefpunkt. Dann kann ich mich weiter über das Gute freuen, aber habe die Kehrseite auch kurz vor Augen gehabt. Im wahrsten Sinne des Wortes.

    Ansonsten: Super!! Freut mich!!! Das ist doch eine tolle Veränderung und hoffentlich ein ganz neuer Ausgangspunkt für Dich.

    Schönen Abend weiterhin.

    P.S. : Das mit dem Rad fahren finde ich auch klasse. Frische Luft, neue Eindrücke sammeln und ganz unverbindlich unter Menschen sein bzw an Ihnen vorbei radeln und lächeln. Geniess die Zeit.

    Gruss
    Marco

    Hallo,

    ich habe noch einmal über die Brücke nachgedacht. Eigentlich wollte ich meinen letzten Post mit dem Wort "Aber" beginnen.

    ABER, die Brücke ist wasserdicht. Der Vergleich macht sehr klar deutlich, dass das Suchtgedächtnis sehr tükisch ist. Wenn ich einen Rückfall mit der Brücke genauer vergleiche dann fällt mir auf, dass das Suchtgedächtnis mir nur das positive vermitteln will. Den Sturz von der Brücke sogar noch als "Kick des freien Falls" verkaufen will. Alles negative, den Aufprall (Kater, Scham, Entgiftung, Tod) hält das Suchtgedächtnis schön vor mir verschlossen.
    Nur diese Kompromisslose Logik kann ich also dem Suchtgedächtnis entgegenbringen. Sich selber zu zwingen, ist glaube ich, nicht so wirkungsvoll wie dieser einfache Vergleich. Weil er einfach nicht widerlegt werden kann.

    Der kurze Kick des freien Falls funktioniert nur beim Bungee, und nicht bei Alkoholismus.


    Danke Matthias, ich werde versuchen mir die Brücke einzuprägen.

    Gruss
    Marco

    Hallo Peter,

    Danke. Merke gerade, dass ich Lob nur schlecht annehmen kann, weil ich seit 15minuten rum eier was ich denn darauf schreiben soll ;)

    Das mit dem Frisör ist ne sehr gute Idee. Ich fühle mich immer um einiges wohler wenn ich nen gepflegten Haarschnitt verpasst bekommen habe. :)

    Freue mich weiterhin von Dir zu lesen.
    Jetzt muss ich in die Falle, um 5uhr geht mein Wecker wieder.

    Gruss
    Marco

    Zitat von silberkralle


    stimmt - und ich lerne aus meinen fehlern so wie du - aber muss ich unbedingt die fehler anderer wiederholen um daraus zu lernen?

    das halt ich für ne "ausrede" der "profis" (die ihr wissen über die alkoholkrankheit aus büchern haben, die andere "profis" aus anderen büchern abgeschrieben haben, die andere ...) ne "ausrede" dafür, dass es ihnen, trotz aller mittel und möglichkeiten unmöglich is uns zu "heilen" bzw. wenigstens erfolgreich zu therapieren.

    deine überlegungen sind gut und richtig - sicher helfen sie einigen, n rückfall zu vermeiden (und vieleicht vorher im forum zu schreiben).

    Hallo Matthias,

    schlaue Menschen lernen aus Ihren Fehlern. Sehr schlaue Menschen aus den Fehlern anderer. ;)
    Aus meiner Erfahrung im Berufsleben weiss ich, dass jede Erfahrung die ich jemandem mündlich vermitteln will, nicht wirklich zieht. Erst der selbstgemachte Fehler bringt die endgültige Einsicht. Ich kann manchen Kollegen tausendmal sagen was er an einer Säge vermeiden sollte, aber erst wenn es dann kurz mal ernst wird, hat er es wirklich verstanden.

    Dass Rückfälle die Regel sind habe ich in der kurzen Zeit, seitdem ich mir wirklich bewusst bin Alkoholiker zu sein, schnell erkannt. Bei ganz wenigen geht der Weg sofort geradeaus. Der ganz persönliche Tiefpunkt muss erlebt werden meiner Meinung nach, um wirklich etwas in sich in Gang zu bringen.

    Der Hintergrund für mich das mit den Rückfällen zu schreiben war, dass ich oft höre, dass Betroffene sich nicht mehr in die Gruppe trauen aus Scham, weil sie "versagt" haben. Für mich ist das nicht so ganz nachvollziehbar, weil die Abstinenz in allererster Linie für Mich gut ist. Was die Gruppe da von mir denkt ist sekundär für mich. Ich will Rückfälle keinesfalls beschönigen, aber denke dass sie sehr oft zum Prozess der endgültigen Einsicht dazugehören und somit auch oft zu Fortschritten führen.

    Ich hoffe doch, dass mehr geschrieben wird, besonders BEVOR es zum Rückfall kommt. Aber aus eigener Erfahrung sehe ich, dass manche sich vor dem Urteil anderer schämen. Ich habe letzte Woche den Satz gehört: "Ich muss zugeben, dass ich auch an Alkohol gedacht habe"
    Als ob es schändlich wäre nach jahrelanger Sucht noch an das Suchtmittel zu denken. Das ist doch ganz normal und man muss damit offen umgehen.


    Gruss
    Marco

    Zitat von Karsten


    Darum kann ich auch nur jeden raten, wenn er auf die Gedanken kommt, er oder sie hat es geschafft oder es geht einen sehr gut, sich sehr Hilfe zu holen.

    Dazu fällt mir ein

    Wenn es Dir schlecht geht - geh zur Gruppe!
    Wenn es Dir gut geht - renne zur Gruppe!

    Gruss
    Marco

    Hallo Atze,

    das erkennen der Gründe ist für mich eine der wichtigsten und schwierigsten Aufgabe vor der ich stehe. Ich will nicht den Grund finden warum ich überhaupt erst angefangen habe zu trinken. Nur den, der mich dann aktuell in Gefahr bringt. Ich habe das Gefühl es ist oft nicht nur ein spezieller Grund, sondern eine Kette von Verhaltensweisen die dazu führen in ein altes Muster zurück zu fallen. Aber ich bin ja über die Jahre ein Meister im ignorieren von Problemen und eigenen Bedürfnissen geworden, und daher merke ich so etwas immer recht spät.

    Zur Zeit denke ich nicht, dass Alkohol irgendeine Lösung bringen würde.
    Es ist das Loch, welches der Alkohol in mir hinterlassen hat. Das will gestopft werden, aber nicht mit Hast, sondern mit kleinen Schritten und Bedacht. Das ist nicht einfach und manchmal muss ich auch wieder einen Schritt zurück gehen und es anders versuchen.

    Mal auf die aktuelle "alte Hasen" Diskussion: Bei den langfristigen Zielen helfen mir die Denkanstösse der Langzeittrockenen sehr das grosse Ganze zu sehen.
    Bei den kleinen Zielen und Verhaltensweisen helfen mir die "Frischlinge", weil die mir eben den Spiegel vorhalten und ich manchmal direkt Dinge umsetzen kann, die mir helfen.
    Einige Gründe für meinen Rückfall konnte ich identifizieren, andere nicht. Das ist auch nicht weiter schlimm, weil der Rückfall an sich einen weitereren Schritt in die richtige Richtung gebracht hat. Es geht halt nicht immer nur geradeaus, manchmal gibts auch Umleitungen und Staus.

    Heute habe ich wieder einmal den hier https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…topic31930.html gelesen. Ein soooo tolles Stück tiefgründiger Alkoholiker Literatur. Das ist toll zu lesen. Ich bin noch im Keller, und es wird mühsam sein das Käfig Loch zu versperren und den Keller zaghaft zu dekorieren, aber es ist ein Anfang der gemacht werden muss. Wahrscheinlich braucht jeder seine speziell auf Ihn zugeschnittene Alarmanlage, den passenden Schlüssel für seine Sicherheitsriegel und eine ganz individuelle Dekoration für seinen Keller. Die Glühbirne habe ich ja wenigstens schon, in Form meiner SHG, diesem Forum und meiner Freunde und Familie.

    Ich schreibe hier auch lieber einmal mehr als zu wenig. Beim schreiben nehme ich meine Gedanken doch noch mal ein Stück weit bewusster wahr, alleine schon, weil ich sie für andere verständlich formulieren möchte.


    Gruss
    Marco

    Hallo Matthias,

    dankeschön. 10 Wochen sind ein guter Anfang. Aber ich bin da schon ziemlich selbstkritisch und vorsichtig.

    Zur Zeit muss ich Überstunden machen und die körperliche Belastung in Form des frühen Aufstehens knabbert an meinen Nerven. Meine Kollegen sind auch genervt und reden von "Tagen wie Kaugummi"
    Das beruhigt mich, ich bin also nicht der einzige den das nervt :D

    Manchmal denke ich nämlich, dass nur ich so genervt von bestimmten Situationen bin. Wenn mir dann jemand erzählt "ätzend" er Dies und Jenes findet, bin ich beruhigt und nehme es auch leichter.


    Heute habe ich im Netz etwas über Rückfälle gelesen, und dass diese nicht verteufelt werden sollen. Rückfälle können auch ein weiterer Schritt in die richtige Richtung sein. Der Mensch macht halt Fehler und Rückfälle sind die Regel und nicht die Ausnahme bei unserer Krankheit. Das soll niemanden ermutigen einen Rückfall zu bauen, aber ich höre oft von der Scham anderen Alkoholikern gegenüber. Dann denke ich mir :?:

    Natürlich ist das nicht wünschenswert oder manchmal auch echt eigene Blödheit, aber bei mir hat der Rückfall in dieses Forum geführt. Auch in der Gruppe rede ich offen von meinen gescheiterten Versuchen. Wenn ich daraus etwas mitnehme, dann habe ich wieder an Erfahrung gewonnen. Schmerzliche, aber wichtige Erfahrung.
    Wichtig ist, aus dem Rückfall etwas zu lernen, wenn er denn passiert. Bei mir war die Lehre, dass der Alkohol mir absolut nicht das Ergebniss gebracht hat, dass ich ihm abgewinnen wollte. Statt Entspannung gab es das genaue Gegenteil und das hat mich gedanklich wieder ein Stück weiter gebracht.


    Ich hoffe ich werde jetzt nicht gesteinigt!

    Gruss
    Marco

    [quote="Quantensprung"
    Vor 2 Wochen habe ich das erste Mal nach 17 Jahren etwas nüchtern nur für mich getan. Das hört sich vielleicht lächerlich an, aber mein Freund wollte sich kurzfristig auf ein Bier mit einem Kumpel treffen. Ich habe mir die Kamera geschnappt und ihm gesagt, dass ich dann auch erstmal weg bin. Habe dann dort alleine Fotos gemacht, wo er auch so gerne hinwollte, seit Jahren will er das. Ich habe das also gemacht, ganz alleine für mich, und es hat mir richtig Spaß gemacht. Normal wäre ich zu Hause geblieben und hätte mir Gedanken gemacht, wie er wohl drauf ist wenn er nach Hause kommt. Er wollte das auch eigentlich, also das ich zu Hause bleibe. Ich habe ihm allerdings gesagt, dass ich mich niemals mehr so zu Hause deponieren lasse. Und ich merke immer mehr, dass ich damit, mit diesem Teil seiner Welt nichts mehr zu tun haben möchte und auch nicht mehr kann.

    Bin ich mal nicht so gut drauf, dann klingeln bei meiner Mutter und Bruder gleich alle Alarmglocken. Aus ihrer Sicht vielleicht zu verstehen, für mich ist es einfach nur belastend.
    Wie handhabt Ihr solche Dinge? Ich bin, was das Einfordern eigener Bedürfnisse geht, irgendwie entwicklungsbedürftig, um es vorsichtig auszudrücken. ;) Ich will auch niemanden verletzen, aber ich sehe mein Wohl plötzlich so wichtig.
    Quantensprung[/quote]


    Hallo Q,

    ich habe schon oft hier gelesen: "Darin finde ich mich absolut wieder" und genau das tue ich jetzt auch.

    Erstmal hört es sich nicht lächerlich an, dass Du jahrelang nichts für Dich getan hast. Das hört sich eher nach einer Erkenntnis an, an der es zu arbeiten gilt. Natürlich hast Du das Recht Dinge nur für Dich ganz alleine zu tun, um Deine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Solange diese nicht konträr zu einer Partnerschaft stehen, würde ich mir da auch kein schlechtes Gewissen einreden lassen. Durch konsequentes Trinken haben wir ja auch das Leben verlernt. Alle Aktivitäten, die uns zu ausgeglichenen, fröhlichen Menschen machen könnten, haben wir durch Trinken ersetzt. Fotografieren ist doch eine tolle Sache und ich persönlich würde meiner Partnerin da jeglichen Freiraum geben, mit dem Wissen, dass es Sie glücklich macht. Ich möchte ja auch Dinge tun, die mir gut tun und Spass machen, ohne ein schlechtes Gewissen eingeredet zu bekommen. Lass Dich also bloss nicht zu Hause "deponieren" wie Du so schön geschrieben hast. Du tust Dir etwas Gutes damit, das Dich in einer postiven Entwicklung fördert. Es ist wahrscheinlich einfach nur ungewohnt langsam seine eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen und auch auszuleben. So what??!!!

    Bei mir war es vor ein paar Monaten auch mein Bruder, der täglich mehrfach angerufen hat, meist schon früh am Morgen. Wenn ich dann mal 2-3 Tage beschäftigt war und wenig Zeit und Lust nach der Arbeit hatte, wollte er mich immer überreden zu irgendwelchen Aktivitäten. Das hat mich sehr belastet, aber ich hatte mich ja schuldig gefühlt. Wie das als Alkoholiker halt so ist. Erst als ich in der SHG dem Therapeuten zuhörte, über seine Ausführungen zum Thema Geduld, konnte ich es verstehen. So wie ich mir selber Zeit und Geduld geben muss, muss auch mein direktes Umfeld das tun. Eine jahrelange Sucht ist halt auch ziemlich lange nach Abstinenzbeginn noch sehr präsent. Wenn ich dann nicht so funktioniere wie das Umfeld es erwartet, ist es nicht mein Problem. Es ist nicht schlecht auch mal eine Zeit lang für sich alleine zu sein und sich die Zeit zum reflektieren zu geben. Mir war es auch zu viel jeden Tag eine Art Bericht abzulegen. Ich wollte einfach mal nur alleine sein und nur meinen Gedanken lauschen. Das kann man sehr sachlich formulieren und niemandem damit vor den Kopf stossen. Ich habe aber wie gesagt auch eine Zeit gebraucht, bis ich das in Ruhe konnte. Vorher war ich schon fast aggressiv und genervt. Aber als es gesagt war, besserte sich das auch. Jetzt weiss mein Bruder, dass nicht direkt Feuer Alarm ist, wenn ich mich 3 Tage nicht melde. Meist hab ich dann Langeweile und melde mich sowieso.

    Wie Du also absolut richtig geschrieben hast, ist es wichtig das Einfordern eigener Bedürfnisse in ruhiger Art und Weise zu erlernen. Je mehr ich das tue, umso besser wird es.
    Dazu habe ich hier mal einen ganz tollen Satz gelesen; Seitdem ich meinen Egoismus bewusst pflege, bin ich nicht mehr so egoistisch.

    Bedenke, dass das ignorieren der eigenen Grenzen und Bedürfnisse auch oft ein Grund für das Trinken war. (bei mir zumindest)
    Das Wichtige ist die Art und Weise wie man es dem Gegenüber vermittelt!!

    Einen schönen Abend noch! Bleib am Ball und nimm Dich ernst!!

    Gruss
    Marco

    Moin,

    Ich finde es sehr wichtig, dass ihr "alten Hasen" hier schreibt. Woher sollten wir Frischlinge denn sonst wissen, dass es wirklich langfristig ohne Alk geht?! Und dass man auch zufrieden trocken sein kann.
    Außerdem habt Ihr ja schon die Anfangs Krisen bewältigt und habt ja viel wirkungsvollere Tipps. Ist ja nicht ungewöhnlich, dass sich kurzzeit trockene gegenseitig wieder runter ziehen. Hab ich schon mehrfach in der Gruppe gehôrt z.B.

    Ganz wichtig auch, dass Langzeittrockene hier um Forum auch auf den Mumpitz bzgl. Medikamente reagieren. Sonst glaubt das noch jemand der hier frisch rein stolpert und beginnt seinen Weg schon ganz falsch.
    Außerdem gefällt mir der Gedanke, dass mal n Fachmann über meine Posts drüber liest ;)


    Gruß
    Marco

    Hai,

    das vorher "rumspuken" im Kopf, dass Alk eine Option ist, war meine Planung. Ich hatte das nicht ernst genommen und die Ausführung war nur der letzte Schritt/Griff zur Flasche. Ich wollte es ja schon und meine Suchtgedanken hatten nur auf einen Auslöser gewartet. Bei mir war es Streit den ich als Grund brauchte, um es vor mir zu rechtfertigen.
    Hatte mich vorher purem Stress mit möglichst wenig Pausen ausgesetzt.

    War es bei Dir Langeweile? Oder Rosenmontag? Da muss es doch einen Grund geben?! Bei mir waren es zu große Ziele bei zu wenig Geduld.


    Gruß
    Marco

    Hallo Q,

    das freut mich. :)
    Passiv/handlungsunfähig bin ich nur wenn ich trinke. Natürlich gibt es immer unangenehme Gefühle und Gedanken, die man sonst ersäuft hat, hoch. Aber nüchtern kann ich selber entscheiden wie ich damit umgehe. Entweder lebe ich sie aus, oder lenke mich ab. Eine gute mischung aus beidem tut mir momentan gut.


    Gruß
    Marco

    Zitat von atze der 23

    Das Verhalten der noch nassen Heute hatt mir mal wieder den Spiegel vors Gesicht gehalten.Genauso eierte ich in meiner Zeit rum.

    Deswegen meinte ich mit den "frischen Leuten". Da erkenne ich mich selber besser als bei einem Langzeittrockenem.

    War beim Lesen nur mein Eindruck mitr dem "harmlos" Hast Du den Rückfall denn geplant? Gruppe vernachlässigen war bei mir der Einstieg in die Planung. War mit anderen Dingen zu beschäftigt und habe meine Abstinenz hinten angestellt. Dann noch Ärger im zwischenmenschlichen und schon waren Tür und Tor offen für einen 5tägigen Rückfall der es in sich hatte. Hab es an einem Tag geschafft 20 halbe Liter Bier zu kippen. Als ich wieder einigermassen nüchtern war, war ich soo dermassen erschrocken. Wie konnte das passieren dachte ich mir. Und dann sooo heftig! Aber ich war zu arrogant und zu bequem mich in eine Gruppe zu setzen. Erst danach habe ich mich auch hier im Forum angemeldet. Mir hat es letzte Woche schon geholfen über meine Anspannung zu schreiben. So ein Rückfall kommt meiner Meinung nach nämlich auch nicht aus heiterem Himmel, sondern kündigt sich durch bestimmte Gedankengänge an. Wenn ich hier regelmässig alles rein tipper was mir durch den Kopf geht, baue ich mir eine Sicherheit ein. Wenn da einem "alten Hasen" etwas auffällt, hoffe ich, dass mir mal vorn Kopf gestossen wird :wink:

    Schönen Abend noch!!!


    Gruss
    Marco