Mahlzeit,
kleiner Zwischenbericht von mir.
Ich hatte eine recht turbulente Woche mit Gefühlsbergen und Tälern, leider mehr Tal als Berg aber OK. Gut finde ich natürlich trotz Kummers nicht getrunken zu haben. Gestern habe ich im Gedanken für mich dazu formuliert; es war und ist nicht leicht mit den ganzen Emotionen umzugehen, aber ich habe nüchtern etwas was ich betrunken gar nicht mehr habe; Handlungsspielraum und ein klein wenig mehr Freiheit.
Gestern wurde ich in der SHG auf etwas aufmerksam gemacht, und zwar, dass die Vorraussetzung einer ambulanten Therapie eine stabile Abstinenz ist. Meine letzte Abstinenz (Trinkpause?!?) war aber nur gute 11-12 Wochen alt. Zähle das nicht immer genau, weil ich denke, dass die vergangene Zeit relativ ist bei der Zielsetzung ein nüchternes Leben führen zu wollen.
Diese Ansage hat in mir ein Gefühl von Druck erzeugt a la: jetzt muss ich aber... Ich merke aber, dass dieses Druck Gefühl absolut kontraproduktiv ist. Eine stationäre Therapie würde ich gerne umgehen aus folgenden Gründen: a) der Arbeitgeber weiss noch nichts von der Krankheit und b) dem Unternehmen geht es wirtschaftlich sehr schlecht gerade und in 15 Jahren Zugehörigkeit habe ich mich etabliert und bin fester Bestandteil der Arbeitsplanung c) ich habe massive Angst bei dem Gedanken für 4 Monate "weggesperrt" zu sein (ja ich weiss, Denkfehler, ist aber so)
Am 18.02. ist meine Sachbearbeiterin bei der Suchthilfe wieder da und dann werde ich mit Ihr zusammen besprechen wie es weiter geht. So lange will ich versuchen mir diese Spekulationsgedanken und Befürchtungen vom Leib zu halten.
Gut finde ich, dass ich mir selber klar geworden bin, dass, falls ich die ambulante Therapie beginnen kann, ich mich umstellen muss.
Bisher gab es da immer nur Sport, Sport, Sport und Motorradfahren. Innerlich habe ich mich schon eingestellt darauf, dass das zwar schöne Sachen sind die mir gut tun, aber im Moment auf meiner Prioritäten Liste nach unten rutschen. Die Chance aktiv an der Krankheit zu arbeiten ist mir da langfristig gesehen deutlich mehr Wert.
Der Besuch der Gruppe war aber ansonsten sehr positiv für mich, bringe mich dort gerne und viel ein. Habe schon langsam ein schlechtes Gewissen, weil ich so oft Fragen und Anmerkungen zum Gehörten habe.
Desweiteren hat mich das Arbeitsleben in Form einer 40Std Handwerker Woche wieder, nachdem die letzten Wochen eher kaum etwas zu tun war und ich deshalb manchmal nur halbe Tage arbeiten musste oder ganz frei hatte. So ne Arbeitswoche plus eigener Haushalt ist natürlich auch eine unumgängliche Pflicht für mich und ich merke, dass ich mir Zeit und Kraft besser einteilen (lernen) muss und möchte.
Gut finde ich auch, dass ich mittlerweile bei aufkommender Euphorie mir immer wieder ins Gedächtnis holen kann wo ich nicht mehr hinmöchte. Ich lasse es mir gut gehen, aber versuche die Zügel doch fester in der Hand zu halten als vorher immer. Da habe ich nach ein paar Wochen schon gar nicht mehr dran gedacht überhaupt ein Problem zu haben udn hab mich vom guten Gefühl weg tragen lassen. Ich weiss nicht, ob das die "richtige" innere Einstellung ist, aber ich will meinen persönlichen Tiefpunkt nicht vergessen oder beschönigen vor mir selber.
Ja das war es erst einmal und ich wünsche Euch allen eine schöne Restwoche und angenehme Tage in der warmen Stube.
Lasst es Euch gut gehen!
Marco