Beiträge von Neuweg

    Hallo Aurora,

    danke für die Antwort. Ich glaube, diese Teufelchen habe ich bei dir gelesen, die haben mir gut gefallen.
    Du hast es auch sehr gut umschrieben, wie ich mich fühle.
    Nun, immerhin habe ich schon gelernt, diese Streitereien nicht mehr endlos zu führen, sondern recht schnell zu beenden und mir nicht mehr so viele Schuldgefühle einzureden / einreden zu lassen.. Ich würde allerdings auch gerne einmal sagen: Mit dir diskutiere ich nicht, du bist betrunken. Das kann ich aber noch nicht.
    Manchmal ist es auch schwierig, denn da sind die Kinder da. Da kann ich dann ja nicht einfach gehen. In diesen Situationen sag ich dann einfach so wenig wie möglich.
    Ich habe eine Hypnotherapeutin, die mit mir schon ein paar Mal geholfen hat, an meinem Selbstwertgefühl zu arbeiten. Sie hat mir auch empfohlen, auch vor den Kindern mal hin zu stehen. Das die beiden lernen, dass man sich nicht alles gefallen lassen muss. Aber bisher ist es mir noch nicht gelungen.

    Mich würde mal interessieren, was im Kopf von xy so vor sich geht, wenn er so Zornanfälle hat und zu Streiten anfängt. Oft merke ich auch, dass es ihm am nächsten Tag doch irgendwie leid tut. Insbesondere, wenn es die Kinder getroffen hat. Ich habe hier im Forum mal gelesen, dass ein Alkoholiker auch "nüchtern" nicht mehr gesund denken kann. Wenn ich also am nächsten Tag zu ihm z.B. sage würde, du warst gestern betrunken, du hast dich wegen…. Nicht richtig verhalten. Würde er das verstehen, oder einsehen?

    Und diese Gemeinheiten immer wieder uns gegenüber. Er möchte, dass seine Familie perfekt funktioniert. Fehler darf es nicht geben. Hat er diesen Gedanken immer, oder erkennt er ab und zu, wenn er z.B. nüchtern ist, dass das eigentlich Quatsch ist.
    Und was denkt er, wenn er heimlich schnell eine Flasche Wein trinkt, wenn ich mal kurz aus dem Haus bin. Ist er wirklich der Meinung, kein Problem zu haben? Oder weiß er es und will es nicht zugeben?
    In unserer Familie läuft so vieles verkehrt. Sieht er das denn nicht? Glaubt er wirklich, dass alles in Ordnung ist?

    Neuweg

    Die Kinder bekommen es mit, wenn ein Elternteil trinkt, das sagt jeder. Auch gestern war ich beim Psychologen meines Sohnes. Er hat mir auch deutlich gesagt, dass seine Probleme hauptursächlich beim Alkoholproblem des xy zu suchen sind. Er rät mir auch, zu einer Trennung und dazu, es offen anzusprechen.

    Meine Kinder sind sechs und acht. Was bekommen sie mit? Können sie unterscheiden, ob Papa etwas getrunken hat oder nicht. Ich bekomme oft zu hören, der Papa tut immer so viel schimpfen, der Papa ist immer ärgerlich, wenn Papa da ist, gibt’s immer Streit….Trotzdem mögen sie ihn natürlich und ich sehe, an guten Tagen hängen sie total an ihm.
    Trotzdem sehe ich natürlich, dass wir, wenn er nicht da ist, viel freier und unbefangener sind. Wenn er da ist, hat jeder Angst, irgendwas falsch zu machen. Xy regt sich oft unkontrollierbar über Sachen auf.

    Wie führe ich sie an das Thema heran, wie erkläre ich es ihnen, so dass sie es verstehen? Und wenn ich mich hoffentlich bald mal dazu durchgerungen habe, xy ein letztes Mal konsequent mit seiner Sucht zu konfrontieren und oder mich zu trennen, dann gibt es riesen Veränderungen. Wie erkläre ich es ihnen, dass wir möglicherweise nun weggehen müssen von zu Hause.

    Es könnte auch passieren, dss xy mich schlecht vor den Kindern macht und sagt ihnen, die Mama spinnt und ist gemein papa etc… So war es beim letzten Versuch, auch. Und für mich war das echt fürchterlich. Und natürlcih droht xy auch damit, für die Kinder zu kämpfen und dass er alles dafür tut, dass sie bei ihm bleiben.

    Ist die Trennung für die Kinder wirklich das Beste? Schließlich ist er ja trotzdem ihr Vater, trotzdem alkoholkrank.

    Wer von euch hat das alles mit Kindern schon hinter sich und kann mir sagen, wie es für die Kinder war? Wie sie es aufgefasst haben und wie das Thema erklärt wurde?

    Ab wann macht es Sinn, mit dem Jugendamt zu sprechen?

    Danke für die Antworten

    Neuweg

    Hallo Oldie,

    vor was ich Angst habe? Das ist eine gute Frage, die ich mir zur Zeit ständig stelle.
    Ich habe hier im Forum etwas von „Harmonieteufelchen“ und „Verantwortungsteufelchen“ gelesen. Wenn ich so über die letzten Jahre nachdenke, muss ich feststellen, dass ich meine ganze Kraft damit verschwendet habe, eine gewisse Harmonie im Haus zu erhalten. Ich habe immer alles geschluckt, mich nicht gewehrt, gegen die vielen Kritiken, Beleidigungen, Demütigungen. Bin immer brav dagestanden und habe den Fehler bei mir gesucht. Und es dann versucht noch besser zu machen.

    Auch jetzt gehe ich jedem Streit aus dem Weg. Bloß keine Unruhe im Haus aufkommen lassen. Wenn wieder etwas von XY kommt, erst vor kurzem hat er mich vor Freunden wegen einer Kleinigkeit wieder rundgemacht, schlucke ich. Ich merke, wie ich total gestresst bin, mir wird warm, ich bekomme Bauchschmerzen und Kopfweh in Situationen, bei denen ich merke, es kommt zum Streit.
    Dazu kommt meine ständige Angst, etwas falsch zu machen. Ich muss irgendwie immer alles perfekt machen, gestehe mir keine Fehler zu. Versuche es immer, xy recht zu machen.

    Ich weiß, dass xy, wenn ich ihn nochmals konfrontiere, sofort wütend wird. Er wird mir erklären, wie sehr ich ihn verletze, wie enttäuscht er ist, dass er eine Frau wie mich nicht verdient hat, weil er ja gut für uns sorgt und dass ich auch keine perfekte Mutter bin. Damit hat er mich letztes Mal gekriegt. Ich kann mit diesen Vorwürfen überhaupt nicht umgehen. Dass letzte Mal schwenkte das Thema von seinem Alkoholproblem auf meine angeblichen Fehler, und dass ich ihn so enttäuscht habe…

    Vielleicht ist mein Problem, mit sowas umzugehen auch aus der Kindheit, meine Eltern, insbesondere meine Mutter, tranken auch zu viel. Wobei ich meine Kindheit nicht so schlecht in Erinnerung habe, es ging immer einigermaßen geordnet zu.

    Komischerweise bin ich so bei anderen überhaupt nicht. Bei der Arbeit z.B. kann ich mit Fehlern und Kritik sehr gut umgehen.

    Ich habe gelesen, ein Alkoholsüchtiger macht diese Angriffe, um selbst besser dazu stehen. Und das man sich die gar nicht zu Herzen nehmen soll. Das das wohl auch typisch ist für Co-Alkoholiker ist. Aber ich kann das nicht einfach so abstellen. Und das ist wohl die Voraussetzung, da raus zu kommen. Wie kann man das schaffen?

    Neuweg

    Hallo, danke für die Antwort. Ja, ich habe Hoffnung, dass mir das Forum weiterhelfen wird.
    Und ich denke, mit einer professionellen Unterstützung wäre mir geholfen. Aber da geht es auch schon los. Ich habe Probleme xy zu sagen, du trinkst, mir geht es schlecht damit, ich werde eine Therapie machen. Im Ansatz weiß ich ja eigentlich Bescheid, aber ich krieg es nicht gebacken, ich bekomme den Mund nicht auf. Ich fühle mich eingeschüchtert, bald schon ängstlich, obwohl es hier keine körperliche Gewalt gab. Verbal schon.
    Das komische ist, ich habe auch einen Beruf, bei dem man sich durchsetzten muss, da hab ich gar keine Probleme. Nur bei xy bin ich so machtlos und feige.
    Nun, ich habe mir jetzt eine Art Notizbuch angeschafft, bei dem ich mir Stück für Stück aufgeschrieben habe, was ich erreichen möchte, um aus dieser Misere raus zu kommen. ZB. Forum anmelden (ist ja geschehen), das Problem aussprechen, mit den Kindern reden, Therapeut suchen..... eine Kur machen, usw. und so fort. Und wenn ich dann einen Punkt geschafft habe, mache ich einen Haken dahinter und freue mich. Vielleicht ist das albern, aber mir hilft es gerade, nicht so planlos und tatenlos weiter zuzusehen.
    Vorhin habe ich mich wieder erwischt, wie ich gedacht habe, hey so schlimm ist es doch gar nicht, er ist doch nur ein bißchen betrunken.... Aber das ist falsch und zumindest ist mir das jetzt endlich mal bewusst.
    Ich dachte immer, Coabhängigkeit ist der Drang zu Umsorgen, nicht mit Lieben aufhören zu können??
    Ich denke,ich umsorge ihn nicht und ich bin froh, wenn er nicht zu Hause ist. Da fühle ich mich nämlich viel freier und unbeschwerter - und die Kinder auch...


    Neuweg

    Hallo,

    ich möchte mich nochmal kurz vorstellen: Ich bin 35, seit ich neunzehn bin mit xy zusammmen und seit fast zehn Jahren verheiratet. Wir haben zwei tolle Kinder, 6 und 8 Jahre, ein schönes Haus und nach außen scheint es wahrscheinlich perfekt.
    Aber: ich bin Frau eines Alkoholikers und Tochter alkoholkranker Eltern. Ich habe lange gebraucht, um diese Tatsache zu erkennen. Um zu sehen, dass unsere Eheprobleme nicht meine Schuld sind, sondern die des Alkohols. Jahrelang habe ich mir von xy sagen lassen, was ich alles falsch mache, mich demütigen und auch beleidigen lassen. Ich habe mich für Sachen gerechtfertigt, über die ein „normaler“ Mensch nur den Kopf schütteln würde. Habe die Schuld bei mir gesucht, wenn xy mal wieder seine Zornanfälle oder seine Trauerattaken hatte.
    Ich habe mich in den Jahren komplett verloren, ich weiß gar nicht mehr wer ich bin und was ich will. Für mich gibt es derzeit nur noch die Kinder, ich lebe für sie und sie machen mich glücklich und ich will dass sie glücklich sind.
    Sie waren auch der Grund, dass ich aufgewacht bin, das Alkoholproblem erkannt habe und begonnen habe, etwas zu unternehmen. Beratungen, Bücher, Internet, Therapeuten, Gespräche mit dem Psychologen meines Sohnes, mit dem Hausarzt und der Schwiegermutter. Und natürlich Konfrontationen mit xy, aus denen ich jedes Mal als „Verlierer“ herausging, mich wieder schuldig fühlte, als schlechte Ehefrau. Kurz vor Weihnachten gab es die letzte große Aussprache, wieder ging es um Trennung, wieder ging ich auf seine Bedingungen ein, nichts mehr zu unternehmen. Er schaffte es, mich glauben zu lassen, er habe wirklich kein Problem.
    Es folgten schöne Wochen mit weniger Alkohol, dann ging es natürlich wieder los.
    Nun bin ich an dem Punkt angelangt, an dem ich erkenne – es hilft nur harte Konsequenz und eine Trennung. Ich weiß um das Problem, habe mich informiert, habe eine Rechtsberatung, Zuspruch und bin finanziell abgesichert. Hätte eine Wohngelegenheit für die Kinder und mich. Liebe von meiner Seite gibt es nicht mehr, ich bin froh wenn er nicht da ist.
    Und trotzdem: Ich schaffe es immer noch nicht!!! Ich fühle mich so gelähmt, leer und kraftlos. Ich habe Angst vor diesem Schritt, Angst vor seinen Vorwürfen, Angst die schlechte Ehefrau und Mutter zu sein, wenn ich gehe. Angst vor der Konfrontation.
    Ich bin zerrissen: Einerseits weiß ich, es ist das Beste, auf der anderen Seite frage ich mich, wie xy wohl die neue Wohnung finden würde? Wie blöd ist das denn???!!!
    Am liebsten würde ich mich selber an den Schultern packen und kräftig wachrütteln.
    Ist das Co-Abhängigkeit? Kommt das daher, dass meine Eltern getrunken haben? Oder ich schon so lange mit xy lebe? Wie komme ich schnell da raus, damit vor allem die Kinder nicht noch mehr Schaden nehmen!!
    Vielen Dank für eure Antworten
    Neuweg