Beiträge von Dr.Gerner

    Hallo Juergen,

    Du hast damit natürlich Recht, dass man sich Ruhe und Zeit gönnen soll, aber heute habe ich nach dem Aufstehen etwas geschimpft. Es geht mir gerade zu wenig voran. Viel zu wenig zu tun, kommen wenig Aufträge und ich habe meines Erachtens gerade zuviel Zeit, was mir nicht recht ist. Würde gerne mehr tun. Ärgere mich gerade. :oops:

    Ich selber hatte gestern an meinem 12-wöchigen-Abstinzenz-Tag auch keinen guten Tag. Nichts lief wie es sollte und ich war sehr unzufrieden mit der Gesamtsituation im Moment. Habe dann einen langen Spaziergang gemacht und Abends Sport, denn da kam nach Langen erstemal wieder ein Gedanke "Okay, den Tag trinkst du dir schön", was ich selbstredend gelassen habe. :)

    Ich denke, dass es dir gut tun wird mit den Kindern zu sprechen. Überlege mal wie du denen mehr Schaden zufügst? Wenn du heimlich trinkst ( was du ja zum Glück nicht mehr tust ) oder wenn du ihnen erklärst, dass du wieder gesund werden willst, um mehr für sie da zu sein? :)

    Ich habe damals den Termin in der Klinik klar gemacht und dann habe ich meiner Familie alles gestanden. Es war das Beste was ich tun konnte. Endlich konnte man befreit aufatmen, die Katze war aus dem Sack und sie genoss ihre Freiheit. All die Lügen, das Verstellen, der verkrampfte Umgang...ich war froh, dem ein Ende gesetzt zu haben. Ich denke, dass auch eure Liebsten merken was los ist, nur so schwebt die Wahrheit unheilvoll durch den Raum und man weiss nie wann die Seifenblase ihrer Tarnung aufplatzt...

    Ich wünsche euch beiden...step-by-step und Thalia, das ihr alles offen legen könnt und die Krankheit endgültig zum Stillstand bringt. :):)

    Ich danke euch beiden, Jürgen und Nobby. :)

    Dann habe ich das ja richtig eingeschätzt. Denn manchmal sind es die schönen Gefühle die schnell zum Leichtsinn führen...tja, man muss immer auf der Hut sein. Stolz über erreichte Ziele ja, aber keine Überschwänglichkeit.

    Hab mich auch damit gebremst. Viel Sport steht auf dem Programm. Das tut gut. :)

    Hallo Thalia,

    ich verstehe was du meinst. Ich musste ja auch im Dreck landen, das hat mich dazu bewegt, die wichtigen Schritte einzuleiten. Vorher gab es Phasen da habe ich auch einige Tage Pause mit dem Trinken machen können...die Phase war auf gewisse Art und Weise schlimmer, denn ich habe mir zu der Zeit dauernd selber was vorgemacht, meine Krankheit verleugnet, immerhin konnte ich auch einige Tage ohne Alkohol...Wie doof das jetzt klingen mag, aber das bittere Ende, als ich am Boden lag, war heilsam. :oops:

    Wie ich meinen Tiefpunkt präsent halte? Das macht mein Herz, denn es hat einen kleinen Raum wo sich ein mahnender Schmerz versteckt, der mich daran erinnert, dass ich durch meine Krankheit jemanden verloren habe den ich geliebt habe...Ich kann immer nur für den Moment sprechen, aber das hilft mir weiter vor Augen zu haben wo ich stand...

    "Die eine Sache", ich denke, das ist genau die Sache die bei dir alles auslöst. Sie ist es, die du behandeln musst, damit du wieder glücklich leben kannst. So lange du dich dagegen wehrst, wird das kein Ende nehmen, vermutlich.
    Ich hoffe, ich trete dir nicht irgendwo zu nahe...Weisst du, ich bin ein "Ganz oder Gar nicht"-Typ. Das war auch beim Trinken so. Wenn dann habe ich richtig zugelangt, halbe Sachen gab es nicht...das habe ich fürs Leben übertragen. Ich wollte trocken werden und habe das ganz durchgezogen. Nun beschäftige ich mich mit mir selbst und will auch das ganz durchziehen. Es geht ja nicht von alleine weg.
    Du darfst nicht erwarten, dass es leicht oder schön wird...bin gestern nach dem Gespräch auch 1 Stunde spazieren gegangen, musste über viele nachdenken und habe mich nicht gut gefühlt, nochmal erfahren zu haben was ich angerichtet habe, aber es musste getan werden...verstehst du, was ich meine? :oops:

    Auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum. :)

    Ich bin selber noch nicht lange dabei, aber kann dir versichern, mir hat das hier sehr geholfen. Damals habe ich mich im Vorstellungsbereich vorgestellt und befand mich in der schlimmsten Phase meines Lebens. Ich hatte meinen Tiefpunkt erreicht, der brüchige Boden war eingebrochen und ich lag am Boden. Durch die Hilfe von Anderen hier, bin ich in die Klinik gegangen und dankbar, diesen Schritt gemacht zu haben.

    Auseinandersetzen mit mir selber musste ich mich auch...sowas ist am Anfang unangenehm, aber man lernt auch eine Menge. Erst heute habe ich einen Freund getroffen, den ich wegen des Alkohols verloren glaubte, war froh, dass er sich wieder gemeldet hat. Als ich da hingegangen bin war ich nervös wie eine langschwänzige Katze in einem Zimmer voller Schaukelstühle. Ich habe erfahren heute was ich anderen alles angetan habe mit meinem Verhalten und das ich ein Mädchen sehr verletz habe, woran sie zu knacken hat. Ich werde einen Weg finden, dass wieder gut zu machen, aber das braucht wohl Zeit...es ist verdammt schwer mit sich selber ins Reine zu kommen, vorallen wenn man sich ehrlich damit auseinandersetzt, aber ist sicher auch eine heilsame Erfahrung.

    Hier tut dir keiner was, es werden dir höchstens andere Perspektiven deiner Sichtweise aufgezeigt...aber wovor hast du denn genau Angst wenn du dich mit dir selber auseinander setzt? Und hast du diesmal einen kalten Entzug gemacht oder eine qualifizierte Entgiftung? :)

    Liebe Grüsse

    Hallo Slowly,

    natürlich schwingen da noch Trauer und Verluste aus der Vergangenheit mit. Da habe ich nunmal einiges angerichtet, aber deine Wortwahl am Schluss fand ich sehr schön: Neues Land gewinnen, aber die Vergangenheit als Mahnung im Kopf behalten. :)

    Das mit dem nackten Grauen kenne ich und es hat sehr kalte Hände. Aber du kannst wirklich stolz auf dich sein.

    Bei mir haben sich ein paar Dinge ergeben die mich fröhlich stimmen, hoffe es bleibt so, aber gerade jetzt bin ich wachsam, denn Euphorie kann noch gefährlicher für einen trockenen Alkoholiker sein als Trauer. Also achte ich weiter auf mich. :oops:

    Hey Slowly,

    dann kann ich dir nur nachträglich gratulieren, dass du das so erfolgreich geschafft hast. Glückwunsch!

    Und in der Liebe wünsche ich dir weiterhin viel Glück. Ich habe damals leider zuviel zerstört, so dass mein Herz irgendwann Schiffbruch erlitt und meine Seele zu ertrinken begann....Ich habe daraus gelernt. :oops:

    Jetzt heisst es kämpfen und einen Neuanfang wagen. :)

    Zitat von sonny1


    @Dr. Gerner: Gratulation! Hattest Du an diesem bestimmten Punkt das Gefühl, Du suchst lieber Hilfe oder war es ein kontinuierlicher Prozess mit mehreren " Tiefpunkten"?

    Sagen wir mal so, es war ein kontinuierlicher Prozess mit mehreren Tiefpunkten. Genau vor einem Jahr, so am 30.06. sass ich im Auto nachts am Ausgucksort hier und sah auf die Stadt hinab und dachte mir, dass sei der endgültige Tiefpunkt...Oh, was hatte ich mich damals vertan, es kamen noch mehr tiefere Punkte, immer wenn man dachte, es ginge nicht tiefer, legte man noch einen drunter...

    Das Schlimmste war ganz ehrlich, die Zeit wo ich noch Trinkpausen hatte. Da hatte man im Kopf noch den Ausweg der sagte "Wow, du hast 3-4 Tage nichts getrunken, so schlimm ist es ja noch nicht". Ich wusste da nicht was ich tun sollte, manchmal dachte ich, ich muss Hilfe annehmen, bin Alkoholiker, dann gab es wieder Tage wo ich dachte, alles im Griff zu haben...Ganz ehrlich, am besten war es für meine Entscheidung dann ab März, wo ich jeden Tag trank, denn dann war ich an meinem absoluten Tiefpunkt angelangt...Das war auch die Zeit wo ich mir Hilfe suchte. Für mich gab es nur 2 Optionen im Kopf: Mich totsaufen oder in eine Klinik gehen. Ich wollte leben! :)

    Hallo Slowly,

    ist doch nicht schlimm, ich finde eine WM ist halt ein so seltenes spannendes Ereigniss, dass man da auch schonmal schauen kann, gerade bei Deutschland. Im Moment bin ich sogar ganz glücklich darüber, dass soviel Fussball kommt, kann ich mich abends ablenken... :oops:

    Was die Luft angeht, die aus dem Fussball ist...ich habe auch bemerkt, dass die Stimmung nicht so toll ist wie vor 2 oder 4 Jahren, was auch daran liegen könnte, dass man nicht mehr trinkt und feiert, keine Ahnung...

    Für mich gibt es im Moment eh nur Wasser als Getränk. Halte mich an einen gewissen Ernährungsplan, weil ich angefangen habe zu trainieren, also die Muskeln und das geht nur im Zusammenhang mit der richtigen Ernährung, ohne Cola, Süssigkeiten, Fett und so...

    Sei froh, dass du noch jemanden hast, Slowly...ich bin momentan alleine, was jetzt nicht monstermässig tragisch ist, aber einsam ist man nach dem ganzen Entzug und alles schon...Ich freue mich aber für dich und hoffe, ihr meistert auch weiterhin alles so gut zusammen! Jeder Mensch trägt Töne in sich, aber erst durch den richtigen Partner wird daraus eine Melodie... :oops:

    Hallo Weinender Engel,

    wie ich es geschafft habe, Hilfe anzunehmen? Am Ende habe ich einem Mädchen mit Worten sehr weh getan...sie war wie eine kleine Schwester für mich, aber auch die habe ich vergrault. Letztendlich war ich isoliert, sass zuhause zitternd am Boden und habe getrunken, wie peinlich das auch klingt. Ich war ganz unten...auch wenn ich nichts mehr hatte, wollte ich leben. Also habe ich den Termin in der Klinik gemacht. Ich bin sehr froh darüber. Aber dieser wichtige Schritt, kam erst, als ich ganz alleine am Boden lag...Ich bin gerade mal 31 Jahre geworden in diesem Monat, ich wollte noch was vom Leben haben. :)

    Hallo weinender Engel,

    ich bin selber trockener Alkoholiker und das erst seit 11 Wochen. Ich habe während meiner nassen Phase auch vielen Mensch seelisch -nicht körperlich- weh getan. Auch ich hatte diese Pausen, aber wenn die rum waren, wurde es wieder anstrengend mit mir. Dies ist ein schlimmer Kreislauf. Es kann von mal zu mal schlimmer werden. So lange er nicht wirklich eine richtige Therapie, am besten mit Entzugsklinik macht, wird das Glück was du gerade empfindest -und ich dir gönne- stets für kurze Dauer sein. Leider.

    Hallo Slowly,

    ja den Roman musste ich erstmal hinten anstellen, da ich genau wie du momentan sehr viel am rödeln bin. Ist aber auch nicht schlimm, ich bin gerne beschäftigt, das lenkt mich ab. Aber ich werde den Roman spätestens übernächste Woche wieder in Angriff nehmen. :)

    Ich finde es auf jeden Fall interessant zu lesen, wie es bei anderen war und danke dir für deine Auskunft. Du sagtest "Co-Abhängigkeit"? Also hat ein Partner von dir getrunken?

    Ich meide auch mitlerweile Orte wo getrunken wird, was mich an Alkohol erinnert, wird diesmal halt eine ruhige WM. Aber macht auch Spass, ist halt anders, ungewohnt.
    Zumindest können sich viele europäische Teams nächste Woche Geld sparen, wenn sie alle mit einem Flugzeug aus Brasilien zurückfliegen... :D

    Heute Morgen hat mich erstmal die Feuerwehr geweckt...na ja, die haben nur Bäume geschnitten und mein Auto musste da weg...aber als ich erstmal hörte "Feuerwehr, wem gehört der schwarze Geländewagen, der Ford Maverick?" hab ich einen Schock bekommen, dachte, wäre was passiert...Überhaupt als es morgens so klingelte an der Türe, war mein erster Gedanke wie damals in der nassen Phase "Huch, habe ich irgendwas angestellt gestern Nacht?!?" :oops::lol:

    Oh Mann, also als ich das gelesen habe, wurde mir auch ganz anders. Das tut mir so leid, moa. :(

    Ich kann verstehen, dass das einiges in dir wieder aufwühlt, lässt sich ja auch gar nicht vermeiden. Wenn du sie siehst, geht dir automatisch durch den Kopf, dass auch du dort hättest liegen können...zumal du die Frau geliebt hast und einen geliebten Menschen so zu sehen, sorgt oft dafür, dass das Herz Schiffbruch erleidet und die Seele zu ertrinken droht.

    Ich verstehe auch, dass man sich da Vorwürfe macht, würde jedem so gehen, aber eines habe ich gelernt, auch wenn ich noch Frischling bin im Kreise der Trockenen und mir noch einiges an Erfahrung fehlt: Den Ausstieg muss jeder selber finden. Es lag in ihrer Hand gegen die Krankheit vorzugehen, so wie du es gemacht hast. Und wenn du jetzt das Bedürfnis zu trinken hast, dann denke vorher an deine Kinder und das sie sowas nicht nochmal durchmachen sollten.

    Wünsche dir und deiner Familie ganz viel Kraft.

    Ich sehe schon, ich muss noch eine Menge lernen...auch mit Stress oder Sorgen umgehen, das macht mich manchmal dann noch leicht reizbar...

    Ja, ich habe ja damals das Pokalfinale Bayern-Dortmund in einer Art Kneipe gesehen und die ganze Nacht danach kaum geschlafen, weil ich nervös war...hat man mir dann hier erklärt, dass es sich um einen Trigger handelte...war auch eine Erfahrung die ich machen musste.

    Danke Pink-Lady. :)

    Ich muss ja auch sagen, dass ich ganz frisch dabei bin und da ist die WM natürlich zeitnah gewesen, aber ich muss die Deutschland-Spiele dann in kleinen Gruppen ausserhalb von Kneipen schauen...das ist einfach sicherer für mich. :oops:
    Es ist aber auch keine Beklemmung, sondern so ein "Oh, verpasst du was. Ganz schön einsam in letzter Zeit"-Gefühl.

    Oh Ja, ich werde den Tag nie vergessen, als ich mich hier vorgestellt habe...ich fand die Zeit so schlimm, also so am Boden war ich bis jetzt noch nicht gewesen. Bin froh, dass ich mich für den Entzug entschieden habe.

    Hallo Slowly!

    Danke für deine Antwort. Ich freue mich immer darüber. :)

    Im wachen Leben habe ich auch das Gefühl keinen Alkohol mehr trinken zu dürfen...und ehrlicherweise darf ich das ja auch nicht. Bin jetzt bei Tag 71 angekommen.
    Ob ich positive Dinge verbinde mit Alkohol? Jetzt gerade zur WM-Zeit kommt das natürlich auch wieder hoch, weil ich bei WM und EM noch kein Deutschland-Spiel je nüchtern gesehen habe, da war immer Party, Feiern, Zusammenhalt in den Kneipen...Das fehlt mir dann schon, hab am Montag Deutschland geschaut mit einem Pärchen die ich lange kenne, nur mit Wasser und Pizza... :D Nee, ich habe mit einem Freund gesprochen den ich im Entzug kennen gelernt habe und wir haben uns erinnert, wie blöd der Rest beim Trinken war, nach den Partys oder zum Ende, etc...

    Kann man denn einen Psychologen so aufsuchen als Nachsorge? Geht das? Hast du was in der Richtung gemacht, liebe Slowly?
    :)

    Och, ich habe dich gerne zum Schmunzeln gebracht...da geht ja die Sonne wieder auf. :D
    Aber genug von mir...wie geht es denn dir gerade?

    Danke liebe Slowly.

    Ich hatte letzte Nacht neutrale Träume, nichts unangenehmes dabei. Und du hast Recht, der Traum hat mir gezeigt, was in der Vergangenheit mir weh getan hat und das Trinken begünstigt...Ich habe ein geringes Selbstwertgefühl, komme mir oft so nutzlos wie ein Fundbüro in Polen vor und das kam wieder hoch durch den Traum. Ich glaube, ich habe sehr oft gerade aus diesen Gründen getrunken, um mich besser, stärker, cooler oder was auch immer zu fühlen...

    Ja, das mit dem Alkohol trinken im Traum scheint nicht nur uns beiden zu passieren, ist wohl bei vielen...das Gehirn erinnert sich halt noch daran was es nicht mehr darf. Wie eine Trennung von einem Partner der nicht gut für einen war, man weiss, es ist besser ihn los zu sein, denkt aber trotzdem noch an ihn... :oops:

    Luzides Träumen ist mir ein Begriff...man kann selber in das Geschehen eingreifen und den Traum steuern...vielleicht kann man sich so vielen Ängsten stellen, wer weiss...