Beiträge von Ahoi

    Hallo Paco,

    Zitat von Paco_123

    Kannst DU mir verraten wie Du dies genau meinst? Klingt so nach Märchenstunde meinerseits???

    Dass du dich missverstanden fühlen musst, ist eigentlich logisch, denn was ich angemerkt habe, wolltest du nicht rüberbringen. Das geht klar aus deinen Worten hervor. Deshalb bin ich nicht überrascht.

    Vielleicht habe ich mich genau deshalb seit gestern Abend gefragt, warum sich bei mir trotzdem das Gefühl von Unstimmigkeit beim Lesen deiner Posts gemeldet hat. Gerade weil auf den ersten Blick vieles so vorbildlich klingt, was du schreibst. Daraufhin habe ich deinen Text noch drei Mal gelesen und fand einige Stellen, an denen ich stutzig wurde und die mein Gefühl erklärten. Ein paar davon habe ich herausgepickt.

    Ich hätte nicht schreiben müssen - ich habe es aber dennoch getan, weil es manchmal ganz hilfreich sein kann, wenn man zu den eigenen Gedanken eine andere Perspektive hört. Wenn du dich in meiner nicht widerfindest, vergiss sie.

    Ich glaube nicht, dass du vorsätzlich lügst oder Märchen erzählst. Ich habe mich selbst sehr lange selbst betrogen - und mir jedes Wort geglaubt :) Und vermutlich belüge ich mich wieder schon wieder mit irgendetwas neuem, das ich mir gerade glaube ...

    Zitat

    kannst Du noch mal genauerer zu diesem Punkt vielleicht etwas schreiben?

    Ich möchte nicht, dass mein Eindruck sich bestätigt. Ich möchte auch nicht recht haben. Und ich hoffe, ich liege falsch, mit meiner Interpretation deiner Formulierungen.

    Liebe Grüße

    Ahoi

    Hi Paco_123,

    eigentlich ist es komplett unwichtig, was ich glaube - es geht ja um dich und nicht um mich!

    Ich bin auch nicht überrascht, dass du dich missverstanden fühlst.

    Ich wollte dir einfach ehrlich meinen Eindruck schildern, weil ich mich recht lange mit deinen Posts auseinandergesetzt habe.

    Wenn ich falsch liege, freue ich mich!

    So oder so, wünsche ich dir viel Glück auf deinem Weg

    Liebe Grüße

    Ahoi

    Lieber Paco_123,

    ich habe deine Posts aufmerksam gelesen. Zweimal, dreimal, viermal.
    Ich habe darüber geschlafen. Liest sich ja soweit gut, aber meine Alarmschellen haben nicht aufgehört, sich zu melden. Warum, habe ich erst einmal gar nicht begriffen, erzählst du doch auf den ersten Blick das, was der geläuterte Trinker ebenfalls sagen würde und was man als Co gerne hört.

    Du wirkst auf mich, als wüsste dein Kopf, dass du Alkoholiker bist, aber dein Herz nicht. Du weißt, dass Bier genauso Alkohol ist, wie Schnaps. Das ist gut. Aber du betonst sehr ausdrücklich, dass es nur Bier ist (Da nützen dir die Gänsefüsschen auch nichts - um mich davon zu überzeugen, dass du es wirklich kapiert hast) und wie viel härter der Entzug ist, wenn man noch "schlimmer" säuft - nämlich Hochprozentiges. Dein Kopf weiß, dass Ethanol keinen Unterschied macht, ob er in Alkopops oder Haarwasser konsumiert wird, aber dein Herz sieht doch einen Unterschied, glaube ich.

    Dein Rückfall - nur zwei Bier.

    Zitat von Paco_123

    Nur, irgendwann reichen dann keine 8 Weizenbier mehr, oder die Flüssigkeit ist zu viel, oder der Pegel wird zu langsam aufgebaut...
    was wäre sicherlich im laufe der weiteren Zeit passiert??? Ich hätte vermutlich zu härteren Alkoholika gegriffen? Ich weiß es nicht ! ( bis dato blieb es "nur" bei Bier, schlimm genug!! und ist auch keine Entschuldigung )

    An diesem Zitat wird deine Zwiespältigkeit, die ich wahrzunehmen glaube, für mich ganz gut sichtbar: Es gibt für dich zwei Sorten von Alkoholikern: Diejenigen, die (schlimm genug ;-)) nur Bier trinken und die jenigen die (NOCH schlimmer) Hochprozentiegs saufen.

    Oder hier:

    Zitat von Paco_123

    Wie jemand der 2-3 Pullen Schnaps am Tag getrunken hat, trotz sehr starker Medikamente dennoch entzieht durfte ich im KH mit erleben....
    dagegen war das bei mir völlig unauffällig.

    Im Vergleich schneidest du deines Erachtens ganz gut gegen den Schnapstrinker ab, was? Ist ja alles gar nicht so schlimm bei dir, oder? Und keine Entzugserscheinungen wie "echte harte" Spirittis.

    Mein Exmann trank/trinkt übrigens nur Schnaps (pullenweise) und hatte dennoch bei seinen Klinikaufethalten keine nennenswerten Entzugserscheinungen. Was nicht daran liegt, dass er weniger krank ist als andere, sondern weil er mehrtägige Trinkpausen einlegen konnte, bis er wieder exzessiv trinken musste/muss.

    Zitat von Paco_123

    Ich bin mir aber zu 100% sicher, das ich damals, anders als ich es hier jetzt schon öfters von anderen Betroffenen gelesen habe, mich nicht bewusst für das Saufen entschieden habe, mit allen Konsequenzen....

    Nicht bewusst? Du kaufst dir unbewusst von deinem Geld aktiv zwei Bier und setzt dich mit deinem eigenen Popo in die Sonne, öffnest das Getränk und setzt es dir, Kraft deiner eigenen Hände an die Lippen, im Wissen, dass der Alk dich bereits Frau, Job und Fühererschein gekostet hat? Echt? Wie gelingt dir das?

    Was unterscheidet deinen Rückfall von den Rückfällen anderer Alkoholkranker?

    Zitat von Paco_123

    Ich bin aber trocken und habe NULL VERLANGEN nach ALK!

    Bist du dir sicher?

    Zitat von Paco_123

    Wäre am 19.3. wieder zur Arbeit gefahren....hätte Abends weiter gesoffen usw. ( Beziehung war ja eh beendet zu diesem Zeitpunkt ) also WARUM etwas aus freien Stücken ändern.....l???

    Willst du mich oder dich selbst überzeugen?

    Zitat von Paco_123

    Warum ich damals nach 14 Monaten, für mich immer noch teilweise grundlos meine Abstinenz aufgab, ist mir ein Rätzel!

    Zitat von Paco_123

    .....warum ich letzte Woche Mi. 2 Bier getrunken habe, weiß ich nicht!

    Warum ist es mir eigentlich kein Rätsel, dass ein Suchtkranker zu seinem Suchtmittel greift, aber dir schon?

    Ich meins nicht böse und will auch deine guten Absichten nicht infrage stellen, aber wirklich rund kommt mir dein Plan nicht vor.

    Liebe Grüße

    Ahoi

    Lieber Paco_123,

    ich finde es prima, dass du hierher gefunden hast.

    Eigentlich schreibe ich bei den Co-Abhängigen, wo ich dich gelesen habe und dich dann weiterverfolgt. Ich habe viele Jahre mit einem Alkoholiker in einer Beziehung gelebt und stelle fest, dass es irgendwie überall dasselbe ist :)

    Ich machs mal kurz: Was hast du jetzt vor? Es ist ja ehrenwert, dass du deiner Freundin deine Fehler gestehen willst, aber das wird dich nicht vom Konsum wegbringen. Wem bringt dein Geständins etwas? Ihr oder dir? Was hättest du von ihr erwartet nach deiner Beichte? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass aktiv trinkende Alkoholiker im Traumfrau-Zurückeroberungs-Modus unheimlich eloquent und zugleich wahnsinnig untätig sind, wenn es darum geht, ihre Gesundung anzugehen, sofern in ihnen gar nicht der dringende Wunsch nach Abstinenz vorhanden ist.

    Vielleicht wird sie nicht zurückkommen. Das ist möglich und auch verständlich. Dein Leben wird dennoch weitergehen. Willst du (auch ohne Traumfrau) trocken werden? Oder hast du das gar nicht vor? Das geht nicht aus deinem Bericht hervor.

    Was für ein Leben möchtest du leben - auch ohne sie?

    Liebe Grüße und viel Glück auf deinem Weg

    Ahoi

    Hallo Maggy,


    Zitat von Maggy09

    Warum fällt mir das bloß so schwer? (Und sagt jetzt bitte nicht, das sei mein Suchtmittel. Kann es mir denn nicht auch zB schwer fallen, weil ich ihn gern hab und ihm keine Abfuhr erteilen mag?

    Kein anderer als du selbst, kann dir diese Frage beantworten.
    Es kann dir hier auch niemand die Entscheidung abnehmen, was du tun sollst.

    Was ist deine Antwort? Fällt es dir schwer, weil er dein Suchtmittel ist? Oder weil du ihn gern hast? Oder weil du ihm keine Abfuhr erteilen willst?

    Hör doch mal in dich hinein und vertraue auf deine Kompetenz für dich selbst eine gute Entscheidung treffen zu können!

    Viel Glück und herzliche Grüße

    Ahoi

    Hallo Kucerova,

    Zitat von Kucerova


    Wie war denn dein Gefühl, wenn du dein Kind seinen Vatee hast treffen lassen? Ich habe da kein gutes Gefühl, möchte ihm aber auch nicht die Kinder vorenthalten.

    Ach ich war am Anfang ziemlich naiv. Da wir uns - zu meiner Überraschung - halbwegs einvernehmlich getrennt haben, hatten wir die Vereinbarungen, dass er sein Kind jederzeit sehen kann, wenn er will. Mein Kind hat nun einmal einen alkoholkranken Vater, das bedeutet nicht, dass er auf einmal nicht mehr der Vater ist. Und ich habe mich gefreut, dass die beiden Zeit miteinander verbringen ... Und außerdem glaubte ich: Einen Tag wird er es ja wohl mal hinbekommen, nicht zu saufen. Zumal er eine Kurzzeittehrapie gemacht hatte und mir vermittelt hat, er lebe abstinent. Damals waren mir die Ausmaße der Lügengebilde, die die Sucht annehmen kann, nicht wirklich klar. Ich war zu verfangen in meinem Co-System. Trotz Trennung.

    Meine Anwältin war schon früher schlauer - sie zeigte mir Wege und Rechte auf. Sie glaubte nicht daran, dass es gutgehen kann. Ich denke, es ist eine gute Idee, wenn du dich hinsichtlich dieser Fragen von einem Fachmenschen beraten lässt. Mir hat das sehr geholfen. Auch wenn ich zunächst nicht auf sie hören wollte.

    Ich hielt offene Treffen für eine gute Sache, bis mein Kind dann bei einem Treffen wieder vor meiner Tür stand und sagte, es sei gegangen, weil sein Vater in seiner Anwesenheit heimlich gesoffen hat und irgendwann völlig blau und kaum mehr ansprechbar war.

    Danach gab es dann nur noch Treffen im (latenten) Beisein von anderen oder bei mir - wobei ich dann nicht daneben saß, sondern mich zurückgezogen habe. Bevor diese neue Regelung sich manifestieren konnte, hat mein Exmann den Kontakt zu seinem Sohn von selbst immer weiter reduziert, sodass sich die beiden schon mehrere Monate nicht mehr gesehen haben.

    Du siehst - alles anders als geplant.

    Mein Kind war bei der Trennung schon fast ein Teenager. Jetzt ist er so groß, dass er seine Entscheidungen bezüglich seines Vaters selbst treffen will - das ist natürlich ein gewaltiger Unterschied zu einem Baby, Kindergarten- oder Grundschulkind.

    Neben einer kompetenten Anwältin, die mich beraten hat, konnte ich als Angehörige viel Hilfe bei diesen Fragen beim Blauen Kreuz erhalten. In einer SHG mit Alkoholikern und Angehörigen und der Beratungsstelle, wenn ich mal wieder keinen Plan hatte, was richtig und falsch ist. Auch die Caritas und andere Stellen haben Beratungen für Frauen in unserer Situation. Ich fand das sehr hilfreich, weil meine Wahrnehmung doch sehr gestört war und ist und ich manches gar nicht mehr realistisch einschätzen konnte.

    Such dir Hilfe, wo du sie bekommen kannst.

    Viel Glück für dich!

    Ahoi

    Liebe Kucerova,

    ich verstehe dich echt gut. Wenn eine Ehe mit Kindern in die Brüche geht, dann muss man sich auch damit auseinandersetzen, dass das Lebenskonzept vorläufig gescheitert ist. Nicht einfach.

    Zitat von Kucerova

    Wenn ich daran denke, was mir da noch alles bevorsteht, wird mir ganz schlecht: Bombe platzen lassen („ich trenne mich“), Versuchen, auf mögliche Reaktionen seitens Mann einzustellen, das ganze Gerichtliche mit den dazugehörigen Kämpfen, es den Kindern sagen (Hilfe!), wieder arbeiten müssen und somit weniger Kapazitäten für die Kinder zu haben. Fühlt sich an wie ein harter Absturz in die Realität nach jahrelangem Hoffen. In meinem Umfeld nur „glückliche“ Familien in guten finanziellen Verhältnissen, während ich dann eher unten durch muss. Das macht Angst.

    Du weißt nicht, wie es kommt.
    Für meinen Ex war es immer eine schreckliche Vorstellung, ich könne ihn verlassen. Ich hatte Panik, es ihm zu sagen und es kam anders: Er hatte keine Woche später schon eine neue Freundin und zunächst verlief die Trennung einvernehmlich und fast freundschaftlich.
    Falls das nicht so ist, ist Mediation übrigens eine ziemlich gute Sache. Vielleicht machst du dich darüber schlau? Auch Rechtsanwälte können dir gute Mediatoren nennen. Denn einen RA würde ich mir in jedem Fall suchen.

    Zu deiner Frage: Ich wollte immer den Kontakt zwischen Vater und Kind fördern. Leider ist mein Ex da eher unzuverlässig und Treffen kommen nur sehr selten zustande. Auch das war anfänglich anders und auch ganz anders geplant ...

    Ja, auch ich habe Kontakte zu anderen glücklichen Familien verloren, aber eine Menge neue Kontakte gefunden.

    Es mag ein krasser Wandel sein, aber kein Absturz, glaub mir. Der Absturz ist ein marodes Familiensystem, in dem man ständig meint zu Ertrinken. Du wirst in vielem Umdenken müssen - aber das kann auch mächtig befreiend sein.


    Zitat von Kucerova

    Auf der anderen Seite bin ich nach wie vor überzeugt, dass es der einzig richtige Weg ist. Ich halte mir immer wieder vor Augen: Es gibt eine Trinkproblematik – schon seit Jahren – und dieses Problem möchte der Betroffene nicht angehen. Auf keinen Fall, hat er mir gesagt. Meine logische Schlussfolgerung dazu: Es wird wohl eher noch mehr bergab gehen mit ihm statt bergauf. Was meint ihr?
    Ausserdem: Der Alkohol ist das Eine, doch die sehr egoistische/egozentrische Art, die subtilen Herabwürdigungen meiner Person, dies ist auch ein Zustand, der mich so viel Energie kostet und bei dem ich aufpassen muss, dass mein Selbstwertgefühlt nicht kaputt geht daran.

    Ob es bergauf oder bergab geht weiß ich nicht, aber wenn er nicht einsieht, dass er süchtig ist, wird es auf jeden Fall nicht aufhören, zu sein wie es ist. Und so möchtest du nicht leben. Punkt.


    Zitat von Kucerova

    Ansonsten: Was bekommen Kinder vom Trinken mit, wenn der Vater erst in die berauschte Phase kommt, wenn sie im Bett sind? D.h. so richtig betrunken haben sie ihn noch nie erlebt. Er verändert sich auch nicht so wahnsinnig, wenn er getrunken hat. Er wird nicht aggressiv und laut, oder ausfallend, komisch, weinerlich oder sonst was. Eher gelöst und besser gelaunt. Und da er ja jeden Abend trinkt, kennen sie ihn abends halt so. Am Wochenende verbringt er den Tag passiv im Bett.

    Kinder bekommen alles mit. Vor allem die Beziehung der Eltern. Sie erspüren auch, dass es da ein Geheimnis gibt, etwas Ungutes, was sich außerhalb ihres direkten Bereiches abspielt. Sie merken, wie ihr euch gegenüber positioniert seid und vor allem bekommen sie ein ungesundes Beziehungsmodell vorgelebt.
    Sucht ist kein Einzelphänomen, sie wird innerhalb der Familie zum System. Dein Kind möchte, dass der Vater nicht so alleine trinken muss. Scheinbar spürt es den Graben zwischen euch und auch, dass dieser irgendwas mit dem Wein zu tun hat ...

    Zitat von Kucerova

    Mit den Kindern habe ich noch nicht gesprochen, ich weiss nicht, ob sie nicht noch zu klein sind und ich erst etwas sage, wenn die Trennung vollzogen ist?

    Wir haben uns vorher bei einem Mediator beraten lassen, weil wir ratlos waren und viele Fragen zum thema: Wie sagen wir es dem Kind etc hatten. Das war hilfreich.

    Ich habe beim Lesen deiner Beiträge den Eindruck, als seist du innerlich schon gegangen. Klar werden Hürden und schwierige Phasen auf dich zukommen. Ich habe mich anfänglich manchmal wie jemand gefühlt, der aus dem Knast entlassen wird und nun mit der ganzen Freiheit gar nichts anfangen kann :)

    Und eines kann ich dir versichern: Man kann es schaffen. Und es macht auch sehr viel Spaß!

    Herzliche Grüße

    Ahoi

    Liebe Lizzy,

    danke vielmals.

    Ich bin froh, dass ich hier willkommen bin :) Als "die andere Seite" des Problems fürchte ich, irgendwelche ungewollten Verletzungen im EKA-Bereich zu provozieren.

    Zitat von Lizzy82

    Nein, es geht mir nicht gut dabei. Ich versuche tatsächlich oft, meine Gefühle mitzuteilen und diese in den Vordergrund zu stellen. Zur Zeit habe ich das Gefühl, dass an ihr "gerüttelt" wird, dass sie Sachen anspricht und sieht, die in den vergangenen Jahren nicht beachtet wurden. Ich kann das erste Mal seit allem offen und ehrlich mit ihr über die Vergangenheit sprechen, auch mit ihrer aktiven Beteiligung! Das tut mir einfach irgendwie gut. Vielleicht ist das die "Genugtuung" von der du gesprochen hast?

    Nein, ich habe von echter, fieser Genugtuung gesprochen (ich gehöre zu den Menschen, die durchaus zu schäbigen Gefühlen fähig sind - auch wenn sie zu nichts taugen und ich mich ihrer nicht rühme)
    Das, was du meinst ist einfach was Tolles, Befreiendes, Erleichterndes. Bei dir tut sich doch eine Menge!

    Zitat von Lizzy82

    Was sie will weiß ich nicht genau. Ich glaube, sie wünscht sich, dass er zurück kommt und sie wieder "zusammen allein" sind. Das hört sich hart an und es stimmt auch nicht so richtig.

    Hart hört sich das nicht an, sondern gut beobachtet. Mein Exmann war mein Mittelpunkt, ich war allein zu zweit, ich hatte meine Rolle, meine Berechtigung, mein Hobby und meinen Lebenszweck durch ihn und seine Sucht. Von Außen mag das nicht so gewirkt haben und eingestanden habe ich mir das auch lange Zeit nicht, aber emotional war das so. Es entspann sich eine ganz eigene Sphäre der Beziehung, in der ich in bester Absicht immer das Falscheste getan habe. Es war fast symbiotisch.

    Zitat von Lizzy82

    Wäre es anmaßend, wenn ich meiner Mutter erzählen würde, dass es Selbsthilfegruppen etc. gibt, die sich mit diesen Themen befassen?

    Nein, gar nicht. Ich halte das für eine sehr gute Idee. Mir hat das sehr geholfen. Mit seinem Kind kann und sollte man seinen Psychoschwurbel nicht klären, da fehlen erstens die nötigen Grenzen, weil das Kind Teil des Systems sind und außerdem ist es nicht die Aufgabe der Föten, die Mama fit für die Selbstständigkeit zu machen :)

    Was ich von meinem Sohn lernen kann, zeigt er mir durch sich selbst. Seine Haltung gegenüber seinem Vater ist klar und ohne jedes Schuldgefühl - er setzt sich vollkommen selbstverständlich an erste Stelle. Das hat die größte Durchschlagskraft für mich selbst. Am Beispiel lernen oder so ... :D

    Viele liebe Grüße

    Ahoi

    Liebe Lizzy,

    mir fällt es besonders schwer, mich in diesem Bereich des Forums zu bewegen - als Mutter eines Kindes, das viel zu lange in einem Alkoholikerhaushalt groß geworden ist.

    Deshalb möchte ich etwas zu diesen Punkten schreiben:

    Zitat von Lizzy82


    Und du sprichst die Solidarisierung mir meiner Mutter an...
    Ganz schweres Thema für mich, aber auch da liegst du vollkommen richtig. Ich habe das Gefühl, jetzt ganz besonsers für sie da sein zu müssen. Aber auch das ist ein Gefühl, was mir von Kind auf an beigebracht wurde und von dem ich mich jetzt gerade wieder so einspinnen lasse... :oops: Ich habe as Gefühl, helfen zu müssen und auf meine Mama aufpassen zu müssen.

    Irgendwie sind die Rollen vertauscht, oder irre ich mich? Letztlich bist du diejenige, die die Entscheidungen ihrer Eltern ausbaden musste. Sie hätten auf dich achtgeben müssen und nicht umgekehrt. Ich sage das nicht, um Schuldzuweisungen gegen deine Eltern auszusprechen, sondern um dir das Gefühl zu nehmen, du müsstest dich schuldig fühlen, wenn du nicht für sie da bist, sondern sie ihren eigenen Weg gehen lässt. Oder geht es dir gut dabei, Verantwortung für ihre missliche Lage zu übernehme? Wenn du dich damit wohlfühlst, vergiss, was ich geschrieben habe.

    Zitat von Lizzy82

    Auch wenn diese Frage vielleicht doof ist: kann ich mit meiner Mutter sprechen, sie unterstützen, für sie da sein etc? Ich denke ja, aber ich weiß wirklich nicht, wie weit ich gehen kann. :oops: Jetzt schäme ich mich direkt ein bisschen, weil ich das Gefühl hab, "so schwer kann das doch nicht sein"..

    Klar kannst du mit deiner Mutter sprechen. Aber warum stellst du nicht deine Gefühle in den Vordergrund? Dir geht es ja auch nicht gerade spitze zurzeit.
    Was möchte deine Mutter eigentlich? Weißt du das? Vielleicht möchte/kann/will sie sich nicht trennen und glücklich werden. Co-Abhängigkeit ist ziemlich schwierig zu knacken ... wenn sie also weitermachen möchte wie bisher und deine klugen Worte nichts nützen: Was bedeutet das für dich? Wessen Verantwortung ist das Unglück deiner Mutter?

    Es tut mir jedes mal unfassbar weh, wenn ich die Geschichten der Kinder hier lese, die Bredouillen in denen sie sich noch heute befinden und ich möchte dir so gerne stellvertretend für meine eigene Geschichte sagen, dass du keine Verantwortung für das Leben deiner Eltern trägst. Dass du das Recht hast, selbst glücklich zu werden - auch wenn das bedeutet, deine Mutter nicht weiter zu puffern und deinem Vater zu sagen, wie wütend du auf ihn bist. Und dass du keinem von beiden etwas schuldig bist. Du hättest diejenige sein sollen, die aufgefangen wird und sich in Sicherheit fühlt.

    Wenn dein Vater oder deine Mutter wütend/enttäuscht/blablubb auf dich sind und dir das Gefühl geben, dich aufgrund deiner Meinungsäußerung nicht mehr zu lieben, haben sie dich in der Hand. Es ist für beide bequem, dich auf deinem altbewährten Posten zu wissen. Deine Mutter bekommt das Mitgefühl in ihrer Opferrolle, dein Vater die treue Vasallin, die seine Sucht nicht durch Kritik gefährdet. Sicher wehren sie sich erst einmal, wenn du aus dem System aussteigst.

    Der Vater kann den Alk nicht loslassen. Die Mutter kann den Alki nicht loslassen. Das Kind kann beide nicht loslassen. Irgendwer sollte beginnen, lozulassen, denn das Festhalten macht jeden einzelnen unglücklich.

    Ich weiß nicht, ob ich wirklich rüberbringen konnte, was ich vermitteln wollte. Ich weiß nur, dass du nicht den Ballast der Entscheidungen deiner Eltern teilen musst. Du hast genug eigenen zu tragen.

    Ganz herzlichen Gruß in die Nacht

    Ahoi

    Hallo Lizzy82,

    ich kann dich gut verstehen, auch wenn ich kein EKA, sondern Cobahängige und Mutter eines Jugendlichen bin.

    Als ich mich nach vielen Jahren von meinem Exmann aufgrund seiner Sucht trennte, hatte er keine Woche später eine neue Freundin, ging zum Arzt und verkündete, er würde nun trocken. BÄMM. EYYY! Tickt der noch ganz sauber? Da grabe ich über zehn Jahre an ihm rum, leide, halte durch, lass mir mein Leben versauen und dann kommt irgendso eine Olle und es geht auf einmal??? Was habe ich falsch gemacht? Was ist das überhaupt für eine Frechheit seinem Kind und mir gegenüber!?
    Lach, ich glaube mir ging es ähnlich wie dir. Nach einem halben Jahr ging es meinem Mann wie vorher. Der Rausch der Neu-Verliebtheit konnte die Sucht nicht aushebeln, nur kurzfristig ersetzen. Er hat sich eine neue Co gesucht, die jetzt dasselbe durchlebt wie ich ...

    Wenn dein Vater ernsthaft trocken werden will und die notwendigen Maßnahmen einläutet, wirst du sehen, dass sich euer Verhältnis ändern wird und plötzlich Vieles möglich ist. Wenn die Verliebtheit nur ein vorübergehender Suchtersatz ist, bleibt alles beim Alten. Im Grunde wäre es auch für dich gut, wenn dein Vater sich seiner Krankheit stellt. Egal aus welchen Gründen. Aber eines weiß ich mittlerweile sicher: Nur wegen einer neuen Frau erledigt sich die Sucht nicht von alleine. Da gehört sehr viel mehr zu.

    Was mir noch auffällt ist deine Solidarisierung mit deiner Mutter. Er betrügt sie, nicht dich. Sie hat entschieden, sich nicht zu lösen. Dass deine Kindheit die Hölle war ist nicht nur "Verdienst" des Trinkers, sondern auch des anderen erwachsenen Elternteils, das geblieben ist und euch beide in dieser Lebenssituation immer weiter ausgesetzt hat. Als Co und Mutter sehe ich meinen Anteil da klar.

    Ich verstehe deine Wut nur zu gut. Mein spontaner Impuls war auch, zu denken, der eigene Vater müsste sein Kind so sehr lieben, dass es ihm wichtiger ist als der Alkohol, diese himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass nicht man selbst als treusorgende Co oder das Kind der Auslöser für die Trockenheit ist, sondern eine neue Affäre, die sich den Hintern kein Stück für den ollen Schlupp aufgerissen hat ... Ja das ist in diesem Moment bitter. Das tut weh - aus rein egoistischen Gründen. Und das DARF es auch.

    Wie würdest du empfinden, wenn es liefe wie bei mir und er nach kurzer Zeit noch extremer in alte Muster zurückfiele? Wäre das eine Genugtuung für dich? Würde es dir damit besser gehen, wenn das alte marode System mit deiner Mutter als Opfer im Zentrum wiederhergestellt wäre? Was ist dein persönlicher Schaden, wenn er durch eine neue Partnerin tatsächlich abstinent leben könnte (auch wenns unwahrscheinlich ist)?

    Liebe Grüße

    Ahoi

    Liebe Kucerova,

    vieles von dem, was du schreibst kommt mir bekannt vor.

    Du fragtest nach Erfahrungen von Leuten, die sich mit Kind getrennt haben. Ich bin so eine. Ich hatte wahnisnnige Angst, dass mein Kind einen totalen Dachschaden durch die Trennung bekommt, weil ich ihm Haus und Vater wegnehme, es in eine kleine Wohnung stecke und viel weniger Zeit habe. Und dann noch die Schuldgefühle, was ich ihm darüber hinaus durch mein Bleiben, durch all meine Fehler in der Vergangenheit bereits angetan habe. Von seinem Vater ganz zu schweigen. Meine Schuldgefühle haben mich schier aufgefressen. Und es kam anders. Mein Kind begann sich nach der Trennung zum Positiven zu entwickeln. Aus dem, in sich gekehrten, lieben Kind, das gedanklich häufig völlig abwesend war, ist eine kontaktfreudige Plaudertasche (im guten Sinne) geworden. Darauf werde ich häufig angesprochen. Man weiß also vorher nicht, womit man seinem Kind/ern mehr zumutet. Ich sehe allerdings, dass ihm der Wegfall dieser irren Elternbeziehung guttut.

    Aber auch alles andere kam anders als befürchtet oder erhofft.

    Meine Familie war bereits vor der Trennung zerstört. Die jahrelangen Geheimnisse, das Schweigen, die Verzweiflung, mein Gefühl in einem Käfig zu leben, die gegenseitigen Aggressionen, die Abhängigkeit vom Alkoholkonsum des Partners usw. versus des heiligen Zusammenhaltsgrals. Jeder ist im Eimer, aber dafür sind wir alle zusammen. Na Klasse :/

    Mein Exmann ist nach der Trennung bis heute völlig abgestürzt. In einem Maße, das ich vorher für nicht möglich gehalten habe. Meinem Kind und mir hingegen geht es vor allem emotional viel besser. Heißt jetzt nicht, dass ich plötzlich im Paradies lebe, aber es ist eine grundsätzliche Entspannung, die sich immer weiter bemerkbar macht. Sie schwingt am Grund, auch wenn es oben mal stürmisch zugeht.

    Ob du Co-abhängig bist, kann ich nicht beurteilen. Du klingst, als habest du eigentlich ziemlich klarsichtig gehandelt: zwei Versuche gestartet, gesehen, dass es nichts bringt und vor dem dritten Mal ziehst du die Konsequenz und hast entschieden, dich zu trennen. Dass du Angst vor der unbekannten Zukunft hast und auch Selbstzweifel ist verständlich. Ich denke, fast niemand mit Kindern, trennt sich leichtfertig. Es ist gut, dass du dich rechtlich und organisatorisch sortierst.

    Das habe ich nicht gemacht. Ich war lange blind, dann habe ich x-tausend Versuche hoffnungsfroh scheitern sehen und erst als gar nichts mehr bei mir ging, den Schlussstrich gezogen.

    Dass ich Co-abhängig bin, merke ich vor allem daran, dass mich meinem Ex gegenüber immer noch beizeiten starke Schuldgefühle befallen. Für meinen Exmann ist es dasselbe, als hätte ich ihn mit einer unheilbaren Krankheit einfach fallen gelassen. Für ihn bin ich der moralische Versager, weil er sich als Kranken sieht - der halt nicht anders kann. Und ich -und das mittlerweile sich zurückziehende soziale Umfeld - sind die Bösen, die nur an sich selbst denken.

    Ich betrachte deine Fragestellung über die Frage des Alkoholismus hinaus: Muss ein Partner in einer Beziehung bleiben, auch wenn er durch sie todunglücklich wird? Macht es einen Unterschied, ob der andere trinkt oder das Zusammenleben aus anderen Gründen unerträglich ist? Wie prägt es Kinder, wenn ein Elternteil den anderen nicht mehr liebt und respektiert? Was für eine Art Beziehung lebt man ihnen dann vor und wie wirkt sie sich aus? Muss man sich opfern und aufgeben, nur damit man auf Teufel komm raus ein Paar bleibt?

    Ich bereue es nicht. Es ist nicht unbedingt immer lustig, alleinerziehend zu sein, aber irgendwie bin ich weniger allein als zuvor, weil ich mich jetzt wiederhabe.

    Liebe Grüße

    Ahoi

    Liebe Katrin,

    o je. das klingt nach einer wirklich harten Zeit für dich. Ich habe ein bisschen den Eindruck, als bräuchtest du eine Pause, um Kraft zu tanken, bevor du überhaupt an der aktiven Änderung deiner Situation arbeiten kannst.
    Du sprachst von urlaub mit ihm? Kannst du den nicht vielleicht alleine für dich nehmen, um zur Ruhe zu kommen?

    Zitat von Kartin


    ich will ja was ändern, aber ich schaffe es nicht, immer gebe ich nach, immer verzeihe ich, und immer wieder diese Enttäuschungen. gönne ich mir selbst denn kein friedliches Leben? bin ich vielleicht die Kranke in dieser Beziehung?

    Du bist nicht DIE Kranke, sondern vermutlich auch krank. Oder besser gesagt, du hast dir eine Menge krankmachende Verhaltensweisen angewöhnt.
    Ich finde deine Gedanken dazu allerdings ziemlich gesund. Vielleicht lohnt es sich, wenn du mal weiter in diese Richtung forschst, ob du dir das wirklich alles antun musst oder ob du vielleicht doch die Wahl hast.

    Zitat von Kartin

    Immer habe ich Angst um meinen Mann, auch wenn wir getrennt sind, nach seinen Anfällen bedauert er alles, weint, ist verzweifelt. Da kann ich doch nicht hartherzig sein? Ich möchte in meinem Umfeld erreichen dass sich alle wohl fühlen. Aber ich komme mir vor wie das sich abmühende Pferd auf dessen Rücken ein vergnügtes Äffchen tanzt.

    ich verstehe deine Angst gut. Nur: Deine Angst ändert nichts. Deine Angst wird nichts verhindern können. Deine Kraft hat eine viel höhere Möglichkeit etwas für dich zu ändern. Und deshalb finde ich es nicht egoistisch, wenn du auf dich achtest und beginnst mehr für dich zu tun und dir deine Kraft wieder zurück holst.

    Wieso glaubst du, es sei deine Aufgabe, dass sich alle wohlfühlen? Warum denkst du, die anderen müssen sich nicht selbst aktiv um ihr Befinden kümmern?
    Kannst du gedanklich Abstand von der Idee nehmen, das Leben anderer fiele in deinen Verantwortungsbereich (abgesehen von Kindern und Pflegebedürftigen)?

    Dein Exmann ist erwachsen. Er trägt die Verantwortung für sein Leben. Er entscheidet, ob er trinken will oder nicht und es ist ihm völlig egal, was du davon hältst.
    Dasselbe darfst du auch. Du lässt ihn nicht im Stich. Er lässt sich selbst im Stich, denn er hat die Möglichkeit, sein Leben zu ändern.
    Und du kannst deines ändern.
    Es ist möglich :)

    Ich wünsche dir einen guten Wochenstart

    Ahoi

    Liebe Kalliopi,

    ich finde das klingt alles sehr gut, um für die Zukunft einiges schneller einordnen zu können.

    Niemand kann wissen, was geschehen wird. Deine Partnerschaft ist in einer nüchternen Phase - vielleicht bleibt es so und vielleicht auch nicht. Aber egal wie, du kannst schlecht mit Dingen dealen, die noch gar nicht eingetroffen sind.

    Pass gut auf dich auf, auf deinem individuellen Weg. Ich bin mir sicher, das wirst du. Mich würde es sehr interessieren, wie es mit dir weitergeht und ich würde mich freuen, wieder von dir zu lesen.

    Es gibt übrigens noch einen Gedanken, den ich habe, der gar nichts mit Co-Abhängigkeit zu tun hat: "Liebe, Wertschätzung, Treue, Vertrauen, richtige Balance zwischen Nähe und Freiraum, zwischen Humor und Ernsthaftigkeit, Verständnis, Toleranz, Aufmerksamkeit, Freundschaft."
    Das ist ein Riesenanspruch an eine Beziehung und einen anderen Menschen, auch ohne Alkohol und Suchtproblematik. Sei nicht betrübt, wenn es vielleicht nicht immer so ist. Auch ganz stinknormlae Beziehungen leben mit starken Schwankungen auf einem der genannten Gebiete. Manchmal zerbricht einer dieser Säulen (z.B. Treue) - und es ist dennoch nicht das Ende der Liebe, sondern ein Punkt, an dem man seine Ansprüche erneut überdenkt und zu ganz anderen Schlüssen kommen kann.

    Ich wünsche dir das Allerbeste.

    Ahoi

    Hallo Hartmut,

    deine Worte in diesem Thread gehen nicht spurlos an mir vorbei, so ungern ich das zugebe. Ich mache mir in den letzten Tagen viele Gedanken über mein Zugehen auf andere Menschen hier, versuche zu erkennen, was von dem, was ich schreibe, hilfreich sein könnte und was nicht.

    Zitat von Hartmut

    Es geht darum das ich das Gefühl habe, das einige meinen sie hätten nun auch die Fähigkeit psychologisch, andern User etwas vorzugeben. Sie nach wenigen Post analysieren und dabei Ihre eigenen Erfahrungen in den Hintergrund rücken.

    Ich denke, das Gegenteil ist der Fall. Gerade die eigenen Erfahrungen verleiten einen dazu, zu glauben, man wisse wie der andere tickt. Man liest von einer Situation, die der eigenen ähnelt, man kann die Gedanken des anderen sofort nachvollziehen - waren und sind sie doch Teil des eigenen Denkens. Und so glaubt man, den Schreiber besser zu kennen, als dies tatsächlich der Fall sein mag.
    Ich sehe ihn vorm eigenen inneren Auge voll ins Messer laufen - und möchte etwas dagegen unternehmen, denn ich bin den Weg ja bereits gegangen und kann aus Erfahrung sprechen. Denke ich jedenfalls ... denn das eigene Erleben vermischt sich mit der Welt des anderen. Darin liegt ein Schlüssel und eine Gefahr zugleich.

    Ich kann an mir beobachten, dass sich bei manchen uneinsichtigen Cos bei mir Ärger aufbaut. Ich schreibe doch so verflixt hilfreiche Sachen und die werden einfach so abgewehrt? Frechheit! Ich weiß es doch besser- warum will der andere bloß nicht hören? :D Das sind untergründige Gefühle, die sich bei mir ergeben. Es gab zwei Fälle hier, bei denen ich mich ächtig geärgert und dann bewusst gefragt habe: Was habe ICH eigentlich davon, wenn dieser User sein Leben ändert? Warum will ICH das so dringend? Was läuft eigentlich falsch bei mir, dass ich keine Ruhe geben mag?

    Du hast recht, deine Fragen und deine Art sind unangenehm. Du formulierst nicht nett und auch nicht einfühlsam. Das ärgert mich beim ersten Lesen. In manchen Punkten muss ich dir auch schlicht widersprechen. Aber das ist für mich an dieser Stelle unwichtig. Wichtig ist: Du ärgerst mich, weil an deinen Worten etwas Wahres ist und ein blinder Fleck bei mir angepiekst wird. Vielleicht meine Selbstgerechtigkeit, zu glauben, ich wüsste besser, was für einen anderen gut ist, als er selbst. Und vielleicht weiß ich das sogar ... aber selbst wenn: Warum gehts mir schlecht, wenn ein anderer in meinen Augen Fehler begeht? Sind doch seine Fehler. Nicht meine. Oder?
    Alles gar nicht so einfach.

    Schönen Samstag noch!

    Ahoi

    Hallo Kalliopi,

    kannst du aus dieser Gliederung etwas für dich ziehen?

    Irgendwas passiert doch da gerade in deinem Kopf, oder? Habe ich richtig verstanden, dass du momentan damit beschäftigt bist, zu realisieren, dass du Schmerz fühlst, aber ihn nicht wirklich integrieren bzw fassen kannst?

    Mir fällt gerade nicht so viel zu den Zitaten ein, auch wenn ich die Logik und den Aufbau deines Posts verstehe und er mich auch irgendwie beeindruckt.

    Wie geht es dir denn momentan in deiner Beziehung? Wie geht es dir mit dem, was wir in deinem Thread besprechen? Ich frage das, weil ich merke, dass ich beginne, den Überblick zu verlieren, obwohl gerade dein letzter Beitrag ja sehr übersichtlich ist - wie der Beginn eines Präventivplans auf dem Reißbrett.

    Ich hoffe dein Freizeitstress war auch Freizeitspaß!

    Liebe Grüße

    Ahoi

    Was könnte dir denn helfen?
    Was bräuchtest du, damit es dir besser geht?

    Ich verstehe sehr gut, dass es dich verunsichert, wenn du eine Wahrnehmung hast, nämlich, dass er abweisend ist und dein Partner hingegen behauptet, es habe sich nichts geändert. Ich würde im Zweifel auf meine eigenen Empfindungen vertrauen.

    Ich kann hier leider nur im Trüben fischen - du hingegen bist Experte für dich und deine Beziehung. Vielleicht hilft es dir, wenn du dir über deine eigenen Bedürfnisse und dein Missbehagen klar wirst, wenn dein Partner dich im Unklaren lässt.

    Liebe Grüße

    Ahoi

    Hallo Maggy,

    ich glaube, es wäre übersichtlicher, wenn du einfach alle deine Fragen und Gedanken in Zukunft in einem Thread postest :)

    Wie möchtest du dich denn gern verhalten? Was wünschst du dir?

    Ich kann nicht in den Kopf deines Partners schauen, was ihn zu seinem Verhalten bewegt ... Wie geht es dir denn mit der Situation?

    Eine Frage habe ich noch: Was meinst du mit "Zwischenzeit". Es klingt, als wolltest du die Zeit überbrücken, bis ...? Das habe ich nicht ganz verstanden.

    Liebe Grüße

    Ahoi

    Hallo Hartmut,

    mir ist nicht ganz klar, was genau der eigentliche Kern deines Threads ist: Die Frage nach der Definition eines Cos oder wie ein Co-Abhängiger/Angehöriger sich hier äußern darf?

    Zu Punkt 1: Die Motivationen und Hauptptobleme von Cos sind höchst individuell, gewisse Mechanismen, Fallen und Verhaltensstrukturen hingegen ähneln sich fatal.

    Zu 2: Schwierige Frage. Prinzipiell fühle ich mich Voltaires Ausspruch verpflichtet: "Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst."
    Ich bin der Ansicht, dass uneinsichtige Cos schreiben dürfen sollen, bis sie Alphabetitis bekommen. Ob ich darauf eingehe oder nicht, ist dann meine Entscheidung.
    Als uneinsichtigen Co bezeichne ich denjenigen, der nicht erkennen kann, dass er zu einem großen Teil die Verantwortung für seine Probleme trägt, sondern sie dem trinkenden Angehörigen oder dem Rest der Welt zuschreibt und nicht an sich selbst arbeiten möchte. Ja, ich finde auch mit dieser Geisteshaltung hat man das Recht sich zu äußern!

    Die andere Fragestellung ist, ab wann ein uneinsichtiger Co mit seiner eher nicht förderlichen Haltung seiner eigenen Verhaltensstörung/ Krankheit/ nenneswieduwillst andere negativ beeinflußt. Ja, das kann passieren. Und ja, ein erwachsener Mensch darf sich negativ beeinflussen lassen. Da bin ich deiner Meinung.

    Für mich kommt es nun zur folgender Schwierigkeit: Inwieweit ist es gut, wenn die Moderation den uneinsichtigen Co schützt und die anderen zurechtweist, wenn diese auf zweifelhafte Posts ihrer Erfahrung entsprechend reagieren? Damit die Posts, die eventuell in eine falsche Richtung weisen, an verunsichernder Kraft verlieren, sind doch eben die Gegenstimmen nötig. Daran sehen dann auch Neulinge, dass das vielleicht nicht der geeignetste Weg ist, um einen Schritt aus der Co-Abhängigkeit zu gehen.

    Nicht gut finde ich, dass du in den wenigen Posts, die du hier im Co-Bereich schreibst, bei gegensätzlichen Meinungen, diese sehr schnell suggestiv als Co-Verhalten markierst, denn das wertet eine Meinung, die durchaus differenziert ist, als krankhaftes Verhalten ab. Suggestiv deshalb, weil du das nicht behauptest, sondern als Frage formulierst. In Einzelfällen mag dieser Denkanstoß stimmen, aber hier empfinde ich es als rhetorisches Mittel, um die Worte eines Diskutierenden zu schwächen.

    So empfinde ich auch deine letzten Worte an Zoi, die wieder als Frage formuliert waren, aber dennoch unterschwellig infrage stellen, ob sie überhaupt das Recht hat, sich zu äußern oder nicht und auf welche Art sie das tut. Stichwort "hypothetisches Geplänkel". Wenn der uneinsichtige Co sich hier schreiberisch verwirklichen darf, muss dasselbe für Zoi und andere gelten, egal wie neu und unerfahren sie auch sein mögen. Btw: so unerfahren ist man als EKA nicht, denn meist hat man mit einem co-abhängigen Elternteil zusammengelebt, sodass gerade die Kinder durch das hautnahe Erleben wissen, wovon sie sprechen.

    Liebe Grüße

    Ahoi

    Hallo Kalliopi!

    Zitat von Kalliopi


    Weil es tatsächlich so schwer zu verstehen ist. Ich habe mal das Froschleben noch etwas weiter gedacht – für mich ist der Frosch im immer wärmer werdenden Tümpel ein Beispiel, mit dem ich die Alkoholiker-Co-Spirale ganz gut nachvollziehen kann. Ich stelle mir das so vor: Schüttet der Partner immer wieder mal viel kaltes Wasser nach, wird man das mit der Zeit jedes Mal als so große Erleichterung empfinden, dass man gar nicht merkt, wie die Grundtemperatur immer weiter steigt. Und irgendwann sehnt man sich bei jedem Temperaturanstieg nur noch danach, dass der Partner kaltes Wasser (= Manipulation!) nachschüttet, man wird süchtig danach, dass der Partner einem immer wieder kleine Hoffnungsschimmer gibt und wird abhängig von diesen Erleichterungszuständen. So ähnlich, wie sich der Alkoholiker Erleichterung durchs Trinken verschafft. So kann ich mir auch gut vorstellen, dass Beziehungen in die Brüche gehen, wenn der Alkoholiker aus dem System aussteigt und trocken wird. Da das Leben dann in ruhigeren Bahnen ohne so immense Temperaturschwankungen verläuft, kann der trockene Alkoholiker seinem Co auch nicht mehr diese großen Erleichterungszustände verschaffen, von denen der Co aber abhängig geworden ist. Hm, in der Therorie ist das alles so einfach zu erklären...

    In der Nachschau habe ich mich natürlich bis heute damit auseinandergesetzt, wie zur Hölle das in meinem Leben geschehen konnte, zum Co zu werden. Es spielen sehr viele Faktoren hinein und für mich persönlich war die Sucht nach der Erleichterung, wie du sie beschreibst, nicht ursächlich.

    Ich denke, meine Ur-Angst, bedeutungslos zu sein (nicht wertlos, da besteht ein ziemlicher Unterschied) war in diesem sehr speziellen Verhältnis weg. Wenn du in einer Beziehung so symbiotisch umeinanderkreist, wie wir umeinander, stellt sich die Frage nicht mehr. Du bist immer vermeintlich bedeutungsvoll.
    Das ständige Drama, das permanente Auf und Ab, die rauschartigen Zustände der Emotionen von tiefem Hass, bis euphorischer Leidenschaft haben ihren Teil zu meinem Suchtverhalten beigetragen. Immer Action! Immer laut! Immer wichtig! Ich konnte mich selbst oberintensiv wahrnehmen. Langsam und ohne mir dessen gewahr zu sein, wurde meine Beziehung Quelle und Lösung aller Probleme. Eine Lebensaufgabe im doppeldeutigem Sinne. Letztlich standen bei mir weniger das Helfersyndrom oder die Lust an der Hoffnung oder die Freude an der Verantwortungslosigkeit der Opfer im Vordergrund, sondern eher eine Form von Beziehungssucht.

    Es ist ja so: Du gehst nicht, auch wenn du das Risiko kennst, weil du etwas dafür bekommst.
    Ich bin nicht gegangen, weil ich etwas bekommen habe, was ich unbewusst meinte, dringend zu brauchen.
    Vielleicht hätte ich meinen Blick viel früher darauf wenden sollen, was ich im Gegenzug von meinem Exmann erhalten habe, was mich vom Bleiben überzeugt hat, was ich meinte zu brauchen und zu ergründen, was meine Sehnsucht über mich und ein grundsätzliches Mangelerleben in mir aussagt. Ich bin ja nicht bei ihm geblieben, weil ich so ein guter Mensch bin und meine innere Florence Nightingale endlich ihre finalen Ausbruch angestrebt hat! Nee! Meine Motive waren egoistischer Natur.

    Wieder mal die beiden Bedürfnisse, die entscheiden, was ich tue. Vielleicht wäre nicht nur die Frage interessant, warum man sich nicht zur Wasserstelle traut, sondern was einen undurstig genug macht, um da zu bleiben, wo man gerade ist. Welchen Anteil der Alkoholabhängige befriedigt, dass man trotz der Vergeblichkeit nicht von ihm und der Interaktion lassen kann.
    Was ist mein nicht-materielles Suchtmittel?

    Liebe Grüße und einen schönen Sonntag
    Ahoi

    Liebe Girasole,

    ich habe schon immer große Wut auf die Hoffnung gehabt. Mein Verhältnis zur Hoffnung ist nämlich ziemlich schwierig. Wenn Hoffnung - außer sie ist begründet, also eine realistische Chance - aus meinem Hut gezaubert wird, dann meist, weil meine Verzweiflung in der jetzigen Situation so groß ist, dass ich auf eine unrealistische Chance in der Zukunft setzen muss, um sie auszuhalten.

    Hoffnung setzt Verzweiflung und ähnliches voraus. Anstatt sich mit der Verzweiflung auseinanderzusetzen, schielt man auf eine unwahrscheinliche Erlösung in der Zukunft.
    Ich hasse es, wenn mir jemand sagt: Gib die Hoffnung nicht auf! Vielleicht wird ja ...
    Grrr! ich will was tun! Und nicht auf eine ungewisse Freundlichkeit der Schicksalsgöttin hoffen!

    Irgendwie lähmt mich Hoffnung, etwas zu machen. Und das meine ich jetzt nicht einmal auf mein Co-Problem bezogen. Hoffnung ist für mich persönlich gar nicht tröstlich, sondern ein Schwebezustand zwischen Aktion und Kapitulation und zugleich ein sicheres Zeichen, dass irgendwas mich kreuzunglücklich macht.

    Blödes Besipiel: Ich hoffe, mein Weisheitszahn muss nicht gezogen werden, denn ich habe Angst vor Zahnärzten, Spritzen und Sägen in meinem Kopf. Aber was bringt mir das Hoffen? Entweder gebe ich auf dagegen anzuhoffen und habe so die Chance, mich gegen das Kommende zu wappnen (jemanden engagieren, der mich bewusstlos schlägt und dann zum Kieferchirurgen schleppt, z.B :)) oder ich kann versuchen mich in einem Indianertipi mit Heilkräutern alternativ zu behandeln. Aber wenigstens habe ich eine Wahl.
    Hoffnung macht mich abhängig. Darüber hinaus ist beim Gefühl Hoffnung das Gefühl Enttäuschung vorprogrammiert. Mag ich auch nicht.

    Irgendwie bezeichnend, dass ausgerechnet ich das so gar nicht ausstehen kann ... aber ich habe nie behauptet, dass ich nicht paradoox empfinde!

    Liebe Grüße und danke für die spannende Fragestellung

    Ahoi