Hallo pilsum,
ich kann sehr gut Deine Gefühlslage verstehen. Wenn es in einer Partnerschaft ein Problem gibt, versucht man dahinter zu kommen und es zu lösen, am besten natürlich auch durch Gespräche mit dem Partner.
Wenn der Partner dann über die Jahre alkoholkrank geworden ist, fällt das natürlich sehr schwer. Ich habe mich auch gefragt, ab wann ist das bei meinem Partner passiert, hätte ich das bemerken können und was hätte ich tun müssen. Ich war auch lange Jahre sehr naiv und je näher man sich einem Menschen fühlt, desto schwieriger ist es manchmal, objektiv die auftretenden Probleme zu sehen.
Dazu kommt auch noch, dass Alkoholismus eine Krankheit ist, die sich meist schleichend verschlimmert und man die vielen kleinen Schritte Richtung Abgrund als betroffener Partner nicht bemerkt. Ich kann Dein Gefühlschaos gut nachvollziehen. Außenstehende denken vielleicht in erster Linie, dass zunächst mal dem Alkoholkranken geholfen werden muss, die Angehörigen kommen erst später. Das habe ich auch so gedacht, weil ich ja der Meinung bin, dass ich nicht soviele Probleme habe und auch noch relativ gesund bin.
Ich habe auch versucht, meinen Partner zu verstehen und es ist mir nicht gelungen, auch weil die Erklärungen von seiner Seite nur sehr dürftig waren. Was ich als schlimm empfinde, ist , dass man oft seinen eigenen Empfindungen nicht mehr traut oder im schlimmsten Fall nicht mehr weiß, was man fühlen soll. Man hört in sich hinein und da ist nichts. Das hat aber nichts mit Depressionen zu tun sondern resultiert meiner Meinung nach aus den Aussagen und Lügen des Partners. Je geschickter diese rüberkommen, desto weniger glaubt man seinen eigenen Gefühlen.
Ich finde es sehr gut, dass Du nach Dir schaust und Dich auf Deine Umwelt und Dein Erleben konzentrierst. Was ich hier aus dem Forum mitnehmen konnte, obwohl ich auch noch nicht so lange dabei bin, ist die notwendige Fokussierung auf sich selbst . Nur durch Abstand zum Partner und dessen Handlungsweisen kommt man selbst wieder dazu, das Ruder in die Hand zu nehmen.
Ich wünsche Dir viel Kraft.
Viele Grüße
Freya