Beiträge von Zoi

    Liebe Toru-Chan,

    Ich freu mich sehr, dass du auch in meinem Thread schreibst :)
    Mir fällt es auch sehr schwer darüber mit meiner Familie zu sprechen, auch weil ich mir oft vorkomme als würde ich "missionieren" und das möchte ich nicht. Die beiden Personen mit denen ich offen darüber sprechen kann sind meine Mutter und meine Schwester, das tut gut! Ich glaube ich bin in der Sache oft so defizitorientiert, dh ich sehe öfters die Menschen, die mir nicht glauben als die, die es tun... (Kommt auf meine innere Checkliste!) Vielleicht auch, weil mir zB die Negativreaktion meiner Oma sehr nachhängt und weh tut. Hm!
    Nichts desto trotz bleibt natürlich der tiefe Wunsch, von allen verstanden und ernstgenommen zu werden.

    In meiner Kindheit und Jugend war ich schon sehr auffällig, wenn ich so zurückblicke. Ich bin immens in der Schule abgerutscht, hatte offensichtliche Selbstverletzungen, generell ein eher verstörtes Verhalten. Und habe auch viele "Aufmerksamkeits-Aktionen" gestartet, hatte dauernd wechselnde Beziehungen (schon im frühen Jugendalter) und ich könnte es immer so weiterführen... Außerdem waren da noch offensichtlichere Dinge wie zB einer der vielen Selbstmordversuche meines Stiefvaters in unserem Keller. Von RTW bis Polizei waren alle da, es war ein riesiges Spektakel für die gesamte Nachbarschaft. Ich war 11 Jahre alt, wurde nach oben in mein Zimmer geschickt und dann dort vergessen. Ich saß dort stundenlang allein, alle waren weg und ich hatte panische Angst. Solche Situationen gab es einige, es war mehr als offensichtlich, dass bei uns etwas gewaltig nicht stimmt... Aber wem hilft es, wenn ich jetzt Schuld verteile? Ich glaube, niemandem. Ich möchte das aufarbeiten und lernen, damit zu leben!

    Mit meinem Nackendings ist das so eine Sache... ich habe da solche Ablagerungen direkt im Muskel, die nicht mehr weggehen und den Muskel quasi daueranspannen. War im letzten Mal 25 Sitzungen bei der Physiotherapie inkl. Osteopathie, Wärmebehandlungen und anderem Schnickschnack. Das hats teilweise noch verschlimmert und vorallem die Massage tat unheimlich weh! Morgen geh ich zu meinem Arzt, der ist super und hat vielleicht noch eine Idee :) Aber danke!

    Deine Vorschläge mit dem inneren Kritiker umzugehen finde ich super! Ich werde damit anfangen :) Momentan sprech ich meine "Erfolge" auch laut aus, das tut auch gut! Aber aufgeschrieben wirds sicher nochmal intensiviert, das find ich toll :) Dank dir!

    Ich denke auf die Therapie werd ich noch so 1 - 1 1/2 Monate warten müssen! Habe schon eine ängstlich-panische Vorfreude :D

    Gestern habe ich mit meiner kleinen Schwester geskyped, die hat zum 1. Mal ein Gespräch mit meinem Vater über das Thema Alkohol geführt. Zusammenfassung: Er stempelt mich als verrückte, manipulative Lügnerin ab... Im ersten Moment hats mich schon fast kalt gelassen, ein paar Stunden später hab ich mich zutiefst verletzt gefühlt. Er hat ihr vorgeschlagen, dass sie sich öfters sehen, damit er ihr beweisen kann, dass ich nur versuche ihm ein Problem anzudichten. Bei dem Gedanken wird mir ganz schlecht. Mittlerweile kann ich nicht mehr glauben, dass dieser Mensch mich lieb haben könnte! Ich versuche mir einzureden, dass das nur die Krankheit ist aber ich kann mir das kaum mehr glauben :(
    Und zack, zweifel ich selbst an meiner geistigen Gesundheit. Ich habe mich sogar gefragt, welche andere Erkrankung das sein könnte? Jemand, der alle Alkoholiker-Symptome hat und säuft... Was kann das nur sein?
    Da merke ich, dass mich so etwas schon noch sehr hart trifft und ich noch nicht so weit emotional abgegrenzt bin, wie ich es gerne hätte... naja. Es fühlt sich an wie Verrat. Wir stehen vorm Hinrichtungskommando und mein Vater schreit: "Nehmt sie, nehmt sie!!!"
    Jetzt versuche ich mich wieder aufzubauen und positiv zu stärken!

    Liebe Grüße!

    Liebe Toru-Chan,

    Vielleicht würde es dir schon etwas helfen, wenn du dir deiner Grenzen (im Kontakt) bewusst wirst und lernst, sie durchzusetzen. Ich habe da für mich so ein paar Mantras, die ich im Notfall auch laut ausspreche der Person gegenüber, zB. "Ich bin die falsche Adresse, ich bin deine Tochter" oder "Ich möchte mit dir darüber nicht sprechen/ich möchte so etwas nicht hören". Vorallem der Gedanke "Ich bin die Tochter!" hilft mir sehr, weil das ja schon klare Grenzen beinhalten sollte. Dazu gehört auch, dass ich nicht in die Beziehungsprobleme meiner Eltern involviert werden sollte. Ich sag mir das, wenn meine Schuld- und Verantwortungsgedanken kommen. Oder wenn ich mich frage, ob ich nicht doch vielleicht helfen könnte...? Nein, ich kann nicht helfen. Ich bin die Tochter!
    Ich spreche das auch laut aus, zB gegenüber meiner Oma (die Mutter meines Vaters) oder auch meiner Mutter. Das letzte Gespräch mit meinem Vater, da habe ich es ca. jeden 2. Satz sagen müssen. Es hilft, mir und anderen meine Grenzen aufzuzeigen und sie auch durchzusetzen. Dann kann man nur hoffen, dass sie respektiert werden! Mein Vater respektiert sie nicht, deshalb möchte ich keinen Kontakt mehr zu ihm.
    Vielleicht versuchst du das mal mit deiner Mutter, sobald so ein Grenz-Thema aufkommt?
    Und die nächtlichen Besuche deines Vaters klingen wirklich nicht nach Regenbogen-Einhorn-Kindheit. Solche Aha!-Momente kenne ich, vorallem durchs schreiben. Plötzlich hört sich das alles garnicht mehr so normal, so typisch Familie an.
    Ich bestrafe mich auch selbst, seit ich denken kann. Als Kind habe ich mich auch bewusst verletzt oder ich habe zur Bestrafung ohne Decke auf den Badezimmerfliesen geschlafen. Auch heute gibt es in die Richtung noch einige Überbleibsel, für mich ein Grund mehr für eine Therapie. Auch dieser immer wieder aufkommende Selbsthass, den will ich nicht mehr haben... Ich möchte mich endlich wertvoll fühlen, weil ich mittlerweile selbst der Ansicht bin, dass ich es verdient habe! -> kleiner Fortschritt :)
    Ich glaube du bist auf einem guten Weg :) Ich will immer sofort von 0 auf 100 und lerne gerade zu akzeptieren, dass es viele kleine Schritte sind. Deshalb erwarte nicht zu viel von dir, mach die Dinge in deinem Tempo :) Und atme auch mal durch!

    Ganz liebe Grüße!

    Liebe Toru-Chan,

    Wow, jetzt bin ich auch direkt berührt :) Das freut mich wirklich sehr und bedeutet mir auch sehr viel!

    Das, was du da beschreibst kenne ich sooo gut! Ich nenne das: "Mülleimer" der Eltern. Ich muss dazu sagen, dass ich bei meiner Mutter+Stiefvater aufgewachsen bin. Der Alkoholiker ist mein echter Vater, der trinkt seit ich etwa 16 bin. Deshalb beziehe ich mich bei solchen Themen auf die Kindheit mit meinem Borderline-Tablettensüchtigen-Stiefvater. Habe festgestellt, dass die Kindheit mit einem psychisch-kranken und/oder süchtigen Elternteil irgendwie alles "dasselbe" ist.
    Deshalb kenne ich es so gut, ich verstehe dich so gut. Es war kein Platz für uns da. Ich habe früh gelernt, dass man nicht vor anderen weint. Dass meine Gefühle niemanden interessieren. Also habe ich auch diese Rolle gelebt, die einzige in der ich irgendwie wichtig war. Ich wurde nachts als Kind aus dem Bett geholt, um zwischen Mama und Stiefvater zu vermitteln. Ich war auch diese Übersetzerin, wenn beide im Streit nurnoch aneinander vorbei redeten oder schrien. An den Wochenenden bei meinem leiblichen Vater waren meine Schwester und ich seine kleinen Mülleimer. Wir haben zugehört, beraten und die Erwachsenen in den Arm genommen... deren Tränen getrocknet. Da wird mir jetzt schon beim schreiben ganz übel, was ein Missbrauch!

    Das ist die Rolle, die uns zugesprochen wurden. In der wir nützlich waren, eine Aufgabe hatten. Von diesem Denken wegzukommen ist schwer, aber ich merke auch gerade, dass es geht. In kleinen Schritten, mit viel Gefühlschaos, mit guten und schlechten Tagen. Ich weiß, dass auch du das schaffen wirst :) Du bist hier, du öffnest dich. Du holst dir Hilfe, du merkst wie schädlich dieses System für dich ist! Du bist schon losgelaufen :)

    Dass du Angst davor hast, wenn du deinen Eltern nicht mehr zur Verfügung stehst, ist normal. Das führt zu Problemen, auf seiten deiner Eltern. Die Konsequenzen dort sollten dich aber nicht davon abhalten. Das sind erwachsene Menschen, die vielleicht mal lernen sollten, sich so zu benehmen. Auf deiner Seite ist es sicher der Gewissenskonflikt. Mir hilft es da, an diese "Rechnung" zu denken: Du bist also für dein Leben UND das Leben zweier anderer Erwachsener verantwortlich. Diese zwei sind für quasi nichts verantwortlich. Das klingt nach einem groooßen Ungleichgewicht oder? Und nach Rollentausch auch.

    Ich glaube du bist auf einem guten Weg! Zu deiner Beruhigung sag ich dir noch eins: Ich denke immernoch jeden Tag an meinen Vater. Manchmal öfters, manchmal ganz kurz. Aber es schmerzt nach der Zeit nicht mehr so, ich harre aus und halte aus... es wird sicher vorbeigehen :)

    Anhang:

    Also zur leichteren Suche gibt es in Deutschland so eine Hotline, die müsstest du mal googlen! Da wirst du 1. gut beraten und 2. werden dir direkt Psychotherapeuten zu der Thematik empfohlen.
    Natürlich kannst du auch zu deinem Hausarzt gehen, er wird dir sicher auch einige gute Adressen geben können.
    Mir hat auch die Suchthilfe (gibt es eig. in jeder Stadt) sehr geholfen!
    Ich persönlich bevorzuge die "Verhaltenstherapie", aber das ist sicher Geschmackssache. Lass dich da am besten individuell beraten :)

    Ich verstehe deine Angst sehr gut. Ich warte auch gerade auf einen Therapieplatz und mir graut es jetzt schon davor, was das alles zutage fördern wird...
    Ich habe schon vor einigen Jahren (im Teenageralter) eine Therapie gemacht, 6 Jahre lang, da kann ich mich an so eine "Erstverschlimmerung" nicht erinnern. Soweit ich das kenne, laufen viele Therapien nach diesem Schema ab: Stabilisierung, Konfrontation, Aufarbeitung. Also glaube ich, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, nach jeder Sitzung ein wandelndes Wrack zu sein. Das hilft ja niemandem :)
    Hoffe, ich konnte dir ein bisschen helfen!
    LG

    Hallo Toru-Chan!

    Willkommen, schön dass du hier bist :)

    Du hast ja schon erkannt, dass du Teil eines Systems bist - das ist gut! Mir persönlich hat das viel geholfen.
    Dass du deine Kindheit und dein Leid so runterspielst kommt mir auch extrem bekannt vor. Für mich war mein bisheriges Leben auch eher so wie die Geschichte eines fremden Mädchens, ich war dazu komplett distanziert. Und habe draufgeschaut und bagatellisiert. Ich glaube, das kommt auch daher, dass uns das so beigebracht wurde: Kümmer dich bloß nicht um dich, deine Gefühle sind nicht wichtig und wenn man mal aufgemuckt hat, dann wurde es direkt als "übertreiben" dargestellt. So etwas brennt sich verdammt tief ein - bei mir ist es so.
    Ich sehe es so wie die liebe Girasole: Du bist EKA. Punkt. Dieser Fakt allein bringt schon so viel Potenzial zur Hilfe mit sich, dass sich der Rest erübrigt.
    Du MUSST garnichts für deine Eltern sein. Keine Beraterin, du bist nicht ihre persönliche Seelsorge! Du bist ihr Kind. Das sind die Ansprüche, die sie an dich stellen - die auch du an dich stellst. Aber wer kümmert sich um dich? Wer hört DIR zu, nimmt dich ernst? Das solltest du tun, das ist deine Aufgabe!
    Dass du das Gefühl hast, ihnen damit Unrecht zu tun verstehe ich sehr gut. Du würdest ja quasi ausbrechen aus dem System, das doch so gut für sie funktioniert. Sie müssten dann anfangen, selbst Verantwortung für sich zu übernehmen... das kann natürlich unbequem werden, wo sich doch alles so gut auf dich abwälzen lässt.
    Das klingt jetzt sicher sehr hart, was ich dir damit sagen möchte, ist: Deine Gefühle sind vollkommen normal! Und dass du Angst hast auch. Ich wünsche dir, dass du lernst dich ernstzunehmen. Dass du lernst, zu sagen: Hier steh ich und dort die anderen. Jeder für sich.

    Lies hier noch ein bisschen... mir hilft es ungemein, ich stehe auch noch fast am Anfang dieses Weges.

    Alles Liebe!

    Zoi

    Liebe Girasole,

    Ich denke ich habe eher ein Ziel vor Augen - wie der Weg aussieht wird sich zeigen! Wahrscheinlich hart und steinig, aber gleichzeitig befreiend :)
    Meine momentane Phase nenne ich "ausharren". Einfach weil ich (wenn ich super-ehrlich sein soll), tief in mir drin noch den Wunsch verspüre, etwas von meinem Vater zu hören. Oder dass meine Oma im Telefonat das Thema anspricht. Oder irgendwer irgendwas sagt und erzählt... Total verrückt, weil ich gleichzeitig das alles eben nicht mehr will! Deswegen: Ausharren, die "Stille" aushalten. Momentan bringt das eher Gefühlschaos, aber ich glaube wenn ich das lang genug aushalte, wird das vorrübergehen :) Allein die Hoffnung daran tut gut!
    Und ja, ich habe wirklich angefangen zu glauben! Dass ich das alles haben kann! Ein schönes Leben, dass ich so gestalten kann, wie ich das möchte. Ich glaube es wird noch einige "Rückschläge" geben (ich empfinde das schnell so), aber ich möchte aufstehen und nicht liegen bleiben. Das hab ich sowieso nie getan, ich habe mir das auch nie leisten können.
    Dein Zitat ist echt passend... das gibt diesem Rachegefühl eine ganz andere Bedeutung! Danke :)
    Was ich in letzter Zeit des öfteren hatte war so ein Gefühl, dass ich "abrechnen" möchte. Nicht mit meinen Eltern, sondern all den Menschen (Familie, Freunde) drumherum, die "zugesehen" haben. Die nie eingegriffen haben, sondern sich lieber distanziert haben. Das fühlt sich immer ziemlich blöd an, weil ich mir dann so verbittert vorkomme. Wie der böse Richter der nur "schuldig!" schreit! Vorallem weil ich garkeine Lust mehr habe, Schuld zu verteilen... und ich sehe da auch keinen Sinn drin. Trotzdem, so manchmal... wenn die Wut etwas hochkommt.. dann will ich alles und jeden vor mein imaginäres Gericht zerren und abverurteilen. Das tut mir dann leid für mich und die Menschen, denen ich dann "Schuld" zuspreche. Weil es nichts ändert sondern nur tiefe Gräben schaufelt!
    Aber ich merke, dass das Zitat "Einsicht ist der erste Weg zur Besserung!", sicher nicht unbedingt auf Alkoholiker zutrifft. Aber auf mich :) Ich arbeite an mir!
    Und ich bin etwas stolz auf mich! (Das schreibe ich auch, um mich an den Gedanken zu gewöhnen :P)

    Hallo Girasole und Kitze,

    erstmal Danke für eure lieben Antworten! Das Forum hilft mir ungemein, vorallem auch das lesen von anderen Geschichten und deren Weg!
    Ich habe die Tage einen uralten Thread hier gelesen von einer Frau, die soooo wütend war und nur wütend... und alle Hilfe/Ratschläge an ihr abgeprallt sind.
    Und da ging mir ein Licht auf! Ich dachte mir: Wow, das bin ich! Noch vor ein paar Monaten! So zerfressen von Wut und Zorn, schon so lange ich denken kann. Bei Ratschlägen von anderen WUSSTE ich, sie haben Recht damit aber die Wut war immer stärker. Ich habe sogar oft gesagt: Die Wut ist mein Lebenselixier. Und so war es auch... Ich hatte (und hab manchmal noch) wahnsinnige Angst davor, was passiert, wenn die Wut weg ist. Was kommt dann?
    Wut war für mich DAS Ersatzgefühl für alle Enttäuschungen, Trauer, Verletzungen. Für alle Gefühle, die ich nie ertragen konnte. Und ich dachte auch wirklich, ich würde diese Gefühle nicht überleben können. Ich dachte, wenn die Wut weg ist, dann werde ich sterben! Dadurch hatte ich auch oft viele Missverständnisse mit anderen, sie haben mich ja nur wütend gekannt. Nie weinend, verzweifelt. Dadurch habe ich scheinbar sehr stark gewirkt, ich habe mich auch nie anders gezeigt!
    Es war wirklich so ein unfassbares Gefühl, als mir das eingeleuchtet ist...
    Und erst da habe ich bemerkt, dass ich kleine Fortschritte gemacht habe. Und ich war... ein bisschen stolz! Das ist neu. Wow!
    Außerdem hat mir mein Vater wieder geschrieben, obwohl ich ihm klar gesagt habe, dass ich es nicht mehr will. Also habe ich es nochmals geschrieben: Ich will es nicht. Nur in Absprache mit einem Therapeuten (also seinem... noch nicht vorhandenen.... Therapeuten). Daraufhin hat er es scheinbar akzeptiert. Dann plötzlich abends kam das Übliche, nämlich der "Sinneswandel", eine neue SMS von ihm: "Wir haben das nie so besprochen und außerdem hast du ein Problem, nicht ich." (Kurzfassung des üblichen: Du böse blöde Tochter, du bist geisteskrank!)
    Da war ich das erste Mal seit langem wieder richtig wütend. So richtig, "ich möchte dich beleidigen und verprügeln"-wütend. Ich habe es natürlich nicht getan, habe nur laut vor meinem Freund ausgesprochen was ich alles schreiben würde bis die schlimmste Wut vorbei war. Habe es erst als kleinen Rückschritt verbucht, weil mir seine alkoholgetränkten SMS in letzter Zeit fast schon gleichgültig waren. Jetzt denke ich mir aber, dass es kein Rückschritt war. Jeder ist mal wütend und sowas macht einfach verdammt wütend, weil es so verletztend und unfassbar ist! Das schreibt ein "liebender" Vater seiner Tochter, na herzlichen Glückwunsch.
    Die Wut ist aber fast weg, falls er noch einmal etwas schreibt, blockier ich ihn. Ich brauche sowas nicht! Ich habe ihm nichts mehr zu sagen, dass er nicht eh schonmal gewusst und dann vergessen hat. Ich werde ihm keine Macht mehr über mich und mein Gefühlsleben geben, er war eh nie da - jetzt brauche ich ihn nicht mehr.
    Leider hat sich seit dem Tag der besagten SMS meine Schulter-Nacken-Dauerverspannung (irreparabel) wieder so verschlimmert, dass mein rechter Arm brennt, kribbelt und leicht taub ist bis in die Fingerspitzen. Ich muss zum Arzt. Danke Wut :D

    Aber ich sags nochmal: Ich danke euch so sehr, jedem der das hier liest oder der hier schreibt! Ich sehe ein Licht am Ende des Tunnels, ich will das so nicht mehr. Ich will es ändern, ich habe das einfach nicht verdient. Ich kann sogar manchmal weinen, ohne mich riesig zu schämen... Und wenn die Therapie anfängt, wird alles besser! Ich kann es mir noch nicht so vorstellen, aber vielleicht mag ich mich ja eines Tages? Vielleicht fühl ich mich dann wertvoll und glaube endlich, dass ich was kann! Das wäre so schön!
    Ohne euch wäre ich längst nicht so weit. Ich danke euch :)
    Es gibt viel viel zu tun, vielleicht wird es ein lebenslanger Prozess aber ich will es tun. Hier zu schreiben tut einfach gut!

    Hallo Johann,

    dieses Gefühl der Taubheit kommt mir sehr bekannt vor, ich hatte das damals so mit 16-17 Jahren sehr schlimm... mich hat nichts mehr gerührt, berührt. Ich habe auch extreme Methoden versucht, um mich endlich wieder zu spüren. Ein paar davon mache ich heute noch manchmal und sie sind allesamt ungesund!
    Früher habe ich mich verletzt, heute zB halte ich meine Arme unter heißes Wasser (ohne mich zu verbrühen). Daran arbeite ich aber momentan, ich möchte so etwas nicht tun.
    Sport klingt da schon VIEL besser! Klappt bei mir auch oft nicht gut. Wir haben hier so ein Ergometer (Fahrrad), auf einem Display sieht man Puls etc. An schlechten Tagen versuche ich, meinen Puls ins maximale zu pushen. Ich habe jetzt die Batterien rausgenommen, das klappt gut :)
    Ich glaube, man sollte sich da ein gesundes Ventil suchen! Wenn Sport dir gut tut, du es in gesundem Maße tust und es hilft: Super!
    Hast du denn Menschen, mit denen du dich austauschen kannst? Also außerhalb des Forums?
    Bei deiner Tattoo-Idee habe ich so gemischte Gefühle, ich denke deine Motivation ist da der Punkt: Möchtest du es wegen dem Schmerz? Oder wegen dem Motiv...? Finde ich wichtig :)
    Wünsche dir einen schönen Abend,

    Zoi

    Hallo Ihr Lieben,

    Vorab mal eine unangenehme Frage... Schreib ich irgendwie doofe Sachen oder sowas? Weil so wenig Resonanz kommt, das verunsichert mich manchmal... Falls ja, sagt´s mir bitte!

    Jetzt mal ein kleines Update: Ich bin in der letzten Auswahlrunde für einen der tollen Jobs, am Donnerstag muss ich mein Können am PC beweisen! Das ist so toll und ich hab große Hoffnungen :)

    Dann hatte ich am Donnerstag zum ersten Mal die passende Laune, um meinen Vater anzurufen und ein paar Dinge loszuwerden - ganz ruhig, ohne Streit und Tränen. Es hat gut geklappt, danach war ich sehr stolz auf mich! Noch vor einiger Zeit hätte so ein Gespräch niemals funktioniert! Er hat sogar zugegeben, dass er ein Alkoholproblem hat. Das hat mich irgendwie nicht vom Hocker gehauen, ich hoffe nicht mehr. Ich glaube an Dinge, die ich sehe... Das tut mir auch gut! Es war nur für mich gut, dass er "einsichtig" war, denn so kam ich mir wenigstens ernst genommen vor. Was daraus resultiert ist nicht meine Sache. Ich habe das für mich getan, es war ein seltsames Gefühl... Und ich merke auch, wie oft ich eigentlich Gespräche führe, in der Hoffnung bei anderen etwas zu bewirken, zu ändern, zu helfen. Das möchte ich runterschrauben, ich glaube ich erwarte oft einfach zu viel!
    Vielleicht werden sich in Zukunft meine Gefühle etwas an mein Wissen anpassen... das wäre so schön. Erst die letzte Zeit merke ich, wie furchtbar belastet ich bin... mit 25. Es ist irre!
    Ich habe noch oft Momente, in denen ich mich frage: Wofür ist das alles eigentlich gut? Und was habe ich (zB) meinen Eltern getan, dass sie mich so behandeln und behandelt haben? Das klingt dann direkt so nach Selbstmitleid, dass ich solche Gedanken gleich noch mehr hasse.
    Es ist einfach unbefriedigend, wenn es keine Antworten gibt.
    Und auch die dauernde Selbstkritik, die Stimme die mir sagt, dass ich sowieso nichts schaffe - das bremst mich so massiv aus.
    Ich hatte letzte Woche ein Beratungsgespräch wegen einem Job. Die Frau war super nett und tada: Ihr Sohn ist ein erfolgreicher Grafiker! Wie passend! Sie hatte 1000 nützliche Tipps für mich... und ich war einfach absolut überfordert. Ich soll so sein wie ich bin? Das tun (auch grafisch), was mir Spaß macht? Mich zeigen? Dazu haben wir uns noch die Website ihres Sohnes angeschaut, er ist unglaublich gut und talentiert. Andere sagen mir, dass ich das auch wäre... aber ich sehe mich nicht so. Ich traue mich nichts, glaube nicht an mich, nichts was ich tue ist gut genug für mich. Das überfordert mich einfach! Vorallem meine Probleme bremsen mich in Kreativität, Offenheit und allem, was zu einer guten Grafikerin dazu gehört... Bäh, wie frustriert war ich da. Morgen sehe ich die Beraterin wieder, ich freue mich aber habe wahnsinnige Angst.
    Um mich herum sehe ich die kreativen Köpfchen mit ihren tollen Arbeiten und ich kann mich damit nicht messen... Ich fühle mich wie eine Hochstaplerin, wenn mir jemand sagt: Sie sind so talentiert, so besonders! Dann sitz ich da und denke: Sag´s ihr! Du kannst nichts! Sie täuscht sich!
    Das macht mir Angst. Vielleicht habe ich ja Potenzial und traue mich nicht, es zu nutzen? Ich glaube, die psychische Belastung verträgt sich nicht mit kreativem Denken. Aber das kann ich doch keinem sagen :(

    Hallo liebe Girasole,

    Deine Worte tun einfach gut... ich bin dir so dankbar!
    Erstmal zu den positiven Entwicklungen:
    Das Vorstellungsgespräch lief wirklich super und am selben Tag bekam ich noch eine Einladung für einen anderen Job - wow! Das 2. Gespräch war direkt gestern und lief toll, ich würde beide Jobs total gerne machen und bin echt froh! :)

    Die "negative" Seite war, dass ich direkt nach meinem 1. Gespräch unbedingt meine Euphorie mit jemandem teilen wollte (mein Freund war nicht da) und dann meine Oma angerufen habe. Habe ihr fröhlich von dem Gespräch erzählt und ihre Reaktion war: Hast du Papa schon angerufen, der würde sich so freuen, du glaubst garnicht wie sehr er leidet etc... Da war die Euphorie erstmal vorbei, ich hätte es mir denken können. Man darf ja nicht erwarten, dass es einfach mal um mich geht und nicht um ihm. Sie hat dann so darauf rumgehackt, dass ich geplatzt bin und ihr gesagt habe, warum ich nicht mehr mit ihm spreche. Es war sehr anstrengend, ich habe geweint und sie erwartet wohl trotzdem, dass ich mein Leben für ihn zu opfern habe. Wie auch immer!

    Ich wollte das so nicht aber irgendwann reicht´s. Sie ist so sehr in diesem System verstrickt, dass sie wohl garnicht daran denkt, dass ich ihr Enkelkind bin und die Tochter ihres Sohnes - und nicht der Bedürfnisroboter (ohne Gefühle, ohne Wünsche) meines Vaters. Irgendwie habe ich es mir gedacht, es war trotzdem bitter und hat mich von ganz oben runtergeholt auf den harten Grund... :(

    So und daraufhin hat sich auch der gute Herr Vater per SMS gemeldet und mir mitgeteilt, dass ich aufhören soll mir Dinge auszudenken und mit meiner Oma über meine Lügen zu reden. Und wenn ich ein Problem habe, habe ich mit niemand anders zu reden außer ihm.

    Und da kommt Girasole´s Tipp ins Spiel: Mir reicht´s! So sehr! Ich habe ihm geschrieben, dass ich ERSTMAL nicht mehr will, dass er mir schreibt!
    Ich fühle mich befreit :) Es ist keine absolute Entscheidung fällig, du hast so Recht! Es fühlt sich oft so an, aber ich treffe Entscheidungen für diesen Moment, nicht für immer... danke dir :)

    Und da die beiden Gespräche so gut verliefen (und ich mir echt Hoffnungen mache), sehe ich ein Licht am Ende des Tunnels, denn ich würde beide Jobs mit gutem Gefühl annehmen :) Und darauf konzentriere ich mich jetzt. Das ist mein Leben! Ich bin jetzt erwachsen, ich brauche keinen Menschen um mich, der glaubt ich wäre verrückt und unfähig.
    Und ich brauche auch keinen Vater mehr, der mir hilft, mich unterstützt und mir Halt gibt. Der war er nie, jetzt bin ich erwachsen und es ist zu spät!
    Trotzdem hoffe ich darauf, dass ich die Therapie bald beginnen kann ;)
    Gefühlschaos-Report Ende, Zoi macht sich einen schönen Abend mit ihrem Freund, der sich FÜR sie freut! :)

    Ganz liebe Grüße euch allen,
    Zoi

    Selbstgespräch die Vierte :D

    Ich habe morgen ein Vorstellungsgespräch und bin unfassbar ängstlich und nervös! Und ich hätte den Job sooo gerne...

    Meinem Vater habe ich nach seiner letzten Nachricht zwangsweise geantwortet, weil wohl wichtige Unterlagen für mich an seine Adresse geschickt wurden... und er findet sie nicht. Untergegangen in seinem Chaos denke ich.

    Ich frag mich wirklich, ob er je aufhört. Irgendwie glaube ich nicht mehr dran... es macht mich so traurig. Oft muss ich mich regelrecht zurückhalten ihn anzurufen und ihm Vorwürfe zu machen oder zu betteln und zu heulen :( Ich tu es nicht!

    Ich hoffe, dass ich nicht mehr so lange auf die Therapie warten muss. Ich fühle mich so zerrissen und weiß noch garnicht (falls ich tatsächlich den Job bekomme), wie ich das alles hinbekommen soll! Ich hab echt Angst :(

    Habe am Donnerstag wieder eine Nachricht von meinem Vater bekommen, nach 8 Tagen "Ruhe"... Smalltalk-Fragen und so formuliert, als sei alles total in Ordnung.
    Ich bekomm mittlerweile selbst bei solchen normalen Nachrichten Herzrasen und fühl mich total mies... Ich fühl mich dann als wäre ich irgendwie im Zugzwang und müsste eine endgültige Entscheidung treffen: Kontaktabbruch total oder ab und an mal ne SMS? Ich fühl mich dann total zerrissen :(
    Habe noch nicht geantwortet, ich weiß nicht was ich tun soll. Es fühlt sich alles irgendwie schlecht an. Die 8 Tage ohne Kontakt ging es mir gut! Und an Tag 7 ist mir aufgefallen: Oh, er hat sich schon eine Woche nicht gemeldet... Und dann hab ich mich richtig schlecht gefühlt. Ich weiß garnicht, was ich will. Mich macht es so wütend, dass sein Leben meins total beeinflusst. Und dass ich hier Entscheidungen am laufenden Band treffen muss aufgrund seines Verhaltens...
    Der Gedanke, mit ihm gaaarnichts mehr zu tun zu haben, macht mich halt richtig traurig. Ich denke an all die Dinge in der Zukunft, an denen er nicht teilhaben wird. Meine Hochzeit, Enkelkinder? Für mich ist das nicht weit weg!
    Was soll ich da nur tun? Wenn das noch ein paar Jahre so weiter geht wie bisher, sind wir einfach nurnoch Fremde :( Ich hab das Gefühl, als würde ich hier die Entscheidung meines Lebens fällen, die sehr weitreichend ist und deren Konsequenzen für mich so schmerzhaft werden. Kein Kontakt mehr, damit fühle ich mich schlecht. Ab und an mal eine SMS, damit fühle ich mich schlecht. Dauernd Kontakt... ihr ahnt es.
    Cholera oder Pest? Ich würd am liebsten den grippalen Infekt nehmen :(

    Hallo Johann,

    Ich weiß, dass das was ich dir geschrieben habe Theorie ist - ich tue mich auch sehr schwer darin, das zu verinnerlichen! Kennt ja jeder: Bei anderen hat man immer schlaue Ratschläge parat und wenn es dann um die eigenen Probleme geht... naja!

    Ich glaube aber, dass das formulieren dieser "Vorsätze" schon hilft, mir jedenfalls :)

    Ich kenne das Gefühl, sich rechtfertigen zu müssen. Und dadurch, dass andere (auch die Familie) das nicht verstehen, verunsichert mich das oft total, sodass ich am Ende sogar manchmal denke: Ist er wirklich Alkoholiker? Spinn ich...?
    Dann rufe ich mir die 1000 Sachen in den Kopf, die keinen Zweifel zulassen - das beruhigt mich dann etwas!

    Bei mir fällt es mir besonders bei meiner Oma schwer, die Mutter meines Vaters. Sie hat mitbekommen, dass ich nicht mehr mit ihm spreche und sie kennt den Grund nicht. Und ich will es ihr nicht erklären, auch weil ich weiß, dass sie es sicher nicht glauben wird. Ich fühle mich dann, als wäre ich ein schlechter Mensch... wenn ich sie am Telefon habe und sie sagt: "Aber ich versteh das nicht, der Papa hat dich doch so lieb!" Ich finde es auch Horror, ich verstehe dich sehr gut...

    Und ja, vertraue deinem Gefühl! Niemand darf von dir verlangen, dich in einer Beziehung aufzugeben und kaputt zu machen! Ich denke mir oft: In dieser Beziehung kann ich nicht existieren. Nicht mit meinen Gefühlen, meinen Problemen, meinem Leben. Es fühlt sich an, als müsste ich mich löschen, um das zu schaffen. Nein!

    Wenn ich wieder den Drang verspüre, mich zu rechtfertigen, dann schreibe ich es manchmal auf. Um mich selbst zu überzeugen und zu stärken. Es ist richtig, was ich tue... auch wenn es sich manchmal schrecklich falsch anfühlt. Das Gefühl wird sicher irgendwann gehen und darauf warte ich :)

    Liebe Grüße,
    Zoi

    Hallo Ihr,

    Die letzten Tage ging´s mir ganz gut, habe sogar jeden Abend Sport gemacht :) Gestern hatte ich wieder so eine Verzweiflungsattacke... da gehen mir Dinge durch den Kopf und ich frage mich, wieso mein Vater den Alkohol über mich stellt? Es fällt mir dann einfach schwer, das als Krankheit zu sehen... Ich denke mir, dass er sich ja anders entscheiden könnte :(
    Und mir ist mal wieder etwas aufgefallen, auch weil mein Freund mir das klar gesagt hat: Immer wenn irgendwo "Probleme" sind, verbringe ich Stunden/Tage/Wochen damit, nach einer Lösung zu recherchieren. So richtig obsessiv, ich habe das Verlangen dann alles darüber wissen zu müssen. So auch am Samstag und Sonntag, da habe ich sicher 10 Std aufwärts am Tag damit verbracht, hier im Forum die Beiträge der (trockenen) Alkoholiker zu lesen... um zu verstehen? Ich weiß es nicht genau. Und da ich jetzt quasi den "optimalen" Weg aus der Sucht meine zu kennen, dachte ich: Oh Gott, das schafft mein Vater nie... niemals. Das hat mich richtig gequält!
    Und am Montag habe ich es dann bewusst gelassen, obwohl ich ein riesiges Verlangen hatte, mehr zu lesen - mehr zu wissen.
    Es ist echt verrückt. Dann denk ich mir: Ich kann ja mal in deren Bereich einen Thread eröffnen, in dem ich frage, ob es jemandem geholfen hat, als sich ihre Kinder von ihnen trennten? Und gleichzeitig weiß ich, dass es absolut falsch ist und es mir nicht weiterhelfen wird...
    Hoffe, ihr blickt in meinem Text noch irgendwie durch?
    Wenn ich mich so verhalte, dann merke ich wie tief ich noch in diesem Sumpf stecke :( Es ist grauenhaft.

    Musste das einfach mal kurz loswerden!

    Liebe Grüße,
    Zoi

    Hallo lieber Johann,

    Ich schreibe dir mal als Erste obwohl ich neu bin: Herzlich Willkommen :)

    Ich kann mich mit deinen Gefühlen sehr identifizieren, vorallem mit dem Gedankenchaos. Wenn deine Mutter sich immer auf dir abgestützt hat ist es ja kein Wunder, dass du dich so verantwortlich fühlst, auch das kenne ich!
    Ich stelle auch oft "hohe" Erwartungen an meinen Vater, die fast immer enttäuscht werden - das ist sehr bitter. Ich glaube der Weg ist, dass man sich selbst klar wird was man eigentlich möchte, man selbst als Person. Wie und wo fühlt man sich wohl, was wünscht man sich (aber nicht von anderen)? Darüber musste ich auch grübeln und tue es immernoch, ich denke aber dass es erstmal hilft, den Fokus zurecht zu rücken: Auf sich! Auf dich.
    Und ich glaube, du hast schon angefangen, dadurch dass du eine Therapie machst und dir auch klar darüber bist, warum das alles so wirr ist :) Das ist toll!
    Weißt du, ich glaube du musst den Kontaktabbruch für dich garnicht benennen. Du musst deine Gefühle dazu ja nicht auf einem Dokument ankreuzen müssen... vielleicht fühlt es sich so an, als wäre sie gestorben - ist sie aber nicht. Du lässt sie nicht mehr an deinem Leben teilnehmen, weil es dich zu sehr belastet. Und dann ist es richtig so, denn es ist richtig für dich!
    Ich lerne das auch gerade, ich versuche es für mich als genau das zu sehen, was es ist: Die Beziehung zu meinem Vater zerstört mich, ich kann nicht zwei Leben tragen. Deshalb habe ich mich getrennt, für mich. Er wählt seinen Weg ja genauso, ihm steht alles offen: Er kann sein und tun was er möchte. Und er hat sich (noch?) nicht für ein Leben mit mir entschieden und ich möchte auch nicht mehr hoffen, um dann doch enttäuscht zu sein!

    Vielleicht konnten dir meine Worte ja etwas helfen? Es tut mir sehr leid für dich und ich fühle mit dir! Du hast dir Hilfe gesucht und das ist richtig so :) Du hast es verdient!

    Liebe Grüße,
    Zoi

    Liebe Girasole,

    danke danke :) Für deine tollen Worte, sie helfen mir sehr!
    Ich habe über den inneren Kritiker gelesen und du hast Recht, er hat es sich bei mir häuslich eingerichtet! Solche Erkenntnisse helfen mir immer sehr, es gibt Erklärungen dafür und ich muss keine Angst haben, verrückt zu sein :)
    Und du hast auch Recht, es geht einfach nicht von 0 auf 100! Das habe ich schon festgestellt, als ich versucht habe, anderen zu schildern was mit mir los ist... da kommen ja gerne solche Floskeln wie "du musst abschließen" etc.
    Damit mögen sie Recht haben, aber das klingt halt so, als wäre das einfach und man schließt mal eben so ab!
    Diese Sätze haben mich fertig gemacht und jetzt weiß ich: Es ist ein Weg. Nicht Start -> Ziel!
    Das tut gut zu wissen :) Ich hab mich sonst so gefühlt, als würden alle die Dinge eben wegstecken, nur ich bin unfähig.
    Ich bin sehr froh, dass ich eine 2. Therapie machen will... ich kann mir das halt nicht selbst beibringen und mein innerer Kritiker schon mal garnicht ;)
    Ich muss sagen, sobald ich mich "schone" fühle ich mich faul. Vorallem da ich zur Zeit Arbeit suche und das nicht klappen will, was mich total frustriert. Ich denke drüber nach, komplett einen anderen Weg einzuschlagen - vielleicht soll es einfach nicht mein erlernter Beruf sein, der SEHR leistungsorientiert ist. Ich glaube aber, dass ich erst etwas stabiler sein sollte um das meistern zu können (frustriert mich natürlich auch).
    Ich habe allein durch dieses Forum hier so unglaublich viel gelernt und das tut wirklich gut!
    Ich will etwas verändern, ich will wissen WER ich bin! Ich will lernen und glücklich sein. All das wünsche ich natürlich auch meinem Papa... und ich sehe ein: Er kann das alles haben, wenn er das möchte. Ich kann nicht sein Leben leben... Eine Einsicht, die erst durch eure Geschichten hier entstanden ist :)

    Gibt denn der innere Kritiker irgendwann Ruhe oder lernt man einfach nur, ihn zu akzeptieren?

    Ganz liebe Grüße,
    Zoi

    Hallo liebe Kitze,

    danke für deine Antwort! :)
    Ja, es fällt mir zwischendurch sehr schwer mit diesen Gedanken und Gefühlen umzugehen, weil ich ihn lieb habe und mir alles so anders wünsche... Ich versuche mir auch immer zu sagen, dass ich nicht hoffen sollte - dennoch passiert das manchmal. Was ich aber hoffe und auch etwas beeinflussen kann ist, dass ich damit besser umgehen kann!
    Ich habe oft den Eindruck, dass andere mich für übermenschlich stark und unkaputtbar halten. Auch weil ich mich so gebe, ich bin es nicht. Ich bin eigentlich sehr sensibel und verletzlich, das habe ich die letzte Zeit richtig gemerkt. Ich hatte viele Tage, an denen ich geweint habe! Früher habe ich nur "heimlich" geweint, mittlerweile lasse ich mich sogar währenddessen in den Arm nehmen und das sehe ich als Fortschritt. Ich fühle sehr mit anderen mit, höre zu und tröste. Habe viel Verständnis für andere. Für mich noch nicht so ganz, ich drille mich da in meinen Gedanken selbst. Leider kann ich das nicht per Knopfdruck ablegen aber ich hoffe, dass sich das innerhalb der Therapie bessert :)

    Habt ihr das Alkohol-"geheimnis" eigentlich vor eurer Familie offengelegt? Einerseits habe ich das Bedürfnis, zB bei meiner Oma, Klartext zu reden... andererseits will ich sie nicht belasten und bezweifle auch, dass sie mir glaubt! Ich trau meinem Urteil halt nicht, weil ich ja auch dachte, dass ich meinem Vater mit meinem jahrelangen Co-Verhalten helfe. Und ich habe oft gelesen, dass man "es" nicht mehr verstecken/verschweigen soll. Meine Oma fragt halt jedes Mal am Telefon, warum das alles so ist und ich sage nichts :(
    Für mich bringt sie sowieso wenig Verständnis auf...
    Da war diese schlimme Situation Ende letzten Jahres. Ich habe einen Aufenthalt in Deutschland geplant und habe mich (trotz ungutem Gefühl) von meinem Vater breitschlagen lassen, bei ihm zu schlafen. Unter der Bedingung, dass er wenigstens grob saubermacht. Er hatte die Telefonate davor quasi schon geprahlt, wie schön er es mir machen wird... ich bin starke Allergikerin, es ist also ein MUSS.
    Bei meiner Ankunft konnte ich es dann kaum fassen... :( Es war grauenhaft dreckig, staubig. Er hatte garnichts getan. Im Kühlschrank vergammelte Lebensmittel. Ich will es garnicht weiter ausführen... ich saß dann oben alleine auf "meinem" Bett und bin hyperventiliert vor Schock. Hatte auch sofort Ausschläge am ganzen Körper. Daraufhin hat mich meine Mutter abgeholt, ich habe die Zeit dort verbracht. Meine Oma war ich auch besuchen, sie erklärte mir dann, dass es für sie als Kinder früher selbstverständlich war, den Eltern zu helfen. Im Klartext sollte ich also zum putzen zu ihm fliegen?! Ich bin max. 2 mal im Jahr dort, ich fand das unfassbar... :( Letztes Weihnachten war ich dann garnicht dort, ich hab es nicht ertragen obwohl ich den Rest der Familie gerne gesehen hätte.

    Ganz liebe Grüße,
    Zoi

    Noch ein kleiner gedanklicher Anhang:

    Ich selbst bin meine größte Kritikerin - das sagt mein Freund oft zu mir. Dinge, die ich bei anderen total normal finde wie zB. weinen, die kritisiere ich stark an mir. Ich hasse es, wenn ich weine. Ich merke dann ganz oft, dass ich mich fast wie eine Maschine betrachte, die ich dauernd korrigieren muss damit sie läuft! Ich will ja nicht egoistisch rüberkommen, rumheulen, schwach wirken. Das möchte ich wegbekommen, das ist eins meiner Ziele.
    Und ich habe so ein unfassbares Glück mit meinem Freund, ich hätte nie gedacht, dass es solche Menschen gibt. Wie ein Alien in Menschengestalt :D
    Und deswegen möchte ich auch glücklich sein. Ich möchte mich mögen lernen... obwohl es noch weit entfernt klingt für mich! Ich möchte nicht mehr in den Spiegel gucken und denken: Wer ist das?
    Es gibt Tage, da denke ich, dass ich ein Überbleibsel meines bisherigen Lebens bin... Ich hätte mehr sein können, vielleicht ganz anders? Welche "Eigenschaften" sind meine, welche wurden mir eingetrichtert? Mein Vater ist da auch wenig hilfreich, weil er genau diese Gedanken nährt. Immer schon glaubt er, dass ich nichts alleine schaffen würde. Wenns nach ihm ginge, hätte ich noch nichtmals einen Schulabschluss und würde wahrscheinlich unter der Brücke hausen!
    Das allerletzte Telefonat mit ihm (vor den 2 Monaten), da hat er mir betrunken erklärt, dass ich krank sei und ihn auch krank machen wolle. Aus Langeweile, meinte er.
    Danach lag ich 3 Tage depressiv im Bett, habe nicht mehr gegessen. Das war mein Tiefpunkt, da war es mir glasklar: das muss aufhören! Manchmal kann ich kaum glauben, dass er mich lieb haben könnte. Er macht mich einfach fertig! Ich interessiere ihn nicht... Das schmerzt wirklich!
    Wie geht ihr mit solchen Gedanken um?

    Hallo liebe Girasole!

    Danke für deine Antwort :)
    Ich werde mir gleich mal deine Geschichte durchlesen, das klingt ja wirklich erschreckend ähnlich...
    Ich habe von 15-21 schon eine Therapie hinter mir, ich denke daher bin ich schon total auf Selbstreflexion getrimmt. Mit 21 hat sich mein Borderline-Stiefvater umgebracht und kurz darauf habe ich meine Therapie beendet. Ich glaube aber, dass mir genau deswegen die Auswirkungen von all dem jetzt erst bewusst werden, da ja vorher noch "Kriegszustand" herrschte und ich sowieso nie Luft hatte, dass mir irgendetwas hätte auffallen können. Meine Angstzustände und Albträume waren quasi normal im Gegensatz dazu, was da an der Tagesordnung stand.
    Und vorallem das Buch hat mir die Augen geöffnet, das war total erschreckend... ich hätte schwören können, dass das mein Tagebuch sein könnte! Echt unglaublich :D
    Ich hoffe auch, dass ich irgendwann so etwas schreiben kann wie du: Es geht mir gut! :)

    Hallo liebe Linde,

    Auch danke für deine Antwort! :)
    Ich glaube, nur ich komm mir wirr vor! Da prasseln tausende von Gedanken auf mich ein, jeden Tag, und ich versuche das dann halbswegs sortiert rüberzubringen. Scheinbar klappt das, puh!
    Ja, ich habe auch mittlerweile körperliche Symptome: Übelkeit, Kopfschmerz, Magenkrämpfe, Herzrasen (und Stolpern), Schweißausbrüche, Zittern und ich könnte es noch weiterführen... Und genau! Ich denke so oft: Gott, bist du egoistisch. Das wurde mir von Kind auf suggeriert, ich weiß wo es herkommt aber die Stimme gibt keine Ruhe und in solchen Momenten glaube ich ihr oft. Da ist dieser Zwiespalt, der mich in den Wahnsinn treibt! Soviel ist mir klar aber meine Gefühle machen was sie wollen... Grrr.
    Ich versuche deine Taktik im Moment auch: aushalten und ausharren. Mit ein paar kleinen Rückfällen, in denen ich sentimental meinem Vater meine Gefühlslage beschrieben habe - ein Schuss in den Ofen. Hoffentlich lerne ich draus!

    Leider hat auch meine Oma (seine Mutter) mittlerweile mitbekommen, dass wir nicht mehr miteinander sprechen... daraufhin kamen die typischen Aussagen: "Der hat euch doch so lieb" "Er hat doch nurnoch euch" "Der tut doch soviel für euch" (Keine Ahnung, was das sein könnte...) und da fühl ich mich natürlich wie die mieseste Tochter des Jahres. Achso, euch = ich habe noch eine jüngere Schwester.
    Beim letzten Telefonat dieser Art war ich vollkommen unvorbereitet und bin etwas lauter geworden, weil ich mit ihr darüber nicht sprechen möchte! Er ist ihr Sohn, sie sieht ihn nicht so wie ich... das muss sie auch nicht. Außerdem zweifel ich dann jedes Mal an meiner Wahrnehmung. Bilde ich mir das alles nur ein? Bin ich verrückt? Mannomann...

    Geordnetes (?) Gefühlschaos die Zweite :D

    Liebe Grüße und danke euch für´s Lesen!

    Zoi