Hallo Maggy,
wir kennen und noch nicht, aber ich fühle mich bei deinen Zweifeln an meine letzten 12 Monate erinnert. Auch ich hatte ein gemeinsames Leben und Kinder und alles geplant und habe gerade alle diese Pläne losgelassen - weil sie mit meinem trinkenden Partner nicht so zu verwirklichen sind, wie ICH mir das wünsche. Und darauf bezogen möchte ich aus deinen Beiträgen zwei Punkte herausgreifen, die auch für mich schwer zu knacken waren und die mich in deinen Beiträgen hier besonders berührt haben:
Du schreibst:
Zitat
Also, dass ich nicht mit einem nassen Alkoholiker zusammenleben möchte, ist mir klar.
Das war auch mir früh klar. Mir ist zu dieser Aussage aber auch klar geworden: Niemand hat in der Hand, ob der Partner nasser Alkoholiker, trockener Alkoholiker, alkoholgefährdet oder nix von alledem ist - und vor allem auch in Zukunft sein wird. ICH (und du) können darauf keinen Einfluss nehmen.
Ich finde aber genau die Erkenntnis, die für mich wichtig war folgende: Klar kann man alle Zukunftspläne auch mit einem trinkenden Partner verwirklichen. Aber ICH WILL DAS SO NICHT. Das ist nicht MEINE Vorstellung davon wie meine Zukunft aussehen soll. ICH will nicht, dass Probleme mit Alkohol (unabhängig davon wie man das definieren will) ÜBERHAUPT eine Rolle in meinem Leben spielen. ICH will nicht Angst davor haben, dass bei jedem Windstoß im Leben die Gefahr eines Rückfalls da ist. ICH will nicht darüber nachdenken, was er macht, wenn ich nicht da bin. ICH will nicht immer diese endlos-Schleifen-Diskussionen ohne jeden logischen Bezug führen. ICH WILL DAS SO NICHT. Willst du das?
Außerdem schreibst du weiter unten:
Zitat
Ein bisschen spielt da vielleicht auch rein, dass ich mir zwar durchaus zutraue, jemand anderen zu finden, aber ihn kenne ich eben...
Wenn man als Frau Mitte/Ende 30 ist (ich bin 37) dann stellt man sich genau die Frage, ob man nochmal jemanden findet, mit dem man dann noch Kinder verwirklichen kann. Ich halte das für völlig normal und auch legitim, dass man Angst davor hat, ob man vielleicht gerade auch die letzte Chance auf Kinder aufgibt. Und ein Neuanfang ist immer schwer, aber mit diesem Wunsch im Hinterkopf wird er irgendwie nochmal schwerer. Ich hatte diese Angst auch.
Und dann habe ich mir vorgestellt, wie es wäre in dieser furchtbaren Situation auch noch Kinder zu haben und habe mir sehr genau die Beiträge hier im Forum durchgelesen, in denen es um Ehen/Beziehungen mit Kindern ging. Und ich glaube, dass man auch mit einem trinkenden/trockenen/gefährdetem Partner Kinder bekommen und großziehen kann. Aber auch hier: ICH WILL DAS NICHT. Ich will lieber das Risiko eingehen, dass es vielleicht keine Kinder in meinem Leben gibt, als dass ich mir alle Fragen, die ich mir im Moment stelle irgendwann stellen muss in dem Bewusstsein, dass auch meine Kinder betroffen sind. Und ich will lieber auch alleine bleiben, als diese Beziehung zu dritt (ich, er und der Alkohol) weiterzuführen.
Vielleicht helfen dir diese Gedanken, die ich mir dazu gemacht habe dabei DEINE Entscheidung zu treffen, denn die kannst du nicht von anderen und deren Meinungen dazu abhängig machen. Nur DU lebst dein Leben und kannst entscheiden, WIE du es leben willst.
Ich habe lange versucht rationale Erklärungen zu finden (oder auch zu konstruieren), um zu rechtfertigen, dass ich nicht auf mein schlechtes Bauchgefühl gehört habe. Und es hat lange gedauert, bis ich gesehen habe, dass ich mit ihm nicht das Leben bekomme was ICH leben will.
Vielleicht brauchst du auch so lange. Vielleicht bringt dich das Lesen hier schneller an den Punkt. Vielleicht entscheidest du dich dafür, den Versuch nochmal zu machen. Vielleicht wirst du dann nochmal enttäuscht. Vielleicht rennst du so schnell weg wie dich deine Füße tragen. Das ist DEINE Entscheidung.
Aber vielleicht hilft es dir, wenn du dich fragst, wie DU dir dein Leben vorstellst. Und ob es mit ihm so werden kann, auch wenn er sich dazu entscheidet, nichts gegen das trinken zu machen.
Denn das kann passieren.
Ich wünsche dir starke Nerven und Hilfe dabei herauszufinden wo DEIN Standpunkt und DEINE Haltung zu den Fragen ist. Wenn du das herausgefunden hast und erkennst, was DU willst, dann werden einige sehr schwere Entscheidungen viel leichter und du wirst nicht mehr so im Sturm der Gefühle „herumgeworfen“.
Liebe Grüße von einer, die zumindest weiß, was sie NICHT mehr will