Beiträge von Pancho

    Hallo Chip,

    ich hoffe, du findest es nicht vermessen, wenn ich dir schreibe, obwohl ich grad selbst erst knapp zwei Wochen trocken bin.
    In deinem Alter ist es vermutlich schwerer, dir ein Leben ohne Alkohol vorstellen zu können. Andererseits birgt das junge Alter die Chance, erst gar nicht in den Sumpf reinzugeraten. Mit 23 hatte ich bei einem kalten Entzug wahrscheinlich ein Delirium, vier Tage später ging es weiter mit dem Suff. Ich bin froh, dass ich noch lebe.
    Stell dir folgende Fragen und beantworte sie dir ganz ehrlich: Was hat dir der Alkohol bisher an positiven Erfahrungen gebracht? Was verlierst du, wenn du dich für ein Leben ohne entscheidest?
    Wäge das gegeneinander ab und nimm dann den Kampf an, suche dir Hilfe. Dieses Forum ist der erste Schritt, aber das reicht wahrscheinlich nicht.
    Gute Nacht!
    Gruß Pancho

    Hallo Thalia1913,

    heißt das, dass du dich während und nach der Langzeittherapie selbst noch nicht als Süchtiger und das ganze nur als Trinkpause gesehen hast?

    Für mich war heute ein guter Tag. Im Prinzip mit jeder neuen Stunde macht mir die Vorstellung von einem Leben ohne Alkohol weniger Angst. Im Gegenteil, ich begrüße die neuen Chancen.
    Außerdem schätze ich mich glücklich, eine solch tolle Familie zu haben. Meine Töchter, meine Eltern, meine Geschwister stehen nicht nur hinter mir, sondern helfen mir ganz bewusst und begleiten mich auf meinem neuen Weg.
    Sollte irgendwas schief gehen oder es mit der Aufnahme in der SOS-Station in Serrahn (das ist quasi eine Übergangseinrichtung, in der man die Zeit bis zur Therapie verbringen kann) nicht klappen sollte, kann ich bei meinem Vater Unterschlupf finden.
    Ich habe heute sehr viel telefoniert und geschrieben und es war gut, aber jetzt bin ich ein klein wenig erschöpft und freue mich aufs Bett.
    Lacht nicht, aber momentan gehe ich immer um 20 Uhr ins Bett und lese noch zwei Stunden, das tut mir gut.

    Gruß Pancho

    Ach so, was ich noch fragen wollte: Gibt es hier jemanden, der eine Langzeittherapie gemacht hat? Vielleicht sogar in Serrahn?
    Falls ja, würde mich mal so ein ganz knapper Erfahrungsbericht freuen. Also prinzipiell zu einer Langzeittherapie, nicht nur Serrahn.

    Gruß Pancho

    Hallo Hans im Glück,

    danke auch dir für deine Zeilen. Dieses "nicht in den alten Trott verfallen" ist wohl das schwierigste daran, weshalb ich für mich auch die Entscheidung getroffen habe: Es geht nur radikal. Zumindest bei mir. Da ich sowieso an einem Tiefpunkt angelangt bin (sozial isoliert, keine Arbeit, das Gefühl, an nichts mehr Freude zu empfinden), ist dieser Schritt jetzt, da ich den Gedanken "Nie wieder!" für mich annehmen konnte, gar nicht so schwierig.
    Ich habe vor, nach der Langzeittherapie dort in der Gegend (Mecklenburg-Vorpommern) zu bleiben, wenn das irgendwie möglich ist. Sehr lange waren Ausflüge in die Natur das, was mir immer wieder Kraft gegeben hat, nur hat dann ganz zuletzt auch die Kraft für diese Ausflüge gefehlt.
    Und abgesehen von Lärm und Hektik, die in Berlin Tag und Nacht herrschen, ist hier natürlich auch die Verfügbarkeit von Alkohol ein immerwährender gefährlicher Stolperstein. Wie oft ich am Sonntag im Späti war, weil ich eigentlich eine Trinkpause einlegen und entsprechend nur für Sonnabend Alkohol eingekauft hatte, weiß ich nicht mehr. Aber es war fast jeder Sonntag.

    Gruß Pancho

    Hallo Slowly,

    seit Montag, seitdem ich diesen Gedanken für mich annehmen konnte, geht es mir deutlich besser. Mir hat auch das Stöbern in diesem Forum sehr geholfen bei der Erkenntnis: Es gibt keine Alternative. Und das war nicht die einzige Erkenntnis. Eine andere war, dass es zum Trockenbleiben dazugehört, sich permanent mit sich und seiner Krankheit auseinanderzusetzen. Das habe ich noch am Sonntag strikt abgelehnt. (Meine Überlegung war immer, dass man sich damit auf etwas reduziert, dass es kontraproduktiv wäre, weil man doch vom Thema Alkohol wegkommen möchte). Durch viel Lesen in diesem Forum und einer gnadenlosen Selbstanalyse ist mir klar geworden, dass das Teufelchen auf der Schulter natürlich um so leichteres Spiel hat, je mehr man sich "geheilt" glaubt.

    Der Entschluss, nichts mehr zu trinken, war vor allem körperlichen Beschwerden geschuldet. Mein Geist ist erst jetzt nachgezogen.

    Gruß Pancho

    Hallo Forum,

    ich hatte zunächst einen Text geschrieben und gemerkt, dass der viel zu lang wird, darum gelöscht. Dann versucht, knapper zu schreiben, war aber wohl nicht eingeloggt, beim Einloggen verschwand der Text.
    Darum jetzt nur ganz knapp: Ich bin seit 25 Jahren Trinker. Habe vor zwei Wochen Kontakt zur SOS-Station in Serrahn aufgenommen, bin seit Donnerstag letzter Woche aus der Entgiftung raus (wo auch ein Langzeittherapieantrag gestellt wurde) und habe nach der Entgiftung angefangen, wieder alles mir gegenüber relativieren zu wollen. So eine Therapie sei nichts für mich, ich kann jetzt nicht sofort in die SOS-Station, weil ...(beliebigen Grund einsetzen). Machte Pläne, die, wie ich irgendwann erschrocken feststellte, alle nur ein Ziel hatten: Mir ein Hintertürchen offenzuhalten und den Gedanken "Nie wieder!" nicht konsequent zu Ende denken zu müssen. Da hat es dann "Klick!" gemacht.
    Ich muss allerdings hier tatsächlich noch die Mietsituation regeln (meine Tochter wohnt noch bei mir und würde gern hier wohnen bleiben), bevor ich nach Serrahn kann. Bis dahin möchte ich mir zur Risikominimierung (der nächste Supermarkt ist nur fünf Minuten entfernt) Stützen schaffen. Eine davon besteht darin, dass ich meinen Eltern und Geschwistern jeden Tag eine E-Mail schreibe. Die zweite soll dieses Forum sein.

    Gruß Pancho