Beiträge von josu

    Hallo ihr beiden,

    Danke für eure Antworten. Ich glaube. dass es mir manchmal leichter fällt über meine Schwester zu schreiben, als über mich selbst, aber im Grunde haben wir viele ähnliche Probleme. Wir hatten ja beide die gleiche Kindheit, haben beide getrunken, etc.

    Im Endeeffekt hätte ich vllt. mein eigens Trinkproblem weiterhin ignoriert, wenn ich nicht die Ursachen für ihre Probleme gesucht hätte. Obwohl ich schon lange weiss, dass sie regelmäßig exzessiv trinkt, habe ich es bis dahin nicht als Problem angesehen, weil bei uns ja jeder gesoffen hat.

    Als ich das Problem erkannt habe, habe ich auch gleich mit ihr und anderen Verwandten über MEINE Abhängigkeit gesprochen, in der Hoffnung sie damit vllt. wachzurütteln. Leider habe ich mich dadurch nur angreifbar gemacht, weil Alkoholismus in unserer Familie als persönliche Schwäche angesehen wird. Deswegen ziehe ich mich jetzt lieber zurück. Um erst einmal mit mir und meinem neuen Leben klar zu kommen. Dabei bin ich natürlich für jede Hilfe dankbar, auch wenn das nicht immer so zeigen kann.

    Josu

    Hallo Skye

    ich kann aus deinen Beiträgen auch sehr viel mitnehmen und bewundere wie klar du die Dinge sehen kannst und deine Gedanken formulierst.

    Auch ich erkenne mich in vielen deinen Sätzen und Geschichten wieder. Das mit der Ungeduld kenne ich bspw. auch nur zu gut, und wollte es schon mehrfach in diesem Thread anbringen, nur wusste ich nie, wie ich es am besten ausdrücke
    .

    Grüße Josu

    Hallo

    ich bins nochmal. Mein vorheriges Posting ist etwas merkwürdig? Du fragst dich jetzt wahrscheiinlich: Häh? Wald? Bäume?...

    Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass du dir was suchen solltest (Hobby, Sport etc.) dass du nur für dich machst, und nicht für jemand anderen. Am besten ohne Menschen, die du vllt wieder beeindrucken möchtest, oder die dich wieder in das alte Muster schubsen. Etwas das dir hilft in dich zu gehen, dich aber von allzu zermürbenden Fragen ablenkt.

    Mir hat da Radfahren sehr geholfen, auch weil ich da ein besseres Ohr für meine eigenen Bedürfnisse bekommen habe. Welche Leistung kann ich schaffen, wann mute ich mir einfach zu viel zu,...man fängt an auf die Anzeichen im Körper zu hören. Gleichzeitig verbringt man qualititative, wertvolle Zeit mit sich selbst, die man zu schätzen lernt. Und da das Hirn ja auf voller Alarmbereitschaft ist, kann man sich auch nicht völlig in seinen schwermütigen Gedanken verlieren. Die kleinen Regenwolken überm Kopf lösen sich auf und verfliegen.

    Leider ist im Winter nicht immer Gelgenheit zu radeln, und bei Sonnenschein ist's natürlich viel schöner. Aber vllt. gibt es ja andere Dinge, die du nur für dich tun kannst.

    Josu

    Hallo Teaser,

    Ich kann verstehen, dass du dich fragst, wie du nun nach deinem wahren Ich suchst. Leider gibt es auch hier keine Patentrezepte. (Hast du denn mal das Buch gelesen, von ALice Miller? Ist vllt wirklich hilfreich).

    Mir hilft es viel an die frische Luft zu gehen, vor allem Fahhrad zu fahren, mich abzuhetzen und dabei meine Ruhe zu haben. Allein zu sein, mit mir und der Natur. (Vllt. musste ich das ersteimal lernen, mit mir allein sein.) Dann kann ich tief in mich gehen und ganz auf mich hören, keine störenden Menschen, vor denen ich mich verstellen muss, den Wald und die Bäume interessiert es nicht, wie ich bin. Ich kann einfach ich selbst sein.

    LG Josu

    Hallo,

    habe mich auch nie direkt hier im Forum bzw. in dieser Rubrik vorgestellt, sondern mein erstes Anleigen gleich im Co-Alkoholiker Bereich geschrieben.

    Damit nachher keiner sagt ich würde als Forumsgeist hier rum spucken, ist hier nochmal der EIngangsthread für diejenigen, die es interessiert.

    https://beispiel.rocks/beispiel.rocks…ftopic3956.html

    Darin sage ich eigentlich alles, was für mich ersteinmal relevant war/ist. Meiner Schwester konnte ich bisher leider noch nicht helfen, aber dafür mir selbst. Ich habe für mich erkannt, was vllt. schwer zu akzeptieren ist: dass ich Alkoholikern bin. (Dass mache ich im Anfangsthread vllt. nicht ganz deutlich, ist mir aber jetzt umso bewusster.)

    Als es mir vor ca dreieinhalb Monaten das erste mal gedämmert hat, was mit mir los ist, war ich zunächst derart geschockt, dass ich nie wieder einen Schluck Alkohol trinken wollte. Davon war ich fest überzeugt, und bin es noch heute. Trotzdem stehe ich mit meinem Problem in meiner Familie sehr alleine da. Bei Familienfeiern lade ich mich jetzt aus, und weiss, das die anderen sich in meiner Abwesenheit über mich lustig machen, während sie literweise den ALk in sich hineinkippen. Sie können und wollen mich nicht unterstützen, denn das hieße für sie, ihr eigenes Trinkverhalten zu überdenken.

    Das hat mich am Anfang sehr traurig gemacht, aber jetzt habe ich es eben akzeptiert, und mich damit abgefunden. Die Hauptsache ist für mich, dass ich nicht mehr trinke.

    Danke fürs zuhören

    Josu

    Hallo Teaser

    du hast natürlich recht, frei bin ich auch bloß nicht davon, aber ich beginne langsam zu verstehen, warum ich bestimmte Sachen mache. Das heisst aber nicht, dass ich automatisch alles richtig mache, es ist eher eine Art Lernprozess.

    Lg Josu

    Hallo Teaser

    ich habe das Gefühl, dass du schon auf einem guten Weg bist, weil du deine "Instiktiven" Handlungen beobachtest und hinterfragst. Genau das tue ich auch bloß, aber alles von heute auf morgen abstellen, geht natürlich nicht. Auch ich habe bei weitem noch nicht alle Relikte (spielchen, wie du es nennst) aus meiner Kindheit abgelegt. Aber ich bin aufmerksamer geworden, gerade in meinen unbewussten Handlungen.

    Eines ist mir bspw. bei deiner ANtwort sofort aufgefallen:

    du schreibst zwar, dass du die Anerkennung deiner Eltern nicht mehr brauchst, aber dann gleich das:

    Zitat

    „Maßstäbe“, die ich nicht erfülle und nie erfüllen werde, die erdrücken mich heute noch. Ich habe längst mehr erreicht als sie und trotzdem fühle ich mich wertlos.

    Du misst dich und deine Leistungen also immer noch an unerreichbaren Maßstäben? Aber warum? Meine Schwester macht das auch, und geht daran kaputt. SIe hat bspw. ihre Uni Karriere bei super Leistungen (Zwischenprüfung mit eins) hingeschmissen, angeblich weil niemand ihre tollen Leistungen anerkannt hat. Sie sagte mir dann, "ich hab so viel geschafft, aber ihr habt es nicht anerkennen können." Als sie fühlte keine Anerkennung für ihre Leistung zu bekommen, fehlt ihr der übliche ANtriebsmotor. Keine Anerkennung bedeutete für sie gleichfalls "wertlos" zu sein, egal was sie eigentlich geschafft hat. Sie bewertet ihr Leben nach Anerkennung. Bekommt sie viel wird sie geliebt, bekommt sie keine, wird sie nicht geliebt und fühlt sich wertlos. Genau da liegt aber der Denkfehler. Genau dadurch wird man nie zufrieden mit seinen Leistungen, wenn man alles daran misst, was die anderen sagen. Dann hetzt man sich und hetzt sich und ist am Ende doch nicht glücklich.

    Ich hoffe du kannst mir etwas folgen, es fällt mir manchmal schwer mich bei diesen Dingen klar auszudrücken, weil es auch echt nicht einfach zu erklären ist.

    Grüße Josu

    Hallo Monsi

    vllt hast du ja schon meine Beiträge bezgl. meines Vaters gelesen, und beziehst dich darauf, dass ich so kühl reagieren kann und alles so nüchtern sehe. Das liegt jedoch daran, dass meine Vater schon seit meiner Kindheit trinkt, ich ihn gar nicht anders kenne, und mir auch keine Hoffnung mehr mache, dass er jemals aufhören wird zu trinken.

    Bei dir ist es vllt. etwas anders, da du schreibst, dass dein Vater "erst" seit vier Monaten trinkt. Ich würde an deiner Stelle mal mit ihm reden, ihm ehrlich sagen, was du von seiner Trinkerei hälst und dass du dir Sorgen um ihn machst. Das ist manchmal wichtig und gibt deinem Vater vllt, das Gefühl, dass er nicht allein mit seinen Sorgen ist.

    Ich wünsche dir und deinem Vater alles Gute

    Josu

    Hallo TEaser

    mir ist dazu gerade noch ein Beispiel eingefallen. Ich habe schon länger keinen Kontakt mehr zu meinem Vater, doch vor einer Weile habe ich ihn mal wieder getroffen und wir haben uns unterhalten: Wir haben uns mehrere Jahre nicht gesehen, aber er konnte mir nicht sagen, dass er sich freut mich zu sehen, oder dass er mich vermisst hat o.ä. Im nachhinein ist mir aufgefallen, dass ich aber die ganze Zeit von meinen tollen LEistungen erzählt habe, um ih irgendwe von mir zu beeindrucken, dass er vllt sagt ich bin stolz auf dich...

    Aber er hat alles nur heruntergeredet hat, ich konnte es ihm mal wieder nicht recht machen. Danach habe ich mich schlecht gefühlt, aber jetzt akzeptiere ich halt, dass er mich nicht lieben kann (sich ja nicht einmal selbst liebt) und dass ich auf seine Anerkennung mit Verlaub gesagt: Sch***.

    Grüße

    Hallo Teaser,

    Du schreibst:

    Zitat

    Hat nicht jeder Angst vor Zurückweisung bzw. davor, dass seine Gefühle nicht erwidert werden?

    Nein, ich denke, dass hat nicht jeder, zumindest nicht die Leute, die als Kind ihrer selbst wegen geliebt wurden, und nicht ihrer Taten wegen. Angst vor Zurückweisung hat man, wenn einem die Selbstverständniskeit von Liebe fehlt. Wenn Liebe immer etwas war, worum man kämpfen musste. Wenn man nicht die Liebe seiner Eltern bekommen hat, sondern maximal die Anerkennung, und diese beiden Sachen nun mit einander verwechselt.

    Du denkst vllt. wenn ich alles für meine Partnerin mache, mich aufgebe, und alle Mittel einsetze, MUSS sie mich einfach lieben. Genau dass ist aber maximal ANerkennung, die du dann bekommst, aber in keinem Fall Liebe oder Zuneigung.

    Das Selbstverständnis von Liebe ist zu akzeptieren, dass man einfach so geliebt wird, seiner selbst willen und nicht weil man so großartiges leistet. Ich denke Skye sagt das ja ähnlich:

    Zitat

    Gut war nie gut genug. So hatte ich immer das Gefühl, nichts was ich tat war wirklich ausreichend. Ich war nicht ausreichend, nicht nur nicht befriedigend oder gut, nein noch nicht mal ausreichend.

    Wir haben keine Liebe bekommen, sondern maximal ANerkennung, UND Anerkennung heisst großes leisten. Und das tust du vllt. immer noch in deinen Beziehungen. Du kannst nicht akzeptieren, dass dich einer liebt ohne dass du dafür großes leisten musstest. Oder was meinst du?

    Josu

    Hallo Andi

    jetzt habe ich wieder deine Antwort erst zu spät gelesen.

    Du schreibst ja

    Zitat

    der Griff zu Deiner Wasserflasche ist ein Wink den Du bekommen hast,den Dein Suchtgedächtnis Dir sofort gesandt hat,weil es wahrscheinlich diese Situation abgespeichert hat,wahrscheinlich eine der vielen Situationen wo Du vorher zum Alkohol gegriffen hast,um Dich gerade von diesen abzulenken um Dich ja nicht mit Ihnen auseinander setzen zu müssen.


    So sehe ich das auch und ich denke ich habe den "Wink mit dem Zaunpfahl" verstanden. Und darin sehe ich auch meinen Fortschritt, ich agiere nicht einfach nur, sondern hinterfrage meine unbewussten Handlungen.

    Ich glaube, der THerapeut hat schon etwas gemerkt, hat aber nichts dazu gesagt. Ich werde es nächste Woche auf jeden Fall mal ansprechen.

    Hallo Whitewolf

    nein so habe ich es nicht gesehen. Weil ich meistens eine Wasserflasche einstecken habe. Und eigentlich nie aus dem Glas trinke. Nicht zu hause und nicht unterwegs. (Dafür habe ich aber Wein, bspw. immer aus dem Glas getrunken) Es ging mir mehr darum, dass ich genau in diesem Moment plötzlich einen trockenen Mund hatte und einen Schluck getrunken habe. Jetzt habe ich mich gefragt, ob das nun ein Reflex war, oder ob ich zuviel darein lege?

    An Alkoholtrinken habe ich in diesem Moment aber nicht gedacht. Einfach nur an Wasser. Dass meine ich mit Fortschritt.

    Josu

    Hallo Spacegirl

    du schreibst

    Zitat

    ihm werde ich auch nichts von mir erzählen, er würde nur versuchen mich zu einem rückfall zu kriegen, und dann sagen: "wußte ich doch, dass du nichts auf die reihe kriegst."

    Dass kenne ich auch von Leuten, die selbst trinken und einem den eigenen Ausstieg nicht gönnen. Da hilft nur stark bleiben und sich nicht unterkriegen lassen.

    Josu

    Heute beim Psychotherapeuten ist mir etwas passiert, worüber ich gerne mal schreiben möchte. Beim Erzählen über meine Probleme kam ich zu einem Punkt in meiner Kindheit, über den ich bisher kaum mit jemanden gesprochen habe, denn frühen Tod meiner Mutter. Plötzlich merkte ich, wie die Tränen in mir aufstiegen, und um nicht zu weinen, habe ich automatisch in meine Tasche gegriffen und einen Schluck aus meiner Wasserflasche genommen. Ich hab mir gar nichts dabei gedacht, nur: Ich brauch jetzt unbedingt ein Schluck Wasser. Rückblickend denke ich, dass ich sozusagen symbolisch "zur Flasche" gegriffen habe, weil ich früher in solchen Momenten getrunken habe. Oder deute ich da zu viel in diese Situation hinein? Ich werde nächste Woche meinen Therapeuten mal darauf ansprechen.

    Das ich nur gedacht habe, ich brauch ein Schluck Wasser, aber nicht: Ich brauch Alk, ist ja schon mal ein Fortschritt. Oder?

    Josu

    bei mir war auch am Anfang eine große Euphorie da, weil ich nun endlich offen mein Problem erkannt hatte. Dann folgte leider die Ernüchterung, dass ich immer noch auf einem Riesenberg Problemen sitze. Das hat mich dann wieder ein bisschen runter gezogen, aber ich habe mir klar gemacht, dass es leichter ist, meine Probleme in Angriff zu nehmen, wenn ich nicht erst einmal zu Flasche greife.

    Grüße Josu

    Habe gerade erst skye's text gelesen. Ich finde sie drückt es sehr gut aus: Die Sache mit der vergeblichen Suche nach Anerkennung wenn man es seinen Elten nie recht machen konnte... So war es bei mir auch, bis ich erkannt habe, dass ich es meinem Vater nie recht machen kann.

    HAllo Teaser

    ich würde dir gerne etwas dazu schreiben, weil mir zu deinem Text wieder etwas eingefallen ist, weiss aber nicht, ob es dir Recht ist, wenn ich dann wieder so meine spezielle Erkenntnis miteinbringe. (Weil sie ja wirklich eher speziell sind)


    Meiner Erfahrung nach suchen viele Kinder aus kaputten Familien, ebensolche zerstörerischen Beziehungen (kaputte), die von vorne herein zum scheitern verurteilt sind aus zwei Gründen:

    1. Weil sie denken, dass es Liebe ist, wenn man sich für den anderen aufopfert, sich selbst dabei aber völlig aufgibt. Sowie sie es in der Kindheit gelernt haben.

    2. Weil sie den Eltern nicht helfen konnten, sich deshalb immer noch Vorwürfe mache, Schuldgefühle und Versagensängste haben. Diese versuchen sie dadurch zu lindern, dass sie mit ähnlich "schwierigen" Partnern wieder ähnliche Konstellationen durchspielen, in der Hoffnung diesmal nicht zu versagen, bzw. alles richtig zu machen.

    Du drückst es selbst in etwa so aus

    Zitat

    es muss funktionieren. Oder besser: es kann funktionieren, wenn ich nur nicht wieder alles falsch mache.

    Wieso glaubst du eigentlich, dass nur du alles falsch machst? Was ist denn mit der Partnerin?

    Zitat

    Und dann beginnt der „Kampf“. Tricksen, Spielchen spielen, Manipulieren. Jedes Mittel ist recht!

    Welcher Kampf? Der Kampf nach Liebe oder der nach Anerkennung? Und warum kämpfst du diesen mit allen Mitteln? Reliquit aus der Kindheit?

    Ich würde dir raten dein Verständnis von Liebe zu überdenken. Es kann nicht Liebe sein, sich für jemand anderen aufzuopfern, oder gar demütigen zu lassen. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes einfach nur selbstzerstörerisch. (Genau diesen Punkt hat meine Schwester bspw. noch nicht begriffen, sonst würde sie sich nicht einen Alkoholiker nach dem anderen suchen.)


    Schönen Abend noch Josu