Hallo ihr Lieben,
es ist eine Weile her, seit ich das letzte mal hier war.
Ich habe schließlich doch die angekündigte Forumspause gemacht, weil es für mein Wohlbefinden in diesem Moment der weniger schmerzhafte Weg war. Ihr alle hier seid eine große Hilfe, aber mitunter auch schohnungslos offen. Das soll jetzt um Gottes Willen keine Kritik sein, es ist nur so, dass ich soweit einfach noch nicht bin.
Nach meinem letzten Eintrag hier, folgte eine Zeit in der es mir wirklich schlecht ging. Zu den Beziehungsproblemen summierten sich Konflikte mit meinen Eltern, die mir sehr gut aufzeigten, wie meine Co-Anfällige Persönlichkeit entstand. Auch in der Arbeit lief es unbefriedigend. Aber mein Hauptthema blieb weiterhin die Frage um den Alkoholismus, um die Zukunft meiner Beziehung. All das spitzte sich so zu, dass ich psychosomatische Beschwerden bekam und ständig in Tränen ausbrach. Die Gesamtsituation war für mich nicht mehr tragbar und ich wusste, ich muss etwas verändern. Bei meinen Gedanken fing ich an, ich versuchte Klarheit zu schaffen und irgendwie mit mir ins Reine zu kommen.
Nach der Trennung habe ich mich entschlossen meinem Partner eine Chance zu geben. Die Wahrheit ist, dass ich mir immer vorstellte, dass mein XY ca. 3-4 Monate nichts mehr trinken wird und dann ein normales Trinkverhalten findet. Das heißt für mich im Klartext: Risikoarmer Konsum, und ja, auch mal betrunken, aber eben nicht regelmäßg.
Durch euch und auch durch einen Teil meines Verstandes, weiß ich aber, dass das nicht realistisch ist, wenn er Alkoholiker ist.
Ob er Alkoholiker ist, kann mir aber niemand beantworten, außer er selbst. Und er wird das verneinen, weil er entweder wirklich kein Alkoholiker ist, oder er ist einer und dann lügt er mich an.
Was also bleibt ist, auf seine Taten im Hier und Jetzt zu schauen.
Es nützt mir gar nichts, mich selbst zu zerfleischen, meine Gedanken darum kreisen zu lassen was sein kann oder auch nicht. Mich ewig damit zu Quälen ob er Alkohiliker ist, ob ich mich trennen aollte, ob er heimlich trinkt, ob ob ob. Das alles bringt mir nur Kummer, ich habe es erlebt.
Also entschloss ich mich, mich selbst beim Wort zu nehmen. Meine eigenen Regeln zu befolgen. Nicht mehr auf ihn schauen, mir keine Gedanken zu machen um Alkohol. Mein Leben zu leben, mit ihm, so lange es sich gut anfühlt. Deshalb war ich nicht mehr hier..
Und ehrlich: Es hat mir gut getan. Mit ist schon klar, dass an dieser Stelle ganz schnell das Wort Verdrängung parat ist. Und mag sein, das stimmt.
Vor wenigen Tagen hat XY das erste mal in meiner Gegenwart wieder ein Glas getrunken, im Kreise von unseren Freunden als wir auf eine freudige Nachricht angestoßen haben. Alle tranken an diesem Abend, er blieb jedoch nach dem einen Glas bei alkoholfrei. Am nächsten Tag konnten wir endlich wieder ein gutes, gefühlt ehrliches Gespräch über Alkohol führen. Und ich weiß, dass er auch mit Freunden darüber redet. Solche Dinge sind es, die mir Hoffung machen. Vllt ist diese Hoffnung Müll, vllt auch nicht. Die Zeit wird es zeigen.
Es ist seine Entscheidung zu trinken oder nicht, er weiß was auf dem Spiel steht. Ich kann daran eh nichts ändern. Aber ich kann aufmerksam beobachten und ihn endgültig verlassen, wenn ich merke er rutscht in alte Muster. Wenn es mir nicht mehr gut dabei geht. Und das habe ich immer präsent in meinem Kopf. Ich kann an ihm nichts ändern, aber ich kann mich jederzeit entscheiden zu gehen.
Zitat
Wenn ich bei irgendwas resigniere, dann werde ich innerlich ganz traurig.
Klar ist mir das auch schon passiert, das ich resignierte, weil alles keinen Sinn mehr hatte.
Aber es ist mir das verhassteste Gefühl von allen.
Gar nichts mehr tun zu können, sondern nur noch zuschauen zu können.
Ich fühle mich jetzt weniger resigniert, ich fühle mich gefasst und gefestigt. Aber dieses Gefühl entstand für mich aus der Resignation.. sie war also ein wichtiger Schritt für mich.
Zitat
Während du im Karussell sitzt und versuchst, den Alkoholismus zu verstehen, vergeht deine wertvolle Lebenszeit.
Sei dir doch bitte wichtig und wertvoll!
Lieber Hans, ja in diesem Bereich habe ich noch sehr viel Nachhole und Lernbedarf. Ich bin mir selbst nicht wichtig genug, immer kommen alle anderen zuerst. So bin ich aufgewachsen, ich habe nie gelernt, dass meine eigenen Empfindungen wichtig sind. Was ich aber kann, ist mich selbst zu reflektieren. Vllt verschenke ich gerade wertvolle Lebenszeit, aber ich schenke sie an einen Menschen der mich auch glücklich macht und (als gesunder Mensch!!!) der Mann meiner Zukunft ist. Was sind da ein paar Monate des Beobachtens und abwartens... das ist es mir wert, das nehme ich in Kauf. Hat nicht jeder zumindest eine (!) Chance verdient.
Wäre es andersrum, ich weiß er würde sie mir geben.
So.. ich bin gefasst auf Gegenwind
Aber in jedem Fall erst einmal: Danke fürs Lesen, danke für alle die sich die Mühe machen und mir antworten! Es ist nicht vergebens, eure Antworten sind Teil der Entwicklung und lenken diese gehörig, das habe ich deutlich gespürt.