Beiträge von Mario B.

    Hallo Martin,

    danke für deine Antwort.

    Das Argument der Trinkererfahrung ist natürlich ein gewichtiges Argument und sollte nicht komplett vernachlässigt werden.

    Zitat von Martin


    Wie soll so jemand dir gute Ratschläge geben wenn er es nicht selbst erlebt hat ?

    Andererseits: Warum sollte ich von jemandem medizinische Ratschläge annehmen der jeden Moment wieder rückfällig werden kann (und damit seine Ratschläge mit einem Schlag ad absurdum führen würde. ;)

    Was natürlich nicht ausschliesst dass es sowohl trockene Alkoholiker gibt, die dies bis ans Lebensende bleiben, als auch Therapeuten gibt, die keine Alkoholiker sind aber einem trotzdem bei der Bekämpfung dieser Sucht enorm weiterhelfen können.

    Hallo Hartmut,

    danke für deine Erklärungen zu Allen Carr's Methodik, jetzt verstehe ich besser wie du dies mit der Hintertür gemeint hast.

    Zitat von Hartmut


    Wie sieht es denn bei dir aus? Ziehst du das für dich in Erwägung?

    Nach meinem letzten Absturz stand eine Langzeittherapie schon zur Debatte, diese Idee wurde aber erst einmal nach hinten verschoben weil es Ende Oktober grössere Baustellen gab die es anzugehen galt. Da waren erst einmal ein Mindestmass an trockener Stabilität erreichen als auch ein neues, heimisches (und halbwegs trockenes) Umfeld, bedingt durch die Trennung meiner Frau, zu schaffen. Hier galt eine Wohnung zu renovieren und neu anzustreichen, einen Umzug zu organisieren, wass auch zur Folge hatte das jetzt auch das ehemalige gemeinsame Haus verkauft werden muss und die dadurch entstehenden Bankmodalitäten geregelt werden müssen. Das wäre aus einer (in meinem Fall wegen meines Standortes dann doch weit entfernten) Therapieeinrichtung heraus eher schlecht gegangen, ausserdem wäre es wohl quasi alkoholischer Selbstmord gewesen, nach Ende und Rückkehr einer Therapie vor einem "Nichts" (leeres Haus, etc) zu stehen.

    Aktuell sehe ich ja meinen Arzt und meinen Coach abwechselnd jede Woche, ganz vom Tisch ist das Thema einer Threapie aber noch nicht.

    Hallo Sven,

    auch dir Danke für deine Posts.

    Diverse Bücher habe ich jetzt auch schon durch. Am vergangenen Wochenende musst das kurzweilige Buch "Alk: Fast ein medizinisches Sachbuch" daran glauben. Auch wenn das Thema nicht zum Lachen ist musst ich doch, aufgrund des Schreibstils des Autors, bei diversen Passagen dann doch öfters schmunzeln.

    Was das Forum angeht: aktuell bin ich über jede Idee und jeden Ratschlag, ob sie jetzt von einem Langzeittrockenen oder von einem Frischling kommen, froh. Ich muss meinen Weg finden, hierzu kann eine Erweiterung meines Horizonts erst einmal nicht schaden. Jeder Tipp oder Ratschlag wird mir helfen dauerhaft aus meinem alten Trott heraus zu kommen. Auch wenn ich diverse Ideen und Ratschläge nicht immer Teile oder umsetzte, alleine schon dass ich mir darüber Gedanken mache hilft mir persönlich enorm weiter.

    Schöne Grüsse euch Allen,

    Mario.

    Hallo Hartmut,

    danke für dein Post.

    Erst schreibst du

    Zitat von Hartmut

    Dieses "Kainsmal " ist für mich eine Hintertür egal wie du das benennst. Ist mir bekannt aus dem Buch Allens Carr "Endlich ohne Alkohol". Sucht sucht sich im Hirn eben andere Wege als Normaldenkende. Nicht Alkoholiker stellen sich ja auch kein Suff aus irgendwelchen Gründen in den Schrank.

    und dann

    Zitat von Hartmut

    Hallo Mario,
    Ich halte von Literatur die von Nichtalkoholiker geschrieben wurden auch nicht zielführend.

    Also doch keine Hintertür? Oder wie soll ich deinen Verweis auf Allen Carr verstehen?

    Zitat von Hartmut

    Genauso wenig von Therapeuten die sich es angelesen haben. Erfahrungen sind für mich durch nichts zu ersetzen.

    Heisst dies im Umkehrschluss für dich dass aerztliche Therapien nur Sinn machen wenn die Therapeuten trockene Alkoholiker sind? Wenn ja, waere dies eine heftige Aussage denn damit wuerdest du ja auf einen Schlag den Grossteil der Therapeuten als auch Therapieeinrichtungen, die Alkoholiker therapieren, das Existensrecht absprechen. Oder zumindest keinem der Alkoholkranken ist, dazu raten diese aufzusuchen.

    Oder meinst du mit “Erfahrungen” dass man sich eher ältere Therapeuten mit langjähriger Praxis aufsuchen sollte?

    Gruss,

    Mario.

    Hallo Martin,

    Zitat von Martin


    du solltest doch deiner Familie und Freunden so wichtig sein dass sie nicht trinken wenn du bei ihnen bist.

    Das haben sie sogar gemacht. Dem habe ich aber schnellstens ein Riegel vorgeschoben und sie gebeten dies zu unterlassen. Das möchte ich nämlich nicht, und erst recht nicht wenn noch andere Personen vor Ort sind. Ich habe schon genug Menschen, als ich besoffen war, geschadet. Da muss sich jetzt nicht auch noch im trockenen Zustand die ganze Welt (wieder einmal) um uns Alkoholiker drehen, und das nur weil wir ihn früheren Jahren nicht imstande waren, es welchen Gründen auch immer, unsere Grenzen zu ziehen.

    Zitat von Martin


    Oder sind sie selbst Alkoholiker und können deshalb nicht auf Alkohol verzichten

    An solchen Hobbyarzt-Ferndiagnosen, basierend auf Kaffeesatzleserei, werde ich mich jetzt nicht beteiligen. :roll:

    Gruss,

    Mario

    Hallo Cadda,

    danke für dein Antwort.

    Ich werde mir den Rat von dir (und auch den von Hartmut) über den Sekt noch einmal zu Herzen nehmen und darüber nachdenken. Zudem werde ich mal meinen Coach (Facharzt für Psychiatrie) darauf ansprechen und mir auch seine Meinung dazu holen. Ihn und meinen Hausarzt sehe ich übrigens aktuell abwechselnd im Wochenrythmus (Grundbaustein 2. - Arztbesuch).

    Deine Meinung zum Ausgehen habe ich gelesen und diese entspricht auch in etwa wie ich vorgehen will. Treffen des Saufens wegen werde ich in der Tat nicht mehr aufsuchen, zu Hause werde ich auch nichts mehr ausschenken aber meine Familie und gute Freunde werde ich trotzdem weiter besuchen, Alkohol hin, Alkohol her. Ich werde jetzt auch nicht alles komplett verändern und mein ganzes soziales Umfeld kappen.

    Zudem ich momentan noch eh jede Situation einzeln bewerte und abwäge. Bei Weihnachten und Sylvester habe ich dies auch getan, der Sentimentalfaktor war aber in diesen beiden Fällen für mich nicht berechenbar, also habe ich mich entschlossen diese Feiertage lieber alleine zu verbringen. Gut möglich dass ich dies bei einem Geburtstag oder bei zukünftigen Weihnachten anders bewerten und anders entscheiden werde... Das Wochenende vor den Feiertagen war ich z.B. bei guten Freunden zu einem Abendessen.

    Hallo Hartmut,

    auch dir Danke für deine Antwort.

    Bei Gelegenheit muss ich mir übrigens eine Eselsbrücke für deinen Namen einfallen lassen, ich tippe ständig "Hartmund" und muss es dann korrigieren. ;)

    Die Umschreibung der Grundbausteine als Selbstbedienungsladen finde ich übrigens sprachlich sehr gelungen. Man kann sich das wählen was man braucht, was einem wissentlich Gutes tut und was man sich zudem auch finanziell leisten kann. Zudem ist der Laden immer offen, man kann immer dorthin zurück kehren um sich Nachschub zu holen als auch sich mit neuen Wünsche eindecken wenn man seinen Geschmack geändert hat oder sich neue finanzielle Möglichkeiten ergeben haben.

    Zitat von Hartmut

    Nicht Alkoholiker stellen sich ja auch kein Suff aus irgendwelchen Gründen in den Schrank.

    ... und schreiben auch nicht in Alkoholikerforen. :wink:

    Allen Carr hatte ich übrigens seit zwei Nichtraucherseminaren, die mir nix gebracht haben, nicht mehr als Ratgeber auf dem Schirm. Nachdem ich die letzten nüchternen Wochen "Lieber schlau als blau" und "Nüchtern: Über das Trinken und das Glück" gelesen habe, hat mir Amazon zwar immer sein Buch "vorgeschlagen", ich habe aber mir stattdessen am Montag "Alk: Fast ein medizinisches Sachbuch" bestellt.

    Gut möglich dass ich dann doch einmal in "Endlich ohne Alkohol!" reinschnuppere.

    Da fällt mir auf, hat es seinen Grund dass Literatur über Alkoholprobleme nicht in den Grundbausteinen steht?

    Hallo Sven

    danke. Ich wünsche dir auch eine zufriedene Trockenheit als auch eine zufriedene Forumszeit.

    Gruss und euch allen ein schönes Wochenende. :)

    Mario

    Hallo Cadda,

    vielen Dank für dein Post, dein Mutmachen und deine Ratschläge. :D

    Dass ich die Festtage jetzt nicht so dolle fand lag in der Tat nicht an meiner Nüchternheit, sondern daran dass ich mich total einsam fühlte und es übrigens auch war weil ich an diesen Tagen kein Risiko eingehen wollte und den Familientreffen fern geblieben bin. Siehe Grundbausteine.

    Ich kann mir da geeignetere Tage vorstellen um sich mit seinen Gefühlen auseinander setzten "zu müssen" was im Grunde ja eine logische Konsequenz war wenn man sich quasi sozial isoliert.

    Zum Thema Ex-Trunkenbold: Ich finde die "was wäre wenn" Frage darf ich halt eben (aktuell) nicht ignorieren, ich bin nicht so überheblich die Möglichkeit eines Rückfalls komplett auszuschliessen. Meines Erachtens wäre das fatal. Alleine schon weil man sich dann auch vorher keine Gedanken über die Konsequenzen als auch über Notfallszenarien, die in diesem Fall greifen müssten, gemacht hätte.

    Dein Spruch mit den Türen gefällt mir, ich hoffe bloss dass ich demnächst meinen Schlüsselbund wiederfinde. :)

    Hallo Hartmut,

    auch dir ein grosses Danke für dein Post. :D

    Durchhalteparolen? Natürlich sind sie das. Wenn es so einfach wäre eine Sucht ohne Durchhalteparolen zu bekämpfen würde es dieses Forum ja wohl nicht geben. ;) Ich könnte natürlich mir und euch etwas vorspielen und einen auf neue, aufgeräumte und umgekrempelte Supidupiheilewelt machen, würde sich aber dann eher wie Satire lesen. Zudem wäre es ein Widerspruch zu einem der diversen Grundbausteine ("sein Suchtproblem vor sich selbst nicht mehr zu verschleiern, alles nur halb so schlimm zu reden, ...") die ich einsetzen möchte um mit meiner Sucht zu leben.

    Zum Thema System: Die Erkennbarkeit eines Systems liegt aber immer im Auge des Betrachters, für den biederen Buchhalter ist der spontane Entwickler oder Erfinder immer noch ein Chaot ohne erkennbares System. ;)

    Ja, die Grundbausteine kannte und kenne ich und es ist eine gute Idee sie hier immer zusammengefasst griffbereit zu finden. Eine der Grundbausteine ist ja z.b. das alkoholfreie Umfeld nach dem du mich gefragt hast.

    Viele Punkte aus diesem Baustein habe ich übernommen respektive werde ich übernehmen, einige aber nicht. Gehen wir mal die diversen Punkte dieses Bausteins durch.

    In diesen 77 trockenfreien Tagen habe ich unter anderem meine alte Wohnung (die ich Gott sei Dank noch hatte) renoviert, neu gestrichen und neu eingrichtet (anders als vorher) und bin zurück in diese Wohnung gezogen. Alkoholreste, bis auf 2 Flaschen Sekt, gab es keine zum mitnehmen da ich den ganzen Vorrat, sprich den ganzen Weinkeller und die komplette Alkoholbar vorher komplett leergesoffen hat. Die 2 Flaschen Sekt waren über bevor ich meinen Arzt (wieder einmal :roll:) aufsuchte (seitdem habe ich nichts mehr getrunken), ich habe sie beim Umzug mitgenommen und stehen seitdem in meinem alten, neuen Kühlschrank. Hier sind wir übrigens wieder beim Auge des Betrachters: für den einen mag das ein Hintertürchen sein, für mich persönlich ist es ein Kainsmal, eine Warnung die mich jeden Tag an meinen Tiefpunkt erinnern soll, ein Tiefpunkt, den ich körperlich als auch psychisch nie mehr erleben will. Ansonsten kommt mir aber kein Alkohol mehr in die Wohnung.

    Verschiedene Plätze, an denen ich Alkohol getrunken habe, versuche ich zu meiden, soweit es geht und ich es will (siehe "Zählt nur die Priorität, die ein jeder sich für die eigene Trockenheit setzt." aus den Bausteinen). Bei mir sind es aktuell Familientreffen und -feiern wo der erweiterte Kreis dabei ist, meine persönlichen Stammkneipen und Sauffeste, als auch die Bars und Restaurants aus meinem Arbeitsumfeld die ich aktuell vermeide. Die Räumlichkeiten meiner engsten Familienmitglieder als auch die guter Freunde, die bisher in meine Sucht eingeweiht sind, werde ich aber nicht aus meinem Leben verbannen. Und mit meinen Arbeitskollegen muss ich übrigens auch in den selben Büros weiterarbeiten sofern ich meinen Job behalten will. Und das will ich momentan, aktuell habe ich genug andere Baustellen.

    Ich hoffe ich habe dir geholfen dir ein Bild diesem Baustein zu machen. Es ist natürlich nicht auszuschliessen dass sich dies noch weiter ändern kann. Das wird die Zeit und mein Werdegang zeigen.

    Gruss,

    Mario.

    Hallo Ernest,

    vielen Dank für dein Post und Ermunterung.

    Ich denke für den Begriff mit Ex ist est wohl noch ein wenig früh, schliesslich sollte man nicht den Tag vor dem Abend loben. In meinem Fall oder besser ausgedrückt, in meiner bisherigen bescheidenen Zeitdauer der Trockenheit trifft dieses Sprichwort oft zu, da es dann oft Tage gibt habe wo nur das "Ueberleben" (ich nenne es mal so, und damit meine ich keinen Rückfall haben) wichtig ist und primäres Ziel ist den Tag trocken zu überstehen ist.

    Als Saufdruck würde ich dieses Gefühl aber nicht bezeichnen, es ist eher so dass ich an solchen Tagen eher den Sinn einer kompletten Abstinenz in Frage stelle.

    Ein Beispiel: ich hatte dieses Jahr das erste Mal ein trockenes Weihnachten und Sylvester seit fast 30 Jahren. Es müsste aber auch das besch.....ste Weihnachten und Sylvester seit fast 30 Jahren gewesen sein. Ich fühlte mich so einsam, voller Schuldgefühle garniert mit einer fetten Portion Selbstmitleid, wie selten zuvor in meinem Leben.

    Da denkt man sich (oder denken ich mir) dann schon: Ist das jetzt deine Zukunft? Na dann Prost...

    Diese Achterbahnfahrt der Gefühle ist schon anstrengend. Honecker hätte mir auf jeden Fall nicht "Vorwärts immer, Rückwärts nimmer" zugerufen. :lol:

    Gruss,

    Mario

    ... und nun stehe ich nun ich armer Tor und bin so (er)nüchtern(d) wie nie zuvor.

    Hallo, ich bin Mario, 44 Jahre alt und ein Trunkenbold.

    Dem langjährigen Abstinenzler (und dadurch gelernten Hobbypsychologen) wird wohl mein kurioser erster Einführungssatz ins Auge stechen und sich fragen: Bemitleidet sich Mario etwa selbst?

    Um es kurz und knapp auszudrücken: Ja, auf meiner nun 77 Tage dauernden Achterbahnfahrt der Gefühle tue ich das momentan.

    Nach diversen Quartalabstürzen in den letzten halben Dutzend Jahren, deren Abstände immer kürzen wurden, stehe ich nun vor dem Scherbenhaufen meines im Suff, in kalten als auch warmen Entzügen und in Rückfällen zusammengeschustertes Lebens. Diese Tatsache, die gefühlsmässig schwer zu ertragen ist, lässt bei mir dann schon des öfteren Selbstmitleid aufkommen.

    Nachdem ich meine Frau (und ergo auch meine Tochter) und mein Haus verloren habe, stand als nächstes mein Job auf der Tod-Do Liste von meinem zertörerischem Lebenswandel und irgendwie habe ich mich dazu überwunden (oder wurde dazu gezwungen, wie man es nimmt) - mal wieder - die Notbremse zu ziehen.

    Der Alkoholzug steht jetzt erst einmal, seit 77 Tagen, mein labiler Gemützszustand hat ihn bis jetzt noch nicht wieder in Gang setzen wollen und können. Na ja, wenigstens etwas.

    Nachdem ich in den letzten Wochen viele Stunden als stiller Mitleser in diesem Forum verbracht habe und viele Leidens- als auch Erfolgsgeschichten gelesen habe, habe ich mir gedacht dass es vielleicht nicht schaden könnte sich hier anzumelden um sich in dieser virtuellen Selbsthilfegruppe austauschen zu können als auch vielleicht ein eigenes Tagebuch in Angriff nehmen zu können. Schreiben, soll ja ähnlich wie reden, die Seele erleichtern. Mal schauen ob dies auch bei mir der Fall ist.

    Ach ja, ein schönes und ein gesundes neues Jahr Euch Allen die hier mitlesen.

    Gruss,

    Mario