..damit hat dein Gefährte auch verdammt Recht, Meni 
Mein Mann ist seit Di in der Entgiftung, hatte bis gestern absolute Kontaktsperre und ich schlucke seit Do Psychopharmaka. Ich versuche zu erklären, wie ich mich jetzt fühle.
Ich habe mir in den Jahren eine uneinnehmbare Mauer um mich herum aufgebaut und mir eingeredet, dass ich über allem stehe und meinen Mann nicht wirklich mehr liebe.
Alles Mist - soviel von vornherein.
Ich habe meinen Job, den Haushalt, die Kinder und die Tiere alles alleine erledigt, ich war zwar mit Partner, aber der war mehr wie ein weiteres Kind. Ich hätte so sehr jemanden zum anlehnen gebraucht, aber nur Unverständnis ( du hast ein Problem, Bier trinken ist normal), Ignoranz ( quatsch, er torkelt doch nicht) und Unwillen ( das liegt nur daran, dass DU arbeiten gehst und er zuhause bleiben muss. das kann man keinem intelligenten Mann zumuten.) von meiner Umwelt ( meine Eltern) geerntet.
Als mein Mann in die Entgiftung ging, ist diese Fassade in sich zusammengestürzt. Ich habe geheult und lange aufgestaute Gefühle wie Wut, Verzweiflung, Hilflosigkeit kamen an die Oberfläche.
Am Schlimmsten war für mich, das ich ausgeschlossen wurde. Ich wusste nicht, wie es meinem Mann geht, er wurde behandelt wie ein Kind, durfte nur 1x für 3 min unter Aufsicht mit mir telefonieren und auch dort wurde ihm dazwischen gequatscht und daraus resultierte, dass ich nicht wusste , ob er mich überhaupt sehen will, wie es mit unserer Ehe aussieht, welche Art der Therapie er nach seiner Entlassung machen will, ob das Besprochene überhaupt noch gilt oder ob sie ihn total umkrempeln, da diese Psychiatrie nur eine stationäre LzT akzeptiert und man lieber den Patienten entgiftet und direkt zur Therapie fährt, ohne dass er nochmal nach Hause kommt. Mein Mann hat letzteres abgelehnt und wird am Mi/Do nach Hause kommen.
Ich habe angefangen, über mein Verhalten während seiner nassen zeit nachzudenken. Ich habe viel gemotzt, geschrien, war ungerecht, unfair, wusste alles besser, habe ihn mit Liebesentzug gestraft und ihm das Gefühl gegeben, dass ich nur mit ihm lebe, weil ich keinen billigeren Babysitter bekomme und ihn nicht liebe....
Gleichzeitig hat mein Mann für sich reflektiert, wie das Leben an seiner Seite für mich gewesen sein muss und dass er nie wieder trinken will.
Die Kontaktsperre ist sicherlich angebracht, wenn man einen ebenfalls süchtigen Partner hat, aber für bestehende Beziehungen und vor allem für die Kinder ist es Gift. Man wird so unsicher, ist so alleine, denn in der nassen Zeit musste man alleine funktionieren und jetzt wird man auch noch weggestoßen und ist wieder alleine, während der Partner Hilfe erhält, ja , zeitweise wird man behandelt, als wäre man eine Gefahr für die Trockenheit. ich finde, da ist eine Lücke im System, egal, wie die " Erfahrung" aussehen mag, man muss differenzieren und nicht, wie Diandra sagte, nach einem bestimmten Schema, rehabilitieren.
Alkoholismus ist eine Familienkrankheit, sie hinterlässt Spuren bei jedem Familienmitglied.
Mein Mann schämt sich und will alles wieder gut machen
Ich hatte einen Nervenzusammenbruch, aus Überforderung resultierend und war unfähig, mich um mehr als um den Pizzaservice zu kümmern und mit meinen Kinder zu schmusen und ihnen meine tiefe Traurigkeit zu erklären.
Meine Kinder sind zutiefst verunsichert, weil der Papa (die Hauptbezugsperson) auf einmal nicht mehr für sie da sein kann, sie leiden unter der Kontaktsperre und sind einfach nicht in der Lage, damit umzugehen. Sie verlieren jegliches Vertrauen in ihre erwachsene Umwelt, sprich die Eltern, weil der Papa sang- und klaglos verschwand (niemand hat uns im Vorfeld über die Sperre aufgeklärt) und die Mama gleichzeitig ein Wrack wurde, dass bei "Guten Morgen" schon in Tränen ausbrach.
Das wäre alles vermeidbar gewesen!
Wir haben gestern viel geredet, sind uns einig, dass diese Art der Reha für uns nicht in Frage kommt, weil sie uns entfremdet und wir beide (mein Mann und ich) nicht damit umgehen können, wenn wir nicht gemeinsam für seine Trockenheit arbeiten können.
Ich habe sämtlichen Alkohol aus der Whg entfernt, heute kommt die letzte Fuhre Leergut dran und die Wein-, Bier-, Sekt-, Cognacgläser werden verschenkt.
Ich habe ihm Lebensmittel ins Krankenhaus gebracht, natürlich nicht, ohne mir vorher jede Zutatenliste peinlichst genau durchzulesen. Am Sonntag kommen Kosmetika und Medikamente dran und ich habe auch nicht den Eindruck, dass ich auf etwas verzichten muss ( die 2 Gläser Rotwein pro Jahr kann ich mir sparen), sondern dass ich aktiv unterstützen kann. Das tut mir gut und mein Mann fühlt sich verstanden und ernst genommen.
Ich bin sicher, dass man Beziehungen retten kann, wenn sich beide Mühe geben und wenn man viel miteinander redet. ich habe meinem Mann gestern gesagt, er möge doch bitte mit mir über seine Gefühle reden. Ich kann nicht wissen, was in ihm vorgeht - das muss er mir sagen! Wenn er auf mich sauer ist, ich mich daneben benehme und ihn bevormunde, möge er es mir bitte sagen, denn auch für mich ist alles neu. Umgekehrt selbstverständlich auch, ich sage nun, dass ich küssen oder in den Arm will - ich warte nicht, bis er evtl auf die Idee kommen könnte, denn ich habe begriffen, dass das zu viel verlangt ist.
Ich brauche das Gefühl, dass er mich liebt, mich in den Arm nimmt und dass ich nicht nur seine Frau, sondern auch seine beste Freundin bin.
Vertrauen ist ganz wichtig, positive Bestärkung von beiden Seiten, Humor, Liebe und ein Zusammengehörigkeitsgefühl.
Man muss nicht perfekt sein, ich will auch nicht, dass mein Mann wie früher wird, denn wie Spedi sagte, das brachte ihn zum trinken.
Ich möchte, dass mein Mann glücklich und gesund ist und das geht mir über alles - dafür stehe ich ihm zur Seite und habe gestern das allererste Mal mit ihm gesprochen, als er nüchtern war. Ich bin unbändig stolz auf ihn und das habe ich ihm auch gesagt. Auch das erachte ich für wichtig, dass man sich gegenseitig sagt, wenn man glücklich, stolz, zufrieden ist und vor allem - das man sich liebt und es ZUSAMMEN durchsteht, egal was kommt. Nur nicht aufgeben...und wir 6 (die Kinder, mein Mann und ich) bilden eine Einheit, die sich gegenseitig unterstützt und hilft...und es geht nicht um Schuld, sondern darum, diese tödliche Krankheit zu stoppen.
Wir haben uns vorgenommen, einen Schlussstrich zu ziehen und uns nicht durch schlechte Erfahrungen und Misstrauen zu belasten - wir reden miteinander und zeigen uns so wie wir sind, nicht wie der andere uns gerne haben möchte - und das ist toll !!!!